Mineralienatlas - Fossilienatlas

Gesteine / Rocks / Rocas => Geschiebe / Glacial erratic => Thema gestartet von: Sprotte am 11 Jul 12, 19:33

Titel: Fleckengneis (stiktolitischer Migmatit) - Geschiebe
Beitrag von: Sprotte am 11 Jul 12, 19:33
Guten Abend,

das Fleckengneis-Geschiebe (ca. 5,5 cm x 4.5 cm x 4 cm), das eine gewisse Ähnlichkeit mit Stockholm-Fleckengranit (einem Leitgeschiebe) aufweist, wurde in Nordwestmecklenburg gefunden.

Beschreibung: In einer feinkörnigen, durch reichlich Biotit grau gefärbten Grundmasse zahlreiche, etwa 2–8 mm große, aus Feldspat, Quarz und Biotit bestehende, linsenförmige Flecken. Die Grundmasse besteht außer aus, teils in schmalen Streifen angeordnetem Biotit aus Feldspat und Quarz, wie die Flecken selbst. Ein Teil der Flecken lässt einen zonaren Aufbau erkennen mit einem Biotitaggregat als Kern. Ähnliche, auch im Anstehenden sehr variantenreiche Fleckengneise (bzw. "Fleckengranite", z.B. Stockholm-Fleckengranit – siehe Zandstra 1988) kommen in Schweden in der Umgebung von Stockholm und nach Zandstra (1988) auch in Nordost-Blekinge vor (für einen Überblick über den Variantenreichtum dieser Gesteine siehe http://www.zwerfsteenweb.nl/steensoorten/Uppland.-e.o..html).

Viele Grüße
Sprotte
Titel: Re: Fleckengneis (stiktolithischer Migmatit) - Geschiebe
Beitrag von: geomueller am 11 Jul 12, 19:47
Hallo Sprotte,
das ist doch ein typischer Augengneis, oder? Die Bezeichnung Fleckengneis habe ich so noch nie gehört.

Gruß Jürgen
Titel: Re: Fleckengneis (stiktolithischer Migmatit) - Geschiebe
Beitrag von: Sprotte am 12 Jul 12, 09:34
Hallo Jürgen,

einige nordische Geschiebe, insbesondere auch bestimmte Migmatite, werden zur besseren Abgrenzung mit "Trivialnamen" belegt. Dazu gehören in diesem Zusammenhang z.B. der Västervik-Fleckengneis sowie der Stockholm-Fleckengranit.

Um einen der im Geschiebe reichlich vorkommenden Augengneise handelt es sich nicht. Die Flecken bestehen aus Feldspat, Quarz und Biotit in einer Zusammensetzung und Textur, die einem Granit entspricht (sie sind also nicht durch Deformation und Umkristallisation einzelner Kristalle entstanden). Die Matrix ist dagegen ein klassischer Gneis. Nach der Anatexis ist das Gestein allerdings nochmals leicht deformiert worden, was zu der ellipsoiden Form der Flecken geführt hat.

Viele Grüße
Sprotte
Titel: Re: Fleckengneis (stiktolitischer Migmatit) - Geschiebe
Beitrag von: Jörg am 10 Aug 12, 10:05
Hallo Sprotte,

ich grüble seit 1 Tag über das Gestein nach.
Hast Du den Zandstra1999 zur Hand? Unter der Nr. 123 (Seite 189 oben) ist dort ein "Stockholmvlekkengraniet" abgebildet und beschrieben, welcher Deinem Fund ziemlich nahe kommt.
Ich denke, dass Dein Geschiebe eine sehr ähnliche Variante von dem dort beschriebenen Gestein ist.

Glück Auf!
Jörg
Titel: Re: Fleckengneis (stiktolitischer Migmatit) - Geschiebe
Beitrag von: Sprotte am 13 Aug 12, 19:11
Hallo Jörg,

es stimmt schon, der dort abgebildete und beschriebene Stockholm-Fleckengranit entspricht - auch was die Größe, Form und Zusammensetzung der Flecken angeht - etwa meinem Fund (bei dem die Matrix allerdings noch stärker gneisartig texturiert ist [1]). Grundsätzlich tendiere ich auch deshalb für die Herkunft des Geschiebes aus Stockholm bzw. der unmittelbaren Umgebung.

Viele Grüße
Sprotte (Ralf)

[1] Der Variationsbereich des Stockholm-Fleckengranits umfasst nach Zandstra 1988 unterschliedliche Ausprägungen der Matrix, eine mit der Zusammensetzung und Textur eines feinkörnigen Granits (Stockholm-Granit) und eine andere mit einer stärker basischen Matrix und dem Habitus eines feinkörnigen Gneises mit einem recht hohen Anteil dunkler Minerale.
Titel: Re: Fleckengneis (stiktolitischer Migmatit) - Geschiebe
Beitrag von: Sprotte am 02 Oct 12, 19:03
Guten Abend,

neben dem oben abgebildeten Stockholm-Fleckengranit kommen in der Umgebung von Stockholm noch andere stiktolithische Migmatite vor, wie der, im Vergleich zum Stockholm-Fleckengranit häufiger als Geschiebe auftretende Stockholm-Fleckenquarzit, dessen Edukt sedimentären Ursprungs ist. Das unten gezeigte kleine Bruchstück (max. Breite: ca. 3,5 cm) eines ursprünglich größeren Geschiebes weist in einer (dunkel)grauen Matrix aus Quarz und Biotit etwa 2-3 mm große rötliche Flecken auf, die im Wesentlichen aus Quarz bestehen. Innerhalb der Flecken befindet sich vereinzelt ein kleines Biotitaggregat. Diese Variante mit rötlichen/roten Flecken ist insgesamt seltener als die Variante mit weißen Flecken. Für weitere Informationen und Bilder siehe z.B.: http://www.kristallin.de/s1/f_stock.htm#Anker1 http://www.strandsteine.de/Stockholm-Fleckenquarzit.htm http://www.zwerfsteenweb.nl/steensoorten/Uppland.-e.o..html

Viele Grüße
Sprotte