Mineralienatlas - Fossilienatlas

Fossilien / Fossils / Fósiles => Paläobotanik (fossile Pflanzen / fossil plants) => Österreich / Austria => Thema gestartet von: oliverOliver am 25 Jul 12, 13:37

Titel: Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Beitrag von: oliverOliver am 25 Jul 12, 13:37
Unterpannones Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation

1. Grundlegendes (Verbreitung und Datierung der Sedimente, Fundsituation)
Die Hollabrunn-Mistelbach-Formation ist vor allem für ihre Säugetierfauna (mit teils spektakulären Funden) bekannt. Aber auch fossile Pflanzenreste dieser Formation sind in vielen öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten.
Grundlegendes habe ich zwar schon unter einem anderen Thema kurz zusammengefasst: http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,7054.msg230545.html#msg230545
Trotzdem hier nochmals die wesentlichen „basics“ für das Thema.

Die niederösterreichische „Hollabrunn-Mistelbach-Formation“ (HMF) besteht aus fluviatilen Schottern und Sanden der sogenannten „Urdonau“ bzw. Paläo-Donau. Mit einem Alter von ca. 11 – 7 Mio. Jahren gehören diese Sedimente ins obere Miozän, genauer ins untere Pannonium.
Die „Urdonau“ verlief, von Südwesten (aus dem Raum Krems) kommend, über die südlichen Ausläufer des Manhartsbergzuges und dann in einer maximal 15 km breiten Zone nach Nordosten quer durch das Weinviertel, und mündete bei Mistelbach in den „Pannon-See“. Es werden dabei zwei Sedimentationsmillieus unterschieden: ein „Gravel-bed-river-System“ im Westen, und ein „Braid-Delta-System“ im Osten. Als allgemeines Ablagerungsmodell wird ein „Braided-river-System“ mit Übergängen zu einem „Wandering-river-System“ angenommen (Nehyba und Roetzel 2004).
Südwestlich von Krems könnten die vermutlich ebenfalls pannonen limnisch-fluviatilen Laimbach-Trandorf-Sedimente zu diesem Urdonau-Talverlauf gehören (Fuchs und Roetzel 1990; Steininger und Roetzel 1999, 87; Nehyba und Roetzel 2004, 192 f.). Auch die oberösterreichischen Hausruckschotter und Kobernaußerwald-Schotter sind (anscheinend) Reste des gleichen Flusssystems wie die Schotter der HMF (Nehyba und Roetzel 2004, 192; Roetzel u. a. 1999, 44.).
Fossile Hölzer aus diesen HMF-Schottern sind seit langem bekannt, aber leider ziemlich selten. Sie stammen innerhalb dieses Schotterkörpers überwiegend aus Rinnenfüllungen, genauer aus den Rinnenbodensedimenten (Nehyba und Roetzel 2004, 205).
Die schönsten Kieselholzfunde der HMF stammen aus Schottergruben, doch sind von diesen die meisten heute aufgelassen. In den verbliebenen wird in großem Stil abgebaut und das Betreten ist meist verboten. Die „guten Zeiten“, in denen in vielen kleinen Gruben wenig intensiv (und somit „sammlerfreundlich“) abgebaut wurde, sind also vorbei. Heute sind Funde eher auf Feldern möglich, wobei natürlich die Chancen für größere und nicht durch die landwirtschaftliche Tätigkeit beschädigte Stücke ziemlich gering sind.
Ich selbst habe bisher aus der HMF nur miese oder in der Zuordnung unsichere Hölzer (siehe den obigen link). Daher hier - unten - zwei Fotos von einem prachtvollen Stück mit Astabgang, das im Krahuletzmuseum in Eggenburg ( http://www.krahuletzmuseum.at/ ) ausgestellt ist (Fotos und Veröffentlichung mit Genehmigung der Museumsdirektion).
Schöne Stücke liegen auch in der Sammlung von Herbert Preisl:
http://members.aon.at/herbert-preisl/page_1_1.html   
(die meisten Hölzer auf dieser Seite aber aus anderen Formationen).
   edit (16.2.2013):  die Fotos auf dieser website werden öfters ausgetauscht - derzeit leider keine Hölzer zu sehen !
   edit 20.4.2013:  wieder Hölzer auf der homepage, aber nicht mehr unter "aktuell", sondern unter "Info".

Grundlegende Literatur (wird in folgenden Beiträgen abgekürzt zitiert):
• Fuchs und Roetzel 1990: G. Fuchs und R. Roetzel, Geologische Karte der Republik Österreich 1 : 50.000, Erläuterungen zu Blatt 36 Ottenschlag. Geol. BA, Wien 1990.
• Nehyba und Roetzel 2004: The Hollabrunn-Mistelbach Formation (Upper Miocene, Pannonian) in the Alpine-Carpathian Foredeep and the Vienna Basin in Lower Austria – An example of a Coarse-grained Fluvial System. Jb. Geol. B.-A. 144/2, 2004, 191 ff.
• Steininger und Roetzel 1999: F. F. Steininger und R. Roetzel, Jüngeres Tertiär. In: F. F. Steininger (Hrsg.), Erdgeschichte des Waldviertels, SchrR. Waldviertler Heimatbund 38, Horn-Waidhofen/Thaya 19992, 79 ff.
• Roetzel u. a. 1999: R. Roetzel, O. Mandic und F. F. Steininger, Lithostratigraphie und Chronostratigraphie der tertiären Sedimente im westlichen Weinviertel und angrenzenden Waldviertel. In: R. Roetzel (Hrsg.), Arbeitstagung geol. BA Retz 1999, Wien 1999, 40 ff.
Titel: Re: Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Beitrag von: oliverOliver am 25 Jul 12, 15:40
wie gesagt, ich selbst hab (noch) keine guten, gesichert aus der HMF stammenden Hölzer.
also, werte Kieselholz-Community:
ran an die Kameras, und Fotos hier einstellen !
Titel: Re: Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Beitrag von: oliverOliver am 27 Jul 12, 06:01
Das schönste (und gesicherte) HMF-Holz aus der Sammlung von Herbert Preisl hab ich schon im Thema "bescheidene Hölzer ...." (AW # 45: http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,7054.msg230726.html#msg230726 ) vorgestellt -
weil es aber so ein prachtvolles "Ausnahmestück" ist, hier noch einmal ein anderes Foto. Es stammt aus der Umgebung von Mistelbach, und wurde von Peter C. Huber vorläufig (ohne Garantie) mal als "Eiche" angesprochen.
Titel: Re: Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Beitrag von: oliverOliver am 27 Jul 12, 06:52
so zwischendurch:
Sandgrubenimpressionen aus der HMF, Teil 1.
Grube in der Umgebung von Hollabrunn.

(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1393873069.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1393873069.jpg)

(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1393873086.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1393873086.jpg)
Titel: Re: Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Beitrag von: oliverOliver am 27 Jul 12, 07:09
Schottergrubenimpressionen aus der HMF, Teil 2.
Aufgelassene Grube im Schmidatal.
Titel: Re: Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Beitrag von: oliverOliver am 10 Sep 12, 19:09
Hölzer aus der HMF in „abweichender“ Erhaltung
Auch in der HMF kommen – wie in der Melk-Fm – nicht nur verkieselte, sondern auch limonitisierte Holzreste vor. Allerdings beschränkt sich deren Vorkommen – soweit mir bekannt ist – auf ein kleines Gebiet am westlichen Rand der HMF.
Ich selbst hab noch kein derartiges Holz gefunden. Die Fotos unten zeigen ein winziges Stückchen (L = ca. 4 cm), das mir freundlicherweise ein Sammlerkollege, den ich zufällig im Gelände getroffen habe, geschenkt hat.
Diese Hölzer sind nicht sehr dicht mineralisiert und weisen viele Spalten und Hohlräume auf, die mit einem Rasen winzigster Bergkristalle überzogen sind. Die Kristalle sind so klein, dass mit freiem Auge nur ein Glitzern wahrnehmbar ist, und selbst unter der Lupe sind die Kristalle nur mit Mühe zu erkennen.
Die Erhaltung bzw. Fossilisation dieser Stücke könnte eventuell als „hybrid“ bezeichnet werden – soweit unter der Lupe erkennbar (ich hatte noch nicht die Gelegenheit, ein solches Stück unter dem Binokular zu betrachten), scheint es sich nicht um eine reine Limonitisierung zu handeln, sondern eine „Gerüst- bzw. Skelettstruktur“ dürfte verkieselt  sein. Rund um diese „Skelette“ oder „Mineralisationskerne“ befinden sich die limonitisierten Holzfasern.

Nach Auskunft eines Kollegen wurden von Baggerfahrern in der Gegend früher auch relativ große Hölzer in dieser „eigenartigen“ Erhaltung gefunden, die aber in „alle Winde verstreut“ wurden und in diversen Sammlungen liegen.
Weitere solche Hölzer im www siehe z.B.:
http://www.granzer.at/Mf/neufunde2002/stratzing_de.html
Titel: Re: Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Beitrag von: oliverOliver am 02 Oct 12, 22:10
Ein Kieselholz-Neufund aus der HMF von Mitte September (aus der Umgebung von Hollabrunn).
Der Fundkontext ist zwar wieder nicht über jeden Zweifel erhaben – ein mit Klaubsteinen geschotterter Feldweg, wiederum an der Grenze von HMF und Grund-Fm (vgl. AW #32 in „bescheidene Hölzer …“: http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,7054.msg230545.html#msg230545) – aber da sich der Weg im Gebiet der HMF befindet und die anderen Klaubsteine in diesem Abschnitt des Weges die HMF-typischen, stark gerundeten Quarzkiesel waren, ist eine Herkunft au der HMF mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anzunehmen.
Das Stück ist nur ein kleines (L. ca. 10 cm) und dünnes (sh. Foto 3) 08-15-Kieselholz, aber zumindest mit gut erkennbarer Zellstruktur an den Querbruchflächen (Detailfotos leider missglückt).
Titel: Re: Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Beitrag von: oliverOliver am 28 Oct 12, 21:08
Wieder ein Neufund (von Ende Oktober), Länge ca. 22 cm.
Diesmal ist die Zuweisung zur HMF unanzweifelbar gesichert - von der Abraumhalde einer Schottergrube östlich von Hollabrunn.
Titel: Re: Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Beitrag von: oliverOliver am 30 Oct 12, 21:40
zwischendurch wieder einmal:
Kiesgruben-Impressionen aus der HMF, Teil 3.
Eine aufgelassene Grube zwischen Hollabrunn und Mistelbach.
Titel: Re: Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Beitrag von: oliverOliver am 23 Nov 12, 17:31
Ich habe oben (AW #7) geschrieben, dass limonitisierte Hölzer in der HMF nur ganz im Westen vorkommen – das war etwas unglücklich formuliert und stimmt so nicht (bzw. war das mein damaliger – unzutreffender – Kenntnisstand). Es trifft nur für diese spezielle Form von schönen „rostigen“ Stücken mit gut erkennbarer Holzstruktur und flächigen Bergkristallrasen zu, bzw. sind solche Hölzer im Westen anscheinend häufiger und von dort besser bekannt.

Sehr ähnlich fossilisierte Holzreste (grobkörnige Verkieselung und kleine Quarz- bzw. Bergkristalle in Verbindung mit Limonit) gibt es aber auch weiter im Osten in der Umgebung von Hollabrunn (und vermutlich auch noch darüber hinaus). Die Fotos zeigen ein solches ziemlich „eigenartiges“ Stück (ca. 9 x 6 cm). Es scheint sich um einen völlig zerdrückten Ast zu handeln.
Im Inneren sieht man eine offenbar stark gequetschte, „fischgrätartig“ verformte Holzstruktur, wobei die Holzfasern sehr grobkörnig verkieselt und zudem „lamellenartig“ mit schmalen Zwischenräumen angeordnet sind (Foto 2+3). Außen herum befindet sich eine mehr oder weniger starke Limonitkruste, in der z. T. aber auch gut erhaltene limonitisierte Holzfasern erkennbar sind, in den meisten Bereichen die Holzstruktur aber nur sehr undeutlich überliefert ist. An dem „Ende“ mit der besser erhaltenen Holzstruktur geht diese Limonitkruste „nahtlos“ in die Kiesel-Erhaltung über, am anderen „Ende“ befindet sich zwischen Limonit und Kieselholz ein Hohlraum, der dicht mit den kleinen SiO2-Kristallen ausgekleidet ist (sowohl die Innenseite der Limonit-„Schale“ als auch die Außenseite des verkieselten „Kerns“ – Foto 4). Diese Kristalle (schlecht ausgebildet und noch kleiner) befinden sich aber teilweise auch „außen“ auf dem Limonit. Die Oberfläche ist stellenweise anscheinend +/- flächig limonitisiert, in Teilbereichen scheint aber wiederum die Limonit-Erhaltung mit der Kiesel-Erhaltung verwoben (Foto 1).
Anscheinend ist diese „Hybrid-Erhaltung“ also in der HMF gar nicht so selten.
Titel: Re: Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Beitrag von: oliverOliver am 23 Nov 12, 17:53
Weiters gibt es in der Umgebung von Hollabrunn anscheinend auch Holzreste in reiner Limoniterhaltung. Bei diesem kleinen Stück handelt es sich allerdings nur um einen Abdruck in einer Limonit-Sand-Konkretion ohne körperlich erhaltene Holzstruktur (siehe Foto 2) – das Holz dürfte vollständig vergangen sein. Es ist auch nicht völlig auszuschließen, dass es sich dabei um den Abdruck eines Kieselholzes in einer Limonitkruste handeln könnte, was allerdings ziemlich unwahrscheinlich ist – auch der Sinter über dem Abdruck spricht dagegen.
Titel: Re: Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Beitrag von: oliverOliver am 03 Dec 12, 17:47
Kiesgrubenimpressionen aus der HMF, Teil 4:
eine Grube im südlichen Manhartsberggebiet
Titel: Re: Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Beitrag von: oliverOliver am 24 May 13, 14:42
Lange hat sich jetzt bei mir schon nichts Neues bezüglich Kieselholz aus der HMF getan – nur „Rostholz“ habe ich dort in letzter Zeit öfters gefunden (dazu demnächst mehr).
Jetzt im Mai gab`s endlich wieder mal zwei – allerdings sehr kleine – Feldfunde aus dem Gebiet östlich von Hollabrunn. Leider eben Feldfunde und dementsprechend „mundgerecht“  >:D zerteilt. Das eine (Foto 2) ist überhaupt etwas „zerschrottet“ bzw. schon länger in der durchackerten Schicht abgerollt, und hat zudem einen rezenten Bruch. Das zweite ist besser erhalten (anscheinend frisch aus dem anstehenden Schotter geackert und noch nicht lange im Pflughorizont) und zeigt an der Oberfläche eine gut freigewitterte Holzstruktur (Foto 3), hat aber dafür gleich an beiden Enden ganz frische Brüche. Es sind also nur sehr bescheidene „Schrottstücke“ – in guten Fundgebieten (wie z.B. der SMFF) läge so was auf jedem besseren Feldweg herum. Aber weil hier in der HMF gut verkieselte Hölzer eben doch recht selten sind, freue ich mich sogar über solche Splitter …..
Titel: Re: Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Beitrag von: oliverOliver am 03 Jun 13, 13:49
Auch wieder ein paar ganz nette, wenn auch kleine Stücke – gefunden Anfang Juni zwischen Hollabrunn und Mistelbach. Alle mit schöner Holzstruktur an der Oberfläche (Fotos 1+2), aber, wie an frischen Bruchflächen sichtbar, relativ schwach / schlecht / grobkörnig verkieselt (wie z.B. auch schon das Stück aus AW # 9).
Das war diesmal – was die Fund-Anzahl (aber leider nicht die Qualität bzw. Größe !) betrifft – mein bisher bester Tag in der HMF, mit insgesamt elf Stück Kieselholz (die meisten der übrigen, nicht abgebildeten sind aber noch kleiner). Allerdings sind unter denen auch drei bis vier mit guter / dichter / feinkörniger Verkieselung dabei (zum Teil sogar durchscheinend, siehe das Stück auf den Fotos 3+4), aber alle rezent gebrochen (Feld- und Feldwegschotterung- bzw. Klaubsteinschüttungs-Funde). Und auffälligerweise sind diese alle – im Gegensatz zu den grob verkieselten – mehr oder weniger deutlich abgerollt (das auf den Fotos 3+4 nur auf dem am Foto nicht sichtbaren Ende, also wohl nach dem Transport, aber noch vor der rezenten Beschädigung auch schon einmal zerbrochen), was wieder mal das Problem der eventuellen / vermutlichen sekundären Verlagerung aufwirft (wie auch bei so gut wie allen anderen miozänen kieselholzführenden Formationen in NÖ).
Oder ist die sehr unterschiedliche Qualität der Verkieselung doch nur durch den divergierenden Chemismus verschiedener Ablagerungsmilieus bedingt (so sind ja z.B. die beiden Hölzer aus dem vorigen Beitrag, trotz sehr ähnlicher Oberflächen wie bei den schwächer verkieselten, auch sehr gut verkieselt)? Ob ich das Problem jemals werde lösen können ? Derzeit bin ich da eher pessimistisch …..
Titel: Re: Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Beitrag von: oliverOliver am 01 Jul 13, 18:02
Hier mal ein geringfügig größeres, nicht durch die landwirtschaftliche Tätigkeit zerstückeltes Exemplar. Das ist aber auch schon das einzig gute daran, ansonsten ist es leider ein völlig unspektakuläres „Brett“ (max. D. = nicht einmal ganz 3 cm) –  abgesehen von einem Mikro-Zweigansätzchen, das aber auch nicht der Rede wert ist ……
Titel: Re: Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Beitrag von: oliverOliver am 05 Aug 13, 12:50
Hab am vergangenen Wochenende bei 37 Grad oder mehr (im Schatten !) fast einen ganzen Nachmittag in der prallen Sonne auf einem gerade erst abgeernteten und frisch gegrubberten, staubtrockenen Feld verbracht – leicht geneigter Südhang, wo sich die Sonne so richtig reinlegt, und kein noch so kleines Wölkchen am Himmel – da wurden Erinnerungen wach an Südfrankreich, wo ich vor 30 Jahren in den „badlands“ der Provence bei ähnlichen Temperaturen Pyritammoniten gesammelt habe !
Hat sich aber ausgezahlt – endlich mal wieder ein vernünftiges Stück (L. ca. 20 cm) aus der HMF, mit einem Astloch, das diesen Namen ausnahmsweise auch verdient.
Der Rest waren aber leider lauter landwirtschaftlich zerhäckselte Mini-Stückchen ….
Titel: Re: Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Beitrag von: Geomaxx am 05 Aug 13, 14:23
Hi Oliver,
das ist ja ein Lehrbuchstück! Kannst Du das Teil anhand der Holzstruktur im Querbruch ggf. einer Pflanzenfamilie zuordnen?
Grüßle und Glück Auf!
GEOMAXX
Titel: Re: Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Beitrag von: oliverOliver am 06 Aug 13, 08:39
Hallo Maxx,
nein, leider (noch) nicht – hab`s noch nicht unterm Mikro gehabt, es liegt derzeit in NÖ bei meiner Freundin (wieder mal das „Sammlung-wegen-Platzmangel-auf-mehrere-Standorte-verteilt-Problem“).
Sieht bezüglich Bestimmung auch nicht sehr vielversprechend aus – an einem Ende ist der alte Querbruch verwittert, in solchen Fällen sind sonst oft schon mit freiem Auge oder zumindest unter der Lupe deutliche Strukturen zu erkennen (siehe z.B. Foto 2 in AW #15), bei diesem Teil aber leider nicht. Das andere Ende ist ein frischer Querbruch, da seh ich mit der Lupe außer einer sehr homogenen Kieselmasse auch nichts. (Rein nach „Bauchgefühl“ kommt`s mir irgendwie „eichenartig“ vor – das heißt aber natürlich gar nix.)
Mal abwarten bis ich das Stück in Wien habe, vielleicht ist unterm Bino ja doch was zu erkennen …
Titel: Re: Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Beitrag von: oliverOliver am 04 Sep 13, 14:49
„Rostholz“ aus der HMF – Teil 1

Neben den nur bereichsweise etwas häufiger anzutreffenden Kieselhölzern gibt es im gesamten Gebiet der HMF limonitisierte Holzreste in unterschiedlicher Erhaltung. Meist handelt es sich nur um Abdrücke in Limonitkrusten, es kommen aber auch limonitisierte Holzfasern (meist schlecht erhaltenes bröseliges Zeugs) und Kiesel-Limonit-Mischfossilisationen vor (siehe dazu auch schon oben).

Hier als erstes Beispiel einmal limonitisierte Holzreste aus einer aufgelassenen Schottergrube an der Ostseite des Schmidatals. Es handelt sich dabei um Abdrücke in Limonit bzw. Limonitkrusten von vergangenem Holz.
In der ehemaligen Abbauwand befinden sich unterschiedlich dimensionierte „Löcher“ bzw. Hohlformen, die mit Limonit „ausgekleidet“ sind – also Limonitkrusten um ehemalige Hölzer, die aber völlig vergangen sind. Manchmal ist dabei nur zu erahnen dass es sich ursprünglich um Holz handelte, manchmal sind aber die Abdrücke der Holzstruktur gut erkennbar. Teils sind in sehr geringen Resten auch Holzfasern erhalten, diese sind aber nicht fest und sehr fragil – beim Waschen bleibt meist nur die glatte „Schale“ übrig.
Diese Krusten gibt es auch in geringer Dimension, also von Zweigen, sie sind dann aber meist durch den Sedimentdruck gequetscht, so dass kaum noch ein Hohlraum vorhanden ist, und im Querschnitt flachoval.
Diese Art der Fossilisation scheint ziemlich häufig zu sein und dürfte in der HMF eher die übliche Erhaltungsform darstellen, während Verkieselung oder Mischformen anscheinend nur ausnahmsweise auftreten.

Meine Bergungsversuche waren ziemlich enttäuschend – auch die fest wirkenden „Schalen“ sind sehr fragil und zerbrechlich, teils sogar bröselig – beim Herauslösen bleiben nur kleine Fragmente übrig. Das müsste in einer größer angelegten Aktion angegangen werden, die Äste müssten dabei Schritt für Schritt freigelegt und vor Ort gehärtet werden, was in den vertikalen ehemaligen Abbauwänden aber nur schwer möglich ist - aber das lohnt wohl auch den Aufwand nicht.
Ein Foto mit dem Zustand der Funde nach dem Bergen möchte ich euch ersparen …. eigentlich könnte ich das Gebrösel auch wegschmeißen.
Titel: Re: Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Beitrag von: oliverOliver am 05 Sep 13, 11:34
„Rostholz“ aus der HMF – Teil 2

Hier jetzt Beispiele aus einem anderen Teilgebiet der HMF – dem nördlichen Hollabrunner Wald, wiederum Abdrücke.
Dort sind aber die Limonitkrusten mit den Abdrücken meist ziemlich stark und weitaus stabiler als die Beispiele im obigen Beitrag – und auch die Abdrücke sind manchmal weitaus detailreicher, teils auch beinahe „dreidimensional“ bzw. fast schon „Ausgüsse“, wenn sich die Krusten in größeren Spalten oder Hohlräumen des Holzes bildeten, bevor dieses endgültig vergangen ist. Ein solches Beispiel – mein bisher bestes Fosssil in dieser Erhaltung – zeigen die Fotos 1+2. Das Stück hat einen dreieckigen Querschnitt, wobei auf zwei Seiten deutliche Holzabdrücke zu erkennen sind (L = 13 cm).

Das zweite Beispiel (Fotos 3+4) stammt aus dem gleichen Fundgebiet, allerdings nicht aus den Schottern und Grobsanden, sondern aus dem Ton. Es gibt in der HMF immer wieder Einschaltungen von Peliten bzw. tonigen Sedimenten, welche in Stillwasserbereichen abgelagert wurden. Oft sind das nur schmale Bänder oder Linsen im Schotter, manchmal aber auch mächtige Schichtfolgen. Während also erstere in nur temporär ruhigeren Zonen des dynamischen Flusssystems abgelagert worden sein dürften, stammen zweitere offenbar von großen und tiefen Altarmen bzw. Totarmen/Verlandungszonen, oder überhaupt aus eher lakustrinen Millieus innerhalb des weitverzweigten Flusssystems.
Das gezeigte Stück stammt aus einer kleineren Tonlinse im Schotter, es handelt sich um Holzreste / Zweige in Limoniterhaltung. Wie auf den Fotos (hoffentlich) deutlich zu erkennen ist, liegen diese Reste als ziemlich bröseliges Zeug im durch die Austrocknung rissigen Ton vor – ich habe das Stück daher nur fotografiert und nicht geborgen. Dazu wäre eine komplette Blockbergungs-Ausrüstung nötig, samt Härtung vor Ort – es ist aber ein interessantes Beispiel für eine weitere Limonit-Erhaltungsform.
Titel: Re: Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Beitrag von: oliverOliver am 05 Sep 13, 16:09
„Rostholz“ aus der HMF – Teil 3

Wie oben schon angedeutet gibt es in der HMF das komplette Erhaltungsspektrum von Hohlform / Limonitkruste mit Abdruck (oft) über die Kiesel-Limonit-Mischerhaltung (eher selten, nur in manchen Teilbereichen anscheinend häufiger) und von sehr schwach silifiziert bis hin zu gut verkieselt (ziemlich selten).
Aber eine reine Limoniterhaltung bei körperlich überlieferten Fossilien ist mir, entgegen meiner obigen Vermutung (AW #10), noch nicht untergekommen – wenn die Fossilien körperlich, also dreidimensional, erhalten sind, spielt in der HMF (im Gegensatz zu anderen Formationen, vgl. z.B. die Melker Sande) die Kieselsäure anscheinend immer zumindest eine gewisse Rolle. Auch bei dem oben gezeigten Limonit-Beispiel aus den Peliten handelt es sich ja nur um flachgedrückte, abblätternde Reste.
Manchmal gibt es aber doch sehr kleine Holzfaser-Stückchen in limonitischer Erhaltung, die sind aber, soweit mir bekannt, immer in einem äußerst miesen Zustand – ziemlich weich, bröselig und kaum erhaltungsfähig.
So auch bei dem hier vorgestellten Beispiel aus dem südlichen Manhartsberggebiet. Auch hier  gibt es im Schotter Hohlformen von Stämmen und/oder stärkeren Ästen mit Abdrücken in Limonit, auch hier sind es – wie im Schmidatal – sehr dünne brüchige Krusten, aber teilweise mit mehr erhaltener „Substanz“ (in Auflösung begriffene, schwach limonitisierte, „mulmige“ Holzfasern).
Foto 1 zeigt eine solche Fundsituation – ein durch Erosion freigelegter Holzrest, durch die Verwitterung schon ziemlich zerlegt.
Hier wäre eine chemische Behandlung (eventuell zuerst Rostumwandler/Phosphorsäure, dann Härtung mit Paraloid, oder hat jemand andere Vorschläge ?) erwägenswert, möglicherweise könnte man dann manche der Fragmente zu größeren Stücken zusammensetzen. Wegen des Aufwands und des Platzbedarfs für eine „Chemiewerkstatt“ hab ich die Idee aber noch nicht umgesetzt. Daher hier nur mal zwei Fotos von kleinen Fragmenten aus einem solchen „Scherbenhaufen“ – eines davon (Bild 3) zeigt anscheinend auch (undeutliche) Abdrücke von Insektenfraßspuren.
Titel: Re: Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Beitrag von: oliverOliver am 10 Sep 13, 09:15
„Rostholz“ aus der HMF – Teil 4

Wie oben angedeutet, kommen Limonithölzer bzw. –abdrücke offenbar im gesamten Gebiet der HMF vor: sowohl im Schmidatal (siehe Vol. 1) und im Bereich zwischen Schmidatal und Hollabrunner Wald (AW # 10), als auch im Nordteil des Hollabrunner Waldes (Vol. 2) und im südlichen Manhartsberggebiet (Vol. 3), sowie im Südteil des Hollabrunner Waldes (hier, unten). Es ist daher anzunehmen, dass solche Erhaltungsformen auch weiter im Osten, im Gebiet von Mistelbach und darüber hinaus, vorhanden sind – dort war ich aber bisher noch nicht recht aktiv.
Hier nun, wie gesagt, zum Abschluss des „Rost-Themas“ ein Beispiel aus dem südlichen Hollabrunner Wald.

Besagter Holzrest steckt in einer der massiven, kompakten und oft sehr bunten Hämatit-/Limonitknollen. Diese haben meist innen einen roten Hämatitkern, und außen eine – durch Oxidation in feuchtem Milieu sekundär umgewandelte – gelbliche bis braune oder fast schwarze Limonithülle (Goethit etc.), welche z.T. fast metallisch wirkt – eventuell aufgrund nachträglicher Reduktion durch organische Säuren im Boden ? Ein besonders farbenfrohes und typisches Beispiel einer solchen Knolle (ohne Holz) zeigen die Fotos 1 und 2.
Solche Knollen sind in manchen Teilbereichen der HMF ziemlich häufig (oft aber weicher und toniger oder bröseliger als im hier besprochenen Gebiet), meist enthalten sie aber keine erkennbaren organischen Reste. Das folgende Beispiel (Fotos 3+4) zeigt aber, dass auch diese Konkretionen zumindest teilweise um einen Holzkern entstanden sind – es ist ein wenig spektakulärer Fund, den ich aber äußerst interessant finde.
Titel: Re: Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Beitrag von: oliverOliver am 11 Sep 13, 07:35
So, genug von dem Rostzeugs (das hält ja auf Dauer niemand aus !) – jetzt wieder „schöne“ Sachen ……
Anfang September hab ich endlich mal wieder zwei etwas massivere Kieselholzstücke in der HMF gefunden.
Das erste – und bislang größte von hier (ca. 25 x 20 x 15 cm) – hat leider einen rezenten Querbruch (es muss ursprünglich ein „wirklich“ großes Teil gewesen sein !), aber dafür schöne Strukturen an der Oberfläche (Foto 1+2) – z.T. handelt es sich dabei anscheinend um die Negative ehemaliger Astabgänge. Leider ist es jedoch ziemlich schlecht bzw. grobkörnig verkieselt, so dass die auf der Bruchfläche sichtbaren Holzstrukturen nicht sehr beeindruckend sind – also nichtmal ein kleiner Trost für den Bruch ist mir gegönnt ….  :(
Das zweite ist etwas kleiner (ca. 20 x 15 cm) und ebenfalls rezent gebrochen, ist aber im Gegensatz zum ersten sehr gut verkieselt mit – soweit erkennbar – guter Strukturerhaltung.
Und wiederum mit einem eindeutigen Abdruck eines ehemaligen Astabganges – es handelt sich dabei aber maximal um ein „viertel Astloch“ – das sieht daher nicht viel gleich (Foto 3+4).
Es scheint sich dabei um alt ausgeackerte Stücke zu handeln, die wohl schon vor Jahrzehnten vom Feld entsorgt und auf eine Feldwegböschung geworfen worden waren. Dieser Weg scheint kürzlich saniert bzw. verbreitert worden zu sein, und dabei wurde die alte Böschung angeschnitten, wobei die Stücke zutage kamen – aber leider auch das größere nochmals ganz frisch beschädigt wurde. Direkt auf den Feldern sind die Fundchancen für solche Stücke mittlerweile äußerst gering, da durch die hier derzeit vorherrschende Bearbeitungstechnik (Grubbern und „Häckseln“ bzw. Fräsen, schwere Scheibeneggen) die spröden Kieselhölzer völlig zersplittert werden. Aber man soll ja bekanntlich die Hoffnung nie aufgeben – vielleicht gelingt mir ja auch in der HMF doch noch einmal ein „Megafund“ …..
Titel: Re: Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Beitrag von: oliverOliver am 08 Oct 13, 21:14
Um bei den erfreulicheren Funden zu bleiben, hier wieder mal zwei Astansätze / Astabgänge aus der HMF. Neufunde von Anfang Oktober – leider alles zerstückelter „Ackerschrott“ mit frischen Brüchen (auch das im nächsten Beitrag).
(erstes – 2 x Foto unterschiedliche Blickwinkel: L = 8,5 cm; zweites – Vorder- und Rück- bzw. Innen- und Außenseite: L = 14 cm)
Titel: Re: Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Beitrag von: oliverOliver am 08 Oct 13, 21:22
Und als drittes noch ein eher unklarer Astansatz / Ast“wirbel“ (ca. 10 x 8 cm) – eindeutig ist hier nur, dass da irgendwas angesetzt / abgezweigt haben muss, da die Holzfasern auseinander laufen bzw. „verworfen“ aussehen. Auf dem Foto scheint es relativ klar zu sein, dass rechts ein Teil des abgehenden Astes zu sehen ist, aber in natura – u.v.a. unter Berücksichtigung der beiden anderen (nicht fotografierten) Ansichten des annähernd dreiseitigen Stücks – ist das weitaus weniger sicher.
Titel: Re: Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Beitrag von: oliverOliver am 16 Oct 13, 21:13
Eigentlich wollte ich ja schon längst wieder einmal einige Beiträge mit etwas wissenschaftlichem Hintergrund zur HMF einstellen. Die liegen jetzt aber teilweise schon gut ein Jahr halbfertig in der sprichwörtlichen „Schublade“, und ich bin bisher einfach nicht dazu gekommen, die fertig zu recherchieren bzw. zu überarbeiten.
Daher vorerst einmal weiter wie zuletzt: Astansätze/Astabgänge aus der HMF, aktuelle Neufunde von Mitte Oktober, wiederum leider zertrümmerte Feldfunde.
Besonders schmerzhaft schlägt die Landwirtschaft beim ersten (L. ca. 15 cm) zu Buche: das wäre unbeschädigt (für hiesige Verhältnisse) ein wahres Prunkstück gewesen, leider blieb aber nur die „Umrahmung“ des ehemaligen Astabganges erhalten, und nicht einmal die zur Gänze (Rückseite frischer Bruch).
Das zweite weist nur einen winzigen Zweigabgang auf, dieser ist dafür recht gefällig.
Titel: Re: Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Beitrag von: oliverOliver am 06 Nov 13, 14:18
Wohnbauten von Eintagsfliegenlarven in Holz der HMF
Diesmal will ich einen besonderen Fund aus dem Gebiet östlich von Hollabrunn vorstellen. Es handelt sich um einen Holzabdruck in Limonit mit Steinkernen der Wohnbauten von Insektenlarven (Fotos 1-4). Die Oberfläche der Steinkerne zeigt zum Teil noch die Holzstruktur. Während solche Spuren in den Aufschlüssen des südlichen Wiener Beckens anscheinend relativ oft vorkamen (Papp & Thenius 1954), sind sie in der HMF meines Wissens nach nicht gerade häufig anzutreffen.
Eine Parallele bzw. ein Vergleichsstück dazu aus Hennersdorf (südlich von Wien) ist in der Schausammlung des NHM ausgestellt. Es ist eine (kalkige) Konkretion mit Holzabdruck (Holz vergangen) und Steinkernen von Spreitenbauten von Eintagsfliegenlarven (Foto 5, im nächsten Beitrag).
Dieses Stück wurde bereits von Papp & Thenius 1954 beschrieben und von Thenius 1979 ausführlich publiziert. Demnach handelt es sich um die Spuren von Ephemeropteren, die als Asthenopodichnium xylobiontum benannt wurden.

Die Spuren/Steinkerne sind zwar vergleichbar bzw. sehr ähnlich, aber anscheinend doch nicht ganz gleich (was aber auch durch die unterschiedliche Erhaltung/Fossilisation vorgetäuscht werden kann). Hennersdorf ist auch etwas jünger (Pannonium E) als die Hollabrunner Funde (Pannonium B-C, überwiegend aber C – freundliche Mitteilung M. Harzhauser). Und der Hennersdorfer Fund bzw. allgemein die Stücke aus dem Raum südlich von Wien stammen nicht aus der eigentlichen HMF (fluviatil), sondern aus dem sogenannten „Pannon-See“, in den die Paläodonau damals mündete.
Es handelt sich bei dem Hollabrunner Fund also anscheinend um Larvenbauten der gleichen Insektengruppe, möglicherweise aber einer anderen – etwas älteren – Art.
Vergleichbare Spuren kommen übrigens auch auf Knochen vor (Thenius 1988).

Literatur:
• Papp & Thenius 1954: A. PAPP  & E. THENIUS, Vösendorf — ein Lebensbild aus dem Pannon des Wiener Beckens. - Mitt. Geol. Ges. Wien, 46: 1-109, 15 Taf. - Wien.
http://www2.uibk.ac.at/downloads/oegg/Band_46_1_109.pdf
• Thenius 1979: E. Thenius, Lebensspuren von Ephemeropteren-Larven aus dem Jung-Tertiär des Wiener Beckens. Ann.NHM 82, 1979, 177–188.
http://www.landesmuseum.at/pdf_frei_remote/ANNA_82_0177-0188.pdf
• Thenius 1988: THENIUS, E., Lebensspuren von aquatischen Insektenlarven aus dem Jungtertiär Niederösterreichs. – Beitr. Paläont. Österr., 14, 1–17, 3 Abb., 3 Taf., Wien.
http://www.ephemeroptera-galactica.com/pubs/pub_t/pubtheniuse1988p1.pdf

edit:
siehe auch http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,35296.msg263882.html#msg263882

(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1392143417.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1392143417.jpg)
Titel: Re: Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Beitrag von: oliverOliver am 06 Nov 13, 14:20
Hier nun das Vergleichsstück aus dem NHM.

(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1477686387.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1477686387.jpg)

edit (aus gegebenem Anlass): Foto mit (Ausnahme-)Genehmigung des verantwortlichen NHM-Mitarbeiters!!
Titel: Re: Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Beitrag von: oliverOliver am 14 Jan 14, 10:41
Auch hier mal was zur „Begleitfauna“. Wie eingangs geschrieben, sind Säugetierreste in der HMF nicht so selten. Meist handelt es sich aber nur um unspektakuläre Knochenfragmente und Einzelzähne, am häufigsten solche von Hippotherium (früher: Hipparion). Die Hippotherien aus dem niederösterreichischen Pannonium C sind anscheinend die ältesten dieser Gattung überhaupt … (Siehe: Woodburne 2009). Auch Rhino-Reste sind nicht so selten – meist handelt es sich um Aceratherium (Vgl. z.B.: Heissig 2009). Auch beim hier gezeigten Rhino-Zahn dachte ich – allein schon wegen der Geläufigkeit – an Aceratherium. Laut Mitteilung von U. Göhlich (herzlichen Dank !) ist aber eine Gattungsbestimmung aufgrund der fast völligen Abkauung nicht mehr möglich.

Bild 1: zwei Zähne von Hippotherium.
Bild 2+3: stark abgekauter Zahn eines Rhinos – leider vom Rüttler etwas beschädigt.

• M. O. Woodburne, The early Vallesian vertebrates of Atzelsdorf (Late Miocene, Austria) - 9. Hippotherium (Mammalia, Equidae). Ann. Naturhist. Mus. Wien 111 A, Wien 2009, 585–604.
http://verlag.nhm-wien.ac.at/pdfs/111A_585604_Woodburne.pdf
• K. Heissig,  The early Vallesian vertebrates of Atzelsdorf (Late Miocene, Austria) - 11. Rhinocerotidae and Chalicotheriidae (Perissodactyla). Ann. Naturhist. Mus. Wien 111 A, Wien 2009, 619–634.
http://verlag.nhm-wien.ac.at/pdfs/111A_619634_Heissig.pdf

(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1391443685.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1391443685.jpg)  (https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1477686930.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1477686930.jpg)  (https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1477686941.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1477686941.jpg)
Titel: Ein besonderer Glücksfall
Beitrag von: oliverOliver am 11 May 16, 08:37
Ein besonderer Glücksfall

Gegen Ende 2015 war am Rande (bzw. eigentlich schon knapp außerhalb) meines Lieblings-Fundgebietes für HMF-Hölzer im Hollabrunner Wald ein Streifen einer Wiese oder schon älteren Brache – erstmals seit ich das Gebiet intensiv begehe – umgeackert, und ich habe damals dort ein durchaus akzeptables Kieselholz-Stückchen gefunden (und zwar nur dieses eine) – mit lediglich einem unschönen Detail: es hatte einen ganz frischen Bruch.
Jetzt war ich Anfang Mai wieder dort, der geackerte Streifen lag noch so da wie im Winter, und was ich insgeheim erhofft, aber nicht zu erwarten gewagt hatte, traf trotz aller Unwahrscheinlichkeit ein: ich habe doch tatsächlich – und wiederum als einziges Stück – das fehlende Bruchstück gefunden !
So was kommt äußerst selten vor, und war daher für mich wirklich ein besonderer Glücksfall.
Die Bruchstelle ist zwar (leider) auch nach dem Kleben deutlich zu erkennen, aber besser ein Kieselholz mit kleinem Schönheitsfehler als ein „halbes Holz“ mit frischem Bruch (davon habe ich ohnehin schon genügend)!
Es ist zwar nach wie vor kein wirkliches Prunkstück, aber für einen Feldfund in hiesiger Gegend mit einer Länge von etwa 28 cm, „schöner“ Oberfläche und guter Strukturerhaltung doch ganz beachtlich.

Einen ähnlichen (wenn auch bei weitem nicht so spannenden) Fall hatte ich in der HMF vorigen Herbst erlebt, aber da lagen beide frisch vom Pflug zerbrochenen Fragmente direkt nebeneinander am Acker – das war also deutlich weniger spektakulär als dieses „Zusammenfinden“ nach gut einem halben Jahr.
Titel: Re: Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Beitrag von: oliverOliver am 10 Oct 17, 14:56
Nach längerer Pause, was halbwegs gute Funde aus diesem Gebiet anbelangt, war das vergangene Wochenende endlich wieder mal erfreulich – neben dem üblichen Ackerschrott diesmal auch zwei ganz nette Stücke. Hier mal das erste – ist zwar relativ flach, mit ca. 30 cm Länge aber nicht ganz klein, und hat an einer Schmalseite zwei übereinander liegende Astansätze, wobei die Astabgänge zum Teil limonitisiert sind – leider gerade dort etwas vom Pflug beschädigt.

(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1507639824.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1507639824.jpg)  (https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1507639842.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1507639842.jpg)
(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1507639876.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1507639876.jpg)  (https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1507639894.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1507639894.jpg)  (https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1507639910.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1507639910.jpg)
Titel: Re: Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Beitrag von: oliverOliver am 30 Oct 17, 12:31
Das zweite wäre beinahe mein lange ersehnter HMF-Superfund geworden –
aber leider eben nur beinahe …..
Mit einer Länge von etwa 60 cm und einer Breite von ca. 18 cm ist es mein bisher größtes Stück von hier. Dass eine Seite völlig vom Pflug abgesplittert ist, hätte ich verkraftet – ist doch dafür die Gegenseite gut erhalten mit schöner Oberflächenstruktur und sogar ein paar kleinen Insekten-Fraßspuren.
Aber dass ausgerechnet genau durch den großen, mittigen Astansatz ein ganz frischer Bruch geht (Bild im Anhang) – das ist schon ein ziemlich arger Wermutstropfen (um nicht zu sagen eine bodenlose Frechheit - ich habe ja prinzipiell Verständnis für die Landwirte, aber irgendwo hört sich der Spaß dann doch auf   >:D) ….

(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1509362883.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1509362883.jpg)  (https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1509362914.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1509362914.jpg)

Ich war letztes Wochenende nochmals dort (darum auch erst jetzt die Fotos) und habe diesen Bereich noch einmal gründlich abgesucht – aber natürlich keine Spur vom fehlenden Teil. Wahrscheinlich ist es ohnehin in tausend kleine Stücke zersplittert, und eventuell liegen sogar Teile davon in irgend einer meiner Fundschachteln, ohne dass ich es weiß – doch eine etwas traurige Angelegenheit.
Titel: Re: Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Beitrag von: oliverOliver am 15 Feb 22, 22:51
neues zum Thema Paläodonau:
https://science.orf.at/stories/3211473

und der Artikel auf researchgate:
https://www.researchgate.net/publication/358502739_Late_miocene_evolution_of_the_Paleo-Danube_Delta_Vienna_Basin_Austria