Mineralienatlas - Fossilienatlas

Fossilien / Fossils / Fósiles => Paläobotanik (fossile Pflanzen / fossil plants) => Österreich / Austria => Thema gestartet von: oliverOliver am 07 Aug 12, 00:10

Titel: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 07 Aug 12, 00:10
Untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Grundlagen: geologische Verhältnisse, Fundsituation
Eine Häufung von Kieselholz-Fundstellen in küstennahen marinen Ablagerungen (Schottern) aus dem späten Untermiozän (Laa-Formation: Karpatium, oberstes Burdigalium) gibt es in der Umgebung von Maissau, an der Grenze von Wein- und Waldviertel. Hier muss damals wohl ein kleiner Fluss oder größerer Bach, vom heutigen Waldviertel kommend, ins Meer (heutiges Weinviertel) gemündet haben.
Es handelt sich bei diesen Sedimenten meist um nur kleinflächig vorhandene Erosionsreste, weshalb die Fundchancen auch sehr eingeschränkt sind. Eine geschlossenere Verbreitung zeigt die Laa-Fm erst nach Nordosten und Südosten hin (gegen Osten wird sie von der Grund- und Gaindorf-Fm überdeckt), dort dürften aber – nach derzeitigem Kenntnisstand – die Hölzer fehlen, oder aber zumindest extrem selten sein.
     Die Laa-Fm besteht aus unterschiedlichen Sedimenten, nämlich im Westen aus Silten, Sanden und Kiesen, im südlichen Teil dabei überwiegend aus siltigen und tonigen Feinsedimenten (Peliten) mit Sandeinschaltungen, was dort eine – zumindest partielle – Ablagerung in größerer Wassertiefe anzeigt. Im Osten nehmen generell die tonigen Anteile zu.
Im angesprochenen Bereich – also im Westen – belegen die häufigen Einschaltungen von Kiesen und Sanden – ebenso wie die Gesamtverbreitung der Laa-Formation – die Küstennähe. Dazu passt, dass diese Kieseinschaltungen nach Osten und Südosten zu rasch weniger und geringmächtiger werden, was – im Einklang mit der Foraminiferenfauna – ein Tieferwerden des Meeres nach Osten hin anzeigt.
Die Laa-Fm ist lithologisch ziemlich abwechslungsreich, die Schotter-Anteile sind zudem sehr „bunt“. Die Schotter enthalten an weiteren Fossilien vor allem abgerollte/verrundete, also wohl synchron allochthone (umgelagerte, aber zeitgleiche) Fragmente von Austernschalen.
     Die fossilen Hölzer stammen offenbar überwiegend (nur?) aus den Schotter-Anteilen der Laa-Fm. Zu einem geringeren Teil kommen sie aber auch von Flächen, die auf der Geol. Karte als Zellerndorf-Fm (Pelite, oberstes Eggenburgium bis – und vor allem – Ottnangium) verzeichnet sind. Diese Stücke stammen jedoch aus jüngeren Schwemmfächern und Schuttdecken, welche auf der Zellerndorf-Fm liegen (Dank für diesbezügliche Informationen an Reinhard Roetzel). Zum Teil scheint es sich aber auch um Erosionsreste einer ehemaligen, heute nicht mehr vorhandenen Karpatschotter-Überdeckung zu handeln.
Aufgrund der beschriebenen Situation ist also davon auszugehen, dass höchstwahrscheinlich alle diese Hölzer ursprünglich aus Karpat-Schottern der Laa-Fm stammten.
     
Meine Eigenfunde aus der Laa-Fm sind bisher äußerst dürftig (sh. auch den Beitrag im Thema „Bescheidene Hölzer …, AW #61). Es gibt hier keine vernünftigen Aufschlüsse (mehr) – wie etwa Sandgruben etc. –, sondern es handelt sich ausschließlich um landwirtschaftlich genutzte Flächen. Schwere Pflüge, Scheibeneggen und die noch „übleren“ Weingartenfräsen lassen dabei leider nicht viel übrig von den Kieselhölzern. So musste ich das (ohnehin kleine) frisch zertrümmerte Stück auf dem zweiten Foto aus vier Fragmenten zusammenkleben – auch nicht gerade das, warum man Kieselholz sammelt !

Literatur:
• Roetzel  u. a. 1999: R. Roetzel, O. Mandic und F. F. Steininger, Lithostratigraphie und Chronostratigraphie der tertiären Sedimente im westlichen Weinviertel und angrenzenden Waldviertel. Arbeitstagung geol. BA 1999, Wien 1999, 38 ff.
• Roetzel  1996: R. Roetzel, Bericht 1994/1995 über geologische Aufnahmen im Tertiär und Quartär mit Bemerkungen zur Tektonik am Diendorfer Störungssystem auf Blatt 22 Hollabrunn. Jb. Geol. Bundesanst. 139/3, Wien 1996, 286 ff.
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 15 Aug 12, 12:39
Noch ein Kieselhölzchen der Laa-Fm aus der Umgebung von Maissau – ist auch nicht viel besser als die hier schon vorgestellten Stücke. Hat zwar eine schöne Struktur und ist ca. ein Viertel eines Querschnittes mit glatter Außenfläche (Wurzelholz ? Ast ?) und kaum kompaktiert, aber leider sehr klein (nur 5,5 x 4 cm).
Noch ein Wort zu den Fundchancen in der Laa-Fm: es heißt manchmal, dass Kieselhölzer hier gar nicht so selten sind – das ist aber eine Frage der Definition !
Natürlich kann man was finden – wenn man sich mit Mini-Belegstückchen zufrieden gibt. Und „nicht so selten“ kann man auch so oder so sehen – die Chancen stehen ziemlich gut, tagelang durch die Weingärten zu laufen, ohne auch nur die Spur eines Kieselholzes zu Gesicht zu bekommen ! Wenn man hier „sammelt“ (wobei der Ausdruck an sich in der Laa-Fm schon irreführend ist), sollte man das Ganze eher als sportliche Herausforderung betrachten.

In einem Punkt ist mir die Laa-Fm mit den "Hölzchen" allerdings sehr sympathisch:
hat den riesigen Vorteil, dass man - auch bei beengten räumlichen Verhältnissen - kein Platzproblem bekommt, wenn die Ausbeute eines ganzen Sommers in ein kleines Schachterl passt !
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 08 Oct 12, 22:25
Auch stärker abgerollte Stücke kommen hier manchmal vor,
so wie dieses kleine (L. ca. 7 cm) und leider vom Pflug beschädigte Exemplar.
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 15 Oct 12, 20:59
Oder das - hier ist die Holzstruktur nur noch bei genauer Betrachtung erkennbar. Noch dazu ist die Oberfläche nicht nur intensiv abgerollt, sondern auch noch stark verwittert bzw. patiniert - da muß man schon (zusätzlich zum geschulten Blick) großes Glück haben, um das im Gelände überhaupt als Holz zu erkennen.
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 19 Oct 12, 13:30
Bei diesen extrem abgerollten Stücken (AW # 2+3) stellt sich mir immer die Frage:
Sind das wirklich alles Karpat-Hölzer, oder sind da nicht vielleicht auch ältere Hölzer dabei, die bereits als Fossilien mit dem Schotter ins Meer transportiert wurden ?
Die Kiese sind ja sehr „bunt“ zusammengesetzt (siehe oben).
Als Ursprungsgebiet für eventuell sekundär verlagerte Kieselhölzer kämen vor allem die Schotter der oligozänen St.Marein-Freischling-Formation in Betracht.
Dass hier irgendwo in der Gegend von Maissau ein Bach oder mehrere Bäche bzw. kleine Flüsse von Westen her nach Osten ins Meer entwässert haben müssen, scheint soweit klar (die Kieselholz führenden Schotter finden sich ungefähr von Ravelsbach im Süden bis Straning im Norden entlang des Manhartsberg-Ostabfalls bzw. der Diendorfer Störung, also in etwa entlang der anzunehmenden Karpat-Küstenlinie).
Die östlichsten Vorkommen von SMFF-Schottern sind von hier nicht sehr weit entfernt – solche gibt es etwa unmittelbar westlich des Manhartsberges im Unteren Kamptal oder etwas weiter nördlich in der Umgebung von Eggenburg noch östlich von Rodingersdorf/Sigmundsherberg bis etwa Kleinmeiseldorf und sogar noch darüber hinaus. So gibt es auch bei Kühnring ein kleinflächiges Vorkommen von oligozänen limnischen Sedimenten – ob diese noch zur SMFF im weitesten Sinn zu rechnen sind, und ob auch dort Kieselholz vorkommt, ist mir aber unbekannt (Vgl. die Karten-Abb. Auf Seite 167 in: F. F. Steininger und W. E. Piller (Hsg.), Eggenburg am Meer. Eintauchen in die Erdgeschichte, Kat. Krahuletz-Museum 12, Eggenburg 1991.).
Das Einzugsgebiet dieses Baches oder zumindest eines dieser untermiozänen Fließgewässer, die Schotter ins Karpat-Meer transportierten, muss relativ weit nach Westen gereicht haben. Denn die Kiese führen auch Gerölle der Jaspis-Chalzedon-Gruppe aus der sogenannten „Bunten Serie“ (Verwitterungsprodukte aus Serpentinit-Zügen). Diese stehen aber meines Wissens nur weiter westlich an als die östlichsten Vorkommen der SMFF, konkret also nur westlich des Nord-Süd verlaufenden unteren Kamptals, so etwa im Bereich des Kampknies bei Wanzenau und Altenburg (dort auch SMFF-Kieselholz) oder in der Umgebung von Brunn an der Wild (dort ebenfalls häufig SMFF-Hölzer).
Der miozäne „Schwemmholzlieferant“ muss also auch Gebiete durchquert haben, in denen oligozäne kieselholzführende Sedimente anstanden, weswegen ein Vorkommen von verlagerten älteren Kieselhölzern in den Karpat-Schottern der Laa-Fm theoretisch nicht auszuschließen ist. Ob aber auch wirklich ältere Hölzer in die Laa-Fm verlagert wurden, ist derzeit nicht schlüssig zu beantworten (Dank an Reinhard Roetzel für die Diskussion dieses Problems).
Es gäbe durchaus auch andere Erklärungsmöglichkeiten für das gemeinsame Vorkommen von abgerollten und nicht abgerollten Stücken. So könnten etwa anzunehmende Meeresspiegelschwankungen - innerhalb des Karpatiums ältere -Schotter samt dem enthaltenen, bereits verkieselten Holz aufgearbeitet und umgelagert haben.
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 19 Oct 12, 14:23
Zwei nette Neufunde vom Oktober – auch nicht wirklich aufregend, aber für Maissauer Verhältnisse gar nicht so übel.
Das erste ( ca. 11 x 6 cm) mit beidseitig gut erhaltener, schöner Holzstruktur (Fotos 1 + 2).
Das zweite ist zwar auch nicht groß (ca. 24 x 10 x 4 cm), aber immerhin mein bislang größtes aus diesem Fundgebiet (Foto 3).
Und vor allem: beide mit nur kleineren (ganz) frischen Beschädigungen – das ist hier wirklich die Ausnahme !
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 29 Oct 12, 21:53
Erst vor wenigen Tagen wurden von Reinhard Roetzel (Danke für die Mitteilung !) in einer Zone mit Brandungsgeröllen des Eggenburgiums (tiefes Untermiozän) westlich von Maissau verkieselte Hölzer entdeckt.
Das relativiert die Überlegungen zur Herkunft der stark abgerollten und daher vermutlich asynchron allochthonen (sekundär verlagerten) Kieselhölzer in der Laa-Fm (sh. AW #4) natürlich ganz entscheidend, da sich dieses Vorkommen in unmittelbarer Nähe der Karpat-Fundstellen befindet ! Und ähnliche Brandungszonen (z.T. wieder wegerodiert) waren ja in diesem Gebiet entlang der gesamten Küste des Eggenburgium-Meeres verbreitet – nur dass bisher nicht bekannt war, dass diese Sedimente ebenfalls Kieselhölzer führen können (bzw. keines der Hölzer aus diesem Bereich als eindeutig dem Eggenburgium zugehörig bestimmt war). Die Küstenlinie des jüngeren Karpatium-Meeres dürfte hier weitgehend parallel zu (und - aufgrund der häufigen Trans- und Regressionen im unteren Miozän - eventuell teilweise sogar deckungsgleich mit) jener des Eggenburgiums verlaufen sein. Es steht somit eine weitere – und sehr wahrscheinliche – Quelle für vermutlich verlagerte Hölzer der Laa-Fm zur Verfügung.
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 31 Oct 12, 07:53
Wie eingangs dargelegt, sind verkieselte Hölzer in der Laa-Fm östlich des Fundgebietes in der Umgebung von Maissau – zumindest nach derzeitigem Wissensstand – deutlich seltener.
Beachtung verdient aber, dass aus dem Bezirk Mistelbach ein verkieseltes Palmenstück aus der Laa-Fm beschrieben wurde (Thenius 1961).

Dafür wurden östlich des Fundgebietes „Umgebung Maissau“ in der Laa-Fm mehrfach auch Blattabdrücke von Laubhölzern (v. a. von zimtbaumartigen Lorbeergewächsen; weiters Pappel, Weide und Ulme) gefunden, so z. B. in der eponymen Tongrube von Laa/Thaya (Berger 1968).
Im Osten kommen manchmal in Peliten auch inkohlte Holzreste in submarinen Massenstromsedimenten vor, die anhand von Harzresten als Nadelholzgewächse (Cupressaceae oder Taxodiaceae) identifiziert werden konnten (siehe: Roetzel 2009; allgemein zu den Karpat-Sedimenten: Roetzel 2003).

Literatur:
• BERGER 1968: Walter BERGER, Pflanzenreste aus dem Mittelmiozän (Laaer Schichten) von Laa an der Thaya in Niederösterreich. – Mitt. Geol. Ges. Wien, 61, 1–5, 1 Taf., Wien.
• ROETZEL 2003: Reinhard ROETZEL,The Karpatian Sediments in the Alpine-Carpathian Foredeep in Austria. In: BRZOBOHATÝ, R., CICHA, I., KOVÁČ, M. & RÖGL, F. (eds.): The Karpathian – A Lower Miocene Stage of the Central Paratethys, 97–100, 1 fig., Brno (Masaryk University).
• ROETZEL 2009: Reinhard ROETZEL, Geol. Karte der Republik Österreich 1 : 50000, Erläuterungen zu Blatt 23 Hadres, Wien 2009.
• THENIUS 1961: E. Thenius, Ein Palmenholz aus dem Miozän von Niederösterreich. – N. Jb. Geol. Paläont., Mh., 177–182, 1 Abb., Stuttgart 1961.
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 23 Nov 12, 15:49
Auch ein interessantes Stück – wohl eine Art Verzweigungssituation (Neufund von Mitte November; L. ca. 25 cm).
Die „schräge“ Fläche (am ersten Foto die „Standfläche“) war anscheinend ein Teil der ehemaligen Hauptachse, davon abgehend zwei gegenläufig gerundete „Abzweigungen“, beide leider nur sehr unvollständig bzw. ansatzweise erhalten (Foto 2 + 3 – die „Vorder-„ und die „Rückseite“).

Und es gibt zudem Anlass, unterschiedliche Erhaltungen von Holz aus der Laa-Fm anzusprechen.
Das Stück wurde beim Tiefpflügen offenbar frisch aus dem Anstehenden (Quarzschotter in kalkiger Matrix mit hohem Tonanteil) geackert – es war allseitig mit einer dicken Sinterkruste überzogen, was ein Entsintern unumgänglich machte.

Dabei zeigte sich aber, dass im Fossil zum Teil kalkige Zwischenlagen (mit Holzstruktur !) bzw. spindel- bis schuppenförmige Verkieselungen in kalkiger Matrix vorlagen.
Beim Entsintern – obzwar schonend in lediglich 5-prozentigem Essig – lösten sich klarerweise  auch die kalkigen Fossilanteile auf, wobei sich eine größere Anzahl der „Kieselschuppen“ ablöste, und das Stück jetzt etwas „zerfressen“ wirkt.
Das ist natürlich ein gewisses Problem – im Originalzustand ist wegen der Kalkkruste wenig vom Holz zu sehen, aber nach dem Entsintern fehlt auch viel von der ursprünglich erhaltenen Fossilsubstanz.
Und durch die Auflösung der kalkigen Anteile ist das Stück auch sehr empfindlich geworden - immer noch bröseln bei jedem Angreifen Teile davon ab, eigentlich müsste ich es mit Paraloid härten, was ich aber nur ungern mache, weil die Hölzer dann immer irgendwie „unnatürlich“ aussehen.

Das erklärt auch die „zerfressen“ wirkende Erhaltung mit vielen Hohlräumen anderer Höizer aus diesem Fundgebiet, wie beim Stück aus AW #1 bzw. beim Stück auf dem ersten Foto im ersten Beitrag zu diesem Thema – dort allerdings nicht vom Entsintern, sondern durch natürliche Verwitterung entstanden.

Allgemein sind die Hölzer hier z. T. sehr grobkörnig verkieselt, die Zellstruktur ist oft schlecht erhalten bis kaum noch erahnbar. Manche sind aber auch sehr dicht / feinkörnig verkieselt, dort ist die Strukturerhaltung aber oft sogar noch schlechter: manchmal sind diese Stücke nur an der Außenseite als Holz erkennbar, im Querschnitt (Bruch) zeigt sich dann eine völlig homogene Kieselmasse ohne eindeutig erkennbare Holzstruktur.

Auffällig ist, dass gerade die stark abgerollten Stücke gut und dicht verkieselt sind, und zwar mit meist gut erhaltener Zellstruktur. Dies könnte eventuell ein weiterer Hinweis auf eine sekundäre Verlagerung sein. Allerdings überstehen auch nur gut bzw. dicht verkieselte Stücke die Beanspruchung bei einem +/- synchronen Transport (also bei Umlagerungen innerhalb des Karpatiums), das relativiert also alles wieder.
Wichtiger erscheint die Beobachtung, dass die schlechter verkieselten – und eindeutig primär (synchron allochthon) gelagerten – Hölzer meist wenig bis kaum kompaktiert sind, während bei den abgerollten und dicht verkieselten oft eine starke Kompaktion auftritt. Das scheint mir nun doch ziemlich sicher darauf hinzuweisen, dass hier unterschiedlich alte Hölzer – sowohl erst im Karpatium verkieselte, als auch ältere, aus wieder aufgearbeiteten Sedimenten stammende – gemeinsam abgelagert sind.
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 07 Dec 12, 11:14
Nun, beim nochmaligen Betrachten der Fotos von AW #8 hab ich bemerkt, dass da eine Seitenansicht gut wäre, welche die etwas komplizierte Beschreibung nachvollziehbarer macht.
Wird somit nachgeliefert (samt erläuternder Grafik – ein Bild sagt bekanntlich mehr als 1000 Worte …).
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 07 Mar 13, 15:39
Fundsituation auf einem Feld mit Schotter und Sand/Silt der Laa-Fm (Umgebung Maissau) – „Vorfrühlingsfund“ Anfang März 2013 (Foto 1-3).
Das zweite – größere – Holz dieses Tages lag einige Weingärten weiter (Foto 4; 27 x 11 x 4,5 cm; leider hab ich von dem kein Fundsituations-Foto gemacht).
Sonst gab`s diesmal nichts – aber mit diesen beiden nicht so üblen Stücken war das hier schon ein sehr guter Tag – ich war 6 Stunden („netto“, also ohne Hin- und Rückfahrzeit) in den Weingärten und auf den Feldern unterwegs – nur damit man die Fundchancen in diesem Gebiet richtig einschätzen kann ! (ich war auch im Winter – nach dem oben vorgestellten November-Fund – an schneefreien Tagen gelegentlich in der Maissauer Gegend, aber mit nur sehr mäßigem Erfolg).
Das zweite Stück hat wieder eine teils sehr dicke Sinterkruste. Nach den problematischen Erfahrungen mit dem chemischen Entsintern (teils kalkige Fossilanteile, siehe oben) probiere ich bei diesem Holz mal eine mechanische (Vor-)Präparation – auf dem Foto (4) ist die Sinterkruste schon teilweise abgelöst.
Mittlerweile bin ich schon etwas weiter als am Foto – ganz ohne Essig wird’s aber wohl diesmal auch nicht gehen.
Interessant ist der mehrschichtige Aufbau der Auflagerungen. Direkt auf der verkieselten Oberfläche befinden sich schwarze Flecken – eventuell Manganoxid ? – und einige „Rostschlieren“, also Verfärbungen durch Eisenoxid. Teilweise darüber, teils direkt auf dem Kieselholz, folgt eine – partiell vorhandene – sehr harte und dichte Schicht in verschiedenen dunklen Brauntönen – eventuell ein eisenhältiges Karbonat ? mit Kieselanteil ? Dieses Sediment – teils etwas „wulstig“ oder „konkretionsartlg“ ausgebildet – wirkt auf mich, ohne das näher begründen zu können, wie verhärteter Schlamm. Erst darüber folgt der „übliche“ weißliche, meist nicht all zu harte reine Kalksinter. Dieser lässt sich, wo er direkt am Kieselholz (bzw. auf einem dünnen, „hautartigen“ harten Sinterüberzug) aufliegt, meist relativ gut ablösen, wo er aber mit der braunen Schicht verbunden ist, geht dies deutlich schwieriger.

Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 16 Mar 13, 17:23
Ausläufer des Fundgebiets (nordöstliches Schmidatal)
Die Ausläufer dieses Fundgebietes – großteils durch Erosion, zum kleineren Teil anscheinend auch durch Lössüberdeckung isoliert – reichen einerseits nach Norden bis in die unmittelbare Umgebung von Eggenburg, andererseits bis an die Ostseite des nördlichen Schmidatals, also etwas nordöstlich des oben beschriebenen Gebietes in der direkten Umgebung von Maissau. Dort ist der Schotteranteil in der Laa-Fm immer noch relativ hoch, aber schon deutlich geringer als (süd-) westlich davon.
    Bei einem dieser „Ausläufer“ handelt es sich um ein mehr oder weniger isoliertes Vorkommen von Karpat-Schottern, allseitig durch tektonische Störungen begrenzt, in der Marktgemeinde Sitzendorf. Früher gab es dort viele kleine Sand- bzw. Schottergruben, in welchen (den Angaben eines älteren Heimatforschers zufolge) öfters verkieselte Hölzer gefunden wurden. Diese Gruben sind heute alle aufgelassen – unter anderem auch wegen des hohen Pelitanteils – und zugewachsen oder wieder verfüllt. Ich habe diese ehemaligen Aufschlüsse alle – teilweise mehrfach – abgesucht, und nichts gefunden. Selbst als unheilbarer Optimist muss man die Fundchancen hier leider als „völlig erloschen“ bezeichnen.
Fundmöglichkeiten bestehen also auch in diesem Gebiet nur noch auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. Ich habe oben das Holzsuchen bei Maissau etwas ironisch als „sportliche Herausforderung“ bezeichnet. In Weiterführung dieses Gedankens müsste es hier im nordöstlichen Schmidatal schon als „Hochleistungssport“ eingestuft werden – da kommen schon sehr sehr sehr viele Kilometer auf ein einziges kleines Kieselholzstückchen ! Oder weniger poetisch gesagt: Es handelt sich hier um reine Zufallsfunde, eine gezielte Suche nach Kieselholz macht da überhaupt keinen Sinn.
    Obwohl ich sehr viel in diesem Gebiet unterwegs war (zugegebenermaßen nicht immer vorrangig wegen Holz, aber Kieselhölzer in nennenswerter Größe wären mir trotzdem aufgefallen), hab ich dort bisher insgesamt erst fünf kleine Kieselhölzer gefunden. Das dürfte bestätigen, dass sie nach Osten hin seltener werden – was aufgrund der größeren Entfernung zur ehemaligen Küste auch logisch ist.
Das „schönste“ davon hab ich schon mal in einem anderen Thema hergezeigt:
http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,7054.msg244194.html#msg244194
Zwei weitere zeigen die Fotos unten (Foto1: 8,5 x 7 x 3,5 cm; es sind zwar Jahresringe bzw. allgemeiner Zuwachsringe erkennbar, aber in der für die Laa-Fm typischen Verkieselung ohne sichtbare Zellstrukturen. – Foto 2: ca. 16 x 6 x 4,5 cm; mit etwas besserer Strukturerhaltung).
    Lediglich die Austern sind hier an der Ostseite des Schmidatals deutlich häufiger und weitaus besser erhalten als im Westen – was aber für einen Holzsammler nur ein schwacher Trost ist ! (um nicht zu sagen, ein Ärgernis und irreführend: sie lenken den auf „organische Strukturen“ eingestellten Blick ab, sehen ungereinigt am Feld auf den ersten Blick Holzfragmenten oft täuschend ähnlich und verleiten zu vergeblichem Bücken).
    Dass ich trotzdem gerne dort bin, hat andere Gründe: die Landschaft ist wunderbar, es gibt (noch !) einige Rest-Trockenrasen mit seltenen Pflanzen (Zwergiris, Diptam, Frühlingsadonis, Orchideen …) und Insekten, und auch einige Bio-Weinbauern bieten ihre ausgezeichneten Erzeugnisse an. Hier stehen also Genüsse anderer Art im Vordergrund, und nicht das Kieselholz. Wenn ich aber ab und zu mal eines finde – um so besser !
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 24 May 13, 13:50
Schon länger hatte ich jetzt im „Randgebiet Schmidatal Nordost“ nichts Neues gefunden.
Erst zu Pfingsten lag bei einem Spaziergang dieses kleine Stück am Rand eines Maisfeldes. Daraufhin bin ich natürlich die einzelnen Maiszeilen abgegangen (obwohl ich sonst nicht ohne Genehmigung in bestellte Felder steige), aber natürlich vergeblich – es blieb, wie zu erwarten, bei diesem einen Stück.
Es ist zwar nur ein sehr kleines „Trostholz“ (ca. 7,5 x 5,5 x 2 cm), hat aber zumindest eine gut strukturierte Oberfläche, und an einem Ende einen winzigen Zweigansatz sowie direkt daneben ein durchgehendes „halbes Astloch“ (ebenso winzig) – durch dieses geht jedoch ein alter Bruch, das andere Ende ist leider rezent gebrochen.
Nur wegen dieser etwas ungewöhnlichen Kombination von direkt nebeneinander liegendem Astloch und Astansatz hab ich mich entschlossen, das „Hölzchen“ doch hier vorzustellen – in der Hoffnung, dass heuer noch was Besseres nachkommt.
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 02 Jul 13, 00:30
So, der Exkurs zu den Randgebieten ist vorbei – jetzt geht’s wieder um das „eigentliche“ Maissauer Fundgebiet.
Nach den schönen Vorfrühlingsfunden (sh. AW #10) war ich natürlich weiterhin fleißig in den Schottern der Laa-Fm unterwegs – allerdings, wie das hier eben so üblich ist, mit sehr bescheidenem Erfolg. Zwei schöne Stücke habe ich – neben den üblichen Schrott-Splittern – aber doch gefunden, eins im April und eins im Mai.
Das erste vom April war ein absoluter Glücksfund. Nachdem der letzte Schnee – erst sehr spät – endlich weg war, waren natürlich die Felder sofort frisch geeggt bzw. auch schon angesät (und daher nicht mehr begehbar), sowie die Weingärten frisch gegrubbert und noch nicht abgeregnet – es herrschten an diesem Tag also denkbar schlechte Bedingungen.
An der Grenze zwischen einem Weingarten und einem Acker war aber die Randfurche etwas tiefer gepflügt, dort lag – frisch herausgerissen – das Holzstück (ca. 18 x 11 x 8 cm). Leider hat es zwei frische Brüche, die fehlenden Teile hab ich trotz intensiver Suche nicht gefunden – trotzdem ist es eines der besten Stücke, die ich bisher aus der Laa-Fm habe.
Es scheint sich wieder mal um eine Art Verzweigungssituation zu handeln (oder um einen Teil vom Wurzelstock ?) – die Holzfasern laufen V- bis Y-förmig auseinander (Fotos 1+2). Eine der Bruchflächen zeigt einen ca. halben Querschnitt, der auf einer Seite seltsam flach-langgezogen ist – könnte das eventuell eine Stelle sein, wo ein abgehender Spross noch nicht ganz von der Hauptachse getrennt ist ? (Foto 4)
Die Form scheint mir weder durch die Fragmentierung noch durch eventuelle Kompaktierung (die, wenn überhaupt, ohnehin nur schwach gewesen sein dürfte) völlig erklärbar.
Zudem gibt es mindestens drei „seltsame“, im Bruch annähernd runde, mit eisenhältigem Material gefüllte Strukturen (auf Foto 4 nur 1 x gut erkennbar, besser auf der Schrägansicht im Nachtrag). Diese verlaufen nur in Längsrichtung der  Holzfasern, orientieren sich anscheinend also an der Holzstruktur (oder gehören zu ihr). Ich schwanke hier zwischen „eventuell Leitbündel ?“ und „oder wahrscheinlicher Fäulnispilz ?“ (ähnliches war schon mal im Forum: http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,6736.0.html – besonders das Foto in AW #15 erinnert mich sehr am das vorliegende Stück). Wie Teredinae-Spuren sieht`s mir jedenfalls eher nicht aus, ausschließen möchte ich hier aber gar nichts.
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 02 Jul 13, 00:31
der Nachtrag:
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 02 Jul 13, 00:35
Das zweite vom Mai (ca. 11 x 12 x 6 cm) zeigt in der „Vorderansicht“ (Foto 1) eine seltsame „Fächerstruktur“ und hat leider auch einen frischen Bruch, der aber zum Glück gut den typischen Holzaufbau zeigt (Foto 2). Ich hätte mich sonst mit dem Stück wohl noch schwerer getan als ohnehin schon – auf den ersten Blick dachte ich dabei sogar eher an einen Korallenstock !
Zudem weist es eigenartige Röhren bzw. eine löchrig-wabenartige Struktur auf (wie – weniger ausgeprägt – schon das Stück in AW #1), bei deren Interpretation ich mir noch nicht wirklich ganz sicher bin. Sollten das vielleicht alles lediglich bereits vor der Fossilisation vergangene, ehemalige Leitbündel sein ? Dafür sind sie mir im konkreten Fall eigentlich zu groß, und auch vom Durchmesser her zu variabel. Eventuell handelt es sich um Wurzelholz mit ehemaligen abgehenden feineren Wurzeln ? Auf dem Detail-Bild (Foto 3) ist jedenfalls eindeutig zu erkennen, dass die „Röhren“ nicht nachträglich entstanden, sondern in der Holzstruktur integriert sind – es liegen also trotz der in den beiden größeren „Löchern“ links der Mitte sichtbaren scheinbaren „Auskleidung“ keinesfalls Bohrgänge vor.
Noch dazu steckt das Fragment in einer seltsamen Knolle (Mischung aus Kieselsubstanz und Fe-Karbonat ?), die randlich zerfallene Holzteilchen enthält (Foto 4; auch am Foto 1 links unten erkennbar) – das Holz dürfte also beim Versteinern schon ziemlich in Auflösung begriffen gewesen sein.
Wenn das Stück mit der „Rückseite“ (Foto 4) nach oben gelegen wäre, hätte ich es – staubig oder lehmverschmiert – wohl für einen eisenhältigern Quarzkiesel gehalten und mich nicht einmal darum gebückt. Vielleicht lag es ja auch schon vor dem letzten Grubbern oberflächig im Weingarten, und ich bin früher schon mal daran vorbeigegangen ohne es überhaupt als Holz zu erkennen …

p.s.: bezüglich meiner Interpretationsprobleme bei diesem und dem vorigen Beitrag –
über Antworten (besonders von den echten Holzprofis) würde ich mich freuen ! Wie ihr seht, hab ich von Holzanatomie deutlich zu wenig Ahnung …….
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 09 Aug 13, 17:47
Scheint gerade wieder mal eine gute Zeit für Äste zu sein – anscheinend mögen die die Hitze ….  :)
Nur wenige Tage nach dem schönen Astloch aus der HMF
(siehe: http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,30292.msg256175.html#msg256175)
jetzt auch aus der Laa-Fm ein Kieselholz mit Ast. Es ist zwar nur ein kleines Teil (ca. 11 x 6 cm), aber der Astabgang ist für Laa-Fm-Funde gar nicht so schlecht …..
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 12 Aug 13, 09:14
gestern im Weingarten ......
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 14 Aug 13, 10:23
Ein unscheinbarer aber aufschlussreicher Fund

Seit ich mich intensiver mit Kieselholz beschäftige, stellt sich für mich die Frage der Datierungssicherheit und damit diejenige nach möglichen Umlagerungen. Konkret für die Laa-Fm habe ich ja ohnehin schon mehrmals geschrieben, dass ich vermute, dass hier bei den Hölzern solche Umlagerungen am Zustandekommen der Fossilvergesellschaftung beteiligt waren.
Ich habe das, neben theoretischen Überlegungen bezüglich der Genese der Schottersedimente, vor allem aus der Kombination von abgerollter / schwach abgerollter / nicht abgerollter Oberfläche und unterschiedlichen Erhaltungszuständen bzw. Überlieferungsformen / Verkieselungsarten zu erschließen versucht. In letzter Zeit war ich da allerdings wieder ziemlich verunsichert, da mit zunehmender Fundanzahl die Grenzen verschwammen und sich eher stufenlose Übergänge anzudeuten schienen.
Das hier vorzustellende Kieselholz kann aber nun als ziemlich unumstößlicher Hinweis darauf gelten, dass in der Laa-Fm auch deutlich ältere Hölzer enthalten sind (was ja ohnehin nicht verwunderlich ist). Es handelt sich nur um ein unscheinbares kleines Stück, das zudem noch rezent vom Pflug beschädigt bzw. zerbrochen ist. Wo aber die Oberfläche erhalten ist, weist sie eine tief schwarze, glänzende „Wüstenpolitur“ auf.
Eine solche ist öfters bei mesozoischen Hornsteinknollen, die in marinen miozänen Ablagerungen resedimentiert sind, zu beobachten, z.B. bei den südmährischen Hornsteinen vom „Typ Krumlovsky les“.
(Mateiciucová 2008, 44 f.; Přichystal 2012, 73 ff.; siehe auch: http://flintsource.net/nav/frm_namelist.html --> Krumlovský Les; und jeweils dort angegebene Literatur.)
Derartige Hornsteine, zumindest teilweise ebenfalls mit „Lackpatina“, kommen auch in der Laa-Fm vor. Sie bildeten sich in marinen Sedimenten, die im Mesozoikum die böhmische Masse zumindest randlich bedeckten und mittlerweile völlig erodiert sind. Als diese Gebiete landfest wurden, verwitterten die kalkigen Sedimente, während die Silizite übrig blieben, und (aufgrund ihrer Gerölloberfläche anscheinend nach einem mehr oder weniger intensiven fluviatilen Transport) in einem „Wüstenklima“ durch chemische und physikalische Verwitterung ihre schwarze Patina erhielten. (vgl. dazu – für in der etwas älteren Fels-Fm resedimentierte, vermutlich jurassische Silizite – auch: Steininger & Roetzel 1999). Die Verwitterung und Abtragung der mesozoischen Sedimente und die Bildung der „Wüstenpolitur“ auf den Silizitgeröllen wird üblicherweise ins Paläogen datiert. Bei der darauf folgenden globalen miozänen Transgression wurden die Silizite in marinen Ablagerungen resedimentiert.

Das soll jetzt nicht heißen, dass ich für dieses Stück konkret auch eine mesozoische Datierung annehme, es dürfte aber eben offenbar zumindest vor-Karpatium-zeitlich sein, bzw. jedenfalls bereits als „wüstenpatiniertes“ Kieselholz in die Schotter der Laa-Fm gelangt sein. Mir ist nicht bekannt, ob im Untermiozän, für das in unserem Gebiet zumindest abschnittsweise ein subtropisches Klima belegt ist, wieder Bedingungen herrschten, unter denen die Bildung einer „desert varnish“ (http://minerals.caltech.edu/FILES/VARNISH/ ) möglich war – möchte diese Möglichkeit aber zumindest in den Raum stellen. Da hier aus dem Untermiozän nach der SMFF – also aus dem Eggenburgium, Ottnangium und Karpatium – nur die marinen bis brackisch-paralischen Sedimente der Paratethys (bzw. ihrer Küstenregionen) erhalten sind, aber keine rein terrestrischen Ablagerungen, kann wohl nicht ausgeschlossen werden, dass in manchen Bereichen des Festlandes (z.B. in höher gelegenen Gebieten der Böhmischen Masse) eventuell kleinräumig aride Bedingungen herrschten.
Lassen wir diese Spekulationen aber außer Acht und halten uns an die „üblichen“ Datierungen, dann dürfte das Fossil also vermutlich zumindest paläogenen Alters sein, und dabei wiederum – aufgrund der klimatischen Bedingungen, die mit Beginn des Oligozäns (nach anderen Angaben erst im Mitteloligozän) wechselten – wohl aus dem Paleozän oder Eozän. Denn es muss einer terrestrischen Verwitterung unter ariden Bedingungen ausgesetzt gewesen sein, bevor es in den marinen Schottern seine vorläufig „letzte Ruhestätte“ fand.

• Mateiciucová 2008: I. Mateiciucová, Talking Stones. Diss. Arch. Brun. Prag. 4, Brno 2008.
• Přichystal 2012: A. Přichystal, Lithic Raw Materials in Prehistoric Times of Eastern Central Europe, Brno 2012.
• Steininger & Roetzel 1999: F. F. Steininger & R. Roetzel, Mesozoikum (Erdmittelalter). In: F. F. Steininger (Hrsg.), Erdgeschichte des Waldviertels, SchrR. Waldviertler Heimatbund 38, Horn-Waidhofen/Thaya 19992, 73 f.
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 14 Dec 13, 22:43
Nach langer Durststrecke endlich wieder mal ein halbwegs akzeptables (wenn auch etwas kleines) Stück aus der Laa-Fm (ca. 14 x 7 cm). Die Rückseite (Innenseite) ist zwar ein anscheinend ziemlich frischer Bruch, und auch sonst gibt’s einige rezente Beschädigungen, aber die Außenseite sieht nicht so schlecht aus.
Allgemein sind die Bedingungen hier derzeit leider nicht günstig – auf den Feldern grünt schon die Wintersaat bzw. der Raps, oder die Gründüngung (Senf etc.) ist noch nicht eingeackert. Und die Weingartenzeilen sind auch begrünt oder sonst irgendwie in unbrauchbarem Zustand. So gesehen war dieser Fund eigentlich gar nicht so übel …

edit: Bild ausgetauscht ...
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 26 Dec 13, 15:51
Zur Abwexlung mal was von der „Begleitfauna“ (aus dem "Randgebiet" Schmidatal Ost) – ich nehm die Austern ja normalerweise nicht mit. Nur ein paar besonders prächtige Schlossteile stehen bzw. liegen bei meiner Freundin als Dekosteine rum (Bild 1) ….

(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1391439360.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1391439360.jpg)
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 24 Oct 14, 17:35
Nachdem ich in diesem Fundgebiet jetzt schon sehr lange nix außer völlig zerackerten Splittern gefunden (und darum auch nichts mehr zu dem Thema geschrieben) habe, gabs heute endlich (nach einer gefühlten Ewigkeit) wieder mal einen passablen Feldfund - zwar auch etwas vom Pflug beschädigt, aber doch das beste seit gut eineinhalb Jahren aus dieser Gegend.

Fotos folgen, sobald das Stück entsintert ist - jetzt kommts erst mal in den Essig .....
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 03 Nov 14, 15:33
Nun, die Euphorie am Fundtag war wohl doch etwas übertrieben. Das Stück hat zwar eine halbwegs akzeptable Größe (26 x 12 cm), einen kleinen durchgehenden Ast und zusätzlich sogar einen Bohrgang (Foto 4), es wurde aber leider doch ein ganz beträchtlicher Teil vom Pflug abgesprengt (Foto 2) ....
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 07 Dec 15, 22:14
Das letzte posting hier ist ja auch schon wieder über ein Jahr alt - aber in der Zwischenzeit hab ich in diesem Gebiet auch kaum was Beachtenswertes gefunden, sondern - wenn überhaupt - fast nur "zerackerten Schrott".
Im November hatte ich jetzt aber das Glück, ausnahmsweise mal zur richtigen Zeit auf dem richtigen Feld zu sein - und hab gleich zwei ziemlich gute Stücke (und ein drittes auch ganz passables) an einem Tag gefunden, was mir hier überhaupt noch nie passiert ist ....
Das erste, mit – ursprünglich wohl großartiger – stark dreidimensional strukturierter Treibholzoberfläche, ist mit einer Länge von 38 cm für dieses Fundgebiet schon beinahe ein "Riese" - ein Wunder, dass es vom Pflug nicht völlig zertrümmert wurde. Es hat beim Ackern aber doch einige stärkere Pecker abgekriegt – leider hat es die Landwirtschaft also auch in diesem Fall geschafft, ein erstrangiges Museumsstück in eine „Rarität mit groben Schönheitsfehlern“ zu verwandeln …..  >:D

(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1449485816.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1449485816.jpg)  (https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1449485843.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1449485843.jpg)

Das zweite ist etwas kleiner (L. 25 cm), weist aber nur wenige unwesentliche Beschädigungen auf, ist daher also fast der bessere Fund.

(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1449519480.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1449519480.jpg)  (https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1449519502.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1449519502.jpg)

Jedenfalls war es mein bisher bester Fundtag in der Laa-Fm – und das nach vier Jahren intensiver Beschäftigung mit diesem Gebiet !
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 08 Dec 15, 15:10
Und noch eine Seltenheit gab`s an diesem Tag, sozusagen als Draufgabe: ein Stück eingekieselten Wurzelboden.
Da ist es schon aufgrund der geologischen Verhältnisse ganz klar, dass das Stück sekundär gelagert sein muss (die Laa-Fm ist marin), es hat auch eine deutlich abgerollte Oberfläche. Es ist allerdings nicht sehr fotogen, weshalb ich es hier (vorerst) nicht zeige – Mikrofotos habe ich davon (noch) keine.
Manche der Pflanzenreste darin sind nur als Abdrücke erhalten, was an der wiederum teils kieseligen, teils aber auch etwas kalkigen Erhaltung liegt. Die kieselige Grundmasse ist überwiegend dunkelbraun bis kohlig schwarz, im Gesamten erinnert mich das Stück an ähnliche Funde aus den oberösterreichischen Braunkohlegebieten (z.B. Trimmelkam oder Hausruckgebiet/Umgebung Ampflwang). Damit – und mit den geologischen Verhältnissen im Fundgebiet – scheint die ursprüngliche Herkunft des Stückes aus einem miozänen Braunkohle-Küstensumpf relativ eindeutig. Ich denke da an die Kohlevorkommen  (und damit verzahnte Sedimente) am Ostrand der Böhmischen Masse, also vor allem die Langau- und die Riegersburg-Fm (bzw. damit vergleichbare, heute großteils wegerodierte bzw. nur in minimalen Resten erhaltene Sedimente) aus dem Ottnangium (siehe z.B. Roetzel 2005). Der Wurzelboden könnte dann – bereits verkieselt/fossilisiert – bei der Transgression im Karpatium aufgearbeitet worden und zusammen mit anderem Schotter ins Meer gelangt sein.
Zu den seltenen Kieselhölzern aus der Langau- und Riegersburg-Fm hab ich ja auch schon vor längerem mal einen Text fürs Forum begonnen, aber dann nie fertiggestellt …..

Literatur:
• Roetzel 2005: R. Roetzel, Geologie im Fluss. Erläuterungen zur Geologischen Karte der Nationalparks Thayatal und Podyjí, Wien 2005.

edit:
Da es bis zu den Microfotos wohl noch etwas dauern wird, hier doch mal ein paar normale Makrofotos von dem Wurzelboden-Stück - ich hoffe, es ist halbwegs was zu erkennen.

(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1450526470.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1450526470.jpg)  (https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1450526497.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1450526497.jpg)  (https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1450526514.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1450526514.jpg) 
(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1450526528.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1450526528.jpg)
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 19 Dec 15, 15:40
Wie für die Hölzer des Eggenburgiums (https://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,33634.msg292575.html#msg292575) und die von den Csaterbergen (http://www.mineralienatlas.de/?l=28093) stellt sich auch für die primär in der Laa-Fm gelagerten Kieselhölzer die Frage, woher das für die Verkieselung nötige SiO2 stammt: aus dem geologischen Untergrund bzw. den quarzreichen Sedimenten selbst, aus welchen die Hölzer kommen, oder doch eher vom Vulkanismus ?
Für die Hölzer der Laa-Fm gibt es seit kurzem einen Hinweis, der deutlich die Vulkanismus-Theorie unterstützt: bei Kartierungsarbeiten entdeckte R. Roetzel in Straning (Roetzel et al. 1999), also im selben Gebiet in dem auch die Holzfundstellen liegen, Tuffe und tuffitische Lagen eines sauren, rhyodazitischen bis dazitischen Vulkanismus aus dem Unteren Karpatium direkt auf den Peliten der Zellerndorf-Fm (Roetzel et al. 2014). Das ist nun aber ziemlich die gleiche stratigrafische Lage, welche auch die kieselholzführenden Schotter der Laa-Fm aufweisen – auch diese liegen – manchmal allerdings nur mehr als Erosionsreste – auf diesen feinklastischen Sedimenten aus dem Ottnangium.

Literatur:
• Roetzel et al. 1999: Reinhard Roetzel, Susanna Scharbert, Ingeborg Wimmer-Frey, Kurt Decker. B3 Straning - Bahneinschnitt. Arbeitstagung GBA 1999, Exkursionen. pdf: http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=ATA_1999_290.pdf
• Roetzel et al. 2014: Reinhard ROETZEL, Arjan de LEEUW, Oleg MANDIC, Emő MÁRTON, Slavomír NEHYBA, Klaudia F. KUIPER, Robert SCHOLGER & Ingeborg WIMMER-FREY, Lower Miocene (upper Burdigalian, Karpatian) volcanic ashfall at the south-eastern margin of the Bohemian Massif in Austria – New evidence from Ar/ Ar-dating, palaeomagnetic, geochemical and mineralogical investigations. AJES 107/2, Wien 2014, 2-22. pdf: http://www.univie.ac.at/ajes/archive/volume_107_2/roetzel_et_al_ajes_107_2.pdf
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 20 Dec 15, 17:35
das dritte Holz von meinem "best-of-Tag", das ich oben (AW #23) als "auch ganz passabel" bezeichnet habe, sieht nach dem Entsintern gar nicht so schlecht aus  :) - und gehört mit ca. 23,5 x 11,5 x 6,5 cm unter den Funden aus dieser Gegend ja auch schon fast zu den "Größeren".
Leider waren Sinterkruste, kalkige Originalbestandteile (?) und verkieselte Fasern wieder mal innigst miteinander verbunden, so dass im Essigbad auch schon einige Kieselteile mit abgingen. Ich hab daher die Säurebehandlung relativ bald abgebrochen, weshalb in einigen Vertiefungen noch Reste der Karbonatkruste sitzen - die stören aber im Original weitaus weniger als am Foto.
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 15 Jan 16, 17:22
zum Thema siehe auch:
https://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,40904.msg293140.html#msg293140
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 11 Jun 16, 12:15
Die heftigen Gewitter des vorigen Wochenendes hatten hier einige am Hang gelegene Kürbisfelder gut "aufbereitet" -
so dass ich gestern ein paar ganz nette (wenn auch durchwegs kleine) Hölzer aufsammeln konnte.
Das interessanteste Exemplar ist aber das auf den ersten Blick unscheinbarste - wieder mal ein Stück Wurzelboden, erst mein zweiter aus der Laa-Fm.
Und diesmal sogar in besserer Erhaltung - gut eingekieselt, und offenbar ohne kalkige oder kohlige Anteile.

(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1465639606.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1465639606.jpg)  (https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1465639643.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1465639643.jpg)  (https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1465639672.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1465639672.jpg)
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 10 Nov 16, 16:05
Aktueller Neufund aus der Laa-Fm (Feldfund vom 1. November). Die „Schauseite“ ist zwar super, mit wunderbarer Struktur und kontrastreicher Zeichnung, aber die Rückseite und eine Längskante (am Bild oben) sind leider völlig vom Pflug bzw. der Scheibenegge abgesplittert. Das Stück könnte also erheblich breiter (und dicker) gewesen sein, während die Länge offenbar annähernd dem ursprünglichen Treibholz entspricht (an beiden Enden zumindest tlw. die "originalen", glattgeschliffenen Stirnflächen).
Ich hab zwar noch drei zugehörige Splitter gefunden, aber was nützt das schon ….. 
Wäre das Stück unbeschädigt, wär es vermutlich mein bestes aus der Laa-Fm  :(

(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1478790162.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1478790162.jpg)
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 17 Mar 17, 12:27
eine Ergänzung zu den Beiträgen AW #13 & 14:
mit inzwischen mehr Erfahrung und besserer Materialkenntnis bin ich zu dem Schluß gekommen, dass es sich bei den angesprochenen Strukturen doch um Bohr-/Fraßgänge handelt, und seit ein paar Tagen hab ich den definitiven Beweis dafür: Auf einem erst kürzlich gefunden Stück sind die Füllungen dieser Gänge erhalten - und voll mit eindeutigen Kot-Pellets, wie unter der Lupe zu erkennen ist! Es sind also mit Sicherheit Fraßgänge holzbewohnender Insekten (bzw. Insektenlarven). Werde versuchen, da demnächst mal Mikrofotos davon zu bekommen ....
Und aus gegebenem Anlass gleich noch ein Wort zu der oft geführten - aber müßigen - Diskussion, ob es sich bei diesen "Kügelchen" um Insektenkot oder Insekteneier handelt: Insekten, deren Larven im Holz oder Totholz leben, legen normalerweise ihre Eier in Rindenspalten, oder, mithilfe eines haarfeinen Legebohrers/Legestachels, in winzigsten Löchern im Holz ab. Erst die geschlüpften Larven fressen sich dann ins bzw. durchs Holz, und erzeugen dabei die typischen Fraßgänge. Die Frage, um welche Hinterlassenschaften es sich also bei den manchmal in den Gangfüllungen erhaltenen "Kügelchen" handelt, erübrigt sich daher ... ;)
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 26 May 17, 13:48
Wieder mal ein „Wunder“:
Nach etwas mehr als vier (!!) Jahren habe ich gestern zu einem schönen Kieselholz (siehe AW # 13) den vom Pflug abgesprengten zweiten Teil gefunden !
Sowas ist jedes mal wieder ein Erfolgserlebnis der ganz besonderen Art – und geschieht natürlich nur, wenn man hartnäckig immer wieder die gleichen Felder absucht, auch wenn es dort anscheinend ohnehin nichts mehr zu Finden gibt.
Dieses Stück war für mich damals eines der besten aus besagtem Fundgebiet, und zählt auch heute noch zu den interessantesten von dort. Durch den Bruch war zwar das „Innenleben“ besser erkennbar, ich werde es aber trotzdem kleben …
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: michaelh am 26 May 17, 15:45
Nach 4 Jahren ist das natürlich der Hammer.
Ich suche zu den meisten kleinen Stücken immer noch die größeren Brüder :)

Grüße Michael
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 26 May 17, 17:30
in diesem Fall hatte ich den "großen Bruder" zuerst gefunden .....
umgekehrt wäre es vmtl. auch schwieriger, sich daran zu erinnern, dass da was zusammengehören könnte.
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 14 Aug 17, 11:24
Ich glaube, schön langsam werde ich „Weltmeister im Zweite-Teile-Finden“   ;D
Allerdings ein zweifelhaftes Vergnügen – lieber wäre mir, ich würde die Hölzer im Ganzen finden, und müsste sie nicht mühsam wieder zusammenbasteln!
Vor ca. einer Woche habe ich auf dem frisch gegrubberten Feld doch tatsächlich das zweite größere (und anpassende) Stück zu dem „schönen“ Kieselholz vom letzten Herbst (siehe AW #29) gefunden – sozusagen die „Rückseite“:

(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1502704865.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1502704865.jpg)

Von der vom Pflug zersplitterten Kante fehlen allerdings immer noch einige Teile – ich werde also mit dem Kleben noch abwarten. Denn es ist ziemlich unlustig, voreilig geklebte Teile wieder auseinander lösen zu müssen, wenn sie mit weiteren Fragmenten nicht mehr zusammensetzbar sind, weil irgendwo eine vorstehende Kante im Weg ist oder zwei komplizierte Bruchflächen nicht mehr wirklich ineinander greifen …
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: Geomaxx am 14 Aug 17, 11:45
Hallo Oliver,
bist ein Duselbruder...
meine Knochenpuzzles aus den mizozänen Sandgruben bei mir in der Ecke bleiben meist ergebnislos. Selbst bei den größeren Dingen ist aufgrund des hohen Sandaushubvolumens oft nix mehr zu machen (Entweder schon weggebaggert oder irgendwo inmitten der Haufwerke vergraben. Drum mag ich Kleinsäugerzähne, da braucht man nix zu puzzlen ;)
Grüßle und Puzzle auf!
GEOMAXX
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 14 Aug 17, 12:05
Hallo Max,
Zähne sind mir auch immer willkommen -
allerdings hab ich selten das Glück, der letzte ist jetzt schon eine ganze Weile her ....
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 15 Aug 17, 16:51
Nach vier Jahren Abstand (und ein wenig mehr Erfahrung) jetzt noch mal ein Kommentar zu dem "Problemstück" in AW #15 (https://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,30395.msg254510.html#msg254510) - zu dem ich übrigens in der Zwischenzeit auch den größten Teil des damals noch fehlenden Bruchstücks gefunden habe  ;D.

Für die "Löcher" oder "Röhren", die ich mir damals nicht erklären konnte, habe ich heute eigentlich nur zwei Interpretationsvarianten. Klar scheint zu sein, dass es sich bei dem Stück um ein vor der Silifizierung bereits stark vermodertes/zersetztes Holz gehandelt haben muss (siehe dortigen Text und Fotos), das mit geringen Anteilen des umgebenden Bodens fossilisiert wurde (und daher in der Laa-Fm wohl sekundär gelagert ist).
Wie ich damals schon richtig sah, "durchbohren" die Löcher nicht die Holzstruktur, sondern verdrängen sie - weshalb die damalige Idee von Wurzeln Sinn macht. Allerdings nicht, wie ich damals vermutete, von Wurzelansätzen des selben Baumes, die im lebenden Holz eingeschlossen/integriert waren, sondern vielmehr von Wurzeln anderer Pflanzen, die durch das bereits vermoderte, aufgeweichte Totholz gewachsen sind. Denn andernfalls wären die Röhren wohl nicht hohl überliefert, sondern integrierte Wurzeln wären vermutlich mit verkieselt. So aber könnte man argumentieren, dass das tote, in Zersetzung begriffene Holz kieselsäurehältige Lösungen aufnahm, während das die frischeren Fremd-Wurzeln nicht taten. Ähnliches ist ja z.B. bei Osmunda-Rhizomen aus dem Hausruck zu beobachten, wo die Rhizome verkieselten, während die durchgewachsenen Nadelholzwurzeln als Röhren/Löcher/Abdrücke vorliegen, und nur in den seltensten Fällen mit silifiziert wurden.
Das wäre also eine Möglichkeit - ich tendiere aber eher zu der zweiten, vom Szenario her sehr ähnlichen. Die entscheidenden Hinweise fand ich bereits vor Längerem ohnehin hier im Forum - in dem einen oder anderen Beitrag wurde nämlich erwähnt, dass holzzersetzende Pilze die Holzstruktur nicht "durchschlagen" oder "zerfressen", sondern - durch ihr Wachstum - verdrängen. Das würde nun gut zu dem Fund aus AW #15 passen - die bereits stark zersezte bis aufgelöste Holzstruktur wird hier ja von den im Querschnitt runden bis ovalen Gebilden regelrecht "zur Seite geschoben".
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 14 Apr 19, 20:40
interessanter Neufund siehe:
https://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,6736.msg335647.html#msg335647
(Teilbereich Schmidatal-Ost)
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 15 Jan 20, 19:12
Von der vom Pflug zersplitterten Kante fehlen allerdings immer noch einige Teile – ich werde also mit dem Kleben noch abwarten. Denn es ist ziemlich unlustig, voreilig geklebte Teile wieder auseinander lösen zu müssen, wenn sie mit weiteren Fragmenten nicht mehr zusammensetzbar sind, weil irgendwo eine vorstehende Kante im Weg ist oder zwei komplizierte Bruchflächen nicht mehr wirklich ineinander greifen …

jetzt ist das schon zweieinhalb Jahre her - und die fehlenden Teile fehlen noch immer.
Gar nicht gut .....   :(
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 18 Jan 20, 14:59
Eine kleine Rarität – oder, besser gesagt, ein kleines (und unscheinbares) Fundstück, aber eine sehr große Rarität!
Nach 8 Jahren (!!) intensiver Feldbegehungen in der Laa-Fm mein erstes „echtes“ Kernstück von hier  :D
Allerdings natürlich wieder weit entfernt von „perfekt“ oder „Museumsqualität“. Der größte Teil des den Kern (Dm. 2,5 cm) umgebenden Achsenteils (B. 3 cm) fehlt nämlich – leider …  :(

(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1579354246.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1579354246.jpg)  (https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1579354280.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1579354280.jpg)

Nachdem der Kern so deutlich vom umgebenden Holzgewebe abgesetzt bzw. freigewittert ist, dachte ich zuerst, dass es sich wieder „nur“ um einen durchgehenden Ast handelt – die äußeren Zuwachsringe des kleinen erhaltenen Teils des Querschnittes verlaufen allerdings schön konzentrisch zum Kern!

(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1579354265.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1579354265.jpg)  (https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1579354294.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1579354294.jpg)

Also wieder mal so ein „wenn und aber“-Stück: Wenn das umgebende Holz erhalten wäre, hätte der Querschnitt (bei halbwegs zentralem Kern) einen Durchmesser von mindestens 8,5 cm!
So aber kann man die potentiell mögliche Pracht nur erahnen.
Bin gestern gerade noch rechtzeitig draußen gewesen – heute schneit es schon …..
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 19 Dec 20, 13:10
Nach langer Durststrecke endlich wieder einmal was halbwegs Herzeigbares aus den Karpat-Schottern im Schmidatal. Zwar (klarerweise) auch angeackert, aber zumindest mit einem deutlich erkennbaren Astabgang - Fund vom Dezember 2020.

(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1608379389.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1608379389.jpg)  (https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1608379404.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1608379404.jpg) 

(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1608379422.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1608379422.jpg)  (https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1608379432.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1608379432.jpg)
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: jlies am 28 Mar 22, 09:08
hallo oliver,
was heißt in diesem zusammenhang hier „entsintern“? was wird dort durch den essig genau entfernt: geht es nur um angebackenes fremdmaterial, oder geht es wirklich um material, was durch druck und hitze mit dem ursprünglichen holz ver- bzw. gesintert wurde?
vielleicht hast du einen link dazu? google hat mir keine passablen treffer beschert.
danke und LG,
jörn.
Titel: Re: Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Beitrag von: oliverOliver am 28 Mar 22, 10:24
hallo,
Sinter meint in diesem Fall Kalksinter, also korrekter "sekundäre Karbonate", sprich: einfach die kalkige Kruste, die sich im Lauf der Zeit an den Hölzern angelagert hat, und nichts mit den Fossilien an sich zu tun hat.
lg + ga
oliver