Mineralienatlas - Fossilienatlas
Mineralien / Minerals / Minerales => Mineralien (Fundort) bestimmen / determine minerals => Thema gestartet von: Philip Blümner am 22 Dec 12, 09:04
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Hallo,
im Herbst dieses Jahres habe ich bei ebay.com bei einem unwissenden Händler eine Stufe "Gratonite Wurtzite Segen Gottee Mine" entdeckt und ein Schnäppchen gemacht. Es handelt sich um Ooide von Schalenblende um Galenitkristalle in Calcit. Gratonit habe ich keinen entdeckt, Wurtzit ist ja nicht nachgewiesen bzw. zumindest zweifelhaft. Nachdem ich beim Händler mal nachgehakt habe, hat ein Geologe das Stück gehabt, das braune für den Gratonit gehalten und das weiße für Wurtzit. Soviel dazu :D
Mir sind von Wiesloch noch keine solcher Stufen untergekommen, was nichts heißen mag. Vielleicht kennt jemand aus unserer Runde hier Material dieser Art? Möglicherweise sind es nicht nur Ooide, sondern auch stalaktitische Aggregate gewesen.
Angehängt sind Bilder der Stufe. Sie misst 45x40 mm. Fundjahr ist nicht bekannt.
Im Calcit sind neben den Galenitkernen auch Oktaeder und Kuboktaeder zu finden. Manche der Schalenblendeaggregate sind von einer kristallinen Kruste umgeben, bestehend aus gelben bis grünen winzigen Kristallen, vermutlich Tetraedern, vermutlich Sphalerit. Die Kerne der Schalenblende sind meist eben Galenit, was an der Spaltbarkeit und Glanz erkennbar ist. Gratonit hat meines Wissens keine so perfekte Spaltbarkeit.
Liebe Grüße und schöne Feiertage
Philip
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weitere Bilder
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und die letzten. Sie wandern sicher mal ins Lexikon, möchte sie aber erst dort hochladen, wenn hier sichere Worte fallen.
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Hallo Philip
interessante Stufe und schöne Bilder !
Mir scheint das Innere der Schalenblende - Aggregate meistens aus Sphalerit selbst zu bestehen, Galenit sehe ich da relativ wenig. An einigen Stellen scheint es aber prismatische, silberglänzende xx zu geben, möglicherweise Gratonit ?? oder auch einfach nur Reflexe ?
Ferner fällt mir auf dem ersten Bild ein dunkler anscheinend idiomorpher Kristall rechts oben auf mit oktaedrischen Habitus, vermutlich Galenit.
Glück Auf und ein frohes Weihnachtsfest auf diesem Wege
Thomas
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Hallo Thomas,
ja, die Stufe finde ich auch interessant. Das innere der Schalenblende besteht definitiv aus Galenit. Reflektierende Bilder habe ich angehängt. Auf Bild 9 sieht man ein längliches Aggregat. Unter der Lupe hätte es schon Gratonit sein können, unter dem Bino erkennt man aber die Spaltbarkeit von Galenit, wie gesagt.
Oben rechts befindet sich kein Galenitkristall, das dunkle kleine Dreieck ist nur ein Schatten.
Gruß Philip
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Hallo Philip,
ich habe gerade mit einem Freund Rücksprache gehalten wegen des Stückes. Er sagte mir, das er in seiner Sammlertätigkeit keinen solche Schalenblende von Wiesloch gesehen hat. Und er hat eine hervorragende Wiesloch-Sammlung, hat selbst mehr als 25 Jahre auf der Halde gesucht bzw. gesammelt. Es war mehr oder weniger seine Heimathalde. Er wohnt nur ca. 15 km entfernt.
Gruß
Edgar
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Hallo Philip,
dank Dir bin ich ja auch mit dem Schalenblendevirus infiziert. Meine Sammlung zu Wiesloch ist noch nicht allzu groß, aber solche sind nicht dabei. Auch die Literatur, zumindest die mir zur Verfügung stehende, erwähnt keine "oolitischen" Ausbildungen. Hingegen beschreibt bereits Seeliger die von Dir erwähnten stalaktitischen Bildungen. Diese bilden jedoch häufig Perimorphosen nach Hutchinsonit. Dieser sorgt, wenn in feinsten Kristallen, teilweise polysynthetischen Zwillingen, vorhanden für eine Rotfärbung der Calcite. Ich bin auch etwas iritiert durch die im Kern vorhandenen Galenite - sowas kenne ich von Wiesloch gar nicht.
Glück Auf!
openpit
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Hallo,
Vor allem die grobspätige Ausbildung des Calcites spricht irgendwie gegen eine niedrigthermal-hydatogene Bildung, wie sie für Grabenrandmineralisationen wie Wiesloch typisch ist. So etwas habe ich noch von keinem Schalenblendevorkommen entlang des Rheingrabens gesehen.
Glück Auf!
Smoeller
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Hallo,
vielen Dank für die Einschätzungen! Ich habe auch meine Zweifel. Nach einem kleinen Blick über meine Schalenblendesammlung käme, was die Ausbildung der Schalenblende angeht, nur ein Stück in Frage: ein Stück dicht gepackter Ooide von der Polaris Mine in Nordkanada.
(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1293544400.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1293544400.jpg)
An meinem Stück ist zwar kein Calcit vorhanden, aber eben von der Schalenblende her sind Ähnlichkeiten vorhanden. Im Kern der Ooide ist jedoch kein Galenit.
Gruß Philip
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Noch ein kurzer Einwurf:
darf man bei solchen Ausbildungen von Ooiden sprechen? Diese sind schließlich sedimentär-biogenen Ursprungs, welchen ich bei Schalenblenden generell auschließen möchte - ich lasse mich aber gerne eines besseren belehren.
Glück Auf!
openpit
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Hallo Micha,
ich wollte lediglich die kugelige, schalige Ausbildung beschreiben. Gerne lasse auch ich mich eines besseren belehren :D
Gruß Philip
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Hallo,
es gab dort solche Zapfen, aber eben nicht im Calcit in dieser Masse. Habe ich so von dort auch nie gesehen.
Gruß
Andreas
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Hallo,
womöglich ist die Stufe von Seilles, Belgien. Der Steinbruch ist reich an Calcit.
Gruß Philip
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Hallo Philip,
enthalten die nicht durchweg Markasit?
Glück Auf!
Micha
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Hi Micha,
ich habe mal eine Nachricht an Paul de Bondt geschickt, der eine mehr oder minder vergleichbare Stufe besitzt. Stimmt, Markasit ist zumindest häufig dabei. Sobald ich was in Erfahrung bringe, melde ich mich.
Gruß Philip
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Hallo,
also Seilles kommt nicht in Frage. Habe den Hinweis bekommen, dass evtl. Ramsbeck möglich wäre. Da gibt's jedenfalls viel begleitenden Calcit.
Vergleichbares Bild: (https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1203003754.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1203003754.jpg)
Gruß Philip
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Hallo,
um das Rätsel zu lösen: das Stück ist von der Pine Point Mine, Kanada. Dort gibt es stalaktitische Schalenblende-Aggregate, z.T. auf Galenit, mit Calcit als Gangfüllung, sog. Sphalerite straws. Ich habe Lokalsammler befragt.
Gruß Philip