Mineralienatlas - Fossilienatlas

Arbeitsmittel / Means for work => Reinigung (Präparieren, Konservierung) / Cleaning (Prepare, Conservation) => Thema gestartet von: Linda am 02 Jan 13, 23:29

Titel: Verwittertes pyrit
Beitrag von: Linda am 02 Jan 13, 23:29
Hallo zusammen,
Habe am Wochenende sehr schöne Pyritstufen im Sauerland gefunden, Würfel und Sonnen, die Kristalle sind teilweise extrem schön ausgebildet, nur leider sind sie stellenweise stark verwittert, oxidiert, sieht regelrecht verrostet aus, habe sie auf einer Baustelle gefunden, gibt es eine Möglichkeit was gegen dieses hässliche Braun zu tun? Die sahen im ersten Moment echt spannend aus, nur im Regal sehen sie jetzt eben aus wie ein Stein vom Straßenrand  :-[ wäre toll wenn jemand einen hilfreichen Tipp hat  :)
Linda
Titel: Re: Verwittertes pyrit
Beitrag von: prehnit100 am 03 Jan 13, 09:36
Hallo Linda,

wenn es sich nur um einen dünnen Belag handelt, kannst du versuchen diesen mit Oxalsäure zu entfernen.
Wie das geht und Alternativen ? Einfach mal unter dem Stichwort hier im Forum suchen. Da kommen jede Menge Einträge.

Falls der Pyrit jedoch schon stärker umgewandelt ist bringt das nichts. Der Rost geht zwar weg, aber zurück bleibt eine mehr oder weniger löcherige Oberfläche welche erst recht "sch..." aussieht. Kannst Du mal ein Bild des Stückes einstellen ?
Titel: Re: Verwittertes pyrit
Beitrag von: Linda am 05 Jan 13, 19:52
hab jetzt mal ein extra hässliches Stück genommen, das hab ich auch nur mitgenommen um daran zu testen ob ich den Rost abkriege :D
Titel: Re: Verwittertes pyrit
Beitrag von: prehnit100 am 08 Jan 13, 08:56
hallo Linda,

falls du andere stücke mit frei gewachsenen kristallen hast, könntest du bei dem angebildeten stück mal testen.
ich vermute aber, dass sich der aufwand nicht lohnt :-(
Titel: Re: Verwittertes pyrit
Beitrag von: Linda am 08 Jan 13, 16:16
Ja ich werd's mal probieren, um einige Kristalle wäre es schade, aber der Rost ist eben überall und so sieht's auch blöd aus :)
Titel: Re: Verwittertes pyrit
Beitrag von: Jochen1Knochen am 09 Jan 13, 22:06
Hallo!
Ich hatte da auch so was.Hab das mal schnell gemacht.2min in Salzsäure und dann im Wasser kräftig abgebürstet.Mehr will ich da nicht tun,da ich keine lange Einwirkzeit der Säure möchte.
Titel: Re: Verwittertes pyrit
Beitrag von: Jochen1Knochen am 09 Jan 13, 22:07
und jetzt einigermaßen sauber:
Titel: Re: Verwittertes pyrit
Beitrag von: Jochen1Knochen am 09 Jan 13, 22:10
Erwarte aber nicht zuviel.Kristalle mit Überzügen haben selten Glanz.Man sieht dann schon den Unterschied zu hochglänzendem Pyrit.
Gruß Jens
Titel: Re: Verwittertes pyrit
Beitrag von: Wegschmeißit am 09 Jan 13, 22:32

2min in Salzsäure und dann im Wasser kräftig abgebürstet. Mehr will ich da nicht tun,da ich keine lange Einwirkzeit der Säure möchte.

Länger wäre da auch suboptimal! Wie hoch ist die Konz. deiner HCl?

Gruß Dirk
Titel: Re: Verwittertes pyrit
Beitrag von: Jochen1Knochen am 10 Jan 13, 20:35
Hallo Dirk!
mit etwas Verdünnung Pi mal Daumen 25% ;)
Natürlich geht auch eine längere Einwirkzeit,allerdings war ich mir nicht sicher,ob ich den Rost überhaupt wegmachen will.Mit etwas Rost sieht das natürlicher aus denke ich.
Gruß Jens
Titel: Re: Verwittertes pyrit
Beitrag von: cmd.powell am 13 Jan 13, 16:16
Hi

Man kann solche Pyrite auch problemlos in konz. Salzsäure "vergessen", die werden oberflächlich nur wenig angegriffen. Primär geht der Rost ab. Allerdings sollte man den Pyriten, die (lange) in Salzsäure gelegen haben ein unverhältnissmäßig längeres Bad in verd. Ammoniaklösung gönnen. Ich habe z.B. aus Kalkstein freigeätzte Pyrite mindestens zwei Wochen in Ammoniaklösung neutralisiert. Wichtig hier ist es, den Ammoniak mit deionisiertem Wasser zu verdünnen. Bei Leitungswasser kann es, je nach Härtegrad, zur ausfällung von Calcit kommen und dann muß der Pyrit wieder in die Salzsäure, dann wieder in den Ammoniak etc. ....
Titel: Re: Verwittertes pyrit
Beitrag von: Linda am 14 Jan 13, 20:58
Salzsäure klingt immer so gruselig, ich denke ich versuch es erst mal mit oxalsäure... An die Salzsäure kann ich mich ja mal wagen wenn ich es damit nicht hin gekriegt habe, aber trotzdem danke für die Tipps  :) ich denke an einigen Stücken kann ich es auch so lassen, gehört ja auch dazu, nur bei einigen sieht man gar nicht,dass es pyrit ist
Titel: Re: Verwittertes pyrit
Beitrag von: Krizu am 14 Jan 13, 22:24
lol - ich denke bei Oxalsäure immer an giftig :-) und ätzend, Salzsäure ist nur ätzend.
Nur weil eine Säure rogansich ist muss die nicht gut oderharmlos sein.

MfG

Frank
Titel: Re: Verwittertes pyrit
Beitrag von: Linda am 14 Jan 13, 23:10
Ja das stimmt natürlich auch  ;) 
Titel: Re: Verwittertes pyrit
Beitrag von: cmd.powell am 19 Jan 13, 15:51
Hi

Tja, ich glaube ich habe mir inzwischen fast jede anorganische Säure mindestens mal kurz über die Hände gegossen (natürlich nicht beabsichtigt  :o ) und am "gruseligsten" war die konz. Schwefelsäure, weil es in doch recht kurzer Zeit (t < 5s) wirklich unangenehm heiß wird - und man viel Wasser braucht um die runter zu bekommen. Im Vergleich dazu würde ich in Salzsäure schon fast baden. Salpetersäure ist auch immer recht unangenehm, vor allem, weil die Finger danauch so hässlich braun werden. Laugen finde ich persönlich noch viel schlimmer als die Säuren, da man durch die glipschigen Finger praktisch nichts mehr fassen kann und u.U. auch den Wasserhahn nicht mehr aufgekommt. Zudem dauert es ewig, den Schmiereffekt wieder runter zu bekommen. Tip: 30% Schwefelsäure !
Wenn ich mit starken Säuren oder Laugen arbeite, dann immer mit laufendem Wasser in der Nähe. Dann muß man im Fall der Fälle nicht erst umständlich den Hahn aufdrehen und hat die Grütze flott von den Pfoten. Die klobigen Säureschutzhandschuhe nerven eigentlich immer nur: Man hat praktisch kein Gefühl mehr in den Fingern und wer garantiert einem, das die auch wirklich dicht sind. In der Uni hatte jeder zweite Löcher und dann merkt man die Verätzungen erst, wenn sie weh tun - was irgendwie etwas arg spät ist; dann hat man nämlich wirklich lange "Spass" dran. Mein Motto: Respekt ja - Angst nein !

@Frank: Oxalsäure wird doch erst dann wirklich giftig, wenn man das feste Pulver in konz. Schwefelsäure kippt...
Titel: Re: Verwittertes pyrit
Beitrag von: Krizu am 19 Jan 13, 17:11
Hi,

mir geht es wie Dir :-) Es ging mir darum, dass viele Leute bei HCl uuuh-Panik rufen. 5%ige HCl ist nicht einmal ein Gefahrstoff meines Wissens!
Oder nur Natur ist gut: Atropin, Botulin, Rizin oder ähnliche Sachen... Haselpollen, Birkenpollen, Erdbeeren, Erdnüsse...

MfG

Frank
Titel: Re: Verwittertes pyrit
Beitrag von: Linda am 20 Jan 13, 14:36
Ja eigentlich sollte ich mich bei so ein bisschen Säure nicht so anstellen, auf der Arbeit hab ich es gelegentlich mit flusssäure zu tun, da sollte so ein bisschen Salzsäure nicht so schlimm sein, hab es dann auch ausprobiert, an dem Probestück, der Rost ist nur leicht weggegangen, dafür ist das Gestein drum herum leicht angegriffen, aber nur da wo das Print aufsitzt, ist ganz bröselig und krümelig geworden... Vielleicht lass ich es dann bei den schöneren Stücken doch lieber, denn Gestein ist da auch teilweise zwischen und bevor mir die Würfel auseinander brechen...
Titel: Re: Verwittertes pyrit
Beitrag von: cmd.powell am 20 Jan 13, 15:37
Hi Linda

Naja, im Vergleich zur Flusssäure ist Salzsäure wirklich eher harmlos...

Zu den Stücken: Fängt es den stark an zu sprudeln oder schäumen, wenn Du die Stücke in die Salzsäure legst ? Falls ja, hast Du irgendein Carbonat (meist Calcit oder Aragonit) in der Matrix. Das ist suboptimal, da die sich natürlich in der Salzsäure auflösen. Der Pyrit wird wohl heile bleiben, wenn Du Pech hast, liegen die Pyritkristalle aber irgendwann lose unten in der Schale. In dem Falle wäre aber auch Oxalsäure nicht so der Hit, da sich mit Oxalsäure sehr schwerlösliche Calciumoxalate bilden und die sind nicht grade besonders schön anzuschaun.
Zwei Möglichkeiten falls tatsächlich Carbonat in der Matrix ist: Entweder mit Dithionit beigehen, das greift die Carbonate nicht an, löst Eisenoxide aber nur äußerst langsam und ist bei dicken Schichten praktisch wirkungslos. Oder aber etwas Matrix opfern und die Stufe nur relativ kurz, dafür aber in konz. Salzsäure tauchen. Die konz. Salzsäure löst dabei dünne bis mittlere Eisenoxidschichten relativ schnell auf und in der kurzen Zeit (max. 5 Minuten !) löst sich auch nicht so viel Calcit aus der Matrix, das diese sich völlig auflöst (außer bei sehr kleinen Stufen !). Die Matrix sieht danach allerdings etwas abgelutscht aus, was nicht jeder unbedingt schön findet. Das habe ich oft bei Markasiten aus den Mergelgruben um Hannover gemacht. Ok, die habe ich eh aus dem Mergel herausgeätzt (mit Salzsäure), aber in der verdünnten HCl löst sich nicht immer die Eisenoxidschicht mit auf. Schlimmer noch, die sieht je nach dicke dann irgendwie löchrig und unregelmäßig aus, wirklich hässlich. Dann lieber nochmal für ein paar Sekunden in die konz. Salzsäure (30-33%) und danach sind die Markasite (und Pyrite) schön blank - oder, in sehr seltenen Fällen, Schrott. Die typische goldgelbe Farbe kommt nach ein paar Wochen oder Monaten von alleine zurück (Markasit wird in der konz HCl fast weiß und sieht erstmal eher nach Arsenopyrit aus). Pyrit wird auch merklich helle, behällt aber einen deutlichen gelbstich, der mit der Zeit auch wieder intensiver wird. Wichtig ist auf jeden Fall gut wässern und mit verd. Ammoniak gut neutralisieren (ruhig mehrere Wochen in verd. NH3 liegenlassen).
Titel: Re: Verwittertes pyrit
Beitrag von: Linda am 20 Jan 13, 16:10
Also an einigen stellen hat es schon gesprudelt, aber nur an einigen Ecken, wenn die weg wären wäre noch genug Gestein übrig denke ich... Also stellenweise ich es wirklich sehr weiss gräulich geworden, dachte da auch sofort an arsenopyrit, also ich werde es am besten nochmal länger neutralisieren und dann mal gucken wie es in ein paar Wochen aussieht bevor die schöneren Stufen dran sind