Mineralienatlas - Fossilienatlas
Fossilien / Fossils / Fósiles => Paläobotanik (fossile Pflanzen / fossil plants) => Österreich / Austria => Thema gestartet von: oliverOliver am 25 Jan 13, 10:44
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Niederösterreich: Oligozänes Kieselholz der St. Marein-Freischling-Formation
1. Grundlegendes (Verbreitung und Datierung der Sedimente, Fundsituation)
Die „St. Marein-Freischling-Formation“ (SMFF) ist mein derzeitiger / bisheriger Sammelschwerpunkt für Kieselhölzer in Niederösterreich. Grundlegendes habe ich zwar in Kurzform schon unter einem anderen Thema zusammengefasst:
http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,7054.msg230549.html#msg230549
Trotzdem hier nochmals einige wesentliche „basics“ für das Thema.
Die Sedimente der SMFF bestehen aus limnisch - fluviatilen Sanden, Schottern und tonigen Komponenten. Es handelt sich um die Ablagerungen des sogenannten „Horner Flusses“. Dieser durchquerte, aus dem heutigen Böhmen kommend, im Oligozän das heutige Waldviertel von Westen nach Osten und bog dann nach Süden um. Er mündete im Raum Langenlois/Krems – je nach Stand der Meeresspiegelschwankungen – im Bereich des unteren Kamptals bzw. etwa auf Höhe der heutigen Donau in das damalige Meer. Im Südosten gab es einen zweiten kleineren Fluss, der von Nordosten nach Südwesten entwässerte. Ob er sich mit dem Hauptfluss vereinigte, oder gesondert ins Meer mündete, ist jedoch noch nicht ganz geklärt.
Die Sedimente des West-Ost verlaufenden Abschnittes des Hauptsystems finden sich heute von Gmünd bis Horn, jene des Nord-Süd verlaufenden Abschnittes etwa von Horn bis Langenlois.
Im Oberoligozän wird im Mündungsbereich (Kremser Raum) eine Verzahnung der SMFF mit der marinen Melk-Formation („Melker Sande“) angenommen – auch in diesen Sedimenten kommen Kieselhölzer vor (http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php?topic=30219.0 ).
Im unteren Eggenburgium lag der Mündungsbereich aufgrund der Transgression bereits deutlich nördlicher im heutigen Kamptal und schließlich im Bereich von Horn (transgressive Überlagerung durch Sedimente der Mold-Fm und Loibersdorf-Fm).
(Nehyba und Roetzel 2010; Roetzel und Steininger 1999; Roetzel u. a. 1999; Steininger und Roetzel 1991).
Es handelte sich bei diesem „Horner Fluss“ um ein „braided-river“ - Flusssystem mit mehreren Zuflüssen sowohl aus nördlicher als auch aus südlicher Richtung, für das auch die Bezeichnung „Paläo-Kamp“ erwogen wurde (Nehyba und Roetzel 2010, 74). Denn die Verbreitung der SMFF-Sedimente zeichnet grob bzw. etwas versetzt den Verlauf des heutigen Kamptales vor.
Der Verlauf des SMFF-Flusstales (und auch des Kamptals) ist tektonisch vorgegeben (Nehyba und Roetzel 2010, 50, 72 ff.). Dieses Flusssystem hatte – sicherlich mit variierendem Verlauf und in unterschiedlicher Gestalt – sehr langen Bestand: zumindest vom Oligozän (Beginn ca. 33,5 Mio.) bis ins tiefste Untermiozän (ca. / zumindest bis 22/20 Mio.) – also etwa 13 bis 15 Mio. Jahre (Kiscellium bis unterstes Eggenburgium, Roetzel u. a. 1999, Abb 2.).
Die Rinne dieses Flusssystems war aber anscheinend bereits in der Oberkreide vorgezeichnet (Roetzel u. a. 1999, 38).
Etwas problematischer zu fassen ist der obere zeitliche Abschluss, da dieser – je nach Lage innerhalb des Transgressionsgebietes, bzw. überhaupt außerhalb desselben – variiert: ganz im Süden wird die SMFF von den vollmarinen Sedimenten der Fels-Fm (älteres Unter-Eggenburgium), im Unterlauf transgressiv von in den brackischen (Ästuare) bis marinen Sedimenten der Mold-Fm (fortgeschrittenes Unter-Eggenburgium) überdeckt. Wie lange der Oberlauf existierte, scheint noch nicht ganz geklärt – wohl auch wegen nachfolgender Erosion. Nach der Zuordnung zu den Pollenzonen scheinen die Sedimente aber jedenfalls bis ins unterste Eggenburgium zu reichen (Roetzel u. a. 1999, 38 f., 45).
Kurz zusammengefasst ist zur Datierung der SMFF also zu sagen, dass sie schwerpunktmäßig (und weitaus überwiegend) ins Oligozän gehört, die jüngsten Anteile aber bis ins tiefste Untermiozän (oberstes Egerium / Aquitanium) bzw. sogar bis ins unterste Eggenburgium reichen dürften.
Von den Pflanzenfossilien sind die Kieselhölzer am bekanntesten, es gibt aber auch Kohleflözchen in Stillwasserbereichen, z. T. vermutlich aus „lakustrinen“ Abschnitten, vor allem aber am Übergang zur brackisch-ästuarischen Mold-Fm (Roetzel und Steininger 1999, 76; Cichocki u. a. 1991).
Hervorzuheben sind auch fossile Blätter bzw. Blattabdrücke aus tonigen Sedimenten (Knobloch 1981).
Die meisten Kieselholz-Funde aus der SMFF stammen von Feldern. Viele dieser Fundstellen im Horner Becken sind ziemlich bekannt und dementsprechend abgesucht, die ursprünglich gar nicht so seltenen Kieselhölzer in vielen Sammlungen vertreten. Sie werden – in unterschiedlicher Qualität – auch regelmäßig auf Börsen angeboten. Leider sind die heute noch zutage kommenden Funde durch die intensive Beackerung oft stark „zerschrottet“.
Früher gab es hier auch viele (meist kleine) Sandgruben, aber so gut wie alle sind mittlerweile stillgelegt und fast alle leider auch wiederverfüllt, begrünt, verbaut, zu Fischteichen umgewandelt, etc. So auch die namensgebende Grube zwischen Freischling und Maiersch, die eine der besonders wichtigen Aufschlüsse war (komplexe Abfolge von Kaolintonen, Grobsanden, Kohletonen und Kohleflözchen bis zu den brackisch-marinen Sedimenten der Mold-Fm inklusive einer Austernbank; Roetzel und Steininger 1999, Ab. 2; Steininger und Roetzel 1991, 82 ff.) und in der - angeblich, ich kann das nicht belegen - auch Kieselholz gefunden wurde. Die Fundchancen für größere und nicht durch landwirtschaftliche Tätigkeit beschädigte Stücke sind also deutlich schlechter geworden.
Ein solcher großer und unbeschädigter Altfund befindet sich im Krahuletzmuseum in Eggenburg (vgl. Thema „Bescheidene Hölzer …, AW # 54) – es ist überhaupt eines der beeindruckendsten Kieselhölzer aus der SMFF, das ich bisher kenne (Abb. 1-3; Fotos und Veröffentlichung mit Genehmigung der Museumsleitung).
Mit Ortskundigkeit und guter Geländekenntnis, Erfahrung, Vertrautheit mit den geologischen, sedimentären und postsedimentär-erosiven Verhältnissen, viel Ausdauer und vor allem mit dem nötigen Glück sind aber immer noch ganz gute Funde möglich.
Literatur: (wird in folgenden Beiträgen abgekürzt zitiert)
• Cichocki 1988: O. Cichocki, Zur Histologie tertiärer Hölzer Österreichs. Diss. Formal-naturwiss. Fak., Univ. Wien 1988.
• Cichocki 1991: O. Cichocki, Fossil Wood - Fürwald an der Wild. In: J. Eder-Kovar
(Hrsg.), Paneurop. Paleobot. Conf. 1991, Field Guide, Wien 1991, 20 ff.
• Cichocki u. a. 1991: O. Cichocki, I. Draxler, R. Roetzel u. F. F. Steininger, Flussmündungen und Braunkohlewälder. In: F. F. Steininger u. W. Piller, Eggenburg am Meer. Eintauchen in die Erdgeschichte, Ausst. Kat. Krahuletzmuseum 12, Eggenburg 1991, 63 ff.
• Cichocki 1992: O. Cichocki, Fossile Hölzer aus tertiären und quartären Sedimenten des Mühl-, Wald- und Weinviertels und der Molasse: Vergleichende Untersuchungen über deren Histologie, Paläökologie und Altersstellung. Vorbericht über das Forschungsprojekt P8015-GEO des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung. Proceedings Pan-Europ. Palaeobot. Conf. 1991 “Palaeovegetational development of Europe“, Tagungsband, Naturhist. Mus. Wien 1992, 117 ff.
• GK 20, 1984: Geologische Karte der Republik Österreich, 20 Gföhl. Geol. BA, Wien 1984.
• Hofmann 1933: E. Hofmann, Verkieselte Pflanzenreste aus dem Horner Becken. In: F. Lukas u. F. Moldaschl, Heimatbuch des Bezirkes Horn 1, Horn 1933, 156 ff.
• Knobloch 1981: E. Knobloch, Pflanzenreste aus dem Tertiär von Horn. Verh. Geol. B.-A. 1981/2, 59 ff.
• Nehyba und Roetzel 2010: S. Nehyba und R. Roetzel, Fluvial deposits of the St. Marein-Freischling Formation – insights into initial depositional processes on the distal external margin of the Alpine-Carpathian Foredeep in Lower Austria. Austrian Journal of Earth Sciences 103/2, Wien 2010, 50 ff.
• Roetzel und Steininger 1991: R. Roetzel und F. F. Steininger, Die tertlären Ablagerungen im weiteren Raum von Eggenburg. In: F. F. Steininger und W. E. Piller (Hsg.), Eggenburg am Meer. Eintauchen in die Erdgeschichte, Kat. Krahuletz-Museum 12, Eggenburg 1991, 27 ff.
• Roetzel und Steininger 1999: R. Roetzel und F. F. Steininger, Älteres Tertiär. In: F. F. Steininger (Hrsg.), Erdgeschichte des Waldviertels, SchrR. Waldviertler Heimatbund 38, Horn-Waidhofen/Thaya 19992, 75 ff.
• Roetzel u. a. 1999: R. Roetzel, O. Mandic und F. F. Steininger, Lithostratigraphie und Chronostratigraphie der tertiären Sedimente im westlichen Weinviertel und angrenzenden Waldviertel. In: R. Roetzel (Hrsg.), Arbeitstagung geol. BA Retz 1999, Wien 1999, 40 ff.
• Steininger und Roetzel 1991: F. F. Steininger und R. Roetzel, Die tertiären Molassesedimente am Ostrand der Böhmischen Masse. In: R. Roetzel & D. Nagel (Hrsg.), Exkursionen im Tertiär Österreichs. Österr. Paläont. Ges., Wien 1991, 59 ff.
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Hallo Oliver,
danke für den Bericht und das abgebildete Holzstück. Das Teil ist ja wirklich aller erste Sahne, die Maserung und die Hoztextur in Verbindung mit der Größe des Objektes, sowas findet man nicht alle Tage!
Glück Auf!
GEOMAXX
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hallo Max,
"... nicht alle Tage" ist eine nette Umschreibung ;D ;D
am spannendsten bei dem Stück finde ich, dass - soweit das bei enem Foto durchs spiegelnde Vitrinenglas zu erkennen ist - anscheinend der Kern an der Bruchfläche gerade noch erhalten sein könnte (ganz sicher bin ich mir da aber nicht) - sh. Foto 3 am unteren Rand des Fossils.
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Zusätzliche Literatur für diejenigen unter euch, die des Französischen mächtig sind (ich bin`s leider nicht !):
Zu beachten ist dabei, dass in den älteren Arbeiten von Gros die Datierung noch ins Eggenburgium (Untermiozän) erfolgte, während in der Arbeit von 1988 bereits die Datierungs-Korrektur ins Oligozän vollzogen wurde (was auch ohne weiter reichende Französischkenntnisse nicht zu übersehen ist !).
• Ellenberger et al. 1948: Métamorphisme, silicifications et pédogénèse en Bohême méridionale: travaux pétrographiques et paléobotaniques de l'Université de captivité d'Edelbach (Oflag 17. A - 1940-1945). Annales scientifiques de l'Universite de Franche-Comte-Besancon, 3, 1948.
• GROS, J.P., 1981: Nouveaux bois du Cenozoique d'Autriche et d'Ethiopie. – Thése 3e cycle. Université Cl.Bernard-Lyon 1, n° 1068 (inédit), 143 p., Lyon.
• GROS, J.P., 1983: Nouveau bois fossile de l'Eggenburgien d'Autriche: Quercoxylon furwaldense n.sp.. – Rev. gén. Bot., 90, 43-80, 2 cart., 13 phot., 5 dess., 1 graph., 16 tabl., Paris.
• GROS, J.P., 1984: Étude comparative de 4 échantillons de bois fossiles de l'Eggenburgien d'Autiche, rapportés au nouveau genre Metacacioxylon n.g. et aux espèces M. marglii n.sp. et M. lemoignei n.sp.. – Rev. gén. Bot., 91, 35-80, 39 phot., 18 dess., 6 graph., 8 tabl., Paris.
• GROS, J.P., 1988: Nouveau spécimen de bois fossile de l'Oligocène d'Autriche rapporté a l'espèce Metacacioxylon lemoignei GROS 1981 emend. – Nouv. Arch. Mus. Hist. nat. Lyon, fasc. 26, 19-27, 5 fig., 2 tabl., Lyon.
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2. Äste, Astlöcher, Astansätze, Astabgänge, „Astknoten“ – Teil 1
Trotz des relativ häufigen Vorkommens von Kieselholz in der SMFF sind komplette Stammquerschnitte so gut wie unbekannt, und selbst unvollständige Querschnitte mit Kern die extreme Ausnahme (ich hab jedenfalls noch keinen gefunden).
Achsen bzw. Querschnitte mit Kern gibt es aber trotzdem manchmal – dann aber von kleineren Ästen, und selbst die sind äußerst rar.
Etwas häufiger – wenn auch immer noch (sehr) selten – sind Astlöcher (meist sehr kleine) und „Astknoten“. Letztere sind durchwegs sehr unspektakulär – man sieht an den „Verwerfungen“ und Krümmungen der Holzfasern halt gerade noch, dass da irgendwo ein Ast oder Zweig angesetzt haben bzw. abgegangen sein muss. Sie sind zwar interessant (wenngleich oft nicht eindeutig interpretierbar), geben aber als „Sammlungsstücke“ nicht viel her. Bessere Stücke sind in allen Kategorien (Astlöcher, Astabgänge, Astquerschnitte) eine Rarität.
Mein schönster Astquerschnitt/-abgang ist Bestandteil meines überhaupt besten SMFF-Fundes bisher, siehe:
http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,31505.msg244491.html#msg244491
Hier möchte ich nur die wenigen sonstigen „guten“ Stücke vorstellen:
Zuerst mein bester isolierter Astquerschnitt, ziemlich klein, geschätzter Dm. ca. 5 cm. Leider ohne das (ehemals) umgebende Stammholz – von diesem sind nur die am Ast anliegenden Reste erhalten, welche dem Stück die charakteristische „Spindelform“ verleihen (max. Länge der "Spindel" = 13 cm).
Der Querschnitt ist entweder herausgewittert oder eventuell schon so verkieselt – die typische „Spindelform“ des umgebenden Gewebes ist so auch an rezentem vermoderndem Holz häufig zu beobachten. Käme angeschliffen sicher noch besser, hat aber tiefe (oder sogar durchgehende) Risse, die das zu einer heiklen Angelegenheit machen (Foto 1 + 2; beide von der selben Seite, nur mit unterschiedlicher Beleuchtung).
Als zweites ein „teilweiser“ Astabgang bzw. ein „Beinahe-Astloch“ mit darin nur partiell erhaltenem / unvollständig verkieseltem Astansatz. Der Querschnitt ist noch kleiner als der obige, eigentlich kein Ast sondern ein Zweig. An sich nichts Besonderes, wäre nicht die sehr schöne umgebende Holzstruktur (Foto 3 + 4).
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Äste – Teil 2
Wie gesagt, sehr kleine, seichte, unscheinbare „Astlöcher“, also Ansätze von herausgewitterten Zweigen, findet man hier öfters mal. Stücke mit vollständig erhaltenem „Loch“, bei denen der ehemalige Ast diesen Namen auch verdient, sind hingegen sehr selten – wohl auch, weil der durch den Hohlraum geschwächte Bereich oft eine natürlich vorgegebene „Sollbruchstelle“ darstellt.
Mein bisher bestes in der SMFF gefundenes Astloch (Umgebung Horn, Fotos unten) befindet sich in einem relativ massiven Stammfragment – ein 12-kg-Bröckerl. Im Vergleich zu dem Museumsstück aus dem ersten Beitrag mit gleich mehreren prächtigen Astlöchern wirkt es aber trotzdem ziemlich armselig.
Wie schön ein Loch doch sein kann, wenn`s nur das richtige Drumherum hat …
(das war jetzt übrigens keinesfalls zweideutig gemeint :) !)
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Hallo Oliver
Erstmal ein großes Lob für deine großartigen Beiträge zur Paläobotanik Österreichs. Speziell die Holzfunde gewissen Schichten zuzuordnen find ich sehr interessant, da die meisten Sammler ja nur den Ort als Fundpunkt festhalten.
Wenn du schon so weit gehst, warum versuchst du nicht mit kleinen Querschliffen von einigen ausgewählten Fundstücken zumindest eine Unterscheidung von Koniferenholz, Angiospermenholz bzw. Palmoxylon zu tätigen?
Du hast zwar schon über das Schneiden geschrieben, aber die Möglichkeit dieser ersten Unterscheidung würde ich zumindest in Erwägung ziehen. z.B. nur durch intensives Studium der tausenden von permischen Dadoxylon-Hölzer hier in der Lausitz sind uns auch Nachweise von Angiospermenhölzer gelungen. Gruß Werner
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Hallo Werner,
erstmal Danke – aber eine möglichst genaue stratigrafische Zuordnung ist ja schließlich die unumgängliche Grundlage für alle weiteren Forschungen, und sollte also selbstverständlich sein.
Wegen der Schnitte für Bestimmungen hast du natürlich völlig recht – habe ich auch mittelfristig geplant. Es dauert halt alles – ich beschäftige mich ja erst seit etwa einem Jahr (wieder) intensiver mit fossilen Hölzern, und hab da noch einiges aufzuholen, da ich zwischenzeitlich länger völlig weg war von der Paläontologie.
Derzeit gerade geht’s mir im Zusammenhang mit den holzführenden känozoischen Sedimenten vor allem um die Paläo-Geografie, allgemein um die geologischen Bedingungen und die Sedimentationsbedingungen im Speziellen, besonders im Hinblick auf sekundäre Umlagerungen. Besonders beim Kieselholz sind letztere ja ein größeres Problem, und eine halbwegs sichere Unterscheidung von primär und sekundär gelagerten Hölzern wäre eine dringende Vorraussetzung für weiterführende wissenschaftliche Aussagen. Eine Bestimmung von sekundär gelagertem Holz wäre meines Erachtens ja reiner Selbstzweck, so lange nicht feststeht, aus welcher Formation ein solches Stück ursprünglich stammt. Das Problem ist besonders akut bei den Weinviertel-Funden aus küstennahen marinen Sedimenten der Parathetys, da es hier in verschiedenen Abschnitten des Miozäns einen relativ raschen Wechsel zwischen terrestrischen bis fluviatilen und marinen bis paralischen Bedingungen gab, aber auch bei den „Urdonau-Schottern“ der Hollabrunn-Mistelbach-Fm im gleichen Gebiet, da auch von diesem Flusssystem massiv ältere Sedimente aufgearbeitet wurden. Aber auch bei den anscheinend weitgehend homogenen, überwiegend aus Quarzen und mehr oder weniger lokalen Komponenten des kristallinen Grundgebirges zusammengesetzten Schottern der SMFF ist diesbezüglich Vorsicht angebracht – so hab ich erst kürzlich in den SMFF-Schottern einen mesozoischen Korallenstock gefunden !
Längerfristig wäre ohnehin ein umfassenderes Bestimmungsprojekt mein Traumziel – vor allem erstmal für die oligozänen Hölzer, weil da ausreichend Material vorhanden ist. Das Problem dabei ist, dass sich hier bei uns von den professionellen Paläontologen kaum jemand mit dem Thema beschäftigt – Otto Cichocki kenne ich zwar flüchtig noch von früher von der Uni, aber er hat in letzter Zeit seinen Schwerpunkt zunehmend auf Hölzer und Holzkohlen aus archäologischem Kontext verlegt, und ist als „Einzelkämpfer“ in Sachen Holz ohnehin reichlich ausgelastet. Ich muss mich erst einmal umhören, ob es eventuell unter den studentischen Nachwuchskräften jemanden gibt, der/die sich intensiver mit dieser Problematik befasst, und eventuell an einer Zusammenarbeit interessiert wäre.
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Äste aus der SMFF Teil 3
Zum vorläufigen Abschluss des Äste-Themas (hallo Kollegen eine Beteiligung eurerseits würde mich freuen ! ;)) hier noch ein schönes Stück, wo ein im Längschnitt sichtbarer Ast (auf Foto 1+2 oben, horizontal orientiert) quer durchs Stammholz (am Foto schräg-vertikal orientiert) schießt.
(1x nass, 1 x trocken abgelichtet, und aus leicht unterschiedlichem Blickwinkel)
Das Stück ist (in etwa) in der Mittelachse des Astes gebrochen, daher handelt es sich nur um einen halben Astquerschnitt allerdings wieder mit netter Chalzedonbildung im Kernbereich (sh. Foto 3).
Ich bin noch am Zweifeln, ob ich das anschleifen/polieren soll da die natürliche (?, jedenfalls nicht ganz frische) Bruchfläche klarerweise nicht völlig eben ist, würde wegen des durchs An-/Abschleifen entstehenden Substanzverlustes die Schnittebene dann wohl schon deutlich außerhalb des Kerns liegen davor scheue ich etwas zurück.
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Hallo,
ich hab oben geschrieben, dass erst mal Schluss mit Ästen ist – aus gegebenem Anlass aber doch noch zwei kleine Nachträge:
Der erste zu AW#4 – Fotos 1 + 2, konkret zur „Spindelform“:
Anbei zwei Fotos eines rezenten Astansatzes mit der durch natürliche Verwitterung entstandenen Spindelform, vergangenes Wochenende im Wald fotografiert, als Vergleichsbeispiel (die ersten beiden Fotos, Vorder- und Rückseite).
Und dann noch zwei Fotos eines kleinen fossilen Astabganges, gefunden am vorletzten Wochenende im Horner Becken, gleich an einem der ersten schneefreien Tage.
Der ist zwar nichts Besonderes und leider auch allgemein schlecht erhalten, direkt hinter dem Astansatz ist eine Hohl- bzw. Fehlstelle (kein Astloch, entweder erosionsbedingter Ausbruch oder bereits vor dem Verkieseln vermodert), an ein Anschleifen ist also nicht einmal zu denken. Es ist aber mein erster SMFF-Ast von 2013, daher meine besondere Freude darüber, wollte ich euch nicht vorenthalten ! (die beiden letzten Fotos)
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3. Aufschlüsse in der SMFF – Teil 1:
Es gäbe ja noch so viel zu sagen/schreiben zur SMFF und ihren Fossilien – aber die Beiträge liegen alle halbfertig bzw. nicht völlig durchrecherchiert auf meinem Desktop. Daher zwischendurch einige Fotos zu Aufschlüssen und zur Geologie der SMFF.
Als erstes die namensgebende Sandgrube (Stratotypuslokalität) bei St. Marein – sie ist schon lange aufgelassen und großteils verwachsen. Als die Grube noch in Betrieb war, wurden dort manchmal auch Hölzer gefunden. Heute sind die Fundchancen gleich Null – ich war schon öfters dort, hab aber noch nie was gefunden. Es rieselt zwar ständig Material von den ehemaligen Abbauwänden, aber die Halden am Fuß derselben sind großteils völlig von Brombeerstauden und anderen unangenehmen Gewächsen überwuchert oder überhaupt mit Bäumen bewachsen, ein kleiner offener Sedimentkegel unter einer der Wände scheint regelmäßig durchwühlt zu werden. Von Sedimentbewegungen in größerem Ausmaß – sie sind ohnehin nicht erfolgversprechend – ist aber dringend abzuraten. Erstens wurde die Grube natürlich, wie in NÖ üblich, von den Jägern in Beschlag genommen (Fütterstellen, Ansitze) – Konflikte wären also vorprogrammiert. Zweitens wachsen hier einige schonenswerte botanische Raritäten, also sollten umfangreichere Geländearbeiten auch aus Naturschutzgründen unterbleiben. Und drittens im Interesse der eigenen Gesundheit: es fallen immer wieder auch größere Steine oder gar ganze Sedimentblöcke aus den teils doch noch recht hohen Wänden.
Schön zu sehen ist hier aber das charakteristische Erscheinungsbild der Sande, teilweise auch die typische Kreuzschichtung, und Fe-Anreicherungshorizonte verleihen den Wänden einen zusätzlichen optischen Reiz (Fotos 1+2). Immer wieder durchziehen Horizonte mit gröberem Schotter den Sand, und auch tonige/siltige Lagen sind in manchen Bereichen aufgeschlossen (Fotos 3+4).
p.s.:
und, um Fragen vorzubeugen: nein, es sind leider keine Hölzer, was da auf Foto 3 im Schotterband zu sehen ist - mittig steht ein nur schwach gerundeter Granulit(?)block aus der Wand, und das ovale links davon ist eine massive schalige Limonitkruste.
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Aufschlüsse - Teil 2:
Hier ein unauffälliger kleiner Aufschluss an einer Böschung im Wald. Schön zu sehen sind die abwechselnden Lagen von Sand und Kies unterschiedlicher Korngröße mit zwischengeschalteten Tonlagen. Deutlich erkennbar ist auch die Mischung von gut gerundeten Quarzkieseln und kaum gerundeten lokalen Schuttkomponenten, wobei hier in der gröberen Kornfraktion die nur schwach gerundeten Anteile überwiegen.
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Noch`n Ast …
Und jetzt – entgegen allen Beteuerungen – trotzdem noch mal zurück zu den Ästen – weil’s ein Feiertagsfund vom 1. Mai ist ;D.
Der Astabgang ist zwar nur ein kleines Zweiglein, aber in einem schön gezeichneten eher massiven Stammfragment (ca. 22 x 20 x 10 cm) – mir gefällt`s recht gut !
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4. Fraßspuren / Bohrgänge in Holz aus der SMFF
Es gab dazu schon mal eine kurze Diskussion in einem anderen Thema http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,7054.msg230615.html#msg230615 diesmal sehen die Spuren aber etwas anders aus.
Die oben angesprochenen, geraden, immer in Faserrichtung verlaufenden Gänge treten relativ häufig auf, sind wohl keine Fraß- bzw. Bohrspuren, sondern zum Holz gehörende bzw. durch Vermoderung / Zersetzung freigelegte bzw. entstandene Strukturen (eventuell Spuren ehemaliger Leitbündel, oder eher axiale Harzkanäle ??), obwohl rezente Bohrgänge manchmal ganz ähnlich aussehen. Möglicherweise sind manche davon also wirklich Fraßgänge, die Unterscheidung ist für mich derzeit aber schwierig bis unmöglich. Hier wird das Problem schlagend, dass ich mich bisher mehr mit der Geologie/Sedimentologie der kieselholzführenden Schichten beschäftigt habe, aber Asche auf mein Haupt ! kaum (bzw. viel zu wenig) mit Holzanatomie und Holzartenbestimmung !
Kürzlich fiel mir aber auch ein Stück in die Hände, wo diese Tunnel wenn auch ganz vereinzelt nicht nur in Längs-, sondern auch in Querrichtung verlaufen. Da ist es schon wahrscheinlicher, dass es sich um Fraßgänge von Insekten/-larven handelt (wenn`s keine radialen Harzkanäle oder Ähnliches sind). Es war aber ein wenig aussagekräftiges Stück an weitere verdächtige Exemplare kann ich mich dumpf erinnern, die müsste ich aber erst aus diversen Schachteln heraussuchen, was ein ziemlich hoffnungsloses Unterfangen ist (und wohl erst bei einer ohnehin längst überfälligen Neuordnung der Sammlung passieren wird).
Jetzt habe ich aber zwei neue Hölzer mit Löchern, bei welchen es relativ eindeutig zu sein scheint, dass es sich um Fraßgänge handelt.
Das erste (Foto 1+2) hat in einem Negativ eines Astansatzes vereinzelte größere Löcher, anscheinend Fraßgänge von xylobionten Käferlarven (?).
Beim zweiten (Foto 38, siehe auch den nächsten Beitrag) sind es dichte Punktwolken von ziemlich kleinen, trotzdem aber unterschiedlich großen Löchern, sie gehen in unterschiedliche Richtungen, auch schräg verlaufende Gänge sind erkennbar. Zumindest einmal ist eine Abzweigung / Verästelung auf drei Gänge sichtbar (Foto 7), zum Teil liegen die Löcher auch in einer mehr oder weniger linearen Anordnung, teilweise in Doppelreihen (Foto 3+4) eventuell die Spaltebene durch einen ehemals gewundenen Gang ?
Zum Teil sieht es aus, als lägen die Spuren flächig nur auf einer Ebene, die Vertiefungen sind nur seicht, und weder eine Fortsetzung der Löcher in die Tiefe noch verkieselte Gangfüllungen sind erkennbar. Fraßspuren können aber auch parallel zur Oberfläche verlaufen, was eine Erklärung wäre, siehe die Ausführungen von Ralf: http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,7952.msg84585.html#msg84585
Eventuell wurden die Gänge in einer bereits angemoderten Holzschicht angelegt, und die seichten Vertiefungen sind nur die Randbereiche / Enden der Gänge an einer härteren bzw. damals noch intakten Holzschicht ?
Völlig sicher bin ich mir als entomologischer Laie aber immer noch nicht irgendwie sind die Strukturen trotz allem doch verdächtig regelmäßig
Hier sind die Insektenkundler gefragt liege ich da richtig mit der Annahme von Fraßgängen ? Und wenn ja, lassen sich die zumindest ganz grob einer bestimmten Gruppe von Insekten zuordnen ?
Ich würde mich über jede Rückmeldung freuen !
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Hier die weiteren Fotos:
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Oliver, während die ersten 4 Bilder tatsächlich nach Frassspuren aussehen (eine Größenangabe wäre hilfreich), habe ich bei der zweiten Serie eher den Eindruck als wären das Verwitterungsspuren.
Übrigens, Frassgänge von Insektenlarven sind so gut wie nie gewunden, sondern fast immer geradlinig, entweder senkrecht in das Kernholz hinein (viele Bock- und Prachtkäfer) oder parallel zur Borke wie bei den Kambium"fressern" (z.B. Borkenkäfer). Selbst die denditenartigen Frassgänge der Borkenkäfer sind im Prinzip gerade.
lg
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hallo Harald,
besten Dank für deine Einschätzung !
eine Größenangabe wäre hilfreich
Ich weiß, hab mich selber ziemlich geärgert, dass ich die Fotos Anfang Mai blöderweise nicht mit Maßstab fotografiert habe - :-[ - jetzt sind die Stücke leider schwer greifbar (verpackt und aus Platzmangel auswärts gelagert). Aber die größere ovale Spur vom ersten Stück (Foto 1+2) hat grob geschätzt etwa 0,5 x 1 cm, während die kleinen Löcher beim zweiten Stück (alle übrigen Fotos) so um die 1 - 3 mm variieren dürften.
während die ersten 4 Bilder tatsächlich nach Frassspuren aussehen, habe ich bei der zweiten Serie eher den Eindruck als wären das Verwitterungsspuren.
Die Fotos 3+4 sind vom selben Stück wie die Fotos 5-8 (die zugegebenermaßen ungünstige Aufteilung auf die beiden postings erfolgte wegen der Anhangs-Beschränkung, nicht wegen der Zusammengehörigkeit !). Während 3+4 einen "lockereren" Bereich zeigen, wo die lineare Anordnung noch ersichtlich ist, stammen 5-8 aus dem "dichteren" Bereich, wobei ich vermute, dass das "Punktwirrwarr" zumindest teilweise durch eine Überlagerung mehrerer ursprünglich annähernd linearer Anordnungen entstand - sieht zumindest bei der "Großansicht" in manchen Randbereichen so aus (z.B. Foto 5 - rechts oben; Foto 6 - von links unten bis Mitte-unten annähernd horizontal und dann schräg nach rechts oben ziehend; Foto 8 - ebenfalls die untere, leicht geschwungen verlaufende Punkt-Linie).
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Aha, so klein ist das also. Da kann dann natürlich sehr vieles in Frage kommen - nicht nur Käfer :). Wie auch immer, an Überlagerung glaube ich nicht, denn offensichtlich spüren die Viecher genau wo schon gefressen wurde. Ich habe jedenfalls in der Natur noch nie erlebt, dass sich Frassgänge verschiedener Individuen überschnitten hätten - ich bin aber auch nicht allwissend. Ich weiss zwar nicht ob ich dann eine genauere Aussage treffen könnte, aber das Stück in natura zu sehen würde sicher mehr bringen, v.a. aus Gründen der Orientierung, weil du mir sicher sagen könntest welcher Teil des "Baumes" das war und wo "vorne und hinten" ist :).
lg
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Aha, so klein ist das also.
Vielleicht täusch ich mich in der Erinnerung auch um den einen oder anderen Millimeter - aber zumindest die Größenordnung der Angabe müsste stimmen.
das Stück in natura zu sehen würde sicher mehr bringen
Lässt sich sicher mal einrichten - danke für das Begutachtungs-Angebot ! Wie gesagt, mein Problem ist, dass meine Sammlungen mittlerweile auf vier (!) Standorte in NÖ und OÖ aufgeteilt sind (ich bräuchte ein eigenes Haus ...)
weil du mir sicher sagen könntest welcher Teil des "Baumes" das war und wo "vorne und hinten" ist
Das ist bei den durch Kompaktierung oft stark gequetschten Stücken gar nicht immer so einfach, wie man meinen möchte - aber so grob sollten wir das schon hinkriegen ... ;)
an Überlagerung glaube ich nicht, denn offensichtlich spüren die Viecher genau wo schon gefressen wurde. Ich habe jedenfalls in der Natur noch nie erlebt, dass sich Frassgänge verschiedener Individuen überschnitten hätten
Ich glaub auch nicht, dass sich ein Käfer / eine Larve direkt durch den (mit deren Hinterlassenschaften gefüllten ! ;D ) Gang eines/r anderen frisst – aber wenn sich die Fraßspuren ganz knapp über- bzw. untereinander kreuzen, oder/und sehr dicht nebeneinander liegen (Ausweichmanöver ?), könnte das vielleicht in einer gedachten Schnitt-„Ebene“ (die Fläche ist ja nicht ganz eben) so ähnlich aussehen. Es sind ja auf der sichtbaren Fläche manche Spuren stärker, andere seichter eingetieft. Hab mal kurz schematisch aufgezeichnet, wie ich mir das unbedarfterweise in etwa vorstelle.
Kann natürlich auch sein, dass ich völlig daneben liege !
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Aufschlüsse in der SMFF – Teil 3:
Als nächstes im „Aufschlüsse-Unterthema“ – nach der Unterbrechung durch die Insekten – eine kleine, ebenfalls längst aufgelassene Grube bei Freischling (Foto 1). Ich dachte lange, dass die zweite namensgebende Grube die große, mittlerweile völlig verfüllte zwischen Freischling und Maiersch gewesen wäre. Eventuell war es aber doch eher diese kleine, anscheinend ältere Grube direkt am Ortsrand von Freischling (und nicht die oben im ersten Beitrag angegebene), weshalb sie hier extra angeführt wird.
Das Profil zeigt ebenfalls die typische Abfolge von Sanden, mehr oder weniger stark von Eisenoxiden verfärbt, mit zwischengeschalteten Schotterbändern und Siltlagen (Fotos 2+3).
Auch hier findet sich heute keine Spur von Kieselhölzern, und ich weiß auch nicht, ob in dieser Grube jemals welches gefunden wurde – anzunehmen ist es aber.
Graben im Sediment, um dies zu überprüfen, würde jedoch, wie generell in der SMFF, aufgrund des - bezogen auf das Sedimentvolumen - doch relativ seltenen Vorkommens und der anscheinend unregelmäßigen Verteilung der Hölzer in den Sanden, ohnehin keinen Sinn machen.
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Aufschlüsse in der SMFF – Teil 4:
Wie (ganz) oben geschrieben, kommen die meisten Kieselhölzer heute von landwirtschaftlich genutzten Flächen, besonders dort, wo Schichten mit grobem Schotter an die Oberfläche treten. Hier nur ein paar Blicke auf solche Schotterstreuungen, um das charakteristische Erscheinungsbild dieser oberflächig aufgeschlossenen Sedimente zu veranschaulichen, welches sich meist (aber nicht immer !) doch recht deutlich von dem der jüngeren tertiären Schotter (wie etwa der HMF oder der Laa-Fm) unterscheidet. Letztere weisen – grob vereinfacht gesagt – meist einen höheren Anteil besser gerundeter Quarzkiesel kleinerer Fraktion auf, und zudem sind (oft, aber nicht immer) eine größere Anzahl unterschiedlicher Gesteinskomponenten enthalten. So sind etwa in den beiden jüngeren genannten kieselholzführenden Formationen – neben den auch in der SMFF auftretenden Chalzedon- und Jaspisgeröllen – auch mesozoische Hornsteine relativ häufig vorhanden, und auch Geschiebe aus kalkigen, manchmal fossilführenden Sedimenten (nordalpinen Ursprungs oder aus der Flyschzone) kommen – aufgrund der abweichenden Einzugsgebiete – manchmal vor. Solche Sedimentgerölle habe ich in der SMFF bisher erst sehr vereinzelt gefunden, und wenn, dann leider meist in uneindeutiger Fundlage.
Sie sind aber um so spannender, denn sie könnten Hinweise auf ehemalige, heute völlig wegerodierte marine mesozoische Sedimente am Ostrand der Böhmischen Masse liefern (wenn sie nicht überhaupt Ferntransporte etwa aus böhmischen Kreidegebieten sind, wofür theoretisch die Möglichkeit bestünde, die Wahrscheinlichkeit aber relativ gering ist; siehe unten).
Solche (anscheinend überwiegend jurassische) Hornsteine, deren Ursprungsgebiet wir derzeit noch nicht genau zuordnen können, weil es die primären Vorkommen (mesozoische Gesteine) heute anscheinend einfach nicht mehr gibt, kommen auch in jüngeren Sedimenten vor – besonders häufig in der Laa-Fm. Aber auch aus der marinen Fels-Fm (unteres Eggenburgium) sind sie bekannt (Steininger und Roetzel 1999).
Exkurs / Ergänzung zur Möglichkeit des eventuellen Ferntransports mesozoischer Gerölle in die SMFF:
Ein Link zu einem Beitrag über Entwässerungssysteme aus dem böhmischen Kreidebecken nach Südosten – siehe besonders die Abb. gleich zu Beginn:
http://www.kreidefossilien.de/news/forschung-bcb-entwaesserungssysteme-im-boehmischen-kreidebecken
Diese bereits in der Kreide vorgezeichnete Rinne dürfte ja, wie bereits eingangs erwähnt, zumindest teilweise auch das Flusssystem der SMFF genutzt haben – vgl. dazu Abb. 1 und 19 in Nehyba und Roetzel 2010 (vollständiges Zitat im ersten Beitrag).
Zur Ausrichtung der Becken und der Entstehung von Siliziten siehe auch Abb. 3 und Kapitel 6.3. in der Dissertation von Ralf Lehr:
http://www.opus.ub.uni-erlangen.de/opus/volltexte/2008/982/pdf/RalfLehrDissertation_NEU_13_MB.pdf
Exkurs-Ende.
Zu den Fotos:
(Foto 1): Zuerst eines von der Schotterstreuung auf Feldern im südlichen Teil des Horner Beckens / Kamptal – eher großkörnige, mäßig gerundete Komponenten. Von hier hab ich einige kleinere, zum Teil schön abgerollte („naturgetrommelte“) Holzstücke.
(Foto 2): Dann eines von den Äckern am Ostrand des Horner Beckens (bzw. eigentlich schon knapp außerhalb desselben) – viele kleine, ziemlich gut gerundete Quarze, aber auch deutlich größere, schwach bis mäßig gerundete Brocken. Hier gibt es zwar angeblich Kieselholz, ich hab aber bisher noch keines gefunden.
edit: nach aktuellem Stand der geologischen Forschung werden diese Schotter nicht mehr zur SMFF gezählt, sondern zur miozänen Rodingersdorf-Fm (oberes Eggenburgium) !!
(Foto 3): Als drittes eines von den Flächen im Ost-West verlaufenden Beckenast westlich von Horn – mit einem hohen Anteil an kaum gerundetem lokalem Kristallin-Schutt (die eckigen Kristallinkomponenten können zum Teil aber auch Reste von jüngeren Schuttdecken sein, das ist nicht immer ganz klar aufzuschlüsseln). Hier liegen auch die bekannteren Fundstellen.
• Steininger und Roetzel 1999: F. F. Steininger und R. Roetzel, Mesozoikum (Erdmittelalter). In: F. F. Steininger (Hrsg.), Erdgeschichte des Waldviertels, SchrR. Waldviertler Heimatbund 38, Horn-Waidhofen/Thaya 19992, 73 f.
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Zum Abschluss ein Blick über das Horner Becken, von Westen aus gegen Osten Richtung Horn (Foto 4), und als Nachtrag noch zwei Landschaftsfotos aus dem im obigen Beitrag letztgenannten Fundgebiet, Blickrichtung ebenfalls annähernd von Westen nach Osten (Foto 5+6).
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Seltsame Bohrgänge …
So, hier kurz ein Beitrag, den ich vorgezogen habe, weil’s zu den kürzlich behandelten „Fraßgängen“ passt – eigentlich wollte ich vorher erst was zum „Rostholz“ der SMFF schreiben (auch das gibt’s hier, nicht nur das weitaus bekanntere Kieselholz), das kommt dann demnächst …
Es handelt sich – wie sollte es anders sein – wieder mal um ein Problem :).
Ich habe hier ein Stück in Limonit-Erhaltung mit “seltsamen“ Bohrgängen (Fotos unten). Seltsam deshalb, weil die Sedimente der SMFF ja fluviatile Ablagerungen sind, diese Bohrgänge aber so aussehen, als würden sie von Terediniden (Bohrmuscheln, marin) stammen.
Die Erklärung liegt möglicherweise darin, dass der Fund aus einem Bereich stammt, wo bereits die frühe Transgression im unteren Eggenburgium (Mold-Fm) fassbar ist, nämlich aus dem Mittelteil des Nord-Süd-verlaufenden Kamptalabschnittes (Gebiet um Maiersch – Plank – Freischling).
Das Stück ist leider nicht besonders gut erhalten. Die Holzstruktur ist weitgehend aufgelöst, Abdrücke davon sind kaum noch bzw. nur sehr partiell erkennbar, eigentlich handelt es sich nur mehr um einen Limonit-Sandstein bzw. „eisenschüssiger Sandstein“ mit den Steinkernen der Teredinidae(?)-Gänge, als Holz kann das Stück kaum angesprochen werden. Das könnte eventuell aber wiederum eine Zuordnung zu den Terediniden bestärken – Stücke in entsprechender Erhaltung kommen in der mehr oder weniger zur SMFF gleichzeitigen marinen Melk-Fm vor.
Eine sichere Bestimmung der Spuren wäre wichtig, weil dann – falls wirklich Bohrmuschel – die Limonithölzer in diesem Fundbereich bereits ins Untermiozän bzw. ins Untere Eggenburgium, also den allerjüngsten Abschnitt der SMFF, datiert werden könnten. Auch die Sedimente mit den Limonithölzern müssten dann klarerweise bereits aus der Transgressionsphase im Unter-Eggenburgium stammen, und damit nicht mehr rein fluviatil, sondern schon marin beeinflusst sein, und wären dem bereits weit nach Norden verschobenen / zurückgedrängten Ästuar des Flusses zuzuordnen.
Schade dass die große Grube bei Maiersch bereits zuplaniert ist – dort waren ja diese jungen, z.T. brackischen Sedimente (Austernbank) vom Übergang der SMFF zur Mold-Fm gut aufgeschlossen (siehe oben) – jetzt fehlt mir da aber leider die Vergleichsmöglichkeit.
Nach Fig. 19 – final depositional stage – in Nehyba und Roetzel 2010 dürfte jedenfalls die Teredinidae?-Fundstelle auch in diesem späten Abschnitt der SMFF noch (knapp) außerhalb des marin beeinflussten Bereiches liegen …..
Nach einem Profil an der Fundstelle könnte der Bereich mit dem Rostholz – und aus dem anscheinend auch das „?Teredinidae?“-Stück stammt – aber auch die Füllung einer etwas jüngeren, in die eigentliche SMFF eingeschnittene Rinne sein – ich weiß aber nicht ob es so was dort gibt, und hab deswegen mal Reinhard Roetzel angeschrieben mit der Bitte um geologische Aufklärung – die Antwort wird ich euch natürlich mitteilen …..
Sollte diese von mir angedachte Interpretation stimmen, könnte es sich eventuell um eine Fließrinne im Gezeitenschwankungsbereich („Rückflussrinne“ ?) handeln.
Oder alles ist viel einfacher, und es handelt sich bei den Gängen doch um Insektenfraßspuren – eventuell von größeren Käfern / Käferlarven ? Allerdings glaube ich das eher nicht – die kenne ich in dieser Form aus der SMFF nicht (was nichts heißt), aber vor allem: an der Grenze der Steinkerne zum umgebenden Gestein ist partiell eine ausgewitterte „Nahtstelle“ erkennbar – dabei dürfte es sich wohl die ehemalige, im sauren Milieu aufgelöste Kalkauskleidung der Bohrmuschel-Gänge handeln, falls ich mit meiner Inerpretation nicht (wieder einmal) völlig daneben liege.
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Hier nun die versprochene Antwort von R. Roetzel - danke für die rasche Aufklärung !
Passt also eh alles :) !
"Da es sich in diesem Raum (...) nicht mehr um rein fluviatiles System, sondern bereits um ein Ästuar handelt (geht aus den Sedimentstrukturen hervor), das eng mit dem marinen Bereich in Wechselwirkung steht, darf darin auch Teredo vorkommen. In einem Ästuar, das durch Gezeiten dominiert wird, kann sogar Holz wieder durch den Flutstrom zurück in den fluviatil dominierten Bereich transportiert werden. Ist eine schöne Beobachtung, die für die Faziesinterpretation wichtig ist.
Reinhard"
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Limonithölzer (Rostholz) aus der SMFF Teil 1:
Manchmal lassen sich in der SMFF auch Abdrücke in Limonit bzw. limonitisierte Holzreste finden, sie sind aber anscheinend im Gesamtgebiet eher selten und nur bereichsweise etwas häufiger. Ich kenne sie bisher nur aus dem westlichen Horner Becken und aus dem Süden (Kamptal).
Vom westlichen Bereich habe ich ein offenbar stark verquetschtes Stück aus St. Marein. Es ist im Gegensatz zu den reinen Limonitkonkretionen von dort, die häufig zu finden sind sehr bröckelig bzw. rissig. Deshalb und auch wegen der Bruchform habe ich den Verdacht, dass hier auch ein kohliger Anteil enthalten sein könnte, also eine limonitisch-kohlige Erhaltung vorliegt (Foto 1-2). Das Stück war zwar aufgefroren (ich hatte es schon im Winter gefunden, aber liegen gelassen, da wegen der angefrorenen Sand- und Lehmkruste keine eindeutige Holzstruktur erkennbar war als ich es im Sommer wiederfand, war leider schon viel abgebröckelt), aber andere Limonithölzer der SMFF (aus dem Südteil) sehen auch nach mehrmaligem Frieren/Tauen nicht so aus, ganz im Gegenteil bleibt dort die massive Limonitbildung kompakt erhalten. Bei diesem Exemplar ist nur an einem sehr kleinem Teilstück die Holzstruktur makroskopisch bzw. unterm Fadenzähler erkennbar (Foto 3-4). Es zeigt aber eindeutig auch einen anderer Aufbau als die dort sonst üblichen plattigen bis schaligen Limonitkonkretionen (die ebenfalls weitgehend frostresistent sind).
Manchmal treten hier (in St. Marein) jedoch Limonitkrusten bzw. teils recht große, in den Wänden steckende Röhren (aus schalig verschachtelten Platten mit lockerer Füllung) auf, die auf den ersten Blick wie Holz aussehen, aber offenbar keines sind eventuell handelt es sich um die Limonitummantelung ehemaliger, aber vor der Verkieselung vergangener Hölzer bzw. Stämme (siehe Foto 3 in AW#10, ganz links). Es wäre dann zu erwarten, dass in den innersten Schalen dieser immer horizontal liegenden ! röhrenartigen Konkretionen auch Stücke mit Holzabdrücken zu finden sein sollten, was mir bisher aber nicht gelang. Sollten diese aber so minimal erhalten sein wie beim gezeigten Stück, wären sie im Gelände mit freiem Auge aber auch kaum zu entdecken.
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„Große Hölzer“ aus der SMFF
Wie eingangs erwähnt (erster Beitrag dieses Themas), handelt es sich bei den Kieselhölzern aus der SMFF ja meist um „handliche“ Stücke, größere Funde sind aufgrund der Sandgrubenstilllegungen und der industrialisierten Landwirtschaft mit intensivem Einsatz immer schwererer Maschinen heute eine Rarität. Trotzdem kann man manchmal (wobei „manchmal“ schon eine schamlose Übertreibung ist) noch solche Stücke der Gewichts- bzw. Massenkatergorie „um/über 10 kg“ (bzw. bis ca. 15 kg) finden (sh. z.B. das Stück mit Astloch in AW #5).
„Richtig große“ Hölzer mit Längen um/über 0,5 m und von entsprechender Massivität – „schmale Späne“ und dünne/flache „Bretter“ von dieser Länge gibt es ein klein wenig häufiger – sind jedoch wirklich ausgesprochen selten. Für diese schweren Brocken habe ich mit meiner Freundin während unserer Touren den Kurzbegriff „Großholz“ geprägt. Wenn wir unterwegs sind, und sie schreit „Großholz !“, dann weiß ich, dass ich wieder mal ein Transportproblem habe – was aber ohnehin nur äußerst selten vorkommt. 2012 hab ich beinahe meine gesamte Freizeit – und das war dank Teilzeitanstellungen und flexibler Arbeitszeit doch relativ viel – in der SMFF verbracht, habe aber (zum Glück ?) „nur“ drei Stücke in dieser Größenordnung gefunden (was ohnehin schon sehr viel ist, wie ich mittlerweile weiß).
In meiner Naivität dachte ich mir natürlich, dass das so weiter geht – aber heuer (2013) hab ich kein einziges Exemplar dieser Dimension gefunden, obwohl ich kaum weniger intensiv holzsuchend in der SMFF unterwegs war – es könnte sich also um reines Anfängerglück gehandelt haben …. ;)
Allerdings war 2013 für mich in der SMFF allgemein ein deutlich schlechteres Jahr als 2012.
Von allen 3 Stücken habe ich schon einmal Fotos ins Forum gestellt:
erstes: http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,7054.msg231028.html?PHPSESSID=lvorruhjvh5f4vtjbvq1to61b3#msg231028
zweites: http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,7054.msg235709.html#msg235709
und http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,31505.msg244491.html#msg244491
drittes: http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,7054.msg237463.html#msg237463 .
Daher stelle ich hier jetzt nur ein Geländefoto vom ersten, die Außenseite samt Detail vom zweiten und eine alternative Ansicht vom dritten ein.
Angeblich haben aber die Bauern im Horner Becken früher beim Pflügen manchmal noch weitaus größere und massivere Kieselhölzer gefunden – ich habe aber bisher noch keines dieser „legendären“ Stücke selbst gesehen (mit Ausnahme des Altfundes im Krahuletzmuseum, siehe den ersten Beitrag). Und auch bei Erdbaumaßnahmen sollen gerüchteweise erst in jüngster Zeit wieder ganz gewaltige Stücke zum Vorschein gekommen sein, die aber angeblich von den Arbeitern – trotz Aufklärung über zu erwartende Funde seitens lokaler Sammler – nicht geborgen, sondern wieder zugeschüttet und überbaut wurden. Da blutet das Herz eines jeden Kieselholzfans !
Foto 1: mein erstes großes SMFF-Holz während der Bergung.
Foto 2: mein zweites, Außenansicht.
Foto 3: dto., Detail.
Foto 4: mein drittes „großes“ (andere Ansicht als in obigem link).
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Holz aus der SMFF im www
Wie eingangs erwähnt, liegen Kieselhölzer aus der SMFF in vielen Sammlungen. Dementsprechend ist von den „klassischen“ Fundstellen auch einiges an Fundfotos im wwww zu finden. Hier nur einige Beispiele.
Ein Album auf den f-Seiten von P.C. Huber:
http://www.facebook.com/media/set/?set=a.324498207615686.79871.214606828604825&type=3
Aus der Sammlung von Th. Eder (auf unterschiedlichen Unter-Seiten):
http://www.eder-thomas.at/mineralien&fossilien.html
Und natürlich auch auf der website von Wolfgang Putz !
http://www.yamadori-bonsai.info/Putz_VerstHolz_Europa_Austria.html
Sowie einzelne Stücke auch auf folgenden Seiten:
http://members.aon.at/eseitz/page_9_1.html
http://mineralienzimmer.heimat.eu/VersteinertesHolz-01.htm
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Ich hab oben (AW #25) von den großen schmalen Spänen geschrieben hier mal so ein Stück (Foto 1). Ziemlich selten, weil meistens, wenn sie längs zerteilt sind, brechen sie auch quer.
Sieht fast aus, als hätte jemand Brennholz gespalten, ohne es vorher auf Scheitlänge zu sägen
. ;)
Und auch zu den Brettern ein Beispiel (Foto 2). Ist am Bild kaum/nicht zu erkennen, aber das Stück ist trotz seiner Größe ganz dünn.
(sorry für die Fotoqualität hab die Stücke auswärts zwischengelagert und kann daher dzt. keine neuen Fotos machen).
p.s.:
beides Funde von 2012 - heuer leider keine Stücke mehr in dieser Größenordnung gefunden ... :(
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Das Fehlen nichtpflanzlicher Fossilien in der SMFF
Außer den Pflanzenresten (Kieselhölzer und Holzabdrücke in Limonit, Blattabdrücke, Pollenfloren) sind in der SMFF anscheinend keine weiteren Fossilien überliefert, obwohl – in einem „braided-river“-Flusssystem mit einem riesigen Einzugsgebiet und wohl unterschiedlichen Wald- und Auwaldhabitaten – eigentlich mit einer reichen Säugetierfauna (bzw. allgemeiner Wirbeltierfauna) ebenso wie – in Stillwasserbereichen – mit einer arten- und individuenreichen Molluskenfauna zu rechnen wäre.
Die SMFF wurde daher im Lauf der Forschungsgeschichte auch als „Fossilarme Serie“ oder „Fossilleere Serie“ bezeichnet (vgl. Nehyba & Roetzel 2010, 52).
Es stellt sich also die Frage, warum (abgesehen von Spurenfossilien im Holz) nur die pflanzlichen Fossilien überliefert wurden – dieses Problem soll hier zur Diskussion gestellt werden.
War das Ablagerungsmilieu eventuell zu sauer für Tierknochen und Molluskenschalen? Das wäre für fluviatile Ablagerungen zwar ungewöhnlich, aber die Flüsse und Bäche im Mühl- und Waldviertel (Böhmische Masse) weisen auch heute einen auffallend niedrigen pH-Wert auf (teils unter 6,0; Böden im Mühlviertel sogar mit 5,73 als Mittelwert !).
Oder wurden kalkige Komponenten erst nach der Ablagerung aufgelöst? Diese Möglichkeit erscheint fast plausibler.
Die Schotter und Sande bestehen vor allem aus sauren/silikatischen Bestandteilen (Quarz, Granit, Gneis, etc.), und sind darin mit anderen fluviatilen Sedimenten in Niederösterreich vergleichbar. So sind z.B. auch bei alten Donau-Schotterterrassen aus der Grenze Plio-/Pleistozän im Raum Krems (aber auch in der Umgebung von Wien) zumindest oberflächennahe die kalkigen Gerölle nicht mehr vorhanden (durch sekundäre Entkalkung vergangen), sondern vor allem Silikate übrig geblieben.
Dann stellt sich aber die Frage, warum dies bei den Ablagerungen der HMF („Urdonau“; sh.: http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,30292.0.html ) etwas anders ist. Die HMF datiert zwischen die beiden anderen bisher angeführten Schotterkörper (Pannonium, Obermiozän) – hier sind aber (neben Kieselhölzern in den grobklastischen und Blattabdrücken in den pelitischen Anteilen) sehr wohl (und sogar ziemlich häufig) auch fossile Tierknochen (und teilweise auch abgerollte Austernschalen aus umgelagerten/aufgearbeiteten marinen Sedimenten) erhalten, obwohl die Schotter ebenfalls überwiegend aus silikatischen Komponenten bestehen, und kalkige Gerölle meist nur in einem sehr untergeordneten Anteil auftreten (bzw. in einigen wenigen Aufschlüssen gar nicht nachzuweisen waren).
Allerdings ist die Zusammensetzung der HMF-Schotter stark schwankend, in wenigen Aufschlüssen sind sogar die Sedimentgesteine dominierend (Nehyba & Roetzel 2004, 196-197).
Aber auch in Bereichen mit sehr hohem Quarz- und sehr niedrigem Sedimentgestein-Anteil sind hier reiche Sägetierfunde bekannt, so z.B. aus Hohenwarth (im westlichen Teil) oder im Gebiet des Hollabrunner Waldes (im mittleren Teil der HMF).
Eventuell spielten dabei zusätzlich zum chemischen Milieu unterschiedliche klimatische Bedingungen eine Rolle?
Andererseits dürften aber auch die (ursprünglichen, ungeachtet eventueller sekundärer Entkalkung) Sedimente der SMFF nicht allzu extrem sauer sein. So gibt es einen Marmor-Anteil bei den Geröllen (Nehyba & Roetzel 2010, 50) und sehr selten auch aufgearbeitete mesozoische Sedimentgesteine (vgl. Ellenberger et al. 1948, zit. bei Nehyba & Roetzel 2010). Dies ist auch an der Vegetation erkennbar. So konnten im Bereich der SMFF – wenn auch selten – Pflanzen beobachtet werden, die kalkliebend (bzw. von einem basischen bis neutralen Boden abhängig) sind, und im Waldviertel sonst nur auf Löss oder miozänem Kalksandstein oder sonst irgendwie kalkigen Böden vorkommen, aber nie auf reinen (sauren) Kristallin-Verwitterungsböden – so z.B. Cypripedium calceolus.
Könnte es also eventuell auch in den feinsandig-siltig-tonigen Lagen einen gewissen (geringen) Karbonatanteil geben? Oder ist das Vorkommen von Pflanzen, die keine sauren Böden mögen, durch den Anteil kaolinitischer Silte/Tone (kaolinisierter Feldspat; angeblich pH 6-7 bei 100 g Kaolin auf 1 l H2O) verursacht? Denn nach Wimmer-Frey (1999; zit. bei Nehyba & Roetzel 2010, 56) sollten die Ablagerungen der SMFF karbonatfrei sein.
Ich komme hier also zu keinem schlüssigen Ergebnis, und kenne auch keine Literatur, die dezidiert auf diese Frage eingeht. Vielleicht hat jemand von euch Ideen oder Hinweise dazu?
Oben noch nicht angeführte Quellen:
• Nehyba und Roetzel 2004: The Hollabrunn-Mistelbach Formation (Upper Miocene, Pannonian) in the Alpine-Carpathian Foredeep and the Vienna Basin in Lower Austria – An example of a Coarse-grained Fluvial System. Jb. Geol. B.-A. 144/2, 2004, 191 ff.
• Wimmer-Frey (1999): Mineralogische und granulometrische Untersuchungen an tertiären Sedimenten in den Bezirken Horn und Hollabrunn. In: R. Roetzel (Hrsg.), Arbeitstagung der Geologischen Bundesanstalt Retz 1999, Wien 1999, 60-70.
• Sicherheitsdatenblatt Kaolin: http://www.carl-jaeger.de/PDF/SD/KAOLIN.PDF
• pH-Wert Fließgewässer und Böden Böhmische Masse:
http://www.lfvooe.at/reviere-und-angelgewaesser/artenschutzprojekt-muehlviertler-stammforelle/
http://www.land-oberoesterreich.gv.at/cps/rde/xbcr/ooe/Infoblatt_aggressive_Waesser_GTW.pdf
http://www.google.at/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=3&ved=0CC0QFjAC&url=http%3A%2F%2Fwww.bmlfuw.gv.at%2Fdms%2Flmat%2Fland%2Flaendl_entwicklung%2Fevaluierung%2Fle_studien%2Fauswertungooe%2F44_Auswertungen-der-Bodenuntersuchungsaktion-Ober-sterreich%2F44_Auswertungen%2520der%2520Bodenuntersuchungsaktion%2520Ober%25C3%25B6sterreich.pdf&ei=X91QVKC4HoXSaKnbgig&usg=AFQjCNFBMYt8t-n8ZH3ncfuGP-G4Xzg8Kg&bvm=bv.78597519,d.d2s
http://www.trinkwasserinfo.at/trinkwasserqualitaet/trinkwasserbefund/
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„Große“ Hölzer – Vol. 2
Nach einer „Großholzpause“ von zwei Jahren (!) hab ich jetzt endlich wieder mal ein etwas größeres Hölzchen in der SMFF gefunden – passender weise am Nationalfeiertag, den 26.10. ! ;D (das war allgemein ein gutes Wochenende – sh. auch http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,30395.msg276232.html#msg276232 ).
Es ist allerdings ein „Grenzfall“ – mit 55 cm zwar ziemlich lang, aber mit einer max. Breite von 27 cm bei einer max. Stärke von nicht ganz 20 cm doch bei weitem nicht so massiv wie die drei anderen – und daher zum Glück auch nicht ganz so schwer (es war noch beinahe problemlos transportierbar). Leider hatte ich an diesem Tag die Kamera nicht dabei, es gibt also keine Gelände- bzw. Fundsituations-Fotos. :(
Das Stück hat zwar einen (älteren) Querbruch, der eignet sich aber gut als Standfläche (wenn man`s positiv sehen will). Die annähend trapezförmige Bruchfläche hat die Ausmaße 20/21 x 16/17 cm (Foto 3).
Am meisten freut mich aber, dass – abgesehen von einigen kleineren Beschädigungen – ansonsten die ehemalige Schwemmholzoberfläche gut erhalten ist, und teilweise eine schöne Struktur zeigt (Foto 4). Und auch die Zellerhaltung dürfte gut sein, soweit mit der Lupe an der Bruchfläche erkennbar. Leider aber ohne Astabgang oder sonstige Besonderheiten.
Aber immerhin – es gibt sie noch, die etwas größeren Brocken! Ich hab ja schon fast nicht mehr daran geglaubt, dass ich noch einmal so ein großes (und „schönes“) finde …
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Oops! ... I did it again ... ;D
Dieser Herbst könnte mir direkt noch sympathisch werden - zur Zeit läuft`s wieder mal ganz gut.
Ein Neufund vom Wochenende: was die Länge bzw. Höhe betrifft, mit 64 cm unter meinen Eigenfunden zwar "rekordverdächtig", aber allgemein nicht besonders voluminös (max. B. 20 cm) - also deutlich nicht zu den "wirklich großen" zu rechnen.
Dafür aber so gut wie ohne rezente Beschädigung (!), und sogar mit einem kleinen Astknoten – meiner Meinung nach also besser als der zuletzt hier vorgestellte Fund! Um ehrlich zu sein, ist es wohl überhaupt mein bisher bestes Holz des heurigen Jahres.
Außerdem wieder mit „natürlicher Standfläche“ (alter Bruch) und einem „eleganten“ Schwung – es macht sich in der Wohnung meiner Freundin sehr dekorativ (wie ich dieses Wort in Zusammenhang mit Kieselholz hasse! … >:D)
(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1420641100.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1420641100.jpg)(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1420641115.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1420641115.jpg)(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1420641131.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1420641131.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1422000062.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1422000062.jpg)
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letztes Wochenende gab es für mich endlich den ersten Ast dieses Jahres aus der SMFF - ist zwar nur ein kleines Stück, aber doch recht nett. Natürlich wieder mit rezentem Bruch - der aber in diesem Fall gar nicht so sehr stört, weil er den Verlauf des Astes bzw. Zweiges schön freilegt.
(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1429691856.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1429691856.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1429692022.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1429692022.jpg)
(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1429691980.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1429691980.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1429691874.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1429691874.jpg)
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„Große“ Hölzer – Vol. 3
Im Spätsommer dieses Jahres war es wieder mal so weit – am letzten Augustwochenende, also ziemlich genau 3 Jahre nach dem Fund meines bisher immer noch größten und besten SMFF-Holzfundes (siehe: https://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,31505.msg244491.html#msg244491 ) war ich, um das „Jubiläum“ gebührend zu begehen, wieder im Horner Becken unterwegs.
Und – ich konnte es selbst kaum glauben – fast auf den Tag genau 3 Jahre nach diesem Super-Fund fand ich doch dort tatsächlich mein viertes „wirklich großes“ (also nur mit Mühe transportierbares) Kieselholz, und das nur wenige 100 Meter von der Fundstelle meines „Bestfundes“ entfernt ! Es reicht zwar qualitativ nicht annähernd an mein „bestes“ heran, ist aber schon alleine aufgrund der Dimensionen (L. ca. 60 cm, max. B. ca. 35 cm) für dieses Gebiet ein „Superfund“ – ich habe mich also dementsprechend gefreut !
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Und weil das letzte Augustwochenende so erfreulich war, bin ich am ersten Septemberwochenende gleich wieder dorthin gefahren – diesmal mit meinem Sammlerfreund Josef. Und auch diesmal war`s recht gut – allerdings: Über-Kopf-Bergungen von Kieselholz – wie hier unter einem fast „freischwebenden“ Wurzelballen – sind immer besonders nervenaufreibend, kommen aber zum Glück nur sehr selten vor (Bild 1) ;).
Bild 2 zeigt meine Tagesausbeute (ohne das Kleinzeugs), das Überkopf-Holz ist das zweite von rechts. Und auch Josef fand zwei schöne größere Stücke, was mich besonders freute – wäre ja peinlich gewesen, wenn der „Gast“ leer ausgeht …
Das dritte Bild zeigt noch ein Detail meines (für mich) schönsten Fundes von diesem Tag.
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Nun, heuer sahs in diesem Gebiet für mich nicht so besonders gut aus. Einerseits war ich nicht so häufig dort wie in den letzten Jahren, andererseits hat offenbar ein wenig das nötige Glück gefehlt. Zwei oder drei Touren waren zwar ganz erfolgreich, und ich hab dabei zwar doch ein paar ganz nette - und teils gar nicht so kleine - Stücke gefunden, allerdings war nichts Besonderes oder wirklich Aufregendes dabei.
Aber das Jahr ist ja noch nicht zu Ende - hoffentlich kommt der Schnee nicht zu früh ...... denn irgendwie habe ich die Befürchtung, dass es diesmal ein "echter" Winter wird :(
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und auch für 2017 kann ich noch keinerlei Besonderheiten von hier vermelden ....
:(
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Nach längerer Zeit endlich wieder mal was Zeigenswertes aus dem Horner Becken:
12-Kilo-Feldfund von Anfang Februar, ausnahmsweise vom Pflug nur leicht angekratzt - hat man auch nicht alle Tage !
:D
(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1517743521.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1517743521.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1517743542.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1517743542.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1517743566.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1517743566.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1517743593.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1517743593.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1517743613.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1517743613.jpg)
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Wieder mal ein Stück mit interessanten Fraßspuren. Diesmal ganz eindeutige, und: während solche Spuren bei SMFF-Hölzern üblicherweise meist hohl sind, oder manchmal mit limonitischem Material verfüllt und nur selten mit Kieselmasse, sind hier sogar die Insekten-Fäkalpellets silifiziert. Kenne ich mittlerweile ja von einigen tertiären Kieselholz-Fundgebieten in Österreich (z.B. Hausruck/OÖ, Ampflwang-Fm, Pannonium oder Weinviertel/NÖ, Laa-Fm, Karpatium), ist aber doch immer wieder was Besonderes und keineswegs häufig. Und gerade aus der SMFF, aus der nach wie vor der größte Teil meiner Funde stammt, ist mir das in dieser Deutlichkeit bis jetzt nicht untergekommen.
Sozusagen Spurenfossilien (Koprolithen) in Spurenfossilien (Fraßgängen) in Kieselholz ... ;)
(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1525620503.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1525620503.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1525620527.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1525620527.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1525620554.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1525620554.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1525620574.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1525620574.jpg)
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Nachdem ich in der SMFF jetzt schon länger keine nennenswerten Astabgänge gefunden hatte, gabs nun dafür ein echtes Prachtexemplar - übrigens am selben Tag gefunden wie das Fragment mit den Insektenlarven-Kotpellets im vorigen Beitrag! :D
Und zwei ungewöhnliche Stücke an einem Tag, das kommt hier schon selten vor ... war also wieder einmal ein echter Glückstag!
(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1525621515.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1525621515.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1525621535.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1525621535.jpg)
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Die Legende von den blauen Kieselhölzern aus dem Horner Becken
Ab und zu (bzw. immer wieder mal) taucht das Gerücht auf, dass es in den Sedimenten der SMFF im Horner Becken „blaue“ Kieselhölzer geben soll – was aber so definitiv nicht zutrifft.
Was es manchmal gibt, sind silifizierte Hölzer, bei welchen sich in Rissen bzw. auf Spaltflächen eine hauchdünne Auflage aus blauem Chalzedon befindet – der aber niemals Holz war, sondern eine rein mineralische Bildung ist, und dementsprechend auch keine Holzzellen enthält. Das eigentliche Kieselholz selbst hingegen ist hier niemals blau. Gut zu sehen ist das an Stellen, wo die hauchdünne Chalzedonschicht abgeblättert ist wie spröder Lack – man könnte im übertragenen Sinn also beinahe sagen, das Holz ist äußerst farbenfroh „natürlich lackiert“ (ist natürlich Unsinn, dient aber zur Veranschaulichung).
Ich zeige hier mal ein solches Stück, das ich Anfang März gefunden habe. Die Funde an diesem Tag waren sehr bescheiden, und jenes Holz, das sowohl am besten als auch am größten gewesen wäre, war leider vom Pflug zertrümmert und dann den Winter über zusätzlich aufgefroren – ich hab jetzt also eine handvoll Bruchstücke und zudem eine Menge kleiner Splitter. Optimistisch wie ich bin, werde ich aber trotzdem versuchen, das Puzzle wieder zusammenzusetzen – daher habe ich den blauen Chalzedon (zumindest ein Stück davon) zuvor fürs Lexikon dokumentiert, weil er sich nämlich genau auf den Bruchflächen befindet, die dann ja nicht mehr sichtbar sein werden.
(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1584463547.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1584463547.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1584463569.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1584463569.jpg)
Eine zweite Möglichkeit, wie auch ein blauer Schimmer entstehen kann, gibt’s meiner Meinung nach auch noch – dazu habe ich aber jetzt erstens kein Belegstück zur Hand und müsste das zweitens auch noch einmal im Original überprüfen – nicht dass ich das damals falsch gesehen habe ….
Dabei handelt es sich um sehr dicht bzw. „glasig“ silifizierte/chalzedonisierte Hölzer von sehr dunkler (beinahe schwarzer bis violettbrauner) Farbe. Wenn bei diesen der durchscheinende Chalzedon (in diesem Fall nicht als Auflage, sondern als Fossilisationsmittel) oberflächlich verwittert/patiniert und somit weißlich anläuft, entsteht durch den dunkel violettbraunen Hintergrund ebenfalls ein bläulicher Farbton. So habe ich das zumindest in Erinnerung, ich will aber nicht ausschließen, dass es sich dabei in Wirklichkeit ebenfalls um einen „anorganischen“ Chalzedonüberzug gehandelt haben könnte – wenn mir mal ein solches Stück beim Umräumen unterkommt, werde ich das nachprüfen und darüber berichten …
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Hier noch mal mit dem Gegenstück:
(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1584742462.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1584742462.jpg)
Man sieht dabei gut die Kontaktstellen in Form der korrespondierenden Ringe/Kreise - hätte das Stück genug Zeit gehabt, wäre daraus anstatt dünner Chalzedonauflagen beiderseits des Risses wohl eine "Spaltenfüllung" aus massivem Chalzedon geworden.
Mittlerweile bin ich am Überlegen, ob ich das wirklich wieder zusammenkleben soll - so ein "Bilderbuchbeispiel" (und noch dazu so intensiv gefärbt) findet man beileibe nicht alle Tage. Ginge es nur um diese beiden Fragmente, wäre die Sache ohnehin klar - aber "leider" stehen sie ja nicht für sich alleine, sondern sind, wie schon oben geschrieben, eben Teile eines größeren 3D-Puzzles.
edit:
ah ja, und was ich oben vergessen habe (mir aber jetzt gerade wieder auffällt) - so intensiv blau ist das nur in frischem Zustand, wenn die Stücke länger "an der Luft" sind, verblassen sie durch Austrocknung (und Lichteinwirkung??) mehr und mehr, und werden dann eher stumpf weißlichblau.
Was mich immer schon etwas erstaunt hat - Chalzedon sollte doch bei Tageslicht farbstabil sein, oder? Aber wahrscheinlich liegt es nur am Feuchtigkeitsverlust ....
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Hallo Oliver, bin der Paul, bin in der SMFF zuhause und suche seit ca. 1 1/2 Jahren nach Kieselhölzern. Werde hier auch nach und nach ein paar, allerdings bescheidene Eigenfunde beisteuern :)
Zum aktuellen Beitrag über die angeblichen blauen Kieselhölzer der SMFF kann ich ebenfalls ein kürzlich gefundenes 9-Kilo-Bröckerl zeigen, welches diese oberflächliche blaue Calzedonschicht aufweist.
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hallo Paul,
na das 9-Kilo-Bröckerl ist aber gar nicht so bescheiden! :D
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Danke, nun ja, ab dieser Größenordnung wird in meiner Sammlung aber leider die Luft schon recht dünn. Ist bis dato mein Drittgrößtes. Mein bisheriger persönlicher Rekordfund (April) kam ziemlich unverhofft, hatte mich eigentlich schon damit abgefunden, niemals wirklich große Stücke zu finden.
Länge ca 95 cm, Breite ca 30, Höhe ca 25 cm. Gewicht: zu schwer, trau es mich nicht abwiegen, da ich Angst habe, die Waage zu ruinieren ;D
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Na wumm - da sind ja meine wenigen "großen" mit ca. 0,5 m Länge richtige Zwutschkerl dagegen ...
Aber wenn du auch direkt "in der SMFF zuhause" bist, hast du natürlich einen gewissen Heimvorteil ;D
p.s.:
ist da sogar ein Astabgang drauf (rechts der Mitte), oder täuscht das?
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Naja, es ist für mich ein ziemlicher statistischer Ausreißer, die Länge meines zweitgrößten Stückes liegt gerade mal bei 35 cm bzw. an die Qualität vieler deiner Stücke kommen zudem meine bei Weitem nicht heran ;)
Ja, es handelt sich denke ich um eine Astvertiefung, werde nach der Reinigung noch bessere Fotos reinstellen. Es war ein riesiger Glücksfall, denn an diesem Tag war ich eigentlich nur im Gelände unterwegs, bis ich an eine kleine Sandgrube stieß. Da ich aber in Sand- und Kiesgruben überhaupt noch nie Kieselhölzer finden durfte, ging ich nach einigen kurzen prüfenden Blicken auf die Sandwände einfach weiter ;D Erst als ich beim Retourgehen wieder zu dieser Grube kam, nahm ich dann eine aus der Entfernung wie eine Wurzel aussehende Unregelmäßigkeit näher in Augenschein...
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Na das ist wahrscheinlich genau die eine kleine alte aufgelassene Grube in der Gegend, die ich nur vom Hörensagen kenne, aber noch nie gefunden habe ... ;D
(oder eine von denen, in denen ich noch nie was gefunden habe ...)
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Kurz darf ich vorstellig werden:
Mein Name ist Stefan Raimann, geb. am 11.01.1967 und bin zurzeit Pfarrer von Siegendorf, Klingenbach und Zagersdorf im Bezirk Eisenstadt gelegen. Davor war ich gut 15 Jahre beruflich im Südburgenland eingesetzt, wo ich mich schwerpunktmäßig den opalisierten Hölzern am Csarterberg widmete. Dort konnte ich im Jahre 2004 ein kleines Museum mit ausschließlichen Funden vom Csarterberg einrichten. (befindlich im Gasthaus Holzer, direkt am Csarterberg) Seit ca. 10 Jahren bin ich dem Waldviertel um gut 100km näher gerückt sodass ich mich der regelmäßigen Suche nach den Hölzern der SMFF gewidmet habe. An dieser Stelle gratuliere ich Paulchen91 spät aber doch zu seinem absoluten Sensationsfund in der anonymen Sandgrube, sowie zu seinen weiteren Funden vor allem mit dem Chalzedonüberzug. An diese Größe, vor allem das Stück aus der Sandgrube betreffend, komme ich trotz vieljähriger Suche nicht heran. Ebenso gratuliere ich Oliver zu seinen großen Stücken; wir hatten bezüglich des großen Steines am Csarterberg schon kommuniziert. Montag ist mein freier Tag, welchen ich regelmäßig zu Besuchen im Waldviertel nütze.
Somit erlaube ich mir an dich, lieber „Paulchen91“, die höfliche und unverbindliche Frage zu richten, ob wir uns nicht persönlich zu einem Sammlergedankenaustausch vor Ort treffen könnten. Ab und an bin ich zwei Tage vor Ort und nächtige dann im sicher bekannten Hotel „Blie“. Wenn du meinem Wunsch entsprechen möchtest, so wird dies ohne deine Telefonnummer kaum gehen; meine gebe ich hiermit einmal bekannt: 0650/ 03032973. Anbei darf ich die auch meine Mailadresse übermitteln: siegendorf@rk-pfarre.at Dieses an Paulchen91 Geschriebene gilt selbstverständlich auch für dich lieber Oliver, sowie alle „Kennenlerninteressierten“ dieses Forums. Glück auf für die begonnene Frühlingssammelsaison und liebe Grüße aus dem Nordburgenland, Pfarrer Mag. Stefan Raimann
P.S. fürchtet euch nicht: bei Treffen unter Sammlern bin ich selber auch ein Sammler, zu befürchtende kirchliche Bekehrungs- und Überzeugungsversuche sowie Diskussionen über Gott, Glaube, Kirche sind da immer ausgeklammert.
Meine erste jungfräuliche Frage an das Forum: kann es sein, dass die waldviertler Hölzer auf einer relativ kleinen Fläche zusammengeschwämmt wurden und sich, natürlich einvernehmlich mit dem Grundeigentümer, die Nachschau mit einem Bagger auf einer solchen Fläche lohnen könnte. Ich vermute auch, dass sich die holzführende Schotterschicht auf einigen Äckern weit unter einem Meter befindet, sodass die Oberfläche dieser Äcker nur reines Erdmaterial aufweist. Diese Beobachtung machte ich bei der Verlegung eines Stromkabels; die Künette erreichte die holzführende Schicht erst ab einer Tiefe von ca. 1,5m – oberflächlich hätte jeder Sammler von uns diese Fläche als Fundgebiet kategorisch ausgeschlossen; auf der Ackeroberfläche war nicht ein Steinchen zu finden.
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(verspätetes) Sedimentgeologisches update zur SMFF:
1 - im Bereich von Obernholz (auch in der dortigen ehem. Sandgrube - in dieser von marinen Sedimenten des Eggenburgiums und des Badeniums überlagert), Diendorf und Olbersdorf stehen oligozäne Sedimente an, die früher zur SMFF gezählt wurden (und angeblich auch Kieselhölzer beinhalten/beinhalteten - ich hab dort nie eines gefunden).
Auf der seit kurzem online zugänglichen geofast-Karte 21 Horn werden diese sandig-siltigen bis kiesigen Sedimente nun der neu beschriebenen Ravelsbach-FM zugeordnet (Roetzel 2017), welche von gleicher Zeitstellung wie die SMFF ist, aber einem brackisch-ästuarinen Milieu entstammt.
Ich nehme das mit Freude zur Kenntnis - denn nach "echter" SMFF sahen mir diese Sedimente schon bei meinem ersten Besuch in der Obernholzer Grube nicht aus, und auch die Verbreitung der SMFF-Sedimente ergibt nun ein klareres Bild :)
Roetzel 2017: Bericht 2013–2016 über geologische Aufnahmen auf Blatt 21 Horn: https://www.zobodat.at/pdf/JbGeolReichsanst_157_0317-0328.pdf
2 - im Bereich von Rodingersdorf und Kleinmeiseldorf liegen Sande und Kiese, die früher ebenfalls als der SMFF zugehörig angesehen wurden, und in welchen ebenfalls Kieselhölzer gefunden wurden (leider nie von mir). Ich habe das immer als ziemlich widersprüchlich empfunden, da es andererseits ja hieß (konkretes Zitat hab ich jetzt nicht im Kopf, müsste ich suchen), dass der Verlauf des heutigen Kamptals (und damit der Unterlauf des "Paläokamps" bzw. "Horner Flusses") westlich des Manhartsberges durch eine tektonische Störungslinie bereits in der Kreide vorgezeichnet bzw. eingetieft war. Der fluviatile Schotterstreifen zwischen Rodingersdorf und Kl.Meiseldorf verläuft aber östlich außerhalb des Horner Beckens, und liegt zudem deutlich höher - irgendwie ging das also nicht zusammen. Zudem war mir schon früher aufgefallen, dass die Schotter hier, im Vergleich zur "typischen" SMFF, viel intensiver gerundet sind (vgl. z.B. auch AW#20, Foto 2!). Erfreulicherweise ist das auf der neuen Geofast-Karte nun ebenfalls bereinigt - die fraglichen fluviatilen Sedimente werden nun als Rodingersdorf-Fm bezeichnet, und ins obere Eggenburgium gestellt, womit der Widerspruch aufgelöst ist und alles viel besser zusammenpasst. Ich weiß ja, warum R. Roetzel schon immer mein "Lieblingsgeologe" war .... :)