Mineralienatlas - Fossilienatlas
Mineralien / Minerals / Minerales => Allg. Diskussionen Mineralien / General discussions minerals => Thema gestartet von: Münchener Micromounter am 20 Apr 13, 16:28
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Keine Mineraliensammlung dürfte frei sein von Fehlbestimmungen oder fundstellenmäßigen Fehlzuordnungen. Die Lithothek der Münchener Micromounter macht da keine Ausnahme. Im Gegenteil: Sehr viele Partner tragen zum Sammlungsbestand bei, sehr unterschiedlich sind die Herkunftsarten (Eigenfunde, Käufe, Tausche usw.). So lange die Sammlungsstücke nicht einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, ist das auch kein Problem. Es kann aber zum Problem werden, wenn (wie wir das tun) die Sammlungsstücke über Photos in den Atlas eingestellt werden.
In dieser Situation gibt es für uns mehrere Möglichkeiten:
1.) Wir stellen keine "kritischen" Bilder ein, beschränken uns auf sichere Stufen (z.B. Topase von der Thomas Range) und behalten unsere eventuellen Fehlbestimmungen bei uns. Das wollen wir nicht tun. Es widerspricht den Zielen unserer Lithothek und bringt niemanden weiter.
2.) Wir lassen alles, bevor es in den Atlas eingestellt wird, analysieren. Das können wir uns finanziell nicht leisten und verhindert keine fundstellenbezogenen Falschzuordnungen. Also auch keine Lösung.
3.) Wir stellen die Photos in den Atlas und warten die Reaktionen ab. Wir setzen uns mit Eurer Kritik auseinander und berichtigen ggf. unsere Fehler, indem wir das Bild entfernen, die Zuordnungen ändern, oder die Texte bei den Bildbeschreibungen ergänzen.
So sind wir bisher vorgegangen, und so wollen wir eigentlich auch in Zukunft vorgehen. Es freut uns, daß die meisten kritischen Zuschriften, die uns erreichen, durchaus konstruktiv sind. Jeder, der konstruktive Kritik übt, wird zu einem Mitarbeiter an der Lithothek. Die Kritik von Besserwissern, die außer Kritik nichts anzubieten haben, nehmen wir in Kauf.
Es interessiert uns aber, was die Gemeinde der User im Forum zu unserem Lösungsansatz meint, und was wir aus diesem Kreis für Anregungen bekommen. Meldet Euch.
Manfred Seitz
für die Münchener Micromounter
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Hallo Manfred,
im Prinzip finde ich vorgehensweise 3. nicht schlecht, aber sie hat auch einen systematischen Fehler :
Wenn ihr (oder andere Sammler) 'fragwürdige' Stüfchen einstellt kann es zwei Reaktionen geben : Jemandem fällt es auf, und wird dann korrigiert (da haben dann alle was von), oder andere Sammler 'duplizieren' die von euch eingestellte Information (Das wäre dann eher schlecht).
Vielleicht gibt es eine Möglichkeit 'fragwürdiges' hier im Mineralienatlas zu kennzeichnen ! (Sofern ihr es denn selber schon als solches erkannt habt.)
GA
Elmar
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Hallo,
ja das Problem ist immer vorhanden, egal wer die Fotos einstellt. Alles zu analysieren ist wirklich nciht machbar und auch nicht zielführend. Stichwort: Polymorphie, Messunsicherheit etc.
Vielleicht ist es eine Möglichkeit, fragliche oder nicht eindeutige Funde mit (?) oder "Bestimmung unsicher" etc zu vermerken. Das gilt in meinen Augen nicht nur für die Bilder der Münchener, sondern generell.
Meine Meinung und LG
Frank
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Hallo Herr Seitz,
ich finde beide Vorschläge, sowohl von Krizu wie auch von Elmar nicht schlecht.
Mein Vorschlag zu dem Problem wäre einfach anzufügen wie bestimmt wurde: z.B. visuell, EDX, WDX, PXRD, SXRD, EMPA usw.
Wie ich schon mal hier geschrieben habe, auch wenn von 20 Anmerkungen zum Mineralbild 19 mal ein Mineral bevorzugt erkannt wird, so ist es immer noch "nur" visuell bestimmt.
Beste Grüße
Günter Blaß
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Man sollte es hier nicht übertreiben. So wird wohl Pyrit, Quarz, Fluorit usw. immer "nur" visuell bestimmt, aber das mit 100%iger Sicherheit.
Uwe
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Hallo Uwe,
habe schon Pferde kotzen sehen.
Habe gerade eben einen Artikel über eine Fundstelle im Südschwarzwald gelesen bei der z. B. nadeliger Pyrit jahrzehntelang als Millerit angesehen wurde.
Stört es wenn hinter dem Foto einer Pyrit-, Quarz- der Fluoritstufe z. B in Klammern visuell steht?
Aber hast schon recht, bei manchen Mineralen kann man relativ sicher visuell erkennen um was es sich handelt.
Günter Blaß
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Servus,
Vorschlag Nr 3 erscheint mir doch recht brauchbar.
Es sollte eigentlich selbstverstaendlich sein, bei jedem Fundstueck Details (und auch Unsicherheiten) bez. HERKUNFT zusammen mit der zur IDENTIFIZIERUNG gewaehlten Methode anzugeben.
Beides ist sehr wichtig, allerdings laesst sich die Herkunft eines Minerals im Zweifelsfall nur sehr schwer oder gar nicht rekonstruieren, eine Neubestimmung laesst sich auch spaeter durchfuehren.
Die sichere Identifizierung - auch von gelaeufigeren Mineralen (z.B. Dolomit u. Ankerit, "Turmalin", gruene sek. Cu-Minerale) ist oft schwieriger als es scheint 8) - Mineralogie ist eben eine Wissenschaft und erfordert eine entsprechende Vorgehensweise.
Fundierte und nachvollziehbare visuelle Beurteilungen (Tracht, Habitus, Winkel ...) haben hier durchaus ihre Berechtigung und koennen von grossem Nutzen sein.
GA
Harald
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Das wäre vielleicht ein Lacher bei meinen Mineralienfreunden, wenn diese bei mir auf dem Label einer Quarz oder Fluoritstufe den Bemerk (visuell bestimmt) lesen würden. Außerdem habe ich so etwas noch nirgends gesehen. Zum Glück kann jeder in seiner Sammlung machen was er will.
Von mir aus kann das aber getrost Forumsregel werden. Ich lösche dann gern alle meine Bilder.
Uwe
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Hallo,Herr Seitz!
Hallo,Sammlergemeinde!
Ich habe mich anfangs auch schwer getan,unbekanntes zu zeigen oder in die offizielle Sammlung auf zunehmen.Warum eigentlich?In die Sammlung kommen doch oft eh nur gute bis Superstufen.Und will man,und auch der Atlas hier,nicht eine Übersicht über alle Vorkommenden Mineralien/Gesteine/Fossilien schaffen?Dazu gehört nun mal auch nicht identifiziertes Material!
Freilich ist das nicht "hochwissenschaftlich"!Aber muß denn immer alles soo streng gehandhabt werden?Laien sind nun mal Laien.Aber hat die Wissenschaft nicht oft genug mit der Hilfe von Laien Fotschritte erzielt?
Frage: Wenn nur hochwissenschaftliches Wissen(in Form von Bilder,Mineralienlisten eines Fundortes...)akzeptiert wird,kann man da noch Leute für dieses(für mich ja Hobby) Thema begeistern?
Dann können ja nur noch Leute mit dicker Brieftasche(teure Analysen)mit machen.
Ich selbst habe mich für die 3.Idee der Münchner entschieden und befürworte sie deutlich.Jetzt müßten die Macher dieser Seiten eine eindeutige Meinung äußern und bei Unsicherheiten unterstützend eingreifen.
Ach,Herr Seitz: Ich möchte mich mal bei allen Münchnern,besonders Peter Köhlen,für die Hilfe bedanken!
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Möglichkeit 3 ist absolut praktikabel. So läuft es auch auf Mindat (allerdings mit vorgeschaltenem Begutachtungs-Prozeß der Manager).
Wenn es irgendwelche Infos darüber gibt, ob und wie das Mineral bestimmt wurde, sollten diese in jedem Fall in der Bildunterschrift stehen.
Es versteht sich natürlich von selbst, dass z.B. bei typischen Quarzkristallen nicht dabei stehen muss "visuell bestimmt".
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Hallo
Ich habe so manchmal das Problem zB.den Fundort zu bestimmen (Ich arbeite im Gartenlandschaftsbau) bei Fundsachen in
groben Kiesen,die Lieferfirmen geben keine Auskunft über die Herkunft .Also -Baustellenfund-
Gruß Achim
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Hallo!
Möglichkeit 3 ist ganz normal und gängig in jeder Sammlung.Wenn Diskussionen aufgrund Zweifeln entstehen,muß man sich als Bildersteller eben Gedanken machen und ist in Erklärungsnot.Das kann aber nicht so schlimm sein,da jeder was aus den Diskussionen lernen kann.
Gruß Jens
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Hallo Manfred,
natürlich ist nur der 3. Vorschlag gangbar!
Ich könnte zum Thema "Mineralbestimmung" einen Roman schreiben, darf ich aber vermutlich nicht. Daher nur ein paar kleine Hinweise.
Stelle ruhig Bilder rein und schreibe "Unbekannt, vermutlich xxxx". Wer sich über Mineralien eines Fundortes informieren will stößt auf diese Bilder und ist a) gewarnt und b) weis er vielleicht mehr als wir.
Fehlbstimmungen gehören zu unserem Hobby wie das Salz in der Suppe. Allerdings lassen sich zu "lässige" Fehlbestimmungen vermeiden, wenn wir nur mehr Angaben zu dem abgebildeten Mineralien, bzw. zu den Mineralien ganz allgeimein hätten. Röntgendaten usw. helfen mir nicht, genausowenig wie der tolle Hinweis " Analyse per EDX, WDX, PXRD, SXRD, EMPA". Ich meine, ich weis was gemeint ist, aber ich weis immer noch nicht woran ich das Mineral erkenne und ob der Analytiker überhaupt richtig analysiert hat? Letzteres nehme ich zu seinen Gunsten an, Ersteres ist aber existenziell. Ohne Angaben zur Paragense, Vorkommen, Entstehung, physikalische Eigenschaften, Ausbildung usw. usw. sind die Bilder zwar hübsch, aber oft sinnlos.
Gerade bei selteneren Arten oder schwer zu bestimmenden Mineralien ist das überaus wichtig und wird leider viel zu oft vernachlässigt.
Klassisch ist die Unterscheidung Laurionit-Fiedlerit. Schaut man nur Fotos, sind die Mineralien eigentlich ohne Analyse nicht bestimmbar. Soweit mag ich dem "grobgestickten" Bestimmern recht geben. Aber wäre da nicht die kleine Dreiecksfläche an der Spitze, die den Fiedlerit eindeutig als Fiedlerit kennzeichnet, denn Laurionit hat diese Fläche nicht. Macht nichts, denn bis heute suchen Leute krampfhaft die V-Streifung der Laurionite, die nicht nur selten, sondern auch sehr schwer erkennbar ist.
Ich denke, gerade ihr als "Stufenarchiv" habt die besondere Aufgabe diese Stüfchen auch angemessen zu dokumentieren, im Besonderen wenn solche bestimmungsrelevanten Details bekannt sind. Wenn nicht, aber jemand anderes das weis, müsste er es hinzufügen können, aber wenn möglich ohne 6 semestrige EDV-Ausbildung.
Um klar zu machen warum ich die Dokumentation für so wichtig halte nimm mal als weiteres Beispiel den Redgillit. Hätten wir damals nur mehr Hirn gehabt und etwas weniger Gier, wäre uns aufgefallen, das so mancher Malachit den wir weggeschmissen haben eine seltsame Farbe zeigte. Das Mineral würde heute warscheinlich Sauerlandit oder Siegerlandit heissen. Aber keiner ist nur auf die Idee gekommen sich die Biester mal genauer zu betrachten, denn grün und nadelig war Malachit, basta! Und ab in die Tonne damit. Das war unwissenschaftlich, dumm und zu kurz gedacht. Seit dem hebe ich von jedem merkwürdgen Stück etwas auf...man weis ja nie! Hellblau und schuppig war Schulenbergit, basta. Als die Nanuwit-Funde uns dann überschwemmten, weil einer mal genauer hingesehen hat, waren wir baff...Alexanderramsbeckit...nöö ne!
Und warum das ganze? Weil wir einfach nicht darauf getrimmt waren genau zu beobachten. Hellblau war analysiert worden, und es war Schulenbergit, also war alles hellblaue tafelig-schuppige Schulenbergit. Wer ist schon auf die Idee gekommen, das die geraden Tafeln etwas Anderes sein konnten. Und bis heute laufen mir immer wieder "Namuwite" über den Weg, die Gordaite sind. Ich tröste mich immer mit dem Gedanken, das eigentlich jeder zweite Brochantit in meiner Sammlung auch ein Antlerit sein könnte (wer weis schon wie ein Antlerit im Unterschied zum Brochantit aussieht), dafür anber garantiert keiner der gekauften Antlerite auch wirklich einer ist....usw. usw.
Beschreiben der Mineralien, so genau wie möglich bringt uns da weiter, wen auch nicht zu 100% aber es reduziert die ganz fahrlässigen Fehlbestimmungen. Und Beschreibungen von "NoNames" erhöht die Möglichkeit diese nachher doch bestimmen zu können.
Und da das kein Roman werden darf,
Gutes Nächtle
Ulrich
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Hallo,
es gibt doch nur drei Fälle:
- Klassiker, die jeder sofort, spätestens nach Strich oder Säuretest einordnen kann: Kein Kommentar nötig
- Wackelkandidaten: Z.B. (?) als Kennzeichnung
- Analysisierte Kandidaten: Anmerkung der Analysenmethode.
oder?
LG
Frank
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Der Meinung von Frank kann ich mich anschließen.
Uwe
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Hallo,
dem kann ich ebenfalls zustimmen. Bei allen nicht näher beschriebenen Stücken gehe ich davon aus, dass sie nur visuell bestimmt wurden und daher die Angaben mit Vorsicht zu genießen sind. Bei den wenigen Stücken von mir, die bisher analysiert sind, habe ich das auch bei den Fotos vermerkt.
bis denn
Günter
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Hi
Ich sehe es ebenso wie Frank.
"Visuell bestimmt" würde ich nie extra hinzuschreiben, da das ansich automatisch der Fall ist (auch wenn man mal daneben liegt) - immerhin dürften sich relativ wenige Blinde unter den Mineraliensammlern befinden 8).
Zum Thema "Bestimmungssicherheit": Hier kann man sich nur darauf verlassen, das derjenige, welcher die Analyse durchgeführt hat (wie und womit auch immer) gewissenhaft gearbeitet hat. Zudem kann man noch eine grobe Hierarchie in der möglichen Fehlerhaftigkeit einer Analyse zugrunde legen; Visuell bestimmt ist schon vom Prinzip her fehlergefährdeter als z.B. eine EDX- oder Röntgenanalyse. Die Glaubwürdigkeit der Angabe steigt dann mit der Art der durchgeführten Analyse.
Auch die Erfahrung des "Analytikers" ist sicherlich ein Faktor, allerdings lässt sich Erfahrung schlecht auf Bildern erkennen und somit für Bildbeiträge praktisch obsolet.
@UlrichW: Da es sich bei der Mineralogie um eine Wissenschaft handelt, sollten alle Funde grundsätzlich kritisch betrachtet werden, ebenso wie Fundortlisten - beides kann Fehlerhaft und/oder unvollständig sein. Sammelt man blind nach Listen und dem, was man "glaubt zu wissen", kann man eigentlich gleich aufhören nach bestimmten Mineralien zu sammeln (Stichwort Systematik) sondern nur noch nach Optik.
Paradebeispiel für fehlerhafte Fundortlisten: Coelestin von Helgoland. Nur durch einen Hinweis eines Sammlerkollegen hab ich mir mal die Mühe gemacht, eine Coelestinkristall unter das REM zu legen bzw. auch zu Röntgen. Hätte ich das nicht gemacht, hätten immernoch jede Menge Sammler Coelestin von Helgoland in ihrer Sammlung, jetzt ist es Baryt ! Ich konnte übrigens den Ursprung der Legende Coelestin auf einen knapp 10-zeiligen Artikel im Aufschluss zurückführen, wo eine Sammler lapidar beschrieb "Man findet auch blassblaue Tafeln von Coelestin". Seit jenem Tag findet sich überall in der Literatur Coelestin anstatt von Baryt. Seit dem bin ich auch vorsichtiger geworden.
Was lernen wir daraus: Letztlich muss man sich jeden Fund äußerst gründlich anschauen, jede Fundortlist kritisch hinterfragen und so gut wie möglich analysieren. Letzteres ist leider nur wenigen vergönnt. Aber auch ohne Zugang zu aufwendiger Analysetechnik kann man durch vergleiche etc. sicherlich die "üblichen Verdächtigen" vom ungewöhnlichen trennen. Ok, gerade beim besagten Coelestin von Helgoland hat das offensichtlich versagt, aber ich wage gar nicht daran zu denken, wieviele neue Mineralspecies noch unentdeckt in den Sammlungen verborgen liegen :o
Das große Problem, was solch eine gewissenhafte Vorgehensweise mit sich bringt ist, das man doch recht viele Fragezeichen in seiner Sammlung hat (geht mir jedenfalls so). Aus diesem Grund habe ich mich auf eine Hand voll Fundorte eingeschossen und schaue etwas genauer hin, alle weiteren fächere ich auch nur grob ab bzw. werde nur dann aktiv, wenn mir etwas arg spanisch vor kommt.
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Hallo Markus,
dein Helgoland-Beispiel ist zum quitschen komisch. Leider ist es auch traurig, da offensichtlich eine ganze Menge Sammler sich nicht die Mühe machen die Stücke auch mal genauer zu betrachten. Oft ist wohl der Wunsch Vater des Gedanken. Gerade der Coelestin ist doch an der Bruchfläche so einfach zu unterscheiden.
"Das große Problem, was solch eine gewissenhafte Vorgehensweise mit sich bringt ist, das man doch recht viele Fragezeichen in seiner Sammlung hat.."
Ich betrachte meine Bestimmungen im Falle schwierig zu diagnostizierender Minerale immer als "Arbeitsname". Es gibt sehr viele Minerale, gerade im Mikrobereich, die nach wissenschaftlicher Sicht unbestimmbar sind, da es einfach zu viele Verwechselungsmöglichkeiten gibt.
Für mich als Hobbyist stellt sich daher weniger die Frage, ob das Mineral wirklich 100%ig exakt bestimmt ist, sondern vielmehr ob ich argumentative Gründe für meine Bestimmung vorweisen kann. Sätze wie: "Das steht doch in der Fundortliste", "Das hat xy mal analysieren lassen" oder "Der Fundortguru Martin Mustermann hat gesagt das es das ist" sind für mich nicht stichhaltig. Wohl aber sind schlüssige Bilder und/oder eine vernünftige Mineralbeschreibung mit Paragenese, diagnostische Hinweise etc. eine qualitative Aussage.
Letztendlich bleibt aber immer eine Ungewissheit. Bei vielen Mineralien verweigere ich mich aber auch der Wissenschaft. Agardit ist für mich immer noch Agardit, und wenn es tausendmal Zalesiit ist. Ich kann das nicht erkennen, also ist das Mineral für mich Agardit. Und das ich keinen Zalesiit in meiner Sammlung habe kompensiere ich mit eben 20 Agarditen...einer wird schon en Zalesiit sein! Und Chabasit ist für mich Chabasit, egal welche Erdalkalie gerade überwiegt.
Was solls, hauptsache es macht Spass!
Glück auf
Ulrich
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Gerade der Coelestin ist doch an der Bruchfläche so einfach zu unterscheiden.
Naja, sowohl Baryt als auch Coelestin haben perfekte Spaltbarkeit nach {001}, hinzu kommt, das die Baryte von Helgoland selten größer als 5mm werden. Da kann man schon verstehen, weshalb einem solch ein Fehler unterlaufen kann. Allerdings hätte bereits eine einfache qualitative chemische Untersuchung hier Sicherheit gebracht. Ich laste diesen Fehler keinesfalls dem Sammler an, der um 1955 herum besagten Helgolandartikel - oder besser Absatz verfasst hat. Das war ein einfacher Besucher, der als einer der ersten auf der Insel Mineralien gesammelt hat. Schlimmer finde ich, das selbst in Büchern und nachfolgenden Artikeln, teilweise von Personen aus der BGR, sich offenbar niemand die Mühe gemacht hat, das mal zu überprüfen. Gut, die hatten immer andere Schwerpunkte, aber irgendwie finde ich so was schon etwas "schlampig". Naja, generell ist Helgoland bisher noch recht jungfreuliches Terrain, da kann man sich noch ganz gut austoben. Bevor ich angefangen habe, dort etwas genauer hinzuschaun, gab es rund zehn Minerale in der Liste, heute sind es schon fast 30 ! Hinschauen lohnt sich :) Vielleicht kommt ja auch noch mal der Helgolandit...
Gut, und was die ganze Systematik betrifft, da kann man vielmals ohne aufwändige Analysen eh nicht mithalten. Selbst wenn man Zugang zu Analysetechnik hat ist es schwierig, wirklich jedes Fundstück zu analysieren. Hier muß man natürlich im Hinterkopf behalten, das die Systematik letztlich dazu dient, den Aufbau und evtl. Verwandtschaften von Mineralen zu verstehen und in einen sinnvollen Kontext zu bringen. Das klappt - nach meiner Meinung - auch nicht immer ganz und so manche Entscheidung der IMA ist für mich nur schwer nachvollziehbar. Aber wie Du schon sagst, letztlich soll das Hobby ja auch Spass machen. Und wenn man einen Fundort dann auch noch besonders gut "bearbeitet", dann kommt sogar noch ein gewisser wissenschaftlicher Wert hinzu.
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Hallo liebe Forum-Gemeinde,
ich denke, daß jetzt keine nennenswerten neuen Beiträge mehr zu erwarten sind. Zeit also für ein abschließendes Fazit. Herzlichen Dank an alle, die durch ihre sachlichen und konstruktiven Beiträge zu den Erkenntnissen beigetragen haben, zu denen wir Münchener Micromounter im Zusammenhang mit unserer Lithothek gekommen sind. Und was sind nun diese Erkenntnisse?
1.) Wenn wir ein Photo unter dem Mineralnamen einer bestimmten Fundstelle zuordnen, dann tun wir dies nur, wenn wir glauben, mit unserer Mineralangabe und Fundstellenzuordnung richtig zu liegen. Wir versuchen, die Stufe dabei möglichst gut zu beschreiben.
2.) Wenn eine Stufe analysiert ist, dann werden wir diese Information erwähnen, wobei die Angabe, mit welcher Technik und durch wen die Analyse erfolgte, zunächst nicht weiterführt. Insbesondere die Information "visuelle Bestimmung" scheint uns nicht hilfreich zu sein.
3.) Dieses Vorgehen schließt natürlich mögliche Fehler nicht aus. Wenn wir aus dem Kreis der Nutzer kritische Hinweise erhalten, dann werden wir diesen Hinweisen immer nachgehen. Abhängig vom Ergebnis unserer Recherchen werden wir eine der folgenden Vorgehensweisen wählen:
4.) Wenn wir auf mögliche Fehler unsererseits hingewiesen werden, dann werden wir diesen Hinweisen immer nachgehen und etwaige Fehler berichtigen. Dies kann bedeuten: Andere Mineralbezeichnung, andere Fundstellenzuordnung, erweiterte oder geänderte Stufenbeschreibung, im Extremfall: Entfernen der Stufe aus dem Atlas.
5.) Wenn wir uns von vornherein nicht sicher sind, dann werden wir das Photo zunächst nicht im Lexikon ablegen, sondern im Forum zur Diskussion stellen und gegebenenfalls erst nach abgeschlossener Diskussion ins Lexikon übernehmen.
Zwei Dinge sind uns ganz wichtig.
6.) Wir stellen ein Photo nicht in den Atlas, weil es so schön ist, sondern weil wir wollen, daß es den Atlas weiter bringt. Das ist vor allem dann der Fall, wenn es bisher im Atlas kein Photo zu einem bestimmten Mineral einer bestimmten Fundstelle gibt, bzw. wenn unser Photo eine Ausbildung zeigt, die bisher im Atlas nicht gezeigt wird. Nur gut 50% der Photos von Lithothekstufen gehen nach bisherigen Erfahrungen in den Atlas ein.
7.) Die hinter den Photos stehenden Stufen sind ausnahmslos Sammlungsstücke der Lithothek, die physisch vorhanden sind, und auf die im Zweifelsfall immer (auch für Analysezwecke) zurückgegriffen werden kann. In keinem einzigen Fall kopieren wir das Photo einer Stufe von woher auch immer in den Atlas, wenn wir keinen Bezug zu der Stufe haben.
In diesem Sinne nochmals vielen Dank für die Beiträge. Wir wünschen uns viele interessante Bilder und Diskussionen auch in der Zukunft
Manfred Seitz
für die Münchener Micromounter
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2.) Wenn eine Stufe analysiert ist, dann werden wir diese Information erwähnen, wobei die Angabe, mit welcher Technik und durch wen die Analyse erfolgte, zunächst nicht weiterführt. Insbesondere die Information "visuelle Bestimmung" scheint uns nicht hilfreich zu sein.
Hallo Manfred,
ich kann dir in fast allen Punkten beistimmen. Aber einen Hinweis auf die Analysenmethode halte ich für angemessen.
Beispiele: Per EDX sind Titanoxide nicht unterscheidbar, per Raman und XRD sehr wohl. Schwefel funktioniert in der FT-IR nicht. Monazit gibt gerne Probleme im Raman. usw usw...
Wer es gemacht hat sollte egal sein :-)
Aber meine Meinung (ich frage hier in der Firma auch immer nach, wie das Ergebnis erzielt wurde). Auch meine Meinung: Die die MM-Fotos sind eine Bereicherung!
LG
Frank
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Hi Manfred und alle Interessierten,
d'accord soweit, bis auf Punkt 2, denke da hilft es schon, wenn die Analysenmethode angegeben wird. Recht haste, wenn "visuell bestimmt" nicht extra aufgeführt wird, vielleicht gibt es die Möglichkeit, folgendes in den Bilderpool einzufügen:
"...falls nicht anders erwähnt, wurden die Minerale visuell bestimmt..."
oder so ähnlich
Glück Auf!
GEOMAXX
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Ok, man kann ja (falls bekannt) die Analysemethode angeben. Allerdings wird das kaum vorkommen z.B. bei Titanoxyden: Dort haben wir bisher rein visuell und ohne Zweifel Anatas, Rutil und Brookit unterschieden. Selbst die Brookit-Varietät "Arkansit" hat bei und bisher nie zu einem Analysebedarf geführt.
Natürlich wäre es toll, möglichst viel analysieren zu lassen. Aber die finanziellen Mittel setzen für den Normalsammler natürliche Grenzen.
LG
Manfredf
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Hallo,
mein "Arkansit" hat sich als Rutil (Raman) entpuppt ;-) Aber lassen lassen wir es doch einfach bei: Keine Anmerkung = Visuell.
MfG
Frank
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Bin auch definitiv der Meinung, dass die Analysenmethode angegeben werden sollte. (Man glaubt manchmal gar nicht, auf welcher Basis da eine "eindeutige Identifizierung" erfolgt).
Idealerweise sollte auch die Person angegeben werden, damit man im Zweifelsfall Rücksprache halten kann.
(Es kommt leider nicht selten vor, dass Analysen, die von Nicht-Mineralogen durchgeführt werden, zu fragwürdigen bis lustig-absurden Ergebnissen führen. Auch Mineralogen/Geowissenschaftler, die sich nur peripher mit systematischer Mineralogie beschäftigen, können schnell ins Straucheln geraten. Mineralbestimmung ist und bleibt oft schwierig, wenn man von "Wald-und-Wiesen"-Mineralien absieht).
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Da taucht jetzt gerade für die vielen MMs aus der Lithothek ein neues gravierendes Problem auf:
Viele der Stüfchen stammen aus alten Sammlungen - da befinden wir uns ja bei einer der Grundideen der Lithothek - und manchmal sind die früheren Besitzer nicht mehr zu befragen.
Soll man deswegen darauf verzichten, solche Bilder einzustellen, insbesondere, wenn die Mineralien für eine Fundstelle selten sind, besonders attraktiv oder sonstwie beachtenswert erscheinen.
Ist es nicht auch eine Aufgabe der sach- und fachkundigen Mitglieder des mineralienatlas, hier auftauchende Fragen zu stellen, Ideen einzubringen und auch andere zum Nachdenken anzuregen? Und das bitte ohne die gelegentliche Häme, die manchmal (glücklicherweise nur selten) auftaucht.
Glückauf
anatasi
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Da taucht jetzt gerade für die vielen MMs aus der Lithothek ein neues gravierendes Problem auf:
Viele der Stüfchen stammen aus alten Sammlungen - da befinden wir uns ja bei einer der Grundideen der Lithothek - und manchmal sind die früheren Besitzer nicht mehr zu befragen.
Soll man deswegen darauf verzichten, solche Bilder einzustellen, insbesondere, wenn die Mineralien für eine Fundstelle selten sind, besonders attraktiv oder sonstwie beachtenswert erscheinen.
Ist es nicht auch eine Aufgabe der sach- und fachkundigen Mitglieder des mineralienatlas, hier auftauchende Fragen zu stellen, Ideen einzubringen und auch andere zum Nachdenken anzuregen?
Hallo,
in meinen Augen steht diese Frage nciht zur Debatte. Es sind gute Bilder, mit Sachverstand begutachtet und warum dann nicht?
Also visuell bestimmt, Fundort nach bestem Wissen und Gewissen und immer kompetent bei Nachfragen.
Warum das "nicht einstellen"?
MFG
Frank
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Hallo, mein Statement paßt nicht ganz zur Ursprungsdebatte. Aber je feiner die technischen Bestimmungsmethoden werden, desto schwieriger werden die visuellen Bestimmungen. Ich nehme nur mal als Beispiel meine Heulandite aus St.Andreasberg als Beispiel. Vor 10/15 Jahren war das Heulandit. Welcher Heulandit ist es denn jetzt? Heulandit-Ca,Heulandit-K,Heulandit-Na oder Heulandit-sr, inzwischen sind es womöglich noch mehr geworden. Ohne Untersuchung brauche ich doch jetzt gar keinen Heulandit in das Lexikon einstellen, oder sollte man bei der Grundbezeichnung Heulandit bleiben? Aber inzwischen sind ja die mit "Y" und weiteren bezeichneten Mineralien immer mehr geworden. Auf den Heulandit bin ich jetzt mit der Nase gestoßen worden, weil ein Sammler von mir ein Stück tauschen wollte, aber die genaue Bezeichnung wissen möchte. Aber ich bin ja nicht blöde und lasse z.B. 3,--/Euro-Stücke röntgen.
Glückauf
Willi
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Willi hat ein interessantes Thema angeschnitten. welches zumindest für mich die geforderte supergenaue Bestimmung zumindest für uns Hobbysammler "at absurtum" führt. Es mag für Wissenschaftler, welche darüber promovieren wollen, wichtig sein die Minerale formelgenau anzusprechen. Was soll es aber bringen, wenn man nach einer komplizierten Analyse das Ergebnis erhält, daß es eigentlich kein reines Mineral mehr gibt, sondern fast immer Zwischenglieder zwischen zwei oder drei nur theoretisch existierenden Endgliedern? In wenigen Jahren wirde es, wenn es so weiter geht, kaum noch eine verständliche Nomenklatur der Minerale geben
Für mich ist die Dokumentation des genauen Fundpunktes viel wichtiger, als zu wissen welche Elemente sich so in ein Kristall eingeschlichen haben.
Uwe
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Vor 10/15 Jahren war das Heulandit. Welcher Heulandit ist es denn jetzt? Heulandit-Ca,Heulandit-K,Heulandit-Na oder Heulandit-sr, inzwischen sind es womöglich noch mehr geworden.
Hallo,
da sprichst Du ein ganz, ganz übles Thema an. Selbst ich als Mineraloge sehe mich außerstande, bei vielen dieser modernen Benennungen einen wirklichen Sinn zu erkennen. Ganz schlimm war das vor einiger Zeit mit den Apatiten, hätte man das konsequent zu Ende geführt, würden wir heute von Halit-(Pb,S) reden anstatt von Galenit (was schon schlimm genug ist, ich bevorzuge immer noch Bleiglanz).
Meine persönliche Meinung ist, wir sollten diese nomenklatorischen Feinheiten nicht allzu ernst nehmen. Wenn der exakte Chemismus bekannt ist, sollte man ihn natürlich angeben, aber sonst sehe ich ganz einfach keinen Nutzen für den Mineraliensammler darin (und für die Mineralogie als solche in vielen Fällen auch nur einen sehr begrenzten).
Aber vielleicht bin ich auch ganz einfach nur zu alt, um das wirklich würdigen zu können ...
Gruß,
Klaus
Nachtrag: Während ich das Obige geschrieben habe, hat Uwe in die gleiche Kerbe gehauen. Volle Zustimmung, gerade auch wegen des Themas Fundorte.
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Hallo, wie lange wird es noch dauern, daß auch bei Bleiglanz und Fahlerz, die ja auch Silber enthalten, in der Formel auftauchen? Oder ist das ein Hirngespinst für studierte Mineralogen?
Gruß willi
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Hallo,
Ich sehe es als Mineraloge genau so wie Klaus (kks) und wilbi.
Wegen solcher Kleinigkeiten wie fehlender Analyse sollte man keine Bilder weglassen. Hauptsache ist, dass der Fundort stimmt und das Mineral zumindest rein optisch den für das Mineral verfügbaren Bestimmungskriterien entspricht. Eine Analyse ist immer dann vonnöten, wenn das Mineral ungewöhnlich erscheint oder für den Fundort noch nicht beschrieben wurde. Ansonsten müsste man wohl über die Hälfte der Bilder im Lexikon löschen.
In den meisten Fällen ist es relativ egal, ob es sich um einen Heulandit-Ca,Heulandit-K,Heulandit-Na oder Heulandit-Sr handelt. Das spielt maximal eine Rolle, wenn es um Ionenaustauscher oder Katalysatoren geht, nur nimmt da die chemische Industrie lieber synthetische Zeolithe.
Als Sammler beschrifte ich meine Zeolithe und REE-Mineralien meist mit dem Gruppennamen. Nur wenn es anhand von Analysen oder fundorttypischer Paragenese kaum oder keine Zweifel gibt, verwende ich den Suffix. Genauso problematisch ist das mit Amphibolen. Soll ich jeden Hornblendektristall und jeden Amphibolit unter die Mikrosonde schieben, nur damit ich hinterher weiss welche drei oder vier Endglieder ich da gefunden habe?
Für Bleiglanz kann ich da Entwarnung geben: Silber kann maximal in weniger als 1 Prozent im Gitter gelöst auftreten, viel zu wenig, damit das formelwirksam ist. Es gibt so gut wie keine Mischbarkeit, AgS ist meines Wissens unbekannt. Hohe Ag-Gehalte beruhen meist entweder auf Einschlüssen (mechanische Beimischung) von Silber oder Pyrargyrit/Proustit, oder auf der Hochtemperaturmischbarkeit mit Schapbachit (AgBiS2).
Bei Fahlerz ist es schwieriger. Silber kann hier den Gehalt an Cu überwiegen, was dann zu den Endgliedern Freibergit und Argentotennantit führt.
Glück Auf!
Sebastian
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Den vorherigen Meinungen kann ich nur beipflichten, oft besteht nicht die Möglichkeit für eine Analyse ( eine ist manchmal nicht ausreichend) oder einfach auch nicht die Notwendigkeit. Das sollte kein Hinderungsgrund sein, das Bild nicht im Lexikon zu veröffentlichen, wenn die Funndstelle unzweifelhaft ist.
Mir wäre es z.B. egal ob in einer Phase das Mg/Fe- Verhältnis bei 51% (Dolomit) liegt oder doch nur bei 49% (Ankerit) und was wäre wenn außerdem noch Mn beteiligt ist. Die alte Bezeichnung "Braunspat" wäre n.M.n. treffend und völlig ausreichend.
Es spricht ja auch nichts dagegen, mehrere Zuordnungen gleichzeitig zu treffen:
*Dolomit
*Ankerit
*Dolomit-Ankerit-Reihe
... und evtl noch (nicht IMA-konform) zu
*Braunspat
An "Wolframit" stört sich auch niemand, obwohl es eigentlich "Ferberit-Hübnerit-Reihe" heißen müsste. Das ist aber sicher auch ein psychologiches Problem. Wolframit klingt so schön definitiv, während der Bindestrichausdruck doch eher nach Zweifeln klingt.
Ich könnte mir auch eine Beschreibung vorstellen, die etwa wie folgt lautet:
"Blaue Kruste von Langit oder Posnjakit oder Wroewolfeit, EDX-analysiert"
Wobei das Bild allen drei Mineralen zugewiesen ist.
Dabei sind zwei der drei Zuordnungen natürlich falsch, aber der (aufmerksame) Leser sollte stutzig werden und vielleicht angeregt werden, sich eventuell näher mit dem Problem zu beschäftigen. So ergibt sich quasi nebenbei noch ein edukativer Effekt.
Wie ist eure Meinung dazu? Sollte von der Möglichkeit von Mehrfachzuordnungen (öfter/überhaupt) Gebrauch gemacht werden?
Thomas
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Hallo,
Ich finde das ist der falsche Ansatz. Einfach
den Namen aufschreiben den man wissen kann.
Sprich Gruppennamen bei Mischkristallreihen ohne endgültige Bestimmung. Fertig.
Keine Fragen, keine falschen Zuordnungen und wenn es mal genauer bestimmt wird, kann man es noch genauer zuordnen.
Es ist doch wie bei den Fundstellen und der Hierarchie.
Gruß Sebastian
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Hallo Gemeinde,
als eher Sammlerlaie möchte ich natürlich auch meinen Senf dazu geben. Ich handhabe es so, dass ich ohnehin alle Daten eintrage, die ich zu diesem Mineral habe. Da die meisten ohnehin visuell identifiziert werden, würde ich das nicht extra mit erwähnen. Zudem traue ich mich nicht, Bilder der Stufen einzustellen, zu denen ich keinen Fundort habe. Das wäre das Einzige. Also kennzeichnen, dass die Fundortangabe eventuell falsch ist. Dann wären aber theoretisch alle Stufen und deren Fundort fraglich...
Vielleicht ein Button mit "unsichere Bestimmung" oder so.
Beste Grüße
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Hallo zusammen,
bei uns in der Lithothek gibt es Arbeitstreffen, bei denen wir uns anschauen, was in unserer Sammlung von einem Fundort in der Sammlung vorliegt. Üblicherweise sind wir etwa fünf Leute, die sich Stück für Stück anschauen, bewerten, Bestimmungen hinterfragen. Für eine Fundstelle kann es auch mal zehn Treffen brauchen, bis wir durch sind. Wohlgemerkt, die Sammlungsstücke snd aus unterschiedlichen Quellen, d.h. von unterschiedliche Personen und eventuell auch Ketten von Personen, in die Sammlung gekommen: Spenden, Sammlungsauflösungen, Zukäufe, Exkursionen unseres Vereins...
Das, was wir an Stufen bekommen, trägt meist schon eine Bezeichnung/Bestimmung. Und die wird eben in den Treffen hinterfragt - wobei wir versuchen, immer auch Spezialisten mit einzuladen - und jetzt wird es interessant: wir stellen immer wieder fest, dass viele Bestimmungen gar nicht sicher sind - nicht einmal die Gruppenbezeichnung - durchaus auch bei Allerweltsmineralien.
Das mag z.B.ein Stück sein, was als Isokit bezeichnet ist (den es am Fundort gibt) - weiß jemand aus der Gruppe, wie Isokit aussieht? Ist das Stück interessant? Was ist die Paragenese? Lohnt sich eine Analyse? Wenn ja - verstehen wir das Ergebnis? Haben wir vom richtigen Material etwas zur Analyse gegeben? Weiss dann der Fotograf, was er Aufnehmen soll?
In einem anderen Fall war die Stufe mit Aurichalcit bezeichnet (Geschenk von einem Spender außerhalb der Gruppe). Am zugehörigen Fundort wird Aurichalcit genannt, aber Zweifel kommen auf: Malachit? Serpiert/Devillin? Da gibt es nicht eine Gruppenbezeichnung. So passiert es im übrigen häufig. (P.S.: Analyse ergab Serpiert).
In wieder einem anderen Fall liegt ein Strengt bezeichnetes Mineral vor. Interessante Paragenese - uns unbekannt. Nebenbei stellt sich dann heraus, dass es kein Strengit war sondern Preisingerit.
Und Bismutit ist wahrscheinlich nicht so häufig, wie es auf den Etiketten steht…
Was tun? Die ursprünglichen Bezeichnungen kommen meist nicht von uns, wir übernehmen zunächst die Stufen so, wie wir sie bekommen…
Also ein erstes Fazit der Arbeit:
1) 10 Augen sehen mehr als zwei, auch die interessante Paragenese neben dem eigentlichen Mineral…
2) Gruppennamen helfen nicht. Und auch zehn Augen können irren.
3) Jemand muss wissen, was wir unter der Bezeichnung XY auf der Stufe sehen sollten - und der Fotograf sollte wissen, welche Stelle auf der Stufe er fotografieren muss…
4) Auch wenn wir das richtige Material zur Analyse gegeben haben, müssen wir (und auch der mit der Analyse Beauftragte) dann wissen, was das Ergebnis bedeutet (klingt trivialer als es ist). Es mag auch gelegentlich vielleicht etwas neues dabei sein. Und dann?
5) Schließlich müssen die Ergebnisse irgendwie irgendwo publiziert werden, und wenn man das als „Laie“ macht, wo geht man damit hin? (Nein, bitte jetzt nicht auf Magazine mit bunten Mineralienbildern hinweisen)
Insofern finde ich es garnicht so schlecht, Dinge hier einzustellen und dann eben das Plenum zu haben, das hoffentlich die richtigen Fragen stellt.
Grüße, Martin
P.S. Ich wollte nur mal wieder auf de Idee hinweisen, dass Bilder von Referenzstufen (also inclusive Analysen) vielleicht hilfreich wären, manches Missverständnis aufzuklären.
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Hallo zusammen
noch eine Ergänzung (Danke an Gerhard/Anatas ;-))
6) wenn dann bei der Eintragung hier im Atlas alle Läßlichkeiten wie dicke Finger, Verwechslung von Stufen/Fotodateien, Copy-Paste-Fehler, inkompatible Fundortbezeichnungen etc. durch aufmerksame Mitleser, hilfreiche Geister oder unser eigene Nachsuche korrigiert sind, stehen die Einträge im Atlas auch richtig drin...
;-)
Gruß, Martin
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Und wie macht Ihr das? Das sind ganz ehrliche und ernst gemeinte Fragen, die jetzt kommen.
Wie geht Ihr mit Eurer Sammlung um? Habt Ihr Zugang zu Analysen? Sprecht Ihr Eure Funde oder Käufe oder Täusche mit Sammlerkollegen regelmäßig durch?
Wie macht Ihr es in Eurer Sammlung mit >10'000 Stufen?
Was tut Ihr, wenn Ihr einen Nachlaß/ eine Sammlungsauflösung >3000 Stück übernehmt?
Was macht Ihr nach einem Kauf - analysieren lassen?
Wie viele von Euch haben einfachen Zugang zu Analysemethoden, wer kann solche Daten dann veröffentlichen?
Tatsächlich gehen in die Sammlung der Lithothek einige Tausend (vielleicht eher gute zehntausend?) Mannstunden Arbeit pro Jahr - geleistet von den Mitgliedern des Münchner Micromountern und jenen des Lithothekvereins.. Wieviel Arbeit ist das bei Euch?
Liebe Grüße,
Martin
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Servus Martin,
Du sprichst ein wichtiges Thema an. ich denke, ihr seid auf dem richtigen Weg - nach einigen Iterationen sollten sich viele Irrtuemer ausmerzen lassen.
Problematisch bleiben natuerlich all die Minerale, deren Bestimmung den Einsatz kostspieliger instrumenteller Analytik erfordert.
Nachstehend meine Antworten auf Deine Fragen.
GA
Harald
Habt Ihr Zugang zu Analysen? Ja
Sprecht Ihr Eure Funde oder Käufe oder Täusche mit Sammlerkollegen regelmäßig durch? Nein
Was macht Ihr nach einem Kauf - analysieren Ja
Wie viele von Euch haben einfachen Zugang zu Analysemethoden, wer kann solche Daten dann veröffentlichen? Habe ich
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Hallo Harald,
EDIT: Grad mitten im Tippen gabs einen Dicken Finger, eigentlich wollte ich noch mehr schreiben, also jetzt als Änderungsnachtrag...
Danke Dir für Deine Antworten!
Ich frage bewußt hier danach, was mit größeren Sammlungen passiert. Meine eigene ist klein... Da weiss ich eher, was ich tu. Andererseits weiss ich aber auch, dass immer wieder Leute Nachlässe übernehmen und das sind dann durchaus ein paar tausend Stück.
Daher die ernstgemeinte Frage. Aber natürlich trifft das auch kleinere Sammlungen. Das ist dann deutlich übersichtlicher und für Analysen leichter handhabbar. Aber wie Du richtig sagst
Problematisch bleiben natuerlich all die Minerale, deren Bestimmung den Einsatz kostspieliger instrumenteller Analytik erfordert.
Gruß
Gruss, Martin
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Hallo alle
Mit "übernehmen" hat Martin das Stichwort geliefert. Es ist mir beim Stöbern in den Bilderdiskussionen (also den noch aktuellen) aufgefallen. Vielfach wurden Bilder von dritter Seite, sei es von Ami-Händlern oder namhaften Fotografen, in den MA importiert. Sammlungsinhaber, Fotograf und Beitragsersteller (oft der einzige mit MA-Zugang) sind dann drei verschiedene Personen. Prinzipiell ist dagegen erst mal nichts einzuwenden, solange das Copyright respektiert wird - im Gegenteil!
Allerdings kann man sich nicht blindlings auf die fremden Angaben verlassen und gerade solche Bilder sollten vom Ersteller des Beitrags kritisch hinterfragt werden, denn auch der beste Fotograf ist kein Garant für eine sichere Bestimmung. Kann man auch gar nicht erwarten. Die Verantwortung für die Richtigkeit der Angaben hier im MA liegt in diesem Fall ganz allein beim Beitragsersteller. Bilder mit einer 10,0 aber falschen (oder zweifelhaften) Angaben sind der Sache des MA nicht dienlich.
Um so mehr erstaunt es mich, dass -wenn solche Bilder zur Diskussion gestellt werden- in vielen Fällen der Autor des Beitrags keinerlei Reaktion zeigt, selbst dann nicht, wenn die Diskussion mit dem Ergebnis abgeschlossen wurde, dass das Bild zu ändern ist, geschweige denn er ändert es selbst.
Nein, ich nenne kein Beispiel und auch keinen Namen :D
Thomas
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Moin
Ich melde mich auch nochmal zu dem Thema. Wie heißt es in der Bibel: Nicht sehen und doch glauben. Bei Mineralienfotos bzw. Mineralien sollte man das generell anders herum machen, sehen und doch nicht (blind) glauben (was irgendwer darunter geschrieben hat). Jeder Mensch ist fehlbar und keine Analyse ist perfekt, daher sollte man immer alles mit einer gewissen Skepsis betrachten. Das ist letztlich auch das grundlegende Prinzip des wissenschaftlichen Arbeiten, nicht einfach blind einer Annahme zu folgen. Ich habe mich z.B. lange und recht intensiv mit den Sekundärmineralen der Grube Glücksrad befasst, einiges zusammengetragen und konnte auch zahllose Analysen machen. Jetzt, nach ca. 20 Jahren fühle ich mich einigermaßen sicher, per Augenschein die Minerale von dort einigermaßen korrekt ansprechen zu können. Und damit meine ich noch nicht einmal, das ich jedes Mineral von dort sicher bestimmen kann, nein. Ich kann etliche mit gewisser Sicherheit bestimmen und viele weiter in entsprechende Gruppen packen, z.B. Langit/Posnjakit/Wroewolfeit. Die drei landen bei mir per Augenschein immer in einer Gruppe, eben der Langit/Posnjakit/Wroewolfeit-Gruppe und damit ist dann Ende. Gleiches gilt für Leadhillit/Susannit. Aber ich kann inzwischen z.B. Serpierit recht gut von Devillin oder Aurichalcit unterscheiden, das geht. Allerdings nur für die Glücksradhalde. Von einem anderen Fundort sieht das schon wieder ganz anders aus. Ich hoffe ihr versteht, worauf ich hinaus will: Mit endgültiger Sicherheit wird keine Bestimmung sein, schon gar nicht eine rein Visuelle. Und egal was wer wo wann für Bilder ins Netz gestellt hat, immer mit einem gewissen Zweifel schauen wenn man versucht, durch Vergleich selber zu Bestimmen. Daher habe ich bei mir in meiner Sammlungstabelle für jedes Mineral ein Extrafeld, wo ich die "Bestimmungssicherheit" eintrage. "Ok" heißt, besser als 95%, "?" besser als 85%, "??" schlechter als 85% aber mit begründetem Verdacht in die entsprechende Richtung. Danach kommt Unbekanntes Mineral. Natürlich ist auch diese Einstufung subjektiv, aber ich behaupte mal nach besten Wissen und Gewissen, mehr kann ich nicht machen.
Tja, und aus einigen hier genannten Gründen bin ich inzwischen auch von der "Systematiksammlerei" weg gekommen, da ich leider leider leider anhand eigener Analysen feststellen musste, das gerade auf diesem Gebiet bei vielen Händlern offenbar sehr oft der Wunsch (oder doch das eigene Bankkonto ?) der Vater des Gedanken war. Außerdem artet der Arbeitsaufwand immer mehr aus, je exotischer die Materie wird. Für mich blieb dann irgendwann der Spass an der Sache auf der Strecke. Aus gleichem Grund kaufe ich auch nur äußerst selten anderes Sammlungen komplett auf. Ich habe jetzt inzwischen zwei kleinere Sammlungen (ca. 2000 Stücke) übernommen und jedes Mal war der Arbeitsaufwand exorbitant, eben genau wegen der leidigen Bestimmungsfrage.
Inzwischen steht bei mir der Fokus mehr auf dem Eigenfund (gutes Timing, jetzt wo immer mehr Fundstellen verloren gehen) und auf "Schaustufen" bzw. Mineralen, die einfach nur schön aussehen. Da ist es - für mich - dann nicht so ärgerlich, wenn die Bestimmung nicht passt, am Aussehen ändert sich ja nichts.