Mineralienatlas - Fossilienatlas

Gesteine / Rocks / Rocas => Geschiebe / Glacial erratic => Thema gestartet von: karlov am 11 Oct 13, 18:30

Titel: Geschiebe von Mön mit Bitte um Bestimmung
Beitrag von: karlov am 11 Oct 13, 18:30
Hallo,
als Neuling in diesem Forum möchte ich gleich mal einige Fotos präsentieren, die bei meinem Mön-Besuch im Oktober 2013 entstanden. Es liegen NUR diese Fotos vor, da die Geschiebe zu groß/ schwer zum Mitnehmen waren. Eine bloße Bestimmung durch Augenschein von abgerollten Standgeschieben ist sicherlich problematisch, das ist mir bewußt, aber ich hoffe, daß der eine oder andere erfahrene Sammler typische/charakteristische/eindeutige Merkmale erkennen könnte.

Leider ist die Fotoqualität nicht die beste, daher der leicht milchige Schimmer, außerdem gibt es hin und wieder lästige Reflektionen des Sonnenlichts.

Ist DSC 1201 noch ein Porphyr?
Ist DSC 1386 ein Skolithen(Sandstein ja wohl kaum)?

Vielen Dank schonmal für die Mühe!

Titel: Re: Geschiebe von Mön mit Bitte um Bestimmung
Beitrag von: smoeller am 11 Oct 13, 19:00
Hallo,

Die ersten drei sind Granite, der 2. ist schon porphyrisch (mit größeren roten) Kalifeldspäten, aber kein typischer Porphyr (feinkörnige bis dichte Grundmasse mit größeren Einsprenglingen).

Das letzte ist ein Skolithussandstein. Sandstein kann verschiedene Korngrößen haben von schluffig (sehr kleines Korn) bis fast kiesig (sehr grobes Korn). Bei sehr feinen Sandsteinen kann es schwer werden, einzelne Körner ohne Lupe zu erkennen.

Glück Auf!
Sebastian
Titel: Re: Geschiebe von Mön mit Bitte um Bestimmung
Beitrag von: karlov am 12 Oct 13, 12:08
Vielen Dank schonmal für die erste Einschätzung! Kann man denn etwas genaueres sagen über die Herkunft der Granite? Oder sind charakteristische Merkmale, sofern sie am bloßen Foto auszumachen sind, durch Alteration der Feldspäte schwierig zu erkennen?

Beim ersten Granit (DSC 209) wirkt es so, daß eine graurote, feine Grundmasse neben schwarzem Biotit und gelbem Plagioklas vorliegt. Ist das nicht eher untypisch für Granite? Könnte es ein Granit von Bornholm sein?

Beim dritten Bild (DSC 1201) sind eine Menge grünliche Feldspäte auszumachen (Plagioklas, Epidotisierung?), die in einer Biotitmasse (?) schwimmen, Quarz ist gar nicht sichtbar?

Der Scolithus wirkte nicht wie ein Sandstein, war sehr glatt, sondern vielleicht wie ein Quarzit? Daß nach der Sedimentation noch einmal tektonisch was mit dem Stein passiert sein muß, belegt der Versatz der grossen, hellen Wurmröhre?



Titel: Re: Geschiebe von Mön mit Bitte um Bestimmung
Beitrag von: karlov am 12 Oct 13, 16:08
Zwei weitere habe ich noch.
DSC 1421 hat ein gneisartiges Gefüge mit viel Quarz, dunkleren Einsprenglingen und einem langezogenen, eingeregeltem, rötlich durcheinendem Mineral. Ein gewöhnlicher(Gneis)Granit?

DSC 1469: grünlich-schwarze kristalline Grundmasse mit rötlichen Einsprenglingen, was könnte das sein?
Titel: Re: Geschiebe von Mön mit Bitte um Bestimmung
Beitrag von: Jörg am 31 Oct 13, 09:22
Hallo Karlov,

Beim Bild 1116 würde ich unter Vorbehalt auf einen roten Revsund-Granit tippen.

Gruß
Jörg
Titel: Re: Geschiebe von Mön mit Bitte um Bestimmung
Beitrag von: karlov am 05 Nov 13, 00:51
Hallo Jörg, hallo Sebastian,

kann hinkommen, habe mal mit skan-kristallin verglichen. Vielen Dank!
209 und 1116 sind Granite, klar. Welche, das ist vielleicht auch einfach nicht möglich zu sagen. Aber was ist denn mit 1201, Jörg? Quarz erkenne ich nicht, weiße und grüne (oder oberflächlich vergrünte?) Feldspäte in schwarzer Grundmasse? Hier nochmal ein Ausschnitt, auch wenn die Fotoqualität wirklich nicht so dolle ist.

Rätselhaft ist auch nach wie vor DSC 1469. Vielleicht hätte man es auch nochmal angefeuchtet fotografieren sollen. Ein Gabbro wird es nicht sein, aber es wirkt mafisch, grobkristallin. Aber was haben die rosa Einsprenglinge (Kalifeldspat?) darin verloren?

Bezüglich der Fotoqualität und der Tatsache, daß die Gesteine nicht physisch vorliegen, um evtl weitere Eigenschaften festzustellen, muß man aber vielleicht auch akzeptieren, daß das Vorliegende für eine richtige Ansprache nicht geeignet ist.
Titel: Re: Geschiebe von Mön mit Bitte um Bestimmung
Beitrag von: Jörg am 05 Nov 13, 14:06
Hallo,

beim Bild 1469 denke ich in Richtung Ganggestein aus einer Mischung von basaltischer und einer helleren, feldspatreichen Schmelze, ähnlich der Entstehung der Kullaite.
Vergleichbare Gesteine wie Dein Fund stehen im Umfeld der NW-Dolerite, in Schonen flächenhaft an.
Mal ist bei denen der mafische, manchmal der helle feldspatreiche Anteil höher.
In manchen Varianten erinnern sie an Kullaite, bei denen die Genese die gleiche ist.

1201 ist vom Foto her eigentlich nicht zu bestimmen.
Selbst ein frischer Bruch würde nur Gewissheit über die hellen Bestandteile (Kalifeldspat oder Plagioklas) geben.
Als Leitgeschiebe gänzlich unbekannt, obwohl vergleichbare Gesteine als Geschiebefunde in der W Vigsø-Bucht (Nord DK) durchaus nicht selten sind.
Aufgrund der Häufung in Geschiebegesellschaften, käme das Oslo-Rift, Süd- und Ostschweden als Herkunftsgebiete in Betracht.
Bei Geschieben, bei denen ich einen frischen Bruch erzeugte, zeigten sich die weißen Minerale als Kalifeldspäte.
Die Matrix lässt sich mit der Lupe nicht weiter deuten. Da kann ich durchaus verstehen, dass Du keine ANgaben zum Quarzgehalt o.ä. machen kannst.
Aufgrund von bestimmten Graniten aus der Nähe Stockholm, könnte über eine hydrothermale Phase des Vulkanismus in dem Gebiet spekuliert werden, doch mehr als eine Spekulation bleibt es leider nicht.
Bekannte Anstehende sind nicht bekannt (vermutlich abgetragen).
Eine monomikte Impaktbrekzie kann auf jeden Fall ausgeschlossen werden.
Könnte allerdings auch in Richtung Sala-Granit gehen: http://www.kristallin.de/s1/f_sala.htm#Anker1 (http://www.kristallin.de/s1/f_sala.htm#Anker1); ebenfalls in der späten fluiden Phase entstanden.


Beste Grüße
Jörg

Titel: Re: Geschiebe von Mön mit Bitte um Bestimmung
Beitrag von: karlov am 10 Nov 13, 14:36
Vielen Dank, Jörg, für die Ausführungen, auch wenn sie spekulativ sind, was sie wohl bleiben, so lange die Funde nicht physisch vorliegen für weitere Untersuchungen.

Ich habe nun mal einige Blogeinträge über die an Möns Stränden gefundenen Geschiebe gemacht, war eine ganz schöne Arbeit, und ich habe deine Vermutungen übernommen, sofern es mir gestattet ist. Aller Anfang ist schwer, aber an den Graniten habe ich mir ganz schön die Zähne ausgebissen. Auch mußte ich von dem Ziel, möglichst viele Geschiebe möglichst konkret (mit Herkunft) anzusprechen, Abstand nehmen, weil zuviele Ungereimtheiten auftraten oder eben nicht alle Kriterien/ Merkmale zu finden waren. Gut, sehr lehrreich war es allemal, allein die verschiedenen Gesteinsarten zu unterscheiden.

Wer mag, kann ja mal drüberschauen, ich freue mich sehr über Korrekturen, hoffe, ich habe mich mit den Bestimmungen nicht zu sehr aus dem Fenster gelehnt. Es gibt eine Kommentarfunktion, gerne auch Nachrichten per PN direkt an mich.

Diabase und Porphyre (http://www.kanalmusik.de/wordpress%202/?p=670)
Metamorphite und Sedimentite (http://www.kanalmusik.de/wordpress%202/?p=461)
Granite (http://www.kanalmusik.de/wordpress%202/?p=522)