Mineralienatlas - Fossilienatlas
Mineralien / Minerals / Minerales => Mineralien (Fundort) bestimmen / determine minerals => Thema gestartet von: wolfi am 15 Oct 13, 20:04
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Servus,
bei Erbendorf in der Oberpfalz gibt es ein Vorkommen von Blei und Zink sowie untergeordnet Kupfer, welches schon vor Jahrhunderten abgebaut wurde. An Mineralien gibt es dort vor allem interessante Sekundärmineralien, bereits Schmeltzer beschreibt in seinen "Mineralfundstellen Bayern" von dort "prächtige Cerussite". Die gibt es dort auch tatsächlich bis gut 5 mm, daneben Pyromorphit, Wulfenit, Anglesit, Schwefel, Hemimorphit, Greenockit (nur pulvrig), Smithsonit, Linarit und Azurit sowie Akanthit. Die Lieratur erwähnt auch noch Proustit und Pyrargyrit.
Nun habe ich mir ein älteres Stück mal wieder angeschaut, welches in einer kleinen Quarzdruse Cerussit xx, Linarit xx und Malachit xx enthält. Im Quarz eingesprengt ist auch Kuperkies. Im Lauf der Jahre sind auf den Bruchflächen des derben Kupferkieses nadelig-blättrige blauschwarze Kristallbüschel - sehr winzig - gewachsen. Von der Farbe und vom Glanz her könnte Covellin passen, von der Ausbildung aber vielleicht auch Akanthit. Mir ist bislang nicht bekannt, dass Covellin eine Neubildung in Sammlungen sein könnte. Was meint Ihr?
Fotos sind mir leider nicht möglich.
Servus + Glück auf
Wolfi
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Hallo,
da braucht man keine Fotos. Diese Bildung habe ich bei meinen Funden auch schon des öfteren beobachten können. Besonders dann, wenn noch feuchtes Haldenmaterial dicht an dicht für etliche Jahre zwischengelagert wird. Die "Ausblühungen" bestehen definitiv aus Covellin-Blättchen. Bei 100-120 fach erkennt man das ganz deutlich.
Nur frage ich mich (bei meinem Material), warum nicht alle derben Kupfererzeinsprenglinge - bevorzugt Kupferkies - auf der Stufe gleichzeitig ausblühen, sondern nur einzelne. Irgendetwas muss diesen Prozess zusätzlich beeinflussen.
Und: Ich habe auch einige Stüfchen im Stock, die schon seit 30 Jahren eingedost sind und irgendwann später einmal langsam anfingen, sich umzubilden.
GA
Kluftknacker
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Hallo,
Digenit ist recht bekannt als Material solcher Ausblühungen. Von diversen Fundorten im Schwarzwald habe ich so was in meiner Sammlung. Digenit kann tw. durchaus fast schwarz oder bräunlichschwarz erscheinen, so dass er mit Akanthit verwechselt werden kann.
Allerdings gibt es auch tw. amorphe, nicht bestimmte Bildungen.
Glück Auf!
Sebastian
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Servus,
danke für eure Antworten!
Noch eine Frage: auf einem aktuellen Fund habe ich eine Quarzrasen, auf dem einige Bleiglanz-Butzen mit Covellin überzogen sind. Es liegen auf den Quarzen aber auch kleine verästelte Aggregate drauf, ebenfalls Covellin. Sieht aus wie ged. Kupfer, welches mit Covellin überzogen ist.
Ist das Covellin in Reinform bzw. kommt der so vor oder ist das Kupfer, überzogen oder ggf. auch eine Pseudomorphose? Kupfer wäre für dort ein Neufund.
Sprich: kommt Covellin als verästelte xx vor?
Servus + Glück auf
Wolfi
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Hallo Wolfi,
Ist schwer zu sagen rein von der Beschreibung. Von der Grube Clara hatte ich auch schon dendritische Aggregate von Covellin. In dem Falle war es eindeutig Covellin. Man kann das feststellen, indem man ein schlechtes Stück oder ein winziges, abgetrenntes Stück unter dem Bino mit Öl (es reicht Speiseöl) beträufelt. Covellin erscheint unter Öl kräftig violettrosa bis rotviolett (wie Bornit), während Digenit und andere ähnliche Arten (Spionkopit, Yarrowit, Djurleit; der sog. blaubleibende Covellin der alten Erzmikroskopiker) blauschwarz bleibt. Achtung: nie auf einer Sammlungsstufe machen, gibt hinterher eine kaum mehr entfernbare Sauerei. Es braucht etwas Erfahrung, aber es geht ganz gut und kostet im Gegensatz zu einer quantitativen Analyse nur Bruchteile eines Cents (1-2 Tropfen Öl).
Glück Auf!
Sebastian