Mineralienatlas - Fossilienatlas
Mineralien / Minerals / Minerales => Allg. Diskussionen Mineralien / General discussions minerals => Thema gestartet von: wilbi am 22 Mar 14, 18:27
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Das Bild des Tages zeigt heute eine wunderschöne Chlorargyritstufe aus der Grube Weißer Hirsch in Schneeberg. Ich möchte von den Erzgebirggssammlern gerne mal wissen, ob auf den Halden im Erzgebirge schon Chlorargyrite gefunden wurden, oder ob die in den Sammlungen befindlichen Stücke alle von unten raus sind während des Abbaues.
Glückauf
willi
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Hallo, ich hatte vor einiger Zeit mal angefragt, ob Chlorargyrit (auch Hornsilber genannt) mal im Erzgebirge auf Halden gefunden wurde. Offenbar nicht, obwohl nach der alten Literatur Hornsilber viel häufiger vorkam, als z.B. im Harz oder Siegerland. Sind tatsächlich der Harz mit St.Andreasberg und Grube Clara die einzigen Fundstellen auf Halden?
Schwarzwald, Siegerland, Westerwald? Auch in Annaberg Niederösterreich ist Hornsilber vorgekommen.
Scheinbar liegt das Zeug nicht nur so rum, oder, wie ich meine wird es nicht erkannt, wenn es nicht in exakten Kristallen auftritt, was natürlich seltener ist.
Gruß willi
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Chlorargyrit ist in ziemlichen Massen aus den oberen Teufen vorgekommen aber komplett meist in die Schmelze gewandert.
Zumindest was die Gruben um Freiberg betrifft......da sämtliche Halden unter Denkmalschutz stehen, erübrigt sich die Frage
nach Neufunden. ;)
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Hallo Willi!
Chlorargyrit ist und bleibt was Besonderes! Ob vom Erzgebirge oder Harz eine Rarität, denk an Deine wunderschöne Stufe, die ich als Bild von Dir in den Atlas setzen durfte.
Schon LOMMER und KARSTEN wussten dies zu schätzen!!!
LOMMER,1776, "Abhandlung vom Hornerz", S8., ...welcher dieses Erz wegen seines Silbergehaltes und Geschmeidigkeit stets als ein weißes, grünes oder gelbes Glaserz benannte, wurde bey nun geschehener Vorzeigung belehrt, wie solches eine besondere Erzgattung sey, welche der Herr Berghauptmann Hornerz benennt, und dasselbe wegen seiner Seltenheit sehr der Aufmerksamkeit empfohlen ward."
LOMMER berichtet hier von der Gotthelf Schaller-Silberkammer Fdgr. NW- Johanngeorgenstadt.
KARSTEN 1795 "Über das Buttermilcherz von Sankt Andreasberg". S220., "Vor wenigen Jahren warnte auch Herr von Bose das Publikum vor einer solchen Täuschung, die eine Silbererz, und zwar das auf dem Harze nur vorzüglich bekannte Buttermilcherz betraf, indem er sich durch chemische Versuche vollkommen überzeugt hatte, dass die Stücke, welche gewöhnlich dafür ausgegeben werden, nichts anderes als weißes Bleyerz sind. Er erwähnt und unterscheidet hiervon bey dieser Gelegenheit das ächte Buttermilcherz..."
Übrigens hatte ich Stufen aus dem Erzgebirge, die auf den Halden gefunden wurden als Belegstücke, aber das war sicher genau so selten wie in Sankt Andreasberg. Wir danken dem Neufinder der wunderbaren Chlorargyrit-und Buttermilcherze von Sankt Andreasberg mit einem herzlichen Glück Auf!
ANDREASBERG ist immer für eine Überraschung bereit sage ich oder wie Hochleitner schreibt " ... für eine Überraschung gut.
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Hallo Willi,
kenne Chlorargyrit auch von der Halde der Grube Friedrichssegen.
Glückauf
Michael
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Chlorargyrit ist und bleibt was Besonderes! Ob vom Erzgebirge oder Harz eine Rarität, denk an Deine wunderschöne Stufe, die ich als Bild von Dir in den Atlas setzen durfte.
Für den Sammler heute schon, da geb ich dir Recht. Wenn man aber alter Literatur glauben schenken darf, war es früher eher ein Massenerz auf manchen Gängen.
Das heute nichts mehr zu finden ist liegt an der flüchtigkeit der silberreichen Karbonatgänge samt seiner Sulfide.
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Hallo,
Ganomatit, also ein Gemenge mit Pitticit, ist von den Halden um Freiberg durchaus bekannt, auch aus Marienberg. Reicherz und Kristalle hingegen wurden wie erwähnt schon sehr früh abgebaut. Muss es aber tatsächlich auch in solchen Massen wie in Andreasberg gegeben haben.
Gruß
Andreas
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Hallo Michael S.
Ja es kam in größeren Mengen vor, aber unansehnlich, sodaß es nicht sammelwürdig war. Andererseits wurden wurden hohe Beträge dafür bezahlt und deshalb wurden viele Fälschungen als Hornsilber und Buttermilcherz in vieler Literatur angegeben. Ob es sich so schnell auflöst glaube ich nicht. Die Halden in St.Andreasberg sind Jahrhunderte alt. Oder es bildet sich neu.
Mchael B.
Ja von Friedrichsegen habe ich gelesen, wußte aber nicht, daß es sich um Haldenfunde gehandelt hat.
Hallo Frank, waren schöne Zeiten als wir erstmals fündig wurden. Aber das Zeug ist für Nichtkenner, wenn es nicht in unseren wunderbaren Kristallen vorkommt, schwer zu erkennen.
In Johann-Georgenstadt muß es reichhaltig vorgekommen sein. Der seinerzeitige Bergmeister Pabst von Ohain hatte große Bedenken, daß der gemeine Bergmann dieses mit 75% Silbergehalt enthaltene Material nicht erkannte und die Bergleute wurden belehrt, damit es nicht verloren ging, wie Lommer 1776 geschrieben hat.
Glückauf willi
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Die Freiberger Gänge haben den Nachteil das der Silberreichtum fast komplett an die eb-Formation gebunden war.
Diese eb-Formation hatte den Nachteil das sie enorm karbonatreich waren , hier besonders Fe und Mn Karbonate . Durch Oberflächenwässer sind die Halden nach "recht kurzer Zeit" ausgelaugt und die Reste sämtlicher Silbererze ausgewaschen.
Deswegen sind viele Halden in der Umgebung von FG komplett verwittert und Funde von Ag Mineralien so gut wie unmöglich.
In Freiberg gab es noch den Unterschied das es genug ged. Silber sammt Ag Erze gab welche weitaus lieber gehandelt wurden als das unansehnliche Chlorargyrit......dieses Erz spielte zu keiner Zeit im Handel eine Rolle.
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Hier noch einige Bemerkungen von mir über Chlorargyrit. Chlorargyrit war im Erzgebirge genau wie in Sankt Andreasberg sehr begehrt! Diese Stufen stammen aus der Oxydationszone, aus dem Anfang des Bergbaues und lieferten viel Silber. Die Alten wollten Silber gewinnen, das war ihr einziges Ziel und deswegen wurde Chlorargyrit genau wie andere Silbererze eingeschmolzen. Sieht man in die Ausbeute Listen von Andreasberg so zeigt der Anfang des Bergbaues in der Oxidations- bzw. Zementationszone reiche Funde (Reicher Trost und Jackobsglück). Über die unansehnlichen Chlorargyrite kann man sicher geteilter Meinung sein. Wer eine Chlorargyritstufe in der Hand hält hat reiches Silber in der Hand und das lacht... ! Übrigens gibt es schöne Chlorargyritkristalle aus Sankt Andreasberg und Paragenesen mit anderen Mineralien. Natürlich ist ein Pyrargyritkristall schön anzusehen, das kann man nicht abstreiten. Aber gerade die unscheinbaren Stufen, die für viele Sammler nicht interessant erscheinen sind gut und reich. Hier geht es nicht um Ästhetik hier geht es um Silber und das war damals wertvoll und Broterwerb. Also Chlorargyrit (Buttermilcherz) und Ganomatit sind heute sicher auch im Erzgebirge genau wie in Andreasberg zu finden. Aber es wird schwer sein und die Proben sicher relativ klein. Übrigens Massen von Chlorargyrit hat es in Andreasberg nie gegeben, es war nur kurze Zeit reicher Abbau dieser Erze.
KARSTEN 1795 beschreibt die Seltenheit des Buttermilcherzes aus Sankt Andreasberg, wie schon in der ersten Bemerkung erwähnt. KARSTEN, "Über das Harzer Buttermilcherz", S.219-220., " Die Seltenheit mancher Körper des Naturreichs, gehört in der That zu den hauptsächlichsten Schwierigkeiten, welche sich uns, bey aller Bemühung selbige genau kennen zu lernen, darstellen. Auf der einen Seite ist es theils mit großen Kosten verknüpft, belehrende Exemplare davon zu erhalten, auf der anderen aber benutzen nicht selten gewinnsüchtige Leute den Mangel daran, auf Unkosten der Liebhaber, bloß zu ihrem Vortheile, und spielen diesen Dinge unter ganz falschen Nahmen in die Hände; sobald letztere nur, mit den als selten bekannten Gegenständen gleichlautend sind. In den organischen Reichen ist ein so verabscheuungswürdiger Betrug nicht so leicht möglich, da man durch Abbildungen alles auf das schönste versinnlichen kann; allein dies fällt im Mineralreiche weg, wo gerade die wesentlichsten Kennzeichen auch in den getreuesten Zeichnungen unbemerkbar bleiben ..." , KARSTEN, S.220.weiter: "Dazu kommt nun noch, daß die wissenschaftliche Bearbeitung desselben, im allgemeinen noch sogar weit zurück, daß die Sucht, etwas seltenes und kostbares zu besitzen, so gar groß ist, und das die mehresten Sammler den zweydeutigen Aussprüchen der Stufenhändler mehr trauen, als den Berichten kritischer Mineralogen. Erwägt man all diese Umstände, so kann es nicht mehr auffallend seyn, warum grade die Sammler und Liebhaber der mineralischen Körper sich oft, noch bis auf den heutigen Tag, sowohl durch gewissenlose und habsüchtige Stufenhändler als auch durch praktische Grubenofficianten, welche man wegen ihres bloß empyrischen Studiums entschuldigen muß, betrogen oder getäuscht sehen"
Dieses schreibt KARSTEN 1795 keine massen von Chlorargyrit, Stufen wurden gefälscht um sie als Chlorargyrit zu verkaufen, 1797!!!
So, das sollen meine Ergänzungen dazu sein, nicht für dich Willi sondern für die anderen Interessierten die diesen Beitrag lesen.
Übrigens Ganomatit gibt es von einigen Fundpunkten Europas! Dies ist beispielsweise ein tolles Mineralgemenge und ich könnte weiter schreiben, aber es geht ja um Chlorargyrit...!
Gruß und Glück Auf Frank Heise
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Hallo Michael, Deinem letzten Satz möchte ich widersprechen. In der alten Literatur sind viele Hinweise darüber insbesondere auch wegen Fälschungen. Dabei muß man das reine Hornsilber und das Buttermilcherz zusammen sehen. Der von Frank berteits erwähnte Lommer schrieb schon 1776: "Man hielte Johann-Georgenstadt allein für dessen Vaterland (soll heißen Erstfundstelle), und ich habe zu bemerken, daß wie die Menge der Mineraliensammler durch das eingebrochene Hornerz nicht zu befriedigen gewesen, ein zu gleicher Zeit auf hiesigem Gebirge eingebrochener Hornstein mit gestricktem Silber, gewinnsüchtigen Stufenhändlern zur Gelegenheit diente, hiermit in manchen Sammlungen die Lücken vom Hornerz listig auszufüllen.
Eine der ältesten Stufen vom Hornerz/Buttermilcherz liegt im Naturkundemuseum in Berlin und die sind sehr stolz auf dieses wohl älteste Stück der Sammlung. Der Mineraloge Karsten der mit Klapproth in Berlin forschte, hat für dieses Stück um 1790 die damals unglaubliche Summe von 25 Talern bezahlt. Es muß damals wohl schon als ganz was Besonderes gegolten haben.
Glückauf willi
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Hallo, hier mal ein besonders schönes Stüfchen von Chlorargyrit aus St. Andreasberg.Natürlich nur BB 1 mm.(http://)
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Hallo, an alle Spezialisten und Interessierte!
Allgemeine Frage, auch an Walpurgin als Silberspezialist: 1. Sind die Oberflächenwässer im Freiberger Revier aggressiver als im Harz?
Meines Wissens ist Chlorargyrit ( Ag-Cl) nur sehr schwer löslich ( Wikipedia-Chlorargyrit ). Im Harz, insbesondere in Andreasberg und zwar auf der Grube Alter Theuerdank auf dem Beerberge hat sich der Chlorargyrit jedenfalls nicht aufgelöst. Hier konnte man den Chlorargyrit so finden, wie er ca. 1550 also in der allerersten Bergbauperiode ( nur als Information für die Andreasberg-Silbersteckbriefbeschreiber in diesem Forum ) in Andreasberg auch abgebaut wurde. (Siehe alte Literatur zB. Henning Calvör). 2.Gehört der Chlorargyrit ( um den geht es doch hier) jetzt zu den Sulfiden? Und war es nicht so, das nach der Wende jede Menge Silbererze aus dem Freiberger Revier vor allem Sulfide und an allererster Stelle Akanthit auf den Markt kamen? Also, man muß sich schon wundern was hier so beschrieben wird, aber auch darüber ,das keinem der Andreasberg und Chlorargyrit-Experten diese Diskrepanzen auffallen.
Viele Grüße und Glück Auf M.Groß ( Argentopyrit
Ps. Meine Chlorargyrite stammen alle ausnahmslos von Untertage, gefunden habe ich sie allerdings alle auf der Halde auch in Paragenese mit Karbonaten.
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Servus,
Chlorargyrit ist Silberchlorid (AgCl) und damit ein HALOGENID, kein Sulfid.
Das Loeslichkeitsprodukt (und nur auf dieses kommt es an) von AgCl betraegt 10 hoch -14; damit ist dieses Mineral zwar in Wasser schwer- aber nicht unbedingt voellig unloeslich. Die Loeslichkeit kann zudem auch durch die Anwesenheit anderer geloester Stoffe stark beeinflusst werden (Stichwort: Komplexbildner). So erhoeht sich z. B . die Loeslichkeit von AgCl in Wasser in der Anwesenheit von Ammoniak um viele Groessenordnungen.
GA
Harald
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Hier noch einmal ein Auszug von Thomas Witzke http://tw.strahlen.org/typloc/chlorargyrit.html (ftp://tw.strahlen.org/typloc/chlorargyrit.html). Ich hoffe Herr Witzke wird es verstehen, wenn ich hier sein Beitrag zitiere: "Während man das Silberchlorid im Erzgebirge beim Bergbau im Bereich von Gangausbissen und den oberen Teufen neben gediegen Silber sicher öfter angetroffen hat, rückten mit fortschreitender Teufe die Silbersulfide und der silberhaltige Bleiglanz in den Mittelpunkt. Besonders im 15. und 16. Jahrhundert konnten die Bergleute noch größere Stücke von dem Mineral gewinnen, so dass sich daraus die von MATHESIUS, FABRICIUS und ALBINUS erwähnten Schnitzereien fertigen ließen. Es sind Massen bis mehrere Pfund bekannt. Die bedeutendsten Fundorte waren Johanngeorgenstadt, Schneeberg, Freiberg, Annaberg und Marienberg. Heinrich Martin KLAPROTH schreibt 1789:
"Bey einer im vorigen Sommer gemachten kleinen mineralogischen reise nach Dresden und Freyberg, zog im Churfürstl. Mineralienkabinette zu Dresden, unter andern, die derbe, mehrere Pfunde wiegende, Hornerzstuffe meine Aufmerksamkeit auf sich; wahrscheinlich noch ein glücklich gerettetes Ueberbleibsel aus dem, für den sächsischen Bergbau so gesegneten 16ten Jahrhunderte, da, nebst mehrern sehr reichen Anbrüchen von Silbererzen, dergleichen derbes Hornerz in Maßen von 100 und mehreren Pfunden gebrochen hat."
Wie realistisch die Angabe zu Funden von Massen von über 100 Pfund durch KLAPROTH ist, lässt sich heute nicht mehr sagen. Carl HINTZE (1915) erwähnt ein 4 kg schweres Exemplar von der Grube Gotthelf Schaller in Johanngeorgenstadt und ein 10 kg schweres von Himmlisch Heer in Annaberg. Mit der Verlagerung des Bergbaus aus der Oxidations- und Zementationszone in die primären Gangbereiche wird das Silberchlorid deutlich seltener gefunden und gerät nahezu in Vergessenheit. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts ist die Literatur über das Mineral sehr spärlich und die Beschreibungen gehen nicht über die Angaben von MATHESIUS hinaus.
In seinem Buch über das Probieren der Erze geht Lazarus ERCKER 1629 nur kurz auf das Silbermineral ein:
"Deßgleichen Horn Ertz / das ist durchsichtig wie ein Horn / unnd seynd beyde sehr Reich am Silber".
Auch in den Mineralsammlungen bzw. Naturalienkabinetten gibt es zu dieser Zeit offenbar nur wenige Belege, wie aus den publizierten Katalogen zu entnehmen ist. Der anonym 1683 herausgegebene Katalog des ein Jahr vorher verstorbenen Naturalien-, Kunst- und Büchersammlers Élie BRACKENHOFFER (1618-1682) aus Strasbourg im Elsass verzeichnet das Mineral:
"Minera argenti cornea, Horn-Silber-Ertz auß Meichsen"
Mit "Meichsen" ist nicht die Stadt, sondern das Fürstentum Meißen gemeint.
In dem Naturalienkabinett von Johann Jacob SPENER (???? – 1692), Professor für Physik und Mathematik an der Akademie zu Halle, findet sich nach dem von Johann Martin MICHAELIS 1693 veröffentlichten lateinisch/deutschen Katalog ein Exemplar des Minerals [als PDF-File]:
"Minera plumbi cum cornea Freibergensis" "Glantz mit Hornertz von der Gn. G. zu Freyberg"
Bei dem "Glantz" handelt es sich um Bleiglanz, wie aus der lateinischen Version ersichtlich ist. Mit "Gn. G." ist die Grube "Gnade Gottes" gemeint, die vom 17. bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Falkenberg bei Freiberg bestand. Leider gibt MICHAELIS keine Beschreibung der Stufe.
In dem "Mineral- und Bergwercks-Lexicon" von 1743 von MINEROPHILO FREIBERGENSI (wahrscheinlich ein Pseudonym des Freiberger Lexikographen Johann Caspar ZEISIG) wird ersichtlich, dass das Mineral inzwischen recht selten geworden ist:
"Hornfarb-Silber, dergleichen hat ehemals zu Marienberg gebrochen, welches durchsichtig gewesen, und beym Lichte geschmoltzen."
Der Mediziner und Forschungsreisende Johann Ernst HEBENSTREIT führt in dem "Museum Richterianum" von 1743, dem Katalog der bedeutenden Mineraliensammlung des Leipziger Kaufmanns und Ratsherrn Johann Richter, eine Stufe
"Weiß Hornglaßerz, mit gelber lettiger Erde, von der Catharina, zu Johanngeorgenstadt. Tab. 4. No. 14.
Dergleichen Erz bricht sehr seltsam. Es ist sehr derb und geschmeidig, und so man dinne Schnittgen davon abschneidet, siehet es wie Horn aus."
HEBENSTREIT veröffentlicht in dem Buch eine Reihe von kolorierten Kupferstichen der beschriebenen Mineralstufen. Darunter befindet sich auch das hier erwähnte Exemplar "Hornglaßerz". Es handelt sich offenbar um die früheste Darstellung des Minerals." aus Hompage Thomas Witzke
Frank Heise
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Hallo,
hier meine Meinung:
Ich halte die Aussage von Wikipedia(Clorargyrit): "Chlorargyrit ist lichtempfindlich und verfärbt sich durch die Bildung von elementarem Silber zunächst grau und dessen Verwitterungsprodukt Silbersulfid (Ag2S) schließlich braun bis schwarz." für wahrscheinlicher, als die mit der Komplexierung, von Dir Harald.
Denn Ammoniak kommt meines Wissens nach in der Natur kaum vor, sodass man diesen Aspekt vernachlässigen kann. Wahrscheinlicher wäre es aber, dass der "Saureregen" die Umwandlung begünstigt. Dieser Effekt nimmt immer mehr zu, da sich die Abgasausstöße in den letzten Jahren drastisch vergrößert haben.
Falls ich falsch Mut meiner Annahme liegen sollt tut es mir leid.
Gruß
Philipp
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Silberchlorid schwer löslich entsteht aus wasserlöslichen Silberverbindungen und Chlorid-Ionen. Wir denken an unsere Schulzeit (ich bin in der DDR zur Schule gegangen) HCL+AgNO3=HNO3+AgCl um Chloridionen nachzuweisen. Außerdem bildet sich Chlorargyrit als Sekundärmineral in der Oxidationszone oder aridem Klima. Es muß erst einmal etwas reagieren damit Chlorargyrit gebildet wird! Wir sind jetzt aber weit ab von der eigentlichen Frage über Chlorargyrit. Ob schön oder nicht schön Chlorargyrit bleibt etwas Besonderes in der Welt. Manche Stufen bleiben so wie sie sind und manche reagieren auf Lichteinwirkung, indem sie sich verändern. (in Andreasberg ist das jedenfalls so)
Frank Heise
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Servus,
es scheint unzweifelhaft zu sein, dass Chlorargyrit vor allem in den Oxidationszonen von silberhaltigen Lagerstaetten zu finden war/ist. Zu historischen Vorkommen oder aktuellen Fundmoeglichkeiten UT oder auf Halden im Harz oder Erzgebirge kann ich nichts beitragen.
Interessant sind fuer mich in diesem Zusammenhang aber alle Beobachtungen zu Fundumstaenden sowie der Stabilitaet von Chlorargyrit auf Halden.
Bevor diese Diskussion abgleitet, moechte ich nochmals einige FAKTEN wiederholen:
(1) Chlorargyrit ist Silberchlorid, ein Halogenid. Chlorargyrit zerfaellt bei laengerer Belichtung unter Dunkelwerden zu metallischem Silber und Chlor. Die dunkle Farbe ruehrt von der Anwesenheit feinstverteilten Silbers her. Silbersulfid (Akanthit) ist zwar gleichfalls schwarz, kann aber auf direktem Wege nicht aus Chlorargyrit enstehen.
(2) Die Moeglichkeit, tatsaechlich Chlorargyrit auf einer Halde zu finden zu koennen, haengt - neben der Sorgfalt des Scheidwerks - von den physikalisch-chemischen Randbedingungen ab (Loeslichkeitskonstante, Vorliegen potentieller Reaktionspartner, Temperatur, pH-Wert, Licht-Exposition usw.).
(3) Die Loeslichkeitskonstante von Silberchlorid in Wasser (KL = 1.7 x 10-10; mol2L2; der gestern von mir zitierte Wert ist falsch) ist relativ gross: ein Liter Wasser loest somit 1.8 mg AgCl (bei 25 Grad Celsius).
Dieser Wert kann natuerlich durch die Anwesenheit anderer Ionen oder Verbindungen drastisch beeinflusst werden. Der pH-Wert des Wassers ("Saurer Regen") sollte hierbei allerdings, wenn ueberhaupt, nur einen geringen Einfluss haben (beim Vorliegen von Carbonaten sieht dies natuerlich wieder ganz anders aus).
In unserer recht niederschlagsreichen Klimazone scheint es somit nicht voellig unmoeglich, dass Chlorargyrit aus Halden tatsaechlich langsam "ausgewaschen" werden kann. Im UT-Bereich und auf geologische Zeitraeume bezogen, ist Chlorargyrit vermutlich als ein eher mobiles Mineral zu sehen, was somit auch zwanglos die relative Seltenheit/lokal begrenzte Haeufigkeit erklaeren koennte.
GA
Harald
P.S.:
Ammoniak wird in der Natur in gigantischen Mengen produziert und umgesetzt. Natuerlich liegt die Verbindung auf Grund ihrer Wasserloeslichkeit meist in Form von Ammoniumverbindungen vor.
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Hallo!
Ich bin jetzt nicht gerade so ein Haldensammler,aber wenn ich das Thema hier so lese,dann möchte ich mal dazu bemerken,daß im Erzgebirge die Halden auch immer mal wieder umgegraben wurden um je nach Bedarf verschiedene Mineralien zu bergen,da es verschiedene Bedarfsepochen gab und das dabei eigentlich jedes Erzbröckchen symbolisch gesehen bereits dreimal angeschaut wurde.Viel übriggeblieben ist da jedenfalls nicht.Jedenfalls auf den alten Halden in der Vor-Wismut Zeit.
Gruß Jens
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Hallo Jens, ich denke mal, dieses Mineral ist schwer zu erkennen, wenn es nicht in diesen idealen Kristallen von z.B. Würfeln auftritt. Alle Haldenfunde ob im Harz, Siegerland, Brixlegg/Silberalm sind alle erst in den 80/90er Jahren gemacht worden, soweit ich weiß. Auf der Clara vielleicht schon etwas eher. Und hauptsächlich sicherlich auch von Leuten die genauer hinschauen mit Mikroskop, denn große Kristalle sind sehr selten bei diesem Mineral.
Glückauf willi
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Ergänzend zum Beitrag von Jens möchte ich hinzufügen, daß es während der Wismutzeit angestellte Haldeninspektoren gab. Diese haben die Halden auf nutzbare Minerale untersucht.
Gruß
Uwe
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Hallo,
Micha hat schon recht, weder Freiberg noch Johannstadt oder Andreasberg und die anderen genannten Fundorte dürften eine solche Massen an guten Silbermineralstufen wie Freiberg geliefert haben. Dort "musste" man wirklich nicht so sehr auf die im Vergleich eher unscheinbaren Sachen achten. Dazu kommt, wie gesagt, dass der oberflächennah anstehende Chlorargyrit viel früher abgebaut wurde und sich kaum Stufen erhalten haben (von Andreasberg gabs ja wenigstens ein paar...). In der Zeit nach 1700-1800 dürfte außerordentlich wenig einigermaßen erwähnenswertes Material aus Freiberg gekommen sein. Die klassischen Schriften geben dementsprechend auch herzlich wenig her.
Hier mal noch ein Schnappschuss eines historischen Anschliffs in Hornstein von Johanngeorgenstadt (um 1820). Breite ca. 6 cm.
Gruß
Andreas
(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1295187680.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1295187680.jpg)
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Ein schöner Schnappschuss!
Hier einer von Andreasberg
(http://buttermilcherz_01.jpg)
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(3)" Die Loeslichkeitskonstante von Silberchlorid in Wasser (KL = 1.7 x 10-10; mol2L2; der gestern von mir zitierte Wert ist falsch) ist relativ gross: ein Liter Wasser loest somit 1.8 mg AgCl (bei 25 Grad Celsius)." aus Beitrag Axinit
Bei der Stufe ging die Löslichkeitskonstante nicht auf. Dem Schöpfer sei Dank!!! Das Bild zeigt eine Stufe von Willi aus der Jetztzeit, SPITZENSTÜCK, EINMALIG und SCHÖN! (vorheriger Beitrag)
Und hier noch ein Spitzenstück dank "Argentopyrit" war das alles möglich!!!
(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1388558908.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1388558908.jpg)
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Hallo!
Anbei noch eine Bilderserie von der Clara. Auch von Wittichen, Schwarzwald sind solch kleine Kristalle bekannt.
http://www.e-rocks.com/Products.aspx?action=showproduct&id=169047&type=47848
Glück Auf!
Carsten
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Ne alte Stufe aus Schneeberg hab ich auch noch gefunden...
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Hallo Andreas,
war mir noch garnicht so bekannt, daß es in Freiberg auch diese blaue Variation des Hornsilbers, von den Alten Buttermilcherz genannt, vor kam.
Übrigens der erste Beschreiber des Andreasberger Chlorargyrits und Buttermilcherzes Pastor Funke, hat 1618 den Prozeß des Blauwerdens des weißen Hornerzes schon beschrieben, nur er hat geschrieben, daß es blau wurde, wenn es an die Luft kam. Er konnte noch nicht wissen, daß dieser Prozeß später millionenfach auf Filmen durch das Licht verändert wurde. Womöglich der der allererste Beobachter dieser Reaktion.
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Hi
Was mir zu dem Thema Chlorargyrit einfällt ist, das dieser einen doch recht typischen und intensiven Glanz hat, wenn dieser frisch und unbelichtet ist. Mir sind so die Chlorargyrite auf Helgoland aufgefallen: Selbst winzigste Aggregate zeigten einen intensiven Glanz, so das sie praktisch immer sofort auffielen. Der Glanz ist aber auch relativ schnell futsch, sobald die Aggregate/Kristalle belichtet wurden. Möglicherweise ist das auch ein Grund, weshalb die Altforderen den Chlorargyrit so effektiv abbauen konnten...
Die bläuliche Farbe von belichtetem Chlorargyrit macht auch Sinn, da extrem dünnen Silberkristalle oder -bleche für blaues Licht durchlässig sind. Bei den quittegelben Emboliten (bromhaltiger Chlorargyrit) von Helgoland ergibt das leider ein ziemlich unansehnliches grau-gelb-grün :'(