Mineralienatlas - Fossilienatlas
Gesteine / Rocks / Rocas => Bestimmung von Funden / Determination of findings => Deutschland / Germany => Thema gestartet von: 63steine am 30 Jul 14, 16:43
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Hallo,
bräuchte dringend die Gesteinsbestimmung von diesem winzigen Stück. Fundort ist Unterfranken. Habe schon Quarzit, Hornstein oder Abplatzung von einem Krug gehört. Was ist hier richtig? Bin für jede Antwort dankbar.
Gruß
Marion
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Hallo Marion,
nettes Artefakt - ;)
nach Bild 1 + 3 hätte ich auch an Quarzit gedacht, aber die Bänderung (bzw. die charakteristische Art derselben) auf Bild 2 spricht doch sehr deutlich für (Knollen-)Hornstein - in diesem Fall eben eine anscheinend etwas grobkörnige Variante, bzw./und stark verwittert.
Der grobkörnige bzw. am Foto sogar "porös" wirkende Anteil des Stücks ist demnach der Randbereich der Knolle, also schon die "Grenzschicht" zur Matrix - diese randbereiche sind oft weniger gut verkieselt / stärker kalkhältig, und daher ohnehin grobkörniger und zudem verwitterungsanfälliger.
Auf der dorsalen Fläche des klingenförmigen Abschlags scheint zudem partiell überhaupt die Rinde (Cortex) der ehem. Knolle vorhanden zu sein.
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Hallo Oliver,
danke für die Antwort, bin schwer beeindruckt von deinem Fachwissen. Musste erst einmal ein bisschen googeln um alles zu verstehen. Dass es ein Artefakt ist hatte ich vermutet und deshalb noch ein bisschen gesucht. Neuer Fund an gleicher Stelle. Sieht ähnlich aus ist aber nicht so verwittert. Könnte es sich um das gleiche Material handeln?
Gruß
Marion
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Hier noch eines.
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Hallo,
Evtl. Hornstein aus dem mittleren Muschelkalk. Ähnliche Stücke kennt man z.B. aus der Region um Karlsruhe und Pforzheim. Nicht auszuschließen ist von manchen Fotos her auch Flint (Feuerstein), da gibt es auch solche grauen Varietäten.
Glück Auf!
Sebastian
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Nicht auszuschließen ist von manchen Fotos her auch Flint (Feuerstein), da gibt es auch solche grauen Varietäten.
Auszuschließen nicht, da hast du völlig recht - sieht mir aber alles in allem doch nach einem "lokalen" Material aus.
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Ist das Hornstein aus dem mittleren Muschelkalk?
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Hornstein ja - ob aus dem Muschelkalk, sollen besser die Kenner der deutschen Trias-Hornsteine beantworten, da halt ich mich raus.
Jedenfalls ist das Stück deutlich feuerbeeinflusst - die näpchenförmigen Aussprünge sind ein klares Indiz. Und in diesem Fall dürfte auch die partielle Rotfärbung temperaturbedingt sein (ich sage bewusst in diesem Fall, weil es auch natürliche, durch Eisenoxide bedingte sekundäre Rotfärbungen gibt).
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Hallo,
63steine, die ersten gezeigten Fotos sind eindeutige Silexabschläge aus der Jungsteinzeit. Du solltest diese einmal der zuständigen Denkmalbehörde anzeigen, hier erfährst Du evt. auch die Herkunft der Steine.
Grüße
Bode
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Meinst du mit deutlich feuerbeeinflusst getempert? Den Gedanken hatte ich nämlich auch. Auf den Fotos kann man es vielleicht nicht erkennen, aber der Stein hat einen perlmuttartigen Glanz und sieht tatsächlich aus als hätte jemand darauf herum geklopft. Das wäre aber eher ungewöhnlich für die Jungsteinzeit, oder? Mal schauen ob es bei uns ein zuständiges Amt in der Nähe gibt, würde mich schwer wundern.
Gruß
Marion
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Meinst du mit deutlich feuerbeeinflusst getempert?
Nicht unbedingt - kann auch zufällig ins Feuer geraten sein. Kommt sogar öfters vor als "echtes" Tempern.
Wenn doch getempert, dann ist es mißglückt - die Aussprünge und Risse zeigen, dass das Material bereits spröde geworden ist, also zu viel Hitze abbekommen hat, um noch gut schlagbar zu sein.
Der Fettglanz ist jedenfalls auch ein (zusätzliches) Merkmal, das auf Feuer- bzw. Hitzebeeinflussung hinweist.