Mineralienatlas - Fossilienatlas

Mineralien / Minerals / Minerales => Allg. Diskussionen Mineralien / General discussions minerals => Thema gestartet von: Markus Fuchs am 08 Feb 15, 20:51

Titel: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
Beitrag von: Markus Fuchs am 08 Feb 15, 20:51
Hallo zusammen,

mir ist was saublödes passiert und bin ganz schön beunruhigt.

Ich erzähle mal von Anfang an:

Ich habe von einem Bekannten Material geschickt bekommen, darunter auch kleine Stüfchen Rauchquarze aus Bergen/Vogtland (laut Beschriftung).

Ich entnahm ein kleines ca. 2,5*2,5cm großes Stüfchen. Da es aber allem Anschein nach "staubig" erschien, reinigte ich es mit einem harten Pinsel bevor ich es unter dem Stereomikroskop betrachtete. Leider sah ich dort nicht nur Rauchquarz, sondern auch einen (wirklich hübschen) Uranocircit-Kristall. Mit leichter Panik griff ich zu einem der noch "staubigen" Stüfchen und legte es unter das Stemi: Glimmerstaub! Ich habe dann sofort den Arbeitsplatz mit einer UV-Leuchte abgesucht und die bereits großzügig verteilten Partikel mit einem feuchten Tuch aufgenommen. Das Tuch und den Reinigungspinsel der auch voller Partikel war habe ich entsorgt.

Nun die Frage eines ehrlich besorgten Mitmenschen, der zwei kleine Kinder hat:

Es besteht natürlich die Gefahr das ich Partikel des Uranglimmerstaubes bzw. kleine Teilchen eingeatmet habe (Alphastrahler!). Ich denke nicht, dass es sich um eine große Menge gehandelt haben kann, aber was ist im Falle eines Alphastrahlers schon eine "unbedeutende" Menge...

Muss ich mir Sorgen machen? Ein Anruf bei der Klinik brachte nur ein "da kennen wir uns nicht aus, aber wird schon nicht so schlimm sein..."

Kann mir einer der Experten bzw. jemand mit langjähriger  Erfahrung im Umgang solchem Material Rat geben? Ich meide eigentlich solche Uranmineralien auch wegen meiner Kinder wie die Pest, aber nun ist es halt passiert.

Mit besorgtem Gruß
Markus Fuchs
Titel: Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
Beitrag von: guefz am 08 Feb 15, 21:09
Hallo,

jetzt wo das Kind in den Brunnen gefallen ist, bleibt eben nur das was du schon gemacht hast: gründlich sauber machen ohne den Dreck weiter zu verteilen. Wie dein unfreiwilliger Selbstversuch in Sachen Radioaktivität ausgehen wird, kann dir auch hier niemand zuverlässig sagen.

Günter
Titel: Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
Beitrag von: limestone am 08 Feb 15, 21:29
Hallo Markus,
ich würde das was Du und Dein Bekannter gemacht haben schon unter grobe Fahrlässigkeit einordnen.
Jeder der sich wenigstens ein wenig mit Mineralien aus Bergen auskennt weiss, dass die Rauchquarze dort oft zusammen mit Uranglimmer vorkommen.
Der Aussage von Günter stimme ich voll zu.
Noch ne kleine Frage, wohin hast Du die kontaminierten Sachen entsorgt?
Glück Auf
Ralf
Titel: Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
Beitrag von: Nathan am 08 Feb 15, 21:41
Hallo Markus,

ich kann meinen Vorrednern nur zustimmen.
Was die Gesundheit angeht kannst Du nur warten und hoffen, dass es gut für dich ausgeht. (Davon gehe ich aus, da die Mengen, welche Du eingeatmet hast sehr gering sein dürften.)
Hier zeigt sich wieder mal, wie wichtig eine Kennzeichnung der Stücke bzw. die Auseinandersetzung mit dem Thema und dem Fundort ist.
Die Stücken solltest Du aber auf keinem Fall im Hausmüll entsorgen.

Gruß
Philipp
Titel: Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
Beitrag von: Markus Fuchs am 08 Feb 15, 21:59
Hallo zusammen,

Vielen Dank für eure ersten Antworten. Leider kannte ich den Fundort nicht und habe bei Rauchquarzen, die ich sonst nur aus dem alpinen Raum her kenne nicht an Uranmineralien gedacht. Ein klassischer Fall von dem man sich wünscht die Zeit zurückzudrehen und dann alles richtig zu machen.

Sollte ich eurer Meinung nach einen Arzt aufsuchen?

und: Wie entsorge ich die Stüfchen fachgerecht?

Herzlichen Dank für eure weiteren Ratschläge!

Markus
Titel: Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
Beitrag von: Hg am 08 Feb 15, 22:13
Hallo Markus,

ich würde da keine Panik schieben.
Wenn Du zu einem Arzt gehst hat der mit großer Sicherheit nicht wirklich Ahnung was er machen soll. Bei Mediziner und Chemie bzw. Gefahrstoffen kommt nicht immer was gescheites heraus  ;)
Bei der Menge würde ich da weniger Bedenken haben. Den Staub mit einem feuchten Tuch aufzunehmen war schon ein guter Schritt.

Wenn Du dir bei der Entsorgung nicht sicher bist, kannst Du mir das schicken und ich kümmere mich darum. Schreib mir einfach eine PM wenn ich mich darum kümmern soll.

Gruß,
Andreas
Titel: Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
Beitrag von: Nathan am 08 Feb 15, 22:20
Hallo Markus,

ich würde Dir ebenfalls von einem Arztbesuch abraten. Dieser weiß i. d. R. nicht, was er machen soll (ich wüsste auch nicht, ob man da überhaupt etwas tuen kann).

Bei der Entsorgung könnte Dich ein Anruf hier http://www.grb-mbh.de weiterbringen.

Gruß
Philipp
Titel: Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
Beitrag von: Hg am 08 Feb 15, 22:25
Der Ratschlag mit der Landessammelstelle ist gut gemeint aber ordentlich am Ziel vorbei geschossen. Schau mal nach den Freigrenzen für natürliche radioaktive Strahler in der Strahlenschutzverordnung nach  ;) Das sind schon wirklich ordentliche Mengen.
Vermutlich würden die solch ein "Bröckchen" nicht mal annehemen. Anderseits wäre mal die Reaktion von denen interessant, wenn man mit so einem "Abfall" ankommen würde.
Titel: Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
Beitrag von: Nathan am 08 Feb 15, 22:37
Hallo Andreas,

hatte ich mir auch schon gedacht. Aber man kann es ja mal versuchen. Schließlich kann Uranocircit durch die Glimmerstäube schon gefährlich werden.
Wie würdest Du damit verfahren? Gern auch per PM.

Gruß
Philipp
Titel: Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
Beitrag von: pseudonym am 08 Feb 15, 22:58
Man muss sich mal überlegen das bei ,, weitem nicht alle Kumpel ´´ die in der Wismut gearbeitet haben von eingeatmeten Alphastrahlern Lungenkrebs bekommen haben . So und nun stelle man sich mal vor wie vielen Kilo oder sogar Tonnen alphastrahlerhaltigen Staubes diese Leute im Lauf ihres Lebens ausgesetzt waren .

Und nun setze man bitte die Menge Staub die auf so einer Stufe rumliegt   in Relation dazu ....

Natürlich kann gerade das eine eingeatmete Teilchen den Krebs auslösen , das kann aber auch jeder zufällige natürliche Zerfall der in deiner Nähe stattfindet , das kann jedes Körnchen Feinstaub deines Dieselautos oder eines Kohlekraftwerkes  , jede kleine Asbestfaser von Nachbars Dach  , jeder passive /aktive  Zug Tabakrauch - und tausend andere Ursachen .

Dann sind da noch die Leute die in Bergen gearbeitet haben , wer das Material von dort kennt weiß das allerhand Circit rumliegt , einfach so an der Oberfläche , bröselig - man müsst mal abends mit ner Uv-Lampe hingehen , sieht bestimmt gut aus .

Natürlich hat man Angst , das ginge mir auch so , ich versteh das völlig - aber ich denke und hoffe das du mit dem Schrecken davon kommst , ziehe bitte die richtigen Schlüsse für die Zukunft aus der Sache und pass nächstes mal besser auf .

edit openpit:
Themenferne Frage entfernt.



Titel: Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
Beitrag von: limestone am 08 Feb 15, 23:02
Hallo,
Markus hat ja schon geschrieben, dass er das Material entsorgt hat. Daher stellt sich die Entsorgungsfrage hier nicht mehr.
Mich interessiert, wie und wo entsorgt Ihr Eure radioaktiven Abfälle?
Glück Auf
Ralf
Titel: Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
Beitrag von: CRYSTALLOGIC am 09 Feb 15, 01:45
Hallo,

geh besser davon aus, dass du aller Wahrscheinlichkeit nach garnichts davon eingeatmet hast.
Und falls doch: "Dosis facit venenum!"

Und all jene, die meinen, dass Ärzten dazu eh nichts (Gescheites) einfallen würde, können ja mal nach ´Bronchiallavage´oder auch ´bronchoalveoläre Lavage´ googlen...

Gruß

edit: ´Let´s panic later´ (C.Newman)

Titel: Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
Beitrag von: Glück auf am 09 Feb 15, 08:28
Hallo !
Schön wäre es wenn in Zukunft Uranhaltiges Material verschickt wird, dies gut verpackt und deutlich gekennzeichnet ist!!
Man sollte unbedingt an andere denken !!
Hatte auch schon ein Stück in einem Päckchen geschickt bekommen, das einfach so drin lag weil es aus der Dose gefallen war, wusste auch nicht gleich was es ist, weil nichts in dieser Hinsicht ausgemacht war, merkte es erst als ich eine LW UVlampe daran hielt...
Wünsche Dir alles Gute !!
Gruß Klaus
Titel: Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
Beitrag von: uwe am 09 Feb 15, 08:37
Klar ist Uranglimmerstaub schädlich, ich denke aber wie "Crystallogic", daß Du nichts eingeatmet hast. Du wirst ja wohl kaum die Probe zerschlagen und dabei tief eigeatmet haben.
Gruß
Uwe
Titel: Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
Beitrag von: Markus Fuchs am 09 Feb 15, 11:26
Hallo zusammen,

da es mir keine Ruhe gelassen hat bin ich nun doch zu einem wirklich sehr kompetenten Lungenfacharzt gegangen, der selber Mineralien sammelt. Davon wollte ich euch berichten. Vielleicht nutzen meine Erfahrungen ja noch weiteren Sammlern. Mein Fazit: Der Weg zu einem Fachmann lohnt immer, auch wenn es nur darum geht, die Sachlage korrekter einschätzen zu können.

Der Arzt hat mich fürs Erste beruhigen können, er denkt nicht, dass hier ein bleibender Schaden für meine Gesundheit enstanden ist, will aber noch im Laufe der Woche einen befreundeten Experten für Arbeitsunfälle mit Schwerpunkt Radioaktivität in München befragen. Außerdem möchte er zur Absicherung in Abständen von 6 Monaten noch zwei-, dreimal ein differenziertes Blutbild anfertigen. Dieses diene aber eher meiner "Nervenberuhigung", stellt aber nach seiner Aussage dennoch einen "sinnvollen Mittelweg zwischen Emotion und Rationalität" dar. So wie er die Sache dargestellt hat, hält er den Glimmerstaub für gerade noch nicht "lungengängig", was ich so verstanden habe, dass die Lunge diesen auch wieder in absehbarer Zeit los wird (viel Trinken!). Als Begründung dafür nannte er seine Erfahrung aus der Zeit als Betriebsarzt in einem großen Bergbaubetrieb. Andererseits hat er natürlich auch nichts verharmlost. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich durch diese blöde Sache was Folgenschweres ergeben könnte, ist sicher nicht dadurch kleiner geworden, aber wohl eben auch nicht unermesslich viel höher. Seiner Einschätzung nach ist das "lungengängige Polonium, das Raucher mit jeder Zigarette aufnehmen", ein größeres Problem als die einmalige "Vielleicht-Inkorporation" eines Uranminerals in sehr geringen Mengen. Zudem hat er mir als Mineraliensammler den Rat gegeben generell einen Staubsuager mit Hepa-Filter zu verwenden, um eine Staubaufwirblung zu vermeiden.

Und noch eine Erfahrung: Der Glimmerstaub setzte sich bevorzugt an metallischen Gegenständen ab, wohl ein elektrostatischer Effekt. Zudem habe ich zum Abpinseln einen Kameraobjektiv-Pinsel verwendet, der ebenfalls Staubfunsel auf diese Weise festhält. Vielleicht kann diese Information ja mal nützlich sein.

Vielleicht weiß ich am Wochenende schon mehr und kann euch darüber berichten.

Und noch was: Ich gebe allen Kommentatoren hier Recht: Es ist absolut unverantwortlich radioaktives Material ungekennzeichnet zu verschicken. Hier sehe ich aber zuerst den Absender in der Pflicht, gerade auch bei Ebay-Käufe etc. Ich habe natürlich auch was daraus gelernt. Auch ich werde in Zukunft alle Mineralien (ich sammle auch in der Wölsendorfer Ecke, da findet man auch strahlendes Material) mit UV-Leuchte und Geigerzähler (ich verwende dazu einen Gamma-Scout) überprüfen, bevor ich was in die Finger nehme oder gar verschicke/abgebe.

Ich möchte mich nochmals bei allen bedanken, die mir dabei geholfen haben, die Angelegenheit in ein rationales Licht zu rücken.

Herzliche Sammlergrüße
Markus (der sein Hobby sicher trotzdem  weiterbetreiben wird...)
Titel: Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
Beitrag von: altes-gebirge am 09 Feb 15, 13:04
Hallo Markus,

Bitte beide Seiten betrachten. Du schriebst:

"Da es aber allem Anschein nach "staubig" erschien, reinigte ich es mit einem harten Pinsel bevor ich es unter dem Stereomikroskop betrachtete."

Vllt. hat das "staubig" Aussehen Deinen Bekannten auch getäuscht und er hat den Uranglimmer nicht gesehen/übersehen bzw. kennt sich mit der Paragenese des FO nicht aus und hat deshalb nicht bedacht, das es sein könnte.....

Die Reinigung mit einem harten Pinsel halte ich für ziemlich "grobmotorisch" bei einem Stüfchen, das "staubig" erscheint.

Wasser mit etwas Spüli, schön geschwenkt, ab unters Bino und Du hättest weniger Panik.

Ich bin weder Sammler, noch Verkäufer/Käufer von U-Mins, aber die sorgsame Umgangspflicht obliegt BEIDEN Teilen.

Marcus
Titel: Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
Beitrag von: Markus Fuchs am 09 Feb 15, 15:13
Hallo Marcus,

du hast natürlich Recht. Ich werde deinen Rat beherzigen, was das Reinigen von Staub betrifft.

Viele Grüße
Markus
Titel: Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
Beitrag von: Markus Fuchs am 13 Feb 15, 16:22
Hallo zusammen,

wie versprochen ein kurzes update der Informationen, die ich bisher zusammentragen konnte.

Der Lungenfacharzt hat wie bereits erwähnt seine Kontakte zu Experten verwendet, um hier weiter Sicherheit in die Abschätzung der konkreten Gefährdung zu erhalten.

Nun liegt eine Aussage des führenden Toxikologen Deutschlands der Klinik rechts der Isar München vor.

Er schätzt die konkrete Gefährdung als gering bis sehr gering ein. Besonders beruhigend ist die Aussage, dass nach derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnisstand Uran nicht im Körper kumuliert (angehäuft) wird, sondern nach seiner Aussage verhältnismäßig rasch wieder aus dem Körper entfernt wird. Außerdem gab er zu bedenken, dass in der Natur ja nur ein geringer Anteil des Urans als radioaktives Isotop (seiner Schätzung nach 3%) vorliegen dürfte, bei dem überwiegenden Rest handelt es sich um stabile Isotope. Außerdem verwies er auf die nicht zu unterschätzende Selbstheilungsfunktion des Körpers, der tagtäglich Reparaturen auf Zellebene vornimmt.

Derzeit warte ich noch auf eine Aussage der Arbeitsschutzmediziner, die konkrete Daten aus der Region (Studien über Mittel- und Langzeitfolgen der Bergleute aus der DDR) verfügen. Diese wollen sich im Laufe der kommenden Woche genauer äußern. Es ist aber auch hier mit einer relativen Entwarnung zu rechnen. Ich werde auch darüber berichten.

Falls euch mal das gleiche passieren sollte, hier noch einige Tipps (Lungenfacharzt, befreundete Internisten, ...):

1) Keine Panik (hatte ich, dann passiert aber allenfalls nochmehr Unheil durch falsche überhastete Reaktionen, wie bei mir)

2) möglichst wenig Staub aufwirbeln.

3) mit nassen Tüchern alles sorgfältig abwischen. Tücher wegwerfen.

4) gründliches Zuglüften

5) gründliches Händewaschen, Kleidung wechseln (Ausklopfen im Freien und Waschen), am besten Duschen

6) Da die Schleimhäute des Nasen- und Rachenraumes einen Großteil des Staubes abfangen werden empfiehlt es sich zu gurgeln und die Nase vorsichtig zu spülen (bei letzterer zuerst den unteren Bereich, dann auch weiter oben)

7) Viel Trinken (die Lunge produziert jeden Tag bis zu 60ml Schleim, der den Abtransport von Fremdkörpern wie Staub ermöglicht. Dieser Schleim geht dann über den Vertrauungstrakt wieder zurück zur Natur)

8) Wer seinem Darm dann noch beim Abtransport helfen will, der sollte ballaststoffreiche Kost zu sich nehmen. Auch eine vitaminreiche Ernährung kann helfen, dem Imunsystem bei der Bewältigung der bevorstehenden Arbeit zu unterstützen)

9) Der Gang zu einem Spezialisten kann helfen, um weitere Sicherheit zu gewinnen (Differentialblutbild und Röntgenbild der Lunge als Vergleichsbild für spätere Untersuchungen)

So viel für jetzt. Langsam habe ich wieder Hoffnung, dass ich nur mit einem zugegeben gehörigen Schrecken aus der Sache rauskommen werde, zumal ich wenn überhaupt nur mit sehr geringen Mengen zu tun bekommen habe.

Viele Grüße
Markus
Titel: Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
Beitrag von: Alcest am 13 Feb 15, 17:56
Hallo,

es gibt keine stabilen Isotope vom Uran. 100% sind radioaktiv.

Zudem geht vom Uran selbst wohl das geringste Übel aus - die wesentlich kurzlebigeren Tochternuklide (Radon, Polonium etc.) sind da problematischer.

Es wäre mir zudem neu, dass der Körper von selbst derartiges Material restlos aus der Lunge  entfernt. Phänomene wie die Schneeberger Krankheit hätten doch sonst keine derartigen Probleme verursacht.

Ich teile aber die allgemeine Einschätzung, dass gesundheitliche (nicht-psychosomatische) Auswirkungen nicht zu erwarten sind.


Gruß
Jan
Titel: Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
Beitrag von: cmd.powell am 14 Feb 15, 02:56
@Alcest

Die Lunge ist sehr wohl in der Lage, Fremdkörper zu entfernen, siehe Punkt 7 meines Namensvetters. Ansonsten würden wir alle innerhalb weniger Jahre an Staublunge sterben. Das Problem mit den chronischen Lungenerkrankungen ist, das die Menge an Fremdkörpern, welche in die Lunge gelangen größer ist als die Menge, die ausgetragen werden. Daher kommt es zur Anreicherung und somit zu den Krankheitssymptomen. Diesbezüglich muss sich Markus auch keinen Kopf um evtl. Langzeitwirkungen durch den evtl. eingeatmeten Uranglimmerstaub machen. Bei seltenen oder einmaligen Ereignissen besteht kaum Gefahr, kritisch ist nur eine dauerhafte Exposition.

Nichts desto trotz hast Du natürlich recht, es gibt keine stabilen Uranisotope, das sollte ein führender Toxikologe nach meiner Meinung wissen...
Titel: Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
Beitrag von: Markus Fuchs am 14 Feb 15, 10:24
Hallo,

ich muss noch einen Nachtrag liefern, weil ich etwas gemacht habe, was man als seriöser Forennutzer nicht macht. Diese eine Aussage mit den Isotopen stammt nicht vom Toxikologen sondern von einem mir befreundeten Internisten (der offensichtlich was verwechselt hat, bzw. ich habe etwas falsch verstanden).  Ich habe diese beiden Stellungnahmen im Übereifer und der Euphorie, dass es wohl doch nicht so schlimm für mich ausgehen könnte, ungerechtfertiferweise vermengt. Dafür möchte ich mich (auch und vor allem bei dem wohl wirklich bekannten Experten, der sich extra für mein Problem Zeit genommen hat) vielmals entschuldigen und dieses klar richtig stellen.

Vielen Dank für Eure Rückmeldungen. Und einen herzlichen Dank für den Tipp mit den psychosomatischen Folgen, da bin ich Hypochonder genug, dass ich damit wohl mit solchen rechnen kann. Problem ist aber auch Dank deiner Aussage jetzt von mir erkannt und kann so besser eingeordnet und vielleicht umgangen werden.

Euch allen ein schönes Wochenende!

Markus
Titel: Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
Beitrag von: Uran am 16 Feb 15, 12:56
Nur kurz zur Klarstellung. Ich habe nichts übertrieben dargestellt. An den Diskussionen war eindeutig festzustellen, das über die eventuelle Gefährdung durch Uranminerale tiefstes Unwissen und deshalb eine weit verbreitete Hysterie über Radioaktivität herrscht. Ich wollte auch nichts verharmlosen. Wenn der Sammler nicht kiloweise Uranminerale sammelt und die dann auch noch im Wohnzimmer aufbewahrt, obwohl ich das auch schon gesehen habe, ist die Gefährdung faktisch Null. Wir sollten nicht vergessen, das wir hier über Natururan sprechen und nicht über angereichertes Material für Atomkraftwerke. Im Schwarzwald gibt es Halden auf denen man problemlos Pechblende finden kann und trotzdem führen Wanderwege über diese Halden und Mineraliensucher auf der Jagd nach Silbermineralen graben diese Halden um. Auch dabei könnte radioaktiv belasteter Staub entstehen, nur macht sich darüber niemand Gedanken.
Titel: Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
Beitrag von: bur am 16 Feb 15, 18:06
Bei jedem Urlaubsflug oder Röntgen bist du einer weitaus höheren Dosis ausgesetzt.
Das stimmt nicht zwar, aber irgendwie auch nicht.

Beim Flug und Röntgen kriegt man Gammastrahlung ab. Die ist deutlich weniger gefährlich als Alpha/Betastrahlung und - viel wichtiger - es handelt sich um eine einmalige Dosis.

Wenn sich dauerhaft bestimmte Mengen Alpha- und Betastrahler in einem Organ befinden ist das eine ganz andere Sache. Natürlich, was heißt bestimmte Menge? Ich persönlich denke auch die Menge an Staub (wenn überhaupt was aufgenommen wurde und das bis in die Lunge gelangt sein sollte) ist vermutlich nicht sehr hoch. Trotzdem ist das was völlig anderes als Fliegen und Röntgen. Außerdem ist niemand hier Fachmann und hat annähernd Ahnung welche Mengen ein Risiko darstellen. Wieso muss man entsprechende Sorgen dann lächerlich machen?

Zitat
Die Zahlen die genannt werden sind immer nur eine Empfehlung der WHO. Der Grund? Es gibt bis heute keinen wissenschaftlichen Nachweis in welcher Höhe Radon tatsächlich gesundheitsgefährdent ist.
Auch das ist nur halb richtig. Erstens kann die WHO sowieso nur empfehlen und keine verbindlichen Werte durchsetzen. Das muss immer der nationale Gesetzgeber. Zweitens gibt es sehr wohl Studien zum Risiko durch Radon, dort wird ab 150 Bq/m³ von einer signifikanten Steigerung des Lungenkrebsrisikos um 10% je 100 Bq/m³ Zunahme gesprochen. Siehe hier (https://books.google.de/books?id=J9Bc09N1pXgC&pg=PA12&lpg=PA12&dq=radon+100+bq+m3+10%25&source=bl&ots=1YXhD-vJNK&sig=aefWk8gBH6EavT5Lr8nfInsLmgI&hl=de&sa=X&ei=3B_iVNy0PIvXPJi0geAO&ved=0CGQQ6AEwCQ#v=onepage&q=radon%20100%20bq%20m3%2010%25&f=false) und hier (http://www.bmub.bund.de/fileadmin/bmu-import/files/pdfs/allgemein/application/pdf/radon_merkblaetter.pdf).

Allerdings in dem Zusammenhang recht interessant: ich habe seit einem Monat testweise eine große Torbernitstufe ohne Abdeckung und mehrere kleine mittelstark strahlende Stufen jeweils in Kästchen in einem Kellerraum stehen. Vorher lag der Wert bei 40-50 Bq/m³. Das Radonmessgerät zeigt mit den Mineralien maximal 80 Bq/m³ an. Durch tägliches 10-Minuten Lüften geht der Wert in 1-2 Tagen wieder auf 50 Bq/m³ runter. Solange man also nicht kistenweise U-Mineralien irgendwo lagert scheinen keine bedeutenden Mengen an Rn auszutreten. Das beunruhigt Sammler ja auch oft. Völlige Sicherheit schafft aber wohl nur ein Messgerät.

edit openpit:
Bezug auf gelöschte Beiträge entfernt.
Titel: Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
Beitrag von: Markus Fuchs am 16 Feb 15, 19:03
Hallo zusammen,

ich hätte noch eine Frage: Kann jemand abschätzen welche Masse in etwa solch ein kleines Glimmerplättchen hat? Ich habe gerade noch eines entdecken können, trotz gründlichster Reinigung. Etwas 1mm lang, 0,5mm breit.

Viele Grüße
Markus

Titel: Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
Beitrag von: Nathan am 16 Feb 15, 19:18
Hallo Markus,
ich würde mal auf wenige Milligramm tippen.
Mich würde jetzt aber doch interessieren, wie du das "große" Stück entsorgt hast.
Gruß
Philipp
Titel: Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
Beitrag von: guefz am 16 Feb 15, 19:23
Die Dichte steht im Lexikon, der Rest ist Mathematik zur Selbstbedienung  ;)

Günter
Titel: Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
Beitrag von: Uran am 16 Feb 15, 20:01
Schwierig. Bis jetzt ist nur die Fläche bekannt und nicht das Volumen. ;D
Titel: Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
Beitrag von: cmd.powell am 19 Feb 15, 23:52
Bei jedem Urlaubsflug oder Röntgen bist du einer weitaus höheren Dosis ausgesetzt.
Das stimmt nicht zwar, aber irgendwie auch nicht.

Beim Flug und Röntgen kriegt man Gammastrahlung ab. Die ist deutlich weniger gefährlich als Alpha/Betastrahlung und - viel wichtiger - es handelt sich um eine einmalige Dosis.

Hier kommen wir zu dem Punkt, wo es um die Durchdringungskraft der Strahlen und den angerichteten Schaden im Gewebe ankommt. Alpha und Betastrahlung sind im allgemeinen unkritisch, da sie bereits von der Haut, wohlgemerkt den bereits abgestorbenen Hautschichten, vollständig abgeschirmt werden. Lediglich die Gammastrahlung kommt nahezu ungehindert durch die Haut, allerdings auch durch den ganzen Körper. Hier macht alleine die Strahlendosis (entweder kurz ganz viel oder wenig, aber dafür lange) eine evtl. Schädigung. Somit ist der Vergleich mit dem Urlaubsflug oder einer Röntgenuntersuchung schon plausibel, da man hier den entsprechenden Dosen an hochenergetischer Strahlung ausgesetzt ist.

Leider hatte man Namensvetter nun den schlimmsten Fall, indem er strahlende Partikel eingeatmet hat. In der Lunge können Alpha- und Betastrahlen sehr wohl ihr zerstörerisches Potential entfalten, wobei gerade Alphastrahlung gefährlich ist. Zum Glück handelt es sich, sofern überhaupt etwas in die Lunge gelangt ist, nur um winzigste Mengen, welche mit der Zeit ausgetragen werden können, da der Nachschub unterbunden wurde (hoffentlich). Von daher ist es eine Frage der Statistik, in wieweit sich sein Lebenserwartung verringert hat (ggf. im Bereich weniger Stunden, vielleicht einem Tag). Bei den vielen anderen Risikofaktoren, denen wir täglich ausgesetzt sind, spielt dieser Vorfall letztlich keine Rolle. Jede Autofahrt birgt mehr Risiken als ein einmaliger Vorfall von einem bisserl eingeatmeten Uranglimmerstaub. Und genau das ist das Problem mit der Statistik: Sie zeigt nur Verhältnisse und Wahrscheinlichkeiten, macht aber keine konkreten aussagen. Die kann man auch nicht machen (auch kein "Experte"), da es eine Frage des Zufalls ist. Ein schlecht platziertes Alphateilchen kann ein bösartiges Lungenkarzinom auslösen, welches zum frühen Tod führt. Auf der anderen Seite gibt es da noch das Immunsystem, welches defekte Zellen bekämpft. So kann eine Person durch ein Alphateilchen sterben, die andere aber auch mit Milliarden Alpha-Einschlägen ein hohes Alter erreichen - wer soll das vorhersagen können ? Und vor allem, auf welchen Auslöser soll man die ausgebrochene Krankheit zurück führen, liegen doch meisten Jahre zwischen Kontamination und Erkrankung ? Das ist unmöglich, daher kann man letztlich nur Vorsichtig sein und versuchen, die Statistik zu seinen Gunsten zu nutzen (Anschnallen z.B. erhöht nachgewiesener Maßen die Überlebenswahrscheinlichkeit bei einem Unfall - ich kenne einen Fall, wo es zum Tode geführt hat, trotzdem schnalle ich mich an). Naja, über das "Ursache- Wirkungsprinzip" kann man ewig diskutieren und kommt zu keinem Ende, daher: Lasst euch nicht verrückt machen und denkt an Douglas Adams Worte: "DON'T PANIK !" (Alternativ: "Macht's gut und Danke für den Fisch !"  ;) )
Titel: Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
Beitrag von: Lausitz am 20 Feb 15, 13:27
Zitat
Zitat
kann ein bösartiges Lungenkarzinom auslösen, welches zum frühen Tod führt. Auf der anderen Seite gibt es da noch das Immunsystem, welches defekte Zellen bekämpft.

aber bitte nicht daraus ableiten das das körpereigene Immunsystem bösartig mutierte Krebszellen bekämpft. Diese sind nämlich Körpereigen und werden vom Immunsysten garnicht erst erkannt.

Gruß
Titel: Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
Beitrag von: helgesteen am 20 Feb 15, 19:08
aber bitte nicht daraus ableiten das das körpereigene Immunsystem bösartig mutierte Krebszellen bekämpft. Diese sind nämlich Körpereigen und werden vom Immunsysten garnicht erst erkannt.

Da irrst Du aber gewaltig! Das Immunsystem ist eine wichtige Komponente bei der Bekämpfung bösartig entarteter Zellen. Google macht schlau ;)

Viele Grüße,
Helge
Titel: Re: Uranglimmer eingeatmet - was nun?
Beitrag von: ganomatit am 20 Feb 15, 21:02
Ich möchte noch etwas zu der Diskussion beitragen, vielleicht ist dann die Sorge etwas geringer! KARLSCH, ZEMAN schreiben im Buch Urangeheimnisse, Das Erzgebirge im Brennpunkt der Weltpolitik 1933-1960, 2007 auf S.247 unter dem Begriff Strahlenopfer: " Unter hohen Strahlenbelastungen hatte vor allem die erste Generation der Wismut-Bergleute, die in den Jahren 1946 bis 1955 eingestellt wurden, zu leiden. Da die Wismut AG bis 1954 keine Messungen der Radonbelastungen vornahm, konnten die kumulierten radioaktiven Belastungen (Expositionshöhe) rückwirkend nur geschätzt werden. Experten gehen davon aus, dass bis 1955 pro Jahr mit einer durchschnittlichen Belastung von 150 Working Level Month (WLM)-eine Maßeinheit zur Feststellung der monatlichen Strahlenbelastung-gerechnet werden muss." Internationale Strahlenschutzexperten empfehlen zurzeit einen Grenzwert von 4 WLM pro Jahr." Der eingeatmete Uranglimmer ist dagegen ein Lacher!
Viele Grüße