Mineralienatlas - Fossilienatlas
Mineralien / Minerals / Minerales => Mineralien (Fundort) bestimmen / determine minerals => Thema gestartet von: dendrocopos am 17 Aug 15, 13:28
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Hier noch ein zweiter Unbekannter meiner Sammlung. Gefunden wurde das Material von mir 2013 in der Erg Chebby in Marokko. Von den Einheimischen wurde die Fundstelle mit Sefsaf oder Safsaf bezeichnet. Die Kugeln, z.T. große zusammenhängende Gebilde lagen in der Wüste in Begleitung von Stromatolithen. Wenn man die Kugeln aufsägt, kommt ein strukturloser Sandstein zu Tage. An vielen Kugeln ist die äußere Kristallstruktur noch sehr gut erhalten. Hat jemand eine Idee, was das mal vor der Pseudomorphose gewesen sein kann.
Glückauf!
Frank
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Hallo,
Vo der Form her am ehesten Calcit, könnte aber auch Gips gewesen sein. Beides kommt in Sandpseudomorphosen vor.
Glück Auf!
Sebastian
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Hallo Sebastian,
auf Calcit hatte ich auch schon getippt. Der Säuretest ist aber negativ, d.h. der Calcit müsste zu 100% verdrängt worden sein?
Glück auf!
Frank
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Hallo Frank
soweit ich weiß, ist Pseudomorphose ein Begriff der Mineralogie.
Sandstein ist ein sedimentäres Gestein, insofern ist die Bezeichnung "Sandsteinpseudomorphose" oder "Sandpseudomorphose" fachlich nicht richtig.
Soweit mir bekannt, gab es Anfang des 20. Jh. den Begriff "Pseudomorphosensandstein" in der Fachliteratur des Bauwesens / Architektur ("Der Name Pseudomorphosensandstein stammt von mangan- und eisenhaltigen Sandpseudomorphosen nach früher vorhandenen Karbonaten". Quelle: Herrmann, O., 1914; Gesteine Für Architektur und Skulptur. Reprint. London: Forgotten Books, 2013. 100-1).
Es gibt Karbonate, Oxide und Sulfate, welche mit Sand verbacken und verkittet als Konkretionen vorkommen. Dazu gehören u.a. die bekannten Sandrosen aus den Ausgangsmineralen Gips, Goethit und Baryt. Aber diese Konkretionen sind keine Pseudomorphosen, da zu einer Pseudomorphose immer zwei Minerale gehören. (Das, was ist, nach dem, was war).
Es ist nicht selten, dass in Wüsten und Steppen Konkretionen aus Mineralen und Sand über lange Zeiträume durch die starke Kraft der Winde, oft auch über lange Strecken und über sich ständig neu bildende Dünen abgerollt werden. (s.a. hier im Lexikon die Abhandlung über "Wandernde Steine"). Je nach anhaltendem Abrieb werden die ehemals kristallinen Gebilde abgeschliffen, bis von der ehemaligen Kristallstufe (bzw. oft von den ehemaligen Sandrosen) nur noch eine Kugelform übrig bleibt.
Die von Dir im Erg Chebby gefundene Konkretion dürfte ehemals Calcit oder Gips gewesen sein, welcher fast vollständig "versandet ist", jedoch noch seine ursprünliche Kristallformen ahnen lässt. Da der Salzsäuretest versagt, tippe ich eher auf Gips.
Zur Veranschaulichung zwei Bilder:
Einmal ein Calcit, welcher sich erst am Anfang der Versandung befindet und dessen Kristalle, trotz Sand, noch scharf und deutlich sichtbar sind. (Fundort: Wahrscheinlich Erg Chigaga near M'hamid, südlich von Merzouga).
Desweiteren eine komplett abgerollte Barytkugel, welche zum großen Teil nur noch aus Sand besteht.
Kugeln dieser Art finden sich am Fuße "stehender Dünen" im Erg Aouker in der mauretanischen Sahara.
Dein Fund vom Erg Chebby dürfte, was das Aussehen angeht, irgendwo zwischen diesen beiden Anfangs- und Endaggregaten liegen.
Besten Gruß
collector
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Hallo,
das dürfte Calcit oder Gips gewesen sein, wie genannt. Solche "Scheinkristalle" kennt man auch hierzulande, z.B.:
https://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Deutschland/Baden-W%FCrttemberg/Karlsruhe%2C%20Bezirk/Heidelberg/Ziegelhausen/Salzlackenbusch
Gruß
Andreas
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Vielen Dank für Eure Hinweise und aufklärenden Worte,
die Bezeichnung Pseudomorphose werde ich dann mal streichen. Ist auch verständlich mit dem Vorher und Nachher. Die Entstehung hier war wohl eher parallel.
Glückauf!
Frank