Mineralienatlas - Fossilienatlas

Arbeitsmittel / Means for work => Reinigung (Präparieren, Konservierung) / Cleaning (Prepare, Conservation) => Thema gestartet von: elvslayer am 13 Oct 15, 18:15

Titel: Mineralienbestimmung und Reinigungstips ?
Beitrag von: elvslayer am 13 Oct 15, 18:15
Hallo zusammen,

ich habe das Stück am Wochenende im Steinbruch Juchem, bei Idar-Oberstein gefunden.
Leider ist es stark verschmutzt. Der Dreck ist total verkrustet und lässt sich mechanisch nicht entfernen.
Jetzt habe ich natürlich an eine Reinigung mit einem chemischen Mittel gedacht.
Dazu ist es ja wichtig, eine Mineralienbestimmung zu haben um nicht den falschen Reiniger (Säure) zu wählen.
Wer kann mir helfen ? Um welches Mineral handelt es sich und wie bekomme ich es am Besten sauber ?

Vielen Dank vorab für Eure Hilfe.

Gruß
Titel: Re: Mineralienbestimmung und Reinigungstips ?
Beitrag von: smoeller am 13 Oct 15, 19:28
Hallo,

Leider handelt es sich um Calcit, ein gut säurelösliches und sehr gut spaltbares Mineral. Damit scheiden schon mal viele der gängigen Methoden zur Reinigung aus, vor allem Bäder in Säuren. Selbst Essig löst eher den Calcit als die Beläge. Sind wahrscheinlich Tonminerale mit Eisenoxiden, da hilft wohl nur Wasser mit Spülmittel (lange einweichen) und dann vorsichtiges Bürsten (nicht zu stark, Calcit bricht leicht ab).

Glück Auf!
Sebastian
Titel: Re: Mineralienbestimmung und Reinigungstips ?
Beitrag von: uwe am 13 Oct 15, 21:51
Falls Du neben der großen Stufe noch ein kleiners, relativ geringwertiges, Stück aufgelesen hast, kannst Du es ja mal mit Dithionit versuchen. Ansonsten empfehle ich auch: lange in Wasser einlegen. Als Zusatz rate ich von Spülmittel ab, denn diese sind meist dispergierend und haben eine geringe Schmutztragefähigkeit. Besser ist da Schmierseife - gibt es in jeder Drogerie oder ein kräftiges Textilwaschmittel. Hier bleiben die gelösten Fremtpartikel in der Waschflotte.

Gruß
Uwe
Titel: Re: Mineralienbestimmung und Reinigungstips ?
Beitrag von: elvslayer am 15 Oct 15, 16:29
Vielen Dank für die Antworten.
Ich werde es dann zunächst mal mit dem Einlegen in Schmierseife versuchen.
Ich sage mal Bescheid, was das gebracht hat.

Gruß
Titel: Re: Mineralienbestimmung und Reinigungstips ?
Beitrag von: skibbo am 15 Oct 15, 16:44
Hallo,

das schaut mir nach Eisenrahm oder etwas ähnlichem aus. Ich würde zuallererst mal schauen ob man irgendwelche Kriställchen (siehe Foto unten) sehen kann, vor allem bevor die Bürste zum Einsatz kommt. Ansonsten Einweichen und mal versuchen mit einem härteren Wasserstrahl, z.B. vom Duschkopf, daran zu gehen.

Grüße,
Stefan

(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1377933060.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1377933060.jpg)
Titel: Re: Mineralienbestimmung und Reinigungstips ?
Beitrag von: uwe am 15 Oct 15, 18:54
Hallo Michael,

nicht in pure Schmierseife einlegen. Das schadet ja nicht viel, da alkalisch, aber ohne Wasser keine oder kaum eine Reinigungsirkung. Also Wasser plus Seifenlösung verwenden.

Mit dem Bürsten hat Skibbo voll recht. Ich habe in meiner Anfängerzeit auf diese Weise mal eine schöne Nadelquarzstufe versaut.

Wenn Deine Frau mal einen Tag nicht zu hause ist, kannst Du die Stufe auch mal in der Spülmaschine reinigen. Aber hinterher gut sauber machen!

Gruß
Uwe
Titel: Re: Mineralienbestimmung und Reinigungstips ?
Beitrag von: elvslayer am 12 Nov 15, 10:28
Hi,

ich wollte mal einen kurzen Statusbericht abgeben.
Nachdem ich das große Teil (ca 50 cm Länge) jetzt über Wochen in einem Wasserbad mit Schmierseife liegen hatte und immer wieder mit der Bürste versucht hatte zu reinigen, wollte ich euch mal das (bescheidene) Ergebnis zeigen.
Leider hat sich nicht viel getan. Die rote Ablagerung ist sehr hartnäckig.
Also doch eine chemische Lösung ?
Titel: Re: Mineralienbestimmung und Reinigungstips ?
Beitrag von: Maibolte am 12 Nov 15, 10:36
Ich würde das Teil auch mal in die Spülmaschiene legen.

Gruß Dirk

Titel: Re: Mineralienbestimmung und Reinigungstips ?
Beitrag von: gladhammar am 12 Nov 15, 15:15
Hallo,

Zahnreinigungstaps und warmes Wasser sollen auch Wunder wirken.
Falls deine Frau nicht aus dem Haus geht und der Geschirrspület tabu ist. ;D

GA
Detlef
Titel: Re: Mineralienbestimmung und Reinigungstips ?
Beitrag von: helgesteen am 13 Nov 15, 20:35
Hallo,

ich hatte schon oft Sücke mit derart hartnäckiger Verschmutzung. Bis jetzt hat die Reinigung immer sehr gut mit einem Hochdruckreiniger (Kärcher) geklappt. Falls Du keinen hast, frage mal im Bekanntenkreis oder schau bei einer Tankstelle, die haben oft welche mit Münzeinwurf zur Autoreinigung. Die Lanze erst schön weit weg vom Stück halten, und dann langsam näher, bis sich was tut. Aufpassen, dass die Stufe durch den Sprühstrahl nicht "weggeblasen" wird. Auf diese Weise ist diese Art der Reinigung erstaunlich schonend und gut dosierbar. Was mit dem Kärcher nicht runterkomt, ist nur noch chemisch oder mechanisch zu lösen.

Der Tip mit der Spülmaschine ist prinzipiell auch ok, aber ich würde dringend davon abraten. Es kann sein, dass es anschließend viele Waschdurchgänge dauert, bis der gelöste Steingrus wieder aus der Maschine gewaschen ist und sie nicht mehr "raschelt". 

Viele Grüsse,
Helge
Titel: Re: Mineralienbestimmung und Reinigungstips ?
Beitrag von: limestone am 13 Nov 15, 20:52
Hallo,
Hochdruckreiniger würde ich auch empfehlen.
Glück Auf
Ralf
Titel: Re: Mineralienbestimmung und Reinigungstips ?
Beitrag von: elvslayer am 14 Nov 15, 13:44
Hi,

danke für die Tips.
Die Zahnreinigungstabs haben leider keinen Erfolg gebracht. Das Teil ist auch zu groß für die Spülmaschine. Abgesehen davon, dass ich da tatsächlich Ärger bekommen könnte  ;)
Als nächstes versuche ich es dann wie vorgeschlagen mit einem Hochdruckreiniger. Ich hoffe nur, dass davon nicht die Kristalle abbröckeln.
Ich sag Bescheid, wie es ausgegangen ist ...
Titel: Re: Mineralienbestimmung und Reinigungstips ?
Beitrag von: elvslayer am 27 Nov 15, 10:05
Hallo nochmal,

leider lässt sich das Stück nicht reinigen.
Ich habe alle hier genannten Vorschläge versucht. Wochenlanges einlegen in Schmierseife, Zahnreinigungstabs (ganzes Röhrchen :-)), Hochdruckreiniger etc.
Die rote Schicht lässt sich nicht entfernen.
Ich habe jetzt noch einmal einige Nahaufnahmen gemacht und bin mir nicht ganz sicher, ob es sich vielleicht doch um sowas wie Eisenrahm handeln könnte.
Beim letzten Bild auch nochmal eine Seitenaufnahme von dem Stück, in dem man schön die roten Farbverläufe (Eisen?) des Gesteins sehen kann.

Außer der Säurelösung fällt mir dann nix weiter ein. Die Salzsäure würde dann aber wahrscheinlich den Calcit schädigen.

Danke und Gruß

Michael
Titel: Re: Mineralienbestimmung und Reinigungstips ?
Beitrag von: robodoc am 27 Nov 15, 10:39
Hallo Michael,

von Salzsäure kann ich nur abraten, sie ruinierte, worauf Sebastian schon hingewiesen hat, den Calcit auf jeden Fall.

In vergleichbaren Fällen habe ich Freunde, die ihre Fossilien mit einem Sandstrahlgerät präparieren, gebeten, sich an den krustigen Belägen zu versuchen und damit in den meisten Fällen zumindest eine deutliche Verbesserung erreicht. Ich meine, es wäre einen Versuch an einer Teststelle wert.

Viel Erfolg!
Robert
Titel: Re: Mineralienbestimmung und Reinigungstips ?
Beitrag von: Harzsammler am 27 Nov 15, 12:59
Hallo,

ich finde an dem Stück kann man mit Salzsäure nicht viel kaputt machen (glänzende Kristallflächen sind eh nicht dran).

Mit Glück und wenn nicht zu viele Bürstengänge drüber gegangen sind sieht es dann so aus wie das von Skibbo verlinkte Stück.

Grüße,
Michael
Titel: Re: Mineralienbestimmung und Reinigungstips ?
Beitrag von: Maibolte am 27 Nov 15, 13:45
Hallo,

ich finde an dem Stück kann man mit Salzsäure nicht viel kaputt machen (glänzende Kristallflächen sind eh nicht dran).



Doch, kann man! Den Calcit!

Gruß Dirk
Titel: Re: Mineralienbestimmung und Reinigungstips ?
Beitrag von: smoeller am 27 Nov 15, 21:18
Hallo,

In keinem Fall Salzsäure, die Kristalle dürften alle Calcit sein, die sind dann alle ab. Zudem nimmt Salzsäure Eisenionen aus solchen Mineralen auf und hinterlässt dann gern unschöne neongelbe Verfärbungen, die kaum wieder zu entfernen sind. Da hilft vorbeugend nur wochenlanges Wässern nach dem Ätzen.
Der Belag scheint Hämatit und ein grünes Schichtsilikat (Chlorit/Seladonit) zu sein, das lässt sich nur mechanisch lösen. Evtl. mit einer Präpariernadel vorsichtig abkratzen, aber erst an unauffälliger Stelle probieren. Mit der Bürste kriegt man so was meist kaum runter.

Glück Auf!
Sebastian
Titel: Re: Mineralienbestimmung und Reinigungstips ?
Beitrag von: Harzsammler am 27 Nov 15, 22:40
Hallo,

ich finde an dem Stück kann man mit Salzsäure nicht viel kaputt machen (glänzende Kristallflächen sind eh nicht dran).



Doch, kann man! Den Calcit!

Gruß Dirk
...er soll es doch nicht einlegen - nur kurz überspülen mit Salzsäure.

Grüße,
Michael
Titel: Re: Mineralienbestimmung und Reinigungstips ?
Beitrag von: heli am 28 Nov 15, 08:48
Warum sagt's den keiner?

Es gibt ganz einfach Stücke, die man nicht reinigen kann. Und bei dem Stück würde ich mir aufgrund der Beschädigungen auch nicht die Mühe machen. 
Titel: Re: Mineralienbestimmung und Reinigungstips ?
Beitrag von: cmd.powell am 28 Nov 15, 16:48
Moin

Sofern der rote Gammel nicht in den Calcitkristallen eingewachsen ist (wonach es z.T. jedoch aussieht), könntest Du Dein Glück noch mit Natriumdithionit versuchen. Allerdings - ganz ehrlich - wäre es mir diese Stufe nicht wert, da Du für eine effektive Reinigung dickerer Eisenoxidbeläge mehrere Durchgänge mit Dithionit benötigen wirst. D.h. zweimal täglich die Stufe in frische Natriumdithionitlösung legen - für einen recht langen Zeitraum (vermutlich 14 Tage oder länger). Das wird Dich einige Nerven und auch ein paar Euros kosten. Aber das musst letztlich Du entscheiden...