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Lexikon / Encyclopedia / Encíclopedia => Bilderdiskussionen / Image discussions => Thema gestartet von: Lexikon am 30 Nov 15, 20:08

Titel: Wurtzit pseudomorph nach Silber
Beitrag von: Lexikon am 30 Nov 15, 20:08
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(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1446891321.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1446891321.jpg)
Titel: Wurtzit pseudomorph nach Silber
Beitrag von: geomueller am 30 Nov 15, 20:08
Hallo alle,
das zum Stück gehörige Schild macht mich etwas stutzig, auch wenn es ein Schild der BAF ist. Das dendtitisch-federförmig auftretende Mineral ist zweifellos Wurzit, ich glaube aber nicht das es eine Pseudomorphose nach Silber ist. Es gibt ein ganze Reihe von Mineralen die dendritisch-federförmig auftreten können, gerade bei den Sulfiden. Ich habe eine gleichartige Stufe vom selben Fundpunkt (siehe folgende Bilder). Bei meinem Stück sieht man eindeutig, dass die federartigen Wurzitdendriten direkt aus einer Wurzitschicht der darunterliegenden Schalenblende herauswachsen. Die Fundstelle lag im Drei Prinzen Spat, also einem fba-Gang, da ist ged. Silber eher unwarscheinlich.

Mich würde mal eure Meinung dazu interessieren, vor allem die der Freibergexperten.

Gruß Jürgen
Titel: Re: Wurtzit pseudomorph nach Silber
Beitrag von: geomueller am 30 Nov 15, 20:11
Hier noch die Bilder meines Stückes der gleichen Art.
Titel: Re: Wurtzit pseudomorph nach Silber
Beitrag von: geomueller am 30 Nov 15, 20:14
noch zwei Bilder, auf dem Letzen sieht man schön die Dendriten auf einer Bruchfläche.

Jürgen
Titel: Re: Wurtzit pseudomorph nach Silber
Beitrag von: Walpurgin am 01 Dec 15, 08:56
Hallo Jürgen,
Zitat
Die Fundstelle lag im Drei Prinzen Spat, also einem fba-Gang, da ist ged. Silber eher unwarscheinlich.
Warum sollten auf einen fba Gang Silber unwahrscheinlich sein ?
Der Halsbrückerspat, 3 Prinzenspat und Ludwigspat hatten durchaus enorme Silberausbringen durch Silbersulfide und ged. Silber.
Auf den Gangkreuzen mit dem Issaak und Pabst Stehenden(eq-Formation) sind enorme Anreicherungen in der historischen Literatur beschrieben und der Churprinz war eh für eine ordentliche Silberabfolge bekannt (4cm große Pyrargyrite)(Hier ebenfalls auf Gangkreuzen mit Gängen der kb Formation).
Leider sind von den Halsbrücker Stufen keine mehr übrig aber vom Churprinz wurden nochmal in der letzten Bergbauperiode Funde getätigt.
Zurück zur Wurtzitstufe.....sehr schönes Teil, hab ich selber nicht in der Sammlung und durchaus plausibel das es sich hier um eine Pseudomorphose nach Silber handelt, obwohl man auf den ersten Blick an ged. Wismut denken könnte.
Titel: Re: Wurtzit pseudomorph nach Silber
Beitrag von: geomueller am 01 Dec 15, 20:32
Auf den Gangkreuzen mit dem Isaak und Pabst Stehenden(eq-Formation) sind enorme Anreicherungen in der historischen Literatur beschrieben und der Churprinz war eh für eine ordentliche Silberabfolge bekannt (4cm große Pyrargyrite)(Hier ebenfalls auf Gangkreuzen mit Gängen der kb Formation).
Leider sind von den Halsbrücker Stufen keine mehr übrig aber vom Churprinz wurden nochmal in der letzten Bergbauperiode Funde getätigt.
Zurück zur Wurtzitstufe.....sehr schönes Teil, hab ich selber nicht in der Sammlung und durchaus plausibel das es sich hier um eine Pseudomorphose nach Silber handelt, obwohl man auf den ersten Blick an ged. Wismut denken könnte.

Hallo Micha,
das oben zitierte ist mir durchaus bekannt, natürlich kenne ich auch die herrlichen Silber- und Silberparagenesestufen vor allem vom Churprinz, selbst habe ich auch zwei kleine Stufen in der Sammlung. Das auf Gangkreuzen reiche Silberanbrüche, auch im Halsbrücker Revier, vorkamen ist auch bekannt.

Trotzdem bezweifle ich nach wie vor das es sich bei dem fraglichen Stück um Dendriten nach Silber handelt.  Bei meinem Stück sieht man eindeutig, dass die federartigen Wurzitdendriten direkt aus einer Wurzitschicht der darunterliegenden Schalenblende herauswachsen. Meiner Meinung nach haben sich die dendritischen Wurzitkristalle direkt auf dem Wurzit der Sachalenblende, also gleichzeitig gebildet, und nicht durch eine PSM nach Silber. In der fba-Formation Freibergs sind durchaus auch andere dentritische Bildungen wie z. B. von Galenit bekannt und weit verbreitet.

Es wäre schön wenn die Diskussion weiter gehen würde, mich interessiert diese Thema wirklich sehr.

Gruß Jürgen
Titel: Re: Wurtzit pseudomorph nach Silber
Beitrag von: Walpurgin am 01 Dec 15, 20:35
Hallo Jürgen,
Nach Silber schaut mir das auch nicht aus aber wenn du Zeit und Muse hast schreibe doch einfach mal den Herrn Massanek an.
Ich glaube was die Thematik betrifft ist der doch ne ganze Weile fitter als wir  ;)
Wenn dir nochmal so ein Stück durch die Hände flutschen sollte lasse es mich bitte wissen.
Titel: Re: Wurtzit pseudomorph nach Silber
Beitrag von: Sebastian am 01 Dec 15, 20:47
Auch Galenit z.B. Kann ähnliche dentritische  Kristalle bilden.
Dieses dentritische wachsen spricht ja für eine sehr schnelle Abkühlung. Also ich bin auch skeptisch ob es sich wirklich um eine pseudo nach Silber handelt. Die Paragenese stimmt nicht wirklich, die Abfolge ist nicht so typisch Silberrreich. Aber ich kann ja mal nachfragen, vielleicht morgen schon...
Beste Grüße
Titel: Re: Wurtzit pseudomorph nach Silber
Beitrag von: geomueller am 01 Dec 15, 21:39
Hallo Sebastian,
 das wäre schön, bin gespannt auf weitere Meldungen.

Jürgen
Titel: Re: Wurtzit pseudomorph nach Silber
Beitrag von: Günter Blaß am 02 Dec 15, 00:22
Hier bei uns im Stolberger-, Bleiberger und -Aachener Revier gibt es ähnlich aussehende Bildungen von Zinkblende (Schalenblende) nach dendritischem Bleiglanz, sogenannte Strickblende.

MfG und GA
Günter Blaß
Titel: Re: Wurtzit pseudomorph nach Silber
Beitrag von: kks am 02 Dec 15, 11:22
Hier bei uns im Stolberger-, Bleiberger und -Aachener Revier gibt es ähnlich aussehende Bildungen von Zinkblende (Schalenblende) nach dendritischem Bleiglanz, sogenannte Strickblende.

Richtig. Aber alle derartigen Stufen, die ich bisher gesehen habe, hatten einen Kern aus dendritischem Bleiglanz, der von Schalenblende umgeben war. Es lagen also keine Pseudomorphosen vor. Es ist natürlich möglich, dass es auch andere Ausführungen gibt.

MfG
Klaus
Titel: Re: Wurtzit pseudomorph nach Silber
Beitrag von: Günter Blaß am 02 Dec 15, 12:36
Hallo Klaus,
hast Recht!
Es gibt aber auch Stufen bei denen kaum noch Bleiglanz vorhanden ist. Man sollte von Perimorphosen (nach STRUNZ, 1982) sprechen.
Trotzdem ist die Ähnlichkeit mit der oben gezeigten Stufe vorhanden.

Gruß
Günter
Titel: Re: Wurtzit pseudomorph nach Silber
Beitrag von: kks am 02 Dec 15, 13:52
Trotzdem ist die Ähnlichkeit mit der oben gezeigten Stufe vorhanden.

Hallo Günter,

die Ähnlichkeit ist in der Tat so groß, dass man schon überlegen sollte, ob hier nicht ebenfalls eine Perimorphose auf Bleiglanz vorgelegen haben könnte, wobei der Bleiglanz dann später durch Wurtzit verdrängt worden sein könnte. Es ist ja auch keineswegs sicher, dass die Strickblende des Aachener Reviers unbedingt nur aus Sphalerit besteht, Anteile von Wurtzit sind durchaus vorstellbar.  Aber das ist wohl ohne eingehende Untersuchungen weder für das hiesige noch für das sächsische Material zu entscheiden.


MfG
Klaus
Titel: Re: Wurtzit pseudomorph nach Silber
Beitrag von: geomueller am 08 Dec 15, 20:19
Hallo alle,
ich will mal das Thema wieder vor holen.
@Sebastian, konntest du mittlerweile etwas heraus bekommen, vielleicht über Herrn Massanek?

Gruß Jürgen
Titel: Re: Wurtzit pseudomorph nach Silber
Beitrag von: Sebastian am 04 Apr 16, 13:12
Herrn Massanek habe ich nicht direkt angesprochen, aber andere sachkundige Menschen.
Die Antwort war: warum nicht? Bei solchen Pseudomorphosen kann sehr gut Silber ersetzt worden sein, andere Minerale kommen auch in Frage, aber es gibt erstmal keinen Grund an Silber zu zweifeln.
Also ich würde den Beschriftungen erstmal trauen.
Tut mir leid wegen der späten Antwort.
Gruß Sebastian
Titel: Re: Wurtzit pseudomorph nach Silber
Beitrag von: geomueller am 05 Apr 16, 17:59
Hallo alle,
Sebastian, erst mal danke für die Antwort und das du mich nicht vergessen hast ;). So richtig befriedigen mich die Antworten noch nicht und ich hoffe immer noch auf Klärung meiner Frage. ich werde wohl doch das Stück mal persönlich zu Herrn Massanek tragen und versuchen mit ihm einen Termin zu machen wenn ich wieder mal nach Freiberg komme.

Man kann die Lagerstätten zwar nicht unmittelbar vergleichen, aber in Schlema-Alberoda-Schneeberg sowie in einer ganzen Reihe weiterer Lagerstätten im Westerzgebirge sind dendritische PSM nach Silber sehr häufig. Ich selbst habe viele in der Sammlung und habe viele in anderen Sammlungen gesehen. Die meisten PSM nach Silber sind dabei Verdrängungspseudomorphosen, dabei ist das Silber meist vollständig verschwunden und die Dendriten sind im Zentrum leer. Manchmal ist in der Seele der Dendriten das Silber noch reliktisch erhalten, manchmal sogar noch vollständig erhalten und mit einem hauchdünnen Saum aus biconi-Mineralen umschlossen.

Hier mal ein Beispiel für solche hohlen Dendriten
(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1320866921.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1320866921.jpg)

und hier ein Beispiel für vollständige Erhaltung des Silbers in einem biconi-Saum
(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1320866744.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1320866744.jpg)

Das Alles hat meiner Meinung nach aber nichts mit den am Anfang des Beitrages gezeigten Wurtzitdendriten zu tun. Bei diesem Stück sieht man eindeutig, dass die federartigen Wurtzitdendriten direkt aus einer Wurtzitschicht der darunterliegenden Schalenblende herauswachsen. Meiner Meinung nach haben sich die dendritischen Wurtzitkristalle direkt auf dem Wurtzit der Schalenblende, also gleichzeitig gebildet, und nicht durch eine PSM nach Silber. Wie bereits von Sebastian beschrieben, spricht dieses dentritische wachsen für eine sehr schnelle Abkühlung. Aus Halsbrücke sind ja auch die dendritischen Galenite bekannt, die meiner Meinung nach ähnlich entstanden sind wie diese Wurtzitdendriten und nicht als PSM nach Silber.

Bin auf weitere Meinungen gespannt ;)
MfG Jürgen
Titel: Re: Wurtzit pseudomorph nach Silber
Beitrag von: Elisabeth K. am 19 Aug 20, 17:55
Ist da wirklich einmal zweifelsfrei Wurtzit nachgewiesen worden? Das ist eines jener "inflationären" Minerale, die sich so durchschleppen. Meist ist es doch nur Zinkblende. An eine Pseudomorphose nach Silber glaube ich beim Drei Prinzen Spat allerdings auch nicht!
Titel: Re: Wurtzit pseudomorph nach Silber
Beitrag von: Chrisch am 19 Aug 20, 21:53
Tja, ich weiß nicht, aber rein von der Symmetrie her sieht es nach irgend einem ursprünglich kubisch kristaliisierten Mineral aus (was auch immer), also primäre Wurtzitdendriten sollten eigentlich auszuschließen sein. Aber wie sicher ist Wurtzit aus dem Freiberger Revier eigentlich - nicht in allen Mineralienlisten taucht er auf. Den vielen auf ebay angebotenen Anschliffen traue ich einfach nicht über den Weg. Eindeutig analysiert von der AHG Bräunsdorf (kleine idiomorphe xx)...

Gruß Chrisch

Titel: Re: Wurtzit pseudomorph nach Silber
Beitrag von: Chrisch am 19 Aug 20, 21:55
Sorry, NHG Bräunsdorf!