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Mineralien / Minerals / Minerales => Mineralien (Fundort) bestimmen / determine minerals => Thema gestartet von: seisteff am 21 Jul 16, 13:49

Titel: Stinkspat von Schlema?
Beitrag von: seisteff am 21 Jul 16, 13:49
Glück auf

Ich habe hier wieder ein Fundstück was damals zum Straßen- und Wegebau benutzt wurde und vermutlich von den Wismuthalden in Schlema stammt.

Auf Magnetit (ca.5x3,5x2,5cm) sitzt ein Mineral in dem kleine violett-schwarze Fluoritkristalle von ca.0,5mm Größe eingebettet sind. (siehe Bilder)
Ich vermute das es sich um “Stinkspat” handeln könnte. An einer anderen stelle im Magnetit ist noch ein grünes Mineral, könnte auch Fluorit sein. (Bild 4)

Meine Frage: Gab es das so in Schlema und liege ich da richtig mit meinen Vermutungen?

Danke für eure Hilfe!
Grüße seisteff
Titel: Re: Stinkspat von Schlema?
Beitrag von: Geomartin am 22 Jul 16, 04:14
Hallo,

der massive Magnetit stammt sicherlich aus einem Skarn, welche auch Nebengesteine fuer die Erzgaenge (in dem Fall wohl mgu) in Schlema waren. Allerdings traten diese (insbesondere mit massiven Magnetit) in Schlema nur sehr untergeordnet auf.

Zitat
Magnetit - Akzessorisch  in  vielen  Gesteinen.  In  derben,  körnigen  Massen  im  Skarn:  „Magnetenstolln"  bei
Zschorlau (FRENZEL 1874). Magnetitführende Skarne in Oberschlema auf tieferen Sohlen (z. B. -480m) und im Schachtfeld 67.
(aus der LfULG Monographie zu Schlema-Alberoda)

Haufig sind Magnetitskarne dagegen weiter suedlich (Schwarzenberg-Antonsthal-Poehla), wo sie oft Nebengesteine der Erzgaenge waren. Ich wuerde also Schlema nicht ausschliessen, aber ein Revier weiter im Sueden fuer wahrscheinlicher halten. Vielleicht Antonsthal, da wird ja gut Schotter von der Halde abgefahren.

Martin 
Titel: Re: Stinkspat von Schlema?
Beitrag von: seisteff am 22 Jul 16, 14:59
Hallo Geomartin,

Vielen dank für deine Antwort, damit könntest du recht haben und würdest auch die Vermutung meines Nachbarn bestätigen. Nämlich das dieses Material nicht direkt von den Halden in Schlema stammt, sondern von der Aufbereitung in Crossen bei Zwickau. (Somit komme ich diesem Rätsel immer näher)

Bei Google habe ich das gefunden. (siehe Anhang)   
(Der Anhang ist aus dem Buch “Uran für Moskau“)

Gibt es da eine Art Liste oder einen “Experten” der weiß von welchen Wismutstandorten  Material nach Crossen verbracht wurde?

Vielen dank für eure Hilfe!

Grüße seisteff
Titel: Re: Stinkspat von Schlema?
Beitrag von: uwe am 22 Jul 16, 16:45
Also ich halte Crossen als Ausgangsort für etwas sehr gewagt. Das Stück könnte zum Beispiel durchaus auch von der Halde 139 in Lauta stammen. Dort hat "Swing and Cut" Haldenmaterial aufgearbeitet und direkt an diverse Firmen als Schotter oder Füllboden verkauft. Natürlich ist violetter Fluorit etwas radioaktive belastet, aber der Anteil im Schotter ist so gering, daß die Belastung wohl weit unter dem Gernzwert liegen dürfte.

Dabei halte ich das fluoritreiche Marienberger Revier als primärer Herkunftsort für wesentlich wahrscheinlicher als Schlema.

Gruß
Uwe
Titel: Re: Stinkspat von Schlema?
Beitrag von: nwsachse am 22 Jul 16, 17:01
Hallo,

soweit mir in Erinnerung, wurde Magnetit von Pöhla auch auf der Halde vom Schacht "371" (Hartenstein) abgelagert, es gibt Bilder von solchen Stücken unter dem Fundpunkt "Schacht 371":
(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1156448789.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1156448789.jpg)

Jörg N.

Titel: Re: Stinkspat von Schlema?
Beitrag von: seisteff am 22 Jul 16, 21:08
Glück auf

Endschuldigung, ich hatte hier vorher noch einen Beitrag laufen und deshalb hier das wichtigste vergessen zu erwähnen. Der Magnetit mit Fluorit selbst strahlt nicht, aber er lag ca. 20cm neben diesem Stück Pechblende. (siehe Bild) Und dieses Material liegt schon min. 29Jahre hier unter einer Straße. (also DDR-Zeit) Deshalb viel jetzt mein Verdacht auf Crossen.

Grüße seisteff
Titel: Re: Stinkspat von Schlema?
Beitrag von: seisteff am 22 Jul 16, 22:58
Hallo

Ich war jetzt extra noch mal an der Stelle, wo ich den Magnetit und die Pechblende gefunden habe und habe ein Foto vom restlichen Gestein geschossen. Vielleicht kann jemand das Material einer Fundstelle zu ordnen.
(einen Versuch ist es Wert)

Danke seisteff

Titel: Re: Stinkspat von Schlema?
Beitrag von: Geomartin am 24 Jul 16, 12:57
Hallo,

soweit ich mich erinnere, wurde auf der Halde 371 wie oben schon erwaehnt Grossprobenmaterial von Zinnerzen (also hauptsaechlich Skarne) abgelagert, koennte also durchaus von dort umgelagert worden sein.

Crossen war seit 1951 in Betrieb und hat Erze aus allen Lagerstaetten der Wismut verarbeitet, also auch die vielen kleineren Vorkommen der Wismut im Erzgebirge (damals gab es aber auch mehrere kleinere Aufbereitungsanlagen direkt im Gebirge). Die Korngroesse der Bergehalde in Crossen lag aber laut Wismut Chronik bei unter 1.5cm 15cm, so dass ich daher Crossen ausschliessen wuerde. Ist einfach zu grob.

Zu fluechtig gelesen, ich korrigiere mich mal (Chronik der Wismut, 2012 zur Bergehalde von Crossen):
Zitat
Die Korngröße des abgelagerten Materials lag bei ≤ 150 mm.
Aus Bilanzrechnungen ist erkennbar, daß ca. 18 Mio t Erz auf die Halde gefördert worden waren. Vor
dem Beginn der Sanierungsmaßnahmen waren davon noch 5,6 Mio t vorhanden. Der Rest wurde nach
Siebung als feinkörniges Material für mannigfaltige Zwecke, insbesondere für den Straßen- und We-
gebau verwendet.
Der Verkauf und die Verwendung des Haldenmaterials erfolgten gemäß der "Anordnung zur Gewähr-
leistung des Strahlenschutzes bei Halden" (Gesetzblatt der DDR, Teil I, Nr. 34, vom 17.12.1980).

Also ich bleibe dabei, am wahrscheinlichsten halte ich als Herkunft eine Lagerstaette im Grossraum Schwarzenberg. Nach Beendigung der Bergbaus auf den vielen Kleinvorkommen der Gegend wurden die Areale ja schon in den 1950er/60er Jahren wieder an Kommunen und andere Traeger uebergeben und viele der kleinen Halden als Schotter abgefahren.

Marienberg halte ich aber fuer unwahrscheinlich, da fehlen die Magnetitskarne.

Martin
Titel: Re: Stinkspat von Schlema?
Beitrag von: uwe am 24 Jul 16, 14:52
Ja, stimmt. Ich hatte den Magnetit überlesen. Marienberg scheidet aus.

Uwe
Titel: Re: Stinkspat von Schlema?
Beitrag von: seisteff am 25 Jul 16, 16:35
Glück auf

Dankeschön für eure Hilfe.

Ich war gestern noch mal suchen und habe noch mehr solche massiven Magnetite gefunden, ist also kein Zufallsfund gewesen (allerdings diesmal ohne Fluorit) und auch einige Stücke mit Pechblende konnte ich noch aufspüren. Wobei diese aber Optisch recht unterschiedlich aussehen. Ein kleineres davon würde ich aber zu 99% nach Schlema zuordnen.
Wenn die (wie vorher oben schon geschrieben) von Pöhla Magnetit auf die Halde 371 gefahren haben würde das natürlich auch einen Sinn ergeben.

Nur das die zu DDR-Zeiten solche Stücke mit Pechblende weggeworfen haben, geht mir nicht so richtig in den Kopf. Ich dachte da geht’s um jedes Krümel.

(Ich habe diese Stücke auch noch nicht mit UV-Licht abgeleuchtet, da könnte noch was zum Vorschein kommen)

Grüße seisteff
Titel: Re: Stinkspat von Schlema?
Beitrag von: Sebastian am 25 Jul 16, 18:06
hallo, am Anfang ging es um jeden krümel,
späer haben die auch nur die Reicherze genommen.
Armerze gingen auf die Halde meines Wissens.
Magnetit und das in größeren Mengen lässt eineutig auf Skarne schließen, Schlema alleine fliegt da raus.
Gruß Sebastian
Titel: Re: Stinkspat von Schlema?
Beitrag von: Blackminer am 25 Jul 16, 18:40
Hallo seisteff,
bei Hartenstein gabs zu DDR-Zeiten ein Schotterwerk, dass Haldenmaterial aufgearbeitet hat. Soweit ich mich erinnere, lag das zwischen der 371 und 366. Die Straße hiess, glaube ich, "Zur dürren Henne" oder so ähnlich.
Material von dort ist u.a. bis auf die Waldwege am Rabenberg zwischen Breitenbrunn und Johanngeorgenstadt verfrachtet worden. Quasi, das halbe westliche Erzgebirge dürfte damit seine Wege gebaut haben und nicht nur die.

Zu deiner Frage, weshalb du Pechblende gefunden hast.
Manchmal war die Zählerstation defekt, die Verdünnung in den Hunten zu hoch, die Gehalte haben nicht gestimmt usw. usw.
Die "Wismuter" wissen bestimmt mehr....
GA
Raik
Titel: Re: Stinkspat von Schlema?
Beitrag von: Geomartin am 26 Jul 16, 03:03

Nur das die zu DDR-Zeiten solche Stücke mit Pechblende weggeworfen haben, geht mir nicht so richtig in den Kopf. Ich dachte da geht’s um jedes Krümel.


Das stimmt nur beding. Interessant ist hier wiederum die Chronik der Wismut, da wird die Konditionen fuer die Erzklassifikation dargestellt.

Fuer Schlema: Die geloeschten Ressourcen fuer das Erzfeld Schlema betragen etwa 88.500t Uran. Die Menge an gelieferten Uran liegt aber nur bei rund 80.000t. Also zwischen Abbau und Verladestation sind rund 10% verlorengegangen. Also auf dem Abbau im Versatz gelandet, beim Transport haengengeblieben, an der RKS / RAF falsch klassifiziert worden usw.. Oder einfach statistischer Fehler und ein Teil der berechneten Vorraete hat niemals exisitiert (der Fehler der sichersten Vorratsklasse B, welche bei der Wismut Verwendung fand, lag immer noch bei plusminus 30%).

Hinzu kommen Situationen, wo kleine Truemer / Linsen / Schnuere mit Pechblende durchfahren wurden, welche in der Bilanz gar nicht auftauchten - bei der Vorrichtung von Abbaufeldern, Erkundung, Schachtteufe usw..

Die Abbauverluste sanken ueber die Jahre mit verbessterter Technologie und Erfahrung, allerding stiegen auch die Schwellengehalte (also ab welchem Urangehalt wird ein Block als Erz klassifiziert).

Insgesamt loeschte die Wismut Vorraete in Hoehe von 250.000t bis 1991, geliefert wurden etwa 216.000t. Also ein Gesamtverlust (Gewinnung plus Aufbereitung) von etwa 15%, das ist ziemlich ok.
Titel: Re: Stinkspat von Schlema?
Beitrag von: seisteff am 26 Jul 16, 22:40
Glück auf

Vielen dank für eure Antworten bzw. Hilfe. Das Material wird dann wohl sehr wahrscheinlich von einer Halde in Schlema stammen.

Im übrigen hat das auch noch was gutes, ich habe 50m Straße saniert. (von Altlasten befreit) :D

Danke seisteff

Titel: Re: Stinkspat von Schlema?
Beitrag von: seisteff am 26 Jul 16, 22:57
Ich hab noch was vergessen!!!
Sucht einer von euch Pechblende, ich hab jetzt einige Stücke im Angebot. :D :D :D

Grüße
Titel: Re: Stinkspat von Schlema?
Beitrag von: seisteff am 27 Jul 16, 22:52
Glück auf

Den möchte ich euch noch mal zeigen! Schlema, Oder?

Das ist mein schönstes Fundstück von dieser Aktion nach dem Säubern! Hier auch noch mit anderen Mineralien bzw. Erzen.

Grüße seisteff
Titel: Re: Stinkspat von Schlema?
Beitrag von: seisteff am 29 Jul 16, 00:37
Glück auf

Ich wollte diesen Beitrag eigentlich beenden, aber wie das so ist, einmal Blut geleckt….
Heute noch mal draußen gewesen, “Waldweg dritte Ecke rechts” (kein Witz) das ist für mich wie ein 6er im Lotto.
Uraninit, (Pechblende)

Grüße seisteff

Titel: Re: Stinkspat von Schlema?
Beitrag von: Steiger am 29 Jul 16, 20:22
Magnetit kann durchaus von der Gegend um Schlema, Geyer bis Annaberg vorkommen. Da dort auch Magetitbasalte siehe Scheibenberg sind. Stinkspat ist es definitiv. Stinkspat kommt oft in der nähe von Uranmineralen vor. Strahlt sehr schwach Gamma und unterscheidet sich minimal vom natürlichem Strahlungsniveau. Hab selbst reichlich auf den Halden um Marienberg, Wolkenstein und Seiffen gefunden zusammen mit Granit und Autunit bis Zeunerit. Aber Magnetite war auf diesen Fundstellen nicht zu finden.
Titel: Re: Stinkspat von Schlema?
Beitrag von: seisteff am 30 Jul 16, 00:31
Glück auf

Hallo Steiger, Danke für deine Antwort! Zwecks Stinkspat!

Das hier “vorher oben” gezeigte Stück ist aber 100% kein Magnetit, es strahlt aber wie die “Sau“. Was da jetzt die Pechblende ist weiß ich auch nicht so genau. (Ich dachte alles)

Ich habe mich bis jetzt noch nicht groß mit U-Mineralien beschäftigt, aber eins hab ich schon beim Suchen mitbekommen, nicht alles was aussieht wie Pechblende ist auch welche.
Im Gegenteil die Pechblende ist unscheinbar, ohne Geigerzähler würde ich als “Laie” vermutlich immer die falschen Steinschen einsammeln. Ich hatte bis jetzt auch fast nur Bilder als Grundlage, aber die sind fernab von der Realität wie sie z.B. auf einem Waldweg rum liegen. Deshalb würde ich behaupten ohne Hilfsgeräte kann man die Pechblende nicht erkennen. Was sie dann auch gefährlich macht.

Grüße seisteff

Titel: Re: Stinkspat von Schlema?
Beitrag von: Steiger am 30 Jul 16, 00:46
Glück Auf Seisteff!
Dein Bild ist definitiv ein schönes Stück Pechblende. Sowas auf nem Weg.  ;D
Kaum verwittert sogar. Ja, geb dir vollkommen recht, dass man ohne GM-Zähler kaum was findet. Gerade bei uns in Seiffen erkennt man die teils Verwitterten Uranocker, Pechblendestücke und Autunite und Heinrichitartigen Minerale kaum. Aber Nachts, wenn man mal zu nem Uranschurf geht mit ner UV Lampe, hab ich echt meinen Augen kaum getraut.  :o
Der erste oberste Beitrag war zu dem aller, aller ersten Beitrag dieses Gespräches gemeint. Sorry, wenn dass falsch zum Ausdruck gekommen ist.

Gruß Steiger