Mineralienatlas - Fossilienatlas

Vermischtes / Miscellaneous / Varios => Bestimmungen allg. => Thema gestartet von: Pau La am 09 Aug 16, 17:44

Titel: Bestimmung dieses "Steins"
Beitrag von: Pau La am 09 Aug 16, 17:44
Hallo zusammen!

Ich bin neu hier und möchte euch bitten, mir zu helfen herauszufinden was mein Sohn vom Spielen mit nach Hause gebracht hat.

Ich gehe mal den Fragenkatalog nacheinander durch:

1.) Der genaue Fundort

Deutschland- NRW- Westmünsterland - Kreis Borken - Bocholt - Mussum - "Acker bei Uropa" <iframe src="https://www.google.com/maps/embed?pb=!1m18!1m12!1m3!1d1082.6852920211186!2d6.593179303228891!3d51.820197168125446!2m3!1f0!2f0!3f0!3m2!1i1024!2i768!4f13.1!3m3!1m2!1s0x0%3A0x0!2zNTHCsDQ5JzEyLjciTiA2wrAzNSczOC4yIkU!5e1!3m2!1sde!2sde!4v1470752067473" width="600" height="450" frameborder="0" style="border:0" allowfullscreen></iframe>

2.) Die Fundsituation

Kind war zum spielen auf dem Acker unterwegs. Das Fundstück hat ca. 5 bis 10 cm unter der Oberfläche gelegen. Ein Foto der Fundstelle würde jetzt glaube ich wenig Sinn machen, gewöhnliches Ackerland halt...

3.) Typisch?

Nein weder typisch für diesen Ort, noch typisch im erweiterten Sinn!

4.) Bilder im Anhang: das Ding ist in natura nicht so schwarz wie es auf den Bildern aussieht, vielmehr glänzt und schimmert er im Licht bläulich / silbrig. Leider sehr schwer auf nem Foto darzustellen.

und was fällt mir besonders auf: Er sieht nicht aus wie ein gewöhnlicher Stein, erinnert an einen Hämatit oder ein Stück stark kompimierte Alufolie. Beides ist aber "negativ" Unter dem Auflichmikroskop meines Sohnes reflektiert der das Licht an manchen Stellen grünlich, so wie oxidiertes Kupfer. Das ist aber kein Belag, sondern nur die Farbe des reflektierten Lichts.

Er fühlt sich im ersten Moment kühl an, nimmt aber schnell Temperatur an.


Für mich ist bisher nicht eindeutig, ob es sich um ein Gestein oder ein Mineral handelt, darum beantworte ich mal das was geht zu beiden...

1.) Die wichtigsten Eigenschaften

a.) homogen

b.) unter einem Auflichtmikroskop für Kinder kann man (vereinzelt) winzige Poren erkennen.

c.) keine Reaktion auf (ziemlich starken) Magneten

d.) Volumen: 7,5 ml Masse: die Waage bei der Arbeit ist leider zu ungenau - er muss unter 20 g wiegen.

e) Das Erscheinungsbild
habe ich oben unter Punkt 4) geschrieben

f.) Innen wie außen. Haben das Ding bei der Arbeit an drei Stellen angeschliffen, das Material ist innen genauso wie außen und man sieht auf den Schliffflächen keine Poren.

g.) Man erkennt eine kristalline Struktur aber sehr ungeordnet. Große und kleine "Terassen"

h.) Das Ding ist ziemlich Hart, habe ihn bei der Arbeit auf 72 HRC geprüft (Schnitt aus fünf Messungen mit Diamantkegel 120°). Man kann mit dem Ding Stahl zerspanen, er ist also nicht nur hart sondern auch relativ fest.

i.) Habe kariertes Papier untergelegt. Ganz grob 25 x 25 x 10 mm

j.) Spaltbarkeit - Schieferig? Nein.

2.) Säuretest Habe nur Zitronensäure zu Hause, zwar recht hoch konzentriert zeigt sich das Ding aber unbeeindruckt.

Mineralien

e.) Strich anthrazitgrau


Das interessanteste zum Schluss:

Ich habe bei der Arbeit eine Spektralanalyse machen lassen. Diese blieb ohne jedes Ergebnis. Dazu wurde der "Stein" an drei Stellen geschliffen. Dabei gab es keine Funken, sondern viel Staub und er nahm schnell an Temperatur zu.
Beim "Blitzen" wurde der Stein dann extrem heiß, an den Stellen sind jetzt unter dem Auflichmikroskop kleine Krater zu sehen mit Bläschen. An diesen Stellen erkennt man gelblich / bräunliche Ablagerungen und tiefer innen in diesen Kratern eher bräunliche Kristallhäufchen, die aussehen wie feine Stacheln eines Kaktus.

Elemente, die wir in unserer Firma gewöhnlich bei der Spektralanalyse "enttarnen" : Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Phosphor, Zinn, Zink, Aluminium, Magnesium, Calcium, Chrom, Mangan, Molybdän, Nickel, Kupfer, Niob, Tellur... (was man so in Maschinenbaustahl rein mischt - ich hoffe ich habe nichts ausgelassen...)

So und nun wisst ihr auch, warum ich mit meinem Problem hier gelandet bin.... Was zum H.... kann das sein??? Ich kenne mich zwar "nur" mit Stahl aus aber finde die Eigenschaften dieses "Dings" in ihrer Kombination irgendwie sehr merkwürdig. Ich hoffe, hier hat jemand eine Idee oder auch einen Tipp, an wen ich mich wenden könnte.

Danke auf jeden Fall schon mal fürs Lesen bis zum Schluss!

LG Claudia
Titel: Re: Bestimmung dieses "Steins"
Beitrag von: felsenmammut am 09 Aug 16, 20:04
Glück Auf!

Die Beschreibung ist in jedem Fall lobenswert umfangreich und faktenlastig. Es liest sich ersteinmal wie Schlacke. Es wäre noch interessant die Bilder zu sehen. Besteht die Möglichkeit zur Analyse des Eisen- und Silizium-Gehalts?

Mit freundlichen Grüßen

Das Felsenmammut
Titel: Re: Bestimmung dieses "Steins"
Beitrag von: uwe am 10 Aug 16, 08:26
Ziemlich merkwürdiger Fund. Es scheint fast, als wäre es reines Silizium bzw. Silizium mit irgend einer Beimengung, wobei der "felsenmamut" vermutlich mit Eisen richtig vermutet.

Gruß
Uwe
Titel: Re: Bestimmung dieses "Steins"
Beitrag von: gladhammar am 10 Aug 16, 08:44
Hallo,
für mich sieht das wie massives SiC aus.
GA Detlef
Titel: Re: Bestimmung dieses "Steins"
Beitrag von: Andreas Schmid am 10 Aug 16, 09:19
Nachdem Kohlenstoff ja lt. Spektralanalyse wegfällt kann es auch kein SiC sein.
Nachdem es sehr hart ist und auch widerstandsfähig sollte es auch kein reines Si sein. Das ist spröde.
Hart sind Keramiken, die liegen aber meist nicht so herum und sehen rein optisch ein wenig anders aus. Außerdem enthalten die meisten Keramiken N (nicht vorhanden) oder C (auch nicht vorhanden).
Für mich sieht es aus wie eine Vorlegierung die dann Stahl beigemengt wird. In Frage käme Ferrosilizium oder FeW.

LG
Andreas
Titel: Re: Bestimmung dieses "Steins"
Beitrag von: felsenmammut am 10 Aug 16, 11:03
Glück Auf!

Anhand der Bilder wäre Ferrosilizium ein vielversprechender Kandidat für des Rätsels Lösung. Bleibt nur noch die Analyse nach dem Eisen- und Siliziumgehalt abzuwarten.

Mit freundlichen Grüßen

Das Felsenmammut
Titel: Re: Bestimmung dieses "Steins"
Beitrag von: Andreas Schmid am 10 Aug 16, 12:18
habe ich doch gut analysiert gell Markus ;-)
Titel: Re: Bestimmung dieses "Steins"
Beitrag von: Pau La am 11 Aug 16, 07:43
Hallo zusammen!

Erstmal Danke für eure Antworten!

Ich habe eure beiden Favoriten Silizium und Ferrosilizium gegoogelt und finde, dass rein optisch das reine Silizium unserem "Stein" näher kommt. Das Ferrosilizium sieht auf den Bildern, die ich ergoogelt habe so blass und unglänzend aus.

Frage dazu: Bei Silizium hatte jemand geschrieben, das sei ausgeschlossen weil C lt. Spektralanalyse ausgeschlossen ist. Wieso gilt das dann nicht für Ferrosilizium?

Ich werde bei Gelegenheit nochmal den Kollegen, der die Spektralanalyse gemacht hat, aufsuchen und mich nochmal melden wenn ich was Neues weiß!

LG Claudia
Titel: Re: Bestimmung dieses "Steins"
Beitrag von: Andreas Schmid am 11 Aug 16, 10:50
Liebe Claudia

SiC kommt nicht in Frage auf Grund des fehlenden C. Si könnte schon passen. Ist allerdings spröde und widerspricht damit dem oben gesagten wonach das Material sehr widerstandsfähig.

Es gibt wie gesagt auch mehrere andere Möglichkeiten wie z.b. FeW.....

LG
Andreas
Titel: Re: Bestimmung dieses "Steins"
Beitrag von: Pau La am 11 Aug 16, 15:20
Habe ihn jetzt wiegen können und zwar wiegt er 15,7g, was bei einem Volumen von ca. 7,5ml auf eine ungefähre Dichte von 2,1 Rho schließen ließe...Damit wäre Wolfram oder eine Fe-Legierung mit Wolfram wohl raus.

Silizium käme mit der Dichte schon ganz gut hin, viel Eisen kann dann aber nicht drin sein... WIE spröde ist reines Silizium denn? Müsste ich das mit dem Fingernagel splittern können? Ich habe damit im Betrieb eine Passfeder zerkratzt, die war natürlich nicht gehärtet, Wald und Wiesenstahl und nur mit Handkraft.

Ich werde den Spektralanalyse-Kollegen nochmal konsultieren. Falls euch noch was einfällt was uns des Rätsels Lösung näher brächte, haut es raus ;-)

Gruß, Claudia

Titel: Re: Bestimmung dieses "Steins"
Beitrag von: Andreas Schmid am 11 Aug 16, 19:23
Bei der niedrigen dichte und härte fällt mir noch titan ein. Ansonsten kann es natürlich viel anderes auch sein. Das PE ist umfangreich. Jedenfalls nichts aus der natur

Ti ist hitzeempfindlich und bildet dann weisses tio2. Das geht zb mit einem winkelschleifer
Titel: Re: Bestimmung dieses "Steins"
Beitrag von: felsenmammut am 11 Aug 16, 19:38
Glück Auf!

Silizium hat Mohshärte 7 und leistet bei der Zerkleinerung erheblichen Widerstand.

Mit freundlichen Grüßen

Das Felsenmammut
Titel: Re: Bestimmung dieses "Steins"
Beitrag von: Andreas Schmid am 11 Aug 16, 20:35
silizium sollte jedenfalls mit Spektralanalyse nachweisbar sein
Titel: Re: Bestimmung dieses "Steins"
Beitrag von: Harzsammler am 11 Aug 16, 20:58
Wie sieht es mit der elektrischen Leitfähigkeit aus?

Grüße,
Michael
Titel: Re: Bestimmung dieses "Steins"
Beitrag von: AliBaba am 13 Aug 16, 10:48
Bitte sag uns doch mal ob es quarz ähnliches struktur hat oder eher metallich oder stein ähnlich.

Weil titan oxide könnten zwar sein aber ich habe bis her nur runde oder nadlige gesehen, so eins wie ein kiesel du hast nicht.
Außerdem d.g. richtung mangan oder magnesusium oxide sollte die reise gehen.
Bei der härte liegt der haken! Wenn ich nicht falch gelesen haben ist die härte 7,5. Das wieder rum geht in die richtung glas oder quarz.

Also ich kann nur glasartiges Strucktur erkennen. Bitte schau dir das ding noch mal an.
Titel: Re: Bestimmung dieses "Steins"
Beitrag von: Klaus91 am 13 Aug 16, 11:11
Ich denke auch an Silizium... El. Leitfähigkeit wäre da Aussagekräftig.

Aber es können auch einige Silizide in Frage kommen, da gibts mer als genug leider...
Titel: Re: Bestimmung dieses "Steins"
Beitrag von: Fabian99 am 15 Aug 16, 12:58
Hallo,

reines Si wird kaum eingestzt, in der Regel sind diese Steine Ferrosilicium.
https://de.wikipedia.org/wiki/Ferrosilicium

LG
Titel: Re: Bestimmung dieses "Steins"
Beitrag von: Salzhase am 15 Aug 16, 20:31
So, so reines Silizium wird kaum eingesetzt, aus was bestehen dann Wafer?

Glück Auf
Salzhase
Titel: Re: Bestimmung dieses "Steins"
Beitrag von: Fabian99 am 15 Aug 16, 20:58
Reines Silicium liegt nicht in der Menge rum. Die Menge ist im Vergleich zu dem Legierungsmaterial zu vernachlässigen.

MfG
Titel: Re: Bestimmung dieses "Steins"
Beitrag von: Salzhase am 16 Aug 16, 20:13
Auf jedem größeren Flohmarkt wo jemand Mineralien anbietet, findet sich Silizium .

Glück Auf
Salzhase
Titel: Re: Bestimmung dieses "Steins"
Beitrag von: Fabian99 am 16 Aug 16, 20:39
Da habe ich bisher nur Silicium-Carbid bekommen. Aber sei es drum, dann liegt mehr Halbleiter-Si rum als Legierungssilicium.

MfG
Titel: Re: Bestimmung dieses "Steins"
Beitrag von: Andreas Schmid am 16 Aug 16, 21:08
Mich würde wirklich interessieren wer reines Silizium in so einem großen Stück zu Hause hat.
Reines Si wird kaum so herum liegen.
Titel: Re: Bestimmung dieses "Steins"
Beitrag von: Fabian99 am 16 Aug 16, 21:38
in der Vitrine steht ein Einkristall plus etwas Rohmaterial, aber auch Ferrosilicium.

MfG
Titel: Re: Bestimmung dieses "Steins"
Beitrag von: Emil Box am 16 Aug 16, 22:44
Zitat
Mich würde wirklich interessieren wer reines Silizium in so einem großen Stück zu Hause hat.
Reines Si wird kaum so herum liegen.
Ich.
"nicht um-kristallisiertes" wird auch zur Silicone-Herstellung benutzt, ist aber silbriger als den fraglichen Brocken.
M.f.G.
Milo
Titel: Re: Bestimmung dieses "Steins"
Beitrag von: Harzsammler am 16 Aug 16, 22:55
Mich würde wirklich interessieren wer reines Silizium in so einem großen Stück zu Hause hat.
Reines Si wird kaum so herum liegen.
... gab es am Sonntag auf der Börse in Hettstedt für unter 10€ das (Kinder-)faustgroße Stück zu kaufen. Laut Händler 99,99% Reinheit.

Grüße,
Michael
Titel: Re: Bestimmung dieses "Steins"
Beitrag von: Fabian99 am 17 Aug 16, 11:35
Ok, dann scheint es regionale Unterschiede zu geben. Hier in der Gegend ist meines Wissens eine SiC-Fabrik. Falls ein Solarmodulhersteller in der Nähe ist sieht das anders aus. Die Stücke, Kristall + Feedmaterial ultrapur, hier sehen so aus:
(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1120065113.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1120065113.jpg)

MfG
Titel: Re: Bestimmung dieses "Steins"
Beitrag von: Pau La am 19 Aug 16, 16:01
Die elektrische Leitfähigkeit war schwierig zu messen. Beim größtmöglichen Abstand zwischen den Prüfspitzen war kaum noch was zu messen, lagen sie nah beeinander, kam aber durchaus etwas an. Den genauen Wert müsste ich nochmal gucken, bin grad nicht zu Hause.

Sagen wir mal so: Das Ding glänzt nicht gerade durch Leitfähigkeit...  ;D
Titel: Re: Bestimmung dieses "Steins"
Beitrag von: Ronin am 10 Oct 16, 19:29
Graphit oder Molybdän!?