Mineralienatlas - Fossilienatlas
Mineralien / Minerals / Minerales => Allg. Diskussionen Mineralien / General discussions minerals => Achate / Agates => Thema gestartet von: Klaus Schäfer am 23 Nov 16, 11:16
-
Hallo liebe Sammlerkollegen,
Im Laufe der wissentschaftlichen Klärung von Wachstumsphänomenen bei Chalcedonen / Achaten scheint es nun wesentlich, festzustellen in wieweit diese verbreitet sind. Zum einen ist interessant, an welchen Fundorten diese Phänomene auftreten, zum anderen in welcher Häufigkeit.
Beschreibung der Phänomene:
"Holosphärolithe" - komplett runde, in der Matrix freischwebende sphärolithische Bildungen in Achat oder Chalcedon, die folgende Merkmale aufweisen:
- komplett als Sphärolithe ("holo-") ausgebildet, oft rund, manchmal oval verzerrt
- immer allein stehend (Anstossen an andere H.Sph. möglich, aber nie Durchdringung oder gemeinsames Wachstum)
- immer freischwebend, kein erkennbarer Anwachspunkt
- augenfällige Sortierung in Bandzonen im Achat. Daher nie einzeln, oft in großer Zahl.
- bislang Größe von etwa 0,05 mm bis zu 4 mm.
(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1479893788.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1479893788.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1479893771.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1479893771.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1479893684.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1479893684.jpg)
"holosphärolithische Spiralen" - in wenigen Achaten, die obengenannte H.Sph. führen, finden sich im Inneren dieser Gebilde dreidimensional spiralförmige Bildungen in unterschiedlicher Windungszahl und Drehrichtung. Da die Spiralen dreidimensinal geformt sind, muss der H.Sph. genau auf einem Meridian angeschliffen sein (auf der "Halbkugel") um die Spirale als solche zu erkennen. Liegt der Schnitt ober- oder unterhalb erkennt man nur eine Anhäufung exzentrischer kreisartiger Bildungen. Ebenfalls muss der "Kippwinkel" des Anschnittes stimmen, um Spiralen zu erkennen. Daher zeigen sich in einem Stück, das zwar in allen seinen H.Sph. diese Spiralen führt, nur wenige dem Betrachter.
(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1479893752.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1479893752.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1479893715.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1479893715.jpg)(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1479808818.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1479808818.jpg)(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1479808828.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1479808828.jpg)(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1479808856.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1479808856.jpg)
Es wäre großartig, wenn ihr Eure Sammlungsbestände nach diesen Phänomen durchforstet und Euch (am besten mit einem Foto) meldet.
Danke, Klaus
-
einer aus dem Leipziger Land
(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1265374786.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1265374786.jpg)
-
Danke, Gerd.
Allerdings ist dein Stück nicht in die gleiche Kategorie einzuordnen wie die Holosphärolithe. Bei deinem Stück sind die Sphärolithe eher zweidimensional ("Frisbee"-förmig) und weisen eine auf einem Achatband aufgewachsene Seite auf. (Holosphärolithe sind nicht aufgewachsen, sondern immer freischwebend). Diese Art Bildung ist auch sehr interessant, zeigen sich hier doch wiederholt Sphärolithe, die die durchgehenden Chalcedonfasern auf Stockwerkebenen unterbrechen, was selten der Fall ist. Sichtbar werden diese S. durch Verwitterungseinflüsse, da sie strukturelle Unterschiede zum sie umgebenden Chalcedon haben.
Sehr ähnliche schottische Achate stammen aus dem Barras Quarry.( http://www.agatesofscotland.co.uk/barrasquarry.html )
Ich würde mich sehr über ein Foto hoher Auflösung freuen.
Nochmals vielen Dank, Klaus
-
Hallo,
hier mal ein interessanter Sphäroliten-Achat aus dem Rotliegend von Nordwestsachsen.
Fundort war Paudritzsch bei Leisnig. Größe 6,5x4 cm.
Gruß Heiko
-
Hallo Heiko,
Vielen Dank für deinen Beitrag in diesem Thread. Alle Achate sind aus mal gut erkennbaren, mal weniger gut erkennbaren Sphärolithen aufgebaut. Wir versuchen hier, Informationen über die sogenannten "Holosphärolithe" (s.o.) - und viel wichtiger - deren Variante "holosphärolithische Spiralen"- zusammenzutragen.
Die von Dir auf deinem Stück als Sphärolithe gedeuteten "Augenbildungen" entstehen durch den Anschnitt von mehr oder minder parallelen, röhrenartigen Achatbildungen, in deren Mitte sich ein "Moosfaden" befindet. Genetisch ist die Zeichnung dieses hübschen Achates leider nicht mit einer durch "Holosphärolithen" entstandenen vereinbar. Dein Beitrag ist aber insofern wertvoll, da er hilft "Holosphärolithe" von anderen strukturellen Eigenheiten von Achaten abzugrenzen.
Vielen Dank, Klaus
-
Achate sind gewachsene Strukturen. Das gefällt mir sehr gut als Vertreter der Biomineralisation.
Hier wären auch die Achate von Badenweiler Altermannfels einzuordnen, die ich vor kurzem ersteigern konnte. Das wußte ich noch nicht, der Altemannfelsen als Achatfundort.
Die Achate von Schlüsselstein im Elsaß und Geißberg bei Lahr in Deutschland zeigen auch ein gleichmäßiges Bandmuster
-
Danke für deinen Kommentar Bernhard.
Es gilt festzuhalten, das die Entstehung der holosphärolithischen Spiralen zwar ungeklärt ist, allerdings auch keinerlei evidenten Hinweise zu einer biogenen Entstehung dieser Struktur vorliegen. Erste Fehldeutungen als fossile Lebensspuren konnten im Diskurs leicht wiederlegt werden und sind daher auch nicht mehr im Zentrum der Diskussion.
Grüße von Klaus
-
Servus
Wie schnell härtet eigendlich die Achatlösung aus nach dem sie in den Hohlraum gelaufen ist?
Vl hat das mit den spiralspäros mit einer unterschiedlichen Dichte der Lösung zu tun.
-
Hier lernt man wirklich viel. Danke für die ausführliche Beschreibung der Achate aus unserer Region.
Lieben Gruß,
Gabriel
-
Hallo Boris,
Eine "Achatlösung" läuft nicht in einen Hohlraum und wird dann etwas später hart. Wenn es so einfach wäre, würden meine Schüler in der Berufschule jubeln, weil sich einen sehr komplexen Sachverhalt weniger merken müssen.
Zur Achat-Entstehung gibt es mehrere Theorien, die sich zum Teil widersprechen. Eine sehr gute Synopse mit theoretischen Verknüpfungen entwickelte Michael Landmesser ("Das Problem der Achatgenese", ein Büchlein mit etwas mehr als 120 Seiten) am Institut für Edelsteinforschung in den 1990 igern. Seine Arbeit hat u.a. Professor Jens Götze aus Freiberg mit fundierter Forschung und kreativen Impulsen fortgesetzt. Seine Lösungsansätze werden mittlerweile weltweit akzeptiert. Interessant ist, daß gerade beim Thema der Achatgenese immer wieder "aktuelle", aber hanebüchene Theorien das Licht der Welt erblicken (C.Venuti u.v.a.m)
Zu den von dir angesprochenen Punkten: gelöstes Kieselgel diffundiert im Feuchtigkeitsverbund atmosphärischen Wassers entlang der Korngrenzen der das Gestein aufbauenden Mineralen in einen Hohlraum. Aufgrund geringster Konzentrationsvorteile reichert sich gelöste Kieselsäure in bestimmten Hohlräumen an, wogegen sie in anderen verschwindet (SiO4-Akkumulation). Der Hohlraum wird gefüllt, durch Alteration des Geles kann es zu Druckanstieg kommen und Teile des Geles werden aus dem Hohlraum gepresst (Thematik "Einflusskanäle - Ausflusskanäle - Ventile")
Aus dem Kieselsäuregel enstehen verschieden Opalphasen, unter denen Opal-CT die wichtigste ist. Aus ihr entsteht dann in Folge der Achat.
Diese Prozesse nehmen geologische Zeiträume in Anspruch.
Der bislang jüngste gefundene Achat stammt von Big Island, Hawaii und ist etwa 50 000 Jahre alt (Dies ist das Alter des Muttergesteines. Man geht davon aus, das die Achatentstehung unmittelbar nach Verfestigung und Abkühlung des Gesteines beginnt.)
Bei bestimmten Achatbildungen ("Lagenachat", "Uruguaytyp-Achat") spielt die Gravitation eine Rolle. Bei der umlaufenden Achatbänderung spielen Prozesse der Adhäsion und Kristallisation die vorwaltenden Rollen. Hier integrieren sich auch die dynamischen Prozesse, die zur Bildung der "Spiralen" führen.
Noch frohe Festtage, Klaus
-
Aaaa Ok!
Also ähnlich wie bei der Kapilarität nur das die Kapilaren in diesem Fall wild verteilt un anstatt an der erdoberfläche im Hohlraum enden.
Sehr komliziert das Ganze! Habe immer gedacht der Hohlraum ist da und dann läuft da lagenweise die Brühe rein kristallisiert und füllt ihn nach und nach aus
so in der Art eines umgedrehten Kerzenziehens.
Danke für die Erklärung und ein frohes Fest!
-
Beschreibung der Phänomene:
"Holosphärolithe" - komplett runde, in der Matrix freischwebende sphärolithische Bildungen in Achat oder Chalcedon, die folgende Merkmale aufweisen:
- komplett als Sphärolithe ("holo-") ausgebildet, oft rund, manchmal oval verzerrt
- immer allein stehend (Anstossen an andere H.Sph. möglich, aber nie Durchdringung oder gemeinsames Wachstum)
- immer freischwebend, kein erkennbarer Anwachspunkt
- augenfällige Sortierung in Bandzonen im Achat. Daher nie einzeln, oft in großer Zahl.
- bislang Größe von etwa 0,05 mm bis zu 4 mm.
Hallo Klaus, auch ich bin ein ständiger + begeisterter Gast auf Deiner umfangreichen + informativen Achatseite. Respekt für diese Arbeit.
Hier hätte ich Fragen an Dich.
Was verstehst Du unter holo ???
Und wer hat den Begriff holosphärolithe geprägt, oder woher kommt der Begriff ???
Danke für die Antwort :) Armin
-
Interessantes Thema.Gilt dieses Phänomen auch bei Jaspis,den so genannten Augenjaspis oder ist das schon wieder was anderes?
Axel.
-
Sowas in der Art?
(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1482387875.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1482387875.jpg)
-
Hallo Armin, hallo Alex,
Ich versuche euren Fragen hier in einer email gerecht zu werden.
Armin, die Benennung des Phänomens der "Holosphärolithe" habe ich in einem Cameo zu meinem Artikel “ Achat-Neufunde in Freisen” Lapis, Juni 2002 vorgenommen, um diese sehr spezielle Bildung von Sphärolithen von der gemeinen sphärolitischen Bildung abzugrenzen. Seit dieser Veröffentlichung wird der Begriff auch in anderen wissenschaftlichen Betrachtungen verwendet und zitiert.
"Holo" ist aus dem Griechischen übertragen und bedeutet "vollständig" - die weiteren Wortbestandteile stammen ebenfalls aus dem Griechischen "sfaira (Sphäro)" steht für "Ball, Kugel"und "lithos" für "stein". Der Begriff bezeichnet damit ein wesentliches Kriterium der Definition, nämlich die naturgegebene Vollständigkeit der Sphärolithe, die wie du in der Frage wiederholt hast, ein Aufwachsen und somit eine nur teilweise Ausbildung des Sphärolithen ausschließt. Die Bildung der Sphärolithe fand "freischwebend" in bandartiger Anordnung im Achat statt. Das Auftreten von spiralartigen Bildungen innerhalb dieser Sphärolithe unterstützt die Notwendigkeit einer Wortneuschöpfung für dieses Phänomen.
(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1482387875.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1482387875.jpg)(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1479221881.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1479221881.jpg)
Alex, dein Foto zeigt miteinander verwachsene, nicht eingeregelte sphärolithische Bildungen, die in einem späteren Stadium (evt. zeitgleich) von Achat eingebettet wurden. Das zweite Bild zeigt Chalcedon aus Sulawezi, der nur aus miteinander verwachsenen, nicht eingeregelten sphärolithischen Bildungen besteht. Hier befindet sich kein Achat in den Zwischenräumen. Per definitionem sind beide Stücke also keine "Holosphärolithe".
Vielen Dank für eure konstruktive Mitarbeit und schöne Feiertage, Klaus
-
Hi Klaus, vielen Dank für die schnelle Antwort! :D
Leider hat mich die Antwort + die weiteren Berichte nicht zu einer neuen Erkenntnis geführt.
Die Bedeutung holo + weitere sind mir vertraut + bekannt.
Nach meiner Reise komme ich gerne auf dieses Thema zurück und werde meinen Bestand zur Vorstellung prüfen.
Das vorrangige Interesse liegt seit 2014 bei den Achaten, mit Schwerpunkt außergewöhnliche Strukturen, Varianten + Bildungen.
Lieber Klaus, ein frohes Weihnanchtsfest + an alle anderen, die sich angesprochen fühlen. ::)
Beste Grüße
Armin
-
Hallo Klaus,
nicht kugelig, aber immerhin spiralig scheinen ja auch noch andere Konkretionen zu wachsen. Am spektakulärsten: Dinocochlea. Vielleicht ein etwas weit hergeholter Vergleich mit den Holosphärolithen im Achat, aber wer weiß...
Grüßle!
-
Hallo Manfrid,
Das Spiralwachstum in Achaten ist mittlerweile theoretisch determiniert: Einmal im Mineralogical Magazine (2019), 83, 281–291 Jens Götze, Harry Berek and Klaus Schäfer "Micro-structural phenomena in agate/chalcedony: spiral growth" und zum Zweiten in Klaus Schäfer “Spiralen in Achat und Topas - ein Rätsel wird gelöst" in Lapis 3 / 2020. Ein mehr als metergroßes Spurenfossil haben wir von vorneherein ausgeschlossen ;D
-
Hallo Klaus,
Diese beiden Hingucker habe ich beim Durchstöbern meine Sammlung gefunden:
Der Ocean Jaspis (FO: Marovato o. Kabamby / Madagaskar; 3.2 x 2,8 cm) sowie der Crazy Lace Achat (FO: Chihuahua / Mexiko; 2,8 x 1,8 cm) erfüllen meiner Meinung nach beide die o.g. Kriterien für Holosphärolithe.
LG Liane
-
Ein mehr als metergroßes Spurenfossil haben wir von vorneherein ausgeschlossen ;D
Ich bin - wie andere - davon ausgegangen, dass Dinocochlea eine Konkretion ist; kein Spurenfossil. Mag ein Irrtum sein, aber damit wäre es vielleicht von der Bildungsweise her näher an die spiraligen Sphärolithe herangerückt. - Kann man ganz grob skizzieren, wie die "theoretische Determinierung" der letzteren nun aussieht? Ich habe das "Lapis"-Heft nicht.
Interessierte Grüße!
-
Hallo Manfrid,
schick mir mal deine Email-Adresse damit ich dir eine pdf-Datei schicken kann. Der Anhang ist im Forum zu stark in der Datenmenge eingeschränkt.
Bis bald, Klaus Schäfer
-
Hallo Klaus,
vielleicht noch zur Ergänzung, wenn es Dir nicht schon bekannt ist. Bei den Achaten aus dem Osterzgebirge kann man die reinen Holosphärolite denke ich ausschließen. Die normalen Sphärolite sind dafür allgegenwärtig.
Bei den Achaten von St. Egidien/Hohenstein-Ernstthal sieht das schon anders aus. Dort kommen reine Holosphärolite vor. Ich hab jetzt bloss keine Bilder zur Verfügung, aber gesehen hab ich schon welche unterm Mikroskop... mit ähnlich ausgebildeten Spiralen "frei schwimmend" wie auf Deinen Bildern oben.
Grüße aus Sachsen
-
Hallo Manfrid, schick mir mal deine Email-Adresse damit ich dir eine pdf-Datei schicken kann.
Danke für das Angebot! Habe eine Mail geschickt.
Freundliche Grüße!
-
Hallo Arndt,
Holosphärolithe aus Sankt Egidien habe ich selbst in meiner Sammlung. Auch aus Australien, Mexico ...
Allerdings habe ich bislang die "Spiralen" nur bei Achaten aus dem Saar-Nahe-Raum finden können.