Mineralienatlas - Fossilienatlas
Mineralien / Minerals / Minerales => Allg. Diskussionen Mineralien / General discussions minerals => Thema gestartet von: giantcrystal am 22 Mar 17, 17:11
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Hallo zusammen
In Gipsbrüchen miozänen Alters nördlich von Yanbu am Roten Meer in Saudi- Arabien finden sich meist nahe an der Erdoberfläche eigenartige sehr poröse Horizonte aus Gips, die ich als Korallen in Gipserhaltung ansehe. Vielleicht kann hier ja jemand Kundiges seine Meinung dazu geben ? Kenne mich mit Korallen leider nicht so aus, schon gar nicht mit vergipsten ::)
Bild 1 : Ansicht Handstück, gekippt
Bild 2 : Vergipste Korallenhorizonte im Anstehenden, Bildbreite ca. 2 Meter
Bild 3 : Detailansicht aus Bild 2, Bildbreite etwa 30 cm
Danke und Glück Auf
Thomas
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Hallo,
Ich würde evtl. Auch Stylolithen in Erwägung ziehen.
Beste Grüße
Sebastian
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Bin da bezüglich Korallen auch sehr skeptisch - sieht zumindest auf den ersten Blick nicht danach aus.
Hast du evtl. ein Foto vom Querschnitt eines dieser "röhrenartigen" Gebilde ?
Denke aber, dass es eine rein mineralische Bildung ist.
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Hallo
ein paar ergänzende Informationen
-- Die Röhren sind vollkommen hohl
-- Miozänes Alter ist aus der Literatur übernommen, die Gipse können - da in der Nähe des Roten Meeres vorkommend, auch durchaus jünger sein : Pliozän ?
-- Die Korallen - ich nenne sie mal weiter so - treten flächig über größere Bereiche auf, immer an oder nahe der Oberfläche der massiven Gipse.
Stylolithen schliesse ich daher aus. ich kenne weder hohle Stylolithen noch Stylolithen nahe der Sedimentoberfläche.
Glück Auf
Thomas
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Die Röhren sind vollkommen hohl
spricht eindeutig gegen Korallen - die müssten Septen (Scheidewände) aufweisen.
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Hallo Oliver
also, wenn du das meinst : An den Rändern der hohlen Röhren sieht man durchaus lange Streifen, die man als Septen interpretieren kann. Schau dir mal das Detailbild 3 an, da kann man das auch sehen
Die feineren Strukturen der Septen sind durch die Vergipsung aber meist verloren gegangen
Glück Auf
Thomas
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hmm, auf Bild 3 kann ich nix septenartiges erkennen -
mir sieht das eher sinterartig aus - fast ein wenig wie "Eisenblüten" ....
Obs diese Formen auch bei Gips gibt? Keine Ahnung ..... denke aber doch,
es gibt ja auch "Gipshöhlen" mit tropfsteinähnlichen Bildungen.
p.s.:
also zu Gipssinter hab ich was gefunden - auch wenn die dort doch anders aussehen als auf deinen Fotos:
http://www.karstwanderweg.de/publika/hoehle/28/41-49/index.htm
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Hallo Thomas,
Hast es also doch noch nach Saudi-Arabien geschafft?
Korallen wohl nicht, eher ein Lösungs-Fällungs-Prozess.Gelöster Gips fällt entlang einer Wegsamkeit aus. Evtl. war da so was wie Ton oder Salz in der Schicht, was dann später ausgewaschen wurde. Die Wüsten waren ja nicht immer so trocken, früher gab es mehr Wasser. Siehe fossiles Grundwasser in Nordafrika. Vielleicht auch Kapillarprozesse, wobei die Röhren entlang der Austritte des Wassers wuchsen.
Glück Auf!
Sebastian
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Moin!
Gipssinter habe ich in Spanien bei einer Höhlenbegehung selbst schon gesehen, aber das hier ist schon sehr skurril.
Täuscht mich der Eindruck, dass sich einige Röhren auch verzweigen?!
Wenn ich alles auf Röhren-Struktur, auf einer Höhe/Ebene und Fällung reduziere, dann schießt mir noch Wurzelboden in den Kopf. Bin mir da durchaus nicht sicher (bisher haben die alle durchaus anders ausgesehen) und stelle das gerne zur Diskussion. Die hohlen Röhren und die Fällung entlang dieser könnte man damit aber erklären, ebenso wie die einheitliche Teufe.
Der Gips könnte aus der Vaporisation von Meerwasser stammen. Sowas kenne ich etwa aus der Namib entlang der Skelettküste. Da Zementiert der Gips die Sandkörner und Gerölle im Boden der Art, dass man da keinen Zelthering in den Boden bekommt.
Gruß
Ingo
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Moin
Echt bizzar. Ich denke allerdings auch nicht, das es sich um etwas Organisches handelt. Irgendein abgefahrerer Lösungs/Ausfällungsprozess scheint mir plausibler, insbesondere da es sich um Gips handelt. Ich habe entfernt ähnliche Strukturen in der Jettenhöhle bei Düna am Harzsüdrand gesehen. Dort sind es - vermutlich - Ausblühungen, die durch Sickerwasser und Verdunstung des Wassers entstehen. Evtl. war das mal eine offene Ebene voll von solchen Ausblühungen, die dann zusedimentiert wurde.
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Es gibt die verrücktesten Gipskristalle. Warum sollte dies nicht auch nur einfach Gips sein?
Und da ich ein Laie bin: Ist es chemisch überhaupt vorstellbar, dass eine Pseudomorphose Gips nach Aragonit/Calcit entstehen kann?
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Hallo aus - mittlerweile wieder - Mittelfranken
Bin wieder wohlbehalten aus dem "magischen Königreich" zurück und habe auch einige der fraglichen Korallen in Gipserhaltung mitgebracht.
Bei genauerer Durchsicht der Stufen fällt auf :
-- Die Röhren sind entgegen meines ersten Eindruckes keineswegs hohl, sondern im allgemeinen mit kristallinen Gips locker gefüllt.
-- in der Tat gibt es verschiedene Verzweigungen
-- die Korallenstöcke - um bei dieser Benennung zu bleiben - starten als viele dünnere Individuen, um nach etwa 10 cm in stärkere Stöcke überzugehen, die teilweise verzweigt sind. Zwischen diesen bestehn dünne, tafelige Querverbindungen.
-- die Korallenstöcke wachsen stets auf massiven Gips, der Top wird dagegen von zusammengewachsenen, knubelligen Gips gebildet.
-- Die Korallenstöcke kommen stets direkt an der Oberfläche vor, mitunter als einzelne Horizonte innerhalb der oberen paar Meter des Gipsprofiles, jedoch nie in größerer Tiefe
Für mich sieht das alles ziemlich organisch aus, ich kann mir nicht helfen. Wie seht ihr das ?
Anbei noch ein paar neue Bilder einer repräsentativen Stufe
Danke und Glück Auf
Thomas
P.S. Habe mal kurz recherchiert und vergipste Fossilien (Muscheln und Schnecken) sind gar nicht so selten. Vergipste
Korallen wären also zwar sehr ungewöhnlich, grundsätzlich aber durchaus möglich
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Moin Thomas!
Ich muss schon sagen, dass mich das erste Bild sehr an eine Orgelkoralle (Tubipora sp.) erinnert.
Ich halte die Struktur auf alle Fälle für biogenen Ursprungs.
Gruß
Ingo
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Was wohl eindeutig gegen Korallen (und anderen biogenen Ursprung) spricht ist das Foto der Gebilde in Situ.
Korallen würden niemals vom Liegenden nach oben und vom Hangenden nach unten wachsen.
Grüße,
Michael