Mineralienatlas - Fossilienatlas
Arbeitsmittel / Means for work => Reinigung (Präparieren, Konservierung) / Cleaning (Prepare, Conservation) => Thema gestartet von: JHM am 03 Apr 17, 15:46
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Hallo zusammen,
ich war Anfang des Jahres in Las Vigas und habe mir dort ein Lot Ametyhste mitgenommen.
Ein netter Einzelkirstall ist leider mit dieser Hartnäckigen FeO Kruste befallen. Ich habe die Stufe bereits mit einem Gemisch aus Ditionit, Zitronensäure und Natriumcitrat behandelt. Die braune Farbe des Limonits ist verschwunden, als auch ein Teil der Kruste.
Aber wie bekomme ich den Rest am effektivsten entfernt ?
Ausserdem ist ein Schleier eines weissen Materials auf der einen Kristallfläche zu sehen. Hat hier jemand eine Idee zu ?
Danke für eure Hilfe
Jan-Henrik
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Hallo Jan-Henrik,
es scheint sich um eine Sinterbildung zu handeln, im günstigsten Fall Kalksinter => Säureprobe an einer kleinen Stelle, wenn Du Pech hast, ist es Silikatsinter, daann wirds schwierig.
Sehr schöne Stufe übrigens!
Gruß
Robert
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Moin Robert,
Danke :) das ist tatsächlich die "schlechteste" Stufe des Lots ;)
HCl oder geht auch Ameisensäure ?
Grußß Jan-Henrik
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Hallo Jan-Henrik,
mit Ameisensäure wirst Du da nicht so weit kommen. Ich würde vorsichtig mit verdünnter HCl rangehen (mit der gebotenen Vorsicht ;)).
Bei Silikaten musst Du wohl mit der Kruste leben.
Zeig uns dann mal das Ergebnis! Auf jeden Fall ein schönes Stück.
Grüße,
Andreas
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Servus (bayrische Variante des Moin) Jan-Henrik,
ich würde es tatsächlich mit HCl probieren und diese punktförmig mit einem Zahnstocher o.ä. testen. Die Reaktion ist bei Calciumcarbonat sofort erkennbar. Wenn die Reaktion positiv ist, sollte man die Stufe gründlich vorwässern und dann in HCl, die bei Calciumcarbonat auch verdünnt sein darf, legen. Wenn die Beläge weg sind (je nach Konzentration und Temperatur einige Stunden), wird wieder gewässert und zwar mit Aqua dest. und Zusatz von Zitronensäure, weil CaCl2 häßliche, schwerlösliche Beläge bilden, Calciumcitrat hingegen durchsichtig sein soll.
Wenn allerdings Silikatsinter vorliegt, sind meines Erachtens der Chemie Grenzen gesetzt und man wird auf mechanische Verfahren umsteigen müssen.
Übrigens, wenn das die relativ schlechteste Stufe des Lots ist, wäre die Atlas-Gemeinde sicher begeistert, wenn Du ihr die anderen zeigtest >:D
Beste Grüße in den Norden
Robert
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... und Zusatz von Zitronensäure, weil CaCl2 häßliche, schwerlösliche Beläge bilden, Calciumcitrat hingegen durchsichtig sein soll.
Das Gegenteil ist der Fall !!
Aber:
Nach abgeschlossener Behandlung sollten möglichst keinerlei Rückstände auf der Stufe verbleiben ! Zweimaliges Wässern (ohne Zusätze) mit gründlicher Zwischentrocknung wird sicherlich ausreichen.
Nach Duthaler kann (muss aber nicht) bei silikatischen Belägen vielstündiges Behandeln mit 10%-iger Natronlauge bei mindestens 80°C zum Erfolg führen. Ich selbst habe das aber noch nicht praktiziert.
Am besten ein Edelstahlgefäß -mit Deckel- (kein Glas und keinesfalls Aluminium !!!) verwenden und etwa verdunstete Flüssigkeit mit Wasser wieder auffüllen.
Natronlauge ist nicht ungefährlich, ganz besonders wenn sie heiß ist. Gummihandschuhe und unbedingt Augenschutz verwenden.
Thomas
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Hallo Thomas,
ich hatte das Ganze mit der Einschränkung "...soll..." geschrieben; die Ausführungen stammen ursprünglich von einem mineraliensuchenden Chemiker - vielleicht hat der aber im Studium nur nicht gut aufgepasst ;).
Die Sache mit der heißen Natronlauge wäre mir persönlich nicht ganz geheuer. Erstens, weil die Quarze von Las Vigas häufig Lufteinschlüsse haben - da zerreißt es gerne mal einen Kristall - und zweitens, weil mir nicht klar ist, woher die Natronlauge weiß, wann der Sinter zu Ende ist und die glänzende Kristall-Oberfläche beginnt.
Nichts für ungut, hoffen wir einfach mal für Jan-Henrik, dass es sich um ein Carbonat handelt.
freundliche Grüße
Robert
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Hallo,
bitte keinen Quarz in heisse Natronlauge legen!!!!
Quarz ist auch ein Silikat - der wird mit Sicherheit matt! Es bildet sich Wasserglas, die Natronlauge hat keine Freund-Feind-Kennung oder mineralogische Kenntnisse...
LG
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bitte keinen Quarz in heisse Natronlauge legen!!!!
Quarz ist auch ein Silikat - der wird mit Sicherheit matt! Es bildet sich Wasserglas, die Natronlauge hat keine Freund-Feind-Kennung oder mineralogische Kenntnisse...
Diese Aussage würde ich unterschreiben ;)
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Moin
Quarz hat eine andere Oberflächenbeschaffenheit als Silikatsinter, darauf beruht die Möglichkeit, Silikatsinter mittels starker Laugen (NaOH) von Quarz zu ätzen. Allerdings sind dieser Methode natürlich auch ihre Grenzen gesetzt, da auch immer etwas Quarz gelöst wird. Ich selber habe bisher nur Erfahrungen beim entfernen von Silikatsinter von Benitoit/Neptunit gemacht, wobei ich gekaufte Benitoit/Neptunit-Stufen zunächst mit konz. HCl von Natrolith befreit habe. Die Salzsäure zersetzt den Natrolith zu einem in der Säure praktisch farblosen Glotter, der erst nach dem herausnehmen deutlich sichtbar wird und nach dem Trocknen fast weiß wird. Dieser Silikatglotter lässt sich vergleichsweise leicht mit rund 10% Natronlauge bei 80°C lösen (dauert ca. 20 bis 30 Minuten). In der Zeit werden weder der Benitoit noch der Neptunit sichtbar angegriffen. Bei Quarz dürfte eine ähnliche Stabilität in der gleichen Zeitspanne bei gleichen Parametern gegeben sein, jedoch sollte man mit Vorversuchen sicher gehen. Fraglich jedoch, ob sich der Sinter, der wahrscheinlich deutlich kompakter ist als zersetzter Natrolith, in der kurzen Zeit auflösen lässt. Der zersetzte Natrolith ist quasi Silikagel und hat eine entsprechend große Oberfläche, welche die Natronlauge gut angreifen kann. Die Oberfläche von Silikatsinter ist zwar noch deutlich größer als die von Quarz, aber die Einwirkzeit wird sicher länger sein. Am Besten wäre es, einen hochglänzenden Quarzkristall durchzubrechen und ein Bruchstück längere Zeit mit Natronlauge zu behandeln. Dann kann man nachher gut im direkten Vergleich mit dem unbehandelten Bruchstück sehen, ob und wie stark die Natronlauge den Quarz angegriffen hat.
Achso, bei 80°C verdampft das Wasser der Natronlauge recht schnell und man muss regelmäßig nachfüllen, da sich sonst die Natronlauge aufkonzentriert und konzentrierte Natronlauge ätzt den Quarz eher als 10%ige.
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Hallo zusammen,
@ Jan-Henrik: wäre super, wenn Du uns über Ergebnisse berichten, bzw. Fotos zeigen könntest, nachdem sich eine Reihe von Leuten damit beschäftigt haben.
Danke im Voraus und Gruß
Robert
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Warum nicht einfach Sandstrahlen mit Backsoda als Strahlgut?
Ist ungefährlich für Mensch und Stufe und hinterlässt definitiv keine hässlichen Ausblühungen.
Grüße,
Michael
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Hallo zusammen,
erstmal vielen Dank für die große Resonanz :)
Es tut mir leid das ich jetzt erst antworte, ich war in den letzten Tagen beruflich sehr eingespannt.
Also der Säuretest ist leider negativ ausgefallen, es wird Silikatsinter sein.
Wie gehe ich jetzt weiter vor ?
Vielen Dank nochmal
Jan-Henrik
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Würde mit einer Metallnadel versuchen, Druck auszuüben. Sollte dem Amethyst nix anhaben und mit etwas Glück blättert der Belag ab.
Gruß,
Daniel
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Hallo.
Würde ich eher abraten mit einer Nadel zu hantieren, das kratzt ihn zwar nicht an, gibt aber unter Umständen häßliche metallische Streifen
Das geht nur, wenn der Belag schon etwas von der Kristallfläche abgehoben ist.
Loismin
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Wie schon Mal gesagt, Sandstrahlen mit Soda (Sodablasting)...
Viele Airbrusher, alle Steinmetze (Grabmalgestalter) und Lackierer haben eine Ausrüstung zum Sandstrahlen.
Einfach ein Kilo Strahlsoda besorgen und an entsprechender Adresse Mal nachfragen.
Einfacher ist es natürlich wenn man selbst einen Kompressor hat.
Grüße,
Michael