Mineralienatlas - Fossilienatlas
Gesteine / Rocks / Rocas => Gesteine / Rocks / Rocas => Thema gestartet von: karlov am 02 Dec 17, 12:20
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Liebe Freunde der südost-mitteldeutschen Geologie,
bei der Bestimmung von Geröllfunden aus dem Berliner Raum sind Fragen aufgetreten, die ich bisher nicht ausreichend oder befriedigend beantworten konnte. Vielleicht weiß ein Kenner der Geologie Sachsens und Tschechiens mehr.
Die Bestimmung von Funden in Kurt Huckes „gemengtem“ Diluvium, dem gleichzeitigen Auftreten von nordischen Geschieben und Geröllen südlicher Herkunft in pleistozänen Ablagerungen, ist problematisch, da manchmal gar nicht geklärt werden kann, ob die Funde nun „nordisch“ oder südlich sind. Weiterhin treten bestimmte Gesteine an mehreren bis vielen Orten im Süden auf, so dass der Herkunftsort nur unscharf umrissen werden kann. Es soll hier daher auch nicht um Leitgerölle gehen, sondern um Fragen nach einer möglichen (!) Herkunft. Wer die Geologie im Elbe-Einzugsgebiet näher kennt, kann vielleicht Aussagen zu hier vorgestellten Problematica machen. Einige Gebiete kenne ich aus eigener Anschauung, aber insgesamt doch zu wenig.
Vielen Dank schonmal im voraus!
1. In der Kiesgrube Horstfelde südlich Berlin treten neben nordischen Geschieben reichlich Gesteine des Berliner Elbelaufes auf, und zwar weniger die Leitgerölle (Quarz-Lydit-Konglomerate) oder typischen Anzeiger südlicher Geröllgemeinschaften (Cherts/ „Lydite“), dafür aber sehr häufig Basanite, Phonolithe und Tephrite aus Tschechien. Ebenso häufig sind die abgebildeten, schiefrig ausgebildeten, dem Augenschein nach metamorphen Keratophyre oder Basalttuffe. Neben der grünen, im frischen Bruch schwarzgrünen Farbe sind einige undeutliche Einsprenglinge zu erkennen, die makroskopisch nicht bestimmbar sind. Das höhere relative Gewicht dieser Gesteine und eine Beschreibung bei Genieser 1957 legt eine vorläufige Bestimmung als metamorpher Basalttuff o.ä. nahe. Die Frage ist: woher stammen die Gesteine? Ähnliche Basalttuffe aus dem Devon habe ich mal aus dem Tharandter Wald (Talmühlengrund bei Hartha) beschrieben gesehen. Kennt jemand weiteres Anstehendes?
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Ein weiteres Exemplar aus Horstfelde, Aufnahme unter Wasser.
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2. Etwas ominös ist dieser Fund aus Horstfelde: ziemlich leichtes, blasiges Gestein von hell graugrünlicher Farbe mit roten Pigmentierungen. Hohlräume sind von etwas hellerem Material gefüllt, das von einem schwarzen Rand umgeben ist. Für einen basaltischen Mandelstein ist das Gestein viel zu leicht. Vielleicht ein basaltischer Tuffit mit Mandeln? HCl negativ.
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zu 2. Bruchfläche
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3. Brekzie mit Vulkanitklasten (geschichtete feinkörnige Vulanite, Ignimbrite). Das Stück stammt aus Niederlehme bei Berlin, ist aber Fremdmaterial, welches zusammen mit Massen an Tephriten u.ä. dort abgelagert wurde. Vermutlich aus einer Schwestergrube weiter im Süden. Eigentlich sollte solch eine Fundsituation nicht weiter interessieren, aber das Stück sieht geschnitten einfach zu gut aus. Auffällig ist die dichte, grüne Matrix. Wer kennt solche Brekzien und wo könnte sie herstammen? Vermutlich Permokarbon, evtl. Meißener Raum/ Döhlener Becken?
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Detail Porphyrbrekzie
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4. Brekzie mit Hornsteinklasten und leuchtend oranger und roter Sandstein-Matrix (verkieselt?) mit einigen größeren klastischen Quarzen. Fundort: Kiesgrube Linthe/ Fläming. Mögliche Herkunft völlig unklar, vermutlich südlich.
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5. Kieselholz oder stromatolithische Struktur? FO: Fresdorfer Heide S Potsdam. Rotbrauner und schwarzer Hornstein, teilweise fleckig, mit Maserung, die an Kieselholz denken lässt, aber wellig ausgebildet ist.
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Schnittfläche von Nr.5, Aufnahme unter Wasser
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6. Wer weiß etwas über die Alkali-Ganggesteine im Bereich des Egergrabens? De Frage ist, ob dort dem Särna-Tinguait ähnliche Phonolith-Ganggesteinsäquivalente auftreten. Das vorliegende Gestein hätte man außerhalb des Verbreitungsgebietes südlicher Gerölle als Särna-Tinguait bestimmt.
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7. In der Grube Horstfelde treten bei - gleichzeitiger Anwesenheit von viel Kristallin aus Dalarna - diverse Porphyrvarietäten auf, die eine Bestimmung als Kallberget-Porphyr nahelegen. Dieser Porphyr ist im Geschiebe im Allgemeinen gelegentlich bis selten anzutreffen, kann aber lokal auch mal angereichert vorkommen. Gleichzeitig gibt es in Horstfelde Porphyre augenscheinlich südlicher Herkunft, vermutlich aus dem Raum Meißen oder Tharandter Wald, die sich aufgrund ihrer violettgrauen Färbung, ihrer Einsprenglingsarmut, im Idealfall feiner ignimbritischer Fiamme und/oder kantigen Quarzen mehr oder weniger deutlich von nordischen Porphyren abgrenzen, speziell von Varianten aus Dalarna wie dem Bredvad-Porphyr o.ä. Meine Frage: kennt jemand aus dem Süden, z.B. dem Meißener Massiv, Tharandter Wald, aber auch Tschechien Typen solcher einsprenglingreichen Porphyre?
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Hallo Marc
Da hast du dir ja ein "komplexes" Thema vorgenommen - die südlichen Elbeleitgerölle. Wie du schon schreibst hatte sich schon HUCKE und dann intensiv GENIESER mit dieser Problematik beschäftigt, und dies ist bis heute noch aktuell. Ich kenne einen Lausitzer Achatsammler, der schon mehrere Jahrzehnte nach den Ursprungsgebieten der Elbeachate sucht, und oft seine Meinung revidieren musste. Nur allein nach dem Aussehen wirst du keine 100% Sicherheit bekommen. Wirst viel Spezialliteratur über die fossilen Elbeläufe und deren Nebenflüsse durcharbeiten müssen. Wie z.B. WOLF, SCHUBERT;EISMANN; LANGE und .... Einiges ist in den letzten Jahren im AUFSCLUSS bzw. in Freiberger, Chemnitzer, Dresdner Veröffentlichungen geschrieben worden. Ein wirklich komplexes Thema, welches ich nur kurz bei dem Thema versteinerte Hölzer bzw. pflanzenführende Silizite aus den Flussablagerungen der Elbe und deren Nebenflüsse eingesehen habe. Letztendlich muss ich sagen, werden sich viele Zuordnungen nicht (zumindest optisch) beweisen lassen. Natürlich wird angenommen, dass die Hölzer etc. aus Böhmen bzw. dem Döhlener Becken stammen und einige Sammler beschwören dies, an der Farbe zu erkennen, Beweis ???
Zurück zu Bild Nr.5: definitiv versteinertes Gymnospermenholz Typ Agathoxylon. Man kann schon leicht die Zellen an einigen Stellen erkennen.
Werner aus der Niederlausitz
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Hallo Werner,
Vielen Dank für Deine Einschätzung zum Kieselholz! In der Arbeit von SCHWARZ, LANGE 2013 habe ich bereits zur Kenntnis genommen, dass der Ursprung der Kieselhölzer aus dem Döhlener Becken fraglich erscheint. Dank auch für die Literaturhinweise, außer Eissmann habe ich bereits vieles gesichtet. Über die lokalen Veröffentlichungen habe ich noch keinen Überblick, vielleicht hast Du ein paar Daten zur Hand?
Mir geht es bei der Ansprache der Funde aus dem Berliner Raum allerdings weniger um Leitgerölle. Diese sind ja von Genieser anschaulich beschrieben und verwendet sowie in den letzten Jahren von Schwarz und Lange z.T. revidiert und erweitert worden. Den Aufwand kann ich auch gar nicht betreiben, hier fundamental Neues herauszustellen. Vielmehr treten Fragen auf zu einem möglichen Herkunftsgebiet auffälliger Gesteine, die dann natürlich noch keine Leitgerölle sind. Möglicherweise erkennt jemand etwas wieder. dazu kommen noch die zwei Geschiebe (mein eigentliches Betätigungsfeld), bei denen ein ähnliches südliches Vorkommen nicht ausgeschlossen ist. Auch Negativbefunde ("solche Tinguaite gibt es in Böhmen nicht") helfen. Ja, Du hast recht, die Angelgenheit ist einigermassen verwickelt :-\
Viele Grüße,
Marc
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Hallo Marc
O.K. da hast du ja schon einiges an Literatur gewälzt. LANGE & SCWARZ 2013 hast du schon erwähnt. Da kennst du bestimmt auch den vorhergehenden Artikel der Chemnitzer Hefte von 2012- SCHWARZ,LANGE & RIEDRICH. SCWARZ / RIEDRICH haben 2010 im Aufschluss auch darüber publiziert.
In diesen Publikationen wird aber auch von Quarz-Lydit-Konglomerat usw. gesprochen, während du jetzt diese Lausitzer Funde nicht so ansprichst. Ist es nur eine Auslegung der Definition. Auch für mich (und einige Lausitzer Sammler haben den Stein von Mike genau so eingeordnet) ist es "klassischer" Kieselschiefer (ich verwende nicht den Begriff Lydit) und wird von jeden Lausitzer Sammler so angesprochen. Ich würde ihn nicht als Hornstein bezeichnen. Wie weit fasst man den Begriff Hornstein und wo endet er bzw. wo fängt z.B. Flint / Feuerstein an. Deshalb verwende ich bei vielen Verkieselungen den Begriff: Silizit. Ich weis nicht, ob gezielt in diesen "Kieselschiefer" nach Radiolarien gesucht wurde, fossilleer sind sie jedenfalls nicht! Vor Jahren war ich mal mit einem Chemnitzer" Hornsteinsammler" in der Kg. Lauta und er hat einige Kieselschiefer in seinen Rucksack eingepackt. Meine Worte damals: was willst du mit dem scheiß Kieselschiefer. Er: untersuchen! Die Ergebnisse konnte man bis vor kurzen noch auf seiner Website:Kieseltorf.de - einsehen. Er hatte bei einem Stück mit eindeutig Mikrofossilien gefunden, wurde aber nicht weiter untersucht! Auch hier Definition Kieseltorf - eigentlich falsch, da es kein Torf im eigentlichen Sinne ist, der Begriff hat sich aber zumindest europaweit in der wissenschaftlichen Literatur etabliert. Was ich eigentlich sagen will: Brauche ich als Hobbysammler etc. überhaupt eine 100% Auslegung einer Definition??? Wirst du es schaffen das Anstehende für deine Gerölle hundertprozentig nur nach dem Aussehen festlegen zu können? Wo liegen die Grenzen bei unseren Hobby? Werner aus der Lausitz
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Hallo Werner,
Du hast das Kieselschiefer-Wort gesagt :-X
Schiefer sind diese Gesteine nicht, da eine Schieferung einen entsprechenden metamorphen Prozeß voraussetzt. Manche irreführende Begriffe wurden lange verwendet, aber es wäre Zeit, sie abzuschaffen. Zu den Lyditen: ja, auch in den aktuellen Arbeiten von Schwarz/Lange wird dieser Begriff verwendet. Vinx 2011 (Gesteinsbestimmung im Gelände) bezieht die Namensunterschiede auf das Alter: Radiolarit ab Mesozoikum, Lydit für das Paläozoikum. Vom Proterozoikum ist leider nicht die Rede. Chlupac 1993 (Geology of the Barrandium) spricht bei den proterozoischen "Lyditen" von cherts, während er für entsprechende silurische Gesteine den Ausdruck lydite benutzt. In den proterozoischen cherts sind wohl nur Acritarchen und Algen(-matten) zu finden. Wikipedia spricht vom ersten gesicherten Auftreten der Radiolarien ab Mittelkambrium, Ursprünge möglicherweise im Neoproterozoikum. Wie sollen Gesteine, die evtl. gar keine Radiolarien enthalten, als Lydite angesprochen werden? Es sei denn, man erweitert die Definition auf biogene, marine Sedimentgesteine der Tiefsee. Ja, uns Sammler mit makroskopischen Untersuchungsmethoden interessiert das kaum, da von den Viechern ohnehin nichts zu erkennen ist.
Habe nochmal nachgeschaut, Hornstein (chert) bezieht sich nach Vinx auf in Kalkstein enstandene Kieselkonkretionen. Ich habe aber schon erweiterte Definitionen gelesen, Quelle gerade nicht zur Hand. Zu den Hornsteinen gehören dann auch die Feuersteine. Silizit scheint ein recht eleganter Begriff zu sein, damit umgeht man sämliche Fragen nach Genese, Alter, Radiolarien oder nicht. Fragen, die eh kaum geklärt werden können. Ebenso mit dem Begriff chert. Und auch Lydit scheint für die Feldansprache benutzbar zu sein, da die proterozoischen Gesteine ganz den z.B. silurischen Lyditen ähnlich sind.
Will hier auch gar nicht Erbsen zählen, aber petrographische Definitionen sind schon ganz nützlich, v.a. wenn mit alten, überkommenden und z.T. irreführenden Namen aufgeräumt wird, und man auch bei der makroskopischen Bestimmung etwas Ordnung schaffen kann. Das Problem ist, dass es bei den Sedimentgesteinen noch immer (?) kein internationales Regelwerk gibt wie bei den Metamorphiten und Magmatiten.
Ja, kieseltorf.de: ich war ziemlich baff, was es da alles zu sehen gab. Warum ist die Seite down? Kommt man an den content noch ran?
Viele Grüße,
Marc
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Hallo Marc
Wohlwissend, dass es keine Schiefer sind, verwende ich den Begriff eben schon seit Jahrzehnten und hier bei den Sammlern in der Lausitz (zumindest die älteren Semester) wissen alle welche Gesteine damit gemeint sind. Möglicherweise auch, weil wir die selben alten DDR-Bücher (noch) verwenden und da steht ".... sog.Kieselschiefer (Lydit).
Ich hatte aber auch schon erwähnt, das mein Gebiet innerhalb der Flussgerölle eben nur die Kieselhölzer und fossilführende Silizite sind. Auch hier ist eine Trennung - nordisches Geschiebe <---> südliches Geröll-nicht immer eindeutig.
Zur Website Kieseltorf weis ich im Gespräch mit dem ehemaligen Initiator, das er die Seite aus persönlichen Gründen beendet hat. Die Hornsteintreffen in Chemnitz wurden auch seit 2016 eingestellt. Einiges Bildmaterial aus der Lausitz, was meine Belege betrifft, habe ich auf CD. Wenn ich speziell noch etwas haben möchte, würde ich es schon bekommen.
Zu deinem eigentlichen Fragekomplex würde ich dir raten, Kontakt mit Dr.D.Schwarz (Cottbus) aufzunehmen. Werner aus der Lausitz
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Hallo Werner,
ich kenne diese überholten Begrifflichkeiten auch aus der Geschiebekunde. Eine logische, vereinheitlichte Nomenklatur würde allerdings viel Kopfzerbrechen vermeiden. Die Begriffe werden ja nicht richtiger durch jahrzehntelange Verwendung.
Zu den Kieselhölzern: es wurden im Döhlener Becken Kieselhölzer als Geschiebe/Geröll gefunden, die nicht an Hornsteine gebunden waren (Possendorf). Außerdem fand man untertage Kieselhölzer in Tuff-Ablagerungen. Ist es nicht naheliegend, dass ein Großteil der Kieselhölzer (Dadoxylon) aus der Nähe stammt? Gibt es Arbeiten zu den Kieselhölzern aus dem Raum Plzen? Grössere Stücke von dort können ja nur per Eisschollenfracht nach Sachsen transportiert worden sein? Und schließlich: gibt es weitere Vorkommen von Kieselhölzern (außer Tertiär...) im Elbeinzugsgebiet?
Werde mal den Kontakt zu Dr. Schwarz suchen, vielen Dank für den Tip!
Viele Grüße,
Marc
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Hallo Marc
Zu deinen Fragen: Arbeiten über die zumindest permokarbonischen Kieselhölzer von Plzen (Achtung, dort gibt es noch tertiäre Kieselhölzer) gibt es. V.MENCL, J.BURES und J.SAKALA haben einiges veröffentlicht und waren auch mehrere Jahre beim Hornsteintreffen anwesend. Neben Plzen (die Moldau hat auch mal in historischer Zeit nach Norden entwässert), gibt es doch in Böhmen viele bekannte Orte mit Permokarbonflora: u.a. Louny, Slany, Kladno (hier auch die Kreidefloren mit der berühmten Tempskya), die Gebiete um Nova Paka / Studenec und, und, und. Dort gab es eben zu dieser Zeit große Gymnospermenwälder, natürlich auch im Döhlener Becken. Ich sage ja nicht, das die Kieselhölzer nicht aus diesen beiden Großräumen kommen können. Ich kann es nur nicht anhand der mir zur Verfügung stehenden Merkmale (Farbe, Verkieselungsgrad, Kantenbeschaffenheit) beweisen. Es ist ähnlich wie bei Lydit, man hinterfragt heute diesen Satz, der in fast allen Publikationen immer wieder übernommen wird: Herkunft aus Böhmen bzw. Döhlener Becken wahrscheinlich. Denn Herkunftsgebiete können heut abgetragen sein, Riesengebirgsvorland käme über Nebenflüsse noch in Betracht, um nur 2 Möglichkeiten zu nennen.
Ich habe Kieselhölzer bzw. pflanzenführende Silizite ab Unterkarbon über Perm, Kreide (Trias / Jura nicht nachgewiesen) bis Miozän in den Elbeläufen nachgewiesen, so nun mach dich mal auf die Suche nach den Herkunftsgebieten. Werner aus der Lausitz
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Hallo Werner,
von Mencl et alii gibt es eine ganze Menge, sehr interessant, solch junge Arbeiten zu dem Thema zu lesen.
Dank auch für den Hinweis auf tertiäre Kieselhölzer aus Tschechien. Gibt es dazu eine Arbeit aus der letzten Zeit?
Für die Ansprache von Kieselhölzern im Berliner Elbelauf komme ich mit Agathoxylon/ "Dadoxylon" ganz gut hin. Jahrelanges Auflesen von südlichen Geröllen durch einen Sammler im Potsdamer Raum in Horizonten, die viel südliches Material beinhalten, brachte vielleicht 8-10 permokarbonische Kieselhölzer ans Tageslicht. Sie belegen eine Süd-Nord-Transport durch die Elbe. Mehr kann man von ihnen wohl nicht verlangen. Ähnlich formuliert es ja auch Genieser. Was die ganzen Exoten/Seltenheiten angeht: sehr interessant, sich das mal anzuschauen, auch angesichts der tollen Bilder hier im Forum und den Galerien, aber man wird sie im Berliner Raum kaum finden. Wesentlich ergiebiger sind da ganz sicher die altpleistozänen Elbschotter in der Niederlausitz oder in Sachsen. So weit ich weiß, ist immerhin ein einziger Psaronius-Fund in den feuersteinfreien Kiesen von Wietstock gemacht worden, in altvorderer Zeit.
Hast Du Dich verschrieben?: "die Moldau hat auch mal in historischer Zeit nach Norden entwässert". Sie entwässert doch seit dem Pliozän nach Norden. Und für Transport aus dem Raum Pilsen hätte ich eher auf die Berounka getippt (die Moldau mündend).
Viele Grüße,
Marc
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Hallo Marc
Natürlich, mit der Moldau hast du selbstverständlich recht, hab mich da etwas verkehrt ausgedrückt. Zu Publikationen schreib ich evtl. morgen eine PM, da ich gleich auf Arbeit muss. Nur kurz noch etwas zum Berliner Elbelauf: Natürlich wird die Anzahl der Kieselhölzer mit Abnahme der südlichen Sedimente auch abnehmen, aber ganz auszuschließen, dass man auch "Exoten" findet würde ich nicht, ich glaube eher das man sie nicht erkennt. Beispiel Wietstock, liegt unweit von Ludwigsfelde: Da fiel mir ein, das ich vor über 10 Jahren bei einem Sammler sehr große Dadoxylon - Gerölle (kopfgroß und größer) gesehen habe. Der Fundort wurde mit Ludwigsfelde bei Baumaßnahmen angegeben. Mich wunderte nur die Größe von Kieselhölzern so weit nördlich, da solche Exemplare hier in der Lausitz kaum zu finden waren. Werner aus der Lausitz
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Glück Auf!
Zu den als Keratophyr bezeichneten Stücken: Am nördlichen Rand des Lausitzer Granodiorits gibt es zahlreiche Kontaktmetamorphe Gesteine. Neben der Kontaktmetamorphose haben diese Gesteine meist auch eine retrograde Metamorphose gesehen, weshalb viele Gefüge so relikthaft wirken. Diese sehen nur vom Bild her den abgebildeten Stücken ähnlich.
449: hat Ähnlichkeiten mit Erdbrandgesteinen. Mir sind Funde von Erdbrandgesteinen in den Kiesgruben mit Elbesdimenten bekannt.
100: Solche Gefüge finde ich auch gelegentlich. Derzeit vermute ich noch eher eine Geschiebenatur. Die mir in Sachsen bekannten Rhyolithe im relevanten Einzugsgebiet der Elbe haben immer makrokristallinen, leicht erkennbaren Quarz.
Porphyrbrekzie: Hier würde ich eher auf Sedimentärquarzit tippen. Der Variantenreichtum ist der Sedimentärquarzite ist erstaunlich. Viele gerundete Quarze in der Matrix würden für einen Sedimentärquarzit sprechen. Die Klasten können durchaus sehr eckig sein, was auf einen kurzen Transportweg nach der Zerkleinerung schließen lässt. Es gibt viele mögliche Herkunftsorte. Manchmal lässt sich anhand charakteristischer Zusammensetzung der Klasten eine Herkunft eingrenzen. Hierzu fällt mir bei den Hornsteinklasten aber nichts ein.
11: ja, ist verkieseltes Holz
Särna-Tinguait: Ja, solche Stücke finde ich auch gelegenlich in den Lausitzer Kiesgruben. Den Verdacht auf Särna-Tinguait hatte auch ich da schon mehrmals. Meist bereits nach dem Schneiden, selten erst nach dem Polieren traten aber andere Gefügemerkmale auf, die eher gegen Särna-Tinguait sprechen. Bei den von mir gefunden Stücken war eher die Ähnlichkeit zu teilweise umgewandelten Phonolithen/Trachyten gegeben. Da die Mineralumwandlung meist recht weit fortgeschritten war und kein vernünftiger Schliff, geschweige denn eine Politur hinzubekommen war, wurden solche Funde von mir meist wieder entsorgt.
489: Würde ich auch als Kallberget-Porphyr ansehen. Mir sind bisher keine Gefüge von Rhyolithen unter die Augen gekommen innerhalb von Sachsen im hier relevanten Einzugsgebiet, die dem Gefüge der Kallberget-Porphyry zum Verwechseln ähnlich sehen. Alle mir bekannten Rhyolithe in Sachsen enthalten deutlich erkennbaren Quarz in nennenswerten Mengen. Kallberget-Porhyry-Gefüge habe ich bisher immer nur in passenden Geschiebegemeinschaften gefunden, so dass aus meiner Sicht kein Anlass besteht, einen dringenen Verdacht eines südlichen Doppelgängers zu hegen.
Mit freundlichen Grüßen
Das Felsenmammut
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Hallo Felsenmammut,
Vielen Dank für Deine Einschätzungen! Also Kallberget-ähnliche Porphyrvorkommen gibt es im Süden eher nicht, das ist doch eine Ansage.
Särna-Tinguait: ich habe noch ein paar Papers zum Riftvulkanismus, da müßte irgendwo vielleicht auch mal etwas zu den Ganggesteinen stehen. Das Problem der Abgrenzung zu möglicherweise ähnlichen südlichen phonolithischen Ganggesteinen besteht u.a. darin, dass der Särna-Tinguait in unzähligen Varianten auftritt, siehe
http://www.skan-kristallin.de/schweden/gesteine/gesteinsdarstellung/ganggesteine/saernait/tinguait.html (http://www.skan-kristallin.de/schweden/gesteine/gesteinsdarstellung/ganggesteine/saernait/tinguait.html) und
http://www.skan-kristallin.de/schweden/gesteine/gesteinsdarstellung/ganggesteine/saernait/sgu.html
Schon erstaunlich angesichts des kleinen Vorkommens. Das Problem der Mineralumwandung kenne ich auch, selten sind Tinguaite in Brandenburg frisch wie die Brandungsgerölle an der Küste.
Porphyrbrekzie_Linthe: unglücklicher Arbeitsname meinerseits. Ja, es ist ein brekziöser Sandstein mit hellen, matten, aber auch leuchtend orangefabenen Hornsteinklasten. Runde und eckige klastische Quarze sind ebenfalls vorhanden. Treten solch bunte Sedimentärquarzite denn auch in der sächsisch-böhmischen Kreide auf?
Nr. 100: diese Porphyrbrekzie sieht leider gar nicht "nordisch" aus. Vielleicht gibt es im Oslograben solche Gesteine. Eine Vermutung von anderer, kundiger Seite war, dass das Gestein zur Vulkanit-folge des Meissener Massivs (Triebischtal) gehören könnte. Manche Klasten besitzen diese braunen oder auch blaß violettgrauen Tönungen, die dort vorkommen. Allerdings habe ich selber derartige Brekzien dort noch nicht gesichtet.
449: Erdbranntgestein, ja, hatte ich auch schon vermutet, nur nicht getraut zu formulieren. Bei Genieser sind sie nur kurz beschrieben (taubenblaue Gerölle), Anstehendes vermutet er in der Nähe von Meißen. In Tschechien gibt es auch eine ganze Reihe von Vorkommen, mitunter sehr bunte mit hoher farblicher Diversität. Hast Du vielleicht Bilder von den erwähnten ähnlichen Funden aus Kiesgruben mit Elbematerial? Die schwarzen "Mandeln" mit hellem Kern könnten dann Cordierit/Sillimanit sein? Makroskopisch wahrscheinlich kaum zu ermitteln.
Keratophyre: diese Kontaktmetamorphite müssten dann aus Grauwacken hervorgegangen sein? Diese enthalten wohl Tuffeinschaltungen, aber dürften die Gesteine dann so grün werden? Das Gestein sieht mir nach basaltischem o.ä. Edukt aus, das in eine Gebirgsbildung geraten ist. Ich hatte auch noch etwas dazu bei Genieser gefunden, hier meine Notizen dazu (falls es sich um den gleichen Gesteinstyp handelt):
Grünlicher, schiefriger metamorpher Quarzporphyr / Keratophyre: Besonders im Wietstocker Aufschluß sowie an anderen Örtlichkeiten gefundene eigentümlich grüne, vielfach schiefrig ausgebildete, aber auch kompakte, quarzführende bis quarzarme Gesteine der Keratophyrreihe (ältere Ergußformen alkaligranitischer Magmen, zu QP zu rechnen). Grün, feinkörnig. Grundmasse aus Albit und Quarz, etwas Chlorit sowie bis 1mm große schwarzgrünliche Körnchen (Augit oder Hornblende) mit rauhen, trachytähnlichen Bruchflächen. Einsprenglinge aus dicktafeligem Albit und wenig Quarz. Schon unter der Lupe zuweilen noch Dihexaederform zeigend. Auch schiefrig ausgebildete, zu Serizitschiefer umgewandelte Keratophyre wurden gefunden.Einsprenglinge bilden hier kleine flache Knoten. Frage nach Herkunft offen, aber zu Alkaligesteinen gehörend. Gesteine treten im Berliner Elbelauf erstmalig auf. Aus dem Senftenberger und Bautzener Elbelauf sind sie nicht bekannt. Grünliche, schiefrige, metamorphe Quarzporphyre werden von Genieser in einer Elbterasse bei Lovosice/CZ (ehem. Klein-Cernosek) gefunden. Schüller & Müller 1937 vermuten eine Herkunft graugrüner, im frischen Bruch schwärzlicher Keratophyre und Keratophyr-Schiefer aus dem Isergebirge und dem Jeschken.
Viele Grüße,
Marc
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Ergänzung zum Tinguait: tatsächlich werden Gangserien phonolithisch zusammengesetzter „Tinguaite“ mit porphyrischem Gefüge aus dem Roztoky-Intrusivkomplex beschrieben (ULRYCH 2006, 2014).
Sie werden beschrieben mit Phänokristen von Kalifeldspat, Nephelin +/- Sodalith, Plagioklas, Na-reichen Diopsid, Amphibol. Die Grundmasse besteht aus Kalifeldspat, Sodalith und Na-reichem Diopsid. Das Gestein steht an einem Strassenaufschluß (in der Nähe des Elbufers) bei Skrytin in der Nähe von Roztoky an (WGS84: 50.694722, 14.181388).
An die Arbeit von Ulrych 2006 komme ich nicht heran (außer Fernleihe), hat die zufällig jemand? :)
Ulrych et al 2006 Petrology and geochemistry and K–Ar ages for Cenozoic
tinguaites from the Ohre/Eger Rift (NW Bohemia). N. Jb. Miner. Abh. Vol. 2006 183/1 p. 41-61
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Sci-hub hat die nicht?
LG
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Ehm, doch!
Danke!