Mineralienatlas - Fossilienatlas
Gesteine / Rocks / Rocas => Geschiebe / Glacial erratic => Thema gestartet von: Horne am 16 Mar 18, 19:55
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Hallo,
bei meiner Suche nach vorgeschichtlichen Artefakten fand ich auch diesen Stein in Mitteldeutschland als nordisches Geschiebe. Vermutete ich von der Form her einen neolithischen Klopf-,Schlagstein, zeigte sich dann oberflächlich ein ganz anderes Bild. Ich vermutete Fossilien darin.
Im Steinkernforum, wo man sich mit Fossilien sehr gut auskennt, stellte sich aber recht schnell heraus, dass diese Strukturen nichts fossiles sind. Mir wurde der Stein geschliffen. Die Vermutung der Steinkernler bestätigte sich, es handelt sich um in vulkanischer Asche gebildete kugelige Aggregate: http://www.skan-kristallin.de/schweden/gesteine/gesteinsdarstellung/sedimentgesteine/aschentuff/pisolith.html .
Auch die tollen Bilder wurden mir von dem freundlichen Steinschleifer Michel zur Verfügung gestellt. https://www.steinkern.de/forum/viewtopic.php?f=23&t=25716
Viele Grüße
Horne
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Glückwunsch, Horne, die Dinger sind selten!
Akkretionäre Lapilli entstanden durch phreatomagmatische, sozusagen "nasse" Vulkanausbrüche, meist in der Anfangs- oder Schlußphase einer vulkanischen Eruptionsserie. Die runden Lapilli sind während ihres Fluges von feinerkörnigen Aschen ummantelt worden, verm. durch Adhäsionskräfte der feuchten Asche. Dadurch bekommen sie dieses unverwechselbare Aussehen.
Diese "vulkanischen Pisolithe" können praktisch in allen Vulkanitgebieten auftreten und bilden kleine bis winzigste Vorkommen. In Schweden sind sie aus Dalarna (verschieden Stellen) und Smaland (Lönneberga) bekannt. Eine genauere Herkunftszuordnung ist kaum möglich.
Grüße, karlov
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Hallo Marc,
weisst du zufällig den genauen Fundort bei Lönneberga? Das ist nicht all zu weit weg von mir.
Da könnte ich mal hin wenn der Schnee weg ist.
GA Detlef
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Hallo Detlef,
der Aufschluß ist sehr schwer zu finden, ich habe 3 Abläufe gemacht. Überdies ist er sehr klein (1x1m). Er liegt auf einer gerodeten Freifläche S Silverdalen, Zugang 57.542499, 15.730070. Hier lohnt es sich, nach Geröll/Nahgeschieben des Pisoliths zu suchen. Anstehend: 57.54450, 15.72483. Kaum vernünfig beprobbar, habe einige angewitterte Bruchstücke mitgenommen. Die akkretionären Lapilli scheinen erst bei Abrollung und Verwitterung die schöne Textur zu bekommen.
Hier ein Stück vom Anstehenden, Verwitterungsseite, Aufnahme unter Wasser:
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Und hier ein Ausschnitt einer polierten Schnittfläche. Die akkretionären Lapilli sind eindeutig erkennbar, aber nicht so schön wie im Stück von Horne.
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Hallo Marc,
besten Dank für deine Antwort.
Mit den Koordinaten sollte es zu finden sein. 1x1 Meter ist wirklich nicht groß. Ich versuchs halt mal.
GA Detlef
Mal noch eine Frage - wann warst du denn dort? Nicht das jetzt schon wieder alles zu gewachsen ist. :)
GA Detlef
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Hallo Detlef,
ich war im letzten Sommer dort. Es liegt reichlich Material mit Vulkaniten herum, hauptsächlich Lönneberga-Porphyrit. Lang anhaltende Verwitterung, vermutlich unter Einfluß von Huminsäuren, gibt den Steinen eine weiße, oberflächliche Bleiche, aber auch das Spalten der Gesteine gestaltete sich sehr (zu) leicht. Aber ausgerechnet beim Pisolith findet man keine größeren und schönen Verwitterungspartien. Bin gespannt auf Deinen Bericht!
Grüße, Marc
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Hallo
Bei Steinkern.de gab es über oben gezeigtem Stück ebenfalls eine Diskussion. Hier https://forum.steinkern.de/viewtopic.php?f=23&t=25716
Da hab ich auch ein Stück aus der Lausitz gezeigt. Die ewig unbeantwortete Frage: Nordisches Geschiebe oder südliches Geröll. Werner aus der Lausitz
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Hallo Sargentodoxa,
du meinst, es könnte ein südliches Geröll sein?
Viele Grüße
Horne
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Hallo Werner,
magst Du nochmal hier ein Bild davon hochladen? Das steinkern-Forum ist nur nach Registrierung einzusehen. Habe mir Dein Stück angeschaut. Es sieht aus wie "nordische" akkretionäre Lapilli. Diese Gesteine gibt es auch im Döhlener Becken, aber soweit ich mich erinnere, sind sie eher verhalten bunt gefärbt (s. Bergbaumonographie Döhlener Becken, Reichel & Schauer 2007).
Zudem dürften die nordischen vulkanischen Pisolithe häufig "hälleflintartig" beschaffen sein. Ob sie sich dann deutlich von eventuell verkieselten akkr. Lapilli aus dem Döhlener Becken unterscheiden, kann ich nicht beurteilen.
Grüße,
karlov
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Hallo
@ Sven
Nein, ich hatte es nur als Frage formuliert, da bei der Diskussion auf Steinkern nur die nordische Herkunft aufgeführt wurde.
Marc hatte hier ja auch südliche Vulkanitgebiete als Möglichkeit zumindest in Erwägung gezogen.
@ Marc
anbei die Vor- und Rückseite des Stückes (40 x 30 mm)
Fo: Ortrander - Grödener Endmoräne (weitester Vorstoß der Saalevereisung) in der Lausitz
Mein Augenmerk galt in erster Linie den Pflanzenfossilien (südliche Flussgerölle) wie Kieselhölzer verschiedener Erdzeitalter und Kieseltorf (Böhmischer und Döhlener Typ), aber auch nordische Fossilien wie Schwämme, Flint mit Inhalt, Seeigel und die ganze Palette der Spurenfossilien. Achate meist die osterzgebirgische Gemeinschaft seltener die Böhmischen. Gesteine wurden nicht beachtet, das Stück war nur durch Zufall mitgenommen worden, da erst eine fossile Natur vermutet. Was ich eigentlich sagen möchte, im Fundgebiet kommen neben nordischen Bestandteilen auch südliche Gerölle vor, somit ist eine Eingrenzung des Pisolith äußerst schwierig. Werner aus der Lausitz
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Habe nochmal nachgelesen in Reichel und Schauer 2007: 49f
In den „Staubtuffen“ des Döhlener Beckens (devitrifizierter, leicht metamorpher Unkersdorf-Tuff) kommen an verschiedenen Lokalitäten (Schächte und Bohrungen!) meist nur cm-mächtige Lagen akkretionärer Lapilli vor. Die gerindeten Pisolithe besitzen einen Durchmesser bis 1,5 cm, die einzelnen Aggregate sind oft zerbrochen und später diagenetisch ellipsenförmig deformiert. Aufgrund der geringen Mächtigkeit der Pisolithlagen müssten unregelmäßig/wellig verlaufende Grenzflächen zu violettgrauen oder grünen Tuffen ausgeprägt sein.
Die abgebildeten Pisolithe (S.50) sehen allerdings eher homogen aus und sind hellgrau und hell rötlich-grau gefärbt. Die Kerne der aggregierten Lapilli scheinen deutlich dunkler zu sein (SW-Aufnahme).
Die Unterscheidung vulkanischer Pisolithe nach nordischer oder südlicher Herkunft wird durch diese Beschreibung nicht leichter fallen. Man müsste Anstehendproben aus beiden Gebieten vergleichen. Möglicherweise ergeben sich makroskopisch erkennbare Unterschiede in Farbe, Körnigkeit, Härte, Zähigkeit o.ä. zwischen 1,7 Ga alten nordischen Pisolithen des TIB zu den permokarbonischen Gesteinen des Döhlener Beckens. Erschwerend kommt natürlich hinzu, dass sicherlich nicht alle Vorkommen beider Herkunftsgebieten bekannt sind und beprobt wurden.
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So, ich habe mich noch ein wenig mit Lapillis beschäftigt. Eine südliche Herkunft ist nun doch nicht ganz auszuschließen. Kommt doch südlich vom Fundort ( https://www.google.de/url?sa=i&rct=j&q=&esrc=s&source=images&cd=&cad=rja&uact=8&ved=2ahUKEwjV_e3B2ofaAhWDalAKHeLDDvUQjRx6BAgAEAU&url=https%3A%2F%2Fwww.mineralienatlas.de%2F%3Fl%3D22967%26lang%3Dde&psig=AOvVaw3hPcSZIKsHutTLYKxHxtOm&ust=1522075214847978 ) am Beutenberg bei Chemnitz auch ein Tuff mit Lapillis vor. Das ist aber wohl noch Tuff, auch sicher wesentlich jünger.
Dann habe ich noch ein Stück mit brasilianischen Lapillis erstanden. Diese sind auch bis ca. 10 mm groß. Manche haben als Kern einen bis 2 mm großen klaren Kristall. Handelt es sich um eine Art Glas oder Quarzkristalle? Sie erscheinen aber würfelig.
Viele Grüße
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Na die sehen aber eigenartig aus! :o
Die dunkle Umrandung erinner an ein sphärolithisches Gefüge, die Ringe innerhalb der Lapilli scheinen Liesegangsche Ringe zu sein. Gibts von dem Stück nochmal ein Foto in der Totalen?
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Also verkauft wird das als Leopardenjaspis. Aber wir wissen ja, dass es das nicht ist. Hier noch ein Bild in meiner Hand, es ist halt sehr klein!:
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Hallo,
hier: https://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,36449.msg269529.html#msg269529 gab es schon einmal einen dazu passenden Beitrag. Ich hoffe, die da Beteiligten sehen sich auch diesen Beitrag hier mal an und äußern sich dazu.
Handelt es sich eventuell doch um ein südliches Geröll?
Viele Grüße
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Da stehen aber einige gruselige Dinge drin ("Vulkanbomben", "Lapilli bestehen normalerweise nicht (nie ?) aus SiO2" etc), neben vielem Vernünftigem. Aber die gezeigten Stücke haben nichts mit Lapilli oder akkretionären Lapilli zu tun. Zur möglichen südlichen Herkunft dieser speziellen Tuffe habe ich weiter oben etwas geschrieben. Schau Dir einige dieser Tuffe mit akkretionären Lapilli in entsprechenden Sammlungen, z.B. Dresden, an. Die müssten diesbezüglich gut aufgestellt sein. Vielleicht findest Du den Typ wieder. Ich bezweifle, dass jemand ohne mikroskopische Untersuchung (evtl. noch erhaltene Glasmatrix in den jüngeren Tuffen), wenn überhaupt, etwas zur näheren Herkunft sagen kann. Eine südliche Herkunft wird nicht wahrscheinlicher, wenn man mehrmals fragt ;)
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Eine südliche Herkunft wird nicht wahrscheinlicher, wenn man mehrmals fragt ;)
Hallo Marc,
danke für deine Rückmeldung, mir liegt auch gar nicht daran, das Stück als südliches Geröll zu erkennen, eher dieses auszuschließen. Aber ich werde mich mal in der Chemnitzer Gegend umtun und auch in Dresden nachforschen. Wenn ich mal die Zeit dazu habe.
Viele Grüße
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Hallo Sammelfreunde,
ich glaube mein Fund passt ganz gut hierher, gefunden 2018 am Weststrand von Sylt, hat mir das Stück einiges Kopfzerbrechen bereitet.
Länge ca. 10cm, sehr hart (beim Ritzen hinterlässt das Messer eine deutliche metallische Spur), also kein Kalk.
Vor ein paar Wochen fand ich dann einen Artikel in einer älteren Ausgabe von Geschiebekunde aktuell, dort wird ein sehr ähnlicher Fund beschrieben. Können die Experten mir zustimmen, könnte es ein Tuff mit akkretionaren Lapilli sein?
erbse
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Hallo Stefan,
nun bin ich kein Spezialist, da ich mich aber mit meinem Fund länger beschäftigt habe, wage ich hier eine Antwort zu geben.
Ja, das sieht auch aus, wie mein Exemplar, nur heller. Interessant wäre auch hier ein Schnitt mit Schliff, ob Innen eine ähnliche Farbigkeit erhalten ist.
Viele Grüße
Sven
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Hallo erbse,
sieht vom Bild her tatsächlich aus wie ein Tuff mit akkretionären Lapilli. Habe den Gesteinstyp mal hier etwas genauer vorgestellt:
https://geologische-streifzuege.info/aschentuff-mit-akkretionaeren-lapilli-vulkanischer-pisolith/ (https://geologische-streifzuege.info/aschentuff-mit-akkretionaeren-lapilli-vulkanischer-pisolith/)
Grüße,
karlov
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Hallo karlov,
danke, interessante Seite.
"Die Tuffmatrix enthält nur wenige und sehr kleine Feldspat-Einsprenglinge"
Kann ich bestätigen, unter der Lupe erkennt man einige sehr kleine rosafarbene Einsprenglinge.
erbse