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Mineralien / Minerals / Minerales => Allg. Diskussionen Mineralien / General discussions minerals => Thema gestartet von: Axinit am 05 Nov 18, 18:08

Titel: Versand radioaktiver Mineralproben in Europa
Beitrag von: Axinit am 05 Nov 18, 18:08
Servus allerseits,

aus gegebenem Grund stellen sich mir aktuell folgende Fragen:

(1) Darf man radioaktive Proben per Post/DHL in Europa verschicken und falls ja,

(2) Was ist dabei zu beachten ?

Ich habe leider keine Moeglichkeit die tatsaechliche Aktivitaet zu messen. Das Mineral besteht aus U-Sekundaermineralen und vermutlich Pechblende in Matrix.

Fuer zweckdienliche Hinweise bin dankbar !

GA

Harald
Titel: Re: Versand radioaktiver Mineralproben in Europa
Beitrag von: Reinhold am 05 Nov 18, 18:39
Servus Harald,

da bei der deutschen Post alles geregelt ist gibt es einen link und ein Merkblatt.
Siehe:
https://www.deutschepost.de/de/b/briefe-ins-ausland/unzulaessige-inhalte-gefaehrliche-gueter.html (https://www.deutschepost.de/de/b/briefe-ins-ausland/unzulaessige-inhalte-gefaehrliche-gueter.html)

Von Frankreich aus wird es wohl auch was in der Art geben.

Viele Grüße
Reinhold
Titel: Re: Versand radioaktiver Mineralproben in Europa
Beitrag von: Axinit am 05 Nov 18, 18:48
Servus Reinhold,

Danke fuer Deine prompte Antwort ! Es geht tatsaechlich um einen Versand von D nach F. Ich hatte vermutet, dass es hier ein Problem geben koennte ... daher meine Anfrage.

Gibt es denn ueberhaupt eine legale Moeglichkeit derartige Proben zu versenden ?

GA

Harald
Titel: Re: Versand radioaktiver Mineralproben in Europa
Beitrag von: Reinhold am 05 Nov 18, 20:09
Servus Harald,
das Thema gabs vor einem Jahr hier schon mal.
https://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,45828.msg318611.html#msg318611 (https://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,45828.msg318611.html#msg318611)
Bestimmt kommt auch noch das Argument "alles Panikmache".
Ob es die xx wert ist ein kleines Risiko einzugehen weiss ich nicht.
Lesestoff für kalte Winterabend findest du unter:
w.bmvi.de/SharedDocs/DE/Publikationen/G/befoerderung-radioaktiver-stoffe.pdf?__blob=publicationFile (http://w.bmvi.de/SharedDocs/DE/Publikationen/G/befoerderung-radioaktiver-stoffe.pdf?__blob=publicationFile)

Sollte der Transport Zeit haben kann ich ihn vielleicht 2019 mit einem Schwarzwaldquarz in meinem Castor-Transport- Wohnmobil mitnehmen.
Natürlich unter Einhaltung der Beförderungsbestimmungen (siehe oben).

Viele Grüße
Reinhold
Titel: Re: Versand radioaktiver Mineralproben in Europa
Beitrag von: Reinhold am 05 Nov 18, 20:13
Servus Harald,
der 2. link war unvollständig (radioaktiver Zerfall?)

https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Publikationen/G/befoerderung-radioaktiver-stoffe.pdf?__blob=publicationFile (https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Publikationen/G/befoerderung-radioaktiver-stoffe.pdf?__blob=publicationFile)

Viele Grüße
Reinhold
Titel: Re: Versand radioaktiver Mineralproben in Europa
Beitrag von: Axinit am 06 Nov 18, 11:12
Servus Reinhold,

ich hatte die Suchfunktion bemueht, aber lediglich Beitraege aus dem Jahr 2005 gefunden. Postversand ist also offensichtlich nicht moeglich.

Vielen Dank fuer Dein Angebot das strahlende Objekt in Deinem Privat-Castor zu transportieren. Dazu muesste es erst einmal von der Oberpfalz nach KA kommen.

Das Problem ist, ich braeuchte die Probe vor dem 10.12.2018, nach diesem Datum wird unsere Strahlungsquelle leider fuer mindestens 18 Monate nicht zur Verfuegung stehen  ::).

Nochmals Danke fuer Deine Hinweise - diese Restriktionen waren mir in dieser Form nicht bekannt.

LG

Harald

Titel: Re: Versand radioaktiver Mineralproben in Europa
Beitrag von: Kluftknacker am 06 Nov 18, 12:52
Moin,
nach Beförderungsbedingungen verboten. Aber: Ich habe im meinem Sammlerleben schon vieles sekundäres U-/Th-Zeuchs weltweit verschickt. Bislang kam alles an und auch nichts zurück.  ;)

Auf!
Kluftknacker
Titel: Re: Versand radioaktiver Mineralproben in Europa
Beitrag von: alfredo am 06 Nov 18, 15:53
Uranmineralien sind nur ziemlich schwach radioaktiv im vergleich zu die künstliche Isotopen die mann wirklich für "dirty bombs" benutzen könnte, also kann ich mir vorstellen daß die Mineralien ohne Probleme durch den Post kommen wenn sie angenehm gepackt sind. Ich habe bis jetzt keine Uranmineralien per Post geschickt aber kann sagen daß ich persönlich bis jetzt nie Probleme hatte wegen die die ich im Flughafen mitgenommen habe.
Titel: Re: Versand radioaktiver Mineralproben in Europa
Beitrag von: Uwe Kolitsch am 06 Nov 18, 18:46
Am besten im Zentrum eines GROSSEN Pakets verschicken (deutlicher Abstand erniedrigt die gemessene Dosis ungemein).
Titel: Re: Versand radioaktiver Mineralproben in Europa
Beitrag von: Tycho88 am 06 Nov 18, 19:12
>>lso kann ich mir vorstellen daß die Mineralien ohne Probleme durch den Post kommen wenn sie angenehm gepackt sind. <<

Das sehe ich leider deutlich anderst. Wir mussten von der Firma aus, wo ich werkle, eine Chemieprobe (PhosphorElektrolyt) zu unserer Schwesterfirma nach München schicken. Trotz regelgerechter Verpackung incl. notwendiger Kennzeichnung, Einhaltung der Vorschriften hat sich außer Hermes jeder anderer Transporteur (DHL/ UPS / etc) geweigert.

Dementsprechend denke ich,dass trotz unter Einhaltung aller Bestimmungen, ein Transport nicht möglich sein wird.

https://wiki.einsatzleiterwiki.de/doku.php?id=cbrn:atomar:befoerderung

Grüße CR
Titel: Re: Versand radioaktiver Mineralproben in Europa
Beitrag von: loismin am 07 Nov 18, 18:09
Hallo.

Ich würde es natürlich niemals jemanden raten Uranmineralien so einfach mit der Post zu schicken  >:D
Man kann ja zur Not ein Bleikästchen bauen und die Proben darin umverpacken .
Und dann  ja gut als Uranhaltig kennzeichnen  ;D ;D
Ganz wichtig .


Loismin
Titel: Re: Versand radioaktiver Mineralproben in Europa
Beitrag von: Harzsammler am 07 Nov 18, 18:48
Man kann ja zur Not ein Bleikästchen bauen und die Proben darin umverpacken .
...das hab ich mit Dachblei versucht, die Aktivität ging erst dann messbar runter nachdem ich die Proben separat und luftdicht in Marmeladen-Gläser verpackt hatte.
(Es scheint ein radioaktives Gas zu entweichen)

Von einem Versand habe ich trotzdem Abstand genommen.

Grüße,
Michael
Titel: Re: Versand radioaktiver Mineralproben in Europa
Beitrag von: Fabian99 am 07 Nov 18, 19:12
Die Schwächung der Gammastrahlung hängt fast nur von der Masse im Strahlengang ab.
Dachblei gibt es ab 1mm mit 11g/cm2 somit rund 1g/cm2
Normales Glas Dichte 3mm mit 2,5g /cm2 macht rund 0,75g/cm2.

Wenn du jetzt noch 15% weiter von der Stufe weg warst - ist der Effekt gleich.
Gleich auf Radon schließen würde ich nicht.

LG
Titel: Re: Versand radioaktiver Mineralproben in Europa
Beitrag von: cmd.powell am 10 Nov 18, 23:04
Moin

Schwieriges Thema. Laut der IATA, das ist die Vereinigung von Luftverkehrsgesellschaften, die unter Anderem die Art und Weise des Transportes von Gefahrgütern im Luftverkehr regelt, unterliegen natürliche radioaktive Stoffe (ergo Uranerze und Minerale) keinerlei Begrenzung in Menge und dem Transport in Passagierflugzeugen. Allerdings lässt sich diese Richtlinie nicht so ohne Weiteres auf die Logistikunternehmen oder die Post übertragen. Auch würde ich niemals an einem Flughafenschalter sagen, das ich radioaktives Material in meinem Koffer liegen habe. Bis ich denen nämlich erklärt bekommen habe, was es damit auf sich hat, ist jeder Flug auf und davon. Und die Logistikunternehmen haben ihre eigenen Regeln. Wirklich sicher fährst Du nur, wenn Du das Material ordnungsgemäß als Gefahrgut deklarierst mit allen dazu gehörigen Papieren. Das wird teuer. Ich persönlich würde auch einfach gut verpacken (Stichwort großes Paket ) und hoffen, das es ankommt. So wie es hier die Kollegen schildern, scheint das Restrisiko (wie war das damit noch gleich bei den Atomkraftwerken  :P ) doch eher gering zu sein. Die paar radioaktiven Stufen, die ich bisher bekommen habe, sind alle per Post (DHL) gekommen und waren nie irgendwie besonders gekennzeichnet.

@Michael: Was hast Du den da verschickt, das es dermaßen gegast hat? Radon ist als Alphastrahler für die meisten Geigerzähler quasi unsichtbar und auch wenn, ist die abgegebene Menge so winzig...
Titel: Re: Versand radioaktiver Mineralproben in Europa
Beitrag von: Harzsammler am 10 Nov 18, 23:59
Hallo Markus,

es handelt sich um Uranocircit von Bergen/Vogtland.

Zum abschirmen hab ich 1,2 mm Dachblei genommen.
Erst mal mit einzelnen Platten die Schachtel ausgekleidet und dann dann das Ganze noch einmal umwickelt.
Die Blei-Stärke beträgt also 2,4mm aber vom Effekt bin ich enttäuscht, die Strahlung wurde nicht mal zu einem Drittel gesenkt, und an der gebördelten Seite ist sie höher obwohl die Blei-Stärke durch zwei eingelegte Platten gleich ist - was mich an ein Gas denken ließ.

Es strahlt nicht weit, in ungefähr 40cm Entfernung Messe ich nur die normale Umgebungsstrahlung.

Grüße,
Michael


Titel: Re: Versand radioaktiver Mineralproben in Europa
Beitrag von: Harzsammler am 11 Nov 18, 00:00
... übrigens, wenn jemand Interesse hat, die Wundertüte (fünf Stück Uranocircit) kann bei mir abgeholt werden ;)

Grüße,
Michael
Titel: Re: Versand radioaktiver Mineralproben in Europa
Beitrag von: harzgeist am 11 Nov 18, 00:14
Hallo,

Das Blei macht's nicht. Die Masse macht's. Blei wird nur deshalb gern verwendet, weil sich so viel Masse auf kleinem Raum billig unterbringen lässt.

Deshalb sollte das Paket nicht nur groß, sondern auch schwer sein  ;D

Thomas
Titel: Re: Versand radioaktiver Mineralproben in Europa
Beitrag von: cmd.powell am 11 Nov 18, 00:21
Moin Michael

Interessant. Bei der Ummantelung misst Du mit Sicherheit nur noch Gammastrahlung. Ich habe gerade mal eine Spontanmessung gemacht, da ich rein zufällig ebenfalls Uranocircit von Bergen hier liegen habe: Ohne Blei messe ich rund 3000 cpm, mit 2mm Blei rund 500 cpm, also gut ein sechstel. Interessant ist das Ergebniss bei einer Pechblendeprobe: Ohne Blei 40.000 cpm, mit 2mm Blei 40.000 cpm ! Frag mich jetzt bitte nicht, wie das Ergebniss zustande kommt, da werde ich selber noch nicht ganz schlau draus. Das Zählrohr ist neuwertig und definitiv noch nicht in der Sättigung, ich habe mit dem Zählrohr auch schon 600.000 cpm gemessen.

Das es nicht weit strahlt ist sicher nicht ganz richtig. Die Intensität der Strahlung ändert sich im Quadrat zur Entfernung, ist also bei doppelter Entfernung nur noch ein Viertel so stark. Irgendwann bist Du dann in der Grundempfindlichkeit des Zählrohrs, das ist dann direkt abhängig von der Detektorfläche. Bei kleinen Zählrohren bist Du schnell im Bereich der Hintergrundaktivität.
Titel: Re: Versand radioaktiver Mineralproben in Europa
Beitrag von: jürgen lange am 14 Nov 18, 00:00
Liebe Leute, Ihr werdet Euch wundern, was alles so auf die Strasse, Bahn etc. geht. Aktives Material für Krankenhäuser, Füllstandsmesser, Gaschromatographen... gehen alle auf den Transport.

Die von Euch so heftig diskutieren Materialien unterliegen nach Transportrecht der Klasse 7: radioaktive Materialien.

Wer "adr klasse 7 transport" googelt, findet auch Firmen, die so etwas transportieren. Nur halt nicht von "hinz und kunz" nach "Otto Normalverbraucher". Das geht im allgemeinen nur von einer Organisation mit Umgangsgenehmigung zu einer Organisation mit Umgangsgenehmigung. Ob man welche Genehmigung/Anzeige braucht oder im Freibereich sich befindet, hängt vom Material und von der Aktivität ab.

Da das Europäisches Recht ist, geht das auch grenzüberschreitend zwischen den Mitgliedsstaaten:
"Europäisches  Übereinkommen  zur  internationalen  Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße"
Original französisch:
"Accord  européen  relatif  au  transport  international  des marchandises dangereuses par route".
ADR kommt wohl auch aus der französischen Benennung.

So einfach in einen Brief und dann ab die Post, halte ich nicht für sinnvoll. Es gibt an verschiedenen Stellen Monitorsysteme, die sich melden. Und selbst der Einsatz von Gefahrenabwehrorganisationen ohne konkrete Gefahr ist nicht unbedingt kostenlos.

Ich würde bei der Firma in der ich tätig bin, den Gefahrgut- und/oder Strahlenschutzbeauftragten befragen, der wird mit Sicherheit weiterhelfen.
Ob Haralds Arbeitgeber einen Gefahrgutbeauftragten hat, bezweifle ich. Aber es wird wohl einen Strahlenschutzbeauftragten geben.

Viel Erfolg Jürgen
Titel: Re: Versand radioaktiver Mineralproben in Europa
Beitrag von: Axinit am 15 Nov 18, 16:15
Servus allerseits,

vielen Dank fuer all die Hinweise, Ratschlaege und persoenliche Versanderfahrungen !

In Anbetracht der rechtlichen Lage und der Masse der Probe (ca. 150 - 200 g strahlende Minerale) werde ich auf einen Postversand verzichten.

Es waere sicher moeglich, einen offiziellen Versand-Weg zu beschreiten, zumal ich hier wenige Zehnermeter von einem Forschungsreaktor entfernt sitze, der alle zwei Monate etwa 50 - 60 kg hochangereichertes Uran (HEU  ;D) verbraucht. Der hierfuer noetige Aufwand ist jedoch eher abschreckend.

Natuerlich gibt es hier auch einen gut ausgestatteten Strahlenschutz, Gefahrbeauftragte(n) usw. .... . Es gilt allerdings auch hier die Devise: schlafende Hunde weckt man besser nicht  8).

Damit muss die Bestimmung eines interessanten Fundes etwas warten - vermutlich bis 2020, falls unsere Quelle bis dahin hoffnungsvollerweise wieder in Betrieb sein wird.

GA

Harald