Mineralienatlas - Fossilienatlas
Fossilien / Fossils / Fósiles => Paläobotanik (fossile Pflanzen / fossil plants) => Sonstige Lokationen u. Themen / Other Locations a. Themes => Thema gestartet von: oliverOliver am 18 Mar 19, 12:49
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nachdem in einem anderen thread schon Fotos von Pflanzenresten in sog. "Coal Balls" gezeigt wurden:
https://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,47418.msg333615.html#msg333615 ,
möchte ich hier nun ein eigenes Thema dafür starten.
Coal balls (auch als "Torfdolomit" bezeichnet) kommen ja mehr oder weniger weltweit in Verbindung mit Steinkohleflözen aus dem Karbon vor, und sind bekannt für die teils hervorragende Erhaltung der in ihnen enthaltenen Pflanzenreste.
Ich werde hier nach und nach Literaturtips, Infos zu Fundstellen, etc. einstellen.
Bitte um rege Beteiligung, v.a. mit Fotos - denn mangels eigener Funde kann ich damit nicht dienen.
zum Start mal zwei pdfs von Helmut/Phyton:
Helmut Knoll: " Coal balls " aus dem Aachener Steinkohlenrevier. Pdf
https://www.academia.edu/.../_Coal_balls_aus_dem_Aachener_Steinkohlenrevier._pdf
und
Helmut Knoll: Die Pflanzenwelt der Dolomitknollen – „Coal balls“ aus dem Aachener Steinkohlenrevier http://www.academia.edu/11259199/Die_Pflanzenwelt_der_Dolomitknollen_Coal_balls_aus_dem_Aachener_Steinkohlenrevier._pdf
Allgemeine Infos dazu gibts auch bei wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Torfdolomit
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Aus Rostovgebiet (an der Grenze zur Ukraine bzw. Lugansker Volksrepublik) sind seit einiger Zeit die Coal Balls mit hervorragender Pflanzenerhaltung bekannt. Flöz L 6 (Moskovian). Anbei - eine Platte mit Calamiten.
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Auf dieser Platte sind neben Calamiten noch ein Psaronius (im Längsschnitt), Sphenophyllum, kleine Querschnitte Medullosa (?), Lepidodendron und viel Kleinkram zu sehen.
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Ein paar Details
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Noch ein Beispiel von diesem Fundpunkt.
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Die Calamiten sind praktisch fast bei jedem Stück zu finden. Scheint die meist vorkommende Art zu sein. Zumindest bei den Stücken in meiner Sammlung. Das sind häfig ganz kleine Achsen (bis ca 1 cm).
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Die Stücke lassen sich generel gut polieren, aber die Struktur dabei sieht man kaum (Bilder im Anhang). Weder mit Chlorwasser noch mit Wasserperoxid lassen sie sich aufhellen. Man könnte sie aber mit Säure etwas behandeln. Dabei verlieren die Stücke etwas von ihrer Glanz, dafür kriegt man die perfekt sichtbare Pflanzenstruktur zum Vorschein.
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Noch einiges von diesem Fundort - vermutlich ein Gymnospermenholz, ein Bärlap, ein Psaronius.
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der Detailreichtum dieser Stücke ist beinahe schon unheimlich - man könnte fast glauben, man schaut einen rezenten Achsenquerschnitt an ......
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Ein anderes Vorkommen von Coal Balls liegt in meiner Heimatstadt Lissitschansk in Donbass. Von meinen Bekannten unter Bergleuten habe ich vor ein paar Jahren erfahren, dass das neulich abgebaute Flöz (K8) in einer Mine die Coal Balls führt. So habe ich 10 überwiegend kleinere Stücke für meine Sammlung direkt aus dem Flöz bekommen. Ich selbst habe letztes Jahr dort auf der Halde gesucht und ziemlich viel von Coal Balls gefunden. Die meisten davon - recht groß.
So sah die Suche aus:
https://www.youtube.com/watch?v=web_ceq-4aM&t=331s
Leider klappt es noch nicht mit der Übersendung dieser Funde nach Deutschland...
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Die Strukturerhaltung bei den Stücken von dieser Fundstelle ist etwas schlechter, als bei den russischen Coal Balls (zumindest bei meinen Stücken). Und die Mineralisation scheint etwas anders zu sein. Geschnitten und poliert sehen sie aus nicht wie die ganz schwarzen russischen Knollen, sondern dunkel grau-bräunlich. Auch im Gegensatz zu russischen lassen sie sich mit Chlorwasser problemlos aufhellen. Nach dieser Behandlung sehen bei russischen und ukrainischen Knollen die ähnlichen Pflanzenstrukturen völlig unterschiedlich aus (ein Beispiel im Anhang). Bei russichen - sind die Konturen von Zellen wie gewöhnnt schwarz (zwei Bilder ganz unten), und bei den behandelten mit Chlorwasser ukrainischen Coal Balls - weiß (zwei obere Bilder).
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So sehen die "aufgehellten" Stücke aus
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Wie schon erwähnnt ist die Zellerhaltung etwas schlechter. Außerdem sind in den Knollen drinnen meistens keine größere beeindruckende Hölzer zu sehen, sondern verschiedene "Kleinigkeiten". Die aber aus meiner Sicht sehr interessant sein können. Z.B. die Calamostachys (bei vielen Knollen):
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Koprolithen (?) im Holz
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Hier - ein paar Lepidophyten.
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Für mehr Anschaulichkeit - gesägtes Coal Ball aus Lissitschansk. Eine Hälfte - ca 2 Tage mit Chlorwasser behandelt, andere - unbehandelt. Die Zellstruktur ist bei unbehandeltem Stück kaum zu erkennen. Auf der anderen Hälfte sind die pflanzlichen Strukturen etwas deutlicher.
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Noch ein Beispiel (vorher-nachher)
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Ich habe neulich ein Stückchen Coal Ball mit Lepidophyten-Achse aus Donbass mitgebracht. Zum Vergleichen - ähnliches Stück aus Russland (Rostowgebiet). Man sieht gut den Unterschied zwischen der ukrainischen (Flöz K8), rechts und der russischen (Flöz L6), links Knollen
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Für die Anschaulichkeit möchte ich ein paar Fotos von Coal balls aus Lissitschansk in Donbass zeigen. Das sind drei Scheiben vom selben Stück (mit Stigmaria). Erstes Stück ist nur poliert worden. Zweites - mit Säure geätzt. Drittes - mit chorhaltigem Reinigungsmittel behandelt. Bei dem unbehandelten Stück sieht man die Struktur nicht so deutlich. Die behandelten Stücke sind quasi Negativ und Positiv.
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halo Andrej,
ja sehr anschaulich! Wobei ich finde dass bei dem geätzten Stück die Strukturdetails am besten rauskommen - welche Säure hast du verwendet?
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Es finktioniert ganz gut mit Essig. Die aufgehellten Stücke sind aus meiner Sicht doch besser zum Anschauen. Nur etwas ungewöhnlich. Und daraus lassen sich keine Acetatfolien-Abzüge machen, denn das schwarze organische Material verschwindet. Aber das könnte man leicht nachschleifen (die Tiefe von aufgehellter Schicht ist maximal ein Millimeter. Unten - die aufgehellte Stigmaria und das Photoshop-Negativ vom selben Stück zum Vergleichen. Fast genau so sieht die Struktur auf dem mit Säure geätztem Stück aus.
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Noch ein paar Nahaufnahmen. Die Zellenwände sind statt schwarz hell geworden.
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Hallo,
ich möchte noch ein paar Beispiele vorstellen, wie die Coal Balls (aus Donbass) aussehen können, wenn sie unterschiedlich behandelt wurden.
Links - mit Chlorwasser aufgehällt (Politur bleibt erhalten), rechts - mit Essigsäure (keine Politur, nur matte Oberfläche).
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Ein weiteres Stück , mit Stigmaria. Hier umgekehrt.
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Ein weiteres Stück
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Hallo Andrej,
das sind tolle Ergebnisse!
Was würdest Du sagen, bringt die besten Ergebnisse beim Behandeln/Aufhellen der Coal Balls?
Viele Grüße
Marian
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Hallo Andrej,
das sind tolle Ergebnisse!
Was würdest Du sagen, bringt die besten Ergebnisse beim Behandeln/Aufhellen der Coal Balls?
Viele Grüße
Marian
Hallo Marian,
ich möchte zuerst sagen, dass das Aufhellen von russischen Coal balls, die du bestimmt hast, mit gewöhnlichen Weg (Chlorwasser, Peroxid) generell nicht möglich ist. Ich vermute, das liegt an der Kohlen-Sorte.
Bei den Stücken aus Lissitschansk funktioniert das ganz gut. Es sind zwei Momente wichtig, bevor du dich entscheiden muss.
Beim Aufhellen bleibt die Politur erhalten. Also, für diejenige, die Wert auf Optik legen, ist das optimal. Wenn in Knolle Holz überwiegt, ist das Aufhellen aus meiner sicht auch viel attraktiver, als das Ätzen mit Säure.
Eventueller Minus - es lassen sich keine gute Acetatfolien-Abzüge machen, weil die dunkle Organik weg ist. Das teste ich aber morgen (ich habe heute ein paar Abzüge von "normalen" coal balls gemacht).
Entscheidender Minus - die Struktur der kleinen Wurzel oder Stengel ist nicht so deutlich zu sehen.
Bei der Behandlung mit Säure ist die Politur definitiv weg. Und beim Nachpolieren verschwindet wieder die Struktur. Das größere Holz bleibt meistens wie graue Masse und die Struktur ist nicht so deutlich. Aber die kleinen Stengel sind in der Regel gut sichtbar.
Acetatfolien-Abzüge sind aus solchen Stücken perfekt.
Ich persönlich finde die aufgehellten Stücke attraktiver, als die behandelten mit Säure.
Aber ich entscheide immer bei jedem Stück, was ich am besten machen würde. Ein paar Stücke, wo ich beide Hälften habe, habe ich für die Anschaulichkeit auf verschiedene Weise behandelt.
Sonst vom Stück zum Stück ist das unterschiedlich. Generell ist das kein Problem das zu ändern. Die aufgehällte Schicht ist ca 1 mm, und lässt sich leicht abschleifen, wenn man das mit Säure behandeln will.
Grüße, Andrej
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Anbei ein paar Acetatfolien-Abzüge (von mit Säure behandelten Stücken)
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Noch ein Beispiel, wie sich die coal balls unterscheiden können, wenn sie auf unterschiedlicher Weise behandelt sind
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Ich finde die grauen besser, weil deutlich kontrastreicher.
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in diesem Fall ist das Ätzen definitiv besser. Es kommt darauf an ))))