Mineralienatlas - Fossilienatlas
Arbeitsmittel / Means for work => Reinigung (Präparieren, Konservierung) / Cleaning (Prepare, Conservation) => Thema gestartet von: Mineraliensuchti am 08 Apr 19, 17:33
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Moinsen alle zusammen,
ich habe kürzlich eine Dioptas-Stufe bei Ebay-Kleinanzeigen gekauft. Diese Stufe ist nicht nur für Dioptas-Verhältnisse ziemlich groß, sondern hat auch eine gelblich-weiße Kruste über den gesamten Kristallbereich. Die ist unterschiedlich dick, denn es scheint teilweise in größeren Bereichen die grünliche Farbe des Dioptas durch und teilweise auch nicht. Die Kristalle, die von der Kruste teilweise befreit sind, weisen keinen Glanz auf, sind also komplett matt und haben auch nicht das intensive Grün, was man von Dioptas kennt. Ich gehe mal davon aus, dass auch da noch eine hauch dünne Schicht dieses Belages drauf ist.
Es könnten aber auch noch andere Mineralien, wie Azurit, Malachit oder Chrysokoll darunter liegen. Ich versuche gerade den Fundort des Stückes bei dem Verkäufer zu erfragen, aber ich fürchte daraus wird eher nichts.
Ich habe schon getestet, mit einem Messer unter relativ starken Druck die Kruste (an einer unbedeutenden Stelle) abzukratzen, aber da tat sich nichts. Auch eine intensive Googlesuche hat mir keine Antwort darauf gegeben, was das für eine Kruste sein könnte.
Meine Frage ist jetzt, wie ich diese Kruste so entfernt bekomme, dass nicht nur die Kristalle davon befreit werden, sondern auch der eigentliche fantastische Glanz des Dioptas erhalten bleibt. Ich habe leider keine kleine Stufe oder ein Bruchstück, wo ich diverse Tests mit Säuren machen kann.
Im Anhang ein Foto eines Ausschnitts der Stufe. Vielleicht habt ihr ja eine Idee.
Grüße
Mineraliensuchti
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Ich habe leider keine kleine Stufe oder ein Bruchstück, wo ich diverse Tests mit Säuren machen kann.
einen kleinen Tropfen HCl an einer unauffälligen Stelle auf die Kruste -
dann weißt du wenigstens ob sie karbonatisch ist.
p.s.:
Ich versuche gerade den Fundort des Stückes bei dem Verkäufer zu erfragen, aber ich fürchte daraus wird eher nichts.
das sollte man immer vorher machen ;)
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Reicht es, wenn ich 25%ige aus dem Baumarkt hole und wenn ja, sollte ich die erstmal stark verdünnen?
Gibt es eventuell kleine Pinsel, mit denen ich die Salzsäure auf einen Punkt auftupfen kann, ohne dass die Haare/Borsten von der Säure angegriffen werden?
Ist es nicht so, dass Dioptas von Salzsäure auch angegriffen wird?
Sorry für die ganzen Fragen, ich kenne mich damit noch nicht aus und das wäre auch mein erstes Experiment dieser Art.
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Pinsel würde ich nicht empfehlen - besser ein Pipettenfläschchen
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Soooo....also ich habe eine Ecke erst mit 10%iger Salzsäure betupft und dann mit 25%iger und es hat sich rein gar nichts getan....
Die Frage ist also, wie ich weiter vorgehen soll....?
Dioptas ist ja bei Ultraschall schlecht und die ganze Stufe in ein Salzsäurebad legen, macht bei Dioptas auch keinen Sinn. Macht es Sinn die Stufe eventuell in kochend heißes Wasser zu legen und das mehrmals am Tag? oder mehrere Tage in Natriumdithionit? Oder mit dem Sandstrahlgerät reinigen? ich bin total überfragt....
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Hallo.
Meiner Meinung nach kannst du das vergessen !
Wenn du mit dem Messer nichts abschaben kannst ( also hart ) und mit Salzsäure sich nichts tut, nehm ich an daß das ein Silikat 8 eventuell auch Quarz ) ist.
Und wenn du die Querschnitte rechts im Bild anschaust sieht man daß das eine recht homogene Verwachsung ist und auch noch recht dick dazu.
Ich bin mir vom Bild her nicht mal sicher ob das wirklich Dioptas ist !
Loismin
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Dioptas und Quarz passen von der Paragenese nicht zusammen. Falls wirklich Quarz (das sollte unterm Bino zu erkennen sein), dann wird es grüner Fluorit sein. Eventuell könnte die Kruste noch Hemimorphit sein.
Gruß
Uwe
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Aber Hemimorphit würde doch in Salzsäure reagieren oder nicht? Und bei meinem Test mit Salzsäure war ja nichts passiert.
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Dioptas und Quarz passen von der Paragenese nicht zusammen. Falls wirklich Quarz (das sollte unterm Bino zu erkennen sein), dann wird es grüner Fluorit sein. Eventuell könnte die Kruste noch Hemimorphit sein.
Gruß
Uwe
Hallo Uwe,
Quarz ist durchaus ein gängiger Begleiter von Dioptas, Tsumeb mal ausgenommen ! ;)
Aber auch ich kann den Dioptas auf dem Foto nicht sicher identifizieren.
Gruß
Elmar
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Ich habe jetzt über Nacht den Stein in Wasser stehen lassen, da ich ja gestern Abend den Salzsäure Test gemacht hatte.
Mir ist heute morgen aufgefallen, dass die Kristallform unter der Kruste jetzt deutlicher zum Vorschein kommt (wenn die Stufe nass ist) und auch die grünliche Farbe jetzt deutlich zu erkennen ist. Die Kristallform ist wie beim Dioptas klassisch trigonal, rhomboedrisch.
Mal angenommen die Kruste besteht aus Quarz, kann ich eventuell die Kruste nicht mit Glasätzcreme für mehrere Tage bestreichen. Wenn ich mich nicht irre ist dort anteilsmäßig Flusssäure enthalten und die löst ja Quarz an/auf.
Bevor jetzt hier losgebrüllt wird: Ich weiß wie gefährlich Flusssäure ist, vor allem in reiner Form...
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Ich würde davon ausgehen, das die Flussäure auch den Dioptas angreift. Selbst heiße Salzsäure löst ihn schon.
Gruß
Elmar
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Mmh. Aber diese Creme/Paste besitzt eine extrem stark verdünnte Lösung. Sagen wir Mal, ich trage diese auf eine Stelle auf und schaue alle 1-2 Stunden was passiert ist...
Eine andere Idee wäre es, den Quarz versuchen vorsichtig abzuschleifen (mit sehr feiner Körnung) Ist halt aber irgendwie blöd, weil der Dioptas ne Härte von 4 oder 5 hat...
Denke da an einen Dremel mit einem fein körnigen schleifaufsatz. So könnte ich eventuell wenigstens die größeren Kristalle von 5-10mm bearbeiten.
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Wenn da drunter wirklich Dioptas steckt, würde ich alles, was nicht Wasser ist sein lassen.
Ich denke, der Verkäufer hat schon gewusst, warum er das Stück so verkauft hat.
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Ich befürchte auch, dass du da nicht viel machen kannst. Vor allem nicht chemisch.
Bei genauerer Betrachtung des Fotos scheint mir der Dioptas mit einer ersten Schicht von transparentem Chalcedon überzogen zu sein (die Kristalle ganz rechts sehen so phantomartig aus, mit grünem Kern und transparenter Hülle), die wiederum von einer gelblich weißen zweiten Kruste überlagert wird.
Vielleicht kann ein Spezialist mit Sandstrahlgerät und entsprechend abgestimmtem Strahlgut hier eine kleine optische Verbesserung erzielen.
Viel ist aber sicher nicht drin.
Diese Silikatkrusten kenne ich von einigen Mineralen aus Namibia. Ein fieses Zeug! Und wie heli schon schrieb ist es nur nachvollziehbar, warum das Stück verkauft wurde. (Ich hoffe du hast nicht zu viel dafür bezahlt).
Schöne Grüße,
Sascha
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Nein ich habe wirklich nicht viel bezahlt. Ich bin ja auch bewusst das Risiko eingegangen, dass die Möglichkeit besteht, dass ich den Belag/die Kruste nicht entfernen kann.
Ich kann es ja Mal mechanisch probieren...erstmal mit einem dremel. Da gibt es ja verschiedene Aufsätze. Ich meine, ob das jetzt so bleibt oder ob ich beim experimentieren was zerstöre ist nun ziemlich irrelevant.
Das mit dem Sandstrahlen werde ich mir noch überlegen. Ich müsste mir erstmal jemanden suchen, der so ein Gerät besitzt.
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Das mit dem Dremel würde ich lassen :(
Wenn überhaupt, dann vom Profi sägen und richtig polieren lassen. Das könnte durchaus ein ästhetischse Scheibchen werden. Aber ich befürchte mit dem Dremel und den kleinen Schleifwerkzeugen versaut man es endgültig, denn polieren kann man diese knubbelige Oberfläche kaum :-\
Wenn Dir das Stück aber so gar nichts bedeutet, dann hau rein. Versuch macht Klug. ;D
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Was mir noch eingefallen ist: Ist das nicht so, dass Quarz wärmeempfindlich ist? Sagen wir ich lege den Stein regelmäßig für 1-2 Stunden in kochendes Wasser...reicht das aus, damit die Quarzkruste instabil wird/anfängt zu bröckeln oder muss die Temperatur deutlich höher sein? Oder reichen 250 C eines hausüblichen Ofens aus? Oder braucht man dafür einen spezialofen, der eine weit höhere Temperatur erreicht? Ich weiß von Dioptas nämlich, dass der Wärme-unempfindlich ist.
Auch habe ich eben etwas von einer Soda-Schmelze gelesen, die aber erst bei 850 C erreicht wird :D und das geht dann sowieso in einen chemischen Bereich, bei dem ich nichts mehr verstehe, auch nicht die Risiken und dann kann ich es komplett vergessen.
Ich könnte doch eventuell mal an einer Uni im Bereich Mineralogie/Chemie nachfragen, wie man das Problem sonst noch lösen kann? Die haben dort ja Geräte und Verfahren, die für mich als Privatmensch nicht nutzbar sind.
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Upsala. Da habe ich mich wohl gründlich verlesen. Dioptas ist wohl doch sehr wärmeempfindlich, denn er verliert seine hellgrüne Farbe und wird dadurch dunkelgrün bis schwarz, wenn man ihn in irgendeiner Art und Weise mit Wärme behandelt. Jetzt macht das ganze auch mehr Sinn, den gar nicht zu behandeln. Man das ist aber auch echt ein empfindliches Mineral :D
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Das einzige was evtl. etwas bewirken kann ist meines Erachtens nach Sandstrahlen mit Eisenpuver (kein Stahlpulver!)
https://www.steinkern.de/praeparation-und-bergung/tips-tricks-und-fallbeispiele/1029-sandstrahlen-und-physik.html
Grüße,
Michael
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Habe den Artikel gelesen. Tja, wenn der Dioptas nicht so weich wäre, wäre das alles kein Problem ;D Hilft aber jetzt nicht. Ich muss sowieso erstmal schauen, wie ich an einen Sandstrahler herankomme, ohne ihn selber kaufen zu müssen ;)
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P.S. vor dem Sandstrahlen könnte man das Stück noch eine Weile in das Tensid Rewoquat einlegen um evtl. vorhandene Trennschichten zu aktivieren.
Aber Vorsicht, hierbei kann auch das ganze Stück zerfallen!
Grüße,
Michael
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Hallo,
Ich möchte an dieser Stelle nur mal angemerkt haben, dass Dioptas nun wirklich kein ultraseltenes Mineral auf dem Markt ist und man für relativ kleines Geld auch gute Stufen mit Fundortangabe bekommen kann. 8)
Das fällt wohl eher in die Kategorie "suche handwerkliche Herausforderung"?
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Das fällt wohl eher in die Kategorie "suche handwerkliche Herausforderung"?
Das hast du schön gesagt ;D ;D ;D
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Ultraseiten ist es bestimmt nicht und was günstig ist und was nicht, kann man nicht verallgemeinern, da es wohl auf die Geldbörse des Käufers ankommt, was jetzt viel ist und was nicht.
Für mich ist ein 200- 500€ Stück schon sehr viel Geld. Für andere sind das Peanuts. Und bei Dioptas kann man bei größeren 7/8cm+/ hoch qualitativen Stücken sehr schnell in diese Preisklasse kommen.
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Nein ich habe wirklich nicht viel bezahlt. Ich bin ja auch bewusst das Risiko eingegangen, dass die Möglichkeit besteht, dass ich den Belag/die Kruste nicht entfernen kann.
Dann würde ich kein weiteres Geld mehr in den (m.M.n) aussichtslosen Versuch investieren, die Stufe aufzuhübschen.
Spare dir das Geld lieber auf ,um dir eine bessere, eventuell kleinere Stufe zu kaufen, von der du auch den Fundort kennst.
Thomas
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... ein Kilo Eisenpulver zum Strahlen kostet so um 3€ plus Versand.
Dann geht man damit zum Steinmetz (Grabmalgestalter) und wird sich einig.
Kostet jetzt nicht die Welt und ist den Versuch alle Mal wert.
Grüße,
Michael, der das so schon ein paar Mal mit Soda-Strahlen gemacht hat.
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Der Tipp ist ausgezeichnet
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... ein Kilo Eisenpulver zum Strahlen kostet so um 3€ plus Versand.
Dann geht man damit zum Steinmetz (Grabmalgestalter) und wird sich einig.
Kostet jetzt nicht die Welt und ist den Versuch alle Mal wert.
Das wäre auf jeden Fall einen Versuch wert. Joh, ein sehr guter Hinweis. Habe sowieso hier noch eine 8 Kg Fluoritstufe aus China rumliegen, die ich noch zuschneiden lassen will, weil da können ruhig mal 4 kg Matrix verschinden ;D