Mineralienatlas - Fossilienatlas

Vermischtes / Miscellaneous / Varios => Dies und Das / this and that => Thema gestartet von: Mineraliensuchti am 20 Apr 19, 21:13

Titel: Wie kommen die hoch qualitativen Mineralien zum Großhändler in China
Beitrag von: Mineraliensuchti am 20 Apr 19, 21:13
Moinsen alle zusammen,

was mich mal interessieren würde: Wie läuft der Mineralienhandel zwischen Bergbauunternehmen und Großhändler in China ab? Gibt es diesen Handel überhaupt oder läuft das direkt zwischen einzelnen Minenarbeitern oder jemanden in der Verwaltung und Großhändler? Wird die Ware als Paket/Palette zum Großhändler transportiert oder holt der Großhändler die Ware direkt am Steinbruch/an der Mine ab?


Und meine andere allgemeine Frage: Läuft das in allen Ländern/Kontinenten gleich ab oder überall anders? Mir geht es vor allem um Länder/Kontinente, die tonnenweise hoch qualitative Mineralien zu Tage fördern (also aktive Minen), wie zum Beispiel: Cashan Mine in China oder La Viesca Mine in Spanien.

Normalerweise ist es doch so, dass die auskristallisierten Mineralien für die Bergbaugesellschaft meistens eher Abfall sind und die das Zeug gar nicht interessiert, weil die eigentlich was ganz anderes abbauen wollen.
Titel: Re: Wie kommen die hoch qualitativen Mineralien zum Großhändler in China
Beitrag von: steinfroilein am 23 Apr 19, 19:13
Ich hatte bis vor kurzem viel mit Asien zu tun.

Lies Dich hier mal ein: https://www.eu-china.net/uploads/tx_news/2016_Asienhaus__Beiblatt-1__SEC.pdf
Zitat
Bergbau  ist  politisch  ein  hochsensibler  Bereich. ...... Die rechtlichen Grundlagen der Bodenschatzpolitik betonen die führende Rolle des Staates China. So definiert das Bodenschatzgesetz aus dem Jahr 1996 alle auf dem Territorium der VR China befindlichen Bodenschätze als Staatseigentum. Zur Förderung von Bodenschätzen  bedarf  es  einer  staatlichen  Schürfgenehmigung.

Wir hatten vor einigen Jahren in der Firma Besuch eines Großhändlers aus Bejing (Peking), der uns erzählte, alles nennenswerte mit sehr guter Qualität käme dort gar nicht auf den Markt sondern gleich über entsprechende Kanäle in den Export, vorwiegend in die USA wo sehr gute Preise bezahlt werden würden und selbst die eigenen Großhändler müssten hintenanstehen. Deswegen suchen die chinesischen Geschäftsleute mittlerweile auch im europäischen Raum nach Rohware.

In der VR China hat sich allerdings in dem Bereich in den letzten Jahren einiges getan.

Früher war das anders, da war sogar Bergbau und Handel aus dem Bergbau verpönt wie uns der Großhändler aus Bejing auch erzählte.
Das kann man in Teilen und sogar ausführlich hier aus einem anderen Erfahrungsbericht nachlesen:
https://www-user.tu-chemnitz.de/~fna/27chen.pdf


Es gibt selbstverständlich Unterschiede in den verschiedenen Ländern.

Es gibt ja auch Minen, in denen Europäer oder Global Players Schürfrechte haben. Und von da kommt dann eher auch was auf den eurpäischen bzw. deutschen Markt.

"Abfall" wird teils auch bereits an Minen von findigen Händlern vertrieben. Da meint der Tourist dann, er hätte eine tolles Stück und hat aber nur B-Ware. Zahlen tut man dann aber ordentlich und am Zoll gibt es dann die erste Überraschung, wegen der Ausfuhr. Nicht alle Länder haben die selben Ausfuhrbedingungen; auch hier gibt es entsprechende Unterschiede. Auch gibt es Länder mit Ausfuhrverboten und/oder wiederum Länder mit Importverbot (Bsp. Sanktionen wie beispielsweise Burma-Rubin, der nicht in die USA importiert werden darf).

Meiner Meinung nach lohnt es sich nicht, "Abfall" zu exportieren. Obwohl derzeit beispielsweise viel Boulderopal am deutschen Markt zu sehen ist, der eigentlich fast keinen Wert hätte aber doch unter die Leute gebracht wird und das nur, weil aus den Minen teils nichts mehr Gutes rauskommt. Da will man dann natürlich auch mit 08/15 Ware noch Rebbach machen ....

Die Wirtschaftlichkeit endet jedoch spätestens dann, wenn die Minen ausgebeutet sind.

Vermutlich gilt dann auch für "Abfall" die Redewendung "die Ausnahme bestätigt die Regel ..."   ;)


Mit der Situation in Spanien kenne ich mich nicht aus, vielleicht melden sich da noch andere dazu.
Titel: Re: Wie kommen die hoch qualitativen Mineralien zum Großhändler in China
Beitrag von: Mineralroli am 24 Apr 19, 05:58
Zitat
Deswegen suchen die chinesischen Geschäftsleute mittlerweile auch im europäischen Raum nach Rohware.
....und nicht nur dort sondern weltweit z.B. Brasilien, Uruguay, dort werden ganze LKW-Lieferungen gleich aufgekauft und umgeleitet.
Auch in Marokko werden die Chinesen tätig, indem sie an ergiebigen Stellen gleich mit schwerem Gerät (Bagger) anrücken und komplett abbauen.
Titel: Re: Wie kommen die hoch qualitativen Mineralien zum Großhändler in China
Beitrag von: Mineraliensuchti am 24 Apr 19, 18:06
Das heißt, der Bergbaubetrieb exportiert höhere Qualität direkt nach Amerika, anstatt es an einen Großhändler in China zu verticken. Interessant. Das heißt aber auch im Umkehrschluss, dass der Bergbaubetrieb gleichzeitig Großhändler für Mineralien ist, richtig?
Was ich mich dann allerdings wundert, ist, warum die chinesischen Großhändler über Alibaba zum Beispiel doch recht ansehnliche Qualität von chinesischem Fluorit und Azurit verkaufen. Natürlich keine Weltklasse-Stücke, aber Abfall würde ich das jetzt auch nicht nennen....oder verstehe ich da was falsch? ???
Titel: Re: Wie kommen die hoch qualitativen Mineralien zum Großhändler in China
Beitrag von: Harzsammler am 24 Apr 19, 18:16
Was ich mich dann allerdings wundert, ist, warum die chinesischen Großhändler über Alibaba zum Beispiel doch recht ansehnliche Qualität von chinesischem Fluorit und Azurit verkaufen. Natürlich keine Weltklasse-Stücke, aber Abfall würde ich das jetzt auch nicht nennen....oder verstehe ich da was falsch? ???
Für die High End "Sammler" ist das Abfall, das ist eine Welt für sich,  mit mehr oder weniger verschlungenen und dunklen Kanälen.

Grüße,
Michael
Titel: Re: Wie kommen die hoch qualitativen Mineralien zum Großhändler in China
Beitrag von: Mineraliensuchti am 24 Apr 19, 18:45
Für die High End "Sammler" ist das Abfall, das ist eine Welt für sich,  mit mehr oder weniger verschlungenen und dunklen Kanälen.

Jetzt würde ich gerne mal wissen, ab wann bei dir High End beginnt bzw. in der wie du sagst im verschlungenen und dunklen Kanal? 1000€? 5000€? 10000€?....

Für mich sieht das so aus: alles bis 100€ ist Standard/Normal-Qualität. zwischen 100€ und 500€ ist gute Qualität und ab 500€ sehr gute Qualität, spätestens bei 1000€ beginnt dann High End bei mir....natürlich alles nur ganz grob mal so eben über den Daumen gefasst...

Das liegt aber vermutlich auch daran, dass ich keinen hohen Verdienst habe und 1000€ für mich ein höherer Wert ist als bei manch anderen. Außerdem bin ich kein Mineralienkäufer bzw. Sammler, der gekaufte Stücke sammelt, sondern ausschließlich selber sammelt.

Und die High End Ware, wird dann irgendwie im Hintergrund an die Spezialsammler vertickt, ohne dass man das mit verfolgen kann? Ich meine es gibt ja genügend Internetseiten, die Mineralien im 1000€+ Bereich verkaufen. Ich gehe mal davon aus, dass genau die das sind, die die Ware direkt aus der chinesischen Mine beziehen?!

Man, mir kommen da so viele Fragezeichen auf....wenn ich nur wüsste, wo ich die Informationen her bekomme. Ich meine es funktioniert ja nicht einfach so, dass ich in einem chinesischen Bergbauunternehmen anrufe, die frage und die mir das einfach so erzählen  ;D ;D ;D
Titel: Re: Wie kommen die hoch qualitativen Mineralien zum Großhändler in China
Beitrag von: Harzsammler am 24 Apr 19, 19:30
Und die High End Ware, wird dann irgendwie im Hintergrund an die Spezialsammler vertickt, ohne dass man das mit verfolgen kann? Ich meine es gibt ja genügend Internetseiten, die Mineralien im 1000€+ Bereich verkaufen. Ich gehe mal davon aus, dass genau die das sind, die die Ware direkt aus der chinesischen Mine beziehen?!
Ja, da sind Einkäufer unterwegs, nicht nur in China sondern auch in Deutschland. Es wird von privat aufgekauft, aus alten Sammlungen und auch aus Museen (da sind ja einige Geo-Sammlungen nun nicht mehr öffentlich).
High End muss nicht unbedingt sehr teuer sein sondern vor allem selten, gerne alt - am liebsten mit Label, sollte von einer angesagten Fundstelle kommen und nicht zuletzt soll's auch noch ästhetisch sein.

Grüße,
Michael
Titel: Re: Wie kommen die hoch qualitativen Mineralien zum Großhändler in China
Beitrag von: skibbo am 24 Apr 19, 19:48
Hallo Sebastian,

1000€? Niedlich.  ;D
Dafür würde mancher Investmentsammler gar nicht erst aufstehen.

Die High End Kollegen spielen, wie schon erwähnt, in einer ganz anderen Liga als der Ottonormalsammler.

Als "Icon" darf zum Beispiel ein Stück bezeichnet werden, das für mehr als 1 Million Dollar gehandelt wurde. Eine der bekanntesten "Ikonen" dürfte wohl die Rhodochrositstufe "the snail" sein. Einfach mal danach online suchen.

Diesen Preiswahn muss man einfach kommentarlos anerkennen, denn ohne diesen Luxushandel würde in vielen Fällen der Beifang, also die normalen Stücke, gar nicht so zahlreich auf den Markt gelangen.

Grüsse
Stefan
Titel: Re: Wie kommen die hoch qualitativen Mineralien zum Großhändler in China
Beitrag von: Mineralroli am 24 Apr 19, 19:52
Hallo Sebastian
Du denkst zu materiell und versuchst Stufen in verschiedenen Schubladen je nach Preisgröße zu verschieben.... warum?
Dem einen ist es das Wert, dem anderen nicht. Ist doch Wurscht was andere ausgeben und wer nur einen kleinen Verdienst hat wir immer neidvoll zusehen und 1000 € für High End-Stufen sind noch untermaßig.
Zitat
Man, mir kommen da so viele Fragezeichen auf....wenn ich nur wüsste, wo ich die Informationen her bekomme. Ich meine es funktioniert ja nicht einfach so, dass ich in einem chinesischen Bergbauunternehmen anrufe, die frage und die mir das einfach so erzählen
1. Was hast Du von den Informationen? Nichts
Da Du ja nur selbst sammelst, wirst Du auch solche Stufen nicht finden und besitzen.
2. Der zweite Teil der Frage ist wirklich mehr als naiv.
Vielleicht gehst Du mal auf große Messen, wie München und schaust dich da mal um.
Gruß Roland
Titel: Re: Wie kommen die hoch qualitativen Mineralien zum Großhändler in China
Beitrag von: Harzsammler am 24 Apr 19, 20:29
2. Der zweite Teil der Frage ist wirklich mehr als naiv.
Vielleicht gehst Du mal auf große Messen, wie München und schaust dich da mal um.
Gruß Roland
ja, man kann sich in diese Kreise reinarbeiten, mit Fachwissen, den richtigen Fragen, angemessenen Auftreten und viel Händeschütteln bei den richtigen Personen, mit viel Geduld und Glück....
Wem das liegt
Titel: Re: Wie kommen die hoch qualitativen Mineralien zum Großhändler in China
Beitrag von: Mineraliensuchti am 24 Apr 19, 20:33
1. Was hast Du von den Informationen? Nichts
Da Du ja nur selbst sammelst, wirst Du auch solche Stufen nicht finden und besitzen.
2. Der zweite Teil der Frage ist wirklich mehr als naiv.
Vielleicht gehst Du mal auf große Messen, wie München und schaust dich da mal um.
Gruß Roland

Was ich von den Informationen habe?
Ich möchte gerne selber einen Onlineshop eröffnen und hatte überlegt, die Mineralien direkt von den Minen/Steinbrüchen zu beziehen, statt von einem Großhändler, da ich dann nicht die Marge von dem mit bezahlen muss. Dazu muss ich aber vorher wissen, wie der Handel zwischen Großhändler und Minen funktioniert und ob es überhaupt einen direkten Handel gibt....das wurde ja jetzt auch schon zum Teil beantwortet. Jedenfalls im Beispiel China.

2. Der zweite Teil der Frage ist wirklich mehr als naiv.
Vielleicht gehst Du mal auf große Messen, wie München und schaust dich da mal um.
Gruß Roland

Ich glaube du hast nicht verstanden, dass das ironisch war  ;D ;)
Titel: Re: Wie kommen die hoch qualitativen Mineralien zum Großhändler in China
Beitrag von: Collector am 25 Apr 19, 00:44
Hi end-Stufen
Bei diesen Stufen (oder auch Einzelkristallen) liegt die Betonung auf “end” – das heißt, es wird, (von wem auch immer, meist einschlägig bekannte Verkäufer), dem potentiellen Käufer vorgegaukelt, dass es für den „Connoisseur“ (Kenner)  über das “Ende” hinaus keine bessere Qualität mehr gibt  oder ein höheres Geschmacksniveau zu erwarten ist.
Echte High end-Stufen bekommt man, außer in manchen Museen, kaum oder nur selten in privaten Sammlungen zu Gesicht. Da für manche dieser High end-Stufen astronomische Preise gezahlt wurden, sind die Besitzer wenig  (oder aus steuerlichen Gründen) daran interessiert, ihre Anonymität offenzulegen und Auskunft darüber zu geben, woher die Mittel zum Kauf dieser exorbitant teuren Stücke stammen.
High end-Stufen wirst Du weder bei den Sammlern im Mineralienatlas, noch bei mindat, noch bei minfind finden; wohl aber im MIM-Museum in Beirut (https://www.museeum.com/the-worlds-most-exciting-private-collection-of-minerals-hides-in-beirut/),  in der Terra Mineralia in Freiberg (http://www.terra-mineralia.de/deutsch/sammlungen/die-sammlung-dr-erika-pohl-stroeher) oder im Smithsonian in Washington (https://de.wikipedia.org/wiki/National_Museum_of_Natural_History), um nur einige zu nennen.
Privatsammler von Hi end-Stufen sind für die meisten Menschen unbekannt. Sie werden in den USA als „Sammler-Elite“ (collecting elite) bezeichnet;  ihr gemeinsamer Nenner dürfte sein, dass es fast alles Menschen sind, welche ein jährliches Mindesteinkommen von ca. ½ Million Euro (oft jedoch viel mehr)  haben, denen es nicht wehtut, eine Mineralstufe für 10.000 bis 100.000  US$ zu kaufen. Zu finden in den USA, Japan, China, Italien, Frankreich. Dies sind auch die Sammler, die nicht selbst auf Börsen erscheinen, sondern welche, sobald verfügbar, die Hi end-Stufen direkt von einigen der versiertesten Händler bekommen. Die Namen dieser Händler kann ich Dir gerne separat mitteilen.
Sogenannte Hi end-Stufen müssen aber nicht unbedingt das Gelbe vom Ei sein – sie sind Hi end, weil ihr Verkäufer sie dazu ernannt hat.  Es gibt nicht wenige Mineralien, die in bester Ausbildung (bei uns) noch immer zu realistischen Preisen zu finden sind; es gibt aber Händler (i.d.R. USA) , die diese Stufen zu wahren Heiligtümern verklären, aus „schönen Stufen“ dann Hi end- Stufen machen und diese entsprechend hoch bewerten.   So mancher perfekte Aragonit-Drilling, den man als Sammler noch selbst öfter in Spanien finden kann und der auf Börsen in Spanien und Deutschland nicht mehr als 10.- bis 15.- € kostet, wird beim US-Händler L…  als Hi-end für US$ 400.- verkauft (sogar mit falscher Fundortangabe); Afghanite, die in München beim Pakistani € 250.- kosteten, in den USA für US$ 2.650.-;  Hämatit-Pseudomorphosen aus Ägypten (tw. massenhaft auf Börsen für 2.- bis 5.- € erhältlich; in den USA für US$ 250.-,  rosa Cobaltocalcit-Stufen (7 cm)  aus Bou Azzer in München für 60.- €, in den USA für US$ 1450.- und selbst kleinste spanische Pyritwürfel bis 2 cm für US$ 400.-. Den teuersten Hi-end-Pyritwürfel aus Spanien, ca. 4 cm, sah ich in der Sammlung Freilich, für mehrere tausend US$ geschätzt.
Sehr viel teurer sind die „klassischen“  echten Hi ends, welche im Preisbereich von US$ 25.000 bis 150.000 liegen: Sweet Home Rhodochrosite, Red Cloud Wulfenite, kalifornische Benitoite und Amazonite von Colorado; Tsumeb-, Kongo- und Touissitstufen (Azurite, Cerussite), pakistanische und afghanische Superstufen (Aquamarin, Topas, Spodumen, Turmalin), Smaragd von Kolumbien, brasilianische Turmaline, spanische Fluorite, marokkanische Vanadinite und Skutterudite, chinesische Schönheiten (Fluorit, Azurit, Scheelit), aus Russland polare Axinite, von Dalnegorsk (Quarz, Fluorit), sizilianischer Schwefel, französische Pyromorphite, alpine Stufen (Epidot, Rauchquarze, Rosafluorit), europäische Klassiker (Harz, Erzgebirge, Silber aus Norwegen) etc etc.

Wie gelangen Top-Stufen (Hi end-Stufen) auf die Märkte / zu Sammlern ?
Es gibt verschiedene Modelle.

In aktiven Bergbaubetrieben ist das Sammeln von Mineralien meist und oft verboten. Dieses Verbot gilt auch für die einfachen Bergleute. Dessenungeachtet gelangen Stufen auf die Märkte, oft leider nur zweitklassiges Material, da die Mineralien entweder verborgen in der Kleidung oder mit Abraum auf eine Abraumhalde (zur späteren Bergung) verbracht werden und hierdurch die Qualität leidet. Wirklich bessere Stufen kann man jedoch gelegentlich von den Ingenieuren (Steigern) bekommen, welche nicht kontrolliert werden und welche darüber hinaus genau wissen, was ein potentieller Käufer von einer hochwertigen Stufe verlangt.
Beispiele für solche „Schmuggelware“ sind die Silbergrube Imiter,  die Kobaltgruben in Bou Azzer und die Flußspatgrube El Hammam in Marokko, fast alle berühmten Erzgruben in den peruanischen Anden, die Fluoritgrube Okorusu in Namibia.

Weitaus lukrativer ist der Markt für Top-Stufen aus Explorationen, welche einzig und allein auf Sammlermineralien abgebaut werden (sogen. „specimen mining“.).   Hier ist es meist so, dass ein finanzstarker Dealer entweder mit den Inhabern eines Claims oder mit den „Oberaufsehern“ in einem Claim eine Vereinbarung trifft:  Alles, was aus dem Berg kommt, gehört dem Dealer !
Der Dealer zahlt dem Oberaufseher, sagen wir, einen bestimmten Betrag auf alle in einem bestimmten Zeitraum geförderten Stufen: betont: Alle ! Also Tops, gute, mittlere und schlechte. Gezahlt wefrden bei Auftrag 50%, nach Ablieferung die anderen 50%.  Sollte es erforderlich sein, zBsp. aus technischen Gründen, mehr Material, Menschen und Zeit zur Bewegung einzusetzen, schießt der Dealer nicht selten nach. Die geförderten Stufen werden gesichert bis zur Ablieferung aufbewahrt, der Oberaufseher berichtet ständig an den Dealer über den Status der Arbeiten, irgenwann kommt ein Transporter und holt alle Stufen ab.
(Im Falle des letzten marokkanischen Vanadinit-Booms war es sogar soweit, dass extra für diese Abbauphase (mit hohem hi end-Stufen Potential) ein  Mitarbeiter eines  amerikanischen Dealers vor Ort stationiert wurde, der die Förderung täglich überwachte, damit auch kein Stück verschwand.  (Es wird spekuliert, dass der Output an guten bis sehr guten Stufen bei 1.200 Stück lag: (Quelle: Persönl. marokkan. Busch-Telefon in Midelt/Mibladen).).

So war (und ist ) es Praxis in den Vanadinitgruben von Mibladen, in bestimmten Claims in Pakistan und Afghanistan; in den Aquamarin-Explorationen des Erongo, den Feldspat-Ägirinstufen vom Mt. Malosa in Malawi,  in den Steinbrüchen der indischen Dekkan-Traps mit weltberühmten Zeolithen, und so war es auch in Asturias in Spanien, bekannt u.a., dass eine sehr reiche, komplette mit Fluoritkristallen bis 10 cm Größe ausgekleidete Geode an einen einzigen Dealer verkauft wurde.  Nach Absonderung der Hi end-Stufen durch den Käufer wurde der Rest auf lokalen Börsen verkauft, die Hi ends gingen (wahrscheinlich) allesamt in die USA.

Letztlich gibt es auch Sonderformen, am Beispiel der beiden lukrativsten Pyritgruben in Spanien:  Sowohl in Ambasaguas als auch in Navajún kann man (gegen Schürfgebühr)   selber sammeln, dabei jedoch nicht auf Hi- end-Stufen hoffen.   Die wenigen wirklich als Top-stufen bekannten Pyrite wurden von den Inhabern selbst geborgen,. in aufwendiger Arbeit restauriert (da die meisten Kristalle beim Bergen abfallen) und letztlich von den Inhabern selbst vermarktet.

Hi end-Stufen aus China
Hier solltest Du direkt Herrn Ottens fragen – wenn, dann nur er kann Dir eine verlässliche Antwort ggeben.
Titel: Re: Wie kommen die hoch qualitativen Mineralien zum Großhändler in China
Beitrag von: Conny3 am 25 Apr 19, 09:13
Hallo,

ich habe diese "Probleme" bzw. Fragen glücklicherweise nicht, da das nicht mein Sammelgebiet ist ;). Da bleibe ich doch lieber bei den einheimischen Sachen auch wenn dort keine  "Hi end-Stufen" mehr vorkommen :D.

Gruß Conny
Titel: Re: Wie kommen die hoch qualitativen Mineralien zum Großhändler in China
Beitrag von: skibbo am 25 Apr 19, 09:16
Hallo Peter,

das ist eine gelungene Beschreibung des aktuellen Mineralienmarktes, die natürlich nicht auf jede regionale Besonderheit, z.b. die Runner in Indien, oder ganz Grubenspezifische Besonderheiten zum Beispiel eigene Mitarbeiter oder firmennahe Sammler (z.b. KMF) zum Bergen besonderer Funde, eingehen kann.

In einem Punkt muss ich Dir jedoch widersprechen:
Zitat
High end-Stufen wirst Du weder bei den Sammlern im Mineralienatlas, noch bei mindat...finden
Da High End Stufen letztlich ungeachtet des finanziellen Aspekts die wenigen oberen Prozent eines Fundortes oder einer Fundregion darstellen sollten, lassen sich solche Stufen durchaus vereinzelt in vielen Sammlungen weltweit finden. Mir sind nicht wenige  Sammlungen (auch von mineralienatlas Mitgliedern) bekannt, in denen solche Schätze zu bewundern sind. Natürlich sind reine High-End Sammlungen nur wenigen wohlhabenden Sammlern oder Investoren vorbehalten, am Ende stammen diese Stücke jedoch alle von den Menschen vor Ort, die die Fundorte aufsuchen und bearbeiten. Seien dies nun Mitarbeiter der jeweiligen Betreiberfirma oder leidenschaftliche Sammler, die sich ausgiebig und regelmässig einer Fundstelle widmen.

Daher kann sich der Begriff High End im Handel auch immer nur auf verfügbare und den jeweiligen Sammlern bzw Händlern bekannten Vergleichsstücke beziehen.
Plattformen wie der mineralienatlas oder mindat bieten uns natürlich eine sehr bequeme Vergleichsmöglichkeit, wobei hier sicherlich die wenigsten High End Stücke zu sehen sind. Für eine grobe qualitative Einordnung unserer erreichbaren Börsenkäufe ist dies in der Regel jedoch ausreichend.

Grüsse
Stefan
Titel: Re: Wie kommen die hoch qualitativen Mineralien zum Großhändler in China
Beitrag von: Sebastian am 25 Apr 19, 10:45
Da bleibe ich doch lieber bei den einheimischen Sachen auch wenn dort keine  "Hi end-Stufen" mehr vorkommen :D.


Hallo,
dem möchte ich widersprechen. Auch hier gelingen noch Funde von Weltmaßstab.
Ansonsten amüsanter Thread, danke an Collector für die Beschreibung.
Gruß Sebastian
Titel: Re: Wie kommen die hoch qualitativen Mineralien zum Großhändler in China
Beitrag von: smaragd123 am 25 Apr 19, 11:07
Da bleibe ich doch lieber bei den einheimischen Sachen auch wenn dort keine  "Hi end-Stufen" mehr vorkommen :D.


Hallo,
dem möchte ich widersprechen. Auch hier gelingen noch Funde von Weltmaßstab.
Ansonsten amüsanter Thread, danke an Collector für die Beschreibung.
Gruß Sebastian

Besonders beliebt bei den "High-End Händlern ;D" sind z.B Silberlocken und schöne, große und transparente Proustite aus Sachsen, die teils für mehrere 1000€ den Besitzer wechseln. Aber auch Hauyne und Pyromorphite (Mechernich) aus der Eifel und schöne Galenite aus Deutschland finden bei internationalen Händlern Anklang.
Titel: Re: Wie kommen die hoch qualitativen Mineralien zum Großhändler in China
Beitrag von: Mineraliensuchti am 25 Apr 19, 17:01
vielen Dank an Collector. Das waren mehr Informationen als ich erhofft hatte.

Gruß

Mineraliensuchti
Titel: Re: Wie kommen die hoch qualitativen Mineralien zum Großhändler in China
Beitrag von: Mineralroli am 25 Apr 19, 19:49
Zitat
Ich möchte gerne selber einen Onlineshop eröffnen und hatte überlegt, die Mineralien direkt von den Minen/Steinbrüchen zu beziehen, statt von einem Großhändler, da ich dann nicht die Marge von dem mit bezahlen muss.
Einen Onlineshop zu eröffnen ist kein Problem, aber man darf nicht erwarten das das Geld dann nur so sprudelt. Das Internet ist voll von solchen Märkten und nur selten wird man gefunden. Um erstmal eine Stammkundschaft aufzubauen dazu braucht es Jahre und man muß ständig neues Material präsentieren um Kundschaft zu locken. Noch schwieriger dürfte es sich gestalten andere aus dem Geschäft zu drängen um die besten Stufen vorab zu bekommen, denn nur wenn einer geht ist Platz für einen anderen. Ohne Beziehungen wird da wohl nichts werden und diese Beziehungen, wenn man sie erstmal hat, müssen gepflegt und geschmiert werden. Ein solides finanzielles Polster um ein Geschäft in dieser Art anzukurbeln ist daher eine Grundvoraussetzung. Es spielen noch mehr Faktoren eine Rolle. Ich bin seit mehr als 25 Jahren auf Messen als Aussteller, habe mein Onlineshop und weiß daher wovon ich rede.
Titel: Re: Wie kommen die hoch qualitativen Mineralien zum Großhändler in China
Beitrag von: Mineraliensuchti am 25 Apr 19, 20:35

Einen Onlineshop zu eröffnen ist kein Problem, aber man darf nicht erwarten das das Geld dann nur so sprudelt. Das Internet ist voll von solchen Märkten und nur selten wird man gefunden. Um erstmal eine Stammkundschaft aufzubauen dazu braucht es Jahre und man muß ständig neues Material präsentieren um Kundschaft zu locken. Noch schwieriger dürfte es sich gestalten andere aus dem Geschäft zu drängen um die besten Stufen vorab zu bekommen, denn nur wenn einer geht ist Platz für einen anderen. Ohne Beziehungen wird da wohl nichts werden und diese Beziehungen, wenn man sie erstmal hat, müssen gepflegt und geschmiert werden. Ein solides finanzielles Polster um ein Geschäft in dieser Art anzukurbeln ist daher eine Grundvoraussetzung. Es spielen noch mehr Faktoren eine Rolle. Ich bin seit mehr als 25 Jahren auf Messen als Aussteller, habe mein Onlineshop und weiß daher wovon ich rede.

Na dann wird es ja mal Zeit, dass ich langsam mal anfange.  ;D 8)
Titel: Re: Wie kommen die hoch qualitativen Mineralien zum Großhändler in China
Beitrag von: alfredo am 27 Apr 19, 15:04
Some people in Germany have really comical ideas about the mineral market in the USA:

"So mancher perfekte Aragonit-Drilling, den man als Sammler noch selbst öfter in Spanien finden kann und der auf Börsen in Spanien und Deutschland nicht mehr als 10.- bis 15.- € kostet, wird beim US-Händler L…  als Hi-end für US$ 400.- verkauft (sogar mit falscher Fundortangabe); Afghanite, die in München beim Pakistani € 250.- kosteten, in den USA für US$ 2.650.-"

The Pakistani who is selling an afghanite in Munich for 250 euros, is selling the same afghanite in Tucson, for $250. Yes, there might be some "high-end" dealer asking $2,650 for a piece like that, and he might find some idiot to pay that much, or more likely he won't, and after a few months he'll move it to an auction platform and it will be recycled for $250 again. And in another hotel room there will be a different American dealer trying to sell it for $300. The "high end" dealers are a small minority, and not statistically representative of the american market in general.

If it were true that mineral prices in Germany are much more reasonable, and that in America they are generally astronomical (and this is an idea that I hear often from German collectors in online fora) then, considering that Germany and America are both free economies, and that there is free trade between Germany and America, there would be a one-way flow of specimens from the "cheap" Germany to the "expensive" America, and every German dealer would run to the USA to sell their specimens, and would never sell to a German collector again. Which is of course absurd. Openminded observation would show you that there are in fact a wide variety of pricing among dealers in both America and Germany, and a full spectrum of dealers ranging from those with reasonable economical prices, to crazy fantasy prices, can be found in both countries. 
Titel: Re: Wie kommen die hoch qualitativen Mineralien zum Großhändler in China
Beitrag von: Collector am 27 Apr 19, 17:26
Looking at your answer, I guess that you must have misunderstood the subject.

I have not written a summary of "comical ideas"  about the mineral market in the US, but a simple explanation regarding "Hi end" collecting and Hi end specimen. My  comments have nothing, absolutely nothing to do with the overall collectors market (which I know very well, both in the US and in Europe).

I do, however, not at all agree with your comment: "The "high end" dealers are a small minority, and not statistically representative of the american market in general". No, thats climbing the horse from the back. Fact is, that a quite large number of very wealthy people in the U.S.  invest in collectibles and of those, an increasing number of them harbor a love of fine mineral specimen. In fact, there ar more "elite" collectors active today than at any other time in history. (Source: (1) Barrons, Sep. 20, 1999; U.S. Trust Survey of the top of U.S. taxpayers; (2) Min Record 31, 1, 5: (2000); The mineral collecting elite; summary.).

Most people at the upper level of business or a profession, e.g. those who make this large and increasing fine mineral market, simply don't have the time for an intense level of dedication to minerals. They can evolve into well-informed appreciators of the beauty of minerals, but they still want help in safely guiding the expenditure of large sums of money in a field where each and every object is unique in its own way.
There are no price catalogs to use as a guide and there is no comprehensive index of all known top level (Hi end) specimen.

Or, as simple as that: The "Hi end" collectors need their time to make enough money thru their business, to buy "Hi end"- specimen from dealers whom they trust due to his "expertise".  The "Hi end"- dealers exploit the confidence and the wallet of their customers (in your words: "...  he might find some idiot to pay that much),  selling them the sensation of something "incredible,  fantastic, very beautiful, unique, incomparable, one of its kind (I'm just using some of the overall hi end dealers syntax) - for astronomic prices.

This is the world of "Hi ends" and its players.  And the world of "Hi end" specimen dealers ( yes: you' re right: not only American, but a surprisingly large number of French, British, German, Austrian and Italian dealers, too) . And that's what I tried to summarize - I have never had in mind to describe a statistically representative picture of the U.S. market in general.

Can U live with that ?


Titel: Re: Wie kommen die hoch qualitativen Mineralien zum Großhändler in China
Beitrag von: ger steinn am 29 Apr 19, 11:39
"there would be a one-way flow of specimens from the "cheap" Germany to the "expensive" America"

Actually this happens, regarding german Hi End specimens coming from old collections! (and new finds as well, as few as they are.)