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Mineralien / Minerals / Minerales => Allg. Diskussionen Mineralien / General discussions minerals => Thema gestartet von: Pcheloyad am 21 Jun 19, 23:34

Titel: "Auch Brookit geht unterhalb des Schmelzpunktes in Rutil über "
Beitrag von: Pcheloyad am 21 Jun 19, 23:34
Guten Abend zusammen,

obiges Zitat stammt von W.pedia

 "Auch Brookit geht unterhalb des Schmelzpunktes in Rutil über "

https://de.wikipedia.org/wiki/Titan(IV)-oxid

Bin ja nun auch schon ein paar Jährchen dabei  , aber dies ist mir letztens bei der Infosuche aufgefallen, das hab ich noch nicht gehört/gelesen .

Wie darf ich mir den "geht über" vorstellen ? Pseudomorphosen ?

Da ich bei mehreren Einsätzen erstaunliches und auch erwartetes Material bergen konnte, bin ich gerade etwas im Rutil-Titanit-Anatas-Brookit "Fieber".

Falls es kein Fehler in der WP sein sollte, bin ich für jeden Hinweis,Info,Bilder etc. dankbar .

Viele Grüße aus dem balkanischen Dschungel ( unserem Freitags-Gretel sei´s gedankt )

Marcus




Titel: Re: "Auch Brookit geht unterhalb des Schmelzpunktes in Rutil über "
Beitrag von: Fabian99 am 22 Jun 19, 10:35
Hallo,

die drei wichtigen Phasen des TiO2 sind Brookit, Anatas und Rutil.

Wird ein Anatas auf über 700°C erhitzt, baut sich die Struktur in einem Phasenübergang um. Die Temperatur hängt auch noch von Rheinheit und Fremdionen ab. Im Gegensatz zu einigen anderen Phasenübgergängen ist das Ganze beim Abkühlen nicht reversibel.

Ob der Brookit erst zum Anatas und dann zum Rutil wird weiss ich nicht, nach:
http://www.minsocam.org/ammin/AM53/AM53_1929.pdf
geht es direkt zum Rutil, genau wie hier: https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S135964540400429X

Nanokristalle überleben es ganz gut. Ich habe einen pseudomorphen Rutil, die Form des Anatas ist erhalten, er besteht aber aus einem orientierten Netz aus Rutilnadeln (Raman-analysiert). Wie sich jetzt die Oktaeder umlagern - puuh, ich glaube da ist die Welt sich nicht einig.

Hilft dir das? Sonst TiO2 - phase transistion oder phase transformation könnte Treffer liefern.

LG


Titel: Re: "Auch Brookit geht unterhalb des Schmelzpunktes in Rutil über "
Beitrag von: Pcheloyad am 22 Jun 19, 15:42
Hallo Fabian,

hab Dank für die Links und Deine Zeilen.

Ich schau mir heute Abend die "Links" mal in Ruhe an.

Ein Anfang scheint gegeben und das ist für mich was zählt.


"Ob der Brookit erst zum Anatas und dann zum Rutil wird weiss ich nicht"

Genau dies bereitet mir gerade "Kopfschmerz" .

Was wäre wenn die vermeintlichen Rutilkristalle ( t.w. bis 3cm Durchmesser ) keine Rutile sind, sondern primär gebildete Brookite wären ?  Wie kann ich bzw. die Fachleute mittels Ausrüstung, das Problem lösen ?

Material ist reichlich vorhanden und das versenden wäre kein Problem.

VG

Marcus

P.S. Trennung anhand der Strichfarbe scheint mir bei Brookit vs Rutil absolut unzuverlässig.
Titel: Re: "Auch Brookit geht unterhalb des Schmelzpunktes in Rutil über "
Beitrag von: Fabian99 am 23 Jun 19, 10:30
Hallo,

bei 3cm sollte die Form erhalten bleiben - meine ich. Brookit sind eher Schuppen, Rutil bildet die von dir gezeigten Stengel.

Wenn die Oberfläche so aussieht:
(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1479455268.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1479455268.jpg)
kann es eine Pseudomorphose sein.

LG
Titel: Re: "Auch Brookit geht unterhalb des Schmelzpunktes in Rutil über "
Beitrag von: wolfi am 23 Jun 19, 11:02
Servus,
solche Pseudomorphosen von Rutil nach Anatas xx sind in den oberfränkischen Diabasen gar nicht so selten. Komisch ist daran allerdings, dass meistens größere Anatase umgewandelt sind. Die haben dann keinen richtigen Glanz mehr und sind auch etwas rissig. Manchmal erkennt man dann die nadelige Struktur des Rutils. Ähnlich ist das bei den Brookiten.
Servus + Glück auf
Wolfi
Titel: Re: "Auch Brookit geht unterhalb des Schmelzpunktes in Rutil über "
Beitrag von: kks am 23 Jun 19, 11:27
Hallo,

bei Umwandlungspseudomorphosen ohne Beteiligung mobiler Phasen (Gase, Flüssigkeiten) kann ich mir nur schwer vorstellen, wie makroskopisch erkennbare Formänderungen zustandekommen sollen. Auf welche Weise sollen denn die erforderlichen Materialbewegungen bewirkt werden?

MfG
Klaus
Titel: Re: "Auch Brookit geht unterhalb des Schmelzpunktes in Rutil über "
Beitrag von: Pcheloyad am 23 Jun 19, 21:48
Liebe Kollegen,

habt Dank für Eure Hilfe in Wort und Bild.

@Fabian : Habe es leider noch nicht geschafft, mir in Ruhe die Links zu Gemüte zu führen.

 Danke für das klasse Bild von Hr. Schäfer......herjeh, ihm wollte ich auch noch eine Mail schreiben. Aber ein anderes Thema betreffend.

Jetzt kommt aber die Pseudomorphose vom Rutil nach dem Ilmenit noch zusätzlich in den "Ring"

@wolfi : Ich versuch 2 Fliegen mit einer Klappe. "Nur" Anatas aus BG. Dafür scheinen es aber die bis jetzt besten und größten zu sein. Und dies bei "wönzigen" 1-1,5mm Größe........Ist schon manchmal verrückt. Knüppelige Rutile und Titanite bis 6,2cm, dafür nur winzige Anatase hier im Ländle. Ich bemühe mich um Hardangervidda Maßstäbe  ;)   

Rutil nach Anatas wäre eine Pseudomorphose,welche ich noch nicht in der Deutschlandsammlung aufweisen kann. Leg gerne etwas zurück. Tausch kann nie schaden.

Falls Du/Ihr noch ( winzige ) Anatase aus Reimerath in der Eifel suchen solltet, kann ich ebenfalls zum Tausch anbieten. Schicken wir es halt wieder zurück nördlich der Donau.

@kks/Klaus : Vermutlich fehlt mir der Hintergrund der (noch) nicht gelesenen Links von Fabian.

Hallo,

bei Umwandlungspseudomorphosen ohne Beteiligung mobiler Phasen (Gase, Flüssigkeiten) kann ich mir nur schwer vorstellen, wie makroskopisch erkennbare Formänderungen zustandekommen sollen. Auf welche Weise sollen denn die erforderlichen Materialbewegungen bewirkt werden?

MfG
Klaus


Genau solche Denkanstöße vermisse ich hier im Land, weil ........na ja ich erwähnte es schon. Aber zum Glück gibt es das Internet, den MA und eine große Sammlergemeinschaft in Deutschland-Österreich-Schweiz und einigen anderen Ländern.

Werde versuchen die ominösen Rutil-Brookit(?) Stufen mal zu fotografieren, damit etwas "Butter bei die Fische" kommt.

In diesem Sinne, vielen Dank einen schönen Abend und bis nächste Woche

VG

Marcus
Titel: Re: "Auch Brookit geht unterhalb des Schmelzpunktes in Rutil über "
Beitrag von: Fabian99 am 24 Jun 19, 08:01
Ja,

ich habe auch überlegt, ob das sein kann. Aber aus einem TiO(OH)2 bilden sich in weniger als 3h bei 700°C 0.5µm grosse Rutil-Kristalle. Länger geglüht werden das 10µm große Klumpen. Bei der Temperatur ist die Sauerstoffbeweglichkeit in Kristallen schon extrem hoch, siehe Lamdasonden etc.

Eine "Rekristallisation" mit Stofftransport kann ich mir über geologische Zeiträume da schon vorstellen. Nein - ich werde meinen norwegischen Anatas jetzt nicht tempern...

LG
Titel: Re: "Auch Brookit geht unterhalb des Schmelzpunktes in Rutil über "
Beitrag von: kks am 24 Jun 19, 11:30
... aus einem TiO(OH)2 bilden sich ...


Richtig. Aber: TiO(OH)2 --> TiO2 + H2O - und schon haben wir eine Gasphase, die als Transportmedium wirken kann.

Nur als Anmerkung; in geologischen Zeiträumen können selbstverständlich Dinge geschehen, die man im Labor nicht hinkriegt.

Mfg
Klaus
Titel: Re: "Auch Brookit geht unterhalb des Schmelzpunktes in Rutil über "
Beitrag von: Fabian99 am 24 Jun 19, 12:52
Hallo,

entschuldige, da war ich ungenau: Im offenen Tiegel und im Drehrohrofen hast du die nicht ;-)
Auch geht die Umwandlung vom Hydrat zum Oxid früher zum Anatas, erst später kommt der Rutil und dazwischen wächst noch was.

Der Prozess wird großtechnisch bei der TiO2-Pigment Produktion durchgeführt, inkl. der Untersuchung auf Partikelgrößen.

LG


Titel: Re: "Auch Brookit geht unterhalb des Schmelzpunktes in Rutil über "
Beitrag von: Fabian99 am 25 Jun 19, 13:08
Hallo,

gerade gefunden:

https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs10853-010-5113-0.pdf

Review of the anatase to rutile phase transformation

LG