Mineralienatlas - Fossilienatlas
Mineralien / Minerals / Minerales => Mineralien (Fundort) bestimmen / determine minerals => Grube Clara / Schwarzwald => Thema gestartet von: Sven25 am 07 Aug 19, 22:12
-
Hallo Clarafans!
Ich habe am großen Haldenwochenende folgende gelblichen Kügelchen neben Bario-Pharmokosiderit gefunden.
Mein Tipp wäre Bismutit. Was meint ihr dazu?
Zum anderen habe ich noch grüne Nädelchen gefunden, von denen ich hoffe, dass es sich nicht nur um Agardit oder Malachit handelt. Leider sind die Kristalle so klein, dass ich keine besseren Aufnahmen machen konnte.
Für alle Eure Meinungen bin ich sehr dankbar.
LG Sven Achmann
-
Glück Auf!
wenn man jetzt noch wüsste, um welche Halde es sich handelt, wäre das sicherlich bei der Ferndiagnose hilfreich.
Existieren noch andere Stücke, an denen man ein paar chemische Tests durchführen könnte?
Mit freundlichen Grüßen
Das Felsenmammut
-
Glück Auf!
Der vermeintliche Bismutit stammt von der Barythalde (kleine Halde), die grünen Büschel aus dem Silberspat.
Weitere Proben gibt es nicht.
MfG Sven
-
Sonst keiner eine Idee, worum es sich jeweils handeln könnte? Falls nicht, wird wohl nur eine Analyse helfen.
LG Sven
-
Ohne ein wirklicher Clara-Kenner zu sein, hätte ich die gelblichen Pusteln eher für ein Tonmineral (Dickit-Nakrit) gehalten. Aber eben nur eine Vermutung.
Gruß Norbert
-
Anhand der Fotos lässt sich leider keine Aussage machen.
-
Alles klar. Dennoch vielen Dank für Eure Einschätzungen. Vielleicht lasse ich die beiden wohl doch besser mal analysieren.
Falls jemand diesbezüglich einen guten Vorschlag hat, dann bitte bei mir melden.
Glück Auf und liebe Grüße,
Sven
-
Hallo Clarafans,
ich habe gestern die EDX-Ergebnisse erhalten:
Bei den grünen Nädelchen handelt es sich leider wirklich nur um verunreinigten Agardit (Ce).
Dafür entpuppte sich der vermeintliche Bismutit mit hoher Wahrscheinlichkeit als Rauenthalit. Eine XRD wurde allerdings nicht durchgeführt.
Liebe Sammlergrüße und Glück Auf,
Sven
-
Hallo Sven,
kannst du mal die Zahlen der Analysen posten?
bis denn
Günter
-
Hallo Günter,
sehr gerne:
EDX 1:
3.6% Al, 9% Si, 50.9% Ca, 17.7% Fe, 18.8% As
EDX 2:
5.8% Al, 13.8% Si, 46.6% Ca, 14.4% Fe, 19.4% As
Ist nach chem. Zusammensetzung und Kristallmorphologie
verunreinigter Rauenthalit
Ca3(AsO4)2 · 10H2O
-
Rauenthalit und Phaunouxit sind visuell kaum zu unterscheiden.
Nach der Analyse könnte das auch was Amorphes sein.
-
Servus,
nach diesen Analysenergebnissen koennen die untersuchten Proben auf das Vorliegen vieler Minerale hinweisen. Ohne Nachweis des Arsenat-ions bzw. ohne Bestimmung der Gitterparameter ist m.E. eine belastbare Aussage nicht moeglich.
Es ist nicht alles analytisches Gold, das da glaenzt ;).
GA
Harald
-
Nur zur näheren Erläuterung des vermuteten Rauenthalits mit ?:
1) die farblos klaren, lattigen xx zeigen die gleiche Kristallmorphologie wie die von Michael Förch und Stefan Wolfsried fotografierten xx von der Clara, welche bei Mindat gezeigt werden. Daher die Vermutung auf Rauenthalit.
2) Die angegebenen Analysenwerte sind At%. Der gemessene Sauerstoff ist nicht aufgelistet (heißt Arsenat-Ion sollte Vorliegen).
3) Ein Mineral mit diesen Kationen ist nicht bekannt. Darum die Vermutung auf Verunreinigungen de Probenmaterials.
4) Für eine PXRD reicht leider das Probenmaterial nicht (darum den Hinweis gegeben evtl. bei Uwe Kolitsch nachzufragen ob er gewillt SXRD o.ä. zu machen)
5) Bei RRUFF ist weder für Rauenthalit noch für Phaunoxit ein Raman-Vergleichsmessung angegeben. Deshalb sollte bzw. wollte ich noch bei Günter Frenz oder Joy Desor nachfragen, ob solche Raman-Diagramme bekannt sind.
Mir ist schon bewusst, dass eine EDX-Analyse alleine in den meisten Fällen nicht reicht um ein Mineral zweifelsfrei zu bestimmen. Sie hilft aber meist jedoch deutlich weiter als die üblichen, sogenannten Bestimmungen anhand von Mineralfotos.
Zitat Harald:
nach diesen Analysenergebnissen können die untersuchten Proben auf das Vorliegen vieler Minerale hinweisen. ???Hallo Harald, welche??
GA
Günter Blaß
-
Gluten Abend,
es liegt mir fern, irgend jemandem zu nahe treten zu wollen.
Eine (semi)quantitative Elementanalyse mit 30 at% Fremdelementen = "Verunreinigungen" ist fuer mich nicht verwertbar.
"Garbage in = garbage out" wie unsere anglophonen Kollegen so schoen sagen.
Dies ist meine persoenliche Meinung und der Anspruch, den ich an meine eigene, analytische Arbeit stelle. Fehlende Fakten sollten NIE durch (plausible) Annahmen ers etzt werden.
Natuerlich darf dies jeder so halten, wie er/sie es fuer richtig haelt.
In diesem Sinne wuensche ich noch einen schoenen Abend,
Harald
-
Bevor wir da jetzt eine riesen Diskussion daraus machen. Belassen wir es doch einfach dabei, dass es Rauenthalit sein könnte oder auch nicht. Ich wollte lediglich der Vollständigkeit halber das EDX-Ergebnis nachliefern und keine interne Fachdiskussion auslösen.
Liebe Grüße
Sven
-
Raman Referenzspektren habe ich auch noch nicht für die beiden angesprochenen Minerale gefunden. Mit einer Raman Messung könnte man also aktuell nur feststellen, ob die Möglichkeit besteht, dass eine Arsenatgruppe enthalten ist (starke Bande zwischen 800 cm-1 und 900-1). Wenn das der Fall wäre, könnte man zum As-Gehalt der EDX noch die 1,5fache Menge des As aus dem Ca-Gehalt entnehmen um zum Rauenthalit zu kommen. Bleiben immer noch ca. 50% des EDX-Ergebnisses ungeklärt. Ich glaube nicht, dass das den Aufwand lohnt. Die kleinen Knubbel sind anscheinend kein reines Material und ob kristallin oder amorph ist dann auch noch die Frage.
Günter
-
Servus,
Guenter hat vollkommen recht, weiterer Aufwand lohnt in diesem Fall nicht. Keiner will hier eine "Riesendiskussion" ueber eine fragwuerdige Probe ausloesen.
Es geht allerdings um eine prinzipielle Fragestellung:
Untersuchung von Mineralen mit instrumenteller Analytik - Aussagekraft der Mess-Ergebnisse zur Mineral-Bestimmung.
Die durchgefuehrten Messergebnisse lassen sich offensichtlich keinem bekanntem Mineral zuordnen. Es ist sicher moeglich, verschiedene Mineral-Gemische errechnen, die mit der ermittelten Elementzusammensetzung kompatibel sind. Dies ist Arithmetik, hat aber mit physikalisch-chemischer Analytik nichts zu tun.
Ein Schwingungsspektrum (IR oder Raman) wuerde einen eindeutigen Hinweis auf das Vorliegen von Arsenat(V)-anionen liefern - ein Referenzspektrum von Rauenthalit ist hierzu nicht unbedingt erforderlich.
Harald