Mineralienatlas - Fossilienatlas

Gesteine / Rocks / Rocas => Bestimmung von Funden / Determination of findings => Sonstiges Europa / Other Europe => Thema gestartet von: BenjaminP am 05 Jan 20, 17:53

Titel: Opas Mineralien Sammelsurium - 2 / Moldavit
Beitrag von: BenjaminP am 05 Jan 20, 17:53
Hallo zusammen,
habe jetzt beim rumräumen noch einen weiteren interessanten Kristall gefunden.
was könnte dies eurer Meinung nach sein?

Beryll?, Sphen?

Grüße Benjamin
Titel: Re: Opas Mineralien Sammelsurium - 2
Beitrag von: jkstar am 05 Jan 20, 18:03
Googel mal moldavit. Aus Böhmen

Gruß
Julian
Titel: Re: Opas Mineralien Sammelsurium - 2
Beitrag von: oliverOliver am 05 Jan 20, 19:04
brauchst nicht googeln -
gib in der Lexikon-Suche "Moldavit" ein  ;D
Titel: Re: Opas Mineralien Sammelsurium - 2
Beitrag von: BenjaminP am 06 Jan 20, 10:55
Klasse, vielen Dank :)

Da wir nicht weit weg von Nördlingen gewohnt haben damals (Aalen), ist es da wahrscheinlich, dass es direkt von dort ist, oder wurde alles nach  Tschechien rübergepustet?

Achja, und könnte dieses hier dann ein geschliffenes Exemplar sein?
Der hat auch diese typischen Lufteinschlüsse....
Titel: Re: Opas Mineralien Sammelsurium - 2
Beitrag von: oliverOliver am 06 Jan 20, 11:30
also soweit ich weiß, sind aus der direkten Umgebung des Nördlinger Rieses keine Moldavite bekannt!
Titel: Re: Opas Mineralien Sammelsurium - 2
Beitrag von: uwe am 06 Jan 20, 15:35
Meines Wissens sind die Tektite aus dem Material des Nördliner Rieses entstanden, aber durch den, vermutlich aus westlicher Richtung angerauschten Meteroit, bis nach Böhmen geschleudert worden bzw. dort aus dem Orbit wieder herunter gekommen.

Gruß
Uwe
Titel: Re: Opas Mineralien Sammelsurium - 2
Beitrag von: oliverOliver am 06 Jan 20, 16:45
Zitat
Achja, und könnte dieses hier dann ein geschliffenes Exemplar sein?
Der hat auch diese typischen Lufteinschlüsse....

könnte sein - sieht fast so aus.
ist allerdings bei facettierten Steinen (und überhaupt nach Foto) schwer zu sagen - es gibt ja auch grünes Glas mit Luftblasen/Gaseinschlüssen ...
Titel: Re: Opas Mineralien Sammelsurium - 2
Beitrag von: docedelsachs am 07 Jan 20, 13:03
Würde aufgrund von den deutlichen Blasen im facettierten Exemplar schon stark zu anthropogenem Glas tendieren. Also die sogenannten Moldavite sind ohne Gasblasen, da im Weltall durch Druckunterschiede sämtliches Gas aus den Schmelzen raus ist. So kann man die auch z. B. von Fälschungen unterscheiden.
Titel: Re: Opas Mineralien Sammelsurium - 2
Beitrag von: Harzsammler am 07 Jan 20, 13:35
Würde aufgrund von den deutlichen Blasen im facettierten Exemplar schon stark zu anthropogenem Glas tendieren. Also die sogenannten Moldavite sind ohne Gasblasen, da im Weltall durch Druckunterschiede sämtliches Gas aus den Schmelzen raus ist. So kann man die auch z. B. von Fälschungen unterscheiden.
Nein, gerade die schönen grünen Moldavite aus Südböhmen sind gekennzeichnet durch zahlreiche Gasbläschen.

Grüße,
Michael
Titel: Re: Opas Mineralien Sammelsurium - 2
Beitrag von: skibbo am 07 Jan 20, 14:09
Würde aufgrund von den deutlichen Blasen im facettierten Exemplar schon stark zu anthropogenem Glas tendieren. Also die sogenannten Moldavite sind ohne Gasblasen, da im Weltall durch Druckunterschiede sämtliches Gas aus den Schmelzen raus ist. So kann man die auch z. B. von Fälschungen unterscheiden.

Bitte entschuldige, aber diese Aussage ist Quatsch. Die Moldavite entstanden zwar in Zusammenhang mit einem Impakt, jedoch wurden diese Gläser durch die extremen Bedingungen des selbigen gebildet, hier auf der Erde. Und nicht im Weltall.
Das Vorhandensein von runden Gasblasen im Glas ist also absolut kein Ausschlusskriterium für Moldavit.
Wenn ich mich recht erinnere ist eine Unterscheidung von Moldavit und künstlichem Glas meist über eine chem. Analyse möglich. Künstliche Gläser zeigen i.d.R. sehr hohe Ca-Werte, da bei der Herstellung Fluorit als Flussmittel eingesetzt wird.
Titel: Re: Opas Mineralien Sammelsurium - 2
Beitrag von: docedelsachs am 07 Jan 20, 14:36
Nun, ich kenne das von der Entstehungsgeschichte von den Tschechen, die das Zeug abbauen so: Das was in Böhmen gelandet ist, ist durch den Einschlag hier geschmolzen und parabelförmig ins Weltall zurückgeschleudert worden, hat dort mangels Druck die Gasblasen im flüssigen Zustand verloren und ist dann bei den Tschechen wieder runtergekommen...Simple Physik. Chemische Analyse geht auch. Übrigens immer schön höflich bleiben, bevor man jemandens Aussage als Quatsch bezeichnet. Mir ist das lieber mit Sachargumenten widerlegt zu werden. Und ja es gibt wunderschöne Fälschungen mit Gasblasen.
Titel: Re: Opas Mineralien Sammelsurium - 2
Beitrag von: Fabian99 am 07 Jan 20, 16:11
Würde aufgrund von den deutlichen Blasen im facettierten Exemplar schon stark zu anthropogenem Glas tendieren. Also die sogenannten Moldavite sind ohne Gasblasen, da im Weltall durch Druckunterschiede sämtliches Gas aus den Schmelzen raus ist. So kann man die auch z. B. von Fälschungen unterscheiden.
schnipp...

Wenn ich mich recht erinnere ist eine Unterscheidung von Moldavit und künstlichem Glas meist über eine chem. Analyse möglich. Künstliche Gläser zeigen i.d.R. sehr hohe Ca-Werte, da bei der Herstellung Fluorit als Flussmittel eingesetzt wird.

Hallo,

Fluorit wird nicht bei der normalen Glasherstellung eingesetzt. Freiwerdendes Fluor in allen Varianten ist ein no go. Es wird teilweise für milchige Typen verwendet. Der normale Ca-Gehal in Natron-Kalk-Glas, dem normalen Glas, ist vom Kalk...

LG
Titel: Re: Opas Mineralien Sammelsurium - 2
Beitrag von: skibbo am 07 Jan 20, 16:18
Hallo Martin,

Ich habe dich einleitend direkt um Entschuldigung gebeten. Die bessere Wortwahl als Quatsch wäre wohl "falsch" gewesen. Da gebe ich dir recht.

Deine anschliessende Erklärung würde nun bedeuten, dass 100% des durch den Aufprall aufgeschmolzenen Gesteins ins Weltall geschleudert wurden.
Dabei sind ebenfalls 100% des Materials während des Transports/Flugs durch die Luft so viskos geblieben, dass restlos alle Gasblasen aus dem Material entweichen konnten?
Um dann "aus dem Weltall" etwa 300km weiter östlich wieder auf der Erdoberfläche einzuschlagen?
Ich denke "...simple Physik" reicht so nicht als Erklärung aus.


Titel: Re: Opas Mineralien Sammelsurium - 2
Beitrag von: skibbo am 07 Jan 20, 16:20
Danke Fabian für die Korrektur. Mir war der Ca-Peak in Erinnerung geblieben.
Titel: Re: Opas Mineralien Sammelsurium - 2
Beitrag von: Gerdchen am 07 Jan 20, 16:24
Der Moldavit gehört zu den Tektiten und ist wie alle Tektite entstanden. Durch einen Meteoriteneinschlag im Gebiet des heutigen Nördlinger Ries entstanden so hohe Temperaturen, die das Gestein verdampften welches dann als Schmelztropfen in östliche Richtung verfrachtete wurde und daher heute in Tschechien an der Moldau gefunden werden können. In den Weltraum ist es sicherlich nicht geflogen bzw geschleudert worden denn sonst würde es dort immer noch herumfliegen oder wäre spätestens beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglüht.
Moldavite haben langezogene Blasen und Schlieren die oft lockenförmig verdreht sind und blasenförmige Einschlüsse aus Kieselglas (sieht aus wie ein Zweiphaseneinschluss) als typische Einschlussbilder. Die meisten Moldavite haben Gaseinschlüsse.

Gruß
Gerdchen
Titel: Re: Opas Mineralien Sammelsurium - 2
Beitrag von: pseudonym am 08 Jan 20, 16:22
... und selbst wenn welche nicht verglüht wären und es bis runter geschafft hätten ,wären die über größere Flächen verteilt worden .
Titel: Re: Opas Mineralien Sammelsurium - 2
Beitrag von: uwe am 08 Jan 20, 16:49
... sind sie auch!

Uwe
Titel: Re: Opas Mineralien Sammelsurium - 2
Beitrag von: Pit am 08 Jan 20, 17:55
Und noch ein passendes Foto aus dem Atlas...

(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1485975126.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1485975126.jpg)
Titel: Re: Opas Mineralien Sammelsurium - 2 / Moldavit
Beitrag von: oliverOliver am 11 Jan 20, 15:10
Moderations-Anmerkung:
alle off-topic-Beiträge, bei denen es nicht mehr um die ursprüngliche Bestimmungsfrage ging, wurden entfernt.
Titel: Re: Opas Mineralien Sammelsurium - 2 / Moldavit
Beitrag von: Mampfbacke am 11 Jan 20, 17:13
Hallo,
Gasblasen lassen sich in allen Tektiten finden - mal mehr mal weniger. Dabei gibt es verschiedene Entstehungsmöglichkeiten:
1) Gas aus der Umgebung der Schmelze wurde beim Erstarren dieser eingeschlossen. Dies scheint jedoch ein eher seltener Mechanismus zu sein.
2) Gas, welches gelöst in der Schmelze vorlag entweicht aus dieser beim Abkühlen bzw. Erstarren der Schmelze. Auch bei Dekompression der Schmelze sinkt die Löslichkeit von Gas in der Schmelze. Dies kann passieren, wenn die Flug-Parabel der Schmelztropfen hohe Atmosphären-Schichten oder sogar den Weltraum erreicht.
3) Bei Erstarren des Glases kommt es zu einer Verringerung des Volumens. Wenn nun Schmelztropfen außen bereits erstarrt sind und das Innere ebenfalls beginnt, zu erstarren, muss das Volumendefizit durch die Bildung von Hohlräumen kompensiert werden. Diese Art von Hohlraum enthält dann jedoch meist kaum Gas und kann sogar nahezu ein Vakuum abbilden.

Übrigens haben die Ejekta des Ries-Impaktes vermutlich den Weltraum erreicht, welcher je nach Definition in 80 bzw. 100km Höhe beginnt. Das Schwerefeld der Erde reicht jedoch viele 1000km weit. Die Schwerebeschleunigung halbiert sich erst in einer Höhe von etwa 2500-3000km über der Erdoberfläche.

Wer sich näher mit Gasblasen in Moldaviten beschäftigen möchte:
ŽÁK, K., SkáLA, R., ŘANDA, Z., & MIZERA, J. (2012). A review of volatile compounds in tektites, and carbon content and isotopic composition of moldavite glass. Meteoritics & Planetary Science, 47(6), 1010-1028.
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/pdf/10.1111/j.1945-5100.2012.01369.x (https://onlinelibrary.wiley.com/doi/pdf/10.1111/j.1945-5100.2012.01369.x)

Weitere Informationen zu den Moldavit-Streufeldern und dem Ablauf des Impakts:
Stöffler, D., Artemieva, N. A., & Pierazzo, E. (2002). Modeling the Ries‐Steinheim impact event and the formation of the moldavite strewn field. Meteoritics & Planetary Science, 37(12), 1893-1907.
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/pdf/10.1111/j.1945-5100.2002.tb01171.x (https://onlinelibrary.wiley.com/doi/pdf/10.1111/j.1945-5100.2002.tb01171.x)

PS: Dass die Schmelze durch das Erreichen des Weltalls ihre Gasblasen verlor ist natürlich falsch. Wie dargelegt, würden in geringeren Umgebungsdrücken der Schmelze gerade Gasblasen entstehen.

PS: Um noch ein Wort zur Frage des Threaderstellers zu verlieren: Der facettierte Stein könnte also durchaus ein Moldavit sein. Um sich hier Klarheit zu schaffen hilft wohl tatsächlich nur eine chemische Analyse.

Anhang: Moldavit-Streufelder mit Lage des Ries- und Steinheimer Kraters. Lange, 1997.

Glück Auf!
Thomas
Titel: Re: Opas Mineralien Sammelsurium - 2 / Moldavit
Beitrag von: michaelh am 11 Jan 20, 18:33
Moderations-Anmerkung:
alle off-topic-Beiträge, bei denen es nicht mehr um die ursprüngliche Bestimmungsfrage ging, wurden entfernt.

Danke Oliver! - möge die Energie mit dir sein ;D

Grüße Michael
Titel: Re: Opas Mineralien Sammelsurium - 2 / Moldavit
Beitrag von: Uwe Kolitsch am 11 Jan 20, 19:35
Siehe auch (open access):

Roman Skála, Šárka Jonášová, Karel Žák, Jana Ďurišová, Tomasz Brachaniec, Tomáš Magna
New constraints on the Polish moldavite finds: a separate sub-strewn field of the central European tektite field or re-deposited materials?
Journal of Geosciences, volume 61 (2016), issue 2, 171 - 191
DOI: http://dx.doi.org/10.3190/jgeosci.214

http://www.jgeosci.org/detail/jgeosci.214
Titel: Re: Opas Mineralien Sammelsurium - 2 / Moldavit
Beitrag von: stoanklopfer am 12 Jan 20, 06:42
… Kristallisation des Glases …

 ;D Wohl eher Erstarren, sonst wärs kein Glas mehr!
Titel: Re: Opas Mineralien Sammelsurium - 2 / Moldavit
Beitrag von: Mampfbacke am 13 Jan 20, 14:24
… Kristallisation des Glases …

 ;D Wohl eher Erstarren, sonst wärs kein Glas mehr!

Das ist natürlich richtig. Danke für die Korrektur  ;D
Titel: Re: Opas Mineralien Sammelsurium - 2 / Moldavit
Beitrag von: minpol am 31 Aug 20, 17:32
Das Thema ist zwar schon alt, aber ja.

Beide gezeigten Stücke sind Moldavite. Der erste (mit natürlicher Oberfläche) könnte ggf. aus Slavče bei Trhové Sviny in Südböhmen stammen, wobei andere Fundstellen auch möglich sind. Aber die Oberflächenskulptur spricht dafür, es war auch eine langfristig ergiebige Fundstelle, von welcher schon vor Jahrzehnten viel Material auf den Markt gekommen ist.

Das geschliffene Stück ist sehr wahrscheinlich auch ein Moldavit. Sollten neben runden internen Blasen (die auch in anthropogenen Gläsern, insbesondere in älteren, vorkommen können) auch ovale bis längliche enthalten sein, ist das schon mal ein ziemlich sicheres Zeichen für Moldavit. Bei geschliffenen Stücken kann man meist auch gut interne Schlieren erkennen. Diese sind dann ein eindeutiger optischer Beweis für Moldavit, da sie in künstlichen Gläsern nicht auftreten.

Die bisherigen Beiträge (u. a. von Mampfbacke, Uwe Kolitsch) mit Literaturhinweisen sind für die Laien hier sehr empfehlenswert und sind treffend formuliert.

Anzumerken sei an dieser Stelle, dass in Polen ganz sicher kein eigenes Substreufeld für Moldavite existiert. Die Mehrzahl der in den letzten Jahren veröffentlichten polnischen Moldavite zweifle ich im Übrigen an. Aber das ist ein anderes Thema. Funde bei Gozdnica sind denkbar, wären aber dem Bautzener Elbelauf zuzuordnen und hätten eine entsprechende Oberflächenskulpturierung (wie Funde aus Wiesa bei Kamenz in Deutschland). Die veröffentlichten Stücke weichen jedoch bezüglich dieser Skulpturierung deutlich ab.

Als letztes kann ich noch ergänzen, dass doch bitte nicht mehr auf die alten Karten des Streufeldes verwiesen werden sollte, da auch in der Lausitz kein eigenes Substreufeld vorliegt.

Beste Grüße, Michael Hurtig

PS: Das Bild zeigt die neuere Darstellung des Streufeldes (Flugrichtung des Impaktors von W nach O).