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Mineralien / Minerals / Minerales => Mineralien (Fundort) bestimmen / determine minerals => Thema gestartet von: isbjoern am 14 Feb 20, 19:43

Titel: Unbekanntes Mineral von der Juliushütte
Beitrag von: isbjoern am 14 Feb 20, 19:43
Liebe Foristen,
kürzlich habe ich einiges an Schlacken von der Juliushütte erhalten, altes Material wohl aus den frühen 1980er Jahren. Unter anderem ist das Material sehr reich an Laurionit, Paralaurionit, Cumengeit, Diaboleit usw.
Auf einem Stück finden sich hellblaue/helltürkise Kugeln, man sieht unter dem Mikroskop winzige Lichtreflexe an der Oberfläche, die wahrscheinlich von submikroskopisch kleinen xx-Blättchen herrühren, das kann man auch ein wenig auf dem Foto erahnen. Paragenese ist u. a. Cumengeit, Spangolith, Gips.
Das Foto hat eine Bildbreite von ca. 4 mm. Was die winzigen weißen und grünen Kristalle bzw. Aggregate im Hintergrund sind, weiß ich auch nicht genau, würde ich aufgrund der Größe aber ignorieren (die grünen Aggregate sind vielleicht auch Spangolith, allerdings ist der an anderer Stelle viel größer/deutlicher zu erkennen.
In den Minerallisten beim MA und bei mindat gibt es m. E. nichts was richtig passt. Von der Optik und dem Elementaufkommen in der Paragenese denke ich an Richelsdorfit oder Lavendulan o. ä. Hat jemand etwas vergleichbares von der Juliushütte oder einem ähnlichen Vorkommen schon mal gesehen oder bestimmt?

Vielen Dank in die Runde und herzliche Grüße

Björn

Titel: Re: Unbekanntes Mineral von der Juliushütte
Beitrag von: Schatten am 14 Feb 20, 19:48
Hi Björn,

vl. hab ich auch sowas...mit Bild könnte ich das sogar besser beurteilen  ;D

Gruß
Silvio
Titel: Re: Unbekanntes Mineral von der Juliushütte
Beitrag von: isbjoern am 14 Feb 20, 19:50
Sorry, das mit dem Bild hochladen hat zunächst nicht geklappt. Das Bild war wohl noch zu groß..
Viele Grüße
Björn
Titel: Re: Unbekanntes Mineral von der Juliushütte
Beitrag von: Schatten am 14 Feb 20, 20:22
Hi Björn,

solche Kristallaggregate sind mir (bisher) noch nicht aufgefallen. Habe aber noch einiges an Material vor mir  :)
Somit kann ich da leider auch nicht wirklich helfen.
In der genannten Paragenese sollte auch einiges an Kapellasit vorhanden sein, so zumindest bei meinen Stücken.

Gruß
Silvio
Titel: Re: Unbekanntes Mineral von der Juliushütte
Beitrag von: geni am 14 Feb 20, 20:26
Hallo zusammen,

die Farbe erinnert mich an Chenit. Ob das weiterhilft weiß ich aber nicht.

LG Gerhard (geni 8))
Titel: Re: Unbekanntes Mineral von der Juliushütte
Beitrag von: isbjoern am 14 Feb 20, 21:16
@Silvio:
Ja, Kapellasite gibt es in dem Material auch, auf diesem speziellen Stück aber weniger

@geni:
Mir ist aber kein Chenit bekannt, der solche Kristalle/Aggregate bildet, das scheint mir nicht zu passen.

Um noch mal zu meiner Ausgangshypothese zu kommen: mindat.org listet Lavendulan von 8-9 verschiedenen Schlackenfundstellen, Richelsdorfit von keiner einzigen (?). Und Antimon ist im Mineralbestand der Juliushütte nicht so häufig vertreten. Das sind aber nur Indizien... Vielleicht ist es auch ganz was anderes.

Viele Grüße Björn
Titel: Re: Unbekanntes Mineral von der Juliushütte
Beitrag von: Uwe Kolitsch am 14 Feb 20, 21:59
Ohne Analyse ist in so einem Fall alles Rätselraten.
Titel: Re: Unbekanntes Mineral von der Juliushütte
Beitrag von: isbjoern am 14 Feb 20, 23:13
...das ist wohl war, aber zumindest theoretisch könnte ja jemand so etwas schon mal analysiert haben  :)
Ich habe gerade noch einmal ein Bild mit einem höher auflösenden Objektiv gemacht (ein einfaches Nikon 10x N.A. 0.25, das erste Bild wurde mit einem AmScope 4x 0.10 aufgenommen).
Die "Kugel" wird nicht viel besser, aber jetzt kann man die lustigen kleinen farblosen Kristalle darunter besser erkennen.

Hat da jemand eine Idee? Ich nicht!
- Viele Grüße Björn
Titel: Re: Unbekanntes Mineral von der Juliushütte
Beitrag von: isbjoern am 15 Feb 20, 08:36
Hier liefere ich noch einen Ausschnitt nach, bei dem man die farblosen Kristalle besser erkennt.
VG Björn
Titel: Re: Unbekanntes Mineral von der Juliushütte
Beitrag von: isbjoern am 15 Feb 20, 08:48
Könnte das Hemimorphit sein?
Titel: Re: Unbekanntes Mineral von der Juliushütte
Beitrag von: Schatten am 15 Feb 20, 08:50
Morjen Björn,

die blaue Kuller wird leider nicht leichter bestimmbar.
Lavendulan macht chemisch natürlich Sinn und dass es nicht gelistet ist, bedeutet ja nix  ;)

Die klaren xx sind leider nicht sehr gut erkennbar.
Sind die auf dem unkomprimierten Bild besser zu sehen? Dann lade es doch einfach in deine Bildergalerie im Lexikon ;)
So sieht's aus wie Hemimorphit  ;D...ganz wild geraten.

Gruß
Silvio
Titel: Re: Unbekanntes Mineral von der Juliushütte
Beitrag von: Schatten am 15 Feb 20, 08:51
 ;D gleiche Idee...nur zu spät von mir gepostet.

Übrigens wirklich schöne Bilder :)

Gruß
Silvio
Titel: Re: Unbekanntes Mineral von der Juliushütte
Beitrag von: Kluftknacker am 15 Feb 20, 12:19
Ich werfe mal "Rosasit" als Diskussionsfutter in den Raum .... In Paragenese mit Hemimorphit häufig, allerdings in Schlacken mir nicht bekannt
Titel: Re: Unbekanntes Mineral von der Juliushütte
Beitrag von: Schatten am 15 Feb 20, 13:45
Hallo,

lt. Lex doch recht weit in Schlacken verbreitet.
Ob nun rein visuelle Bestimmungen oder durch Analysen bestätigt weiß ich nicht.

Gruß
Silvio
Titel: Re: Unbekanntes Mineral von der Juliushütte
Beitrag von: isbjoern am 15 Feb 20, 16:35
Danke für die diversen Tipps und Meinungen. An Rosasit habe ich auch schon gedacht. Sicherlich auch eine Möglichkeit, auch wenn mir in der eher "sulfatsauren" Umgebung (Gips, Spangolith usw.) ein Carbonatmineral nicht so wahrscheinlich erscheint. Andererseits sind das ja ohnehin recht wilde Paragenesen in den Schlacken.


Auch wenn es nicht ganz in den Thread passt, schreibe ich hier ein paar Zeilen zu meiner Fotoausrüstung, weil ich dazu ein paar Rückfragen bekommen habe. Damit kann ich tatsächlich mit recht wenig Mühe solche halbwegs brauchbaren Bilder erzeugen. Für die restlichen 10-20% bis zur Perfektion fehlt mir leider die Zeit, das muss ich im Ruhestand angehen.  ;)

Wesentlicher Bestandteil meiner Ausrüstung ist ein Stativ von Rainer Ernst (stonemaster) mit dem Stackmaster-Rail, eine schon etwas ältere Canon (EOS 600d) mit Balgen und diversen Objektiven und ein selbstgebautes LED-Ringlicht, inspiriert von diesem Artikel von Volker Betz: https://www.mindat.org/article.php/2434/LED+spot+lights+and+dark+field+Illumination+combined
Als Diffusor verwende ich meistens einfach weißes Schreibpapier. Dieses Vorgehen ist sehr hilfreich, um praktisch immer sofort eine zumindest brauchbare Beleuchtung hinzubekommen, ohne mit unendlichem Aufwand einzelne Reflexe auf bestimmte Kristallflächen zu setzen.

Wenn man nicht ganz so viel Geld ausgeben möchte, sind wahrscheinlich der Vertical Stand  und das Rail von wemacro.com die preiswerteste Option:
https://www.wemacro.com/?product_cat=extreme-macro

Zumindest für den niedrigeren Vergrößerungsbereich eignen sich auch relativ kostengünstige Mikroskopobjektive, wie das AmScope 4x "17$" Objektiv, das ausführlich im photomacrography.org Forum oder auch irgendwann schon einmal in diesem Forum beschrieben wurde. Das habe ich für das erste Bild verwendet. Für das zweite habe ich ein Nikon E 10x 0.25 160/- verwendet, das ist beileibe kein Top-Objektiv, aber manchmal bei ebay schon für 20€ zu haben.

Viele Grüße
- Björn

Titel: Re: Unbekanntes Mineral von der Juliushütte
Beitrag von: Elisabeth K. am 29 Feb 20, 09:35
Ist Lavendulan überhaupt als Schlackenmineral bekannt? Chenit dürfte es in der Ausbildung nicht sein, Rosasit war als Zn-Mineral dort sehr selten und sah überdies anders aus. Theoretisch könnte das alles mögliche sein, praktisch hilft da nur die Analyse weiter.

Glückauf!
Elisabeth
Titel: Re: Unbekanntes Mineral von der Juliushütte
Beitrag von: isbjoern am 29 Feb 20, 15:50
Hallo Elisabeth,

ich habe Deine Nachricht auf meinen Thread erst jetzt gesehen.
Man kann bei mindat in geeigneter Weise suchen (Mineralname + locality name "slag"), dann findet man mehrere Schlackenfundstellen von Lavendulan.
https://www.mindat.org/minlocsearch.php?frm_id=mls&cform_is_valid=1&cf_mls_page=1&minname=Lavendulane&region=slag

Teilweise haben die Fundstellen aber einen deutlich anderen Mineralbestand als die Juliushütte (z. B. Zn-Hütte Münsterbusch), Parallelen sehe ich eher bei Lavrion. Aber letztlich bleibt alles Rätselraten. Da es ein Einzelstück ist, verzichte ich erst einmal auf eine Analyse und sortiere das Stück stattdessen unter Spangolith ein, weil darauf auch meine einzigen Spangolithe von der Juliushütte sitzen :-)

Viele Grüße
Björn