Mineralienatlas - Fossilienatlas
Mineralien / Minerals / Minerales => Allg. Diskussionen Mineralien / General discussions minerals => Achate / Agates => Thema gestartet von: Pechstein am 13 Apr 20, 12:35
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Guten Tag,
habe im KW Nimtitz (Kreis Meißen, Sachsen) diesen wunderschön gleichmäßig gebänderten Achat auf dem Grobkornhaufen gefunden.
Das Kieswerk liegt auf einer Höhe von ca. 200 m auf dem Berg, ungefähr 100 m über Elbniveau. Der Kies wird also nicht durch die Elbe, sondern durch die Eiszeit dort abgelagert worden sein.
Kann man anhand der Bänderung erkennen, aus welcher Gegend, vermutlich Skandinavien, dieser Achat stammt? Ich hoffe, dieses Muster ist ähnlich markant wie die Schlottwitzer Abfolge.
Viele Grüße aus Sachsen
Wolfgang
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Hallo,
ich würde das Stück schon dem Schlottwitzer Achatgang zuordnen.
Laut geologischer Übersichtskarte von Sachsen:
https://www.geologie.sachsen.de/geologische-uebersichtskarte-13951.html
stehen im Raum südwestlich Nimtitz Schmelzwasserablagerungen der Elster-Kaltzeit an. Diese können durchaus sowohl nördliche als auch
südliche Komponenten enthalten.
Jörg N.
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Guten Tag Jörg,
ich bedanke mich für Ihre Antwort auf meine Anfrage.
Was stützt Ihre Zuordnung des Stückes zum Schlottwitzer Gang? Eigenes Material oder Vergleichstücke in anderen Sammlungen oder Literatur?
Wolfgang
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Hallo,
ich kann die Zuordnung natürlich nur auf das äußere Erscheinungsbild (Foto) des Fundes, den Fundort und die geschilderten Fundumstände, im Vergleich mit Material vom vermuteten Originalfundort stützen, wobei das Schlottwitzer Material eigentlich nicht zu verwechseln ist.
Im Mineralienatlas bzw. auch im Internet finden sich unter dem Stichwort bzw. Fundort "Schlottwitz" Abbildungen, die dem Fund nahekommen (Beispiele):
https://www.mineralienatlas.de/VIEWmaxFULL.php/param/1533673210-Achat-Quarz-Achat.jpg
https://www.mineralienatlas.de/VIEWmaxFULL.php/param/1209641249-Achat-Trummerachat-Achat.jpg
https://www.achat-schlottwitz.de/images/index/Stein10.jpg
Jörg N.
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Hallo Wolfgang,
leider habe ich den Beitrag erst jetzt bemerkt. Vorab: Tolles Stück! Es erinnert mich an das sogenannte "herkunftslose Dreiband", welches von Joachim Adolphi so benannt wurde. Einfach mal den Namen googlen und sich dazu belesen. Gibt es vom Stück eventuell weitere Bilder, insbesondere vom Aufbau der Achatbänder zu sehen?
Ach bevor ich es vergesse, auch wenn das Kw Nimtitz deutlich über Elbniveau liegt, so ist eine Zuführung aus dem Raum Schlottwitz (Müglitztal) denkbar. Denn zum einen ist die erwähnte Eiszeit eine Transportmöglichkeit gewesen, des Weiteren darf nicht außer Acht gelassen werden, das der heutige Elblauf erst ca. 400.000 Jahre alt ist und davor eben auch das Müglitztal deutlich höher gewesen sein muss. Daher ergibt auch ein Transport durch die Elbe, Nebenflüsse bzw. Hochwässer etc. mit einbezogen, eine sinnhafte / vorstellbare Variante.
Viele Grüße aus Weinböhla,
Chris Pausch
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Hallo zusammen,
ich denke das Stück ist eher der Fundregion bei Berthelsdorf oberhalb von Schlottwitz zuzuordnen. Dort fehlt bei vielen Typen der Amethyst, wie auch bei dem Beispiel von mir.
Grüße
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Schönes Stück Kachat!
Natürlich kommt auch Bertehlsdorf in Frage, hatte ja extra Raum Schlottwitz angegeben. Ser interessant ist der Fundort, welcher so gar nicht typisch für Schotterterassen der Elbe ist. Aber da gibt es ja auf dem Weg nach Norden bestimmt noch einiges zu entdecken.
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Ja, die alten Flußläufe der Elbe haben hier in der Gegend einiges an Geröll verteilt. Die Streuung ist schon bemerkenswert.
Man darf sich da auch nicht von den aktuellen Höhenlagen der Fundpunkte beirren lassen. In der Bautzner Gegend z.Bsp. befinden sich einige Sand- und Kiesgruben auf Bergkuppen bzw. Geländeerhebungen...
Grüße
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Man darf sich da auch nicht von den aktuellen Höhenlagen der Fundpunkte beirren lassen. In der Bautzner Gegend z.Bsp. befinden sich einige Sand- und Kiesgruben auf Bergkuppen bzw. Geländeerhebungen...
Das Phänomen ist auch als "Reliefumkehr" bekannt ......
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Glück Auf!
Da wäre ich etwas vorsichtig mit der pauschalen Antwort "Reliefumkehr". Ich würde aber erst einmal anderen den Vortritt lassen mit der Antwort, wie Reliefumkehr von anderen topgrafischen Lagerungsverhältnissen bei Lockersedimenten abgetrennt wird. Soweit ich weiß, sind unterschiedlich feste Gesteine mit unterschiedlichen Verwittungsraten ein wesentliches Merkmal der Reliefumkehr. Flüsse können sich auch in ihre eigenen, älteren Ablagerungen einschneiden und letztlich Kies auf einem Berg zurücklassen. In der Lausitz kommen noch die eiszeitlichen Sedimentablagerungen dazu, die stellenweise beträchtliche Sand- und Kiesanhäufungen darstellen.
Mit freundlichen Grüßen
Das Felsenmammut
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Flüsse können sich auch in ihre eigenen, älteren Ablagerungen einschneiden
Das ist unbestritten - aber dann ist es halt eine weitere Eintiefung, und keine Umkehr -
z.B. bei den glazialen Flussterrassen (bei denen ja - logischerweise - immer die oberste die älteste ist, die aber normalerweise keine "Hügel" bildet, sondern eben die höchste Stufe/Ebene des Taleinschnittes).
wie Reliefumkehr von anderen topgrafischen Lagerungsverhältnissen bei Lockersedimenten abgetrennt werden.
Ich kenne den Begriff auch bei jungen äolischen Sedimenten (Löss) in NÖ - zumindest haben da "gelernte" Quartärgeologen von Reliefumkehr gesprochen, wenn die im Löss erkennbare Stratifizierung entgegen den rezenten geomorphologischen Gegebenheiten verlief - ich sah also keinen Grund, das weiter zu hinterfragen. Der Begriff scheint also relativ weit und v.a. "ergebnisbezogen" angewendet zu werden.
In der Lausitz kommen noch die eiszeitlichen Sedimentablagerungen dazu, die stellenweise beträchtliche Sand- und Kiesanhäufungen darstellen.
Klar, die lokalgeologischen Verhältnisse kenne ich nicht - wenn es sich z.B. um Moränenwälle handeln sollte, wär das was anderes - die Formulierung "befinden sich einige Sand- und Kiesgruben auf Bergkuppen" ließ mich aber garnicht an sowas denken.
ga
oliver
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Nochmal kurz zur Reliefumkehr - es hat mir doch keine Ruhe gelassen ....
Die "Urdonau"-Schotter (und Grobsande) der HMF aus dem Pannonium (jüngeres Neogen) sind ja auch so ein Beispiel - die relativ erosionsresistenten Schotterkörper des ehemaligen Flussystems bilden heute im Weinviertel (überwiegend bewaldete) Höhenzüge oberhalb der agrarisch genutzten Flächen, auf welchen (neben partiellem Löss) v.a. die "weichen" marinen Molasse-Sedimente (Tone, (Fein-)Sande, Schluff etc.) aus älteren Abschnitten des Neogens (Karpatium, Badenium, Sarmatium) zutage treten. Ursprünglich war aber natürlich der Flusslauf der "Urdonau" in ebendiese älteren marinen Sedimente eingetieft.
Roetzel et al. 1999 (siehe unten) schreiben dazu auf S. 44:
" Die Sande und Kiese mit typischen sedimentologischen Merkmalen der fluviatilen Fazies (...) sind die durch Reliefumkehr erhalten gebliebene Rinnenfazies eines Donauvorläufers aus dem Pannonium."
Nur als Beispiel dafür, dass der Begriff eben auch bei Lockersedimenten angewendet wird, wenn wirklich eine Umkehr vorliegt.
Wie gesagt, ob das auf die von Arndt genannten Bergkuppen bzw. Geländeerhebungen
mit alten Flussschottern auch zutrifft, kann ich aus der Ferne natürlich nicht beurteilen - es klang mir aber sehr danach.
Roetzel u. a. 1999: R. Roetzel, O. Mandic und F. F. Steininger, Lithostratigraphie und Chronostratigraphie der tertiären Sedimente im westlichen Weinviertel und angrenzenden Waldviertel. In: R. Roetzel (Hrsg.), Arbeitstagung geol. BA Retz 1999, Wien 1999, 40 ff.
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@ oliverOliver
Sehr interessant die Ausführungen dazu. Ich denke wir hier in Sachsen können noch immer einige Überraschungen entdecken, wo und in welcher Masse die Ur-Elbe ihr Geröll verteilt hat. Dazu kommt dass im Raum Meißen die Eiszeit ihre Spuren hinterlassen hat und dementsprechend eine Vermischung vorliegt, welche ebenso eine sekundäre Verteilung durch die Neuschaffung des Flusslaufes der (rezenten) Elbe erfahren hat.
Ich bin immer wieder erstaunt wo sich Stücke aus dem Raum Schlottwitz finden lassen!