Mineralienatlas - Fossilienatlas
Gesteine / Rocks / Rocas => Bestimmung von Funden / Determination of findings => Deutschland / Germany => Thema gestartet von: mecki am 07 Jul 20, 20:36
-
Hallo an alle!
Ich habe mehrere Steine, deren Namen ich gern erfahren würde.
Gefunden an der Ostseeküste nahe Rostock.
Hier ist der erste :
Er ist ca. 6 x 6 x 4 cm gross.
Die roten Stellen funkeln sehr stark im Sonnenlicht, so ist er mir aufgefallen. Auch die dunklen Stellen funkeln.
Ein Magnet bleibt am Stein kleben. Nicht auf den roten, sondern auf den dunklen Bereichen. Ist Magnetit enthalten?
Antwort:
grobkörniger Granit mit Kalifeldspat und Magnetit
-
Hier ist der zweite Stein :
Er ist ca. 4 x 3 x 2,5 cm gross.
Auf einen Magneten reagiert er nicht.
Die dunklen Bereiche funkeln leicht im Sonnenlicht.
Antwort:
Granit oder Diorit oder etwas anderes aus dem Bereich der körnigen Quarz-Feldspatgesteine mit Glimmer
-
Und hier ist der dritte Stein :
Er ist ca. 4 x 3,5 x 2 cm gross.
Auf einen Magneten reagiert er nicht.
Fühlt sich sehr glatt an. Ganz im Gegensatz zu den ersten beiden Steinen.
Porphyr? Rhombenporphyr?
Mandelstein?
Was meint ihr? Was für Steine könnten das sein?
Antwort:
Quarzrhyolith mit Feldspat
-
Glück Auf!
Sehr löbliche Bestimmungsanfrage. Konstruktive Kritik auf höherem Niveau: den Bildhintergrund noch neutraler gestalten. Da Du dir die Mühe gemacht hast, die Bilder zu nummerieren (was ich sehr gut finde), beim nächsten Mal eine(n) kontrastreichere(n) Farb(e/ton) wählen, z.B. Schwarz. Und bitte Angaben zur Härte, gerne auch separat zu visuell unterscheidbaren Flächen.
Zu Stein 1: Die großen roten Bestandteile mit der offensichtlichen guten Spaltbarkeit sind aller Wahrscheinlichkeit nach Kalifeldspäte. Das Gestein wird ein grobkörniger Granit sein. Magnetit ist in den rötlichen Graniten aus Skandinavien weit verbreitet. Entsprechend lässt er sich häufig mit einem Magneten feststellen. (Mit einem Magneten an einem Faden als Pendel kann man auch sehr geringe Magnetitanteile, bzw. auch schwach magnetisierbare Minerale wie Hämatit und Ilmenit gut feststellen.)
zu Stein 2. Das Gestein scheint wohl viel hellgrauen Feldspat zu enthalten. Die zahlreichen weißen Stellen deuten darauf hin, dass das Gestein oberflächig zuletzt recht intensiv beansprucht wurde. Der Feldspat ist hier stark zerrüttet und wirkt dann so weiß. Quarzkörner will ich mal als auf den Bildern deutbar einstufen. Da ein hellgrauer Feldspat sowohl Kalifeldspat als auch Plagioklas sein kann, würde ich das Gestein nur als granitoides Gestein ansprechen. Es kann Granit sein, es kann Diorit sein oder etwas anderes aus dem Bereich der körnigen Quarz-Feldspatgesteine ohne nennenswerte weitere Akzessorien außer Glimmer.
zu Stein 3. Die rötlichen und weißen großen Bestandteile sind Feldspat. Die zahlreichen undeutlich erkennbaren grauen Flecken sind Quarz. Je nachdem wie homogen oder körnig die Matrix ist, wäre es als Quarzrhyolith oder granitischer Quarzrhyolith einzustufen. Quarzrhyolith wäre vorerst zu bevorzugen. Es ist definitiv kein Rhombenporphyr.
Mit freundlichen Grüßen
Das Felsenmammut
-
Moin,
abgerollte und angewitterte Gesteine lassen fast nie eine genaue Bestimmung zu. Hierfür müßte man die "Bucker" durchsägen und fein anschleifen.
Deshalb enthalte ich mich, meine Ferndiagnosen abzugeben.
Kluftknacker
-
Vielen Dank für die schnelle Auflösung, felsenmammut, und für deine Hinweise bzgl. mener Form der Fragestellung.
Den Hintergrund weisse Wand und weisse Unterlage finde ich eigentlich sehr neutral.
Die Foto-Qualität sollte ich aber noch etwas verbessern, so dass man die verschiedenen Mineralien besser erkennen kann.
Und was die Härte-Bestimmung betrifft, da muss ich mich erstmal einlesen.
Besonders überrascht bin ich von dem Quarzrhyolith, denn ich hatte keine Anzeichen von Quarz bemerkt, erst nachdem du es beschrieben hattest.
-
Hier ist Stein Nr. 4
Er ist ca. 2,5 x 3,5 x 2 cm gross.
Fühlt sich rau, teilweise sogar scharfkantig an, speziell in dem kristallenem Bereich.
Keine Reaktion auf einen Magnet.
Der Stein hinterläßt viele kleine Bestandteile auf der Unterlage, bröckelt deutlich.
Auf kristallin.de habe ich gelesen, dass Quarz praktisch immer mit Feldspat vorkommt?
Ich nehme an, dann sind hier schon mal Quarz und Feldspat enthalten.
Und die rauhe Haptik und die bröckelnde Eigenschaft deuten klar auf Quarz hin?
-
Hier ist Stein Nr. 5
Er ist ca 7 x 5 x 4 cm gross.
Er funkelt in den hellen und dunklen Bereichen, aber nicht in den roten.
Die Oberfläche fühlt sich angenehm an, man kann Strukturen erspüren.
Keine Reaktion auf einen Magnet.
Ich habe schon Fotos gesehen, wo Granat in Gesteinen ähnlich rote runde Punkte aufwies.
Darum hatte ich gleich den Gedanken daran, als ich diesen Stein fand.
Deuten die roten punktförmigen Stellen auf Granat hin?
Und ansonsten tippe ich auf Granit mit ...
-
Hier ist Stein Nr. 6
Er ist ca. 3 x 3 x 1,5 cm gross.
Fühlt sich sehr glatt an.
Die hellen Punkte sind alle Vertiefungen, wie eingraviert.
Die hellen Punkte sehen für mich ganz ähnlich aus wie beim Quarzrhyolith. Ist es auch einer?
-
Hallo,
bei Nr. 4 und 5 sieht deine Diagnose schon gut aus. Bei Nr. 4 sind die durchscheinend dunkel wirkenden Bereiche der Quarz und das helle undurchsichtige kann durchaus Feldspat sein. Das Stück könnte aus einem Quarz- oder Pegmatitgang stammen. Bei Nr. 5 sind die roten Flecken ziemlich sicher Granat, wobei man die genaue Art nicht mit Hilfe der Farbe bestimmen kann. Ist meist eh eine Mischung mehrerer Granate.
Günter
-
Hier ist Stein Nr. 7
Der ist ca. 7 x 6 x 3 cm gross.
Fühlt sich ähnlich an wie der Quarzrhyolith (Stein Nr. 3) und hat auch ähnliche Musterung mit den runden grauen Punkten, welche wie Quarz aussehen.
Ist dann wohl auch ein Quarzrhyolith?
-
Hier ist Stein Nr. 8
Er ist ca. 4 x 3 x 2 cm gross.
Fühlt sich glatt an. Aber man ertastet die kleinen Vertiefungen von einigen der hellen Stellen.
Bei den grauen Punkten vermute ich Quarz dahinter.
Und die roten Stellen weisen vermutlich auf KaliFeldspat hin?
-
hier ist Stein Nr. 9
Er ist ca. 4 x 4 x 1,5 cm gross.
Fühlt sich glatt an und wie wenn Zeichen eingraviert wären.
Die helleren Stellen sind alle Vertiefungen.
Komplett matt. Kein Glimmern oder Funkeln.
Kleine rote Flecken schimmern auf einer Seite hervor.
-
In vielen der gezeigten Steine leuchten ganz winzige blaue Punkte unter UV-Licht (365nm).
Nur sehr wenige pro Stein und wirklich nur ganz winzig, aber hell strahlend.
Auch bei den schwarzen Gabbros.
Was könnte das für ein Mineral sein?
-
Hallo,
Oftmals sind das Fussel, Kunststoff-Partikel oder anderer Dreck.
Tipp einer Kollegin: "Wenn es wegwischbar ist, ist es Dreck." - An dieser Stelle: Danke Claudia für diese Weisheit :-)
Falls nicht, sind andere besser als ich in der Problematik.
LG - und das ist nicht böse, aber ernst gemeint!
-
Glück Auf!
4: Granit, granitoides Gestein; Wird das Bruchstück im Vergleich zur Mineralkorngröße klein, wird es immer unsicherer mit der richtigen Bezeichnung. Die Wahrscheinlichkeit für andere Gesteine wie Pegmatit oder Bruchstück aus einem Migmatit nimmt zu. Letztlich kann man nur noch die Minerale benennen: Quarz und Feldspat.
5: Paragneise und Granatamphibolite sind die häufigsten Granatträger in den Geschieben aus Schweden. Granatamphibole haben eine Dichte über 3 kg/l und enthalten oft Magnetit. Sie sind im Allgemeinen dunkel, können stellenweise aber auch vermehrt Feldspat oder Quarz enthalten. Paragneise enthalten in der Regel viel Feldspat und Quarz und sind dadurch vergleichsweise hell. Magnetit kann enthalten sein. Dunkle Bestandteile sind meist Glimmer, untergeordnet Amphibol und Chlorit + diverse Akzessorien. Aufgrund der Menge an weißen Flächen und den nicht feststellbaren Magnetismus würde ich es in Richtung Paragneis schieben. Im trockenen Zustand können die weißen aufgeriebenen Stellen aber auch täuschen. Viele dunkle Silikate haben eine weiße oder helle Strichfarbe, die dann den Stein bei einer aufgeriebenen Oberfläche im Trockenen heller erscheinen lassen. Die roten Punkte sind Granate.
6: Hier wäre herauszubekommen, aus was für einem Mineral die hellen Flecken (Einsprenglinge/Phänokristen) bestehen. Arbeitshypothesen wären Quarz, Feldspat oder Calcit. Da die Phänokristen vermutlich Einzelkristalle sind sollten Quarz und Feldspat anhand der Spaltbarkeit unterscheidbar sein. Mit etwas Übung hilft auch ein Härtetest.Calcit sollte positiv auf den Säuretest reagieren und eine deutlich geringere Härte als Quarz und Feldspat aufweisen. Die schwarze Matrix, die entscheidend für die Namensgebung sein wird, erscheint mir recht grobkörnig, womit das Gestein wohl eher in Richtung Plutonite zu schieben ist. Da wäre dann Gabbro so eine erste Arbeitshypothese. Letzlich müssten aber die Minerale (Quarz, Feldpst, Amphibol, Pyroxen) in der Matrix identifiziert und quantifiziert werden. Vielleicht ist es aber auch etwas in die Richtung Schonenbasalt oder Öje-Diabas oder Rödö-Syenitporphyr (wobei der wohl nicht so schwarz wird) oder oder oder.
7 Hier schlage ich als Arbeitshypothese mal Grönklitt-Porphyrit vor. Der sollte (in der Regel) Magnetit enthalten. Grönklitt-Porphyrit enthält keinen bis wenig makroskopischen Quarz. Es wäre also ein Härtetest an den vermeintlichen Quarzflecken durchzuführen.
8 Hier schlage ich als Arbeitshypothese einen ignimbrit vor. Die hellgrauen Körner sind wie vermutet meist Quarz --> Härtetest. Die weiß bis rosa gefärbten Einsprenglinge sind Feldspat, wahrscheinlich Alkalifeldspat. Vermutlich ist es ein Ignimbrit aus Älvdalen. Diese laufen auch heute noch unter der historisch bedingten Bezeichnung Älvdalen-Porphyre.
9: Schwierig, da man wenig deutbares erkennt. Magnetismus? Härtetest? Dichte? Säuretest? Arbeitshypothesen: Basalt, Diabas, Gabbro, Dolerit, Amphibolit, vielleicht auch was Sedimentäres oder Silifiziertes.
Blaue Fluoreszenz: Lassen sich die Flecken durch Reinigung entfernen?
Mit freundlichen Grüßen
Das Felsenmammut
-
Vielen Dank für deine Hilfe, felsenmammut! Und Danke auch an Fabian99 für deine Hinweise.
Zu den blauen leuchtenden Punkten :
ja, sie waren wegwischbar. Werden wohl Baumwolle-Partikel gewesen sein, sie lagen auf einer solchen Decke zum Trocknen.
'Dreck' gibt's an meinen Steinen NICHT, die werden alle immer sehr aufwendig gewaschen.
Leider hat Quarz gar nicht auf das UV-Licht reagiert. Ich hatte gehofft, das Mineral damit leichter nachweisen zu können.
Wäre wohl zu einfach gewesen.
Habe ich nur die falsche Wellenlänge mit 365nm? Ist kurzwelliges UV-Licht evtl. hilfreicher?
-
"Dreck" = Materie am falschen Ort...
-
Ehe hier weiter spekuliert wird, soll auf diese Webseite verwiesen werden:
http://www.kristallin.de/index.htm (http://www.kristallin.de/index.htm)
-
Moin mecki,
manchmal ist es sinnvoll, die Gesteine bzw. ein Teil des Gefüges nass zu fotografieren, um die Minerale besser zu erkennen. Ist ein bisschen Fummelei, wenn man die Lichtreflexe nicht mit auf dem Bild haben will. Dies wäre bei Fund Nr. 6 und 9 hilfreich.
3: Also "Quarzrhyolith" kommt mir doppelt gemoppelt vor, da das Erkennen von Quarz eine Bedingung für die Bestimmung als Rhyolith ist. Porphyr ist doch eine ausreichende Bezeichnung, wenn Quarz enthalten, auch Quarzporphyr.
5: Mach den Stein doch mal nass, sind schwach graubläuliche, mit Glimmer pigmentierte Partien enthalten? Dies ist ein Hinweis auf enthaltenen Cordierit: https://www.kristallin.de/gesteine/minerale_14.htm (https://www.kristallin.de/gesteine/minerale_14.htm)
Gneise dieses Typs kommen verbreitet in Sörmland (und anderen Gebieten) vor. man kann die Bezeichnung "migmatitischer Granat-Cordierit-Gneis vom Sörmland-Typ" oder schlicht Gneis vom Sörmland-Typ wählen ;D
7: Sieht tatsächlich wie ein Grönklitt-Porphyrit aus. Das Gestein enthält nur selten Quarz, auf jeden Fall nicht als Einsprengling. Das graue dürfte Feldspat (Plagioklas) sein (zur Bestimmung braucht man auch hier wieder eine Bruchfläche).
8: Ignimbrit: ja, auf jeden Fall. Älvdalen-Ignimbrit: nein. Als solche im Geschiebe erkennbare Ignimbrite enthalten keinen Quarz und sollten am besten einsprenglingsreich sein (ansonsten Verwechslungsgefahr mit Ignimbriten aus Smaland).
9: Sieht mir nach einem basaltischen Gestein mit stark alterierten Feldspat-Einsprenglinegn (?) aus. Eine Detailaufnahme der nassen Oberfläche könnte helfen. Magnetisch?
6: keine Spekulationen, was das für ein "Leitgeschiebe" sein KÖNNTE. Ich sehe da nicht im Ansatz äußere Ähnlichkeiten zum Schonen-Basanit, geschweige denn zum "Rödö-Syenitporphyr" (kein Leitgeschiebe)! Erstmal rauskriegen, was das für ein Gesteinstyp ist (feinkörnig, dunkel, schwer, mit Mandeln: basaltischer Mandelstein). Was sagt der Test mit Salzsäure?
karlov
-
Vielen Dank für deine ausführliche Antwort, karlov !
5: Mach den Stein doch mal nass, sind schwach graubläuliche, mit Glimmer pigmentierte Partien enthalten? Dies ist ein Hinweis auf enthaltenen Cordierit: https://www.kristallin.de/gesteine/minerale_14.htm (https://www.kristallin.de/gesteine/minerale_14.htm)
Auch im nassen Zustand sind keine blauen Partien enthalten.
9: Sieht mir nach einem basaltischen Gestein mit stark alterierten Feldspat-Einsprenglinegn (?) aus. Eine Detailaufnahme der nassen Oberfläche könnte helfen. Magnetisch?
Nicht magnetisch.
Ich stelle später noch ein Bild mit nassem Stein ein.
6: keine Spekulationen, was das für ein "Leitgeschiebe" sein KÖNNTE. Ich sehe da nicht im Ansatz äußere Ähnlichkeiten zum Schonen-Basanit, geschweige denn zum "Rödö-Syenitporphyr" (kein Leitgeschiebe)! Erstmal rauskriegen, was das für ein Gesteinstyp ist (feinkörnig, dunkel, schwer, mit Mandeln: basaltischer Mandelstein). Was sagt der Test mit Salzsäure?
Salzsäure gibt es nicht in meinem Haushalt. Mit solchen gefährlichen Chemikalien will ich nichts zu tun haben.
-
6: keine Spekulationen, was das für ein "Leitgeschiebe" sein KÖNNTE. Ich sehe da nicht im Ansatz äußere Ähnlichkeiten zum Schonen-Basanit, geschweige denn zum "Rödö-Syenitporphyr" (kein Leitgeschiebe)! Erstmal rauskriegen, was das für ein Gesteinstyp ist (feinkörnig, dunkel, schwer, mit Mandeln: basaltischer Mandelstein). Was sagt der Test mit Salzsäure?
Salzsäure gibt es nicht in meinem Haushalt. Mit solchen gefährlichen Chemikalien will ich nichts zu tun haben.
Eine Diskussion über die "Gefährlichkeit" einer 5%igen Salzsäure im VErgleich zu der Essigessenz fange ich nicht an...
LG