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Mineralien / Minerals / Minerales => Allg. Diskussionen Mineralien / General discussions minerals => Thema gestartet von: Lexikon am 28 Nov 20, 09:22

Titel: sphärolithischer Aufbau von Lithophysen
Beitrag von: Lexikon am 28 Nov 20, 09:22
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(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1501154692.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1501154692.jpg)
Titel: Edelopal
Beitrag von: Manfrid am 28 Nov 20, 09:22
Der Opal selbst ist natürlich prächtig. Hinweisen möchte ich aber auf das unscheinbare Kugelgebilde in der Mitte seines unteren Randes. Es dürfte gewissen "Augen" entsprechen, die z. B. in vielen Achaten aus St. Egidien oder auch L'Esterel stärker auffallen, und sollte bei den Versuchen, die Genese solcher Lithophysen zu verstehen, nicht unberücksichtigt bleiben.
Titel: Re: Edelopal
Beitrag von: Klaus Schäfer am 28 Nov 20, 15:17
Hallo Manfrid,

Danke für dein Interesse an meiner Arbeit und deine Bemerkung über den sphärolithischen Aufbau von Lithophysen. Ich habe deshalb heute ein paar Thundereggs hochgeladen, an denen man die Bildung von Lithophysen exemplarisch darstellen kann.

Zum ersten diese beiden Fotos von Lithophysen aus Oregon. Sie befinden sich noch in ihrer Matrix, einem grünlichen Obsidian. Sie bestehen aus sphärolithisch kristallisiertem Cristobalit. Dieser kann aufreißen und so Platz für eine Achatbildung schaffen. Oft zerreißt die Cristobalitkugel aber nicht direkt im Zentrum, sondern ausgehend von der Schale eines dichteren, kugelförmigen Kernes, der unverletzt bleibt.

(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1606571188.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1606571188.jpg)(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1606571142.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1606571142.jpg)

Bei dem hier gezeigten Achatkern aus Burns in Oregon, bei dem die Lithophyse komplett weggewittert ist, erkennt der Betrachter auf der ihm zugewandten Seite eine flache, runde Scheibe, die strahlenartig von einem Zentrum ausgehend reliefiert ist. Im Zentrum erhebt sich eine kugelförmige Achatstruktur. Diese Struktur ist der Abdruck des Kernes. Auf der anderen, nicht gezeigten Seite des Achates, darf der Betrachter den Eindruck des Kernes erwarten. 

(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1606571416.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1606571416.jpg)

Hier bei diesem perpendikular zur gravitativen Ausrichtung geschnittenen Achat aus Mirasoles in Argentinien sieht man links unten den herausragenden Kern und rechts oben den Eindruck des Kernes.

(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1606560423.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1606560423.jpg)

Die weiteren angehängten Bilder zeigen ein paar Achate aus Mirasoles, bei denen durch einen perpendikular zur gravitativen Ausrichtung geführten Schnitt der dichte, primäre Kerne erhalten und Teil der interessanten Achatzeichnung ist. 

(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1606560143.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1606560143.jpg)(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1606560226.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1606560226.jpg)(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1606560279.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1606560279.jpg)(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1606560296.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1606560296.jpg)

Diese Abbildung zeigt einen Schnitt parallel der gravitativen Ausrichtung der Lithophyse und zeigt den primären Kern im Zentrum von rotem Achat.

(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1606560248.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1606560248.jpg)

Viel Spass beim Betrachten, Klaus
Titel: Re: sphärolithischer Aufbau von Lithophysen
Beitrag von: Manfrid am 28 Nov 20, 22:19
Prachtstücke! Vielen Dank für's Zeigen!
Interessant ist ja hier auch die radiale Struktur um die farbige Rissfüllung herum. Sie dürfte sich, ihrer nicht zu den Rissrändern parallelen Ausrichtung nach, erst nach der Rissbildung ausgebildet haben. Bei dem ersten Stück aus Mirasoles erkennt man rechts in diesem Bereich sogar noch eine Fortsetzung der Horizontalschichtung. Die Überprägung dieses Bereichs der Lithophyse steht offenbar mit der eigentlichen Achatbildung in den Spalten in engem Zusammenhang. Andererseits dürfte sie aber durch ihre konsolidierende Wirkung auch die letztendliche Form der Lithophyse wesentlich mitbestimmen, so dass Primäres (Lithophysenbildung) und Sekundäres (Achatfüllung) vermutlich gar nicht ganz sauber zu trennen sind. Hier liegt meines Erachtens ein wesentlicher Teil des vieldiskutierten "Achatproblems".
Titel: Re: sphärolithischer Aufbau von Lithophysen
Beitrag von: felsenmammut am 29 Nov 20, 04:42
Glück Auf!

Zitat
Bei dem ersten Stück aus Mirasoles erkennt man rechts in diesem Bereich sogar noch eine Fortsetzung der Horizontalschichtung.
kann man so deuten, kann aber auch reiner Zufall sein. Eine mehr oder weniger radialstrahlige Außenkontur und ein Lagenachat im Zentrum haben eine ausreichende Wahrscheinlichkeit in einem begrenzten Abschnitt parallel zu verlaufen. Dieses Phänomen ist für die Fundstelle aber keineswegs signifikant. Wenn man der These folgt, müssten bei einer Vielzahl an Achaten mit Lagenbänderung von dieser Fundstelle vielmehr Achate eine zumindest abschnittsweise Übereinstimmung von Ausrichtung der Lagenbänderung und der Außenkontur zeigen. Die Vielzahl an Achatbildern mit Lagenbänderung von dieser Fundstelle widerspricht aber dieser These. Zum anderen sollte man berücksichtigen, dass auch zwei völlig unabhängige Prozesse, die eine gravimetrisch orientierte Streifung oder Schichtung erzeugen, fast zwangsweise die gleiche Ausrichtung einnehmen, wenn die relative Orientierung zum Schwerefeld die gleiche ist.

Es besteht keine zwingende Notwendigkeit, dass die radiale Struktur parallel zu den Rissrändern verläuft. Spaltbarkeit weist ein kontinuierliches Spektrum von höchst vollkommen bis gar nicht vorhanden auf. Und auch Minerale mit ausgeprägter Spaltbarkeit können einen muschligen Bruch aufweisen. Zudem kann die Verzahnung von Kristallen zu einem ungleichmäßigen Bruchbild im Gefüge führen. Man könnte sogar in Frage stellen, ob die visuell als solche wahrnehmbare radiale Struktur überhaupt einen Einfluss auf die in etwa radial geartete  Rissstruktur hat. Wie man von Szeptarien von überall in der Welt weiß, haben die Schrumpfungsrissmuster in kugeligen Gebilden eine radiale Komponente, auch ganz ohne radialstrahlige Konturen oder Strukturen.

Mit freundlichen Grüßen

Das Felsenmammut
Titel: Re: sphärolithischer Aufbau von Lithophysen
Beitrag von: Manfrid am 29 Nov 20, 11:56
Es besteht keine zwingende Notwendigkeit, dass die radiale Struktur parallel zu den Rissrändern verläuft.
Zunächst einmal ging es ja nur darum, dass sich die radiale Struktur "erst nach der Rissbildung ausgebildet haben dürfte". Hätte sie sich vorher ausgebildet, so müsste man sie gerade dann, wenn die Rissbildung quer zu ihr verliefe, über den Riss hinweg von einem Rissrand zum gegenüberliegenden verfolgen können. Oder sie müsste halt durch die Rissweitung von ihrer radialen Orientierung abgelenkt worden sein. Beides ist nicht der Fall.

Eine eventuelle Fortsetzung der "Uruguay"-Schichtungen in diesem Bereich, die zugegebenermaßen bei dem betreffenden Stück wegen der ohnehin weitgehend radialen Orientierung fraglich ist, wäre nur eine bestätigende Beigabe. Ob sie an der Fundstelle öfter und in signifikanterer Form vorkommt, kann ich mangels Kenntnis derselben nicht sagen.
Titel: Re: sphärolithischer Aufbau von Lithophysen
Beitrag von: Manfrid am 29 Nov 20, 19:20
Hier nochmal ein Achat von L'Esterel, der vielleicht noch etwas deutlicher den Eindruck einer gelegentlichen Fortsetzung der "Uruguay"-Schichtung nach außen hin macht (unten links). Aber dies, wie gesagt, mehr am Rande. Der (im doppelten Sinne zu nehmende) Ein-fluss der den Achat bildenden (ehemaligen) Flüssigkeit auf die geborstenen Bereiche drumherum ist wohl auch sonst unübersehbar.
Titel: Re: sphärolithischer Aufbau von Lithophysen
Beitrag von: Manfrid am 01 Dec 20, 20:42
Nochmal zum "Kern der Sache". - Wenn die Achatbildung selbst die Lithophysenform mit ihren Spalten nicht bloß voraussetzt, sondern deren weitere Entwicklung durch Imprägnierung und Festigung ihrer Umgebung mitbestimmt, dann kann der ursprüngliche Kern auch in der Endform mehr oder weniger "ausgelagert" erscheinen; als relativ selbständige Geode. Ein Beispiel wäre der hier im ersten Bild gezeigte Achat (Foto vom 'Sternchenschleifer', Herrn Krause, mit freundlicher Genehmigung).
Mich interessiert diese "Kernfrage" sozusagen aus Lokalpatriotismus. Solche unscheinbaren Hornsteine wie im zweiten Bild, die Ackerfunde hier aus der Gegend sind, werden im Zusammenhang mit den Septarienbildungen verständlich, auch wenn sie selbst selten Drusen und noch seltener Achat enthalten, sondern gewöhnlich beim Schrumpfen nur einfach zersprungen sind.
Grüßle!
Titel: Re: sphärolithischer Aufbau von Lithophysen
Beitrag von: Manfrid am 01 Dec 20, 21:04
Wie man von Szeptarien von überall in der Welt weiß, haben die Schrumpfungsrissmuster in kugeligen Gebilden eine radiale Komponente
Ja, die haben sie. Auch die hiesigen aus Kalk (im Bild eine von Böhmenkirch, Schnitthöhe 24cm). Man sieht da einerseits ganz schön, wie der ursprüngliche Kern eingeschlossen, zerlegt und angelöst worden ist, andererseits, wie stellenweise schon weitere Anlagerungen durch Konkretisierung des umgebenden Sediments (Schlottenlehm) erfolgt sind und mit peripheren Rissbildungen zusammenhängen.
Grüßle!
Titel: Re: sphärolithischer Aufbau von Lithophysen
Beitrag von: Klaus Schäfer am 02 Dec 20, 09:03
Hallo Manfrid,

Auch in Jaspissen findet man einen ähnlichen Aufbau, der ebenfalls durch Kristallisationsfronten entsteht.

(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1587903025.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1587903025.jpg)

Gruß von Klaus
Titel: Re: sphärolithischer Aufbau von Lithophysen
Beitrag von: Manfrid am 02 Dec 20, 23:04
Ja, da spielt der umgebende rote Jaspis den Höhlenlehm, sozusagen. Wunderschönes Stück.
Grüßle!