Mineralienatlas - Fossilienatlas
Mineralien / Minerals / Minerales => Mineralien (Fundort) bestimmen / determine minerals => Thema gestartet von: grauerstar am 05 Dec 20, 07:47
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Guten Morgen!
Ich habe eine Stufe aus Taouz, Marokko erhalten. Angeschrieben ist sie mit Pyromorphit. Ehrlich gesagt bin ich mir unsicher, ob es sich nicht doch um Vanadinit handeln könnte. Ich hoffe ihr könnt mir helfen.
Die Stufe ist ca. 12,5 cm breit und zeigt bis zu 4 mm große, orange gefärbte Kristalle mit sehr hohem Glanz und teilweisem Farbverlauf ins gelbliche. Die Kristalle sitzen auf einem Rasen kleinster graubrauner Kristalle (unbestimmt).
Ich danke für eure Einschätzung.
Robert
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Hallo,
das sollte eigentlich schon Vanadinit sein. Pyromorphit von dort kenne ich nur als gelbgrüne nadelige xx.
Gruß Norbert
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Servus,
visuell wuerde man die Stufe als Vanadinit ansprechen.
ABER: Vanadinit und Pyromorphit (und Mimetesit) sind isostrukturell. Die Anionen Vanadat (Vanadinit) und Phosphat (Pyromorphit) sowie Arsenat (Mimetesit) koennen sich gegenseitig ersetzen. Die Farbe ist, wie meist, kein stichhaltiges Kriterium.
Falls Du Sicherheit willst, waere eine semiquantitative EDX-Analyse ein kostenguenstiger Weg, Klarheit zu bekommen. So liessen sich die Anteile an Vanadat, Phosphat (und Arsenat) abschaetzen und damit das vorliegende Mineral bestimmen.
GA,
Harald
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Hallo,
Ich sehe da deutlich zonierte Kristalle mit mehr grünlicher Mitte und mehr braunen Enden.
EDX hängt von der Methode der Präparation und der Kenntnis des Analysierenden ab. Eine einfache REM-EDX, für weniger als 20 Euro zu haben, ist nur dann zielführend, wenn die Zusammensetzung an genau festgelegten Punkten gemessen wird, denn sie wird über den Kristall verteilt mehr oder weniger stark schwanken. Man bräuchte den Vergleich Kern und Hülle in der grünen Mitte eines solchen Kristalls mit der Hülle am braunen Ende. Besser geeignet wären in Epoxy eingegossene Kristalle, die in verschiedenen Ebenen geschnitten und poliert werden. So eine Art von Dünnschliff/Anschliff, nur aus einzelnen Kristallen Da ist eine Zonierung dann leichter nachzuweisen.
Frage ist halt immer der Aufwand (Kosten!!) im Vergleich zum Nutzen. Bei vergleichsweise häufigen Mineralen wie hier lohnt sich die genaue Bestimmung wahrscheinlich eher kaum.
Nur: Nie aufgrund einer einzigen EDX an der Oberfläche eines Kristalls dem ganzen Mineral einen einzelnen Namen geben. Im Kern kann das schon ganz anders aussehen. Eher so: Vanadinit/Pyromorphit, was bedeutet, dass es sich um Mischkristalle handelt.
Glück Auf!
Sebastian
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Bei EDX wäre dann ein Linescan oder ein komplettes Mapping einer Fläche interessant, je nachdem was die Software des Instruments hergibt. Mit Raman-Spektroskopie könnte man auf jeden Fall die Anwesenheit der verdächtigen Anionen testen und die Mischreihe evtl. schon etwas eingrenzen.
bis denn
Günter
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Guten Abend!
Ich danke euch für eure Einschätzungen. Der Aufwand einer Analyse ist mir in diesem Fall zu groß. Daher werde ich bei der Formulierung von Sebastian bleiben.
Viele Grüße,
Robert
Eher so: Vanadinit/Pyromorphit, was bedeutet, dass es sich um Mischkristalle handelt.
Glück Auf!
Sebastian
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Servus,
es ist fuer mich immer wieder interessant festzustellen, was man auf einem "briefmarkengrossen" Photoausschnitt zu erkennen glauben kann !
Noch interessanter sind dann die moeglichen Schlussfolgerungen: ist es nun ein Vanadinit oder ein Pyromorphit ? Leider laesst sich dies per Augenschein nun nicht wirklich entscheiden :(.
Dann schreiben wir halt beide Namen auf das Etikett und gut ist - Papier ist geduldig und das "Bestimmungsproblem" ist geloest. Was nun ein Mischkristall oder eine "solid solution series" ist, lassen wir einmal aussen vor - ist sowieso kompliziert und eigentlich nur fuer Wissenschaftler interessant.
In Abwesenheit quantitativer Daten zu Vanadat- und Phosphatgehalten (evtl Arsenatgehalten) waere es dann allerdings auch besser die Stufe mit der Bezeichnung:
"Mineral(e) der Apatit-Supergruppe - visuell als Vanadinit/Pyromorphit bestimmt" zu versehen. Der naechste Besitzer freut sich (;D - nicht ganz ernst gemeint).
Da mittlerweile immer mehr, z. T. recht exotische Minerale mit der Bezeichnung “EDX-analysiert” auftauchen, bin ich erfreut zu lesen, dass die Aussagekraft von EDX-Daten kritisch hinterfragt wird.
Die Aussagekraft einer EDX-Messung haengt natuerlich immer von der geeigneten Probenvorbereitung sowie der Wahl geeigneter Messbedingungen und Messorte ab.
Im vorliegenden Fall erscheint EDX als geeignete Methode (zielfuehrend und erschwinglich) um das tatsaechliche Vorliegen von Phosphat im Kristall nachzuweisen und grob zu quantifizieren. Die Notwendigkeit der Klaerung dieser zur Mineral-Bestimmung essentiellen Frage ist leider voellig in den Hintergrund getreten.
Die verschiedenen Anionen lassen sich auch per Schwingungsspektrospkopie nachweisen, allerdings kaum quantifizieren.
Messergebnisse egal welcher Art sind immer nur so gut wie die Eignung der gewaehlten Methode, die Probenvorbereitung und letztlich die Durchfuehrung der Messung(en) und damit so gut wie der Analytiker. Die Relevanz von EDX-Messungen, die lediglich auf einem Messpunkt beruhen, sei einmal dahingestellt.
Gluecklicherweise gibt es Dienstleister, die dem Problem der moeglichen Proben-Inhomogenitaet (Mineralgemisch, Verwachsung, Zonierung, Epitaxie ... ) Rechnung zu tragen versuchen und gegebenenfalls auch elementspezifische Kartierungen einer Probe durchfuehren.
Ob und inwieweit kostenpflichtige, analytische Dienstleistung zur Mineralbestimmung notwendig und sinnvoll sind, bleibt jedem selbst ueberlassen.
Mit den besten Wuenschen zum Nikolaus-Tag,
Harald