Mineralienatlas - Fossilienatlas

Lexikon / Encyclopedia / Encíclopedia => Bilderdiskussionen / Image discussions => Thema gestartet von: Lexikon am 07 Apr 21, 19:52

Titel: Granit von Puerto de Santiago, Teneriffa
Beitrag von: Lexikon am 07 Apr 21, 19:52
Bilder Diskussion - Image Discussion

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(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1617814444.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1617814444.jpg)
Titel: Granit von Puerto de Santiago, Teneriffa
Beitrag von: oliverOliver am 07 Apr 21, 19:52
Eine allgemeine Frage, nicht (nur) auf dieses Bild bezogen:
Kann Granit (als Plutonit) überhaupt auf einer jungen Vulkaninsel wie Teneriffa vorkommen (außer als Xenolith) ???
Titel: Re: Granit von Puerto de Santiago, Teneriffa
Beitrag von: guefz am 07 Apr 21, 20:11
In Island kenne ich einen granitischen Pluton, aber Island ist auch viel größer und hat viel dickere Gesteinschichten, in die dann ein Pluton eindringen konnte. Ich denke, dass die Kanaren zu klein für so etwas sind. Wird dann eher Rhyolith sein.
Titel: Re: Granit von Puerto de Santiago, Teneriffa
Beitrag von: oliverOliver am 07 Apr 21, 20:13
danke -
auch auf dieser geol. Karte sind keinerlei Plutonite verzeichnet:

https://www.researchgate.net/publication/311446676_Contrasting_magmatic_cannibalism_forms_evolved_phonolitic_magmas_in_the_Canary_Islands/figures?lo=1

edit:
dann haben wir bei Teneriffa aber bei drei untergeordneten Fdst. falsche Gesteinseinträge (Granit) im Lexikon, und auch jeweils einige unzutreffend zugeordnete Bilder.
(Mna. Pelada, Playa de la Enramada, Puerto de Santiago)

edit 2:
das sind dann die beiden weiteren "Granite" (abgesehen von Detailbildern, und Mineralbildern wo der G. nur in der Beschreibung steht) von Teneriffa - sehen mir ohnehin beide auch nicht sehr nach Graniten aus (zumindest nicht nach solchen, wie ich sie kenne)

(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1595596156.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1595596156.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1595764543.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1595764543.jpg)
Titel: Re: Granit von Puerto de Santiago, Teneriffa
Beitrag von: stoanklopfer am 07 Apr 21, 21:01
Wird dann eher Rhyolith sein.

Dem schließe ich mich absolut an. Auf keinen Fall ein Granit. Hier ist klar ein porphyrisches Gefüge zu erkennen. Die Quarze zeigen auch teilweise deutliche Lösungsschläuche, wie sie in Rhyolithen typisch sind.
Titel: Re: Granit von Puerto de Santiago, Teneriffa
Beitrag von: christof schäfer am 07 Apr 21, 21:10
Nach der Abbildung zu urteilen, besteht das Gestein aus schwarzgrünen und weißen Einsprenglingen (vielleicht Pyroxen und Feldspat / Feldspatvertreter), die in einer feinkörnigen braunen vielleicht auch teilweise glasigen Matrix eingelagert sind. Von dort her würde ich das Gestein als einen Vulkanit mit einem sehr hohen Anteil an Phänokristallen bezeichnen.

Im Zentralbereich der Nachbarinsel Fuerteventura (sog. Basalkomplex) sind Plutonite im Anstehenden bekannt. Es werden Peridotite, Gabbros, Diorite, Syenite und Carbonatite beschrieben.

Die beiden nachfolgenden Bilder zeigen Syenit-Auswürflinge. Diese Gesteine können in Hohlräumen seltene Mineralien (Eudialyt-Minerale, Lorenzenit, Loparit, Normandit u.a.) führen.
Titel: Re: Granit von Puerto de Santiago, Teneriffa
Beitrag von: guefz am 07 Apr 21, 21:37
Sind die Intrusionen auf Fuerteventura dann einzelne Gänge oder eher große blockartige Strukturen?

Günter
Titel: Re: Granit von Puerto de Santiago, Teneriffa
Beitrag von: christof schäfer am 07 Apr 21, 21:52
Wenn es klappt, ist im Anhang eine geologische Karte.
Titel: Re: Granit von Puerto de Santiago, Teneriffa
Beitrag von: guefz am 07 Apr 21, 22:42
Wenn die jetzt an der Oberfläche liegen, muss ja einiges an Überdeckung weg erodiert sein.
Titel: Re: Granit von Puerto de Santiago, Teneriffa
Beitrag von: Conny3 am 08 Apr 21, 09:56
Hallo,

granitähnliche Gesteine im Zentralbereich von Fuerteventura kann ich auch bestätigen:

https://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,35267.msg263291.html#msg263291

Da gab es sogar pegmatitähnliche Strukturen und Epidot. Habe da auch sicher noch Bilder ,die ich hier später mal zeigen könnte. Lang,lang ist es aber her.

Gruß Conny
Titel: Re: Granit von Puerto de Santiago, Teneriffa
Beitrag von: Conny3 am 08 Apr 21, 10:28
Hallo,

vor knapp 20 Jahren, auch Ostern 2002, führte mich eine Wanderung in dieses Tal aus granitähnlichem Gestein 22). Es ist das Gebiet, was im Vorbeitrag in der Geologischen Karte gezeigt wurde. Damals gab es sehr viel Regen und ein Bach durchfloss das Tal. In einem kleinen Steinbruch (?) war sogar Wasser (11). Unterhalb gab es im Geröll sogar Epidot, wie ich ihn sonst nur aus granitischen/diabasähnlichen Gesteinen her kannte.

Gruß Conny
Titel: Re: Granit von Puerto de Santiago, Teneriffa
Beitrag von: Conny3 am 08 Apr 21, 11:04
Hallo,
hier noch ein paar Hinweise zu den prävulkanischen Vorkommen (auch Sedimentgesteine). Im Betancuria Massiv (dort sind die damaligen Aufnahmen entstanden), gibt es auch epidotisierte dunkel Shales, Sandsteine, Marmor und Plutonite (Gabbros, Diorite, Syenit und Pyroxenite).
Es ist auch von "freien Quarz" die Rede (Quarzgänge).
Literatur: Sammlung Geologischer Führer 81, P. Rothe, 1996, Bornträger Verlag.
Zu Teneriffa (Grundgesteine) habe ich dort nichts gelesen. Scheint eine Besonderheit von Fuerteventura zu sein. Den Epidot suche ich noch in der Sammlung (auch ein eventuell vorhandener "Pegmatitbeleg"). Basaltische Gänge durchziehen das "Grundgebirgsmassiv". So auch am "Steinbruchteich" im Bild 11 (Vorbeitrag). Da werde ich wohl nie wieder hin fliegen bzw. hinkommen. >:(

Gruß Conny
Titel: Re: Granit von Puerto de Santiago, Teneriffa
Beitrag von: humboldt am 09 Apr 21, 15:16
Hallo liebe Freunde,
ich freue mich, dass ihr euch Gedanken üner meine Granite von Teneriffa macht Als ich den ersten als Lesestein an der Playa Enramada gefunden habe (in schön abgerundeten Zustand) sah er  aus wie ich  rosa Granite aus der Oberpfalz schon kannte. Rosa Orthoklas (durch Hämatit gefärbt), farblosen Plagioklas und schöne transpararente Quarze. Ich konnte es, wie ihr, nicht glauben. Granit auf Teneriffa?. Ich schickte ein Muster an Stefan Weiß von Lapis, der mich auch nach ein paar Tagen anrief und mir erklärte, dass es sich hier um Granit handele und die schwarzen Plättchen darin wohl als Biotit anzusprechen seien. Da das Gestein noch eine Anzahl weiterer Phasen enthielt, schickte ich ein weiteres Muster an Prof. Leusmann nach Köln, der eine XRD-Analyse anfertigte Das Ergebnis war zunächst die Bestätigumg von Quarz, Orthoklas, Plagioklas und Biotit. Somit ein Granit (Feldspat-Quarz und Glimmer-die vegess ich nimmer) Die Körnung passte  auch, für einen Rhyolith war sie zu grob. Interessant war die weitere Mineralisation, die ich im Atlas ja von der Plaja Enramada beschrieben habe. Sie zeigt einen Granit, der eine erhebliche hydrothermale Überpräung erfahren haben musste. Soweit dieaer Fall. Für den Fund von Puerto de Santiago gilt ähnliches, er gehörte auch zum Strandgeröll. Nur habe ich mir hier eine XRD-Analyse geschenkt, sie ist nicht grade billig. Die Mineralisation auf dieser Stufe ist ähnlich, nur wird der Biotit hier durch einen Clinopyroxen ersetzt.
Nun zur Herkunft von Plutoniten auf Teneriffa. Diese sind im Anstehenden nicht aufgeschlossen, sind somit auch auf keiner Geologischen  Karte verzeichniet. Die von mir gefundenen Plutonite sind Syenit, Nephelinit-Syenit und Granit und stammen alle aus den Klasten der Pyroklastischen Ströme, die der Vorläufer des Pico de Teide (Las Canadas Vulkan) über die Insel und darüber hinaus gestreut hat. Plutonite entstehen aus hydrothermal überprägten Vulkaniten im Dachbereich des Vulkans, wo sie durchaus einige tausend Jahren hängen könne, bis sie durch ein neuen pyroklastischen Ausbruch ausgetrieben werden. Aus einem Rhyolith wird ein Granit, vielleicht auch ein Monzonit. Da Rhyolithe auf Teneriffa sehr selten sind ist mit dem Vorkommen von Granit auch nur selten zu rechnen.Häufiger vorkommender Trachyt und Phonolit führt zu Syenit bzw. Nephelin-Syenit, deren Mineralisation ich ja von einigen Fundstellen beschrieben. Weiteres findet ihr auch im Aufschluss 2021_Heft1
Noch Fragen?
Euer humoldt
Titel: Re: Granit von Puerto de Santiago, Teneriffa
Beitrag von: oliverOliver am 09 Apr 21, 16:44
Hallo Humboldt,
danke für die ausführlichen Erläuterungen.
Aber mit der Erklärung „Plutonite entstehen aus hydrothermal überprägten Vulkaniten im Dachbereich des Vulkans,“ tu ich mich mehr als schwer –
Plutonite sind doch definitionsgemäß Tiefengesteine (und damit unter den Magmatiten das genaue Gegenteil von Vulkaniten). Aus einem hydrothermal überprägten Vulkanit kann somit m.E. kein Plutonit entstehen – sondern eben ein alterierter Vulkanit oder allenfalls eventuell ein (Niedrigdruck-)Metamorphit.
„Das Ergebnis war zunächst die Bestätigumg von Quarz, Orthoklas, Plagioklas und Biotit. Somit ein Granit (Feldspat-Quarz und Glimmer-die vegess ich nimmer)“
Auch hier bleibe ich skeptisch – jeder Granit besteht zwar aus „Feldspat Quarz & Glimmer“, der Umkehrschluss (dass alles, was – überwiegend – aus diesen 3 Komponenten besteht, auch Granit ist) ist aber m.E. nicht zulässig – da spielen z.B. die Bildungsbedingungen (neben Gefügestruktur etc.) eben eine gewichtigere Rolle.

Soweit zumindest meine Sichtweise   ;)

Lg + ga
oliver
Titel: Re: Granit von Puerto de Santiago, Teneriffa
Beitrag von: humboldt am 10 Apr 21, 15:03
Hallo Oliver,
schön dass wir in eine Diskussion eintreten können
zunächst zu meinen Graniten von Teneriffa. Sie enthalten alles was ein Granit benötigt: Kalfeldspat, Quarz, Plagioklas, wie man auch einem  Streckeisen-Diagramm entnehmen kann. Und das in etwa gleichen Anteilen. Weiter ein gleichkörniges Gefüge, kein porphyrisches. Wenn  ich ein Gestein mit diesen Attributen im Gelände finde ohne dass ich eine Beziehung zu Anstehenden finde, so ordne ich es als Granit ein. Akzessorien sind auch da. Aber nur von untergeordneter Bedeutung.
Der Entstehungsort des Gesteins ist natürlich spekulativ. Der Fundort sind pyroklastische Ablagerungen aus dem Teide-Vorgänger, der hauptsächlich phonolthische Bimse und Ignimbrite produzert hat. Mittransportierte Klasten stammen entweder aus der Magmenkammer oder aus Sekundärablagerungen,die schon aus früheren Ausbrüchen stammen. Der Granit entstammt somit höchstwahrscheinlich der Magmenkammer. Und hier bin ich bei meinen Nachforschungen auf einen Artikel in Lithos gestoßen, der sich mit der Herkunft der Nephelin-Syenit, ebenfalls ein Plutonit auf Teneriffa, befasst. Der Autor J.A. Wolff begründet  die Entstehung des Nephelin-Syenits im Dachbereich des Vukans, also in der breiigen Zone  eines phonlithischen Magmas. Ich möchte hier nicht weiter  darauf eingehen, ich hänge den Artikel einfach dran. Wenn das geht. Analoges wäre also auch für die Entstehung des Granits denkbar. Und der ist  wirklich ein Granit.
Mfg
humboldt
PS Der Artikel ist leider zu groß für die Übertragung. Ich versuche es mal mit der Zusammenfassung
Titel: Re: Granit von Puerto de Santiago, Teneriffa
Beitrag von: oliverOliver am 11 Apr 21, 10:59
Hallo Humboldt,

„schön dass wir in eine Diskussion eintreten können“

Ja, das freut mich auch!

„Der Autor J.A. Wolff begründet  die Entstehung des Nephelin-Syenits im Dachbereich des Vukans, also in der breiigen Zone  eines phonlithischen Magmas.“

Die (subvulkanischen) Syenite, die dann als Auswürflinge in die pyroklastischen/vulkanoklastischen Gesteine gelangten (da hast du ja auch ein paar sehr aussagekräftige Fotos hochgeladen), sind ja unbestritten und stehen außer Frage.

Beim Granit hingegen bleibe ich weiterhin skeptisch. Wenn du eine Entstehung analog zum Syenit annimmst, wäre (rein theoretisch) wohl eine Bezeichnung als Subrhyolith naheliegend. Und gar so gleichkörnig finde ich das Gefüge im ersten Bild auch wieder nicht …..
Jedenfalls wirkt es auf mich nicht wie ein „granitisches Gefüge“ – unter anderem fehlt mir der, wie es so schön heißt, „unmittelbare Kornverband“ (zumindest kann ich einen solchen auf dem Foto nicht eindeutig erkennen).  Hingegen sehe ich, wie schon oben von Christof beschrieben, eher Phänokristalle in Matrix.

Lg + ga
oliver
Titel: Re: Granit von Puerto de Santiago, Teneriffa
Beitrag von: Eckard am 11 Apr 21, 13:51
Hej Oliver,

bisher hörte ich noch nichts von Graniten auf den Kanaren.

Stein 1: Könnte man als Konglomerat bezeichnen.
Stein 2: Sieht mir sehr nach Sandstein aus.
Stein 3: Null Ahnung, aber auf keinen Fall ein Granit.

Soweit meine Vermutung. Ich lasse mich jedoch gerne eines besseren belehren. Lerne ja noch immer gerne hinzu. :)

Besten Gruß
Eckard
Titel: Re: Granit von Puerto de Santiago, Teneriffa
Beitrag von: oliverOliver am 11 Apr 21, 13:53
hallo Eckard,
nein, mit Konglomerat und Sandstein kannst du hier keinen Treffer landen ...  ;D
Das sind schon zweifellos Magmatite, soviel steht völlig außer Frage  ;)
Titel: Re: Granit von Puerto de Santiago, Teneriffa
Beitrag von: Eckard am 11 Apr 21, 14:35
Danke, Oliver.

Sorry, überzeugt bin ich noch nicht.
 
Bisher hörte ich weder etwas von Graniten noch überhaupt von Putonen auf den Canaren. - Habe ich etwas übersehen? -

Gibt es denn hier jemand, der diese Gesteine kennt, und weiterhelfen kann, damit nicht nur spekuliert wird?

Ich bleibe gespannt.

Gruß in den Süden
Eckard
Titel: Re: Granit von Puerto de Santiago, Teneriffa
Beitrag von: oliverOliver am 11 Apr 21, 14:42
hallo Eckard,
Magmatite umfassen sowohl Vulkanite als auch Plutonite ....
Genau darum gehts ja hier - wirklich ein Plutonit, oder nicht doch eher ein Subvulkanit?
Und von reiner Spekulation sind wir gerade bei dieser - doch recht gehaltvollen - Diskussion, so glaube ich zumindest, doch ein gutes Stück entfernt ...  ;)
Titel: Re: Granit von Puerto de Santiago, Teneriffa
Beitrag von: Geomaxx am 11 Apr 21, 16:19
Hi alle,
zu allererst mal vielen Dank an hubmoldt, der uns diese genialen Stücke vorgestellt hat, chapeau!

Bevor hier zu arg spekuliert wird, hier nochmal die Zusammenfassung:

Die Analyse des Mineralbestands am „Granit von Puerto de Santiago, Teneriffa“ ergab nun eindeutig das Vorhandensein der Phasen Quarz, Orthoklas, Plagioklas und Biotit.
Vom Anteil an leukokraten Mineralen von rund 10-20% lässt sich das Gestein gemäß den Indizes nach Shand als leukokrat einstufen.
Das Gefüge würde ich als beginnend porphyrisch einstufen (porphyrisch-phaneritisch bis hypidiomorph-körnig) mit idiomorphen / hypidiomorphen Feldspäten und Biotiten sowie meist xenomorphen Quarzen, die zudem bereichsweise Lösungsspuren bzw. Interaktionsspuren mit möglicherweise migrierenden Restschmelzen oder Lösungen zeigen.
Das Gestein ist somit ganz sicher ein magmatisches Gestein.
Das Gestein ist m.E. dem Gefüge nach nicht als klassischer Plutonit einzustufen (es wäre dann ein Granit), jedoch auch nicht dem klassischen Vulkanit-Analogon zuzuordnen (es wäre dann ein Rhyolith), sondern ich würde das Gestein als Subvulkanit mit granitischer Zusammensetzung einstufen.
Subvulkanite sind in komplexen vulkanogenen Gebäuden wie den Kanarischen Inseln nichts ungewöhnliches, es sind subvulkanisch stecken gebliebene Schmelzen, deren Kristallisation schneller als im klassischen Pluton aber langsamer als ein klassischer Vulkanit erfolgte.

Zum Geologischen Hintergrund der Kanarischen Inseln und das -für viele user unverständliche- Auftreten von Plutoniten:
Spezialbegriffe habe ich mal in Gänsefüßchen gestellt, wem das zu blöd ist, sollte bitte großzügig drüber hinweglesen...

Die Kanaren verdanken ihre Entstehung dem Intraplatten-Vulkanismus am Westrand der Afrikanischen Platte, der von einem im Zusammenhang mit mantle plumes stehendem Hot-Spot genährt wird, unterstützt von kleinräumigen Mantel- Konvektionszellen („Edge Driven Convection“ nach Geldmacher et al. 2005 und „Mantle Plume Blobs“ nach Hoernle & Schmincke 1993). Es wird ferner angenommen, dass bei der Geometrie der vulkanischen Tätigkeit auf den Kanaren auch intrakontinentale, also innerhalb der Afrikanischen Platte vorangelegte, tektonische Großstrukturen eine Rolle spielen („flexur saharienne“) und es wird das Vorhandensein eines sublithosphärischen Korridors zwischen dem Atlasgebirge im Nordosten und dem Kanarischen Mantle Plume im Südwesten angenommen: Wer will kann sich hierzu gerne die Modelltheorie von Duggen et al. 2010 für die Kanaren reinziehen).

Zu den klassischen Plutoniten auf den Kanaren: Es gibt sie sehr wohl, wie hier von vielen usern bereits korrekterweise angesprochen. Diese Plutonite stellen das Basement unter dem eigentlichen Vulkangebäude dar („Basal Complex“). Gesteine dieses Basements enthalten unter anderem auch klassische Plutonite (neben submarinen Vulkaniten, Meeressedimenten und anderen). Nachgewiesen wurden diese Gesteine sowohl auf Fuerteventura (Betancuria-Massiv: der schöne Aufschluss im Barranco De Las Penitas wurde in diesem thread ja schon von Conny gezeigt!) als auch auf La Gomera (Tamargada-Komplex) mit Syeniten, Monzoniten, sowie Gabbros, Pyroxeniten u.a.
Sie stammen jeweils aus der Frühzeit der Wirkungsphase des Mantle-Plumes, in der die Eruptionswege für basaltische Magmen noch nicht geebnet waren und die Kristallisation der Schmelzen entsprechend langsam vor sich ging.

Harter Tobak, aber so ist Geologie nunmal ;)
Grüßle,
GEOMAXX

Titel: Re: Granit von Puerto de Santiago, Teneriffa
Beitrag von: humboldt am 11 Apr 21, 16:32
Liebe Freunde,
den Ausführungen von Geomaxx ist wohl nichts hinzuzufügen. Zum zitierten Gestein von Playa de la Enramada habe ich ein wesentlich besser aufgelöstes Bild ergänzt. Schaut es euch doch mal an
humboldt
Titel: Re: Granit von Puerto de Santiago, Teneriffa
Beitrag von: oliverOliver am 11 Apr 21, 16:51
hallo Max,

danke für die ausführliche fundierte Erklärung!

Zum Stück von Playa de la Enramada, Frage an Humboldt: ist die Detailaufnahme (bild-Nr. 1618150518) vom gleichen Stein wie Bild Nr. 1595596156 ?
Wenn ja, dann würde es Sinn machen, es diesem zuzuordnen.

Und die allgemeine Frage: auf Fuerteventura (siehe oben, Geologische Karte im Beitrag von Christof) und La Gomera (Info von Max) ist der Basalkomplex ja vorhanden - aber wie siehts da auf Teneriffa aus?
Fehlt er dort völlig (dann kann auch Bild 1595596156 kein Granit sein, sondern ebenfalls ein Subvulkanit), oder ist er in größerer Tiefe, überdeckt von den Vulkaniten, doch auch vorhanden? (dann könnte 1595596156 theoretisch ein Granit als Auswürfling/Xenolith sein).

Dazu an Max: wie würdest du die Stücke auf den Bildern 1595596156 und 1595764543 einschätzen?
Wie Christof als Syenit-Auswürflinge? Oder ebenfalls als Subvulkanite mit granitischer Zusammensetzung ?
Oder beide unterschiedlich?

edit:
Hier noch das von Humboldt neu hochgeladene Detailbild von Playa de la Enramada:

(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1618150518.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1618150518.jpg)

@ Humboldt:
Zitat
den Ausführungen von Geomaxx ist wohl nichts hinzuzufügen.

Genau! Wär also fein, wenn du bei dem Stück die Beschriftung in "Subvulkanit mit granitischer Zusammensetzung" korrigieren könntest (und die Zuordnug von Granit auf Subvulkanit) - und gleich auch bei den Beschreibungen der Mineral-Detailbilder, damit das stimmig ist und sich niemand wundert.
Titel: Re: Granit von Puerto de Santiago, Teneriffa
Beitrag von: humboldt am 12 Apr 21, 13:33
Hallo Oliver,
beide Bilder stammen vom gleichen Handstück. Zur Einordung des Gesteins als ,Subvulkanit mit granitischer Zusammensetzung` fehlt bisher der entsprechende Terminus im Atlas. Kümmerst Du Dich darum? Ich werde meine Stücke natürlch demnächst umtaufen,
humboldt
Titel: Re: Granit von Puerto de Santiago, Teneriffa
Beitrag von: oliverOliver am 12 Apr 21, 13:57
hallo humboldt,
fein!
Zuordnungsmöglichkeit: werd mich bei Gelegenheit drum kümmern - aber beim Neuanlegen von Gesteinen bin ich mittlerweile etwas vorsichtig geworden, weil die "neue" Gliederung doch ein sehr komplexes System ist. Muss ich mir also erstmal ausführlich und in ruhe ansehen.
Vorerst würde aber eh eine Zuordnung zu "Subvulkanit" (läuft im Lex als Synonym zu Ganggestein) mit der Ergänzung "mit granitischer Zusammensetzung" im Bildtext ausreichen.
lg + ga
oliver

edit:
ist angelegt!
siehe: https://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/RockData?rockid=2164