Mineralienatlas - Fossilienatlas

Gesteine / Rocks / Rocas => Gesteine / Rocks / Rocas => Thema gestartet von: Lothar Schuh am 11 Apr 21, 16:59

Titel: Wie Paragneiss und Orthogneiss unterscheiden?
Beitrag von: Lothar Schuh am 11 Apr 21, 16:59
Hallo miteinender,

gibt es ein paar "simple" Merkmale, um Para-/Orthogneiss zu unterscheiden.

Danke und Gruss

Lothar
Titel: Re: Wie Paragneiss und Orthogneiss unterscheiden?
Beitrag von: oliverOliver am 11 Apr 21, 18:03
Schwierig - wirklich "simple" Merkmale gibts da vermutlich nicht.
Ich bin mir da auch nicht immer und in jedem Fall 100%ig sicher ....
Und dass Gneise ja auch mehrere Metamorphosestufen durchlaufen können, macht die Sache nicht einfacher.
Am ehesten, als "einfache" Hinweise auf einen Paragneis, wenn eine (abwechslungs-) reiche, regionalmetamorphosetypische Mineralparagenese vorliegt (z.B. Cordieritgneis),
oder wenn - unabhängig von einer eventuellen Schieferung - Spuren der ehemaligen (Sediment-) Schichtung vorhanden sind (die aber dann auch erst wieder korrekt interpretiert werden müssen)
Titel: Re: Wie Paragneiss und Orthogneiss unterscheiden?
Beitrag von: Eckard am 11 Apr 21, 18:22
Hej Lothar,

Gneise zu benamsen, das ist oft schwierig. Vielleicht hilft Dir diese Seite etwas weiter:

https://strand-und-steine.de/gesteine/metamorphite/gneis/gneis.htm

Viel Erfolg und besten Gruß
Eckard
Titel: Re: Wie Paragneiss und Orthogneiss unterscheiden?
Beitrag von: Lothar Schuh am 11 Apr 21, 19:51
Hallo miteinand,

ok, ich dachte dass es mit "Bordmittteln" schwierig ist. Dachte, ich hätt was aus der Praxis von Euch Steineklopfern übersehen.

Hab den Vinx "Gesteinsbstimmung im Gelände" gewälzt.

Danke

Lothar
Titel: Re: Wie Paragneiss und Orthogneiss unterscheiden?
Beitrag von: oliverOliver am 11 Apr 21, 23:11
Im Gelände ist es (oft) einfacher als beim isolierten Handstück oder bei Schottersteinen - wenn im Anstehenden Gneise zusammen mit z.B. Quarziten, Glimmerschifer oder Marmor / Kalksilikatmarmor auftreten, ist es klar, dass es sich eigentlich nur um Paragneis handeln kann.
Titel: Re: Wie Paragneiss und Orthogneiss unterscheiden?
Beitrag von: Sprotte am 18 May 21, 18:27
Paragneise entstehen oft (aber natürlich nicht immer) durch Metamorphose Al-reicher Sedimentite. Im norddeutschen Geschiebe enthalten diese dann viel Granat und/oder Cordierit und/oder Silimanit (selten auch Staurolit). In den Alpen ist Kyanit (und Staurolit) nicht selten.

Viele Grüße
Sprotte
Titel: Re: Wie Paragneiss und Orthogneiss unterscheiden?
Beitrag von: Sprotte am 19 May 21, 10:50
.... und als kleiner Nachtrag: Hornblende-verwandte Amphibole sind ein Hinweis, dass es sich eher um Orthogneis handelt. Auch ist Muskovit in Paragneisen häufiger.

Viele Grüße
Sprotte
Titel: Re: Wie Paragneiss und Orthogneiss unterscheiden?
Beitrag von: Sprotte am 20 May 21, 11:21
Und dann gibt es noch die kleine Gruppe Nephelin-führender Gneise --- das sind immer Orthogneise, z.B. jene von Norra Kärr (Schweden), siehe:
https://skan-kristallin.de/schweden/gesteine/gesteinsdarstellung/norrakaerr/norrakaerrtext.html

Viele Grüße
Sprotte
Titel: Re: Wie Paragneiss und Orthogneiss unterscheiden?
Beitrag von: aca am 20 May 21, 14:22
Die ursprüngliche Frage
gibt es ein paar "simple" Merkmale, um Para-/Orthogneiss zu unterscheiden.
ist leicht zu beantworten: Nein.
Es handelt sich nämlich bei Para- und Ortho- nur um Zusätze, die die (vermutete) Herkunft des Gesteins ausweisen, nicht um eine substantielle Eigenschaft (Zusammensetzung, Textur, etc.).
Das ist ein bisschen so, als ob man nach Eigenschaften fragen würde, an denen man erkennt, dass ich in Würzburg geboren bin. Das ist vielleicht nicht unmöglich zu beantworten, aber recht mühsam.

Natürlich hinterlassen die Ausgangsgesteine ihre "Signatur", und bestimmte Eigenschaften treten je nach Ausgangsgestein besonders häufig auf, aber es sind kein eindeutigen und 100%-zuverlässigen Merkmale, wie sie z.B. hinter der Bezeichnung "Granit" stehen. Einen Granit kann man als solches erkennen, die Bezeichnung "Paragneis" ist eine Interpretation. Deshalb steht im Vinx ja auch, dass man die Verhältnisse am Fundort berücksichten muss.