Mineralienatlas - Fossilienatlas

Arbeitsmittel / Means for work => Reinigung (Präparieren, Konservierung) / Cleaning (Prepare, Conservation) => Thema gestartet von: futzi am 14 Dec 21, 09:54

Titel: Aussäuern Hilfe
Beitrag von: futzi am 14 Dec 21, 09:54
Hallo,
ich versuche gerade Calzit von einer Stufe mit Essigsäureessenz zu lösen. HCL geht nicht, da auch Pyritkristalle im Calcit stecken.
Aber der Calzit löst sich nicht mehr???? Neue Essigsäure habe ich zugefügt, das ganze warm gestellt nix. Wie kommt das?
Gruß Arco
Titel: Re: Aussäuern Hilfe
Beitrag von: Gerdchen am 14 Dec 21, 10:23
Hallo Arco,
HCL sollte bei Pyrit keine Probleme machen.
Gruß
Gerdchen
Titel: Re: Aussäuern Hilfe
Beitrag von: Fabian99 am 14 Dec 21, 10:59
verdünnte HCl und  Pyrit sollte gehen, so in etwa 2%.

LG
Titel: Re: Aussäuern Hilfe
Beitrag von: uwe am 14 Dec 21, 11:10
Wichtig ist, daß man, wie von Fabian richtig erwähnt, behutsam vorgeht. Also, Stufe in Wasser einweichen. Dann etwas Salzsäure zugeben. Wenn die Blasenbildung aufhört, wieder etwas Salzsäure nachgießen. Das so lange, bis der Calzit verschwunden ist. Idealerweise sollte man am Ende eine Calziumcloridlösung ohne frei Salzsäure haben.

Gruß
Uwe
Titel: Re: Aussäuern Hilfe
Beitrag von: aca am 14 Dec 21, 13:14
>> Wie kommt das?

CaCO3 + 2 CH3COOH -> Ca(CH3COO)2 + CO2 + H2O
1 mol CaCO3 + 2 mol CH3COOH

Also 100g Calcit löst sich in 120g Essigsäure

Bei 20% essigessenz => 120 g / 0,2 = 600 ml
(ist nicht ganz richtig, weil ich die Dichte von Essigessenz nicht berücksichtige).

Also: 1 g CaCO3 löst sich in 6 ml 20% Essigessenz.

Dichte von Calcit: 2,7 g/cm3
0,37 cm3 lösen sich in 6 ml 20% Essigessenz.

62 cm3 CaCO3 lösen sich in 1 Liter Essigessenz 20%

Wegen der Ungenauigkeit bei der Dichte der Essigessenz sind es tatsächlich etwa 65 cm3 Calcit.
Und da die Geschwindigkeit der Reaktion von der Konzentration abhängt, hört es schnell auf zu blubbern.

Titel: Re: Aussäuern Hilfe
Beitrag von: Fabian99 am 14 Dec 21, 13:37
Manchmal ist es auch so, dass sich eine Schicht Ca-Salz-Lösung am Boden bildet. Die Erfahrung durfte ich mit CaCl2 machen. Einmal kurz gerührt und das ganze ging weiter/sprudelte über, was zum Abzug putzen führte. Allerdings war das ganze höher konzentriert.

Aufhören sollte es bei pH 4.3 als Grenzwert, meine ich.

LG
Titel: Re: Aussäuern Hilfe
Beitrag von: futzi am 14 Dec 21, 14:32
Danke für die Antworten. Mit HCL habe ich sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Hat bei meinen schönen Funden aus Grua/ Norwegen
die Pyritte weggebruzelt :(

Gruß
Arco
Titel: Re: Aussäuern Hilfe
Beitrag von: harzgeist am 14 Dec 21, 16:09
Pyrit wird von HCl, auch konzentriert, NICHT angegriffen !!! Manche andere Sulfide allerdings schon: PbS, ZnS ...
Titel: Re: Aussäuern Hilfe
Beitrag von: wolfi am 14 Dec 21, 16:26
Servus,
genau. Dann wars auch kein Pyrit.
Servus + Glück auf
Wolfi
Titel: Re: Aussäuern Hilfe
Beitrag von: Gepro am 14 Dec 21, 16:47
Pyrit wird von HCl, auch konzentriert, angegriffen !!! Manche andere Sulfide allerdings auch: PbS, ZnS ...

MfG
Gepro
Titel: Re: Aussäuern Hilfe
Beitrag von: Fabian99 am 14 Dec 21, 17:06
Pyrit wird von HCl, auch konzentriert, NICHT angegriffen !!! Manche andere Sulfide allerdings schon: PbS, ZnS ...

Hallo,

er wird zwar nicht aufgelöst, aber deutlich matt bzw. die Farbe ändert sich.

LG
Titel: Re: Aussäuern Hilfe
Beitrag von: Gepro am 14 Dec 21, 17:15
Bitte mal anschauen!

https://de.wikipedia.org/wiki/Eisen(II)-disulfid

MFG
Gepro
Titel: Re: Aussäuern Hilfe
Beitrag von: Axinit am 14 Dec 21, 17:50
Servus,

es ist richtig, dass pulverfoermiges Eisen(II)sulfid von  Mineralsaeuren wie Salzsaeure unter Bildung von gasfoermigem Schwefelwasserstoff zu Eisen(II)chlorid zersetzt wird.

Dies war in den Chemiekaesten der Firma KOSMOS ein beliebter Versuch fuer  angehende Hobby-Chemiker  ;D.

Im Allgemeinen gilt, dass chemische Reaktionen mit fein gepulverten Reaktanden viel schneller ablaufen als mit grossen Stuecken derselben Substanz. Das Verhaeltnis Oberflaeche zu Volumen spielt eine wichtige Rolle.

Ich haette spontan auch gesagt, dass  Pyrit in grossen Kristallen gegen verduennte Saeuren bestaendig sein sollte  - verallgemeinern laesst sich das jedoch nicht.

GA

Harald

Titel: Re: Aussäuern Hilfe
Beitrag von: harzgeist am 14 Dec 21, 18:49
Beim Eisen(ll)sulfid aus dem Chemie-Experimentierkasten handelt es sich um das 'einfache' Sulfid, das man leicht durch Zusammenschmelzen von Eisenspänen mit Schwefel erhalten kann und im Labor zur Darstellung von H2S (Zersetzung mit Säure) verwendet werden kann. Als Mineral entspricht das einfache Sulfid dem Pyrrhotin, der erwartungsgemäß auch von (stärker) HCl angegriffen wird.
Im Gegensatz dazu ist PYRIT EisenDIsulfid FsS2 und wird nach meiner Erfahrung auch in feiner Verteilung von HCl (bei Raumtemperatur) NICHT angegriffen.
Titel: Re: Aussäuern Hilfe
Beitrag von: Axinit am 14 Dec 21, 20:59
Servus,

beim Erhitzen von Eisenpulver und Schwefel in stoechiometrischen Mengen entsteht FeS - korrekt.

Was der angehende Hobby-Chemiker (ohne Waage und Rechnen) produziert, wollen wir einmal dahingestellt lassen, da FeS + S auch FeS2 gibt.

Wir verwenden oft basische Loesungen von Mohr's Salz um damit Schwefelwasserstoff zu binden. Dabei entsteht - dies ist eindeutig nachgewiesen - PYRIT - als schwarzer Niederschlag in Form von Nanopartikeln. Dieser Niederschlag ist dem Pyrit sehr aehnlich, der von als Exhalation von  "black smokers" am Meeresgrund produziert wird.

Dieses Material ist definitiv in verduennter (5 M) HCl loeslich.

Wie immer ist Vieles moeglich, auch wenn Manches wenig wahrscheinlich erscheint.

GA

Harald
Titel: Re: Aussäuern Hilfe
Beitrag von: cmd.powell am 14 Dec 21, 23:05
Moin

Auch nach meiner Erfahrung wird Pyrit nicht signifikant von verdünnter Salzsäure angegriffen. Es gibt aber den Effekt, das oberflächlich leicht korrodierte Pyritkristalle, bei denen nahezu unsichtbar eine dünne Eisenoxidschicht auf der eigentlichen Pyritoberfläche sitzt, durch die Behandlung mit (verdünnter) Salzsäure matt werden. Das liegt dann daran, das sich die Eisenoxidschicht auflöst und die leicht korrodierte Pyritoberfläche zum Vorschein kommt. Die ist naturgemäß rau und zeigt nicht mehr den anfänglichen Glanz. Diesen Effekt kann man recht häufig bei Pyrit und auch Markasit auch Tonmergel beobachten (gibt es hier rund um Hannover reichlich). Salzsäure ist hierbei leider auch ziemlich konsequent, was das Lösen der Eisenoxidschicht betrifft. Mit Essig oder Essigessenz kann man glück haben und die Oxidschicht überlebt den Ätzvorgang.
Ob eine solche Oxidschicht vorliegt, lässt sich manchmal ohne Hilfsmittel oder Vergleichsproben nur schwer sagen, da die Farbe des Pyrites nur langsam von typisch goldgelb in ein rotgelb übergeht. Nur wenn die Oxidschicht dicker wird sehen die Pyrite auch wirklich rostrot aus. Allerdings ist es auch so, das ganz dünne Oxidschichten die Pyritoberfläche nur sehr wenig verändert haben. Hier muss man einfach mal etwas rumprobieren und schauen, ob man mit den erzielten Ergebnissen zufrieden ist. Am Besten mit wertlosen Abfallstücken. Das sollte man sich ohnehin angewöhnen erstmal mit wertlosen Abfallstücken rumzuprobieren, wenn man mit chemischen Mitteln an die Funde geht.
Titel: Re: Aussäuern Hilfe
Beitrag von: ruebezahl am 17 Dec 21, 00:02
Neue Essigsäure habe ich zugefügt, das ganze warm gestellt nix. Wie kommt das?
Gruß Arco
Titel: Re: Aussäuern Hilfe
Beitrag von: ruebezahl am 17 Dec 21, 00:22
Hallo und sorry für den missglückten Erspost,

Du solltest das Essigbad neu ansetzen, ggf. auch wiederholt. Essigsäure in hoher Konzentration ist nur gering dissoziiert (wenig H3O+ Aktivität). Wenn Du immer nur Essenz zugibst, ergibt sich kaum noch zusätzliche Säureaktivität. Außerdem ist das Bad irgenwann insgesamt mit Ca2+  und CH3COO-  und CH3COOH gesättigt. Da geht dann nichts mehr.

Glück auf
ruebezahl
Titel: Re: Aussäuern Hilfe
Beitrag von: futzi am 17 Dec 21, 07:28
Noch Mal vielen Dank für die antworten.
Viel gelernt! Ich mach mal Fotos wenn ich fertig bin.
Arco
Titel: Re: Aussäuern Hilfe
Beitrag von: ruebezahl am 17 Dec 21, 13:30
Hallo,

als Ergänzung zum Thema Essigsäure:

man sollte auch nicht zu hoch konzentrierte Bäder ansetzen, sondern auf optimale Säureaktivität abzielen. Die liegt im Bereich um 10%. Das Bad muss wässrig genug sein, um die Ca-Ionen zu lösen.

Zum Thema HCl und Pyrit:

Der Idealpyrit ist gegen verdünnte wässrige HCl sicher stabil. In der Realmineralogie ist es aber eine gute Praxis, von allen zielfuehrenden Möglichkeiten die mildeste zu wählen, denke ich.

Glück Auf
Rübezahl

Ach so, derThread wäre besser in Reinigen etc gestellt ...
Titel: Re: Aussäuern Hilfe
Beitrag von: oliverOliver am 17 Dec 21, 16:29
Zitat
Ach so, der Thread wäre besser in Reinigen etc gestellt ...

danke für den Hinweis - ich verschiebs!  :)
Titel: Re: Aussäuern Hilfe
Beitrag von: cmd.powell am 21 Jan 22, 00:07
Moin Zusammen

Eine Sache möchte ich im Zusammenhang mit dem Aussäuren von Pyrit und insbesondere Markasit noch anmerken: Es ist überaus wichtig, die fertig ausgesäuerten Stücke gründlichst zu wässern, am Besten mit verdünnter (~ 1%) Ammoniaklösung! Der Hintergrund ist folgender: Durch das Aussäuern kann Pyrit und insbesondere Markasit "aktiviert" werden, d.h. durch Kontakt mit Luft und Feuchtigkeit verwittern (die gefürchteten Ausblühungen von Fe-Salzen und im schlimmsten Falle die vollständige Zerstörung der Stufe). Ich habe hierzu gerade im letzten Jahr einige Experimente gemacht und festgestellt, das anfangs über viele Jahre stabile Markasite (und untergeordnet auch Pyrite) nach einer Behandlung mit verdünnter Salzsäure trotz gründlichem Wässern anfangen zu zerfallen. Nur eine Behandlung mit verdünnter Ammoniaklösung "stabilisiert" die Markasite wieder, wobei ich stabilisiert unter Vorbehalt sage, da hier der Beobachtungszeitraum lediglich einige Monate abdeckt. Idealerweise werden ausgesäuerte Markasite und Pyrite über mindestens 4 Wochen in verdünnter Ammoniaklösung durchneutralisiert und danach getrocknet. Wenn sie vollständig getrocknet sind, sollten sie mit einer Ponal/Wassermischung 1:3, bitte den wasserfesten Ponal verwenden, vacuumimprägniert werden. Vor dem vollständigen Trocknen kann oberflächliches Ponal mit wenig Wasser abgespült werden,  dadurch wird der original Oberflächenglanz vom Markasit oder Pyrit erhalten. Wichtig ist, das dass Ponal in den Ritzen und Spalten ist. So behandelte Stücke sind zum Teil schon seit über 10 Jahren stabil in meiner Sammlung.
Titel: Re: Aussäuern Hilfe
Beitrag von: Tycho88 am 22 Jan 22, 13:04
Hi Markus,

>>mindestens 4 Wochen in in verdünnter Ammoniaklösung durchneutralisiert <<

die Ammoniaklsg von Zeit zu Zeit aber auch wechseln, oder ??

Gruß Chris