Mineralienatlas - Fossilienatlas
Bergbau und Verhüttung / Mining and Smelting / Minería y Fundición => Zeugen des Bergbaus / evidence of mining => Thema gestartet von: palpatine am 07 May 22, 09:36
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Servus liebe Mineralienfreunde,
habe folgenden Bericht gefunden
https://www.br.de/nachrichten/bayern/bergbau-spaetfolgen-wie-durchloechert-ist-bayern,T53Ko4m
Schönes Wochende
Marcel
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Daher kommt der Spruch Glück auf :D
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hallo Jule,
"Glück Auf" ist kein "Spruch", sondern ein Gruß, bzw. ein ernst gemeinter "Glück-Wunsch" im eigentlichen Sinn -
niemand will ja freiwillig ewig unter Tage bleiben. Aber seit Anbeginn des Bergbaus (schon im Paläolithikum auf Hornstein und Farbstoffe, intensiv dann im Neoithikum, und seit dem Jungneolithikum auch auf Kupfer) hatten viele Kumpel eben nicht das Glück, wieder nach ober Tage zurückkehren zu können - daher wünscht man sich gegenseitig, "glücklich wieder hinaufkommen" zu können - verkürzt eben "Glück Auf".
Und Glück hat es dazu immer gebraucht, und braucht es auch heute noch, wie ja das erst wenige Tage zurückliegende Unglück im polnischen Kohleabbau wieder gezeigt hat (und in Kolumbien, und und und ....)
Und im übertragenen bzw. leicht abgewandelten Sinn gilt das natürlich auch für Tagebaue - die Arbeit an den Abbauwänden ist ja auch nicht gerade ungefährlich (und oft genug tödlich), und auch wenn das "Loch" so groß ist, dass die Sonne reinscheint, befindet man sich da ja trotzdem oft mehrere Zehner- oder gar Hunderter-Meter unter der ursprünglichen Oberfläche ....
lg + GA
oliver
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Das war ein Wortspiel. Ich kenne das aber so, dass es regionale Unterschiede in der Bedeutung und Herkunft gibt und mit Glück auf im Erzegbirge gemeint sein soll, dass sich ein Gang auf tut. Im Kohlebergbau dagegen hatte es die Bedeutung, dass man heil wieder nach oben kommt.
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hallo Jule,
interessante Variante, das mit dem "Gang auftun" - ganz glauben kann ich das aber nicht, und wenn, dann war das wohl nur in einer sekundären, stark abgewandelten (bis sinnentfremdeten) Form so in Verwendung.
lg + GA
oliver
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Glück Auf!
Ich stimme Jule zu. Und mir sind beide Bedeutungen gleichermaßen bekannt, sowohl die Hoffnung, dass sich reiche Erzgänge öffnen, als auch dass jeder Bergmann wohlbehalten wieder ausfährt. Und da der Bergmannsgruß nach derzeitigem Kenntnisstand seine Schöpfung im Erzgebirge hat, wäre es wohl angebracht, dort auch die Deutungshoheit über die ursprüngliche Bedeutung anzusiedeln. Der Bergmannsgruß "Glück Auf!" wurde in einer Zeit kreiert, als Erkundung nur auf ein oberflächliches Muten beschränkt war. Entsprechend war Bergbau mit enormer Unsicherheit verbunden und etliche Bergwerke waren nach heutigen Maßstäben reine spekulative Unternehmungen. Man hat sehr wohl jeden deutbaren Anhaltspunkt aus Landschaftsrelief und Erscheinungsbild der Gänge genutzt, um Analogien zu finden und daraus Prognosen und Hoffnung geschöpft. Nicht aus lauter Zweifel wurden kilometerlange Strecken auf tauben Gängen aufgefahren, sondern getreiben von der Hoffnung auf das Glück, ein Gangkreuz zu treffen, dass recht oft reiche Erzfälle bereithält. Beispiele über Glück und Scheitern im Angesicht des Unbekannten gibt es sehr sehr viele im Bergbau. Daraus leitet sich auch ein weiterer, weit verbreiteter Bergmannsspruch ab: "Vor der Hacke ist es duster". Und wer außer den Bergleuten sollte das nicht besser nachvollziehen können als Mineralien- und Fossiliensucher.
Mit freundlichen Grüßen
Das Felsenmammut
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Und dann gibt es noch die Redewendung "vor die Hunte gehen", was der Laie auch nicht kennt und ständig mit "vor die Hunde gehen" umdeutet, wenn es jemanden dreckig geht.
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hallo Jule und Max,
danke für die Erläuterungen - ich dachte bisher, dass der Wunsch "dass jeder Bergmann wohlbehalten wieder ausfährt" die ursprüngliche Bedeutung gewesen wäre.
(aber ich bin ja auch weit weg vom Erzgebirge zuhause ;))
lg+ga
oliver
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Hallo.
Ob allerdings das vor die Hunde gehen mit dem Bergbau was zu tun hat ist zumindest für mich sehr fragwürdig .
Da kann man viel interpretieren .
Loismin
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Es heißt vor die Hunte gehen und nicht Hunde ;) Mit Hunden hat des gar nüscht zu tun. Des is ja des.
Die Redewendung „Vor die Hunte gehen“ leitet sich davon ab, wenn in alten Zeiten ein Bergmann schlecht gearbeitet hatte, musste er zur Strafe die Hunte ziehen; so kam jeder, den das Erdenglück verlassen hatte, „vor die Hunte“.
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Die Redewendung „Vor die Hunte gehen“ leitet sich davon ab, wenn in alten Zeiten ein Bergmann schlecht gearbeitet hatte, musste er zur Strafe die Hunte ziehen; so kam jeder, den das Erdenglück verlassen hatte, „vor die Hunte“.
Hallo Jule,
gibt es einen Beleg für diese Interpretation ?
Jörg N.
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Möglichkeit Bergmannssprache
https://www.mz.de/lokal/zeitz/herkunft-vor-die-hunte-gehen-3072103
https://dewiki.de/Lexikon/Hunt
Möglichkeit Jägersprache
https://www.redensarten-index.de/suche.php?suchbegriff=vor+die+Hunde+gehen&bool=relevanz&sp0=rart_ou
EDIT: Interessant ist auch dieser EIntrag:
https://dict.leo.org/forum/viewGeneraldiscussion.php?idForum=18&idThread=720479&lp=ende&lang=de
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wobei im letzten Link "Luder" eindeutig falsch erklärt ist - aber das ist hier ja OT.
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Ja..... mei.
Das sind plausible und mögliche Erklärungen, vielleicht hat ja ein Sprichwort mehr als nur einen Ursprung. Aber was nun stimmt ? Keine Ahnung. Jedenfalls gibt es Hinweise auf verschiedene Herkunftsdeutungen....
Gruß, Martin
P.S. Bemerkenswert finde ich in dem Kontext das häufige Auftreten von Wörtern wie "vielleicht", "möglicherweise", "könnte" etc....
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Nachtrag:
"...Sicher ist dagegen die Herkunft des Ausspruchs 'Vor die Hunde gehen'. Denn in früheren Zeiten galt es als Strafe, wenn man 'vor die Hunte gehen musste...." aus Petra Cnyrim 2017 "Das Buch der leider vergessenen Wörter" riva Verlag München.
Ebenso in: Thomas Hollweck: "Die Geheimnisse hinter unseren Redewendungen" , 2017 (2. Auflage) Books on demand, Norderstedt
Alles leider ohne weitere Referenzen.
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gut!
Aber nachdems in der Diskussion v.a. um Redewendungen/Grußformen mit Bergbau-Ursprung geht, verschieb ichs mal von den Medienberichten zum Bergbau (da passt ja der Start-Beitrag auch bestens hin)
ga
o
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Es gibt beide Redewendungen und Schreibweisen.
Die Hunte aus der Bergmannssprache und die Hunde aus dem Jägerjargon.
https://www.mundmische.de/bedeutung/26866-vor_die_Hunde_gehen
https://www.mz.de/lokal/zeitz/herkunft-vor-die-hunte-gehen-3072103
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wobei ja der "Hunt" meines Wissens nach ursprünglich auch ein "Hund" war (weil eben solche zum Ziehen desselben eingesetzt wurden)