Mineralienatlas - Fossilienatlas

Mineralien / Minerals / Minerales => Allg. Diskussionen Mineralien / General discussions minerals => Thema gestartet von: Collector am 08 Aug 05, 13:53

Titel: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: Collector am 08 Aug 05, 13:53
weiß jemand eine fachliche Erklärung, wie das Wasser in bestimmte Quarze oder Achate reinkommt ? Bzw. - wie enstehen Enhydros ?

collector
Titel: Re: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: Krizu am 08 Aug 05, 14:13
Vielleicht anders rum:
Warum ist das Wasser meist draussen? Werden die nicht hydrothermal, also aus der wässerigen Lösung abgeschieden?

MFG

Frank
Titel: Re: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: uwe am 09 Aug 05, 08:48
Bei Druck und Temperatur, bei denen SiO2 aus der hydrothermalen Lösung auskristallisiert, ist Wasser noch gasförmig. 

Uwe
Titel: Re: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: Krizu am 09 Aug 05, 08:52
Hallo,

ich hätte jetzt auf überkritisch gesetzt. Ist nicht genau das Gleiche wie gasförmig. Ich kenne die Quarzkristallisation bei knapp 500°C mit (imho) einigen 100bar, oder?

MfG

Frank
Titel: Re: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: Peter Haas am 09 Aug 05, 12:06
Die kritische Temperatur von Wasser liegt bei etwas über 80 °C, der kritische Druck bei etwa 200 bar. Ein Stoff ist nur dann überkritisch, wenn sowohl sein kritischer Druck, als auch seine kritische Temperatur überschritten sind. Wird nur der kritische Druck überschritten, liegt eine Flüssigkeit vor, im Bereich unterhalb des kritischen Drucks und oberhalb der kritischen Temperatur ein Gas. Schon aus diesem Grund können Wassereinschlüsse in Mineralien bei Raumtemperatur nicht überkritisch sein.

Überkritisches Wasser ist ein extrem aggressives Medium. Bei Arbeiten über chemische Reaktionen in überkritischem Wasser (interessant z.B. für die Entsorgung hochgiftiger organisch-chemischer Abfälle - daran forscht z.B. das US-Militär !!) an der Universität Karlsruhe in den späten 80er Jahren hielten nur Reaktoren aus Nickel den Bedingungen über eine gewisse Zeit hinweg stand. Quarzglas dagegen wird angegriffen: das Material versprödet lokal und bricht dann (zum Mechanismus vgl. B.C. Bunker et al.: Surf. Sci. 222:95-118, 1986). Das gleiche dürfte einem natürlichen Quarzkristall erst recht passieren.
Titel: Re: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: berthold am 09 Aug 05, 12:16
Hallo,

Zitat
Bei Druck und Temperatur, bei denen SiO2 aus der hydrothermalen Lösung auskristallisiert, ist Wasser noch gasförmig

falsch, hydrothermale Lösungen sind Flüssigkeiten, das alles geht auch bei viel geringeren Temperaturen und Drücken.

Gruß

Berthold
Titel: Re: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: Krizu am 09 Aug 05, 13:57
Hallo,

typische technische Hydrothermalsynthesen werden im Bereich bis ca 700°C und über 500MPa = 5E8 Pa = 5000bar durchgeführt. Versuchsdauern liegen da im Bereich etlicher Tage.

Technische Quarze lupenreiner Qualität werden unterhalb des Phasenübergangs bei ca 570°C gezüchtet. Da der Phasenübergang druckabhängig ist kann die Temperatur, je nach Füllung der "Bombe" erhöht, auch leicht erhöht werden. Der Unterschied liegt vermutlich in der Sättigung der Lösung. Ich kenne aber die Arbeit nciht, hast Du die gerade als PDF rumliegen  ;D

Mit der Aggressivität des Mediums hast Du recht! Deshalb werden auch meistens Edelmetall-Einlagen in die "Bombe" eingepasst. Wenn Du einen geschlossenen Körper zu z.B. 80% mit Wasser füllst und erhitzt, kommst du sehr schnell über die kritischen Bedingungen. Wobei dir kritische Temperatur von Wasser bei knapp 650K ungefähr 380°C liegt.

Aber nehmen wir doch mal einen mit Wasser und einigen Alkalien gefüllten Hohlraum im Gestein. Es ist heiss (>400°C) und tief im Berg (>220bar). Das aggressive überkritische Wasser löst die SiO2-Umgebung auf. Kommt der Hohlraum in den Bereich der Normalbedingungen, kristallisiert erstmal jede Menge aus und das Wasser bleibt als Wasser über. Oder liege ich da falsch? Gefüllte Achatmandeln kann ich so nicht erklären, aber da wäre auch beim Übergang überkritisch zu "normal" der Umschlag von konzentrischer Struktur zu Streifen erklärbar.

MfG

Frank

Titel: Re: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: Collector am 09 Aug 05, 15:25
Hallo

 bis hierher - recht interessant und wieder was Neues zu überkritischem Wasser und Hydrothermalsynthesen.

Aber - wie kommt denn nun wirklich das Wasser in den Quarz oder in den Achat  ?

gruß und danke
collector
Titel: Re: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: Krizu am 09 Aug 05, 16:39
Aber - wie kommt denn nun wirklich das Wasser in den Quarz oder in den Achat  ?

Einfach gesagt:
Meiner Meinung nach ist es immer da, bewirkt das Wachstum und in den meisten Fällen verschwindet es bevor wir das Stück finden.

Oder reden wir aneinander vorbei?

MfG

Frank
Titel: Re: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: aca am 12 Aug 05, 01:43
Hallo,

alle Enhydros trocknen auf Dauer langsam aus, denn Achat ist mehr oder weniger porös
(deshalb kann man ihn ja auch färben)
Wasser war in allen Achaten "drin".
Das Wasser haben die anderen Achate einfach schon "verloren", bevor man sie fand.
Enhydros sind vielleicht nur aus relativ dichtem Chalcedon aufgebaut.

...und natürlich noch was zu Überkritsch etc. weil's so interessant ist ;-)

380C als kritische Temperatur gilt für reines Wasser.
Meines Wissens liegt die Temperatur bei Salzen in der Lösung höher.
Sonst wären das doch pneumatolytische Bildungsbedingungen.
Denn bei überkritischen Bedingungen ist Wasser doch ein Gas.

Oder??

700C erscheinen mir ziemlich hoch - waren das vielleicht 700Kelvin?
Ich hatte Autoklaven-Temperaturen von 300-600C in Erinnerung.

Amir
Titel: Re: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: Peter Haas am 13 Aug 05, 14:30
Denn bei überkritischen Bedingungen ist Wasser doch ein Gas.

Oder??

Nein, denn überkritisches Wasser ist überkritisch. Das ist ein eigener Aggregatzustand.
Titel: Re: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: berthold am 13 Aug 05, 16:29
Hallo,

ich denke, künstliche Quarzkristalle (Turmalin u.a.m) werden hydrothermal (also nicht überkritisch) gezüchtet so bei 350 - 390°C und ein Druck von 120MPa. Oder liege ich da falsch?

Gruß

Berthold
Titel: Re: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: aca am 13 Aug 05, 21:55

Nein, denn überkritisches Wasser ist überkritisch. Das ist ein eigener Aggregatzustand.

Hauptsache, es ist nicht mehr nass ;-)

Aber Spass bei Fuss.
Ich wollte es natürlich erst nicht glauben, aber "überkritisch" wird
anscheinend tatsächlich als eigener Aggregat-Zustand betrachtet.

Wobei mir noch nicht so ganz klar ist, ob man nur wegen dem
Phasendiagramm den Begriff wählt oder weil es (und ob es wirklich)
fundamental andere Eigenschaften gibt.

Jedenfalls ist meine sich zwischenzeitlich einstellende Verwirrung wegen
des Übergangs von hydrothermal zu pneumatolytisch jetzt weg
(fliessender Übergang ist nicht, überkritisch ist nicht nass).


Mein Gott, was ein Geschwafel.
Wollte mal jemand was wegen Enhydros wissen?

Ich hätte in dem Zusammenhang mal ne ganz andere Frage...
Da mache ich aber lieber einen eigenen Thread zu auf...
 
Amir

Titel: Re: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: Collector am 14 Aug 05, 07:23
@aca

danke, richtig.

Ich wollte eigentlich nur wissen, wie Wasser in Quarze und Achate reinkommt, bzw. wie Enhydros enstehen.
Oder, noch simpler: Was ware zuerst da: Das Wasser oder der Kristall / Achat ?

(resp. in diesem Zusammenhang wissen, ob : )

- Enhydros sowohl Quarze als auch Achate mit Wassereinschlüssen sind oder
-Man sowohl Quarze als auch Achate mit Wassereinschluß grundsätzlich Enhydros nennt ( nennen kann )

@Peter Haas

Überkritisch als Aggregatzustand - ist für mich auch neu.

Bisher wurden ja die Aggregatzustände wie folgt eingeteilt:

a) Klassisch

Fest - Flüssig - Gasförmig

b) Nichtklassische Aggregatzustände

-Plasma
-Vakuum ( ?) (unterschiedliche Auffassung ? )
-Bose-Einstein-Kondensat (BEC).

Wie passt da überkritisch rein ?

gruß
collector
Titel: Re: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: aca am 14 Aug 05, 14:09

Hallo Collector,

Oder, noch simpler: Was ware zuerst da: Das Wasser oder der Kristall / Achat ?

Wohl beim Katechismusuntericht geschwänzt?
"...und der Geist schwebte über dem Wasser"
oder so ähnlich ...

Ich würde dazu neigen, nur Achate als Enhydros zu bezeichnen und
nur das Wasser in Quarzen als eigentlichen Einschluss.
Das ist glaube ich auch die gängige Nomenklatur.

Man kann das vom Achat umschlossene Wasser auch nicht mit dem
in Quarz- oder sonstigen Kristallen eingeschlossenen vergleichen.
Das ist eher wie das Wasser, dass man gelegentlich auch in Kristalldrusen findet.
In dem Sinne ist ein Achat eher ein Gestein als ein Mineral
(jetzt gibt's gleich richtig Prügel...)
Homogen ausgebildeten Chalcedonen würde ich den "vollen Mineral-Status"
übrigens noch zugestehen wollen.
Wahrscheinlich hätte ich dazu besser nichts gesagt ;-)
Bin sowieso wieder vom Thema abgewichen. Sorry...

Gruß
Amir

Titel: Re: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: berthold am 14 Aug 05, 14:29
Hallo,

@collector

Zitat
Überkritisch als Aggregatzustand - ist für mich auch neu.

Bisher wurden ja die Aggregatzustände wie folgt eingeteilt:

a) Klassisch

Fest - Flüssig - Gasförmig

so betrachtet ist der kritische Punkt einer Substanz die Temperaturschwelle, an der auch -bei noch so viel Druck- kein flüssiger Aggregatzustand mehr möglich ist. "Überkritisch" ist immer gasförmig. Ich würde also von überkritischem Zustand nicht von "überkritischen Aggregatzustand" sprechen.

Gruß

Berthold

Titel: Re: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: Krizu am 23 Aug 05, 09:57

380C als kritische Temperatur gilt für reines Wasser.
Meines Wissens liegt die Temperatur bei Salzen in der Lösung höher.
Sonst wären das doch pneumatolytische Bildungsbedingungen.
Denn bei überkritischen Bedingungen ist Wasser doch ein Gas.

Oder??

700C erscheinen mir ziemlich hoch - waren das vielleicht 700Kelvin?
Ich hatte Autoklaven-Temperaturen von 300-600C in Erinnerung.

Beim Quarz etc gehst Du wg. des Phasenübergangs kaum höher. 700°C stellt eher die obere Grenze dar. Ob jetzt überkritisch einfach "nur" gasförmig ist ??? In der Uni gab es eine Hochdruckzelle mit Optik dafür. Bis zum kritischen Punkt sah man Gas/Dampf und Wasser. Dann war der Grauwert eher dazwischen,  wenn ich mich an die Vorlesung 1989 richtig erinnere.

MfG

Frank


Titel: Re: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: Martin am 29 Oct 05, 21:34
Wie kommt das Wasser nun wirklich in die Drusen. Ich habe von einem Geologen folgenden Erklärungsversuch gehört:
Wenn Drusen im Zuge von Sedimentverschiebungen in wasserführende, druckbeaufschlagte Schichten geraten und dort lange Zeit verbleiben, wird das O2 in den Hohlraum gepresst.
Was haltet Ihr von dieser Version?

Martin
Titel: Re: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: Martin am 09 Nov 05, 20:20
Das Thema interessiert mich immer noch. Gibt es niemanden, der zu dem dargestellten Lösungsansatz eine Meinung hat?  :-[
Titel: Re: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: Martin am 09 Nov 05, 20:29
Mich interessiert das Thema immer noch. Hat niemand zu der angerissenen Theorie eine Meinung?

Martin
Titel: Re: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: Krizu am 09 Nov 05, 21:23
Hallo,

erscheint mir etwas kompliziert:
- die Druse entsteht mit Wasser (Hydrothermal)
- das Wasser geht weg
- Das Wasser wird reingedrückt
- das Wasser bleibt drin
- Dir Druse wird gefunden

 ???

MfG

Frank
Titel: Re: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: Bernd G am 10 Nov 05, 07:56
ist es eigentlich immer so , das im allen (achaten, quarzen usw. ) wo wasser eingeschlossen  ist auch luft oder gasblasen drin sind ?
ist das wasser schon mal auf seine  zusammensetzung untersucht wurden ?


Titel: Re: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: Krizu am 10 Nov 05, 09:03
Hallo Bernd,

das muesste eigentlich so sein. Bei den Temperaturen der hydrothermalen Bildung würde ohne Luft/Dampf was-immer der Druck viel zu hoch. Bei der technischen Hydrothermalsynthese ist der Füllgrad der Parameter für den Druck bei einer Temperatur.

Bei den Wasserblasen waere eine Isotopenanalyse interessant  :o Mit "normalen" Methoden erwarte ich da nichts.

Mfg

Frank
Titel: Re: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: berthold am 10 Nov 05, 10:16
Hallo,

da hat man schon fleißig geforscht. Zweiphasige (flüssig/gasförmige) Einschlüsse erlauben z.B. Rückschlüsse auf die Bildungstemperatur (vereinfacht dargestellt: Stück mit zweiphasigem Einschluss erwärmen bis die Gasblase verschwindet, das ist dann die Bildungstemperatur). Die Untersuchung der eingeschlossenen Flüssigkeiten und Gase (es muss nicht Wasser und Luft sein, das ist sogar die Ausnahme) ist für die Erforschung der Lagerstätten-Genese sehr wichtig. Flüssigkeitseinschlüsse kommen übrigens auch in anderen Mineralien (z.B. Fluorit) vor.

Gruß

Berthold
Titel: Re: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: giantcrystal am 10 Nov 05, 10:33
Die bisherigen Erklärungsansätze zu diesem Thema sind mir als Geologe zu kompliziert, bzw, zu konstruiert.

Es fehlt dabei ein ganz wesentlicher Gedanke : die Zeit.

Die Natur hat nahezu unendliche Zeiträume, um Mineralien und somit auch Achate zu bilden. Man sollte also nicht von den Verhältnissen in technischen Prozessen ausgehen, die dazu angelegt sind, möglichst schnell (und wirtschaftlich) Quarze zu züchten.

Überkritische Phasen - sollten sie denn in der Natur jemals auftreten - sind somit als Erklärungsmodell meiner Meinung nach wenig hilfreich. Im übrigen spricht auch wenig für solche aggresiven Vorgänge, da Achatmandeln fast immer schön rund geformt sind und an den Rändern keine Spuren agressiver Lösungsvorgänge aufweisen. Die Achate zeichnen dabei meist geradezu mustergültig die Form der ursprünglich vorhandenen Gasblasen im Vulkangestein nach.

Nimmt man also viel Zeit und mässig temperierte Lösungen (um 100 Grad, eventuell auch noch weniger : sollten sie höher sein, sollte man eigentlich die Abscheidung von Sulfidmineralien in Achaten erwarten können, was aber nicht der Fall ist) sowie relativ wenig Druck (Vulkangesteine bilden sich stets nahe der Oberfläche !) so ergibt sich ein relativ einfaches Szenario :

Das soeben oder vor kurzer Zeit entstandene Vulkangestein (Melaphyr, Basalt, Rhyolith etc.) mit seinen zahlreichen Gasblasen - Hohlräumen wird über lange Zeiträume von kieselsäurereichen Wässern durchströmt. Hierbei scheiden sich an den Rändern der Hohlräume relativ gleichmässig Kieselgele ab, wobei sich der Chemismus der zirkulierenden Lösungen immer mal wieder leicht ändert und so zur Bänderung der Kieselgele = späteren Achate führt. Dieser Vorgang setzt sich solange fort, bis

a)entweder die gesamte Gasblase mit allmählich kryptokristallin verfestigten Kieselgel = Achatsubstanz erfüllt ist

b) oder sich der Chemismus der Lösungen so ändert, das größere Quarzkristalle entstehen (Bergkristall, Amethyst etc) entstehen und der Zentralhohlraum frei = gleich mit Restlösung erfüllt bleibt. Eventuell kann es hier auch noch zur Abscheidung weiterer Mineralien wie Calcit, Baryt und anderer kommen.

c) oder sich keine derartigen Kristallisate mehr bilden und der Hohlraum einfach wassererfüllt frei bleibt.


Nun passiert nicht mehr sehr viel...Zeit vergeht und die Umgebung kühlt weiter ab. Jedes Gestein ist mehr oder minder porös und so verschwindet über längere Zeiträume hinweg meist das Restwasser aus dem zentralen Hohlraum des Achates. In wenigen, günstigen Fällen bleibt es als Enhydros erhalten.


Alles wenig aufregend, wenn man lange Zeiträume in der Größenordnung von 100.000 Jahren oder mehr in Betracht zieht. Und solche Zeiträume sind für die Natur überhaupt kein Problem


Glück Auf

Thomas
Titel: Re: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: Krizu am 11 Nov 05, 14:22
Hallo,

ich gebe Dir recht: Die Zeit ist ein Faktor und die Quarzsynthese ist nicht gleich der natürlichen Bildung!

Jetzt kommt das ABER:  8)
- Wieso gigt es dann Hochtemperaturquarze, wenn es kalt in der Lösung zu geht?
- Warum kann eine aggressive Lösung keinen runden Hohlraum fressen? Gerade der hat die minimale Oberfläche!
- Bei geringen Temperaturen liegt die Löslichkeit von Quarz im Bereich von vielleicht 100mg/l. Dann könnte ohne Stoffaustausch (Nährlösung) mit der Umgebung nicht mehr als 0.001% des Hohlraums gefüllt werden.

 ???

MfG

Frank
(geologischer Laie!)
Titel: Re: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: giantcrystal am 11 Nov 05, 15:33
@ Krizu :

- Hochtemperaturquarze gibt es selbstverständlich in der Natur. In hochhydrothermalen Systemen, aber meines Wissens nicht in Achatdrusen.

-  Natürlich könnte eine solch agressive Lösung einen runden Hohlraum fressen. Aber es ist zu vermuten, das dieser Hohlraum eher länglich geformt ist, etwa so wie Kolke im verkarsteten Kalkstein (die ja auch durch agressive Wässer entstanden sin). Die Achatmandeln sind aber eben genau das : rund bis mandelförmig

- die dritte Frage / Schlußfolgerung verstehe ich nicht ganz. 100 mg/l = 0,1 g/l ist ja schon ganz schön viel Kieselsäure, die sich in Lösung befinden. Für meinen Geschmack würde ich die Löslichkeit von Quarz in sagen wir 80 Grad warmen Wasser um einiges niedriger ansetzen, aber bleiben wir ruhig bei dieser Zahl.

Das hieße also, das in einem Kubikmeter = 1000 Liter davon 100 g reine Kieselsäure enthalten sind. Das reicht locker, um eine kleine Achatdruse komplett auszufüllen ! Bei den angenommenen langen Zeiträumen und weiträumig durch das Gestein migrierenden Lösungen also gar kein Problem, sehr viel kolloidale Kieselsäure = späterer Achat abzuscheiden.

Glück Auf

Thomas
Titel: Re: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: Krizu am 11 Nov 05, 16:30
Hallo,

der Silikatanteil liegt im Allgemeinen bei neutralen Lösungen um einen Faktor 10 tiefer, kann aber in basischen Lösungen stark ansteigen.

Im Kalk hast Du eine Vorzugsrichtung und einen reinen Abtrag. Das Wasser sucht sich auch den Weg der Risse/Schichtung. Das ist meines Erachtens in Basalten so nicht gegeben. Anders herum: sind Gasblasen nicht oftmals länglich  ;) durch die Strömung bzw. das Aufsteigen?

Aber jetzt die Gretchenfrage:
Wie kommen 1000l Wasser durch eine kleine Achatdruse  :o Warum wird dann nicht jeder kleine Hohlraum bei großflächiger Druchströmung mit Achat/Qaurz/Chalcedon ausgekleidet?
ok, du kannst argumentieren 1000l Wasser in 100.000 Jahren sind 10ml/Jahr. Dann muessten die aufwachsenden Schichten aber sehr durchlässig sein. ODer mit anderen Worten: die Kleine Druse ist binnen 5 JAhren trocken.

MfG

Frank
(der sich von den hohen Temperaturen verabschiedet hat  8) )
Titel: Re: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: giantcrystal am 11 Nov 05, 16:59
Das Wasser sickert fröhlich so vor sich hin  :D

Nein im Ernst : Über lange Zeiträume (ich reite vielleicht ein wenig sehr darauf herum, aber dieser Aspekt wird leider immer viel zu sehr vernachlässigt !) hinweg ist das alles kein Problem. Und für Flüssigkeiten dichte Gesteine gibt es über längere Zeiträume nicht. Da gibt es Schichtung, Klüftung, Spannungsrisse, Schrumpfungsrisse, Poren und alle möglichen sonstigen Wegsamkeiten. Wäre dies nicht so, hätten wir keine Mineralbildungen...

... und wären als Mineraliensammler arbeitslos :P

Glück Auf

Thomas

Titel: Re: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: Krizu am 11 Nov 05, 17:50
Ok,

aus Unwissenheit nehme ich mal deine 100.000 Jahre als i.O. an.

Jetzt habe ich eine gesättigte Lösung, die fröhlich mit mm/a durch das "homogene" Gestein sickert. Sie trifft auf einen Hohlraum und denkt sich: Klasse, den fülle ich mit meinem Ballast aus.  Schwupps, die Wämde sind mit einer dichten aber dünnen Schicht Achat belegt. Jetzt kommt 10.000 Jahre später wieder so eine Lösung dumm des wegs vorbei. Ups - dichter Achat:
- da sicker ich doch mal weiter?
- ich diffundier ich doch mal durch den Achat um dann innen eine neue Schicht abzulagern?
Aber warum sollte ich denn jetzt ausfällen? Drinnen ist es wie draussen?

Klingt zwar kindisch - ist aber genau mein Problem. Wenn ich darüber nachdenke, ist ein möglicher Weg eine spätere Kompaktierung des Achats (Verlust des "Zwickelwassers" der Nanoteilchen). Dann waere das Durchflussproblem gelöst  Aber was zeichnet den Hohlraum gegenüber dem Flusskanal 1mm daneben aus?

Mfg

Frank
(vielleicht nervig - aber hoch interessiert!)

Titel: Re: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: giantcrystal am 11 Nov 05, 18:17
Das Durchsickern des Gesteines geschieht natürlich kontinuierlich - mit gelegentlich sich ändernden Chemismus, daher die Bänderung. Und die Fällung von Kieselsäure erfolgt als Gallerte = Kieselgel, das zunächst zu 95 % aus Wasser besteht und erst viel später aushärtet. Meines Wissens hat man solche mit noch gelartiger Substanz erfüllte Gasblasen auch schon gefunden - sind natürlich schwierig in einer Sammlung zu dokumentieren

Glück Auf

Thomas
Titel: Re: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: Krizu am 11 Nov 05, 19:09
 ??? Aber warum fällt die Gallerte aus  ???

 ??? warum klappert die Druse nicht  ???

Mfg

Frank
Titel: Re: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: giantcrystal am 11 Nov 05, 20:03
Jetzt kann ich es mir einfach machen und sagen "wechselnde eh- PH Bedingugen aufgrund des örtlichen Chemismus"

Das ist sicherlich richtig, aber etwad nichtssagend. Meiner Meinung nach ist das wesentliche der Hohlraum an sich. Ein Mineral kann in aller Regel nur dann frei auskristallisieren, oder etwas allgemeiner formuliert : sich bilden, wenn ein freier Raum vorliegt. Das kann eine Schmelze sein, das kann eine weiche, leicht verdrängbare Masse sein (z.B. Pyrit in Mergel oder Tonschiefer), oder das kann wie im Falle der Achatbildung und vieler anderer Mineralien ein Gashohlraum sein.

Allein schon beim Übertritt der Kieselsäure - Lösung vom Gestein in den Hohlraum kommt es vermutlich zu einer Druckabfall in der Lösung und - voila - die Kieselsäure beginnt aus der Lösung - vorerst in Form eines Geles - auszufallen.

Ist nur ein Erklärungsansatz - keiner war dabei - erscheint mir aber recht plausibel, das es so oder so ähnlich war


Glück Auf

Thomas
Titel: Re: Enhydro-Wasser in Quarzen und Achaten
Beitrag von: Krizu am 11 Nov 05, 20:15
Jetzt kann ich es mir einfach machen und sagen "wechselnde eh- PH Bedingugen aufgrund des örtlichen Chemismus"

Damit lass ich Dich nicht durch  8)

Zitat
Ein Mineral kann in aller Regel nur dann frei auskristallisieren, oder etwas allgemeiner formuliert : sich bilden, wenn ein freier Raum vorliegt. Das kann eine Schmelze sein, das kann eine weiche, leicht verdrängbare Masse sein (z.B. Pyrit in Mergel oder Tonschiefer), oder das kann wie im Falle der Achatbildung und vieler anderer Mineralien ein Gashohlraum sein.

ES FEHLT DIE TREIBENDE KRAFT ZUR ÜBERSÄTTIGUNG!  8) ;D


Zitat
Allein schon beim Übertritt der Kieselsäure - Lösung vom Gestein in den Hohlraum kommt es vermutlich zu einer Druckabfall in der Lösung und - voila - die Kieselsäure beginnt aus der Lösung - vorerst in Form eines Geles - auszufallen.

Nein, Aufgrund  der Hydrostatik. Wie soll ein Hohlkörper im Gleichgewicht mit der Umgebung - hast Du durch die Sickerfähigkeit gefordert - einen neidrigen Druck haben? Ein "kleiner grüner Massevernichter" ( (c) by meinem Pyhsiklehrer) ist nicht der Grund. Es wird so lange Wasser einsickern, bis der Druck gleich ist. Solange darf was ausfällen. Dann fliesst aber die Sole so durch... bzw. löst das kolloidale SiO2 wegen der grossen Oberfläche bevorzugt raus!

Um bei deinem Kalk-Beispiel zu bleiben:
Kalksinter entsteht erst, wenn das CO2-HCO3-Gleichgewicht des Wassers durch Luft gestört wird.

Du hast keine Luft. Luft diffundiert leichter als Wasser !!! Aber warum gibt es Gasblasen in Kristallen?

Du hast mein Wachstumsmodell zerstört  ;) Aber deins hat auch Lücken - meiner Meinung nach!

MfG

Frank
("Die Natur schafft Sachen, an die wir gar nicht erst denken sollten" - Ein Kristallzüchter über Granate)