Mineralienatlas - Fossilienatlas
Bergbau und Verhüttung / Mining and Smelting / Minería y Fundición => Artefakte - Fundstücke / artifact - findings / artefactes - objeto hallado => Thema gestartet von: Gordon 108 am 13 May 22, 09:03
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Kann das ein Faustkeil oder ähnliches Werkzeug sein?
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Sicher keiner.
Versuch mal, mit dem Stein irgendwas zu schneiden. Viel zu wenig scharf.
Grüße
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Moin moin heli. Er ist tatsächlich recht scharf.
Ich habe morgen ein Termin im Naturhistorischen Museum, mal sehen.
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Ich habe morgen ein Termin im Naturhistorischen Museum, mal sehen.
das ist gut - nach Foto ist es oft recht schwer zu entscheiden, ob Artefakt oder natürlich. Mit dem fraglichen Stück in der Hand geht das meist deutlich leichter ....
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Sooooo.
Museum Magdeburg sagt es ist weder ein Werkzeug noch altsteinzeitlich.
Museum Halle ist vom Gegenteil überzeugt.
Jetzt steht es wieder 50 zu 50 ???
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tja, Wissenschafter im Allgemeinen und Prähistoriker im Speziellen sind eben auch nur Menschen - und haben demzufolge unterschiedliche Sichtweisen auf ein- und dasselbe Objekt ..... ;)
Hebs jedenfalls mal auf, auch wenn die Meinungen darüber auseinandergehen ....
Nachfrage: das Museum selbst hat ja vmtl nix gesagt ;D - Frage ist immer, wem im Museum mans zeigt. Waren das beide Prähistoriker/innen ?
p.s.:
und selbst wenn, ists immer noch ein Unterschied (zumindest meist), ob da z.B. ein/e Eisenzeitler/in eine Expertise abgibt, oder ein/e dezidierte/r Lithiker/in.
(ich weiß wovon ich rede - ;D)
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ich verfolge das hier mit spannung …
wo bzw. was waren das denn für fundumstände? das könnt doch eventuell schon zur einordnung beitragen, oder?
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wo bzw. was waren das denn für fundumstände? das könnt doch eventuell schon zur einordnung beitragen, oder?
Bei Oberflächenfunden (bzw. allgemein bei Stücken ohne stratigrafischen Kontext) leider nur recht selten .....
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Guten Morgen. Der aus Magdeburg ist für Gesteine und Mineralien zuständig und bei dem guten Herrn aus dem Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle, bin ich mir leider nicht sicher.
Gefunden habe ich das Objekt knöcheltief in der Elbe zwischen Magdeburg/ Herrenkrug und Hohenwarthe.
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Guten Morgen. Der aus Magdeburg ist für Gesteine und Mineralien zuständig und bei dem guten Herrn aus dem Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle, bin ich mir leider nicht sicher.
Gefunden habe ich das Objekt knöcheltief in der Elbe zwischen Magdeburg/ Herrenkrug und Hohenwarthe.
das sind doch jeweils wenigstens vage indizien: bei der interpretation würde ich mich eher auf ur- und frühgeschichtler als auf einen mineralogen verlassen (und das museum in halle ist ja durchaus keine kleinigkeit.
und der fundpunkt elbe (die schon seit ewigkeiten auch großräumig besiedelt ist) ist auch etwas anderes, als wenn das teil irgendwo aus eher unbesiedeltem raum kommt.
zumimdest die flake-haftigkeit des stücks in kombination mit den vielen unterschiedlichen bruchkanten spräche m.m.n. doch eher für menschengemacht. besonders für den grundsätzlich langen runden bruch im ersten bild (im uhrzeiger von 0-5 uhr) mit den von unten nach oben von grob zu fein kleiner werden „nachbearbeitungen“ braucht es doch schon arg viele zufälle!
aber das sind alles nur meine gedanken und ideen zu dem stück.
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Ich lass mich da nicht so schnell unterkriegen.
Ich/ wir bekommen das raus. ;)
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Hallo,
Bleib mal am Ball ! Ist sehr spannend !
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Also ich habe vorhin eine Mail aus Halle bekommen.
Es meldet sich demnächst die Expertin für Altsteinzeit bei mir. Sie ist der Annahme es ist ein Werkzeug.
Bis her hat sie allerdings auch nur die Bilder gesehen.
Vielleicht bietet es sich an und ich gondel da mal rüber.
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Ich bin zwar kein Experte, habe aber mal für die untere Denkmalschutzbehörde gearbeitet. Auf einer Grabung haben wir auch Feuersteingeräte gefunden (im Bild von links nach rechts: Kern, Flake, Klinge) ;D. Die lagen in den "braunen Flecken" auf der Grabungsfläche, die früher einmal zu Lagergruben gehört haben könnten (für Getreide o.Ä.). Trotz des doch recht fortgeschrittenen Alter (~2000 v.Chr.), sind sie noch äußerst scharfkantig. Allerdings handelt es sich hier um Bodenfunde ;). Dein Exemplar müsste einen kleinen Transportweg hinter sich haben oder durch die Sedimentfracht der Elbe ordentlich geschliffen worden sein. Bei einem Stück anthropogenen Ursprungs kann man eine Ventralfläche, welche vom Kern gelöst wurde, von einer Dorsalfläche, die die ehemalige Außenseite des Kerns darstellte, unterscheiden. Indizien für eine Bearbeitung sind sog. Wallner-Linien auf der Ventralfläche bzw. Dorsalfläche von zuvor abgeschlagenen Flakes (im Detailbild blau markiert). Diese entstehen beim Abschlagen durch Bruchausbreitung. Am Auftreffpunkt eines Schlages sollte ein Bulbus (ähnlich einem Nabel) erkennbar sein. Typisch wären auch Dorsal-Grate (rot markiert) der vorherhigen Abschläge. Ich habe auch einige Museumsstücke als Vergleich angehängt.
Nach den Bildern zu urteilen ist die anthropogene Bearbeitung hier vielleicht weniger wahrscheinlich. Aber ich bin ebenfalls gespannt auf die Fachmeinung.
Viele Grüße
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Es kann tatsächlich sein, dass der Stein eine weitere Strecke hinter sich hat. Nach dem Winter haben wir natürlicherweise immer erstmal ordentlich Wasser, aber wenn das weg ist, kann man Glück haben.
Mehrere Kilometer oberhalb meiner Fundstelle, befindet sich allerdings eine künstlicher Wasserfall ( eine Art Damm aus Beton). Keine Ahnung ob es von so "weit" oben kommt oder nicht.
Als ich den Stein entdeckte, dachte ich mit keiner Silbe an ein steinaltes Werkzeug, ich geh an sich eher auf Mineralien und Gesteine.
Als ich den Stein in der Hand hielt, dachte ich mir: irgendwie voll ergonomisch wie ein Playstation- Controller ( mal flapsig gesagt).
Betrachtung der Kanten, sowas kannte ich aus Dokus ;D
......und nun warten wir es ab. Danke für eure Teilnahme
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Hallo,
als Laie kann man selten mit Sicherheit solche Funde genau bestimmen, aber auch Oberflächennah kann man solche Abschläge mit etwas Glück finden. Als Kind hatte ich einen Lehrer, welche unser Heimatmuseum leitete und noch dazu in der Nähe ein Gräberfeld aus der Steinzeit wissenschaftlich untersuchte.
Durch Ihn erfuhr ich, das ganz in der Nähe meines Wohnortes eine alte Steinzeitsiedlung war.
Da meine Heimatstadt Aken direkt an der Elbe liegt und dies seit Urzeiten besiedelt ist, gab es hier mehrere solcher alten Siedlungen.
Durch den Lehrer wurde mein Interesse geweckt mal genauer hinzuschauen und ich hab so einiges finden können.
Über alte Tonscherben aus der Schnurkeramikzeit, bis hin zu Pfeilspitzen und diverser Schaber hab ich dann auch so einiges finden können. Die Fundstelle war damals eine große Sandfläche und immer wenn der Wind den Sand abgetragen hatte, konnte ich die Dinge einfach absuchen. Leider wurde dann gegen Ende der 80er Jahre ein Heizwerk dort gebaut und dann war es vorbei mit so einfachen Funden.
Als Laie kann man nicht immer so einfach genau sagen ob der Abschlag ein Werkzeug ist oder natürlichen Ursprungs. Bei den Tonscherben war das einfacher, nur mit dem Alter dieser brauchte ich dann doch Hilfe.
Man kann übrigens auch an den "unmöglichsten" Stellen Historisches finden.
Bei meinem letzen Besuch auf einer Schlackehalde bei Hettstedt hab ich eine sehr alte chinesische Käsch Münze mit einem viereckigem Loch gefunden. Keine Ahnung wie die auf die Halde gekommen ist.
Als immer Augen auf und viel Erfolg beim Sammeln
Gruß
Roadrunner
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Hallo,
hab mal schnell ein Foto gemacht von einigen Dingen die man so finden kann, außer Mineralien. ;D
Für nähere Infos einfach draufklicken.
(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1652976418.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1652976418.jpg)
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… ich denke bei dem stück, wenn es anthropogen sein sollte, übrigens auch an sowas wie einen schaber. ich habe mit ähnlich aussehenden, einfachen selbstgeschlagenen klingen schon wildschweine zerlegt und rehhäute fürs gerben geschabt; die klingen sind extrem handlich und praktisch, da man im handgelenk ungleich viel wendiger ist, als mit einem messer. da musste ich bei deinen bildern und den worten liegt super in der hand sofort dran denken.
@roadrunner: danke für die schöne geschichte! es war schon immer (und ist leider immernoch) mein traum, mal solche artefakte zu finden, ich bin aber über ein paar keramikscherben noch nicht hinnaus gekommen. unfassbar freudig neidisch schaue ich manchmal auf youtube videos von amerikanern, denen man beim pfeilspitzen aufsammeln teilweise ja nur so zuschauen kann. :)
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hallo jlies,
ich denke mal viel von den Steinwerkzeugen werden einfach übersehen, da sie für uns Laien nicht so leicht zu erkennen sind. Nicht jede Feuersteinscherbe ist auch ein Schaber oder eine Pfeilspitze!
Ich hatte nur das Glück damals einen so super Lehrer zu haben, der auch mit Leib und Seele für die Archeologie brannte. Wir haben uns damals immer einen Spaß daraus gemacht und Ihn im Unterricht darauf angesprochen. Dann war er wieder in seinem Element, bis zum Ende der Stunde die Klingel ertönte und er wieder schockiert feststellen musste, das wir mal wieder keinen Stoff geschafft hatten.
Im Endeffekt haben wir aber bei Ihm viel mehr über unsere Heimat erfahren, als bei jedem anderen Lehrer. Es war eine super Zeit und er hat auch später seine Würdigung als Ehrenbürger von Aken völlig zu Recht bekommen.
Bis dann
Gruß
Roadrunner
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Coole Story und super Funde. Vor allem die Münzen
* klasse.
In der ersten Juniwoche habe ich einen Termin im Museum in Halle und dann werden wir sehen, ob Sekt oder Selter :D
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Hallo,
Keine Ahnung wie die auf die Halde gekommen ist.
Diese Käsch-Münzen wurden wohl der Verhüttung zu geführt.Sie konnte man auf einem alten Schrottlagerplatz der Gottesbelohnungshütte finden.Da diese erst 1926,auf dem südlich der heutigen B86 und der Wipper gelegenen Areal,um die Bessemerei erweitert wurde,kann man annehmen,das diese Münzen dem Konverterprozeß bei gegeben wurden. Warum,wieso (Kriegsbeute,Spende,für Kupferrückgewinnung oder Kriegsmaterial...)usw. kann man nur vermuten.Zu früheren Zeiten wurden ja oft auch z.B. Kirchenglocken eingeschmolzen und zu Kanonen gegossen.
MfG
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Glückauf,
wenn man sich nicht sicher ist, ob es ein historisches Artefakt ist, sollte man das beim Landesamt für Archäologie den Experten vorzeigen. Man beachte dabei die Bestimmungen des jeweiligen Bundeslandes dazu. Hier in Sachsen sind solche Funde automatisch im Besitz des Freistaates und sind beim Landesamt für Archäologie zu melden was auch gut so ist. Die Experten sehen darin oft Sachen welche unsereins nicht erkennt. Das Fundstück selbst kann das sein und/oder der Fundort um wieder ein Stück unserer Geschichte zu entschlüsseln. Manch einer mag Freude daran haben eine alte Münze, Fiebel oder Pfeilspitzen in seiner Vitrine zu betrachten. Was aber wird wenn man nicht mehr ist? Die Informationen des Artefakts ist sehr wahrscheinlich für immer verloren. Im Archiv der Behörde dagegen bleiben sie der Nachwelt erhalten.