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Mineralien / Minerals / Minerales => Mineralien (Fundort) bestimmen / determine minerals => Thema gestartet von: Schluchti am 10 Aug 05, 18:35

Titel: Erythrin oder doch Kobaltkoritnigit von Schneeberg?
Beitrag von: Schluchti am 10 Aug 05, 18:35
Ich bin jetzt beim Durchschauen der neuen LAPIS ziemlich stutzig geworden, was eine Stufe von der Grube Daniel von mir angeht.

Ich hatte die letztes Jahr von einem Händler erworben, der diese wohl aus einer alten Sammlung hat. Beschriftet war die Stufe mit Erythrin. Daneben ist noch Parasymplesit mit drauf und gelbliche bis orange erdige Krusten auf Quarz.

Schon damals (http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,2198.0.html (http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,2198.0.html)) haben einige Erythrin wohl für komisch befunden. Mittlerweile muß ich auch meine Meinung über den Händler revidieren. Der verkauft (entgegen eigener Aussage) einfach nur weiter, egal was auf dem Etikett steht.       

Vom Aussehen, der Paragnese und dem Fundort her spricht nunmehr meiner Ansicht nach einiges eher für Kobaltkoritnigit, der entgegen meiner damaligen Informationen gerade von der Grube Daniel in guter Ausprägung vorkam. Die Bilder in der neuen LAPIS weißen teilweise eine frapierende Ähnlichkeit und fast identische Matrix (besonders S.57 unten links) auf

Was meint ihr?

(Ein weiteres Bild in dem verlinkten Beitrag oben)

Bildbreite ca. 2 cm
(http://www.mineralienatlas.de/upload/Erythrin_GrubeDaniel_Schluchti.JPG)
Titel: Re: Erythrin oder doch Kobaltkoritnigit von Schneeberg?
Beitrag von: proyect am 10 Aug 05, 22:21
Hallo,
wenn Kobaltkoritnigit dunkler als erythrin ist, dann ist es Kobaltkoritnigit, denn für Erythrin ist das Stück viel zu lila für die Stufengröße.
Gruß
proyect
Titel: Re: Erythrin oder doch Kobaltkoritnigit von Schneeberg?
Beitrag von: uwe am 11 Aug 05, 08:56
mit der Farbwiedergabe im Computer ist das so eine Sache. Falls die Farbe auf dem Bild allerdings der Farbe des Orginals entspricht, dann geben ich proyect recht. Erytrin ist in dieser Ausbildung nicht so rotstichig.

Glück Auf
Uwe
Titel: Re: Erythrin oder doch Kobaltkoritnigit von Schneeberg?
Beitrag von: Schluchti am 11 Aug 05, 11:15
Die Farbe kommt zumindest bei mir am Rechner und auch am Laptop ungefähr originalgetreu rüber. Eine Referenz für erdigen, hellrosa  Erythrin hat man an den Bildrändern (besonders bei dem verlinkten Artikel).

Aber wenn es wirklich Kobaltkoritnigit ist, dann werde ich mit Freude den Zettel umschreiben.  :D

Im übrigen befinden sich noch hellglänzende schwarze "Pünktchen" auf der ganzen Stufe, die nach der Beschreibung in der neuen LAPIS durchaus Atelestit sein könnten. Leider kann ich zur Zeit keine Fotos machen. Mal sehen, als was sich noch so auf der Stufe findet...

Btw.: Die neue LAPIS ist ein Schatz und hervorragend gelungen! Wer sich für Schneeberg interessiert, sollte unbedingt zuschlagen!
Titel: Re: Erythrin oder doch Kobaltkoritnigit von Schneeberg?
Beitrag von: KOstMineral am 11 Aug 05, 12:39
Hab meinen Lapis noch nicht bekommen :'( :'( :'(. Im Ausland dauert es halt ein bisschen länger.
Titel: Re: Erythrin oder doch Kobaltkoritnigit von Schneeberg?
Beitrag von: Schluchti am 06 Oct 05, 08:10
Ich hatte die glückliche Gelegenheit, eine Probe des Materials mittels EDX analysieren lassen zu können:

Das Ergebnis:

Atom%
O             Mg           Co           Ni            Cu          Zn           As
80.45       0.98        6.82        0.76        0.62        1.81        8.56

Dies spricht sehr stark für Kobaltkoritnigit. 

Zumindest Erythrin, Köttigit, Sainfeldit kommen damit wohl eher nicht mehr in Betracht.

___________________________________________________________ __________

Was die schwarzen hochglänzenden Kristalle angeht, bin ich noch nicht weiter gekommen. Die Analyse ergab folgendes wirrwarr:

Atom% (Durchschnitt aus 6 Spektren)

O              Al              Si             K              Ca             Mn             Fe            Co             Ni             Cu            As
70.81        2.58          1.64         0.37          1.12          9.57           0.82         5.78         1.08          2.91         3.33

Da fehlt mir derzeit die zündende Idee.
Titel: Re: Erythrin oder doch Kobaltkoritnigit von Schneeberg?
Beitrag von: Uwe Kolitsch am 06 Oct 05, 11:43
Welche Form(en) zeigen die schwarzen XX? Sieht es nach kubischer Symmetrie aus, oder eher nach niedrigerer Symmetrie?
Sind sie durchscheinend? Falls ja, kann man einen anderen Farbton erkennen?

GA, Uwe Kolitsch
Titel: Re: Erythrin oder doch Kobaltkoritnigit von Schneeberg?
Beitrag von: Schluchti am 06 Oct 05, 12:11
Selbst unter dem Bino ist eine Form eher schwer auszumachen. Es handelt sich meist um "rundliche" Gebilde, also teils kugelförmig, teils etwas abgeflacht.

Durchscheinend sind die nach meiner Erinnerung auch eher nicht.

Ich werde heute abend mal versuchen ein Foto zu machen und eine Kristallform zu erkennen.
Titel: Re: Erythrin oder doch Kobaltkoritnigit von Schneeberg?
Beitrag von: Collector am 06 Oct 05, 12:58
Zu den schwarzen, hochglänzenden Kristallen eine kleine Anregung zu einer vielleicht zündenden Idee ( ohne jeglichen Anspruch auf Garantie )......

Die Zusammensetzung, wie von Dir angegeben ..... mit einem relativ hohen Anteil an Mn ...

Dazu habe ich bei Favreau (Le District cobalto-nickélifère de Bou Azzer, 2001 ) gelesen, daß im Gang 52 von Ait Ahmane ein Mineral fast analog Deiner Zusammensetzung gefunden wurde, welches Favreau als UK 11 bezeichnete und was sich nach EDX-Analyse durch das Geologische Museum in Lausanne als eine Mn-haltige Varietät von Kobaltlotharmeyerit herausstellte, allerdings zuwenig Mn enthielt, um es als Manganlothameyerit zu definieren.

Kobaltlotharmeyerit = Ca(Co,Fe,Ni)2(AsO4)2(OH,H2O) + Mn .

Störend wirken halt nur Al und Cu .

gruß
collector
Titel: Re: Erythrin oder doch Kobaltkoritnigit von Schneeberg?
Beitrag von: Schluchti am 06 Oct 05, 13:23
Danke für diese Anregung!  :D

Das Al könnte sich evtl. aus einer Verunreinigung der Probe ergeben, die diese in Alufolie verpackt war und evtl. etwas davon als ein Staub anhaften blieb. Das war bei einer anderen Probe auch der Fall, allerdings lag dort der Anteil Al bei 0.38%. Andererseits war dort das Probestück auch wesentlich größer, als bei diesen Kristallen, die nur einen Bruchteil eines mm groß sind.

Das Cu wäre dann damit aber nicht zu erklären...   

Hier mal die vollständigen Werte aller 6 Spektren:

Spektrum          O          Al          Si          K          Ca          Mn          Fe          Co          Ni          Cu          As
Spektrum  1      67.91    5.84       5.27     0.99      1.11       8.46       1.01       4.81        0.81      2.23       1.56   
Spektrum  2      74.40    3.77      1.85      0.34      0.84       7.50       0.59       4.95        1.26      2.53       1.97   
Spektrum  3      73.53    2.12      0.99      0.24      0.98       8.78       0.87       6.08        1.16      2.61       2.63   
Spektrum  4      58.57    0.79      0.59      0.28      1.79      20.46      0.00       9.45        0.97      4.83       2.27
Spektrum  5      75.30    1.43      0.31      0.13      1.14       5.10       1.85       3.18       1.24       2.77       7.56   
Spektrum  6      75.13    1.53      0.81      0.22      0.84       7.09       0.62       6.23       1.06       2.46       4.00

Durchschnitt      70.81    2.58      1.64      0.37      1.12       9.57       0.82       5.78       1.08       2.91       3.33
sigma                6.59     1.89       1.85      0.31      0.35       5.49       0.61      2.10        0.17       0.96       2.23
Max.                 75.30    5.84      5.27      0.99      1.79      20.46       1.85      9.45       1.26       4.83        7.56   
Min.                  58.57    0.79      0.31      0.13      0.84       5.10       0.00       3.18       0.81       2.23        1.56


Also es ist eine recht deutliche Streuung in den Werten, die möglicherweise durch meinen ungenügenden Möglichkeiten einer absolut sauberen Präparation dieser winzigen Kristalle von der Matrix verursacht sein könnte. 







Titel: Re: Erythrin oder doch Kobaltkoritnigit von Schneeberg?
Beitrag von: TKMineral am 06 Oct 05, 16:06
Hallo Schluchti!

Also das schwarze kugelige hört sich meiner Meinung nach Heterogenit an, aber da ist laut Formel kein Mangan und so drin , n reines Co-Hydroxid..
Sonst fällt mir da kein anderes Mineral ein...

Gruß

TK
Titel: Re: Erythrin oder doch Kobaltkoritnigit von Schneeberg?
Beitrag von: Schluchti am 06 Oct 05, 17:34
So, habe mal ein paar Bilder gemacht, die leider nicht sehr gut geworden sind. Man erkennt aber, daß es sich um meist ovale, oft plattgedrückte und gewölbte Gebilde handelt.


mmmh, Heterogenit käme natürlich auch in Betracht, dann wäre der Rest evtl. noch von den Matrixresten, mmmh, schwierig.
Titel: Re: Erythrin oder doch Kobaltkoritnigit von Schneeberg?
Beitrag von: Robin am 06 Oct 05, 19:00
Hi,

Schließe mich TK an, denke das ist eher ein Oxid. Wegen der hohe Co und Mn konzentrationen würde ich Asbolan vorschlagen. Wenn ich mich recht erinnere können Manganoxiden relativ einfach Fremdelementen inkorporieren.. also ein bißchen Cu darf dann schon drin sein.

Gruß Robin
Titel: Re: Erythrin oder doch Kobaltkoritnigit von Schneeberg?
Beitrag von: Uwe Kolitsch am 06 Oct 05, 21:12
Stimme Robin zu.
Titel: Re: Erythrin oder doch Kobaltkoritnigit von Schneeberg?
Beitrag von: Schluchti am 06 Oct 05, 21:26
Vielen Dank für Eure Anregungen!  :D

Ein Mangaonoxid (in Richtung Asbolan) scheint mir auch am wahrscheinlichsten bei dem Fundort.

Geht ihr im übrigen mit der Einschätzung der Analysewerte der rötlich-lila Kugeln konform, daß es sich nach dem Ergebnis um Kobaltkoritnigit handeln wird? 
Titel: Re: Erythrin oder doch Kobaltkoritnigit von Schneeberg?
Beitrag von: Uwe Kolitsch am 06 Oct 05, 22:30
Ja, sieht sehr nach Kobaltkoritnigit aus (obwohl mein Bildschirm alles etwas dunkler als im Original zeigt - wird aber schon "empirisch" im Kopf korrigiert).

Uwe Kolitsch
Titel: Re: Erythrin oder doch Kobaltkoritnigit von Schneeberg?
Beitrag von: Schluchti am 07 Oct 05, 08:06
Vielen Dank!  :D
Titel: Re: Erythrin oder doch Kobaltkoritnigit von Schneeberg?
Beitrag von: Krizu am 07 Oct 05, 15:13
Danke für diese Anregung!  :D

Das Al könnte sich evtl. aus einer Verunreinigung der Probe ergeben, die diese in Alufolie verpackt war und evtl. etwas davon als ein Staub anhaften blieb. Das war bei einer anderen Probe auch der Fall, allerdings lag dort der Anteil Al bei 0.38%.
...

Also es ist eine recht deutliche Streuung in den Werten, die möglicherweise durch meinen ungenügenden Möglichkeiten einer absolut sauberen Präparation dieser winzigen Kristalle von der Matrix verursacht sein könnte. 


Hallo,

solche Streuungen sidn normal bei unbeschichteten oder nicht ebenen Proben. Je nach Winkelausrichtung ist die Röntgenausbeuite eine andere.

Die Aluminiumverunreinungung würde ich persönlich nicht in der Alufolie sichen. Die EDX ist oberflächensensibel mit etwa 1µm bis 5µm Durchmesser. Staub ist da größer. Meistens handelt es sich um anhaftende Tone oder Schichtsililikate.

Aber waren das wirklich Kristalle? Hast Du auch ein Bild bekommen? Oder war es eher eine rissige, feinförnige Masse ohne definierte Flächen? Dann kann das ein MnO/MnOHx Mischmasch mit allem dran und drin sein!  ::)

MfG

Frank
Titel: Re: Erythrin oder doch Kobaltkoritnigit von Schneeberg?
Beitrag von: Schluchti am 11 Oct 05, 10:30
Eine weitere Anregung zu den Analysewerten der lila-roten Kügelchen, die mich per mail erreichte, wäre ein Mischkristall Erythrin-Köttigit.   
Titel: Re: Erythrin oder doch Kobaltkoritnigit von Schneeberg?
Beitrag von: Uwe Kolitsch am 11 Oct 05, 19:39
Ist unwahrscheinlich: solche Mischkristalle wären in dieser Größe viel blasser.
Titel: Re: Erythrin oder doch Kobaltkoritnigit von Schneeberg?
Beitrag von: smoeller am 12 Dec 05, 11:13
Hallo,

Was diese Kügelchen anbelangt, sollte man noch eine Röntgenanalyse machen. Es ist nämlich eine Frage, ob die kristallin sind. Es ist durchaus nichts ungewöhnliches. Ich habe da besonders Erfahrung im Bergbaugebiet Wittichen im Schwarzwald. Ist ja sehr ähnlich zu Schneeberg.
Es gibt im Allgemeinen drei solche Minerale: Heterogenit (Co-Hydroxid), Manganogel und Asbolan. Aber auch Kryptomelan und Manganomelan können Co,Ni und Fe einbauen.
Von den Fotos her erscheint mir Asbolan eher unwahrscheinlich. Insbesondere der Glanz passt nicht. Asbolan ist eher Russartig derb (Wad) oder kommt halbmetallisch oder matt als Krusten daher. Heterogenit würde zwar von den Eigenschaften eher passen, ist aber doch zu viel Mn in der Analyse. Ich denke, dass es sich um ein Co-haltiges Manganogel handelt, dass in den Proben von Wittichen oft sogar häufiger ist als der Heterogenit.Manganogel ist röntgenamorph.

Glück Auf!
Smoeller