Mineralienatlas - Fossilienatlas
Gesteine / Rocks / Rocas => Gesteine / Rocks / Rocas => Thema gestartet von: jlies am 25 Feb 23, 16:04
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Hallo Leute,
dieses Stück stammt aus dem pleistozänen Muldeschotter Nordwest-Sachsens. Könnte es sich bei den Strukturen immernoch um rhyolitische Strukturen handeln?
Kann jemand irgendwas zu diesem Stück oder den Bildungen sagen?
Vielen Dank und Grüße!
Jörn
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Hallo
Rhyolith sicher nicht. Ich erkenne gewisse Zellstrukturen das heißt es ist etwas Fossiles, nur was weiß ich auch nicht....sammle keine Fossilien.
Gruß Roland
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Ziemlich genau solche Strukturen kenne ich als Devitrifikations-Spherulite in Lithophysen ("Thundereggs").
Rhyolith ist also nicht ganz falsch.
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ich würde vermuten, daß das täuscht. es gint zwar sowas wie pflanzenachsen, aber ganz ähnliche strukturen gibt es eben im rhyolith auch. außerdem sind die achsen querschnitte von kugeligen gebilden (nicht von zylindern, was bei pflanzenachsen ja zwingend wäre). im bild 1 oben rechts sieht man so ein kugeliges weiße gebilde freigelegt.
jetzt kam zwischendurch die zweite antwort rein: richtig, die strukturen erinnern stark an lithophysische bildungen …
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Meine kommen von da:
https://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/LokationMineralData?param=2914,4561,0
Ich bin mal so frech und nehme folgende Beispiele (meine habe ich noch nicht fotografiert):
(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1205989551.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1205989551.jpg)
(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1549994869.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1549994869.jpg)
(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1544957062.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1544957062.jpg)
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Glück auf,
Mir erscheint visuell das Stück fast ganz von makrokristallinem Quarz dominiert.
Wollte ich nur als Eindruck beisteuern. Für einschlägige Pflanzenfossilien und spezielle Rhyolithgefüge fehlt mir die Expertise.
MfG ruebezahl
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Glück Auf!
Sehr wahrscheinlich handelt es sich um ein Gestein, wie es im Anstehenden bei Meißen gefunden werden kann:
https://www.mineralienatlas.de/?l=35808
Derartige Gesteine sind für das Einzugsgebiet der Elbe (Urelbe +/- eiszeitliche Lokalgeschiebe) recht einzigartig und erlauben nach derzeitigem Kenntnisstand die Einstufung als Leitgeröll. Da derartige Gesteine nicht zu extrem selten Elbe abwärts von den bekannten Vorkommen bei Meißen zu finden sind, nimmt man an, dass die Verbreitung der Anstehenden größer ist oder zumindest es einst war. Man muss da aber vorsichtig sein, weil es in Sachsen noch andere potentiell in Frage kommende Vorkommen gibt. Wobei mir bisher kein echter Doppelgänger bekannt geworden ist.
Diese Evusivgesteine bestehen mineralogisch hauptsächlich aus Quarz, (Alkali-)Feldspat und einem variierenden Glasanteil. Die Zuordnung zum Rhyolith ist daher durchaus angebracht. Bei hohem Glasanteil geht die Zuordnung in Richtung Pechstein. Die mir bekannten Stücke zeigen im frischen Bruch aber immer einen matten oder gar keinen Glanz, was auf eine weitestgehende Rekristallisation der ursprünglichen Glasmatrix hin zu einem Gemenge aus Quarz und (Alkali-)Feldspat hindeutet, und sie damit Rhyolithe darstellen. Bei einer belastbaren Erklärung zu den kugeligen Gebilden wird es im Falle von den Vorkommen bei Meißen schnell dünn. Die kugeligen Gebilde zeigen keine typische Sphärolithtextur, vielmehr deutet sich ein lagiges Fließgefüge an, das gleichermaßen durch die kugeligen Gebilde wie die Matrix geht. Gelegentlich gibt es Hohlräume mit Quarzkristallen. Schon lange werden diese Gesteine als verkieseltes Holz oder etwas vager als Hornstein bezeichnet, was aber anhand der Zusammensetzung und der Gefügemerkmale nicht haltbar ist.
Es wäre für den Mineralienatlas-Fossilienatlas ein wertvoller Eintrag auf der entsprechenden Fundstelle (wenn möglich nicht nur Mulde / Nordwestssachsen). Ein Hinweis auf die vermutliche Herkunft aus dem Raum Meißen mit Referenz zu dem anstehenden Gesteinen bei Korbitz kann bei der Bildbeschriftung eingefügt werden.
Mit freundlichen Grüßen
Das Felsenmammut
edit Mod.: Link durch die (eindeutige) verkürzte MA-URL ersetzt
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Ich bin mal so frech und nehme folgende Beispiele
Bei genauer Betrachtung ist es nicht abwegig, da knicke ich sogar ein, obwohl die Beispiele weit auseinanderliegen.
Man kann auch mal falsch liegen. Sind schöne Achate ;D
Gruß Roland
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Glück auf,
Feldspat istfür mich auf dem Foto nicht erkennbar.
Solche Quarzdominanz sollte nicht durch Kristallisation einer rhyolithischen Schmelze zustande kommen, sondern erst durch nachträgliche Anreicherung im Effusivverband.
Dünnschliffbilder x Nicols könnten eine Charakterisierung des Quarz ermöglichen, ohne bleiben es nur Vermutungen. Visuell verborgener Feldspat wäre dann auch sichtbar.
MfG ruebezahl
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Glückauf Max!
Danke für deine Einschätzung und die wertvollen Hintergrundinformationen!
Die optische Ähnlichkeit zu den Stücken aus Korbitz ist schon frappierend, auch wenn sie sich farblich etwas anders darstellen. Könntest du die anderen, potentiell in Frage kommenden Vorkommen in Sachsen auch noch nennen? Oder sind die Stücke von dort vom Habitus her noch weiter entfernt (also keine echten Doppelgänger)?
(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1677403380.png) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1677403380.png)
Ich werde das Stück bei Gelegenheit polieren und dann auch bessere Bilder auf der Fundstellenseite eintragen. Das Stück stammt aus der Kiesgrube Otterwisch.
Viele Grüße!
Jörn
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hallo Max,
danke für die ausführliche Erklärung (wie ja auch schon bei https://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,49647.0.html).
@ Claudia/Fritzi:
ich habe mir mal erlaubt, deine Bildtexte bei Korbitz anzupassen - hoffe das ist ok. Denn Hornstein im Sinne von Chert sind die "Wilden Eier" ja keinesfalls.
lg + ga
oliver
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Hallo Jörn,
ein wirklich interessanter Fund und meiner Meinung nach, lässt sich das Stück ziemlich eindeutig dem Vorkommen bei Meißen-Korbitz zuordnen. Die Verbreitung durch die Ur-Elbe und eine Vermischung mit eiszeitlichen Geschieben, ist insbesondere im Übergang zwischen dem sog. Schmiedeberger Elbelauf nach Genießer und dem Stromgebiet der Mulde zu finden. So kommen in der Elbtalwanne regelmäßig solche Funde vor und sollten dementsprechend auch weiter nordwestlich gemacht werden können.
Ich hänge mal ein Bild eines Fundes aus der Elbtalwanne an, worauf die Jaspislinsen sehr deutlich zu erkennen sind und auch eine Füllung von Achat bzw. Chalcedon vorhanden ist.
Schönen Sonntag wünsche ich in die Runde!
Glück auf, Chris
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Das wird ja wirklich spannend!
und erlauben nach derzeitigem Kenntnisstand die Einstufung als Leitgeröll.
Was würdet ihr davon halten, wenn wir überhaupt den thread auf "Wilde Eier als Leitgeröll" umbenennen würden, und hier entsprechende Beispiele von unterschiedlichen Fundorten zusammensammeln?
lg + ga
oliver
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Ich habe mal die Literatur gewälzt und bin bei Pietzsch fündig geworden.
Abriss der Geologie von Sachsen
Prof. Dr. Kurt Pietzsch
Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin
1956, 2. Auflage
Kapitel 6 Elbtalzone
Seite 112
Jungpaläozoische und mesozoische Bildungen
Das Meißner Porphyrgebiet
Da werden die "Wilden Eier" kurz erwähnt. Ist vielleicht nicht mehr ganz aktuell, aber vielleicht hilft es weiter.
Glück auf!
Holger
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Das wird ja wirklich spannend!
und erlauben nach derzeitigem Kenntnisstand die Einstufung als Leitgeröll.
Was würdet ihr davon halten, wenn wir überhaupt den thread auf "Wilde Eier als Leitgeröll" umbenennen würden, und hier entsprechende Beispiele von unterschiedlichen Fundorten zusammensammeln?
lg + ga
oliver
hab ich grad getan. würde nur den alten titel noch eine weile sehen lassen?
hallo chris,
sehr schönes stück, was du da hast, danke fürs zeigen.
schön, daß sich so ein spannender faden entwickelt!
viele grüße, jörn.
hallo holger,
danke auch fürs teilen des textes!
vg jörn
frage an alle: dann wäre die treffendste bezeichnung des gesteins porphyr-pechstein?
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@ Claudia/Fritzi:
ich habe mir mal erlaubt, deine Bildtexte bei Korbitz anzupassen - hoffe das ist ok. Denn Hornstein im Sinne von Chert sind die "Wilden Eier" ja keinesfalls.
Das ist ok. Ich hatte die Bezeichnung aus einer (wahrscheinlich schon älteren) Literaturquelle entnommen.
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besten Dank :)
lg
oliver
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Gute Idee mit der Namensänderung! Ich lege noch ein Wildes Ei nach, dieses Mal mit rotem Achat.
Ich bin mal gespannt, was wir hier noch zu sehen bekommen.
Glück auf, Chris
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Glück auf,
Gibt es denn petrochemische Analysen/petrographische Untersuchungen dieser Objekte?
Fündig geworden bin ich da nicht.
Da ich keine Feldspäte, sondern irgendwie nur SiO2 sehen kann: worauf begründet sich die Aussage "rhyolithische Zusammensetzung". Sind die Feldspäte subvisuell oder sind die entsprechenden (Erd)alkalien sowie das Aluminium in den Glasanteilen enthalten?
Wäre die Hypothese einer sekundären Alteration von Rhyolithen mit SiO2-Zufuhr und (Erd)alkalien sowie Aluminium-Abfuhr denkbar, so dass hier ein hochsilifiziertes Produkt vorliegt, dessen SiO2-Anteil dann weit über den Werten frisch effundierter Rhyolithe (ca.70 - 75%) liegt?
Die Bestätigung dessen würde zwar an sich noch keine Strukturen erklären, aber ich habe leider schon an diesem elementaren Punkt Schwierigkeiten, mitzukommen.
Anstehend gibt es wohl leider nichts?
VG Uwe
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Wäre die Hypothese einer sekundären Alteration von Rhyolithen mit SiO2-Zufuhr und (Erd)alkalien sowie Aluminium-Abfuhr denkbar, so dass hier ein hochsilifiziertes Produkt vorliegt, dessen SiO2-Anteil dann weit über den Werten frisch effundierter Rhyolithe (ca.70 - 75%) liegt?
Das klingt auf jeden Fall interessant - in eine ähnliche Richtung sind meine Gedanken dazu auch schon gegangen (wenn auch bei weitem nicht so fachkompetent ausformuliert wie bei deinem statement!)
ga
oliver
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Anstehend gibt es wohl leider nichts?
in der von felsenmammut angesprochenen fundstelle geht es doch um anstehendes!
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Glück auf,
Danke, hatte ich übersehen.
Da stellt sich dann ja evtl. eine Forschungsaufgabe in situ zum Thema.
Anstehend gibt es wohl leider nichts?
in der von felsenmammut angesprochenen fundstelle geht es doch um anstehendes!
VG Uwe
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hallo uwe,
ja, das wäre durchaus spannend! wobei mir dazu die möglichkeiten fehlen. hättest du denn verbindungen bezüglich dünnschliff und nicols? (was meint nicols?)
vielleicht hätte chris ja geeignetes probenmaterial dafür?
vg, jörn.
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Wenn ihr ins Gelände wollt, hier gibt es eine interessante Wegbeschreibung:
https://landschaften-in-deutschland.de/exkursionen/83_e_505_unteres-triebischtal/ (https://landschaften-in-deutschland.de/exkursionen/83_e_505_unteres-triebischtal/)
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danke für den link holger!
„Im Gebiet nicht mehr sichtbar befanden sich hier auch zwei alte Steinbrüche, angelegt im Dobritzer Quarzrhyolith, der hier rötliche und grüne Farbvariationen zeigt. Außerdem ist Pechstein in felsitischer Form mit mikrokristalliner Struktur vorhanden. In diesem Felsit sind teilweise große Hornsteinkugeln entwickelt, die wiederum von kleineren Kugeln und „Nieren“ zusammengesetzt sind. Diese Variationen werden als „wilde Eier“ bezeichnet, zu sehen auch im Anstehenden des Steinbruches an der ehemaligen Fichtenmühle.“
spannend! denn einerseits steht da ja ganz klar Quarzrhyoilth, und andererseits entspricht mein fundstück ja ziemlich genau so einer einzelnen „niere“. bei den anderen bildern hier im forum war das nicht so deutlich. und auch die grüne farbe ist oben erwähnt.
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Hallo
In der Arbeit von: D.Schwarz & J-M.Lange; Leitgerölle in den pleistozänen Elbeterrassen zwischen Riesa und Torgau, Chemnitzer Heft 36 (2013) wird auch kurz auf den Pechstein und die "Wilden Eier" eingegangen. Wie weit der Begriff "Wildes Ei" aufgefasst wird, kann und will ich nicht beurteilen, aber das letzte von Chris gezeigte Foto zeigt (für mich) keine dafür typischen Spheruloide. Nach dem Foto zu urteilen, passt eher ein Paläobasalt mit schwacher Achatbildung, welcher auch in dem Artikel als Leitgeschiebe erwähnt wird. Kann mich aber auch täuschen, mangels Erfahrung, da für mich nur die pflanzenführenden Leitgeschiebe dieser Fundstellen von Interesse sind. Werner aus der Lausitz
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hier der link zur angesprochenen arbeit von werner:
https://www.researchgate.net/profile/Jan-Michael-Lange/publication/273118534_Leitgerolle_in_den_pleistozanen_Elbeterrassen_zwischen_Riesa_und_Torgau/links/54ff57180cf2741b69f6b9da/Leitgeroelle-in-den-pleistozaenen-Elbeterrassen-zwischen-Riesa-und-Torgau.pdf
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Glück auf Jörg,
hallo uwe,
ja, das wäre durchaus spannend! wobei mir dazu die möglichkeiten fehlen. hättest du denn verbindungen bezüglich dünnschliff und nicols? (was meint nicols?)
vielleicht hätte chris ja geeignetes probenmaterial dafür?
vg, jörn.
Leider nicht mehr, da ich schon länger pensioniert bin und meine Kontakte auch ....
VG Uwe
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Stellt sich noch die Frage, in welche Rubrik wir den Thread jetzt einordnen sollen.
"Allg. Diskussionen Mineralien" passt ja wohl nicht so ganz, und bei den Gesteinen gibts ja nur im Bestimmungsboard eine geografische Untergliederung, während "Gesteine/Rocks/Rocas" ein weltweites Sammelsurium ist. Wäre aber trotzdem wohl das passendste board ....
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Ich finde, das gehört eher in die Mineralien oder sogar Achate .. ist ja oft auch Achat mit drin, in den Wilden Einern ... und dann nach Sachsen ...
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Glück Auf!
Dem Eingangsbeitrag und dem Titel nach geht es um ein petrographisches Phänomen, also recht eindeutig der Gesteinsschublade zuzuordnen.
Mit freundlichen Grüßen
Das Felsenmammut