Mineralienatlas - Fossilienatlas
Vermischtes / Miscellaneous / Varios => Sammlungszettel / Collection label => Thema gestartet von: futzi am 30 Dec 23, 17:55
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Hallo ,
lässt sich das Alter des Etikett grob eingrenzen?
Grüße
Arco
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No statt Nr. und Kalkuranit statt Autunit und die Altdeutschschrift deuten um 1910, 1916 hin.
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Es antwortet immer die selbe :D :D :D
Danke
Grüße
Arco
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Sollte Dir vielleicht zu denken geben :-) Aber Scherz beiseite:
Um 1900 könnte durchaus sein. Das aber allein über die Schrift festzumachen, ist meiner Meinung nach nicht signifikant. Bis in die 30er Jahre wurde meist in "Kanzleischrift" geschrieben, meine Großeltern verwendeten sie noch Jahrzehnte später. Die Schrift auf dem Etikett ist aber eine Art "zeitlose" Schönschrift, vielleicht auch ich sag mal salopp für den "internationalen Gebrauch", d.h. ist keinesfalls auf die paar Jahre zu begrenzen, eher im Gegenteil.
Optimal wäre natürlich, wenn man das verwendete Etikett mittels Aussehens und Schrift einer konkreten Person zuordnen könnte, wie das z.B. bei den Etiketten der ehem. Mineralienniederlage der Bergakademie Freiberg möglich ist (allerdings vereinfacht durch die wechselnden Drucke/Texte). Die Preisangabe und die hohe gedruckte(!) Nummer auf dem Etikett deuten eventuell auf einen kommerziellen Hintergrund, zumindest aber auf eine bedeutendere Sammlung. Es lohnt sich deshalb auch immer, z.B. auf der "old label"-Seite des Mineralogical Record nachzuschauen:
https://mineralogicalrecord.com/search-2/
Die größten Chancen einer zeitlichen Einordnung bestehen m.E. nach über die Mineralbezeichnung und die verwendete Formel auf dem Etikett. Die Erstbeschreibung des Autunits erfolgte 1852 durch Brooke und Miller, die das Mineral nach der Typlokalität (Autun) benannten, aber auch „Pyramidaler Euchlor-Malachit“. (https://de.wikipedia.org/wiki/Autunit)
Im deutschen Sprachraum wurde der Autunit noch lange (vielleicht auch aus "frankophoben Gründen!?) wie auf dem Etikett als "Kalkuranit" bezeichnet. Deshalb kann man als Zeitmarker wohl den allgemeingebräuchlichen Übergang zur jetzt üblichen Bezeichnung "Autunit" ansetzen, den ich deutlich nach 1916 vermute.
Außerdem dürfte die vergleichsweise moderne Formelschreibweise einen Hinweis auf das Etikettalter geben, was ebenfalls ein geringeres Alter vermuten läßt.
Wenn man das alles etwas intensiver recherchiert (incl. der ersten Beschreibung des "Kalkuranits" von Johanngeorgenstadt), könnte das durchaus zu einer deutlichen zeitlichen Eingrenzung führen.
Gruß Chrisch
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Super Information.
Danke
Arco
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Immer gerne wieder! "Etikettologie" könnte man durchaus auch als forensische Wissenschaft bezeichnen... ;D
Die Antwort soll durchaus auch eine allgemeine Anregung sein, es ist immer wieder wahnsinnig spannend, sich mit solch "schnöden Papierschnipseln" zu befassen! Natürlich steckt meist viel Aufwand dahinter. Weitere interessante Details sind z. Bsp. das akkurat ausgeschnittene Etikett, die zweite undeutliche handschriftliche N° "1700" nach irgendeinem Wort; zu dem mir allerdings leider nichts einfällt...
Gruß Chrisch