Mineralienatlas - Fossilienatlas
Fossilien / Fossils / Fósiles => Bestimmung von Funden / Determination of findings => Känozoikum / Cenozoic => Thema gestartet von: Achatist am 22 Aug 24, 14:01
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Hallo werte Foristen,
dieses zahnähnliche Fragment fand ich im Spülsaum am Strand in Heiligenhafen. Am Hundestrand um genau zu sein. Vielleicht schon eine Möglichkeit der Zuordnung. Aber die Erosion und die Größe des „Zahns“ lassen ein paar fantasievolle Gedanken zu.
Ist es doch etwas fossiles?
Ich hoffe die Fotos sind etwas besser gelungen und können zur Identifizierung beitragen.
Gruß Karel
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Odobenus rosmarus: Der Stoßzahn von einem noch jungen und männlichen Wallross? Dann gehört es zumindest an den Hundestrand ;D
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Hallo mimi,
am Hundestrand hätte ich einen abgebrochenen Hundezahn vermutet, ein Seehundzahn wäre auch möglich :) Aber die Größe hat mich stutzig gemacht. Auch ist der Nervenkanal mineralisiert. Also ist es wohl nichts neuzeitliches? Auch die „Wachstumsringe“ machen mich etwas ratlos. Eventuell fossiler unterer Schweineeckzahn? ;)
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Hallo,
Frage mal bei einem Antiquitätenhändler, der kann dir sagen, ob es sich um Elfenbein handelt. Auf jeder Fall ist es beim männlichen odobenus rosmarus (Unterordnung hundeartige) so, dass die stoßzähne erst quadratisch sind und im Verlauf ihre rundliche Form erhalten. Bei den Weibchen sind sie nur rund. Es müsste von einem zwei bis dreijährigen Walrossbaby sein und vermutlich aus einer Zeit stammen als die Walrosse noch stark verbreitet und gerne gejagt wurden.
Es wäre auf jeden Fall ein ganz besonderer Fund. Ich kenne niemanden, der Vergleichbares gefunden hat. Ich drück die Daumen, dass es Elfenbein ist. LG
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Also ich kenn jetzt leider kein Walrosselfenbein aus eigener Anschauung, sondern nur Mammutelfenbein, und das hat einen lamellaren Aufbau und schaut anders aus - ist aber wohl nicht mit Walross vergleichbar.
Trotzdem würde ich das für einen "normalen" Zahn halten, bzw. konkreter für das Fragment eines solchen, mit Zahnbein, Zahnschmelz und vmtl. zentral einem Nervenkanal??
Ein "walrus tusk" lässt aber zugegebenermaßen schon auch Ähnlichkeiten dazu erkennen, sh. z.B. https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Walrus_tusk?uselang=de#/media/File:Walrus_tusk.jpg
lg
oli
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Gerade die Ringe an der Spitze haben mich sofort an ein Wallross denken lassen.
An der sich stets abnutzenden Spitze bilden sich fortlaufend neue Zuwachszonen in Form von Kegeln aus Dentin. Man spricht von Zuwachskegeln. Sie legen sich über die älteren Zuwachskegel und so entstehen außen sichtbare ineinander geschachtelte Dentinkegel.
LG
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Je nach Tierart kann die Oberfläche von Elfenbein unterschiedlich strukturiert sein. So ist es z.B. bei einigen Tierarten mit Schmelz überzogen; beim Elefanten nicht.
Ein erfahrener Antiquitätenhändler sollte ein ungeschliffenes Stück zuordnen können. :)
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ich würds eher einem Zoologen oder Paläontologen zeigen - die (wenigen) Antiquitätenhändler, die ich kenne, könnten wahrscheinlich einen Zahn nicht von einem Schienbein unterscheiden ;D >:D
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;D Stimmt. Da bist du zumindest auf der sicheren Seite. Ich weiß, dass on großen Museen Menschen arbeiten, die auf das Restaurieten von Elfenbein spezialisiert sind. Dort kann man bestimmt Auskunft erhalten. Nicht dass das Stück doch viel älter ist....aus der Eiszeit vielleicht? Da gab es immerhin ein paar mehr Elfenbeinträger...aber es sieht so frisch aus - gar nicht abgeschliffen oder verfärbt. Ich bin gespannt und hoffe, du gibst hier eine kurze Rückmeldung.
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da stimme ich zu - besonders alt siehts eigentlich nicht aus .....
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Vielen Dank für die spannenden Meinungen. Das es ein ungewöhnlicher Fund ist, hatte ich schon vermutet, aber in welche Richtung das gehen könnte nicht. Bei mir in der Nähe gibt es leider kein Antiquariat, ich wüsste auch nicht an wen ich mich hier sonst wenden könnte. Dresden, Leipzig oder Berlin sind bei mir im weiteren Umkreis. Vielleicht gibt es da eine Möglichkeit mehr heraus zu finden. Auf jeden Fall freue ich mich, daß der kleine Strandfund etwas interessanter als meine üblichen Fundstücke ist. ;D Wenn es mehr Erkenntnisse gibt, werde ich hier nochmal Rückmeldung geben. VG
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Hallo Oliver hallo Mimi. In den Tiefen des Netzes habe ich nochmal andere Möglichkeiten per Bildersuche ausgelotet. Wäre es in Betracht zu ziehen, daß es sich um einen vorderen Schneidezahn eines Pferdes oder ähnlichem handelt. Die Spitze wäre dann die Wurzel und das stumpfe Ende die „Kaufläche“
Darf man hier Fotos oder Verlinkungen zu den Seiten einfügen?
VG
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hallo Karel,
die Pferde-Incisivus-Idee hatte ich auch schon, hab sie dann aber nicht weiterverfolgt.
Verlinken ist ok, Bilder hier einstellen wegen fremdem (c) nicht.
lg
oliver
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Hallo Oliver,
hier sieht’s doch ganz gut aus
https://www.antennemuenster.de/artikel/ein-eiszeit-zoo-zieht-um-1425800.html
Immerhin was eiszeitliches, vielleicht besteht ja noch Hoffnung für meinen Strandfund. ;)
VG
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also datierungsmäßig besteht bei einem Strandfund keine Chance (außer der Zahn würde von einer ausgestorbenen Art stammen) - das ginge maximal mit naturwissenschaftlichen Methoden (14C), und da stehen die Kosten nicht dafür ...
lg
oliver
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Die C14 Analyse wäre mir auch zu aufwändig. Das eine engere Einordnung gelungen ist, freut mich schon sehr.
Danke erstmal bis hierhin. Sollten genauere Erkentnisse dazu kommen, schreibe ich hier weiter.
VG
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Ich bin der Überzeugung, das es sich bei dem Objekt
um den Eckzahn einer Robbe oder eines großen
Seehundes handelt.
Die beigefügten Bilder stammen von einer großen Robbenkolonie
am Kap Frio, Skelettküste, Namibia.
Hier finden sich zahlreiche Robbenskelette
(von Hyänen oder auch Wüstenlöwen getötet).
Ebenso findet man im Umfeld immer wieder auch Eckzähne,
wie abgebildet.
Die Zähne haben kein (prä-)historisches Alter.
An der Ostsee sind solche Funde wohl eher die Ausnahme.
Eike Pätz
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Kleiner Nachtrag:
Der abgebildete Zahn hat eine Läange von 5,66 cm
Eike
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Hallo Eike,
danke für die Fotos. In die grobe Richtung wurde hier anfangs auch gedacht. Von der Länge her könnte es passen. Ich denke aber der Zahn stammt schon von einem größeren, pflanzenfressenden Säugetier.
Hier nochmal ein Link
https://forum.archaeologie.online/t/ist-das-ein-versteinerter-zahn/9517
Der ist besser erhalten, aber ähnlich wie mein Fund. Der dreieckige Querschnitt und die Einkerbung an der Vorderseite sind gut zu erkennen. Leider ist mein Fund schon etwas abgerollt. Mich würde ein Querschnitt des Robbenzahns interessieren, dann könnte man besser vergleichen. Bei meinem Fund ist für mich noch der „versteinerte Nervengang“ auffällig. Ist das versteinert oder anders zu bewerten?
VG
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Hallo Karel,
die Vermutungen bzw. Aussagen in Deinem angeführten Link
sind schon etwas sonderbar (um es vorsichtig auszudrücken)
Da eine Robbe ein Raubtier ist, sind die Eckzähne nicht zum
Kauen gedacht, sondern nur zum Reißen der Beute.
Das, was als Kaufläche vermutet wird, ist der Teil des Zahnes,
der sich im Kiefer befindet.
Pflanzenfresser haben haben natürlich keine Reißzähne,
also scheidet doch die Vermutung, es könnte sich um einen Zahn
eines größeren, pflanzenfressenden Säugetiers handeln, schon aus.
Ich habe einmal einen meiner Robbenzähne an der Kieferseite
angeschliffen, der Nervengang hat ca. 3 mm Durchmesser,
ansonsten besteht der gesamte Querschnitt aus Zahnmaterial.
Vielleicht bei Deinem Objekt durch längere Einwirkung von Salzwasser
mehr oder weniger angegriffen.
Eike
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Hi, Der Fund aus Heiligenhafen sieht sehr nach einem Fragment eines Walross-Stoßzahns aus. Solche Stücke werden an der Ostseeküste häufiger gefunden, weil sie aus den Eiszeit-Geschieben stammen. Das Alter liegt in der Regel im Spätpleistozän (ca. 20.000–50.000 Jahre), also aus der letzten Kaltzeit, als Walrosse auch in der Nord- und Ostsee heimisch waren. Toller Fund!