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Mineralien / Minerals / Minerales => Allg. Diskussionen Mineralien / General discussions minerals => Thema gestartet von: Gerdchen am 19 Oct 24, 13:50

Titel: Pleochroismus und/oder Changieren bei Alexandrit
Beitrag von: Gerdchen am 19 Oct 24, 13:50
Hallo,

ich habe eine Frage zum Thema Pleochroismus beim Alexandrit. In einigen Quellen, auch im Mineralienportrait Alexandrit, finde ich immer wieder den Hinweis, dass es sich beim Farbwechsel um einen Pleochroismus handelt. Allerdings werden hierfür zwei verschiedene Lichtarten benötigt. Dann wäre es doch eigentlich ein Changieren. Bei einem Pleochroismus hat man doch ein gleichbleibendes Licht.
Natürlich weist der Alexandrit einen Pleochroismus auf, aber gehört dazu auch der bekannte Farbwechsel durch unterschiedliches Licht?

Gruß
Wolf-Gerd
Titel: Re: Pleochroismus und/oder Changieren bei Alexandrit
Beitrag von: Klaus Schäfer am 19 Oct 24, 17:37
Hi Wolf-Gerd,

Der "Farbwechsel" bei Mineralien und Edelsteinen beruht auf selektiver Absorption des Lichtes. Lichtarten mit unterschiedlichen Welllängen verursachen unterschiedliche Farbwahrnehmungen.
Optisch isotrope Minerale, z.B. Granate zeigen einen Farbwechsel (z.B. von Rot zu Violettrot) unabhängig der Betrachtungsrichtungen. Der "Alexandriteffekt" funktioniert also auch ohne Pleochroismus.

(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1729354266.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1729354266.jpg)(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1729354178.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1729354178.jpg)

Der "Alexandriteffekt" beeinflußt den Pleochroismus, der an die unterschiedliche Wellenlängen des Lichtes entlang der kristallografischen Achsen gebunden ist, nicht.

(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1621328634.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1621328634.jpg)

So zeigt auch ein farbwechselndes, optisch anisotropes Mineral z. B der tetragonale Skapolith zwei gelbliche Farbtöne im Tageslicht und zwei unterschiedliche, grünliche im LED-Kunstlicht (Dichroismus). Auch der orthorhombische Alexandrit zeigt mehrere unterschiedlich rötliche Töne im gelbstichigen Licht (Kerze, Glühbirne) und mehrere unterschiedliche grüne Töne im Tageslicht (Trichroismus).

(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1713693285.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1713693285.jpg)

Richtig spannend wird der Effekt des Changierens, wenn Tageslichtfluoreszenz auftritt. (z.B. untertage grüne Fluorite von Weardale werden leuchtend blau in der Sonne). In diesem Fall bedeutet es allerdings, daß das Material mehr Licht im sichtbaren Bereich emittiert, als es sollte. (i.s.s. Fluoreszenz). Dieses Verhalten zeigt übrigens auch die Synthesenvariante "Erinit" (synth.Spinell) mit ihrem irren giftig-gelbgrünem Leuchten.

Bis Dienstag, Klaus
Titel: Re: Pleochroismus und/oder Changieren bei Alexandrit
Beitrag von: Gerdchen am 19 Oct 24, 18:31
Hallo Klaus,

danke für die Antwort und vor allem für die Bilder.
Soweit so klar, aber gehört der Alexandriteffekt nun zum Pleochroismus oder zum Changieren? Oder gehört das Changieren zum Pleochroismus?
Auf der Fahrt nach München haben wir ja ausreichend Zeit das notfalls noch zu erörtern ;D