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Bergbau und Verhüttung / Mining and Smelting / Minería y Fundición => Schlacken, Gläser, Verhüttungsprodukte / slags, glasses, smelting products => Bestimmungsanfragen zu Schlacken/Gläsern/Kunstprodukten => Thema gestartet von: Steinkauz am 06 May 25, 19:09
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Hallo zusammen,
ich habe einen "Stein" gefunden, den ich - als absoluter Laie - für Schlacke halte. Dieses Fundstück fasziniert mich aus mehreren Gründen und ich hätte es gerne fachkundig bestimmt.
Hier zunächst ein Foto der Oberfläche/Kruste und der Seiten, sowie nachfolgend die für eine genauere Bestimmung erforderlichen Informationen.
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Informationen und Detailfotos zu dem Fundstück
Fundort: Hagen-Haspe/Auf dem Tücking
Der Fundort war auf dem Berg, Eisenhütten in der Nähe (Hasper Hütte, Geweke) waren im Tal.
Auf dem Tücking und auch im angrenzenden Wald habe ich noch nie Schlacke gefunden. (Wobei ich bei Schlacke immer an das relativ leichte, poröse Material denke.)
Gewicht: 34,4 kg :o
Form und Größe: 3-seitige Pyramide mit Kugelkappe, Längsseiten ca. 25-26-28 cm, Querseite ca. 32-35-39 cm, die Wölbung der Kugelkappe misst an der breitesten Stelle 54 cm.
Härte: Der Stein ist sehr hart und fest, ritzt aber kein Glas. Das grüne "Glas" der Kruste ritzt Glas.
Strichfarbe: Sowohl der graue "Stein" als auch das grüne "Glas" erzeugen einen weißen Strich auf der Fliesenrückseite. Für mich sieht es aber eher nach einer farblosen Ritzung aus.
Magnetisch: Im wesentlichen nicht, einige Stellen der Kruste sind schwach magnetisch, das Glas nicht.
Glaskruste: Sehr dunkles Grün, Bruchstücke mit sehr scharfen Kanten
Meine Fragen zu dem Fundstück:
- Kann jemand die Form und Größe erkären? Es sieht aus, als wäre es ein Stück aus einer Kugel oder Halbkugel.
- Lässt sich erkennen, ob das ältere ("historische") oder neuere Schlacke ist?
- Um was könnte es sich bei den verschiedenen Einschlüssen handeln?
- Weiß jemand, welcher Zuschlag die dunkelgrüne Farbe des Glases erzeugt hat?
Würde mich sehr über Antworten freuen. :)
Schöne Grüße
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Hallo,
das ist erstarrte Glasschmelze aus einem Glashüttenwerk. Das wurde im flüssigen Zustand irgendwo verkippt und so wurden Einschlüsse aufgenommen. Ich habe bei mir auch schon sowas auf alten Betonresten von einer Mauer im Wald gefunden. Das Grün wird durch Kupfer erzeugt.
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Das Grün wird durch Kupfer erzeugt.
nicht unbedingt - häufiger durch Eisen. Kommt beim Eisen drauf an, ob es als Fe2+ oder als Fe3+ vorliegt - eines färbt rötlich bis gelbbraun, das andere grün/schwärzlichgrün bis blaugrün. Weiß jetzt aber nicht, welches welches ist - Chemie war schon immer meine Schwachstelle.
Jedenfalls unter reduzierenden Bedingungen ("Sauerstoffmangel") färbts grün, unter oxidierenden rot bis braun (falls ich das jetzt richtig in Erinnerung habe, und nicht schon wieder was verwexle).
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Das zweiwertige Eisen ist für grünliche, auch leicht bläuliche Farbtöne verantwortlich - siehe z.B. Skorodit; das dreiwertige Eisen ist die chemisch "stabilere" Variante und ergibt rötliche bis braune Farbtöne.
M.W. sind grünliche und bläuliche Schlacken wie beispielsweise die an der Sieg und im Ahrtal zu findenden sog. "Mariensteine" durch zweiwertiges Eisen gefärbt - nicht Kupfer (oder gar Kobalt).
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Ich habe noch einige ergänzende Informationen und Fragen zu der Einordnung des Fundstücks, mit dessen Einordnung als Glasschlacke ich mich nicht so recht anfreunden kann.
Da mich der Schlackeklumpen sehr neugierig gemacht hat, habe ich ein wenig Heimatkunde und Recherche betrieben.
Glasschlacke findet sich in der Regel an Standorten von Glashütten oder in deren Nähe (bevorzugt Deponien).
Eine Glashütte gab und gibt es in Hagen nicht. Bis 1828 gab es eine Glashütte in Dortmund-Hörde. (Entfernung ca. 18 km).
Hagen war aber ein bedeutender Standort der Stahlindustrie. Die Hasper Hütte hatte 5 Hochöfen (Entfernung 3 - 4 km/letzter Abstrich 1972) das Eisenwerk in der Geweke einen weiteren (Entfernung zum Fundort: Luftlinie 1 km/Schließung 2018).
In direkter Umgebung des Eisenwerkes Geweke finden sich jede Menge Schlackenstücke unterschiedlicher Größe und Beschaffenheit, von mehr oder weniger porös bis zu massiv wie Granit, mit und ohne Glaskruste. Eine sehr schöne Schlackenmauer in der Nähe gibt das eindrucksvoll wieder. (Foto 8 ).
Wie die Fotos zeigen, weisen einige der Schlacken Ähnlichkeiten mit meinem Fundstück auf (Foto 1 + 2), einschließlich Glaskruste (Foto 3 + 4).
(Im Internet habe ich auf der Seite "debelemnit.de" unter "Eisenschlacken" Fotos mit glasiger Eisenschlacke gefunden, von denen zwei Stücke meiner sehr ähnlich sind.)
Nachtrag zum Fundort: Bestandteil vom Erdaushub eines Baugrundstücks (Stadtrand/Waldrand), deren Besitzerin das Fundstück als Teerklumpen eingeschätzt hatte. (Foto 5)
Nachtrag zur glasigen Schlacke:
Sie ist nicht transparent, Bruchstücke nur am hauchdünnen Rand. (Foto 6)
Die Intensität des Grüntons ist vom Lichteinfall abhängig. (Foto 5)
Fragen:
- Durch welche Kriterien lässt sich Glasschlacke von dem glasigen Anteil einer Eisenschlacke unterscheiden? Lässt sie sich eindeutig unterscheiden? (Foto 7)
- Wäre bei den örtlichen Gegebenheiten und Ähnlichkeiten mit den beim Eisenwerk gefundenen Stücken, Eisenschlacke nicht wahrscheinlicher?
- Könnte es sich bei dem Fundstück evtl. um einen Schlacke Kuchen handeln (Form/Größe)? ( siehe Foto Lexikon "Schlacke allgemein")
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Nachfolgend die restlichen Fotos zu dem vorherigen Beitrag.
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Hallo, Anne!
Zum Ersten finde ich es prima, dass du dich versuchst, mit der Materie zu befassen, um dem Rätsel näher zukommen. Dadurch lernt man viel dazu.
Zum Zweiten, eine Info zur Schlacke: Wenn Schlacke sehr schnell abkühlt, erstarrt sie glasig (Berufserfahrung). Hat sie längere Zeit zum Erstarren, bekommt sie eine meist graue Struktur aus Mikrokristallen. Bei noch längerer Zeit entstehen größere, gut erkennbare Kristalle.
Ich weiß auch nicht, ob bei der Glasherstellung eine Art Schlacke anfällt. Aber ich habe schon Glasklumpen/~bruchstücke gesehen, und glaube mir, DIE erkennst du sofort als solche. Selbst als Laie.
Nun möchte ich dir noch viel Spaß bei deinen Recherchen wünschen.
MfG
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hallo Anne,
alles sehr interessante Fragen - leider bin ich verüttungstechnisch Laie, hab da auch nur ganz minimalen Durchblick.
- Durch welche Kriterien lässt sich Glasschlacke von dem glasigen Anteil einer Eisenschlacke unterscheiden? Lässt sie sich eindeutig unterscheiden?
hm - rein makroskopisch/visuell vermutlich nicht bzw. nicht immer.
Wäre bei den örtlichen Gegebenheiten und Ähnlichkeiten mit den beim Eisenwerk gefundenen Stücken, Eisenschlacke nicht wahrscheinlicher?
ich würde sagen: ja
- Könnte es sich bei dem Fundstück evtl. um einen Schlacke Kuchen handeln (Form/Größe)?
sowas in der Art kam mir auch schon in den Sinn - erscheint (mir) plausibel.
Vielleicht meldet sich ja doch noch jemand von den Verhüttungsexperten dazu ....
lg
oli
edit: das hat sich mit der AW von Klaus überschnitten - da hat also eh schon jemand kompetenter geantwortet :)