Mineralienatlas - Fossilienatlas
Arbeitsmittel / Means for work => Reinigung (Präparieren, Konservierung) / Cleaning (Prepare, Conservation) => Thema gestartet von: geomueller am 17 Oct 05, 17:36
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Hallo alle,
als Sammler aus der Nähe des Erzgebirges hat man natürlich einige Silberstufen in seiner Sammlung ;D ;D ;). Nun ist allgemein bekannt das Silber mit der Zeit meist nachdunkelt und schließlich mehr oder weniger schwarz wird. Meiner Meinung nach handelt es sich bei diesem schwarzen Belag letztlich um Akanthit (Ag2S). Nun zu meinen Fragen:
1. Handelt es sich bei dem Belag wirklich um Akanthit?
2. Wo kommt der benötigte Schwefel her, aus der Luft (SO2)?
3. Wenn ja, kann man seine Stufen schützen, in dem man sie luftdicht verschließt (versiegeltes Josikästchen)?
4. Wenn ja, kann man seine Stufen schützen, in dem man sie z. B mit Haarlack versiegelt?
5. Manche Stufen laufen schneller an, manche langsamer und manche auch gar nicht, woran liegt das?
Gruß der fragende Geomueller ;)
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1. Handelt es sich bei dem Belag wirklich um Akanthit?
vermutlich nicht so als Mineral 8) sondern eher um ein Ag_x(S,O)_y
2. Wo kommt der benötigte Schwefel her, aus der Luft (SO2)?
Ja, aber imho nicht als SO2. Meines Wissens reichen verkohlende Eiweissverbindungen in der Küche schon.
3. Wenn ja, kann man seine Stufen schützen, in dem man sie luftdicht verschließt (versiegeltes Josikästchen)?
Cuny, Chemie, Seite 102 , Übung 1:
Um Silberwaren ... vor dem Anlaufen zu schützen, gibt man Papier, dass mit einer Bleisalzlösung getränkt ist, in den selben Raum.
Ist zwar nicht die feine Art, aber wenns hilft ;D ;)
5. Manche Stufen laufen schneller an, manche langsamer und manche auch gar nicht, woran liegt das?
Gefügestruktur, Oxidschicht, Dotierstoffe/Begleitmetalle im Silber?
hth
Frank
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hallo jürgen
das hab ich für dich im web gefunden:
"Beim Anlaufen reagiert das Silber nicht mit dem Luftsauerstoff (Oxidation), sondern vor allem mit Schwefel, z.B. mit dem in der Luft enthaltenen Fäulnisgas Schwefelwasserstoff. Die Folge sind nach und nach entstehende gelbliche bis schwarze Beläge aus Silbersulfid (Ag2S) sowie Kupfersulfid (Cu2S) und Kupferoxiden (Cu2O und CuO) des Legierungspartners Kupfer."
fäulnisgase also
na wo die wohl herkommen?
lieben gruß
kracher
lacht ;-))
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Also ich hab mal auch die div. Fachbücher gewälzt.
Es ist wirklich so, dass das Silber mit den in der Luft befindlichen Schwefel-Verbindungen zu Silbersulfid (schwarz) reagiert.
Bei der Reaktion von Silber mit Sauerstoff entsteht sogar offenbar eine farblose durchsichtige Oxidschicht, die vor weiterem Angriff schützt.
Daher denke ich, dass je nach Zusammensetzung der Silbers (Fremdatome, Dotierstoffe, etc.) sich eine schützende Oxidschicht über dem Silber ausbildet oder eher eine schwarze Sulfid-Schicht.
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Hallo,
danke erst mal für die Antworten ;). Dann müsste man ja mal versuchen das Silber purem Sauerstoff auszusetzen, quasi Sauerstoffzelt für die Stufen ;D. Zwei Sufen die noch relativ frisch aussehen werde ich mal in luftdichten Josi-Kästchen stecken, ich denke das müsste auch helfen.
Wie hebt ihr euer Silber auf, bzw. was habt ihr für Erfahrungen gemacht?
Gruß Jürgen
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Die meisten schwarzen Beläge auf Silber stammen meines Erachtens nicht aus der Umgebungsluft sondern aus der Matrix, die meist Schwefel- und Arsenionen abgibt. Dadurch wird auch ein Eindosen nicht helfen. Schwarz amgelaufene Silberlocken sind nicht das größte Übel. Wirklich schlimm ist es, wenn sich aus dem Arsen der Matrix Akanthitnadeln auf dem Silber bilden. Die Silbelocken sehen dann bald wie Stacheldraht aus. Das geht so lange, bis entweder das Arsen oder das Silber alle ist - meist ist mehr Arsen als Silber auf der Stufe. Diese Erscheinung tritt nun sogar verstärkt auf eingedosten Stufen auf, da hier das Arsen gute Bedingungen zur Sublimation hat. Silberstufen auf der Fensterbank mit ständigen Luftwechsel sollten da eher stabil bleiben.
Glück Auf
Uwe
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3. Wenn ja, kann man seine Stufen schützen, in dem man sie luftdicht verschließt (versiegeltes Josikästchen)?
Cuny, Chemie, Seite 102 , Übung 1:
Um Silberwaren ... vor dem Anlaufen zu schützen, gibt man Papier, dass mit einer Bleisalzlösung getränkt ist, in den selben Raum.
Ist zwar nicht die feine Art, aber wenns hilft ;D ;)
Mein allererster Gedanke war Rhodium wie man es in der Schmuckindustrie verwendet. Da wird galvanisch eine dünne Schicht Rhodium aufgebracht um vor dem Anlaufen und Abrieb von Silberschmuck zu schützen. Bei Silberbarren/-münzen wird das wohl auch teilweise angewendet.
Vielleicht kennt ja jemand einen Goldschmied bei dem man das ganze ausprobieren könnte? Zumindest bei manchen (nahezu) matrixfreien Silberlocken könnte das durchaus funktionieren - müsste man vorher natürlich an einem kleinen Stück mal ausprobieren ob das ganze überhaupt funktioniert.
Zumindest gesünder als bleihaltiges Papier in der Wohnung zu verteilen ;D
MfG
Reaktor
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Hallo Uwe und Reaktor,
danke für die tollen Tips :)
@uwe
Also ich habe mehrere Silberstufen auch unter Verschuß in Josidosen und alle verhalten sich unterschiedlich, z. B. 1. Silberlocken auf Argentit aus Pöhla - läuft schwach an, 2. Silberdentriten in Arsen aus Pöhla - läuft gar nicht an, 3. Silberkristalle auf Skutterutit von der 371 Schlema - läuft sehr stark an, 4. Moosartiges Silber auf limonitisch/dolomitischer Matrix aus Pribram - verkrustet regelrecht schwarz nach ca. einem 1/2 a. Also wie gesagt alles unter Verschuß und völlig unterschiedliche Reaktionen, also wird es wohl an den unterschiedlichen Paragenesen der verschiedenen Stufen liegen (??) und nicht an der Aufbewahrung. Das Problem mit den Akanthitnadeln hatte ich bisher überhaupt noch nicht, habe aber schon oft davon gehört. Wahrscheinlich bilden sich diese Akanthitnadeln auch nur unter ganz bestimmten Bedingungen.
@Reaktor
Das mit dem Rhodium klingt ja sehr interessant, muß ich mich mal schlau machen. Ich kenne da einen Goldschmied ganz gut, mal sehen ob sich da was machen lässt.
@alle
Wie hebt ihr euer Silber auf, bzw. was habt ihr für Erfahrungen gemacht?
Gruß Jürgen
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Zumindest gesünder als bleihaltiges Papier in der Wohnung zu verteilen ;D
Richtig, deswegen hätte ich es mit in die Dose gepackt 8)
MfG
Frank
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Mir stehen die Haare vor Entsetzen zu Berge ( ;)) Wenn man Rhodium auf Silber aufdampft, dann hat man eine neue Pseudo-Paragenese. Das ist etwa genau so etwas, als wenn man die Spitzen von Quarzen nachschleift oder Achate färbt.
Glück Auf
Uwe
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Hallo uwe,
na übertreib mal nich gleich, ich würde das mit dem Rhodium eher als eine Art Konservierung ansehen ;). Uranglimmer sprühst du doch auch mit Haarlack ein ;D
Gruß Jürgen
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Hallo Jürgen,
das hatte ich ja damals am 4. Oktober 2004 im Forum geschrieben..stand meines Wissens in einer der Lapis-Ausgaben..
Hallo uwe,
man hat übrigens auch festgestellt, dass die meisten an der Luft entstandenen schwarzen Bildungen auf Siber nicht Akanthit sondern Stromeyerit darstellen..
..zu meinem Boracit von Bernburg..auch ich habe nach all der Zeit noch kein Ausbleichen festgestellt (ist auch im luftdicht verschlossenen Kunststoffkästchen aufbewahrt - wie fast alle meine Stufen); habe nur eine Theorie angeboten (s.o.)
Gruß Peter
also STROMEYERIT und nicht AKANTHIT..das waren die neuesten Untersuchungen.. ;)
http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Stromeyerit
Gruß Peter
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Nach drei Jahren ist es interessant zu wissen, ob es neue Erkenntnisse gibt.
Wurden denn inzwischen Erfahrungen mit Maßnahmen gegen das Anlaufen gesammelt? Möchte selbst auch verhindern, dass die Funde der letzten Zeit, die frisch der Halde entnommen noch herrlich silberweiß glänzen, schwarz werden. Lieber eine künstliche Schutzschicht als Stromeyerit oder Akantit oder was auch immer auf dem Silber, denn man will ja das Silber sehen und nicht eine Mineralneubildung des Wohnraumes.
Wie bekommt man schwarz gewordene Dendriten- oder Lockenstufen wieder silberweiß?
Gruß
Uwe
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Glück Auf!
Das Silber bekommt man ganz einfach mit Wasserstoffperoxid sauber. Am besten den Vorgang dabei beachten , nach gewünschter Reinigung in Regen oder Destilierten Wasser gut eine Woche wässern, Wasser täglich wechseln.
Danach wieder eindosen und ein Stück Straßenmalkreide beigeben. Diese im abstand von einen halben Jahr entweder wecheln oder trocknen.
H2O2 am besten in einer Drogerie kaufen, Apotheke ist zu teuer.
Bergbaumaulwurf
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Einige "Aufbereiter" von Silberstufen, verwenden nach dem Säubern Zaponlack zum Konservieren des Silbers. Ich habe selbst mehrere solcher Stufen in der Sammlung seit einigen Jahren und muss sagen, dass man erstens den Zaponlack nicht sieht und zweitens das Silber wirklich nicht nachdunkelt. Wie man den Zaponlack aber am besten anwendet, kann ich mangels praktischer Erfahrung damit nicht sagen.
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@ Bergbaumaulwurf: H2O2 kannte ich als Lösungsmittel für Arsen, interessant, dass es auch die Anlaufschicht entfernt. Dank für die Tipps.
@ Schluchti: Zaponlack ist eine gängige Methode, allerdings nahm ich an, mehr für Anschliffe oder größere Aggregate mit dickeren Locken. Kann es da nicht sein, dass zarte Aggregate selbst bei starker Verdünnung des Lackes verkleistern und es unter dem Bino wie eingegossen aussieht?
@ Reaktor :D : Rhodiumbeschichtung klingt professionell, werde mal beim Goldschmied fragen.
Habe ebenfalls beobachtet, dass das Anlaufen sehr unterschiedlich schnell geht. Ein Arsenstück mit reichlich wollartigem Silber drin war nach dem Aufschlagen des Stückes binnen zwei Tagen braun angelaufen, ein anderes Stück, gleiche Fundstelle ist nach drei Monaten noch silberweiß. Erklärung eines Mineralogen: unterschiedlicher Antimongehalt ???
Gruß Uwe
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Ich habe ein Silberstück mit Bornit von Taxco Guerrero, Mexiko, dass schon seit 13 Jahren (!!) bei mir rumsteht. Das Silber ist nicht behandelt und besitzt immer noch seine typische Farbe. Liegt das wirklich an dem unterschiedlichen Antimongehalt ?? ???
Bei erzgebirgischen Stücken sieht das auch ganz anders aus...
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Ich habe gerade noch mal die früheren Beiträge zu diesem thread gelesen. Jetzt frage ich mich, wo die Kupferionen für das Stromeyerit bei einer Matrix, welche Arsen und Schwefel und Silber enthält, herkomen soll. Silber läuft auch schwarz an, wenn man damit z.B. ein Hühnerei ist. Auch hier ist mir die Anwesenheit von Kupferionen äußerst rätselhaft.
Der Belag wird wohl doch in den meisten Fällen, neben einigen Ausnahmen, Akanthit sein.
Gruß
Uwe
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ich würde wetten, daß die matrix nicht nur rein aus arsen, schwefel und silber besteht. da ist meist immer auch kupfer dabei. beispielsweise findet man in jedem galenit auch silber. wo das eine metall ist ist ziemlich sicher auch immer das andere. nur eben in geringerer konzentration. kann in irgendwelchen mineralen gebunden sein, aber da die meisten metalle immer zusammen in verschiedenen konzentrationen vorkommen macht das nichts. Das anlaufen beim eieressen ist ja durch den schwefel bedingt. aber kupfer im ei?
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Hallo,
Ich kann jetzt nur für den Schwarzwald sprechen: Stromeyerit ist dort meines Wissens nur von der Grube Clara und dem Steinbruch Hechtsberg bekannt geworden (Walenta (1992)). Alle anderen Ausblühungen erwiesen sich immer als Akanthit, selbst wenn Fahlerz in der Nähe ist.
Ich verwende immer schwarzes Isolierband (Klebeband), das ich um die Schachteln klebe. Damit ist ein Teil der Stufen von der Grube Clara immer noch silberweiß nach 8 Jahren, ein anderer läuft leider doch an.
Glück Auf!
Smoeller
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Also was das konservieren von Silber betrifft, so wird in dem Buch "Mineralien reinigen und aufbewahren" das Verfahren beschrieben, das Silber (geht auch mit Kupfer) mit einem lankettigen Thiol - namentlich Hexadekanthiol oder Oktadekanthiol - in n-Butanol zu behandeln. Die Theorie ist (ich hoffe, ich bekomme das noch aus dem Kopf hin :P ), das sich die -SH - Gruppen an das Silber bzw. Kupfer binden und die "Alkanschwänze" von der Metalloberfläche wegragen (in dem Buch gibt es eine anschauliche Zeichnung), so das diese nicht mehr mit schwefelhaltigen Stoffen reagieren kann - hat ja schon reagiert. Diese Schicht ist monomolekular und - angeblich - völlig unsichtbar. Die Thiole sind nicht giftig und somit ggf. noch irgendwie für Privatpersonen erhältlich sein. Zudem benötigt man sehr kleine Mengen (irgendwas mit 2 g pro Liter).
Ein anderes Mittel bietet Mikon an: Es nennt sich "Kupfer-Silber-Reinigungsmittel" (kann man dort im Shop bestellen) und wird in wasser gelöst. Es funktioniert wirklich gut und Silber läuft auch nach jetzt über einem Jahr nicht erneut an. Kupfer läuft leider doch etwas an. Bei der Behandlung trat bei mir speziell beim Silber das Problem auf, das sich das Silber mit einer mysteriösen rötlichen Kruste überzogen hat, welche aber leicht im Ultraschallbad entfernt werden konnte. Das Reinigungsmittel ist frei verkäuflich, ich vermute mal, das es auf Chromatbasis arbeitet (typische orangerote Lösung, die bei der Behandlung grünlich wird - typisch für Chromat, welches zu Cr3+ reduziert wird). Chromate und Dichromate sind nachweislich cancerogen und hochgiftig, hinzu kommt, das in dem Mittel auch noch Natriumfluorit enthalten ist. Scheint mir eine kleine Lücke zu sein, das die das Zeug noch verkaufen dürfen, als reine Chemikalien bekommt man diese jedenfalls nicht mehr. Wer sich das Zeug zulegen sollte - bloß Vorsichtig damit sein und jeden Hautkontakt vermeiden (Handschuhe !!!). Nicht verschlucken etc. versteht sich hoffentlich von selbst ;).