Mineralienatlas - Fossilienatlas
Mineralien / Minerals / Minerales => Allg. Diskussionen Mineralien / General discussions minerals => Thema gestartet von: Philip Blümner am 01 Nov 05, 19:14
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Hallo!
Ich würde gerne wissen, was genau beim Pyrrhotin ein Kristall ist? Es gibt die Tönnchen und es gibt
einzelne Bleche. Kann man die Tönnchen als XX bezeichnen oder sind das schon Aggregate?
Gruß
slugslayer
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Zu den 'echten' Kristallformen beim Pyrrhotin zählen: Tafeln (wie z.B. auch von Naica, Mexiko..), selten dipyramidal und fässchenförmig!
Körnige, derbe und tafelige Aggregate (Aggregate sind Kristallverwachsungen) gibt es auch von Pyrrhotin.
Quelle: eigene Sammlung und aus Mineralien-Handbuch von Duda ... Nr. 283, S. 236
Gruß Peter
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Hm, aber so ein Fässchen besteht ja aus ganz vielen Blechen...
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Ja, kann schon sein aber das 'Gesamtgebilde' aus den AGGREGATEN: 'BLECHE' (= Aggregatform) bildet dann trotzdem den KRISTALL (= Kristallform): 'FÄSSCHEN'.. :D
Ganz anderes Beispiel: Man sagt ja auch z.B: Ich habe da eine Kristallrosette aus tafeligen Gips-Kristallen ..z.B. :)..hier ist auch die Rosette = Aggregat und die Tafeln sind die Kristalle.
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Also: Bleche = so kristallisierte Aggregate? Tönnchen = Ansammlung der Aggregate?
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Das Tönnchen ist dann ein Kristall, wenn die Bleche die XX-Aggregate sind, d.h. das Tönnchen aus den Blechen aufgebaut sein sollte.
..wenn man so will, ist das schon eine 'Ansammlung von Aggregaten', wie Du sagtest.
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Merci bien! Ist es dann bei Glimmer ähnlich?
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Dick- und dünntafelig bzw. nur tafelig werden z.B. die Kristalle bei Biotit beschrieben (man könnte auch 'Glimmer-Pakete' sagen; Aggregat dann = 'Paket' aus tafeligen XX) aber es gibt auch idiomorphe prismatisch-pyramidenförmige Biotit-XX.
Die Aggregate dagegen werden beim Glimmer als schuppig, körnig oder massiv beschrieben.
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okay, dann wäre das erstmal geklärt.
Danke
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Hallo!
Ich habe Pyrrhotin aus Trepca erworben. Auf den Tafeln sitzen im ungeraden Lot neue, gitterartig angerichtete Pyrrhotin XX. Kann man hier von einer Epitaxie sprechen?
Gruß
slugslayer
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Servus Slug,
eine Epitaxie ist meines Wissens die orientierte Verwachsung von verschiedenen Mineralien, z.B. Gismondin und Phillipsit vom Teichelberg oder Uraninit auf Columbit von Hagendorf!
Servus + Glück auf
Wolfi
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...oder wie Rutil auf Hämatit...
Das mit den verschiedenen Mineralien wusste ich, aber hätt' ja sein können.
Ich frag mich aber, wie es dann heißt! Es muss doch dafür auch einen Namen geben.
Liebe Grüße
slugslayer
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Servus Slug,
weiß ich auch nicht. Orientierte Verwachsung halt... Ein Sagenitgitter aus Rutilnadeln wird zum Beispiel meines Wissens lediglich als orientierte Verwachsung bezeichnet.
Servus + Glück auf
Wolfi
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Das klingt doch net schlecht und klingt plausibel!
Danke, wolfi.
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Hallo Philip
bist Du 100% sicher, daß das Pyrrhotin ist ? Könnte das nicht auch Arsenopyrit (Arsenkies) sein ?
Warum die Frage ?
Diese Art von Verwachsung Sagenit-ähnlicher Gitter ist gerade für Trepca-Arsenkies charakteristisch. Hierbei handelt es sich um Zwillinge, i.d.R. nach (012) und (101) , bzw. (201). Die Symmetrie ist monoklin.
Die oft weitverzweigten Gitter selbst setzen sich aus multiplen sechsstrahligen Sternen (der Winkel zwischen den einzelnen Kristallen beträgt ca. 60 Grad ) zusammen.
Das Arsen kannst Du relativ einfach nachweisen.
Pyrrhotin bilder ja relativ selten Kristalle, wobei die häufigsten Flächen das Pinakoid (0001) und das Prisma (1010) sind; auch Doppelpyramiden (1011 und 2021). Zwillinge nach (1012) sind sehr selten.
Pyrrhotin-Kristalle sind i.d.R. tafelig, selten säulig oder pyramidal.
Gitter, wie auf Deinem Foto zu sehen (mit Winkeln um ca. 60 Grad) sind bei Pyrrhotin nicht bekannt.
Hast Du schon geprüft, ob die Kristalle magnetisch sind ? (Pyrrhotin ist häufig tw. stark magnetisch).
Vielleicht hilft Dir das ein bißchen weiter
gruß
collector
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Hallo Peter,
Form und Farbe sprechen für Pyrrhotin. Aber bei genauerem Betrachten sehe ich stiftförmige Auswüchse (an den Rändern der Pyrrhotin-Platten.
Wäre dann eine Epitaxie Arsenopyrit-Pyrrhotin denkbar? Magnetismus liegt vor, aber mehr an den Platten als an den orientierten Kristallen.
Gruß
slugslayer
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Hallo Philip
jjjjein ....
Form und Farbe : Gerade die Form der Gitter spricht nicht für Pyrrhotin ! Deshalb ja meine detaillierte Ausführung.
Und Farbe: Ich habe nicht selten messinggelb angelaufene bis zu mattgrau-bräunliche Arsenopyrite gesehen.
Und Magnetismus an den Platten: Klar, das spricht für Pyrrhotin. Kein Magnetismus an den Kristallgittern: Spricht für Arsenopyrit.
Und Epitaxie: Wenn Du genau hinschaust, wirst Du ja sehen, ob es eine zweidimensional orientierte Verwachsung von Kristallen ist (Verwachsung ist der Oberbegriff für Parallelverwachsungen, Zwillinge und Epitaxien; bei der Epitaxie berühren sich beide Kristallarten in einer Ebene).
Epitaxie = kristallographisch orientiertes Aufwachsen;
Ist dies nicht der Fall, dann tendiere ich zu der eleganteren Lösung: Arsenopyrit auf Pyrrhotin.
Just like that ! ( neudeutsch: Arsenopyrit an Pyrrhotin ;D)
Hinweis:
Ein Sagenitgitter auf Feldspat oder Quarz kann - wenn die Kristalle zweidimensional orientiert verwachsen sind , epitaktisch verwachsen sein - muß aber nicht. Ich wär da vorsichtig, nur nach oberflächlichlichem Augenschein auf eine Epitaxie zu schließen , ohne die kristallographische Orientierung zu kennen. Jedoch kann man natürlich eine epitaktische Verwachsung auch nicht ausschließen.
Das einfachste ist: Gib ein paar Brösel von den Gitter-Kristallen in ein Reagenzglas, erhitze dies und riech dann dran. Leichter Knoblauchgeruch spricht für Arsen.
gruß
collector
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Also der Pseudo-FeAsS wächst direkt auf den Pyrrhotinplatten. Der Pyrrhotin hat auf der Oberfläche hexagonale Plättchen-Andeutung, und nach diesen Richtungen wachsen die gittrigen XX.
Was für ne Temperatur brauch ich für Arsenopyrit? Hab zwar Reagenzgläser en masse, aber kein Bunsenbrenner.
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Hallo Philip
1. Der Arsenopyrit zersetzt sich zwischen 420 und 675 Grad.
2. Tafelige hexagonal aussehende Plättchen sprechen für Pyrrhotin.
Bevor wir weiter suchen, beschreib doch mal die Kristallform der Kristalle, welche das Gitter bilden.
(Draufsicht, Seitenansicht und Querschnitt der Kristalle), Dann kommen wir der Sache näher.
Ferndiagnosen sind immer im Bereich des Rumtappens im Dunklen, bis man an ne Wand stößt. Ist halt besser, wenn man das Stück selber in der Hand hält oder auch close-ups der Kristalle sieht. So ein Gesamtbild ist immer schwierig zu beurteilen.
Gruß
collector
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Gut, Fotos kommen noch.
Wie bekomme ich denn den Arsenopyrit auf 420-675°C ohne Bunsenbrenner? Geht da ne Kerze auch?
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Hallo!
Jetzt die Bilder ;D
Ich habe die Stufe zum Ablichten nochmal herausgekramt und habe so einiges, auch unterm Bino, entdeckt!
Es handelt sich also um eine Pseudomorphose von Pyrit nach Pyrrhotin. Auf den Kristallen sind zahlreiche Arsenopyrite gewachsen. Die Kristalle sind recht lang, dünn, dreiseitig und das Dreieck ist gleichschenkelig. Spricht auf jeden Fall für Arsenopyrit. In Zwischenräumen sind auch freigewachsene Kristalle erkennbar.
Auf der Stufe befindet sich noch milchiger Quarz und weiße Calcitkristalle. Mit der Kamera entdeckte ich aber noch weiteres. Bournonitkristalle! Und darauf ein leichter Besatz an Verwitterungsprodukten. Türkisgrüne Kügelchen, aber winzig klein, nur mit dem Bino erkennbar. Daneben fand ich noch weiße Nadeln. Sie reagieren auf Salzsäure, daher gehe ich von Aragonit aus (da es ein paar Sekunden gedauert hat, dass sich ein Aggregat von 1x2 mm in Salzsäure löste..vielleicht Cerussit?)
Nochwas: graue kugelige Aggregate hielt ich für angelösten Galenit, bei näherer Betrachtung sieht es aber nach Calcit (jedenfalls ein Carbonat, HCl-Test) mit feinem grauen Einschluss aus. Möglicherweise Boulangerit o.ä.?
Ganz winzig verteilt an den Säumen des Pyrits, übergehend in den Arsenopyrit rotbraune kugelige Formen. Ich nehme an Limonit o.ä., einzelne Kugeln erinnern an Siderogel.
Allenfalls eine faszinierende Stufe - einer der spannendsten der Sammlung, wie sich herausstellt.
Hier Fotos:
(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1420244239.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1420244239.jpg)(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1420244438.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1420244438.jpg)(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1420244002.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1420244002.jpg)(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1420244804.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1420244804.jpg)(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1292108268.jpg.b) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1292108268.jpg)