Mineralienatlas - Fossilienatlas
Mineralien / Minerals / Minerales => Allg. Diskussionen Mineralien / General discussions minerals => Thema gestartet von: Schweizer Strahler am 04 Nov 05, 11:46
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Da ich ein paar Amiantstufen zu Hause stehen habe, und Amiant ja aus der Gruppe der Asbeste stammt, wollte ich gerne wissen, ob man die Stufen gefahrlos im Zimmmer rumstehen lassen kann? ???
Gruß Dominik
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http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,5811.0.html
http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,6137.0.html
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Hi Dominik,
so weit ich weiß, wird Asbest erst richtig gefährlich wenn kleinste Staubpartikel freigesetzt werden (z.B. beim zerschneiden von Asbest). Wenn die Stufe aber unberührt im Regal steht, sehe ich da keine Gefahr. Wenn Du dir aber ganz sicher sein willst, kannst Du doch die Stufe in ein Döschen einpacken (habe ich gemacht).
Grüße
Hg
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Hallo ..
.. hängt davon ab, ob die Amiantstufe in einem Kästchen aufbewahrt wird oder offen herumsteht. Ich persönlich hätte kein gutes Gefühl dabei, Mineralien die mit Asbest verwandt sind, offen herumstehen zu lassen. Eine Asbestose ist alles andere als gesund.
Bereits kleinste Asbest-Partikel können eingeatmet im schlimmsten Falle zu Asbestose beim Menschen führen.
Gruß Peter
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Hallo, leider wurde das Thema giftige Mineralien geschlossen und ich wollte eigentlich zum Thema Asbest noch was schreiben, deshalb habe ich diesen Thema nochmals aufgemacht.
In dem angegebenen Thema Giftige Mineralien wird das Thema Asbest heruntergespielt, was einfach nicht in Ordnung ist:
Seit 1936/37 wird die Asbestose als Berufkrankheit anerkannt
Seit 1943 wird Lungenkrebs in verbindung mit Asbestose als Berufskrankheit anerkannt
Seit 1977 wird das durch Asbeststaubbelastung verursachte Mesotheliom (=Tumor) des Rippenfells und des Bauchfells und seit 1993 des Herzbeuteuels als Berufskrankheit anerkannt.
Seit 1990 wird Asbest in die höchste Gefährdungsgruppe krebserzeugender Gefahrstoffe aufgenommen
Seit 1995 ist in Deutschland der Import, die Herstellung und die Verwendung von Asbestprodukten praktisch vollständig verboten.
Verursacht werden die Erkrankungen von lunkengängigen Asbestfasern der Faserlänge größergleich 5 Mü (kann keine Symboleschrfiten finden), einem Faserdurchmesser < 3 Mü sowie einem Verhältnis von Länge zum Durchmesser > 3:1.
Für diejenigen die es weitergehend Interessiert habe ich ein File angehängt.
Gruß loparit
.. dem kann ich nur zustimmen. Man sollte das nicht herunterspielen! :-\
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Moin, danke für die Antworten - werde meine Amiant-Stufen lieber in Döschen einpacken!!!
Gruß Dominik
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Hallo Dominik,
Verschluß sollte unbedingt sein. Auch wenn die Fasern in einer Matrix eingebunden sind.
Da mich die Asbeste ein wenige interessieren, habe ich einiges davon -- wie gesagt allerdings verschlossen.
Gruß Moni
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Hi,
Ich glaube das es kein so grosses problem ist.
Wenn unberurt in eine Vitrine gibt es glaube ich kein gefahr.
Beim formatieren sollte man die Stufe nass bearbeiten so dass nichts in die luft kommt (und bitte in die freiluft..).
Ich glaube nur die Mineraliensammler die nur Asbestmineralen (Amiant(Akthinolit asbest), Serpentinit u.s.w.) sammlen (gibt es die?) und das zeug standig im Haus herum transportieren sind gefahrdet.
Grusse
Harjo
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Hallo,
ich bin möglicherweise etwas leichtfertig, aber ich halte die vom Astbest ausgehende Gefahr zwar für realistisch, aber wie in Deutschland nun mal üblich, stark übertrieben. Vor 50 Jahren war Asbest noch nicht als Gefahr erkannt. Wir haben uns damals als Chemielehrlinge mit zerpflückter Astbestschnur (zum isolieren der Laborgefäße verwendet), mit einem Gummiball von den Spritzflaschen gegenseitig beschossen. Es leben heute fast alle noch.
Glück Auf
Uwe
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Liebe Asbestsammler!
Natürlich ist Asbest krebserregend, wenn man herumfliegende Fasern in lungengängiger Größe einatmet. Es sei aber daran erinnert, daß in der Regel etwas nur dann eine Berufskrankheit werden kann, wenn man auch berufsmäßig über längere Zeit damit umgeht. Meines Wissens wurde die Berufskrankheit Asbestose Jahrzehnte später an Frauen festgestellt, die während des Krieges bei der Herstellung von Granaten während der Arbeit mit großen Mengen frei herumliegender Asbestfasern zu tun hatten - das ist nicht vergleichbar mit einer still in der Sammlung stehenden Asbeststufe. Trotzdem sollte man sie natürlich in geschlossene Kästchen einsperren, um den Flug von Fasern zu vermeiden. Ich selber habe meine Asbeststufen nicht offen in Wohnräumen stehen. Bei krebserregenden Stoffen ist es ja leider so, daß es keine Konzentrationsuntergrenze gibt, unter der eine Schädigung definitiv auszuschließen ist, sie wird mit sinkender Konzentration statistisch nur immer seltener und verschwindet dann im "statistischen Untergrundrauschen", wo vielfache Einflüsse eine Rolle spielen.
Vor wenigen Jahren habe ich in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover in der Vitrine "Industriemineralien" ein Schild mit folgender, sinngemäß wiedergegebener Aufschrift gelesen:
"Hier sollte eigentlich eine Strufe Asbest stehen. Auf intensiven Druck meiner Kollegen hin habe ich sie nicht ausgestellt. Es sei aber darauf hingewiesen, daß die krankheitsfördernde Wirkung von Asbest nur durch das Einatmen lungengängiger Stäube auftritt, für die Betrachter einer geschlossenen Vitrine also nicht gegeben ist. Um die schädigende Wirkung der Asbeststufe zu entfalten, müßte erst das Glas der Vitrine zerschlagen werden ..."
Gruß
Grauwacke
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Vielen Dank nochmals an alle für die Informationen!
Gruß Dominik
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Hallo Dominik,
hättest du noch eine Amiantstufe, die du vielleicht abgeben würdest? Ich könnte eine gebrauchen. Würde sie dir abkaufen.
Gruß
Brian ;D
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Hallo,
Die Gefahr durch Asbest ist bereits seit 1927 ! bekannt. Damals aber wollte es nur keiner wahrhaben. Und ehe es Pläne für konkrete Verbote gab, kamen die Nazis und dann der Krieg. Da war Asbest auf einmal wieder vom Tisch, denn man brauchte es unter anderem als Dämmung in Gasmasken und als Brandschutz. Die hochentwickelten Kunstfasern von heute gab es ja noch nicht.
Nach dem Krieg dann kam der kalte Krieg. Wieder hat keiner auf das Verbot gepocht, denn wieder gab es eine wichtigere Sache. Statt Giftgas nun die A-Bombe. Man brauchte Schutzanzüge gegen Hitze und Strahlung und man brauchte Uran. In den Betrieben der Wismut in der ehem. DDR war Spritzasbest als Wandbestandteil und Asbest zur Bremsung der Seile in der Schachtförderung verbaut.
Im "Westen" wurde Asbest ebenso bedenkenlos in Wände, Aufzugbremsen, ja sogar Straßen und Autobremsen eingebaut. Ganz zu schweigen von den ganzen Eternitplatten. Erst mit der Ökobewegung der 80-er erinnerte man sich wieder an die Gefahr. Hektisch wurde alles, was Asbest hieß aus den Schulen, Behörden,Hochhäusern gerissen. Unter höchsten Sicherheitsmaßnahmen, die diejenigen, die das Zeug (Spritzasbest + Druckluft !!) gerade 10, 15 Jahre vorher reingebaut hatten, niemals hatten.
Aber nun zum positiven: Die meisten Asbeste sinsd Chrysotil- oder Weißasbeste. Diese zur Familie der Serpentine gehörenden Minerale bestehen aus Röllchen von Silikatschichten. So ähnlich wie eine Teppichrolle. Die Enden sind stumpf, daher ist die Krebsgefahr nich ganz so hoch. Chrysotil stießt sich schlecht in die Lungenzellen.
Aber Amianth? Amianth ist als Aktinolithvarietät ein Amphibol. Amphibolasbeste besitzen spitze Enden. Die Fasern können sogar in bestimmten Fällen durch die Lunge in das Zwerchfell eindringen und verursachen das sog. Mesotheliom, eine besonders bösartige (und tödliche) Krebsart. Aber solange man die Stücke im Regal stehen lässt und die Fasern nicht übermäßig (Amianth ist biegsam) bewegt, sollte da nichts passieren. Die meisten Erkrankungen findet man nicht bei Sammlern oder Bergarbeitern, sondern bei denjenigen, die diese Gasmasken mit Blauasbest (Krokydolith) füttern sollten.
Glück Auf!
smoeller
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Ich kann smoeller nur 1000%ig zustimmen ... :D..uii... jetzt sind wir ja schon im Promille-Bereich.. ;D
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Aber nun zum positiven: Die meisten Asbeste sinsd Chrysotil- oder Weißasbeste. Diese zur Familie der Serpentine gehörenden Minerale bestehen aus Röllchen von Silikatschichten. So ähnlich wie eine Teppichrolle. Die Enden sind stumpf, daher ist die Krebsgefahr nich ganz so hoch. Chrysotil stießt sich schlecht in die Lungenzellen.
Aber Amianth? Amianth ist als Aktinolithvarietät ein Amphibol. Amphibolasbeste besitzen spitze Enden.
??? ??? ??? ???
@smoeller: schau bittschön nochmal nach, - könnte das nicht genau anders herum sein? Vorallem: "Die Enden sind stumpf, daher die Krebsgefahr ...." Jerade die Chrysotilfasern spalten sich vornehmlich am Ende mit Vorliebe auf und sind alles andere, blos nicht stumpf.
grüße von Moni
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@smoeller: schau bittschön nochmal nach, - könnte das nicht genau anders herum sein? Vorallem: "Die Enden sind stumpf, daher die Krebsgefahr ...." Jerade die Chrysotilfasern spalten sich vornehmlich am Ende mit Vorliebe auf und sind alles andere, blos nicht stumpf.
Hallo,
nach meinem Wissen, ist es bei lungengängigen Fasern relativ wurscht, wie das Ende beschaffen ist. Ihr redet über "Torpedos" mit weniger als 1µm Durchmesser! In der Größenordnung ist die "normale" Vorstellung nicht angebracht, sonst würde jeder Tonpartikel sofort vom Schuh wegen der Schwerkraft abfallen und nicht wg. Van-Der-Waals wie bescheuert kleben. Da ist meines Wissens die Chemie (="Reizpotential") wichtiger. In der Anweisung zur REM-Untersuchung von Asbest ist auch kein Wort über die Enden erwähnt, nur über die Chemie und Geometrie (Größe + l/b-Verhältnis)
MfG
Frank
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hallo Frank,
Du hast da völlig recht! Nur die Lungengängigkeit zählt letzen Endes.
Konnte jedoch die Äußerung von smoeller so nicht kommentarlos hinnehmen ....
Und meines Erachtens ist es aber bei der REM-Untersuchung schon von Bedeutung, daß man weis wie die einzelnen Faser ausschauen. Und so wie ich weis, mögen sich eben die Chrysotilfaser lieber verbiegen oder besser gesagt vornehmlich krümmen und spalten an den Enden auf. Die Blau-, oder Braunsasbeste mögens lieber geradliniger ...
Neben der Summen- bzw. Punktanalyse, die die Zusammensetzung sagt, muß ich aber eben schon vorher wissen, welche der tausend Fasern in der Probe nun genauer geometrisch + chem. betrachtet werden muß .... ODER ? ??? Insofern ist also die Fasergeometrie schon wichtig.
Ach ja und dann gibt es ja noch die KMF sprich K2-Fasern ;D grins, grins mit ketzerischer Frage: und wie unterscheide ich denn die nun von den K1 ???
Liebe grüße Moni
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Hallo,
zum Glück durfte ich mich nur einmal mit Asbest rumschlagen.
Ich weiss eigentlich nur, dass ein goldbeschichteter Kernporenfilter mit einigen m2 Luft beladen wird. Dann werden ihmo 2mm2 mit 2000x Vergrößerung ausgezählt und berwertet (Faserbüschel, gekreuzte usw). Es wird, Länge und "Länge zu Breite" gemessen und dann eine EDX für den "Krebs"-Faktor gemacht.
Es wird doch eigentlich jede Faser bewertet, oder? Wer macht das denn manuell?
MfG
Frank
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Hallo Frank,
alles richtig - sofern es sich um Raumluftproben handelt.
Aber manchmal ist es auch notwendig, Materialproben hinsichtlich Asbest zu untersuchen. Dann gilt eigentlich die gleiche Prozedur, ab Goldbeschichtung nur mit dem Unterschied, daß keine Fasern gezählt werden. Die Frage lautet dann: Sind Fasern im Material enthalten ja / nein und wenn ja, welche. Für die Beantwortung gilt was ich zuvor schrieb, L/D-Verhältnis ist äußerst wichtig, sind Asbestfasern dabei gilt K1, dann brauchst Du keinen "Krebs-Faktor" mehr, sinds KMF dann muß KI-Index her.
Berechnung KI hatten wir schon mal ....
Manuell? Das Anschauen ist schon als manuell anzusehen .... ;)
gruß Moni
EDIT: Alternative Asbestbestimmung: FTIR - jedoch für Raumluftfreimessungen ungeeignet, jedoch bei Materialanalysen spitze
von der ditten Methode: lichtmikroskopische Bestimmung kann ich nicht viel halten, dan mir nicht geläufig ...
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Hallo Moni,
ich hatte bisher das Glück, nicht im Akkord die Proben durchs REM jagen zu müssen.
zielsetzung:
sicheres Ergebnis! ;)
Da konnte ich dann auch schon mal erst 30min mir die Probe anschauen, bilder machen und dann in Ruhe analysieren. War die Stelle für die Analyse ungünstig, kam halt die nächste dran.
Das Labor war eine Service-Abteilung, es musste nicht wirtschaftlich arbeiten.
Aber:
- Du sagst der Kiste wo die chemische Referenz liegt.
- Du sagst der Kiste wo die Bildreferenz liegt.
- Du sagst der Kiste wo die Proben sind
- Du sagst "go"
und holst später das Ergebnis mit der Analyse jeder Faser ab.
Geile Software ;) Hat sogar mal einen 3µm Partikel meines Eherings in einer Erzprobe gefunden und identifiziert >:(
MfG
Frank
MfG
Frank
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Hi Krizu,
ähnliche Diskussionen hatten wir beide ja auch schon an anderer Stelle.
Deine "Anstriche" wären auch gut zu verkürzen auf folgenden Punkt: Sage dem Chemiker was er finden soll und der analysiert es..... ;D
Nein im Ernst, solides Wissen gehört schon dazu und meiner Meinung nach verdient jedes Pröbchen seine besondere Aufmerksamkeit. Sicherlich eine altmodische Ansicht, trotzdem halte ich mich daran.
Wie gesagt, wir haben kein REM sondern und müssen da immer die Fachkollegen bemühen, so daß ich natürlich hinsichtlich Software da keinen Durchblick habe ... 8)
Liebe Grüße Moni
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Hi Krizu,
ähnliche Diskussionen hatten wir beide ja auch schon an anderer Stelle.
Deine "Anstriche" wären auch gut zu verkürzen auf folgenden Punkt: Sage dem Chemiker was er finden soll und der analysiert es..... ;D
Nein im Ernst, solides Wissen gehört schon dazu und meiner Meinung nach verdient jedes Pröbchen seine besondere Aufmerksamkeit. Sicherlich eine altmodische Ansicht, trotzdem halte ich mich daran.
Zum Glück bin ich Physiker ;D. Aber deine Einstellung ist doch identsich mit:
ich hatte bisher das Glück, nicht im Akkord die Proben durchs REM jagen zu müssen.
Zielsetzung:
sicheres Ergebnis!
Da konnte ich dann auch schon mal erst 30min mir die Probe anschauen, bilder machen und dann in Ruhe analysieren. War die Stelle für die Analyse ungünstig, kam halt die nächste dran.
Das Labor war eine Service-Abteilung, es musste nicht wirtschaftlich arbeiten.
Die Ergebnisse der Software kritisch zu hinterfragen ist natürlich immer notwendig (siehe auch meinen "Augit"-Beitrag!)
MfG
Frank