Mineralienatlas - Fossilienatlas
Fossilien / Fossils / Fósiles => Deutschland / Germany / Alemania => Paläobotanik (fossile Pflanzen / fossil plants) => Rheinland-Pfalz/Saarland => Thema gestartet von: Wolfgang am 06 Nov 05, 08:00
-
barytisierter Koniferen - Zapfen (vermutlich Kiefer)
9,5 cm lang
Mittleres Oligozän (Tertiär / ca. 30 Mio. Jahre)
Bei den „Steinhardter Erbsen“ umschließt Schwerspat pflanzliche und tierische Fossilien. Die Konkretionen besitzen einen konzentrischen Aufbau (unter UV-Licht erkennbar). Entstanden sein dürften sie in Thermen, die wohl an eine Störung bei Steinhardt gebunden waren und Bariumchlorid geführt haben. Wenn nun Pflanzen und Tiere in einem oxidierenden Milieu verwesen, bildet sich Schwefelwasserstoff, der mit Bariumchlorid zu Schwerspat (Baryt) reagiert. Dabei wird Sand um die Fossilien eingeschlossen. Pflanzenreste (z.B. Holz und Koniferenzapfen) werden meist in Baryt umgewandelt, nur Blätter treten als Abdrücke auf. Steinhardt und eine Fundstelle auf der Krim sind die einzigen Fundstellen weltweit, wo Holz zu Baryt versteinert.
Neuamberg - Mainzer Becken (Deutschland)
Die Legende von den Steinhardter Erbsen
Vor langer langer Zeit lebte ein reicher, aber hartherziger Bauer in Steinhardt. Im Fruehling fuhr er hinaus auf seinen Acker um Erbsen zu saeen. Als die Arbeit fast fertig war, kam ein armer, alter Mann zu ihm , gruesste freundlich und bat hoeflich um so viele Erbsen , das er und seine Familie eine Suppe davon kochen könnten. Hoehnisch wies der reiche Bauer den Bettler ab. Eher sollten seine Erbsen zu Stein werden, bevor er auch nur eine Handvoll verschenken wuerde. Traurig wandte sich der Alte ab und ging. Fluchend saete der Bauer weiter. Sein Sack auf der Schulter wurde jedoch nicht leichter, sondern immer schwerer. Da bemerkte er mit Entsetzen , dass die Erbsen sich in runde Steine verwandelt hatten. Aber auch die Erbsen, welche er bereits gesaet hatte, waren inzwischen rundliche Steine geworden. Noch heute findet man in den Aeckern und Weinbergen rund um Steinhardt jene seltsamen Steingebilde, die der Volksmund Steinhardter Erbsen nennt.
-
auch Hölzer kommen in den "Erbsen" vor .....
-
Und noch einige Zapfen ......
-
Hallo Bernd,
Super Info über Steinhardter Erbsen, Danke. Hatte ja bei Ebay für viel Diskusion gesorgt. ;) :D
Gruß Helmut
-
Liebster Wolfgang,
da sind nicht nur Zapfen und Muscheln (und nach den Auktionen bei ebay ja alles was sich ankleben läßt) drin sondern auch der Wurm.
Wenn es Schwefelwasserstoff war, der mit dem Bariumchlorid reagiert hat dann muß das Milieu reduzierend und anaerob (wie es sich halt für eine Therme die nach Schwefel stinkt gehört (fahr nach Baden ;) ) gewesen sein. Wenn das Milieu oxidierend gewesen und trotzdem Schwefel da gewesen wäre hätte sich SO2 gebildet und ich wüßte nicht was aus dem Bariumchlorid geworden wäre (weil ich kein Chemiker bin ;D ).
Es muß aber gar keine Therme da sein, damit sich H2S bildet, du als Botaniker denk an den Gartenteich: ruhiges Wasser, warm, tiefere Senke ohne Zirkulation und du hast den herrlich nach Schwefelwasserstoff stinkenden Schlamm am Boden.
Wenn aber die Theorie mit der hydrothermalen Ursache stimmt war das Milieu auch reduzierend und weil zum Glück auch Bariumchlorid drin war haben wir Baryt, sonst hätten wir nur die für anaerob-reduzierend typische Pyriterhaltung.
Frage an alle: wie schaut eigentlich das Sediment aus in dem diese Kugeln liegen? Ist da Pyrit drin? Dunkel, fast schwarz oder mehr wie die Erbsen? ich kenne die Funstelle nicht.
Innerösterreichische liebe Grüße :D an Wolfgang und ebensolche an alle!
Johannes
Bei den Steinhardter Erbsen umschließt Schwerspat pflanzliche und tierische Fossilien. Die Konkretionen besitzen einen konzentrischen Aufbau (unter UV-Licht erkennbar). Entstanden sein dürften sie in Thermen, die wohl an eine Störung bei Steinhardt gebunden waren und Bariumchlorid geführt haben. Wenn nun Pflanzen und Tiere in einem oxidierenden Milieu verwesen, bildet sich Schwefelwasserstoff, der mit Bariumchlorid zu Schwerspat (Baryt) reagiert.................................
-
bei steinhardt handelt es sich um eine sandgrube. ähnlich wie in rockenberg hessen.
die entstehung der barytrosen von rockenberg ist hydrothermal.
ich meine das es in steinhardt genau so ist. mit dem barytknollen.
-
Bernd,
danke für die Infos! Es ging mir nur darum: wenn man zur Entstehung vom Barit H2S braucht, muß das Milieu reduzierend gewesen sein.
LG Johannes
-
zur entstehung der baryte von rockenberg , kann auch auf steinhardt angewendet werden.
-
Bernd, :D
nochmals danke.
Wenn Baryt Bariumsulfat ist (ich wußte das als Schneckensammler nicht) dann war das Milieu oxidierend (ich ziehe mein reduzierend zurück) aber dann ist die Enstehung aus Bariumchlorid nicht mit Schwefelwasserstoff durch verfaulende Tiere und Pflanzen sondern nur durch H2SO4 (Schwefelsäure) aus den hydrothermalen Austritten zu erklären (BaCl2 + H2SO4 =BaSO4 + 2 HCl).
Schwefelwasserstoff (wie Wolfgang meint) bildet sich nun mal nur im reduzierenden Milieu.
Ich weiß ich nerve aber irgendwas hat mich da gestört........ ???
LG
Johannes
-
nein du nervst nicht .ist doch ok. gruß bernd
-
.... Entstanden sein dürften sie....
Ich schrieb doch .... DÜRFTEN ......, weil ich selbst nicht bei der Entstehung dabei war ;) und ich zudem kein Chemiker bin.
Diese Informationen stammen von einem Wiener Sammlerkollegen .....
-
deshalb schreib ich immer ZITAT dran ;D wenns nicht von mir stammt. ;)
-
Morgen,
ich habs ja auch zitiert die Aussage.
Spanisch ist mir die Sache nach wie vor, aber wir haben im Forum ja auch die Mineralisten die man nerven kann. ;D
Wolfgang: es war nichts persönlich gemeint-spanisch eben. ;) Theorien müssen nun mal damit leben, überdacht zu werden.
LG Johannes
-
Dann kann ich nur um Erforschung der Sache und Mitteilung bitten ......., falls was bahnbrechend Neues dabei raus kommt. ;)
-
Wird nicht so dramatisch werden denk ich mal. Aber mich interessiert nun auch das Drumherum.
-
Zu den Steinhardter Erbsen siehe auch folgende Forumsbeiträge:
http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php?topic=24784.0
http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php?topic=7426.15
im Lexikon:
http://www.mineralienatlas.de/?l=5909
https://www.mineralienatlas.de/?l=46085
und folgende Seite von P. C. Huber:
https://www.facebook.com/media/set/?set=a.379882405410599.90831.214606828604825&type=1
und ein Beitrag in "Fossilien":
K. M. Winckler, "Hülsenfrüchte" aus dem Oligozän - Die Grube Steinhardt bei Sobernheim. Fossilien Jg. 1 Heft 6, Nov./Dez. 1984, 253 ff.